Schlachtschiff «Triumph», mit 1000 bis 1100 t. Ladefähigkeit, einer
Besatzung von 300 Matrosen, 40 Kanonieren und 160 Soldaten sowie
42 Kanonen. Ausser dem «Triumph» zählte die englische Flotte nur 7
Schiffe, deren Tragfähigkeit von 600 bis 1000 t schwankte, während die
spanische Flotte 45 von dieser Grösse besass.
Die Gesamtbesatzung der englischen Flotte zählte 15551 Köpfe, Holland
war in diesem Kampf auf der Seite Englands; Holland war es, das den
Herzog von Parma bei Dünkirchen einschloss.
Die grössten niederländischen Schiffe hatten eine Wasserverdrängung
von 400 t. Sowohl in England wie bei uns mietete man für den Krieg
Handelsschiffe, die vorübergehend als Kriegsschiffe dienten. Das war
die alte Sitte des Mittelalters, die noch lange bestand. Zu jener
Zeit war es übrigens um so leichter, Handelsschiffe für den Krieg
auszurüsten, als die Artillerie noch in den Kinderschuhen steckte oder
unbekannt war.
Die folgenden Ziffern (~Holmes~, S. 95) zeigen uns, dass im
allgemeinen die Schiffe der südlichen Staaten grösser waren als
die unsrigen. Im Jahre 1792 bemächtigten sich die Engländer einer
portugiesischen Karake von 1600 t, einer Länge von 165 Fuss zwischen
Vorder- und Hintersteven und 7 Decken.
Im Jahre 1594 geschah dasselbe mit einer spanischen Karake, die 1100
Mann an Bord hatte. Bei der Einnahme von Cadix im Jahre 1596 fielen
zwei spanische Galeassen dem Feinde in die Hände. Sie hatten eine
Tragkraft von 1200 t, das Admiralschiff San Felipo, das man in die
Luft sprengte, hatte einen Tonnengehalt von 1500. I. J. 1602 kaperte
man in Cezimbra eine portugiesische Karake von 1600 t, genannt «San
Valentino», deren Wert einschliesslich der Kanonen auf 1 Million
Dukaten geschätzt wurde.
Unter der Regierung der Königin Elisabeth (1588 bis 1603) nahmen
die Engländer, wie man sagt, nach unserem Beispiele und infolge der
Erfindung von Kryn Wouterszoon den Mast mit beweglichem Mars an.
(~Holmes~, S. 86.)
Bisher waren die Stückpforten nicht nur unregelmässig verteilt, sondern
die untere Reihe befand sich im allgemeinen so niedrig, dass sie bei
mehr oder weniger bewegter See geschlossen gehalten werden mussten.
In England indessen bemühte man sich, die untere Reihe höher zu legen
(~Holmes~, S. 96), und dies Beispiel wurde bald allgemein befolgt.
Frankreich, das bis zu dieser Zeit nur auf dem Mittelmeer erschienen
war, begann im 17. Jahrhundert unter Richelieu (1624-1692) seine
Marine zu entwickeln. Colbert setzte dieses Werk mit Eifer fort. Wie
wir bemerkt haben, als wir vom Mittelmeer sprachen, waren die ältesten
französischen Schiffe im Grunde völlig denen der Genuesen ähnlich;
bis gegen 1650 überwogen auch dort die Galeeren. Nur der Norden
Frankreichs, sowie die Normandie gehören, wie die alten Abbildungen
zeigen, zum Nordzentrum. Das überrascht uns nicht; man erinnere sich
des Einfalls der Normannen in jene Gegenden. Noch heutigentags findet
man im Norden Frankreichs Schiffe, die denen von Flandern und unserer
Heimat gleichen.
Kehren wir jetzt zu den Niederlanden zurück.
Nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien durch Vasco da Gama im
Jahre 1498, und nachdem Portugal sich das Handelsmonopol in diesen
Gegenden gesichert hatte, wurde Lissabon der Sitz des Welthandels.
Zu jener Zeit holten die Holländer die Erzeugnisse Indiens aus den
portugiesischen Häfen. Aber im J. 1580 bemächtigte sich der Herzog von
Alba Portugals und nahm es für Spanien in Besitz. Trotzdem duldete man,
dass wir fortfuhren, mit dem ersteren Land Handel zu treiben, bis im
Jahre 1585 alle holländischen Schiffe fortgenommen wurden.
Holland sah sich also gezwungen, sich selbst einen Weg nach Indien zu
bahnen, den man zuerst über den Norden zu finden glaubte. Zu diesem
Zweck rüstete man im Jahre 1594 vier Schiffe aus; zwei davon auf Kosten
Hollands, zwei auf Kosten Amsterdams. Dieses Unternehmen scheiterte,
ebenso das von 1595, dem die berühmte Expedition von Heemskerk, Barens
und Ryp folgte, die gleichfalls ergebnislos verlief.
In der Zwischenzeit suchte man einen Weg über den Süden und das Kap der
guten Hoffnung. Im Jahre 1595 lief eine Flotte von vier Schiffen unter
der Leitung von Keyzers und Houtman aus; ihre Abwesenheit dauerte 2½
Jahre. Nach einer Fahrt von 446 Tagen erreichten die Schiffe Bantam und
besuchten Bali. Die Rückkehr erforderte 168 Tage. Diese Flotte hatte
eine Mannschaft von 248 Köpfen an Bord.
Die Ergebnisse dieser Unternehmung waren nicht glänzend; trotzdem hatte
sie die Bildung der Ostindischen Kompagnie im Jahre 1602 zur Folge, die
in unserer Geschichte eine so wichtige Rolle spielte.
Es braucht nicht gesagt zu werden, dass beide Ereignisse einen
entscheidenden Einfluss auf die Entwickelung unserer Schiffbaukunst
hatten.
Im Anfang des 17. Jahrhunderts war noch nicht die Rede von einer
eigentlichen Kriegsmarine. Für alle wichtigen Ereignisse mietete man
noch Handelsschiffe, die man in Kriegsfahrzeuge umwandelte. Unsere
Flotte bestand also zu jener Zeit aus allen möglichen Schiffstypen.
Unter diesen waren die Schiffe mit Spiegel, genannt Pinassen,
die «Vlietboote» oder «Flüten» die wichtigsten. Es gab ausserdem
«Heckboote» und «Schmacken» von geringerer Grösse. Wir finden also
drei Sorten, von denen oben gesprochen ist: die «Spiegelschiffe», die
«Flüten» und die «Schmacken».
[Sidenote: II 149]
Das alte Modell von Zierikzee gibt uns die beste Vorstellung von
dem Uebergang des Spiegelschiffs des 16. Jahrhunderts in das des 17.
Wenngleich es, wie übrigens alle alten Abbildungen, Fehler in den
Grössenverhältnissen zeigt, so zieht es doch unsere Aufmerksamkeit
auf die ausgesprochene Neigung seines Vorderstevens. Es war zu jener
Zeit allgemein üblich, dass das Schiff möglichst wenig in das Wasser
tauchte, einen stark geneigten Vordersteven und ein vorspringendes
Vorderteil hatte, so dass es das Wasser leichter verdrängen konnte,
oder, wie man sagte, das Wasser unter, und nicht um den Kiel führen
konnte. Man glaubte, dass das Wasser unter die Bordwände. gesogen
würde, (~Van Yk~, S. 353), und dass das sehr schräg stehende Vorderteil
es dem Schiff ermöglichte, leichter über das Wasser zu gleiten.
(~Witsen~, S. 47, 2. Spalte unten.)
Später hat man seine Ansicht geändert, und wir sehen dann, dass bis zum
19. Jahrhundert man den Vordersteven immer mehr aufrichtet; das Schiff
gewinnt dadurch an Weite.
~Fürtenbach~ bildet ein holländisches Fahrzeug aus dem Anfang des
17. Jahrhunderts ab; der Spiegel ist darin, wahrscheinlich, um die
Schwierigkeiten der Zeichnung zu vermeiden, nur durch einige Linien
angegeben. Das Hinterkastell ist grösser geworden; der Teil zwischen
dem Vorder- und Hinterkastell bleibt immer noch offen. Diese Bauweise,
die sich aus der fortschreitenden Entwickelung der Kastelle im
Mittelalter ergibt, verschwindet erst am Ende des 18. Jahrhunderts in
dem Augenblick, wo die Fahrzeuge mit 2 oder 3 Decken auf der Bildfläche
erscheinen.
Bei diesen Schiffen sind Vorder- und Hinterkastell von gleicher Höhe;
sie sind mit einander verschmolzen und bestehen aus mehreren über
einander liegenden Decken.
Auch die Takelung hat neue Aenderungen erfahren, zweifellos infolge
der Erhöhung des Hinterteils. Der vierte kleine, an dieser Stelle
errichtete Mast hat nämlich einem Mast Platz gemacht, der mit einem
viereckigen Segel versehen und am Ende des Bugspriets festgemacht ist.
Dieser Mast diente nur dazu, das Schiff zu steuern.
Die Schiffe nehmen an Grösse zu, und die Ausrüstung wird infolge einer
zweckmässigeren Anordnung der Artillerie verbessert. Die folgenden
Ziffern liefern den Beweis dafür.
Im J. 1596 hat ein Fahrzeug von 200 Last nur 24 Kanonen, ein Fahrzeug
von 150 Last 17 und ein Schiff von 100 Last nur 16 an Bord.
Im J. 1616 stellt man 36 Kanonen auf einem Schiff von 200 Last auf, 28
auf einem Schiff von 120 Last, und i. J. 1628 spricht man von einem
Schiff von 200 Last, das mit 39 Kanonen bestückt ist (~de Jonge~, Bd.
2, S. 396).
Ausser der besseren Anordnung ergab sich die Vermehrung der Artillerie
selbst durch die Bewaffnung des Oberdecks und der Kampagne. Um 1639
wurde ein grosser Teil der eisernen Kanonen durch solche aus Bronze
verdrängt, was es ermöglichte, eine grössere Anzahl von Kanonen an Bord
zu nehmen (~de Jonge~, Bd. 1, S. 400); aber diesen Kanonen fehlte das
einheitliche Kaliber und die gleiche Grösse. Durch spätere Einführung
von Kanonen eines gleichartigeren Kalibers wurde der Gefechtswert der
Schiffe erheblich vermehrt.
Wie gross auch die erreichten Fortschritte für unsere Flotte waren, so
konnte sie doch nicht die Rolle spielen, die ein Seekrieg erforderte.
Man sah sich also schliesslich genötigt, eigentliche Kriegsfahrzeuge
zu bauen, da die Aufgabe mit Handelsschiffen nicht mehr zu lösen war.
Man beschloss also, 60 neue Kriegsschiffe zu bauen, die man im Jahre
1652 auf Stapel legte. Diese Flotte, die erste Kriegsflotte, die in
unserer Heimat gebaut wurde, lief schon im Jahre 1658 aus. In diesem
Jahre brach man also mit der alten mittelalterlichen Sitte, nach der
man Handelsschiffe für den Krieg zurechtmachte.
Es ist selbstverständlich, dass die fragliche Flotte allein nicht
genügte, und dass Handelsschiffe als Transportschiffe dienten. Deshalb
behielten diese letzteren Kanonen zu ihrer eigenen Verteidigung an Bord.
[Sidenote: II 146]
[Sidenote: II 147]
Die oben genannten Kriegsschiffe hiessen «Pinassen» und hatten einen
Spiegel sowie ein grosses Galion. Das Admiralschiff von Tromp, die
«Emilie» war eine Musterpinasse.
[Sidenote: III 8]
[Sidenote: III 9]
[Sidenote: II 150]
Im Jahre 1664 wurde die Flotte in sehr kurzer Zeit noch um 60 neue
Einheiten vermehrt (Spiegelschiffe) (~de Jonge~, Bd. 2, S. 25 u. ff.).
Als man diese Schiffe baute (~de Jonge~, Bd. 2, S. 27), beabsichtigte
man besonders, unsere Marine mit Schiffen zu versehen, die, _soweit
es unsere Durchfahrten und Häfen gestatteten_, wenigstens so gross
und stark wie die des Feindes waren; die Zahl ihrer Kanonen wurde auf
60 bis 80 festgestellt. Unter diesen Fahrzeugen, die im Jahre 1665
ausliefen, befand sich das wohlbekannte Schiff De Ruyters «Die sieben
Provinzen».
Auf den meisten Schiffen waren die Kanonen aus Ersparnisrücksichten
teils aus Eisen, teils aus Bronze; das Admiralschiff De Ruyters jedoch
hatte nur Bronzekanonen.
Die folgenden Ziffern werden eine Vorstellung von der zunehmenden
Grösse der Schiffe geben.
Im Jahre 1654 hatte das grösste Schiff 150 Fuss Länge, 38 Fuss Breite
und 15 Fuss Tiefe; es trug 58 Kanonen. Das ihm folgende hatte eine
Länge von 146 Fuss, eine Breite von 26 Fuss und eine Tiefe von 14 Fuss;
es hatte 60 Kanonen an Bord.
Beim Beginn des zweiten Krieges mit England massen die beiden grössten
Schiffe 169 und 171 Fuss in der Länge. «Die sieben Provinzen» hatte
eine Länge von 163 Fuss, eine Breite von 43 Fuss und eine Tiefe von 15
Fuss. Das nächstfolgende mass 155-160 Fuss in der Länge, 40½–42½ Fuss
in der Breite und 15 Fuss in der Tiefe u. s. w.
Die Längen und Breiten nehmen also zu, aber die grösste Tiefe bleibt 15
wegen der Tiefe unserer Durchfahrten.
Als man später im Ausland mit der Vergrösserung fortfuhr, und als
man bei uns die Notwendigkeit empfand, diesem Beispiel zu folgen,
wurde die Frage des grössten Tiefganges eine Aufgabe, die die volle
Aufmerksamkeit unserer Schiffbauer immer mehr in Anspruch nahm. Je
grösser das Schiff wurde, um so breiter wurde es, weil der Tiefgang
beschränkt war; hierdurch wurde es den Schiffen der feindlichen Länder
unterlegen, mit denen man leichter segeln konnte. In diesen Ländern
brauchte man nämlich nicht Rücksicht auf die wenig tiefen Fahrstrassen
zu nehmen und konnte demnach Schiffe von schmalerer Form bauen. (~Van
Yk~, 1697, Seite 353.)
Als daher, i. J. 1682, die Fahrzeuge, aus denen unsere Flotte bestand,
in Klassen oder «Charters» geteilt wurden, rechnete man zur ersten
Klasse nur Schiffe von 16 bis 17 Fuss Tiefe. Zu dieser Klasse gehörten
später die ersten Schiffe mit dreifachem Deck, die bei uns gebaut
wurden. Es wird uns daher nicht wundern, wenn schliesslich unsere
Kriegsschiffe denen des Auslands weichen mussten, die immer grösser
wurden. Dieser Zustand war keine Folge der Minderwertigkeit unserer
Schiffbauer, sondern hatte seinen Grund in dem Zustande unseres
Fahrwassers.
[Sidenote: III 13]
Der Unterschied im Tiefgang tritt deutlich hervor, wenn wir die
Abmessungen des grössten französischen und englischen Schiffes mit
denen unseres grössten Schiffs am Ende des 17. und am Anfang des 18.
Jahrhunderts vergleichen. Diese Abmessungen waren die folgenden: für
das holländische Schiff: Länge 49,26 m; Breite 12,88 m; Tiefe 4,86 m;
für das englische Schiff: Länge 49,41 m; Breite 14,33 m; Tiefe 5,64 m;
für das französische Schiff: Länge 59,91 m; Breite 14,29 m; Tiefe 5,61
m.
Man verstand unter Tiefe die innere Höhe des Schiffs gemessen bis zur
ersten Schwimmlinie. (~Witsen~, S. 74, unter 9.) (S. auch Abbildung
XXXII, S. 56 desselben Werkes u. s. w.)
Ein Schiff von 4,86 m Tiefe brauchte übrigens mit Hinzurechnung
der Kielhöhe u. s. w., eine Wassertiefe von wenigstens 5 m. Nun
hatte sich die Wassertiefe im «Pampus» bei Amsterdam am Ausgang
des 17. Jahrhunderts bekanntlich schon wesentlich vermindert. Die
grossen Schiffe konnten nicht mehr oder doch nur mit sehr grossen
Schwierigkeiten in die Stadt gelangen.
[Sidenote: II 238]
Unter diesen Umständen erfand ein gewisser Meeuwis Meindertz Bakker,
aus Amsterdam gebürtig, i. J. 1691 die «Seekameele», mit deren Hilfe
man die Schiffe um 5 bis 6 Fuss heben konnte. (~Van Yk~, S. 360.)
Diese «Seekameele» hatten auf der einen Seite eine senkrechte Wand,
die andere schmiegte sich der Form des Schiffes an. Auf beiden Seiten
angebracht umschlossen sie das Schiff, indem sie eine Art Schwimmdock
bildeten.
Wurde das Schiff zwischen diese beiden, fest mit einander verbundenen
Kameele genommen, so stieg es in dem Masse, wie man die Kameele
entleerte.
Die «Seekameele» sind recht gut bei ~Van Yk~, Blatt 360, abgebildet,
ebenso in dem Werke: _Figures de navires et embarcations_, 1831, S.
135, von ~Le Comte~.
Kleine Barken schleppten das so gehobene Schiff durch den «Pampus».
Was die Tiefe an dieser Stelle betrifft, so berichtet ~Le Comte~ (S.
38), dass bei Flut der Pampus oder «Muiderzand» 10½ Fuss Tiefe hatte
(2,97 niederl. Ellen), und bei Ebbe 9 Fuss (2,55 niederl. Ellen). Nur
bei ausserordentlich starker Flut war eine Wassertiefe von 13 Fuss
vorhanden (3,68 niederl. Ellen).
Später gelang es, dank der «Seekameele», Schiffe von 19 Fuss Tiefe, d.
h. von 5,58 m bis vor Amsterdam zu führen.
Aber dieser Zustand ist bei Rotterdam nicht besser. Hierüber berichtet
der Schiffbauer ~Van Yk ~in seinem Werke von 1697, S. 14. «En waarlyk
de wytheid der schepen is wel het voornamste en beste middel om het
ondiepgaan derselve te bevorderen, een saak die wy hier te lande
wegens de droogte of ondieptheid onzer zeegaten, ten hoogste dienen te
betrachten; want (volgens ’t getuigenis van ervaarne en de diepte dezer
zeegaten zeerwel bepeild hebbende loodsen) soo konnen met een gemeen
geleide uit het Goereesche gat niet meer dan 20, uit Texel, omtrent
ook soo veel en uit de Maas niet meer als 13 voeten diepgaande schepen
worden gelootst. Waarom dan ook somtyds wel is komen te gebeuren, dat
eenige van ’s Lands oorlogsschepen, soo nauw gemaakt en om zeilvoerens
wil soo diep geballast synde, met een dood getyde en Wind, tot Staats
groot nadeel, niet konnen ’t zee geraken, of daar al in synde, haar
onderste geschut, omdat so naby ’t water lag, niet bruikbaar werd
bevonden»[10].
Ferner heisst es auf S. 360: «Want soo heeft men al voor veele jaren,
om onze groote en diepgaande schepen in zee te brengen, wegens de
ondieptheid onzer _rivieren_ en _zeegaten_, getragt, waar ’t mogelyk,
door ledig vatwerk, so pypen, als voedervaten, op te ligten en te
doen ryzen. Dog was dit werk, om het byeen schikken der vaten, een
ellendige talmery en veel arbeids onderworpen»[11].
Nach den Berichten der Batavischen Gesellschaft in Rotterdam 1850, S.
94 und ff. war die Durchfahrt von Briel nur für Schiffe von 3 m bis
3,50 m fahrbar; die grösseren Schiffe mussten durch das «Goereesche
Gat» fahren, um nach Rotterdam zu kommen, in dem sie nacheinander
das «Hollandsche Diep» und das «Dortsche Kil» benutzten. Selbst an
diesen Stellen war bei Flut nur eine Tiefe vorhanden, die höchstens
für einen Tiefgang von 5,10 m genügte (s. Dr. ~Blink~, _Nederland en
zyne Bewoners_, Bd. I, S. 447); diese Strasse war übrigens wegen der
geringen Fahrwasserbreite schwer fahrbar. Dieser Zustand veranlasste
die Herstellung des Kanals von Voorne (1827-29). Trotz dieses Kanals
hing auch ferner der grösste Tiefgang von der Tiefe ab, die bei
gewöhnlicher Flut das Goereesche Gat und das Hellegat hatten. Diese
Tiefen betrugen 5,10 m und 5,20 m. (W. F. ~Leemans~: _De Nieuwe
Waterweg, etc. Gedenkboek, K. Inst. Ing._ S. 13, s. auch S. 130
desselben Werkes.)
[Sidenote: II 140]
[Sidenote: III 14]
In dem Masse, wie im Auslande die Schiffe wuchsen, wurde die Lage
bedenklicher für die niederländische Marine. Und das Ausland schlief
nicht! England widmete seiner Marine i. J. 1656-57 ⅘ der Kroneinkünfte;
i. J. 1657-58 ⅔ und 1658-59 gegen ⅗. (~Holmes~, S. 108.)
Vier von den grössten während dieser Zeit gebauten Schiffen hatten
eine Ladefähigkeit von über 1000 t; i. J. 1673 wurde das bei uns
wohlbekannte Schiff «The Royal Charles» vom Stapel gelassen, das später
von den Holländern gekapert wurde.
Die meisten englischen Kriegsschiffe gehörten zu dieser Zeit noch zur
3. Klasse. I. J. 1666 verteilten sich die Schiffe folgendermassen auf
die Klassen:
+-------+---------+--------+-----------+-----------+--------+
|KLASSE | KIEL- | BREITE | TIEFE | TRAGKRAFT |KANONEN |
| | LÄNGE | | | | |
+-------+---------+--------+-----------+-----------+--------+
| 1 | 128-146 | 40-48 | 17,9-19,8 | 1100-1740 | 90-100 |
| 2 | 121-143 | 37-45 | 17-19,8 | 1000-1500 | 82-90 |
| 3 | 115-140 | 34-40 | 14,2-18,3 | 750-1174 | 60-74 |
| 4 | 88-108 | 27-34 | 11,2-15,6 | 12,8-17,8 | 32-54 |
| 5 | 72-81 |23,6-27 | 9,9-11 | 11,6-13,2 | 26-32 |
| \----------------V----------------/ |
| Die Masse sind in englischen Fuss angegeben, |
| 1 Fuss = 0,3048 m |
I. J. 1646 wurde in England die erste Fregatte gebaut, und i. J. 1679
wurde dort der Mörserprahm (Bombarde) eingeführt, nach einem vom
französischen Schiffbauer Bernard Renan erfundenen Modell.
Nach 1700 stand die Schiffbaukunst völlig unter dem Einflusse
derjenigen Frankreichs.
«It may truly be said, sagt ~Holmes~, S. 114, that during the whole of
the eighteenth century the majority of the improvements introduced in
the forms and proportions of vessels of the Royal Navy were copied from
French prizes»[12].
Kaum hatte man ein französisches Schiff gekapert, als man es nachahmte,
aber mit Vorliebe in grösserem Massstabe. (~Holmes~, S. 124.) Die
Schiffbaukunst hatte sich übrigens wesentlich vervollkommnet, besonders
unter dem Minister Colbert (1661), nachdem der Kardinal Richelieu
die ersten Grundlagen geschaffen hatte (1630). Die von Colbert
aufgestellten Regeln wurden bis zum 19. Jahrhundert befolgt, mit
einigen Abweichungen in Einzelheiten.
I. J. 1668 umfasste die französische Flotte schon 176 Schiffe, von
denen eins der schönsten und berühmtesten die «Soleil Royal» war. Diese
Flotte war vollständig ebenso organisiert wie die in Holland. (~de
Jonge~, Bd. III, 1. Teil, S. 114.) Es gab übrigens zu jener Zeit nur
geringe Unterschiede zwischen den französischen und den holländischen
Modellen.
Am Ende des 17. Jahrhunderts, unter der Regierung Ludwigs XIV, wuchsen
die Abmessungen erheblich. Man kann sich hiervon ein Bild aus der
nachstehenden Übersicht machen, die dem ~Barras de la Penne~ entnommen
ist (1698).
+--------+-------+------------+-----+------+-----+--------------------+
| RANG | ZAHL | KALIBER | | | | ZAHL |
| UND | DER |UND MATERIAL|LÄNGE|BREITE|TIEFE| DER |
|ORDNUNG |KANONEN|DER KANONEN | | | | BATTERIEN |
+--------+-------+------------+-----+------+-----+--------------------+
| | | m | m | m | |
| 1. | {1 Batterie, | | | | } |
| Reihe. | {8-48, der Rest,| | | |Drei verdeckte } |
| 1. | {36 |56,01| | |Batterien, } |
|Ordnung.|122 {2 Batterien, 24|Kiel |15,64 | 7,64|Kampanje und } |
| | {3 Batterien, 18|51,54| | |Vorderkastell. } |
| | {und Kampagnen, | | | | } |
| | {12 und 18 | | | | } |
| | | | | | | } |
| 1. | | | | | |Drei verdeckte } |
| Reihe. |70-100 | Bronze- |51,91|14,29 | 6,61|Batterien, } |
| 2. | | kanonen. | | | |Vorder- und } |
|Ordnung.| | | | | |Hinterkastell. } |
| | | | | | | } |
| 2. | | | | | | }[*] |
| Reihe. |60-70 | desgl. |48,72|13,47 | 6,17|desgl. } |
| 1. | | | | | | } |
|Ordnung.| | | | | | } |
| | | | | | | } |
| 3. | | | | | | } |
| Reihe. |56-66 |Kanonen ⅔ |47,47|12,34 | 5,68|Zwei verdeckte } |
| 1. | |aus Bronze, | | | |Decke, Kam- } |
|Ordnung.| |⅓ aus Eisen.| | | |panje und } |
| | | | | | |Vorderkastell. } |
| | | | | | | } |
| 3. | | | | | | } |
| Reihe. |40-50 |Kanonen ½ |34,22|12,01 | 5,41|desgl. } |
| 2. | |aus Bronze, | | | | } |
|Ordnung.| |½ aus Eisen.| | | | } |
| | | | | | | |
| 4. | | | | | | } |
| Reihe. |30-40 |Kanonen ⅓ |38,98|10,55 | 4,71|desgl. } |
| | |aus Bronze, | | | | } |
| | |¾ aus Eisen.| | | | } |
| | | | | | | } |
| 5. | | | | | | } |
| Reihe. |18-30 |Kanonen ¼ |35,73| 8,66 | 4,55|Zwei kleine }[**]|
| | |aus Bronze, | | | |Aufbauten oder } |
| | |¾ aus Eisen.| | | |nur ein } |
| | | | | | |Hinterkastell. } |
|Fregat- | | | | | | } |
|ten. | 8-16 | -- | -- | -- | -- | -- } |
| | | | | | | } |
[*] Linienschiffe.
[**] Stehen nicht in der Schlachtreihe.
[Sidenote: II 166]
[Sidenote: II 169]
[Sidenote: II 15]
Die im Schiffbau unter Ludwig XIV. erzielten Fortschritte werden in dem
Werk _Le Musée de Marine du Louvre_ folgendermassen dargestellt: «Das
Hervortreten des Vorderteils ist weniger übertrieben, das Hinterkastell
ist niedriger gemacht, die Artillerie ist gut verteilt; die Masten
sind proportionierter und das Segelwerk umfangreicher und leichter zu
handhaben, so dass ein schnelleres Segeln und leichtere Bewegungen
erzielt werden. Der Reichtum und die Schönheit des Schmuckes sind auf
ihrem Höhepunkt angelangt; sie hatten die Art Poesie wie die ehemalige
Ritterschaft. Alles in dieser Marine lässt schon die Vervollkommnung
ahnen, zu der das Schiff unter den beiden folgenden Herrschern schnell
gelangt ist.»
Die Schiffbaukunst nimmt einen beträchtlichen Aufschwung. Einige Werke
werden veröffentlicht, von denen die von ~Bernouilli~ (1738) und
~Euler~ (1749) über die Stabilität der Schiffe die berühmtesten sind.
Die Abmessungen der Schiffe nehmen immer mehr zu. Schiffe mit 70
Kanonen, die 1715 in der 1. Klasse standen, werden i. J. 1765 in die 6.
Klasse eingereiht.
Die französische Flotte war i. J. 1750 nach dem _Musée de Marine du
Louvre_, folgendermassen zusammengesetzt:
+======+========+========+========+===========+========+==============+
| |Lähge | | | | | |
| |des Vor-| | | | | |
|ARTIL-|derste- | Breite | Tiefe | | Mann- | Kaliber |
|LERIE |vens und| am |über dem| BATTERIEN | schaft | der |
| |des Hin-| Haupt- | Kiel | | | Geschütze |
| |terste- | balken | | | | |
| |vens | | | | | |
+------+--------+--------+--------+-----------+--------+--------------+
| +DREIDECKER+ |
| |
|Kano- | m. | m. | m. | | Mann | |
|nen | | | | | | |
| 120 |56,84 |14,61 |7,47 |3 verdeckte|1000 {In der un- |
| |-60,42 |-16,24 |-8,12 |Batterien, |-1200 {tersten Bat- |
| | | | |Back und | {terie 30 Pfd. |
| | | | |Schanze und| { |
| | | | |Kampanje | { |
| | | | | | { |
| 110 |54,57 |14,94 |7,31 | desgl. |1000 {2º 18 „ |
| |-57,82 |-15,59 |-7,80 | |-1100[A]{ |
| | | | | | { |
| 100 |53,27 |14,61 |7,47 | | 900 {3º 12 „ |
| |-57,49 |-15,26 |-7,63 | desgl. | -1000 { |
| | | | | | {Halb- |
| 90 |51,97 |14,29 |6,81 | desgl. | 850 {deck 6 „ |
| |-55,22 |-14,94 | -7,46 | | -900 {Kampanje |
| | | | | | { 4 „ |
| |
| +ZWEIDECKER+ |
| |
| 80 |50,67 |13,96 |6,66 |2 verdeckte| 750 {Untere Bat- |
| |-54,57 |-14,61 |-6,98 |Batterien, | -800 {terie 30 Pfd. |
| | | | |Back, | {Obere 18 „ |
| | | | |Schanze und| {Halbdeck |
| | | | |Kampanje | { 8 „ |
| | | | | | {Kampanje |
| | | | | | { 4 „ |
| | | | | | | |
| 74 |48,72 |13,64 |6,50 | desgl. | 650 { {36 oder 24|
| |-53,27 |-13,96 |-6,98 | | -700 {des-{ 8 |
| | | | | | {gl. { 8 oder 6 |
| | | | | | { { 4 |
| | | | | | { |
| 64 |46,04 |12,66 |6,00 |2 Batterien| 450 {Obere Batterie |
| |-48,72 |-12,99 | -6,50 |mit Back |-500[B]{ 21 oder 18 |
| | | | |und Schanze| { untere |
| | | | | | { 18 oder 12 |
| | | | | | { Schanze |
| | | | | | { 6 Pfd. |
| | | | | | { |
| 50 |43,84 |11,36 |5,50 | desgl. | 300 { {18 oder 12|
| |-45,17 |-12,01 | -5,85 | | -330 {des-{12 oder 8 |
| | | | | | {gl. { 6 oder 4 |
| | | | | | { { Pfd. |
| |
| +FREGATTEN+ |
| |
| 40 |38,98 |10,71 to| 5,19 |Eine Bat- | { |
| | -42,22 | -11,04 | -5,53 |terie mit |280 { |
| | | | |Back und | -300 { |
| | | | |Schanze | { |
| | | | | | { Batterie |
| 30 |35,07 | 9,74 | 4,55 | desgl. |200 { 12 Pfd.|
| | -38,98 | -10,39 | -5,20 | | -230 { Schanze |
| | | | | | { 6 bis 4 Pfd.|
| 20 |33,13 | 8,77 | 4,22 | desgl. |130 { |
| | -35,73 | -9,10 | -4,55 | | -150 { |
| |
| +KORVETTEN+ |
| |
| 12 |19,49 | 7,85 | 2,92 |Batterie | 70 |4 in Bank- |
| | -22,74 | -8,50 | -3,25 |ohne Back | -80 |Batterie |
| | | | |und Schanze| | |
[A] Es gab Zwischentype, die zu denjenigen in dieser Tabelle gestellt
sind, denen sie | am meisten ähneln.
[B] Dieses Schiff war das kleinste von denen, die in die Schlachtreihe
eingestellt werden | konnten.
Frankreich hat ebenfalls einen grossen Einfluss auf das Zeichnen im
Schiffbau ausgeübt. (~Holmes~, S. 114 oben.) Das schönste Schiff dieser
Zeit ist die «Sans Pareil».
Das erwähnte Werk _Le Musée de Marine du Louvre_ enthält eine
Stelle, die die Zeit Ludwigs XVI. (1754-1793) betrifft, die unsere
Aufmerksamkeit fesseln dürfte (Kapitel VII): «Es war die Zeit, in
der die Wissenschaft des Schiffbaues, die in Holland entstanden war,
tatsächlich auf Frankreich überging», was nicht hinderte, dass man noch
zu Ende des 18. Jahrhunderts nach Holland ging, um den Schiffbau zu
studieren und zwar trotz des hohen Grads der Vollkommenheit, die er in
Frankreich erreicht hatte. Das genannte Werk sagt hierüber nämlich: «Am
Ende des verflossenen 18. Jahrhunderts nahm man in Holland Unterricht,
und hierüber enthält die Bibliothek von Brest eine Handschrift eines
der berühmten Ingenieure, des Olivier, der um’s Jahr 1780 nach Holland
geschickt worden war, um den Schiffbau zu studieren».
Dies zeigt, wie hoch zu jener Zeit der niederländische Schiffbau
geachtet war.
* * * * *
Die Vermehrung der Grössenverhältnisse in der französischen Flotte fand
ihren Widerhall in der englischen Flotte. Diese war durch folgende
Angaben gekennzeichnet:
+=================+=======+=======+=======+=======+=======+=======+
| | | | | | | |
|ZAHL DER KANONEN | 90 | 80 | 70 | 60 | 50 | 40 |
| | | | | | | |
+-----------------+-------+-------+-------+-------+-------+-------+
|Länge des |192 F. |192 F. |150 F. |144 F. |130 F. |118 F. |
|Kanonendecks | | | | | | |
| | | | | | | |
|Aeussere Breite | 47 F. | 43 F. | 41 F. | 38 F. | 35 F. | 32 F. |
| | | | | | | |
|Tiefe | 18 F. | 17 F. | 17 F. | 15 F. | 14 F. | 13 F. |
| | 6 Z. | 8 Z. | 4 Z. | 8 Z. | | 6 Z. |
| | | | | | | |
|Tonnage | 1552 | 1283 | 1069 | 914 | 705 | 532 |
| ------------------------------------------------|
| 1 englischer Fuss = 0,3048 m |
~Holmes~ äussert sich folgendermassen S. 115: «The subject of the
superiority in size of the French ships was constantly coming to the
front and, in 1719, a new establishment was made for the dimension of
ships in our Royal Navy, according to the following scale[13].»
+----------------+------+------+------+------+------+------------+
|ZAHL DER KANONEN| 90 | 80 | 70 | 60 | 50 | 40 |
+----------------+------+------+------+------+------+------------+
|Zunahme in der | | | | | | |
| Länge | 2 F. | 2 F. | 1 F. | 0 | 4 F. | 6 F. |
| der Breite | 2 Z. | 1 F. | 6 Z. | 1 F. | 1 F. | 1 F., 2 Z. |
|dem Tonnengehalt| 15 | 67 | 59 | 37 | 51 | 63 |
+----------------+------+------+------+------+------+------------+
Im Jahre 1765 finden wir Schiffe mit 100 Kanonen, 2047 Tonnen Tragkraft
und 21 Fuss 6 Zoll Tiefe. ~Holmes~ schreibt hierüber (S. 124-128):
«During the whole of our naval history down to comparatively recent
time, improvements in the dimensions and forms of our ships were
only carried out after they had been originally adopted by French,
or Spaniards, or more recently by the people of the United States of
America».[14]
Im Jahre 1719 führt man in England das Verfahren ein, die Planken
am offenen Feuer zu erwärmen, um sie zu biegen, und im Jahre 1736
räuchert man sie. (~Holmes~, S. 115.) Im Jahre 1753 verbessert man die
Ventilation (~Holmes~, S. 117) und im Jahre 1761 (nach ~Holmes~, S.
121) folgt die Erfindung des Verfahrens, die Schiffe mit Kupferplatten
zu überziehen. Vor jener Zeit verwendete man ausnahmsweise hierzu
Blei; etwa 100 Jahre vorher wurden mehrere Schiffe in Holland zum Teil
oder ganz mit Kupferplatten überzogen, wie aus einer Stelle im dem
Werk von ~Van Yk~, _De Nederlandsche Scheepsbouwkunst opengesteld_,
hervorgeht, wo es auf S. 121 heisst: «Dat het schip om de zuid of west
bestieren sal, heeft sy om den houtknagenden worm daarvan te keeren,
stevenswaarts met koper doen bekleeden»[15].
Das Vorstehende zeigt genügend, dass um die Mitte des 18. Jahrhunderts
die französische und englische Flotte der unsrigen überlegen waren,
was die Grösse ihrer Schiffe betrifft. Die Erfahrung hatte indessen
gezeigt, dass die Stärke einer Flotte nicht allein in der Zahl, sondern
vielmehr in dem inneren Wert jedes Schiffes liegt (~de Jonge~, Bd. 4,
S. 86), wie übrigens ~Martin Hampertszoen Tromp~ selbst schon vorher
erklärt hatte.
Um einen Begriff von der ausserordentlichen Kraft zu geben, die von den
Vereinigten Provinzen entwickelt wurde, möchte ich bemerken, dass von
1682 bis 1700, also in 18 Jahren 15 Schiffe von 90 bis 96 Kanonen (alle
15 mit drei Decken), zwei von 80 bis 86, zwei von 70 bis 74, 29 von 60
bis 68 und 26 von 50 bis 56 Kanonen gebaut wurden, sowie zwei Fregatten
von 22 Kanonen, drei Brander und neun Bombarden d. h. im ganzen 107
Schiffe. Von diesen wurden nur 7 ausserhalb Hollands und Seelands
gebaut. (~de Jonge~, Bd. II, S. 72-75.)
Ausser dieser Flotte, deren Kosten durch ausserordentliche Kredite
gedeckt wurden, baute man während der gleichen Zeit mittels
gewöhnlicher Kredite 65 andere Fahrzeuge, darunter 7 von 50 bis 52
Kanonen, 18 von 40 bis 46, 17 von 30 bis 38, 13 von 20 bis 26 und 10
von 16 Kanonen und geringerer Grösse.
Das ergibt für einen Zeitraum von 18 Jahren eine Gesamtzahl von 107 +
65 gleich 172 Schiffen (ebenda, S. 77). Aber diese ausserordentliche
Vergrösserung war nötig; man brauchte nur die erlittenen Verluste ins
Auge zu fassen; diese betrugen durch Unwetter und andere Ursachen in
den Jahren 1688 bis 98 drei Einheiten von 70, fünf von 60, sechs von
50, acht von 40 bis 46 Kanonen, ausserdem einige Schiffe von 30 Kanonen
oder weniger d. h. im ganzen 36 Fahrzeuge.
Alle diese Arbeiten verursachten natürlich erhebliche Kosten; während
der Zeit von 1682 bis 1702 wurden für neue Schiffe etwa 81197000 Gulden
und für die Ausrüstung etwa 69954000 Gulden aufgewendet.
Die Unterhaltung, Ausrüstung u. s. w. kostete jährlich etwa 5829000
Gulden, und i. J. 1697 betrug die Ausgabe 7723000 Gulden (ebenda, S.
80 und 81). Um sich einen genauen Begriff von der Bedeutung dieser
Summe zu machen, muss man sich erinnern, dass zu der Zeit, die uns
beschäftigt, die Löhne u. s. w. viel niedriger waren als heutzutage.
(~de Jonge~, Bd. 4, I. Kap., S. 80, Anm.)
Ausser diesen Kriegsschiffen baute man eine grosse Zahl von
Handelsschiffen, Binnenschiffen von geringerer Grösse und
Fischereifahrzeugen, sodass, wenn man den alten Schriftstellern Glauben
schenkt, es Orte gab, wo unter Berücksichtigung aller Fahrzeuge man
mehr Schiffe zählte als Häuser.
In der Zeit, zu der Hugo de Groot lebte, wurden jährlich 2000 Schiffe
gebaut. (M. ~Koenen~, _Geschiedenis van Scheepsbouw en Zeevaart_,
S. 87.) Es gab keine Holländer, die nicht einige Kenntnis von dem
Schiffbau oder der Schiffahrt besassen (ebenda, S. 85).
[Sidenote: II 154]
Um eine so grosse Summe von Tatkraft entfalten zu können, musste sich
natürlich der Schiffbau bei uns in ausserordentlicher Weise entwickeln.
Wir finden den Beweis hierfür in den Werken von ~Nicolas Witsen~ (1671)
und von ~Van Yk~ (1697). Unsere Schiffbaukunst erfreute sich also im
Anfang des 18. Jahrhunderts einer unerhörten Wohlfahrt.
[Sidenote: II 155]
[Sidenote: II 156]
Was die Vervollkommnung betrifft, die das Zeichnen im Schiffbau um die
Mitte desselben Jahrhunderts erreicht hatte, so wird es genügen, in
unserem Album die photographischen Reproduktionen einiger Zeichnungen
von W. van Gent aus dem Jahre 1750, 1751, 1752 zu betrachten, deren
Originale zu der wunderbaren Bildersammlung von S. van Gyn in Dordrecht
gehören; dasselbe beweist die Abbildung eines Kriegsschiffes aus dem
Jahre 1770, die sich in der Sammlung kolorierter Zeichnungen befindet.
Diese Urkunden geben getreu die Schiffe mit den notwendigen
Wasserlinien wieder, was aber in besonderem Grade die Aufmerksamkeit
erregt, ist die folgende Inschrift, die die Zeichnung eines
Kriegsschiffs aus dem Jahre 1750 sehr leserlich zeigt: «Propriété de
l’amiral Schryver». Dieser Admiral ist derselbe, der im Jahre 1753
schrieb, dass «während der Zeit von 1683 bis 1753 die Schiffbauer,
besonders die, welche Kriegsfahrzeuge für den Staat herstellten, nur
noch gewöhnliche Marine-Zimmerleute waren, dass sie keine theoretischen
Kenntnisse besassen, sich nur von der Erfahrung leiten liessen
und sich in mancher Hinsicht auf derselben Höhe befanden wie die
Schiffseigentümer von Zaandam, die beim Scheitern eines Schiffs sich
mit den Worten entschuldigten, dass das Schiff sich nicht anders als
mit der Axt hätte bauen lassen.»
Zur Unterstützung des Vorstehenden verweist der Admiral Schryver auf
einige weniger gut gelungene Kriegsschiffe, unter denen er an erster
Stelle fünf Dreidecker aufführt, die von 1683 bis 1689 gebaut waren,
die ersten übrigens, die von unseren Schiffbauern hergestellt waren.
Dass diese Schiffe nicht völlig den Erwartungen entsprochen haben,
wer wird sich darüber wundern! Und wenn man später Schiffe von
besserer Beschaffenheit gebaut hat, so beweist das nur, dass es
unsern Schiffbauern gelungen ist, die grosse Aufgabe zu lösen, feste
Schiffe zu bauen, deren Tiefgang mit Rücksicht auf die Tiefe unserer
Durchfahrten und Flüsse indessen nur beschränkt sein durfte.
Noch später hat man Unvollkommenheiten feststellen können; aber
das beweist keineswegs die Unfähigkeit unserer Schiffbauer. Auch
heutigentags kommt es im Ausland wie bei uns vor, dass die besten
Werften Schiffe vom Stapel lassen, die weniger vollkommen sind oder der
Verbesserungen bedürfen.
Die Klage des Admirals Schryver (~de Jonge~, Bd. 4, I. Kap., S. 116)
über die Unfähigkeit unserer Schiffbauer scheint mir weder begründet
noch verdient! Meiner Meinung nach haben wir es in diesem Falle mit
einem eigensinnigen Seeoffizier zu tun, der von seinen eigenen Ideen
erfüllt ist und im allgemeinen nur Missachtung für die der anderen
hat (~de Jonge~ Bd. 4, I. Kap. S. 116), und nicht mit einem Mann, der
auf der Höhe unseres Schiffbaues stand. Wie oben gezeigt ist, geschah
es übrigens nicht nur zur Zeit des Staatspensionärs de Witt und des
berühmten Colbert, wie ~de Jonge~ sagt (Bd. 4, I. Kap., S. 120),
dass man vom Ausland kam, um bei uns den Schiffbau zu lernen; noch
viel später im Jahre 1780 schickte Frankreich seine Söhne auf unsere
Werften, und man nimmt an, dass erst unter der Regierung Ludwigs XVI.
(1774 bis 1793) die französische Marine sich völlig dem holländischen
Einfluss zu entziehen verstand.
Unser Vaterland verfolgte indessen mit Aufmerksamkeit die Fortschritte,
die sich in Frankreich und England auf dem Gebiete des Schiffbaues
vollzogen; Beweis hierfür ist die Uebersetzung des Werks von ~du Hamel
du Monceau~ (erschienen im Jahre 1757) und die Stelle darin, wo für
später eine Uebersetzung des Werkes von ~Mungo Murray~, des berühmten
Schiffbauers der Schiffswerft von Deptford, angekündigt wird. Ich
weiss nicht, ob diese Uebersetzung jemals das Licht erblickt hat;
nichtsdestoweniger geht aus dem Vorstehenden meines Erachtens deutlich
hervor, dass man die im Ausland erschienenen Werke las.
Es steht also fest, dass man schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts in
unserem Lande Schiffe nach Zeichnungen baute. Man hatte also mit dem
alten holländischen Verfahren gebrochen, das darin bestand, sich nach
den Senten-Linien (Centlijnen) zu richten.
Die unteren Stückpforten der Schiffe waren zu nahe an die Wasserlinie
gelegt; man hatte dies zuerst bei uns bemerkt; dieselbe Klage wurde
auch bald in England gehört, wo man indessen diesem Zustand erst
ausgangs des 18. Jahrhunderts abhalf, indem man den französischen
Schiffbauern folgte. (~Holmes~ S. 126).
Es ist eine gewisse Zeit verstrichen, bevor Grossbritannien die
Verbesserungen angenommen hat, die von den Franzosen im Schiffbau
eingeführt waren.
~De Jonge~ berichtet, indem er sich auf fremde Angaben stützt, dass
der Zar Peter der Grosse in England den eigentlichen Schiffbau gelernt
hätte.
Der Geschichtsschreiber ~Fincham~ erzählt sogar (_History of naval
architecture_ S. 69), dass der Zar Peter den englischen Schiffbau
dem holländischen vorgezogen hätte. In dieser Hinsicht macht
~Koenen~ darauf aufmerksam, dass diese Bevorzugung sich nur auf die
Kriegsschiffe bezogen haben könnte. Das alles hat indessen Peter
den Grossen nicht gehindert, holländische Schiffe, Schiffbauer und
Seeleute für die Schöpfung seiner Flotte zu benutzen, die drei Jahre
vor seinem Tode 41 Kriegsschiffe mit 2106 Kanonen und 14,900 Mann an
Bord umfasste, und die die Schweden zu der Aeusserung veranlasste (~de
Jonge~, Bd. 4, II. Kap., S. 152 und ~Koenen~, S. 93-95): «Wir sehen
auf der moskovitischen Flotte nichts Moskovitisches ausser der Flagge.
Wir haben eine holländische Flotte zu bekämpfen, die von Holländern
befehligt wird, mit holländischen Seeleuten besetzt ist und die mit
holländischem Pulver aus holländischen Kanonen schiesst.»
Man fragt sich nun, ob der Zar Peter wirklich holländische Schiffbauer
herangezogen hätte, wenn er bessere bei den Engländern hätte finden
können?
Wie soll man aber erklären, dass man um die Mitte des 18. Jahrhunderts
sich von unsern Schiffbauern abgewendet hat?
In England und in Frankreich wuchsen die Grössen der Schiffe
unaufhörlich; die Flotten der fremden Mächte gewannen also ständig
an Bedeutung, während man bei uns wegen der geringen Tiefe unserer
Durchfahrten, Flüsse und Häfen nicht imstande war, Schiffe zu bauen,
die an Grösse sich mit denen des Auslands messen konnten. (S. ~van Yk~,
S. 14.) Alle Schriftsteller jener Zeit weisen auf diesen Zustand hin,
dessen Vorhandensein ich durch die Beibringung einiger Ziffern bewiesen
habe.
Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts fühlte man den Missstand, der
sich aus der verhältnismässig geringen Tiefe des niederländischen
Fahrwassers ergab, und dieser Uebelstand musste in der Folge immer
deutlicher hervortreten. Die Notwendigkeit, grössere Schiffe zu bauen,
die bis zu 90 und 95 Kanonen trugen, wurde indessen dringend. Um den
grossen Tiefgang zu vermeiden, musste man also die Schiffe breiter
machen; diese wurden indessen dadurch schwer, segelten schlecht und
waren nur schlechte Kriegswerkzeuge in den Händen unserer tapferen
Seeleute. Soll man sich nun wundern, dass diese sich darüber bitter
beklagten? So mussten wir trotz all unseres Mutes wegen der Tiefe
unseres Fahrwassers und ungeachtet der finanziellen Verhältnisse dem
Auslande weichen.
Mit Unrecht schreibt man diese Minderwertigkeit den Schiffbauern
jener Zeit zu. Viele von ihnen haben sich natürlich lange an das
alte Verfahren gehalten, wie aus dem Werk des ~Du Hamel du Monceau~
hervorgeht. Auf S. 287 dieses Werks heisst es: «Die Gewohnheit,
mechanisch und knechtisch nachzuahmen, was früher geschah, hat
alle jene Proportionsregeln geschaffen, die bei der Bestimmung der
Hauptrippe, der Beschreibung der Modelle und ihrer Zeichnung beobachtet
wurden.» Was er hinzufügt, ist nicht weniger interessant: «Jeder
Schiffszimmermann bewahrte diese Regeln für seine Familie als ein
Geheimnis.»
Die holländischen Schiffbauer sind keine Freunde der Feder. ~Witsen~
selbst bemerkte dies schon. Sie hatten Furcht, ihre Geheimnisse
zu veröffentlichen, damit nicht auf diese Weise ihre Arbeit ihnen
von andern entrissen würde. Noch vor wenig Jahren weigerte ein
Schiffbauingenieur sich, mir die Zeichnungen eines von ihm gebauten
Schiffes zu zeigen; er fürchtete ebenfalls, dass seine Modelle
nachgeahmt würden.
Wie konnte man übrigens erwarten, dass man um die Mitte des 18.
Jahrhunderts schon Schiffe völlig nach wissenschaftlichen Regeln baute,
da in Frankreich, das allen Völkern in dieser Hinsicht überlegen war,
man erst 1740 dazu kam. «_Le Musée de Marine du Louvre_» berichtet
nämlich, indem es vom 18. Jahrhundert spricht: «Es (das Schiff) wird
nach wissenschaftlichen Grundsätzen gebaut, die im Jahre 1697 bekannt
zu werden anfingen, aber erst im Jahre 1740 zur Anwendung kamen; sie
führten dahin, dass sich die Schiffe in allen Ländern glichen, so weit
sie für die grosse Schiffahrt bestimmt waren; die Originalität blieb
nur für die Schiffe bestehen, die für die Küstenschiffahrt bestimmt
waren.» (s. u. a. ~Bougeur~ 1746, ~XXIII~.)
Es war also nicht das Haften an dem Ueberlieferten, sondern der
natürliche Zustand unseres Fahrwassers, das uns verhinderte,
Kriegsschiffe von demselben Gefechtswert wie die des Auslandes zu
bauen. Das vergisst ~de Jonge~, der zu viel Wert auf die Praxis
legt, die besonders im Schiffbau noch heutzutage ein grosses Ansehen
geniesst. Dieser verehrte Schriftsteller kommt demnach notwendigerweise
dazu, über unsere Schiffbauer des 18. Jahrhunderts ein ungünstiges,
aber unverdientes Urteil zu fällen.
Der Rückgang des Schiffbaues längs der «Zaan» z. B. war nicht die
Folge der Unwissenheit unserer Schiffbauer; die Ursache dafür ist
besonders der Versandung des Flusses und seiner Mündung zuzuschreiben.
Infolgedessen war es nicht mehr möglich, ohne grosse Kosten und Mühen
grössere Schiffe in See zu bringen. (~Loosjes~, _De Zaandamsche
dorpen_, S. 194; ~Koenen~ S. 95.)
[Sidenote: III 15]
Um den Unterschied zwischen der französischen und englischen und
der holländischen Bauweise zu zeigen, habe ich auf einem Blatt in
der Abbildungssammlung die verschiedenen Hauptrippen aufzeichnen
lassen. Diese Zeichnung spricht für sich selbst; es scheint mir
jedoch nötig, im Vorübergehen die Aufmerksamkeit auf den Unterschied
der verschiedenen Stile zu lenken. Dieser Unterschied lag zunächst
in der Form und der Zusammensetzung der Hauptrippen; dann zeigten
die englischen Schiffe weniger Krümmung, gingen weniger in die Höhe
und hatten keinen Spiegel. (~Van Yk~ S. 17.) Die Engländer scheinen
auch statt der vertikal nebeneinander stehenden Deckstützen sich
kreuzende verwendet zu haben, um das Schiff weniger anzustrengen; man
hielt indessen dies Verfahren für weniger praktisch hinsichtlich des
Verstauens. (~Van Yk~, S. 17 und Abbild. A. S. 18.) Sie gaben ihren
Schiffen einen vorspringenden Bug (~Witsen~, S. 126) und breite Flanken
(«dick in den buik», wie ~Witsen~ sagt, S. 207), im Gegensatz zu den
holländischen Schiffen. «The Dutch ships,» sagt ~Holmes~ (S. 110), «in
one respect excelled all others in that they were the first in which
the absurd practice of an exaggerated ‹tumble home› or contraction of
the upper deck was abandoned.» «This fashion,» sagt er später, «was
still carried out to a very great extent by the Englisch and to a less
extent by the French and Spaniards»[16].
Dieser Schriftsteller spricht ebenfalls von dem geringen Tiefgang
unserer Schiffe. Er äussert sich hierüber auf S. III folgendermassen:
«In consequence of the shallowness of the Dutch harbours, the draught
of their ships was also considerably less than that of the English
vessels of corresponding force»[17].
Die Engländer besassen Becken zum Bau ihrer Schiffe; (~Witsen~ S. 206.
I. Spalte) sie benutzten weder Berghölzer noch Stützen. Bevor sie ein
Schiff auf Stapel legen, sagt ~Van Yk~ (S. 19), gelingt es ihnen, das
Modell davon so vorzubereiten, dass es die gewünschte Form erhält. Zu
diesem Zweck zeichnen sie vor dem Baubeginn die Rippen in natürlicher
Grösse auf einen Boden aus Brettern. Dies Verfahren ist also in England
entstanden.
Das Aufzeichnen der Aufrisse ist bei uns erst in der Mitte des 18.
Jahrhunderts eingeführt worden. Vordem brauchte man bei uns nur Modelle
und Senten-Linien, wie man noch heut beim Bau der kleineren Holzschiffe
und Fischerboote verfährt.
Die Einführung der Aufrisse erfolgte jedoch nicht ganz allein, um
so mehr als man an dem Erfolg ihrer Anwendung auf die holländischen
Schiffe zweifelte, die wie ~Van Yk~ (S. 19) sagt «runde Flanken hatten,
_damit sie über das Wasser gleiten könnten_ und schärfere Kurven als
die englischen Schiffe,» die einen regelmässigeren Umriss hatten.
Die Schweden und die Dänen folgten zum grossen Teil dem holländischen
Verfahren. (~Van Yk~, S. 20.) Ihre Marine war der unsrigen nachgebildet
(~de Jonge~), aber ihre Schiffe waren weniger voll und hatten einen
grösseren Tiefgang.
Den Franzosen fällt die Ehre zu, der Schiffbaukunst wissenschaftliche
Regeln gegeben zu haben. Alle Völker, sogar die Engländer und die
Holländer haben sich nach ihren Grundsätzen gerichtet (um die Mitte des
18. Jahrhunderts). Aber erst gegen Ende dieses Jahrhunderts drang das
französische Verfahren für die Berechnung und Zeichnung der Schiffe
überall ein.
Ausser einer eigentlichen Kriegsflotte besassen die Niederlande eine
sehr bedeutende Handelsmarine. (~Koenen~, S. 90.) Diese umfasste, wie
man sagt, am Anfang des 17. Jahrhunderts 20,000 Schiffe, die alle in
Holland gebaut waren und das Meer unter holländischer Flagge in allen
Richtungen durchfuhren. Am Ende des 17. Jahrhunderts, als wir schon
mehrere unserer überseeischen Besitzungen verloren hatten, betrug der
Gesamttonnengehalt der Handelsmarine in England 500000 t; in unserem
Lande 900000 Tonnen und in den anderen vereinigten Ländern 2 Millionen
Tonnen. (~Groen van Pinsteren~, _Handboek_ 303, ~Koenen~, S. 160.)
Unsere Handelsschiffe erreichten schnell eine grosse Vollkommenheit;
man kann sich davon überzeugen, durch die Bemerkungen Sir ~Walter
Raleighs~ (1552-1618) über die holländischen Schiffe, in denen man,
wie er hervorhebt, eine grosse Menge Waren verstauen konnte, während
sie eine geringere Besatzung erforderten, als die englischen Schiffe.
(~Koenen~, S. 86.)
Unsere Handelsschiffe, unter denen besonders Flüten vertreten waren,
wurden von den Engländern und Franzosen nachgeahmt. Vorzugsweise
verwendete man Flüten als Transportschiffe. Hierüber heisst es z. B.
in dem _Musée de Marine du Louvre_: «La marine a toujours eu des
navires de transport destinés à ravitailler les escadres et qui d’abord
nommés flûtes ou transports, ont été désignés plus tard sous le nom de
corvettes de charge»[18].
Um einen Begriff von der Zahl der ausgangs des 17. Jahrhunderts in
Gebrauch befindlichen Schiffe zu geben, lasse ich hiernach einige
Ziffern aus dem Werk von ~Koenen~, S. 160 folgen, die der Verfasser dem
Werk von ~Van Hoogendorp~, _Bydragen tot de huishouding van den Staat_
(Bd. I, S. 183) entnommen hat.
Im Jahre 1783 gab es in Nordholland und in Friesland: 50 Flüten von
400, 450 bis 500 Last, die nach der Ostsee und Norwegen, Frankreich
und Spanien fuhren, und 30 Flüten von 250 bis 280 Last; 18 Flüten von
160 bis 180 Last, die den Hafen von Archangelsk, das Mittelmeer und
Westindien aufsuchten. Diese letzteren dienten anfänglich der Fischerei
in Grönland; 16 Katschepen von 160 bis 180 Last; 80 Hoeker (Huker)
oder Galiots, darunter 13 von 300 bis 350 Last, 18 von 280 bis 240, 12
von 220 bis 200, 17 von 180 bis 160 und 20 von 150 bis 100. Alle diese
Fahrzeuge segelten nach Archangelsk, der Ostsee, dem Mittelmeer und
Westindien. Es gab ausserdem 60 Fregatten, «Snauwen» und Brigantinen,
darunter 10 von 150-200 Last, 30 von 100-140, 20 von 70-90; 5 Heckboote
von 200-300 Last; 140 Fahrzeuge und zwar Huker, Fregatten, Snauwen,
Brigantinen, deren Ladefähigkeit von 300 bis 60 Last schwankt. Endlich
gab es noch 36 Schiffe, die nach West- und Ostindien fuhren, 150
Kuffen und Schmacken von 50 bis 70 Last, 90 Kuffen und Galiots von
70 bis 100 Last, und schliesslich 120 Galiots, Huker und Kuffen von
100-150 Last, im ganzen 819 Fahrzeuge.
Zu dieser Zahl muss man für Leeuwarden hinzufügen 20 Kuffen und
Schmacken, deren Ladefähigkeit von 50 bis 100 Last und darüber
schwankte; für Groningen 30 Schiffe von 50 bis 70 Last; für Harlingen 9
Fahrzeuge von 100 bis 150 Last, 1 von 180, und 3 von 200-300 Last; für
Makkum 14 Schiffe von 60-100 Last und mehr; für Werkum 2 von 60-70, 24
von 80 bis 100, und 23 von 100 Last und darüber.
Bolsward, Woudsend, Dryst, Dokkum, Sneek, Grouwsloten, u. s. w. zählten
zusammen 30 Schiffe von 50 bis 70 Last; 40 von 70 bis 100 und 50 von
100 Last und darüber. Endlich hatte Lemmen 40 Schiffe von 50 bis 100
Last und darüber.
Es gab ausserdem eine Menge kleinerer Schiffe wie die Tjalken u. s. w.,
mit einer Ladefähigkeit von 20 bis 30 Last und eine nicht weniger
grosse Zahl von Fischerbarken, die in den obigen Ziffern nicht
mitgezählt sind.
Wir kommen so auf etwa 1105 Fahrzeuge, ohne die Schiffe von geringerer
Bedeutung.
Aber es war nicht allein die Zahl gross; es gab gleichzeitig, wie wir
aus den verschiedenen Benennungen ersehen konnten, eine grosse Menge
verschiedener Schiffsarten.
In dem folgenden Kapitel werden wir uns mit den Handelsschiffen
beschäftigen; bevor wir jedoch die Kriegsschiffe verlassen, ist
zu bemerken, dass schon im Anfang des 17. Jahrhunderts unser Land
Fregatten besass, einen Schiffstyp, dessen man sich bei uns vor
jener Zeit nicht bedient hatte, der sich aber durch die Umstände als
notwendig erwiesen hatte.
Die Einwohner von Dünkirchen brachten uns herbe Verluste bei: von 1631
bis 1637 nahmen sie uns in Maassluis mehr als 200 Fischereifahrzeuge,
die man auf mehr als 1 Million Gulden geschätzt hat. (~de Jonge~, Bd.
I, S. 373.) Um ungestrafter ihre Räubereien ausführen zu können, hatten
sie dem Mittelmeer ein Schiff von schlanken Formen entnommen, das, wenn
es auch nicht gross war (es hatte nur 6 bis 12 Kanonen), ein guter
Segler war; ich meine die Fregatte.
Um wirksamer gegen die Einwohner von Dünkirchen zu kämpfen, machte
man sich auch bei uns daran, das fragliche Schiff zu bauen, und seine
Zahl wuchs schnell auf das Drängen unseres grossen Tromp. (~de Jonge~
Bd. I. S. 388 und 389.) In der Folge baute man Schiffe mit grösseren
Abmessungen.
[Sidenote: III 18]
Die Fregatte war, wie ich oben bemerkt habe, nach Frankreich durch die
Einwohner von Dünkirchen gebracht worden, von da ging sie 1741 nach
England (~Holmes~ S. 121); im Jahre 1646 besass dies Land jedoch schon
einige von geringerer Grösse.
Die Fregatten haben eine wichtige Rolle in dem englisch-amerikanischen
Kriege gespielt.
Einer der grössten Feinde der Holzschiffe war, wie leicht begreiflich,
das Feuer. Es ist selbstverständlich, dass man schon in den ältesten
Zeiten dieses Element verwendete, um die feindlichen Flotten zu
zerstören. Man wird sich indessen nicht damit begnügt haben, brennendes
Pech zu schleudern; man brauchte wirksamere Mittel, und so bedienten
sich die Alten schon der Brander, um Feuer an die Flotte des Gegners zu
legen.
Wir wollen uns nicht in Vermutungen über die Brander der Alten ergehen,
die überdies nur gewöhnliche Schiffe gewesen sind. Wir werden vielmehr
eine zusammenfassende Beschreibung der Brander geben, deren man sich
im 17. Jahrhundert bediente. Es sind nur solche, von denen ~Witsen~ in
seinem wohlbekannten Werk auf Seite 166 und 167 spricht.
Schiffe von geringerer Grösse dienten als Brander, hauptsächlich Flüten
oder Pinassen, später Spiegelschiffe von 70 bis 80 Last. Diese Schiffe
hatten ein einheitliches Deck und ein durchlaufendes Oberdeck, in das
man Löcher von etwa 1½ Quadratfuss schnitt. Von dem Hinterkastell ging
eine Leitung aus, die das Schiff in seiner ganzen Länge durchzog,
und die mit Querleitungen u. s. w. versehen war; mit einem Wort, man
stellte ein Röhrensystem her, durch das Feuer leicht und schnell laufen
konnte und zwar durch das ganze Fahrzeug. Zu diesem Zweck füllte man
die Röhren mit einem Stoff, der zur Hälfte aus Pulver, zu einem Viertel
aus Salpeter, und zu einem Viertel aus Harz und Schwefel zu gleichen
Teilen gemischt bestand; dem Ganzen wurde etwas Leinöl beigemengt.
Die so gefüllten Leitungen wurden mit Hobelspänen bedeckt, die
ihrerseits unter Bündeln von leichten Zweigen verschwanden, die mit
einer Mischung von Harz, Oel aus der Leber des Kabeljaus, Pulver
und Salpeter überzogen waren. Das Schiff wurde ausserdem mit leicht
brennbaren Stoffen gefüllt; das Deck und die Innenwände waren mit Fett
überzogen und mit einer feinen Schicht gepulverten Harzes bedeckt.
Man lud manchmal sogar in die Brander leere offene Teertonnen, in die
man Hobelspäne warf, welche mit denselben Stoffen überzogen waren. Man
sorgte besonders dafür, dass alle Pforten und Luken offen waren, um
Luftzug hervorzurufen.
Um den Brander sicherer am feindlichen Schiff festmachen zu können,
befestigte man am Ende des Bugspriets, und zwar darunter und am Ende
jeder Raae, einen kräftigen Haken, den man mit Leinen lösen konnte, die
längs des Schiffes angebracht waren.
Um den Feind zu täuschen, brachte man in den Stückpforten hölzerne
Kanonen an; auf dem Hinterteil allein wurden zwei eiserne Kanonen
aufgestellt, um sich gegen die Schaluppen u. s. w. verteidigen zu
können.
An dem Hinterkastell war eine grosse Klappe eingebaut, durch die die
Mannschaft, nachdem sie Feuer angelegt und die Enterhaken ausgelegt
hatte, das Schiff verlassen konnte, um mit der Schaluppe zu entfliehen,
die unter der Klappe am Brander befestigt war.
Der Dienst auf dem Brander war natürlich kein Ruheposten; daher wählte
man auch für ihn nur die tüchtigsten Leute aus, die wegen der grossen
Gefahr, die sie liefen, doppelten Sold erhielten.
Im Bedürfnis richtete man die Brander gerade auf den Feind, sodass das
Schiff des Gegners vorn und nicht von der Seite gefasst wurde. Unter
diesen Umständen verwickelten sich die Taue sogleich und eine Lösung
war nicht mehr möglich.
Im allgemeinen waren die Brander nur alte Fahrzeuge; manchmal waren
es auch ganz neue Schiffe, zu deren Bau man sich, wie ~Witsen~ sagt:
«eines sehr gewöhnlichen, ganz leichten und sehr leicht entzündbaren
Holzes bediente.»
Aeusserlich unterschieden sich die Brander nicht von den gewöhnlichen
Schiffen; das Gegenteil wäre überdies nicht praktisch gewesen, weil der
Feind sie alsdann sofort erkannt hätte. Ihre Mannschaft war so wenig
zahlreich, wie möglich und alle Massnahmen waren getroffen, um ihr das
Verlassen des Fahrzeuges zu ermöglichen, so bald es angezündet war und
den gewünschten Ort erreicht hatte.
[Sidenote: II 158]
[Sidenote: II 161]
Man kennt genügend die Umwandlungen, die unsere Kriegsschiffe im
Laufe des 19. Jahrhunderts erfahren haben; es dürfte also nicht nötig
sein, sich hierbei aufzuhalten. Ich möchte mich darauf beschränken,
hervorzuheben, dass die Schiffe immer weniger Krümmung hatten, das der
Vorder- und der Hintersteven fast vertikal wurden, und dass die alten
Verzierungen fast ganz verschwanden.
[Sidenote: II 165]
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wählte man für das Hinterteil die
abgerundete Form, nach der englischen Art; das war der Tod des alten
Spiegelschiffs. Aber schon längst nannte man es _Kriegsschiff_. Diese
neue Benennung entsprach nicht einer neuen Bauweise.
Unser Schiffbau war während der französischen Besetzung gesunken, und
die Kontinentalsperre vernichtete ihn völlig. Gegen Ende der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte er indessen z. T. wieder auf. Im
Jahre 1824 baute man allerdings nur 3 Schiffe, von 1440 t.; aber im
Jahre 1827 war diese Zahl auf 59 Schiffe mit einer Ladefähigkeit von
19758 t. gestiegen. Diese Angaben betreffen nur Schiffe von mehr als
100 t. (~Koenen~ S. 101.)
Im Jahre 1853, sagt ~Koenen~, gab es in dem Groninger Lande für die
Binnenschiffahrt, wie für die Seeschiffahrt 89 Schiffswerfte; in
Friesland gab es bedeutende Schiffswerfte in Harlingen und Lemmen,
die nur für die Seeschiffahrt arbeiteten. In Nordholland baute
man Seeschiffe in Amsterdam, Medemblik, Monnikkendam, Muiden und
Nieuwendam. In Südholland blühte der Schiffbau in Rotterdam, Schiedam,
Alblasserdam und Dordrecht. Im gleichen Jahre 1853, fügt der genannte
Verfasser hinzu, empfingen 125 in unserm Land gebaute Schiffe
niederländische Pässe, und unsere Handelsmarine umfasste 1971 Schiffe
mit 224-432 Last Ladefähigkeit.
Auch der Dampf hielt seinen Einzug bei uns in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts; die Segelschiffahrt wurde dadurch in das Hintertreffen
gedrängt. Die Einführung des Eisens brachte ebenfalls eine grosse
Umwälzung; aber auf sehr vielen Werften erkannte man nicht die
Bedeutung dieses neuen Baumaterials, sodass man sich zu lange beim Bau
von Holzschiffen aufhielt, und dass schliesslich der Zusammenbrach
erfolgte. Andere dagegen, die gleich im Anfang sich dem Eisenbau
zugewendet haben, haben sich gedeihlich entwickelt und in hohem Masse
dazu beigetragen, den alten Ruf unserer holländischen Schiffbaukunst
hochzuhalten.
Das erste Eisenschiff in unserem Lande wurde von Fop Smit gebaut, der
auch die eisernen Maste erfunden zu haben scheint. Die ersten Dampfer
wurden in Feyenoord (1834/35) auf der Werft erbaut, die jetzt der
«Société de constructions navales et de mécanique» gehört. (Siehe
_Gedenkboek Kon. Instituut van Ingenieurs_, S. 209 usw.)
Man kennt zur Genüge die Umwälzung, die das Eisen in unserm
Kriegsschiffsbau hervorrief; aber die Kriegsschiffe haben dabei jeden
eigenen Charakter verloren, und man erkennt sie nur noch an der Flagge,
die sie tragen. Das ist der Zustand für die Seeschiffahrt; aber das
wird auch die Lage der Binnenschiffahrt werden. Auch hier ist das Eisen
eingeführt worden; die alten Formen verschwinden, um Typen Platz zu
machen, die bald allgemein Verwendung finden werden.
Aber dann wird auch jeder nationale Charakter auf den Flussschiffen
verschwunden sein, und man wird vergeblich suchen, was vergangen ist.
Obgleich schon viel Gleichmässigkeit vorhanden ist, kann man doch noch
immer an ihren soliden und eleganten Formen die in Holland gebauten
Schiffe erkennen.
Könnte dem doch immer so sein; möchten die Schiffbauer den guten
Ruf der holländischen Schiffbaukunst mehren, aber möchte auch das
niederländische Kapital fortfahren, sie zu unterstützen und begreifen,
dass die Macht unseres Vaterlandes in einer blühenden Marine liegt.
Aber diese braucht auch ausgezeichnete Verbindungsstrassen; im 19.
Jahrhundert sind bekanntlich neue Verbindungen zu Wasser geschaffen und
die alten verbessert worden. Die alten Hindernisse, die in der geringen
Tiefe der zu unseren grossen Zentren führenden Durchfahrten lagen, sind
beseitigt, und es ist uns ermöglicht worden, auf dem Gebiete des Baues
der grossen Schiffe den Kampf mit dem Ausland aufzunehmen.
[4] Dem Fahren mit geringer Mannschaft, der Nüchternheit seiner
Seeleute und der angeborenen Reinlichkeit des holländischen
Volkes ist das Blühen der holländischen Schiffahrt zu danken,
nicht der Formenschönheit der Schiffe.
[5] In diesem Punkt trotzen sie (die Engländer) offen allen Ländern
und halten sich für unerreicht auf dem Gebiete des Schiffbaues.
[6] Westländischer Einfluss auf die Kultur, Lebensweise und den
Ackerbau der Nordländer (Norweger, Skandinavier u. s. w.) zur
Zeit der Wikinger von Alexander Bugge 1905.
[7] Nach Ansicht der meisten Schriftsteller fällt den Friesen die
Ehre zu, die Schiffbaukunst in den Niederlanden zu neuer Blüte
gebracht zu haben.
[8] «Wie man in der Vergangenheit die Koggeschiffe baute und wie sehr
sie sich in der Folgezeit geändert haben, übrigens ganz wie
man in unserer Zeit (zur Zeit des Schreibers) ständig die
Schiffsformen sich ändern sieht.»
[9] Die Taktik der Engländer bestand hauptsächlich darin, die Schiffe
zu entern, während die Spanier, deren Schiffe viel höher waren,
mit Armbrüsten und schweren Steinen angriffen; die letzteren
schleuderten sie aus ihren furchtbaren Marsen in die Schiffe
ihres Gegners.
[10] Und in der Tat, das vornehmste und beste Mittel, den zu grossen
Tiefgang der Schiffe zu vermeiden, besteht darin, die Schiffe zu
verbreitern. Diese Aufgabe müssen wir besonders im Auge behalten
wegen der geringen Tiefe unserer Durchfahrten.
Nach Ansicht erfahrener Lootsen, die sie gewissenhaft gemessen
haben, ist es nicht möglich, durch die Goereesche Durchfahrt
Schiffe von über 20 Fuss Tiefgang, durch die von Texel solche
von etwa gleichem Tiefgang und durch die Maas solche von mehr
als 13 Fuss zu bringen.
Daher ist es auch mehr als einmal vorgekommen, dass
Kriegsschiffe des Staates von schlanker Form und durch Ballast
tief eingesenkt, um das Segeln zu erleichtern, zum grossen
Schaden des Landes bei Ebbe oder Windstille die hohe See nicht
erreichen konnten, während man sie auf offener See nicht
verwenden konnte, weil die untere Reihe der Kanonen zu nahe am
Wasser lag.
[11] Seit mehreren Jahren hat man, um unsere grossen tiefgehenden
Schiffe in den Stand zu setzen, die hohe See zu gewinnen, bei
der geringen Tiefe unserer Flüsse und Durchfahrten, so weit es
möglich war, versucht, sie durch leere Fässer zu heben. Aber
dies Verfahren erforderte schon zur Anbringung der Fässer eine
endlose Zeit und erhebliche Arbeit.
[12] Man kann mit vollem Recht sagen, das während des ganzen
18. Jahrhunderts die meisten Verbesserungen an den Formen und
Grössenverhältnissen der Schiffe der Königlichen Marine den
gekaperten französischen Schiffen abgesehen wurden.
[13] Die Ueberlegenheit der französischen Schiffe hinsichtlich ihrer
Grössenverhältnisse stand fortwährend zur Erörterung, und
im Jahre 1719 stellte man eine neue Uebersicht für die
Grössenverhältnisse der Schiffe unserer Königlichen Marine auf
nach der folgenden Tabelle.
[14] Durch die ganze Geschichte unseres Seewesens und zwar bis auf
verhältnismässig neue Zeitläufte sehen wir, dass man
Verbesserungen in der Grösse und in der Form unserer Schiffe
erst einführt, nachdem diese Aenderungen von den Franzosen oder
Spaniern oder in neuester Zeit von dem Volk der Vereinigten
Staaten von Amerika angenommen sind.
[15] Dass das Schiff, welches nach Süden oder Westen fährt, das
Vorderteil mit Kupfer bekleidet haben soll, um es vor dem
Bohrwurm zu schützen.
[16] Die holländischen Schiffe waren allen anderen in sofern
überlegen, als sie die ersten waren, die mit jener törichten
Praxis brachen, den Schiffen ein übermässiges «tumble home»
zu geben, d. h das Oberdeck einspringen zu lassen. Bei den
Engländern wurde dies Verfahren in grösserem Massstabe
angewendet, während dies bei den Franzosen und Spaniern in
geringerem Grade geschah.
[17] Wegen der geringen Tiefe der holländischen Häfen hatten die
Schiffe dieses Landes auch einen geringeren Tiefgang als die
englischen Schiffe von gleicher Stärke.
[18] Die Marine hat immer Transportschiffe gehabt, um die
Geschwader mit Lebensmitteln zu versorgen, die zuerst Flüten
oder Transportschiffe hiessen und später mit dem Namen
Lastkorvetten bezeichnet wurden.
[Illustration: 3]
Im vorigen Kapitel haben wir gesagt, dass man erst in der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts in Holland mit dem Bau von eigentlichen
Kriegsschiffen begonnen hat. Bis zu dieser Zeit wurden die
Handelsschiffe zu militärischen Zwecken benutzt. Daraus ergibt sich,
dass in dem Masse, wie sich der Handel entwickelt und die Gefahren
vor dem Feind zur See wachsen, die Bewaffnung der Handelsschiffe
immer wichtiger wird. Das persönliche Interesse war so der Grund der
teilweisen Ausrüstung der Handelsschiffe als Kriegsschiffe. So stellte
man die Schiffe der Ost-Indischen Kompagnie her, die als Type dieser
Art betrachtet werden können.
Es ist übrigens selbstverständlich, dass gerade die grössten
Handelsschiffe die meisten Umänderungen in der Folge der Zeiten
erfuhren. Die alten Muster werden also nicht unter ihnen sondern unter
den kleinen Typen zu finden sein, wo sich diese Muster am besten
erhalten haben.
Der älteste Schiffstyp in unserer Heimat ist das «Koggeschiff», aus
dem die «Krayers» und «Hulken» entstanden sind. Sie sind alle mit
übergreifenden Planken (klinkerweise) gebaut. Im 15. Jahrhundert
erscheinen die «Barges» (Barken), die «Baertsen» u. s. w. mit glatter
Bordwand, die allmählich die «Krayers» und die «Hulken» verdrängen. Sie
weichen übrigens wenig in der Form von den letzteren ab.
Am Ausgang des 15. Jahrhunderts trifft man die «Kraak», die von den
Völkern des Südens zu uns kommt; ebenso stammt von ihnen der «Spiegel»
(Schiff mit viereckigem Hinterteil) am Ende des 16. Jahrhunderts. Zu
dieser Zeit verschwinden die Namen «Barge» u. s. w., und an ihre
Stelle treten die der «Kuffen» und «Schmaken». Es muss aber die
Tatsache betont werden, dass die alten Formen nicht verschwanden.
Dieselben Schiffe wechseln in der Folge nur den Namen infolge einiger
Veränderungen in Einzelheiten. Ein treffendes Beispiel hierfür sind
die «Tjalken» die ~Witsen~ nicht anführt und die doch schon zu jener
Zeit vorhanden waren. Sie trugen damals den Namen «Smalschepen» oder
«Wijdschepen». Wir könnten hierfür noch mehrere Beispiele nennen. Die
Ähnlichkeit der Form ist oft so auffallend, dass am Anfange des 19.
Jahrhunderts unsere Flotte noch vollkommen die Type der Zeit von Witsen
zeigt. Die eingeführten Änderungen betreffen nur Einzelheiten.
Bei Beurteilung der alten Type, die noch jetzt in Gebrauch sind, muss
man jedoch zweierlei berücksichtigen: dass unsere Schiffe im Laufe
des 19. Jahrhunderts erheblich an Länge und Breite zugenommen haben
und entsprechend auch an Tiefe, um so den Verbesserungen unserer
Wasserstrassen und der Herstellung neuer Kanäle zu folgen.
Daraus hat sich um die Mitte dieses Jahrhunderts die Entartung einiger
Type ergeben, zu der übrigens das Auftreten des Eisens im Schiffbau in
hohem Masse beigetragen hat.
Andrerseits hat die Verbesserung der Schiffahrtsstrassen und die
Schaffung der Häfen die völlige Beseitigung gewisser Type bewirkt.
So dürfte die Herstellung des «Bommenhaven» bald das gänzliche
Verschwinden der alten «Bommen» zur Folge haben. Wir werden darüber
später sprechen. (Fischereifahrzeuge.)
Die kleineren Fahrzeuge werden uns also die beste Vorstellung von
den alten Formen geben, während man, wie oben gezeigt, unter den
Fischereifahrzeugen die schönsten Proben der Schiffbauten früherer
Zeiten finden wird. Die Fischereifahrzeuge offenbaren uns am besten den
Ursprung der Formen unserer Schiffe, und deshalb werden diese Fahrzeuge
in einem besonderen Kapitel behandelt werden.
Wie oben gesagt, bestand der Hauptunterschied der Handels- und der
Kriegsschiffe darin, dass die ersteren ein schmales Deck hatten, so
dass ihre Mannschaft vermindert werden konnte (~Witsen~, S. 54, 263,
266), und wir haben zu gleicher Zeit gezeigt, wie die Holländer immer
als Beispiel hierfür angeführt wurden. So sehen wir die «Vliebooten»
auftauchen, als Vorläufer der «Fluiten» die in England unter dem Namen
«Dutch flight» bekannt waren.
Die Fahrten nach dem Norden wie nach dem Süden brachten jedoch
Änderungen hervor, aus denen eine grosse Zahl von Schiffstypen
entstand. Diese sind jedoch alle von einem gleichen Grundtyp
abzuleiten. So schreibt ~Witsen~ (Seite 53): «Noortsche deelhaelders
laeden het meest wanneer na den vierkante hellen, kooren schepen en die
op stukgoederen aenleggen, als ze rondtachtig zijn en veel springen.
Oost- en Noortsvaerders die grove waeren laeden zijn grooter en ’t
gemeen als die stuk goederen wijnen en diergelijke laeden gelijk ook de
southaelders»[19].
Das sind also alles geringe Varianten desselben Typs. Als die Schiffe
an Grösse zunahmen, musste man sie gewölbter bauen, auch wegen der
geringen Wassertiefe der Meeresarme, was andererseits die Unterschiede
zwischen den Grundformen verschwinden lässt.
So lesen wir in ~Van Yk~ (S. 348): «Maar als men hiertegen aanmerkt dat
wegens de doorgaans ondiepe gronden en lastvoerens wil alle schepen
van tijd tot tijd vierkanter werden gebouwd, sulks dat heden desen
aangaande niet so veel onderscheid tusschen d’een en d’andere soort
van Schepen als wel voor dezen gevonden werd. Want een hedendaags
welgebouwde kaag sal in Lasten te voeren ’t Smalschip dat in Lengte,
Wijdte en Holte daaraan gelijk is, weinig wijken willen. En de
Damschuit, die wel gemaakt is, sal den Damlooper bijna ook evenaren
konnen»[20].
Das schmale Deck der Kauffahrteischiffe hat noch einen anderen
Ursprung, der Anlass gab, Schiffe mit stark ausspringenden Formen zu
bauen. Dieser Ursprung liegt in der Art, die Schiffe zu eichen.
~Witsen~ sagt hierüber: «Het uitbreecken deser schepen (Noortsvaerders)
voor en achter bracht hier in den schipper profijt aan dat ze vele
goederen meer stouden als de maat der schepen hielt[21].» (S. 160.)
Das bezog sich besonders auf die Schiffe, die Holz oder Korn in den
Ostseehäfen luden, wegen der Zölle, die dem König von Dänemark zu
zahlen waren, deren Höhe nach dem Vertrag von 1647 festgestellt wurde,
indem man die Fassungskraft nach der Länge, der Breite in Höhe des
Decks und der Tiefe berechnete. Als jedoch dieser Vertrag im Jahre 1666
abgeändert wurde, verschwand, wie ~Witsen~ (S. 160) schreibt, diese
hässliche Bauart und diese übermässige Wölbung allmählich (werd dit
mismaekt bouwen en geweldigh uitspringen achterwege gelaten).
[Sidenote: III 16]
Trotzdem baute man noch lange in grosser Zahl Handelsschiffe mit
schmalem Deck, und im Anfang des 19. Jahrhunderts findet man sogar noch
«Fluitschepen». Ein schönes Beispiel dieser «Fluitschepen» (Flüten)
befindet sich im Altertumsmuseum von Dordrecht.
Der mehr gewölbte Bau der Handelsschiffe ging Hand in Hand mit der
Erhöhung des Hinterstevens und des Vorderstevens. Andrerseits liess man
am Ende des 17. Jahrhunderts den Gedanken fallen, dass die Grösse des
eingetauchten Teils eines Schiffs möglichst beschränkt sein müsste.
[Sidenote: II 149]
[Sidenote: II 153]
Die Erhöhung des Vorder- und Hinterstevens zogen die Verkürzung des
Galiondecks nach sich, das am Anfang des 17. Jahrhunderts ⅕ der
Gesamtlänge des Schiffs und am Ende desselben Jahrhunderts nur ⅛
mass. Dieser Unterschied springt deutlich in die Augen, wenn man das
Modell von Zierikzee und das von «Bleyswijk» miteinander vergleicht.
Das Galion, das zu uns aus dem Altertum gekommen war, (~Van Yk~
S. 103) wird nur als «Heimelijke gevoeg-plaatsen» (als W. C.) für
das Volk verwendet, während man dort auch diejenigen einschliesst,
die irgend ein unbedeutendes Vergehen begangen haben; «des devotie
des overspelenden zeewaters,» sagt ~Van Yk~ (S. 104), (den Wogen
ausgesetzt).
Für unsere Handelsschiffe war der grosse Feind das Feuer.
Die Verstopfung der Wassereintrittsstellen war überdies schwieriger für
die Handelsschiffe als für die Kriegsschiffe, weil es für die ersteren
im allgemeinen unmöglich war, zu den Wassereintrittsstellen vom Innern
und durch die Ladung zu gelangen.
Wasserdichte Schotten gab es nicht, und die Verstopfung der
Wassereintrittsstellen war darum nicht weniger nötig. ~Witsen~
berichtet uns, wie dies geschah, (S. 276). Nachdem er erklärt hat, wie
man den Brand löscht, indem man Wasser einlaufen lässt, fährt er wie
folgt fort:
«Wanneer een geschoten gat onder water van binnen niet gestopt kann
worden, hetzij den last en den weg is, of anderzins wordt een man
buiten boord met een prop in de hant op een plankje gezet, daar een
dreg aan vast is die hun onder water haalt. En aldus stopt of dekt hij
de opening. Man geeft hem een geoliede lap in den mont, om het water
uit het lichaem te weeren»[22].
Bevor wir zu der eigentlichen Teilung der Hauptklassen gehen, die
wir kennen gelernt haben, müssen wir noch etwas über das Schiff im
allgemeinen und einige Einzelheiten im besonderen sagen.
Die alten Erbauer von Holzschiffen bemassen die Länge derselben nach
ihrer Bestimmung. Diese Länge wurde gerechnet zwischen dem vorderen
Teil des Vorderstevens und dem hinteren Teil des Hinterstevens.
Aus der Länge berechnete man die Breite und Tiefe, da die Breite =
¼ der Länge ist. Für die Tiefe nahm man 1 Fuss auf 10 Fuss Länge,
an der Stelle, wo das Schiff die geringste Höhe hatte. Lediglich
aus ästhetischen Gründen zog man den Hintersteven höher als den
Vordersteven.
Wenn der Kiel gelegt war, wurden Vorder- und Hintersteven gerichtet;
nun machte man die Heckbalken mit den Spiegelspanten (Heckspanten)
fest, dann das Hauptspant und das Spant über der Verbindung des
Bugs. Dann legte man noch ein Spant zwischen das Hauptspant und den
Hintersteven. Auf diesen Spanten befestigte man dann die «Centen»
(dünne biegsame Bretter), um so die Form des Schiffes zu bestimmen und
daraus die anderen Rippen (Spanten) abzuleiten.
Nach ~Van Yk~ (S. 77) hiessen diese Bretter nicht «Centen» sondern
«Certen» (Sicherer), weil man mittels dieser Bretter die Form des
Schiffes festlegte, sie sicherte. Andere Schriftsteller behaupten,
dass das Wort von «Kanten» oder «Kenten» herkommt, das wieder von
«Bekendheid» (Kenntnis) stammt.
Die Form des Schiffes wurde also «in natura» festgelegt, nachdem man
zuerst die Hauptspanten und die Länge festgestellt hatte. Je weniger
gross das Schiff war, je stärker war die Kurve und um so mehr «Centen»
brauchte man, um genau die Form festzulegen.
Andrerseits war es üblich, dem Schiff eine Krümmung (Zeegte) zu
geben, d. h. ihm in der Mitte weniger Höhe zu geben als an den Enden.
Diese Krümmung wurde nach Anbringung der «Centen» hergestellt, durch
Verstärkungsplanken, die man zunächst da befestigte, wo die Höhe des
Schiffs am geringsten war. Diese Verstärkungsplanken liefen von dort
nach vorn in die Höhe, und zwar 1 Zoll auf 6 Fuss Länge und nach
hinten 5 Zoll auf 6 Fuss. Nach diesen Verstärkungsplanken brachte man
die Berghölzer (Aussenplanken) an, die das Schiff schützen sollten.
Bei den grossen Schiffen (Spiegelschepen) hat die Krümmung allmählich
abgenommen, und man hat sich bemüht, Schiffe mit geradem Deck zu
bauen, indem man hierin England und später Amerika nachahmte. Bei den
Binnenfahrzeugen wie den «Tjalken» «Poonen» u. s. w. ist die Krümmung
bestehen geblieben. Bei den kleinen Fahrzeugen verwendete man nur eine
Aussenbeplankung. Bei den grossen, wie den «Tjalken» und «Schmacken»
legte man sogar bis zu 3 Aussenplanken übereinander.
Im allgemeinen kann man feststellen, dass im 18. Jahrhundert die
Aussenplanken weniger schwer wurden, ganz wie der Vorder- und der
Hintersteven. Die Stiche, die Schiffe von vor 1500 darstellen, zeigen
mehrere Aussenplanken in gleichen Abständen, während man erst am Ende
des 16. Jahrhunderts die späteren einzigen Aussenplanken erscheinen
sieht.
Es ist sicher, dass die Verbesserung der Schiffahrtstrassen im übrigen
einer der Gründe gewesen ist, die Schiffe weniger schwer zu bauen.
Andererseits zeigen diese alten Stiche, dass die Bordplanken sehr
kurz sind, um zu ausgesprochene Krümmungen zu vermeiden; um aber
trotzdem dem Schiffe mehr Festigkeit zu geben, werden die mehrfachen
Aussenplanken nötig.
[Sidenote: II 138]
Im früheren Schiffbau, wo die mit Überlappung gelegten Planken, die
zusammengenietet werden, den Bau fester machen, findet man keine
Aussenplanken (Berghölzer), wie z. B. bei den alten «Koggeschepen». Das
kleine Schiff in der Kirche von Diemer hatte jedoch welche.
Diese Berghölzer wurden damals von runden Konsolen aus Holz gestützt,
die man noch bei einigen alten «Poonen» findet.
Was die Berghölzer betrifft, so ist es Regel, dass wenn man das Schiff
von vorn sah, diese Planken konvex erschienen, mit der konvexen Seite
nach oben, während sie beim Anblick von der Seite konkav aussahen, d.
h. konvex nach unten.
Wie gesagt, man ging etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts bei den
grossen Schiffen von der Verwendung der «Centen» ab und arbeitete nach
Entwürfen, in denen die Spanten gezeichnet und entwickelt waren.
Der Bau des Schiffes endete dann in genügend bekannter Weise, so dass
wir uns damit nicht aufzuhalten brauchen.
Das Steuerruder wurde mittels der Ruderpinne gehandhabt, die an ihm
angebracht war. Auf den grossen Schiffen wurde die Ruderpinne von einem
Stück Holz gestützt (Luierwagen), wie man es noch auf vielen kleinen
Binnenschiffen findet.
Um die Ruderpinne leicht handhaben zu können, verlängerte man sie
auf den grossen Schiffen durch den Helmstock. Dieser ging durch
eine Öffnung des Oberdecks. Später steckte man in diese Öffnung eine
bewegliche Stütze, deren Achse sich in der Richtung der Schiffsachse
befand; die Stütze hatte ein vertikales Loch, durch das der Helmstock
ging. Der Helmstock konnte so durch die Öffnung hindurch gehandhabt
werden und als Hebel wirken, um das Steuerruder gegen die Seiten des
Schiffes zu legen. Es ist selbstverständlich, dass bei solchem Steuern
die Arbeit bei schwerem Wetter nicht gerade leicht war und Verstärkung
nötig machte. Zu diesem Zwecke war eine Rolle an dem Oberdeck
befestigt; um sie lief ein an der Ruderpinne angebrachtes Tau (Trosse),
um das Steuerruder besser lenken zu können. (~Witsen~, S. 274, 2.
Spalte.)
Dieses Tau wurde von zwei Leuten bedient und stellte mit der Rolle den
Vorläufer des Steuerrades dar, das im 18. Jahrhundert erschien, in
Nachahmung Englands, wie manche Schriftsteller behaupten.
Man nimmt manchmal an, dass das Steuerruder sich nur schwach neigen
konnte; darin täuscht man sich indessen. ~Witsen~ sagt nämlich auf S.
28: «Je grösser die Neigung des Steuerruders ist, je schwieriger wird
seine Handhabung.» Es ist klar, dass ~Witsen~ nicht von einer Neigung
gesprochen hätte, wenn diese gering gewesen wäre. Es geht klar aus der
Anführung des ~Van Yk~ (S. 121) betreffend die «Luierwagens» hervor,
dass der Steuermann viel Kraft entwickeln musste. «Hij (de Luierwagen)
diend om de Roerpen, aan ’t vooreinde, t’ ondersteunen nademaal deze,
wegens deszelfs langte, om sig selven te dragen immers _om ’t geweld
dat de man_ te Roer daaraan verrichten moet, uit te staan; al te zwak
soude wezen»[23].
Endlich sagt ~Bouguer~ (1764) auf S. 83, dass das Steuerruder mit der
Verlängerung des Kiels einen Winkel von 54°44′ u. s. w. bilden muss.
Mit Unrecht sagt man also, dass die Neigung des Steuerruders nur einige
Grade beträgt. (S. ~Paris~, Bd. 4, S. 221.)
Übrigens müssen auf unseren Flüssen mit geringer Wassertiefe und enger
Fahrrinne die Schiffe schneller steuern können; das Steuerruder muss
sich also mehr als nur einige Grade wenden können.
Auf den kleinen Binnenschiffen verlängert man häufig das Steuer, wenn
man in wenig tiefes Wasser kommt; diese Verlängerung geschah durch eine
besondere Planke, oder einen beweglichen Teil (~Van Yk~, S. 121), was
auch heute noch sehr häufig vorkommt.
Wenn die Pinne des Steuers ganz oberhalb des Bords gedreht werden kann,
was man holländisch «geen statie voeren» (ohne Statie) nennt, so sagt
man, dass das Schiff einen «draai over boord» hat[24], im Gegensatz zu
den Schiffen mit «Statie». Die «Statie» bezeichnet den Teil des Bords,
der oberhalb der Ruderpinne liegt.
Die Ruderpinne läuft dann also durch eine Öffnung der Statie, sodass
das Steuerruder nicht völlig umgelegt werden kann. Die Länge der zur
Vergrösserung des Steuerruders dienenden Schwerter wird doppelt so
gross genommen wie die Tiefe des Fahrzeuges.
Da die Wassertiefe auf vielen Flüssen und Seen ungenügend ist, sodass
die Schwerter den Grund berühren würden, so verkürzt man sie für die
Binnenschiffe, und vermehrt infolgedessen ihre Breite.
Für das Meer und die seeländischen Flüsse sind die Schwerter lang und
schmal.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erfährt die Takelung neue Änderungen.
Das kleine Bugspriet verschwindet, um den Fockmasten Platz zu machen,
die seit jener Zeit im Gebrauch geblieben sind.
[Sidenote: III 145 u. s. w.]
Die Takelung der grossen Schiffe ist übrigens bekannt genug. Wir wollen
nur die Tatsache hervorheben, dass auf verschiedenen Modellen des 17.
Jahrhunderts Fockmaste fälschlicher Weise angebracht sind.
Man nennt «Schip» (vaartuig) ein Fahrzeug, bei dem die Bekleidung mit
dem Vordersteven verbunden ist. Die «Aak» ist ein Fahrzeug, das keinen
Vordersteven hat und bei dem die Beplankung bis zum Vorderteil glatt
bleibt. Die Beplankung endet also an der vorn befindlichen Ebene. Wenn
das bei einer «Tjalk» eintritt, so erhält man eine sogenannte «Aak
Tjalk».
Wenn das hintere Deck bis über den Bord erhöht ist, so sagt man, dass
das Schiff einen «paviljoen» hat (gebrochenes Deck).
Man wird also z. B. eine «Statiepaviljoenpoon» haben, d. h. eine «Poon»
mit erhöhtem Hinterteil und gebrochenem Deck. Wenn das hintere Deck
nicht erhöht ist, so hat man einfach eine «Statiepoon», u. s. w.
Neben den Kriegsschiffen und den Handelsschiffen findet man noch
Fähren, Fahrzeuge für Sonderzwecke wie Bagger u. s. w.; die Schiffe,
die lediglich auf den oberen Läufen der Flüsse verkehren und die
Fischereifahrzeuge.
Man kann also die Schiffe folgendermassen ordnen: