IV.

FAHRZEUGE FÜR VERSCHIEDENE ZWECKE, DIE KEINER DER VORGENANNTEN GRUPPEN

ANGEHÖREN.

Es braucht nicht gesagt zu werden, dass unter den Gruppen I, II,

III sich noch eine Menge kleiner Schiffe finden, die für örtliche

Zwecke bestimmt sind und mehr oder weniger von derselben Grundgruppe

abstammen, aber nach ihrer Bestimmung von einander abweichen.

Unter den wichtigsten nennen wir die «Bocken», die man sowohl in

Holland wie in Friesland trifft. Zur selben Familie gehören die

«Groningeraardappelpramen» (Prähme zur Beförderung von Kartoffeln nach

Groningen).

Der «Snik», friesisches Fahrzeug mit einem etwas geneigteren

Vordersteven; es gleicht darin ziemlich dem «Haarlemermeerplompertje»

(kleines Schiff für das Haarlemermeer). Wenn der Hintersteven geneigter

ist, so erhält man die «Westlanders».

Wenn diese letzteren einen Bordteil weniger haben wie die Baggerschiffe

aus dem Haag, so werden sie zu «Bocken», die man aber nicht mit den

vorher genannten verwechseln darf.

Im Norden von Overyssel, findet man noch bei Vollenhove ein kleines,

sehr bekanntes Schiff, den «Punter», der wahrscheinlich aus der

«Haringschuitje» (Barke zur Heringsfischerei) vom Zuiderzee stammt.

Die «Groenteschuitje» von Hoorn die zur Gemüsebeförderung dient, ist

ganz gleich gebaut. Sie ist schmal mit stark geneigtem Vorder- und

Hintersteven.

Der gleiche Ursprung zeigt sich noch bei dem «Praam» von Utrecht und

der _Krommen Rijnaak_. Diese sind indessen länger, wenn man ihre Breite

berücksichtigt.

Ausser den vorgenannten Typen finden wir noch den «Snik» oder

die _Gondel_ aus Nord-Holland, die sehr den «Oude Kinderdijksche

Hoogaarsen» und auch der ganz alten «Vischschuit van Aalsmeer»

(Fischerbarke von Aalsmeer) gleichen.

Ausser einer ganz ausserordentlichen Zahl von kleinen _Schauwen_, die

nichts anderes sind als offene und flache Fähren, wie man sie schon

auf den ältesten Stichen findet, begegnet man in Holland noch den

«Schiedamschen Schauwen» oder den «Melken Spoelingschuiten» (Barken

zur Beförderung von Milch und Trebern). Es sind dies lange und flache

Barken mit einem glatten Vorder- und Hinterteil.

Eine besondere Familie wird durch die «Barges» (Barken) und

«Trekschuiten» gebildet (getreidelte Barken); diese sind in den ganzen

Niederlanden verbreitet. Sie gleichen sich fast alle, da sie, aus

Holland stammend, sich nur in dem übrigen Teil des Landes verbreitet

haben, in dem Masse, wie Kanäle gebaut wurden.

Besonders in der Provinz Drenthe ist die «Trekschuit» noch sehr

gebräuchlich. Der Bau der Eisenbahnen und Strassenbahnen wird sie

indessen allmählich verschwinden lassen. Einen wichtigen Platz nehmen

bei uns die _Baggeraken_ ein (Baggerschiffe).

Uebrigens erfordert die besondere Beschaffenheit unserer Flüsse

und Meeresarme fortwährende Baggerungen, um die Häfen und

Schiffahrtsstrassen auf der richtigen Tiefe zu halten. Wir dürfen

hierbei nicht an unsere modernen Bagger denken, sondern an die «Hand-

oder Hijschbeugel» (Handbagger), das älteste bekannte Werkzeug zur

Beseitigung des Baggergutes.

Die hierzu verwendeten Fahrzeuge heissen im allgemeinen «Baggeraken»

obgleich sie sich oft sehr von einander unterscheiden. Der bekannteste

Typ ist die _Vlet-_ oder _Baggeraak_, auch _Sliedrechtsche Aak_ genannt.

Man verwendet hierzu noch viel die «Boeieraken» (Bujeraken). Sie

gehören alle zur Klasse der abgerundeten Schiffe. Einen besonderen

Typ findet man in Dordrecht, nämlich den _Vreeswijkschen Zandlichter_

(Sandleichter) und die Dortsche _Zantschuit_ (Sandschute) (Barken zum

Sandbaggern), die unter sich viel Ähnlichkeit haben.

Die letzteren dienten fast ausschliesslich zum Baggern von Ballast

für die Seeschiffe. Sie sind jetzt bis auf einige Exemplare

verschwunden. Im Westen und in der Rheingegend verwendet man zum

Baggern und zur Beseitigung des Dünensandes fast ausschliesslich die

_Bokken_, die in der Form den «Westlanders» gleichen. Sie haben einen

Bordteil weniger. In der Provinz Utrecht gebraucht man hierzu die

_Slijkpramen_ (Schlickprähme), entsprechend der «Krommen Rijnaak»,

(Krummen Rheinaak) dem allgemeinen Typ von Utrecht; in Groningen

erfolgt dagegen die Beförderung von Schlick durch den «Groninger

Slijkpraam» oder «Vlotpraam», ein schmales, aber bauchiges Fahrzeug,

das nichts gemeinsam hat mit dem «Overysselschen Praam», der ihm

übrigens in keiner Weise gleicht. Der Vorläufer unserer Bagger

ist der alte _Moddermolen_ oder das «Moddermolenschip» (wörtlich

Schlammühlenschiff), das seit 1575 vor Amsterdam verwendet wurde. Noch

sind als sehr alt zu nennen die _Zolderschuiten_ und die _Schauwen_,

die wir heute «Bakken» nennen würden. Im Jahre 1829 versieht man sie

mit Bodenklappen, woraus sich die _Klepschauwen_ oder _Onderlossers_

ergeben (wörtlich: Schiffe, die sich vom Boden aus entleeren).

Schliesslich haben wir noch die Vergnügungsfahrzeuge oder Segelyachten,

für welche man als holländischen Typ die _Boeierjacht_ (Bujeryacht)

(Südholland) und den «Tjotter» (Friesland) verwendet.

Es ist zu bemerken, dass man sie, wenn man von Vergnügungsfahrzeugen

spricht, meistens «Yacht» nennt, obwohl das Schiff gewöhnlich nicht

einer Yacht gleicht. Der Name bezeichnet nicht immer den Typ.

Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1 · 第 27 / 142 题