DIE OBERLÄNDER (Bovenlanders) 93

_Der Rhein_ 94

Die Dorstensche Aak 94

Das Stevenschiff 95

Der Turfijker und Haagenaar 95

Der Keen 95

Die Keenaak 95

Die Lahnaak und der Slof 96

_Die Maas_ 96

Der Whalemajol 96

~Kapitel~ V 97

_Fischereifahrzeuge_ 97

Die Egmonder Pink 97

Die Büse 97

Der Kwee und die Hukerbüse 100

Der Huker 100

Der Heringsjäger und der Büsenbegleiter 100

Die Schaluppe 100

Der Logger 101

Der Bom 101

Der Schocker 103

Die Heringsschute 103

Der Punter und die Gondel 103

Der Hoogaars 103

Die Steekschute 104

Der Hengst 104

Der Botter 104

Der Blazer 104

Die Lemmeraak 105

Die Bolle und die Knots 105

Die Jolle 105

Verwendung der Fischereifahrzeuge auf der Zuiderzee 105

Das Waterschip 106

~Kapitel~ VI 107

_Die belgischen Schiffe_ 107

Das Schiff von Tournai 107

Die Zille 107

Der Bijlander 108

Das Spitzschiff 108

Der Prij 108

~Kapitel~ VII 109

Die Entwicklung der Schiffstype im Nordwesten

Europas in Bezug auf die ersten Bewohner der

Niederlande 109

[Illustration: VORREDE

De scheeps- en sterke bouw

’t heeft ons ’t gebruik geleerd,

Dees gaf ons wet en reght

Hoe men de landen heert.

(~Nicolaas Witsen.~)[1]

]

Der Kampf ums Dasein ist für die Niederlande ein fortwährender

Kampf gegen die Gewässer gewesen. Stellt das Wasser einerseits

einen furchtbaren Feind dar, so ist es andrerseits die natürliche

Verkehrsstrasse par excellence, die seit den ältesten Zeiten aus

unseren Ahnen ein Volk von Seeleuten gemacht hat. Das Schiff war genau

so unentbehrlich wie das Haus.

Es lässt sich nicht sagen, wer der Erfinder des Schiffes gewesen ist,

jeder hat an seinem Teile dazu hergetragen, was zu einer allmählichen

Entwicklung geführt hat. Die Entdeckung der Schwimmfähigkeit des Holzes

ist offensichtlich dem Zufall zu verdanken.

Man wird sich zuerst eines Baumstammes bedient haben, um dann später

mehrere so zusammenzubinden, dass sie Flösse bildeten.

Dann kam der ausgehöhlte Stamm; ihm folgte ein Fahrzeug aus einem mit

Häuten überzogenen Gerippe, woraus schliesslich das vollständige Schiff

entstand.

Zwischen den Baumstamm und dem vollkommensten Schiff haben alle

Zwischenformen bestanden, von denen die meisten sich übrigens noch

heutzutage finden.

[Sidenote: III 1]

Der erste Schiffbauer dürfte Noah gewesen sein, wenn man den

Schriftstellern des Altertums folgt. Sie behandeln diesen Gegenstand

bis ins Einzelne und geben verschiedene Zeichnungen von der

«Arche». Einige dieser Zeichnungen sind in dem Atlas dieses Werkes

wiedergegeben. Sie haben nur insofern Wert, als die Arche als ein

Schiff aus der Zeit des Zeichners dargestellt ist. Hierbei ist noch

zu bemerken, dass der erste Schiffbauer ganz ebenso unbekannt ist wie

der erste Erfinder. Es steht ausser Zweifel, dass die gegenseitigen

Einflüsse der verschiedenen Völker von grosser Bedeutung für die

Entwicklung des Schiffs gewesen sind. Dies letztere brachte die Völker,

die durch das Wasser getrennt waren, einander näher und öffnete nicht

erforschte Gegenden.

Die Schiffbaukunst wird zuerst bei den zivilisiertesten Völkern geblüht

haben.

Nimmt man Mexiko und Peru aus, so kann man sagen, dass die Zivilisation

sich zuerst bei den Chinesen im Tal des Hoango, bei den Babyloniern

im Tal des Euphrat und Tigris und bei den Ägyptern im Tal des Nils

entwickelt hat.

Die Frage, ob die Babylonier den Schiffbau von den Chinesen gelernt

haben, hat für uns weniger Bedeutung. Es ist indessen sicher, dass

gegenseitige Einflüsse sich unter den Völkern Kleinasiens fühlbar

gemacht haben, und es steht zweifellos fest, dass die Babylonier die

Phönizier beeinflusst haben, die als erste die Schiffbaukunst im

Mittelmeer trieben. Die Ägypter, die kein Seevolk waren, kommen hier

nicht in Betracht.

Da die Niederlande unter dem Einfluss Europas standen, wo die

Schiffbaukunst sich um zwei unabhängige Mittelpunkte entwickelt hat, an

der Ostsee und im Mittelmeer, so können wir Asien unbeachtet lassen,

soweit es nicht an die Küste des Mittelmeers stösst.

Nachdem von der Ostsee, die wir den Nordmittelpunkt nennen wollen, die

Schiffbaukunst bei uns eingeführt war, trat dieser Mittelpunkt infolge

der Verschiebung des Handels und der Schiffahrt, soweit es sich um die

Grossschiffahrt handelt, in Berührung mit dem Mittelmeer, das wir den

südlichen Mittelpunkt nennen wollen, um dort schliesslich unterzugehen.

Man sieht leicht, dass der Einfluss des Nordmittelpunktes auf unseren

Schiffbau überwiegend gewesen ist. Seine Bedeutung für uns ist also

erheblich.

Die wenigen Schiffe des Altertums, die man aufgefunden hat, zeigen

uns, wie schon in den ältesten Zeiten die Schiffbaukunst einen

hohen Grad von Vollkommenheit erreichte; man hat ausserdem bemerken

können, wie vollendet diese Schiffe waren und welche Sorgfalt man auf

ihre Ausschmückung verwandte. Diese Feststellung ist übrigens nicht

wunderbar, wenn man sich die ungeheure Rolle klar macht, die das Schiff

im Leben der Völker spielte. Das Gegenteil hätte uns vielmehr in

Erstaunen gesetzt, und es ist nicht einmal auffallend, dass man sich

mit diesen kleinen Fahrzeugen aufs Meer wagte. Sehen wir denn nicht

noch heutzutage unsere Fischer den Wogen der Nordsee mit noch kleineren

Schiffen trotzen, um dort ihr rauhes und gefährliches Gewerbe auszuüben

und zwar während des ganzen Jahres? Vergessen wir es doch nicht, die

Seeschiffahrt wurde im ganzen Mittelalter nur im Sommer ausgeübt.

~Witsen~ schreibt hierüber in J. 1671, S. 195 seines Werkes:

«Dat men oulinckx in deze landen nimmer ’t zee ging als naer besloten

boeken, besproken uiterste wille en met God zich te hebben verzoent:

wanneer men het gevaar meer ontzag als heden nu dorst men althans zee

kiezen zonder aanzien van tijdt of weer van outs wiert de zee gesloten

in de quaetste tijden van het jaar»[2].

Zu wissen, was wir hervorbringen können, wessen wir auf diesem Gebiete

fähig sind, aber besonders zu wissen, was wir noch lernen müssen und

auch was wir nachzuahmen haben, das ist die Hauptforderung jeder

individuellen Erziehung und auch derjenigen eines Volkes, das in der

Reihe der Nationen nur eine Einheit ist.

Möge dieses Buch zur Kenntnis der allmählichen Entwickelung der

Schiffbaukunst beitragen; möge es aber auch die lächerliche Art

verschwinden lassen, in der man sich bisher die alten Schiffe

vorstellte; möge es insbesondere die Liebe zu unserem Schiffbau

erwecken.

Ich schliesse mich übrigens ganz dem Gedanken Witsens hierüber an, der

wie folgt lautet:

«Zoo groot dunkt mij de waerdigheydt dezer wetenschap te zijn dat

niemant derzelve hier ten lande, daer de zeevaert de sterkste zenuwe

van den staet is, behoorde unkundig te zijn»[3].

[1] Der Gebrauch hat uns den Schiffbau und die Kriegskunst gelehrt,

die uns die Mittel geben, die Völker zu beherrschen.

[2] Dass man ehemals hierzulande niemals aufs Meer fuhr, ohne vorher

seine Rechnungen geregelt, sein Testament gemacht und sich mit

Gott versöhnt zu haben; man hatte also mehr Furcht als jetzt, wo

wir uns zu jeder Zeit auf die See wagen. Früher war das Meer in

der schlechten Jahreszeit geschlossen.

[3] Der Wert dieser Wissenschaft scheint mir ein solcher, dass jeder

unserer Mitbürger sie kennen sollte, da die Schiffahrt der

Hauptnerv des Volkes ist.

[Illustration: 1]

Die Ägypter waren nicht ein Volk von Seeleuten. Ursprünglich trieben

sie nur auf dem Nil Schiffahrt; erst später wagten sie sich auf das

Meer nach dem Vorbild und mit Unterstützung der Phönizier.

Ihre Fahrzeuge waren und blieben nur Flussschiffe. Die Frage, ob

die Ägypter die Kunst des Schiffbaues von den Babyloniern entlehnt

haben, oder ob sich ihre Kunst unabhängig von jeder anderen entwickelt

hat, ist hier von keiner Bedeutung und könnte überdies nicht mit den

nautischen Kenntnissen gelöst werden, die wir besitzen. (~Ermann~, S.

679. -- Dr. ~Moritz Rühlmann~, S. 25 S. 3.)

[Sidenote: II 1]

Es steht fest, dass die Babylonier und die Ägypter schon im frühesten

Altertum Schiffe besassen; das geht aus dem Schmuck hervor, mit dem

alte Vasen versehen sind, die aus einer 6000 bis 4000 Jahre vor Christi

Geburt liegenden Zeit stammen. (_L’Anthropologie_ 1889. Bd. X. § 517

und ~Holmes~, 1900 S. 9.)

[Sidenote: II]

Es sind bisweilen -- meines Erachtens zu Unrecht -- Zweifel aufgetaucht

über die Frage, ob dieser Vasenschmuck wirklich Schiffe darstellte.

Obwohl die Figuren zu primitiv sind, um aus ihnen Angaben über die Form

des Schiffes abzuleiten, so kann man doch mit Sicherheit sagen, dass

auf den Vasen nur Ruderschiffe dargestellt sind, und dass zu jener

Zeit das Segelschiff wahrscheinlich noch unbekannt war. Die Linien

unten am Schiff, die man manchmal mit Unrecht für ein Gerät zum Fischen

angesehen hat (_Recherches sur les origines de l’Égypte_, Dr. ~Morgan~,

S. 91 und 92) stellen die Ruder der Ruderer, die grossen Linien hinten

am Schiff die Ruder der Steuerleute dar. Man bewegt die Schiffe

nicht durch das Ruder, sondern durch die Pagaie fort, wie man an der

unterbrochenen Reihe der Ruderer sehen kann; diese Art, die Schiffe

vorwärts zu treiben, findet sich auch noch später bei den Ägyptern.

Die Gründe für die fast ausschliessliche Fortbewegung der Schiffe durch

das Ruder oder die Pagaie sind in der Beweglichkeit der Flusssohle zu

suchen; d. h. also in der Veränderlichkeit der Fahrrinnen des Nils.

Hierzu kommen die starken Schwankungen des Wasserspiegels und die

plötzlich eintretenden Windstillen.

Später allerdings verwendete man die Segel, aber neben dem Segel

bediente man sich weiter des Ruders und des Schlepptaues.

Die Form des Schiffes hing davon ab, zu welchem Zweck es gebraucht

wurde, so dass man bei den Ägyptern unterschied: Lastschiffe,

Schleppschiffe und Fischereifahrzeuge. Man weiss nicht, ob sie

Kriegsschiffe besessen haben. Die Vergnügungsfahrzeuge und die

Reiseschiffe für die hochgestellten Personen bildeten eine bedeutende

Flotte. (Dr. ~Moritz Rühlman~, S. 25 und _Aegypten_ von ~Adolf Ermann~,

S. 639.)

Im allgemeinen waren die ägyptischen Schiffe flach; das Vorder- und

das Hinterteil erhoben sich mit leichter Neigung über die Wellen, das

Hinterteil gewöhnlich mehr als das Vorderteil, anscheinend, um den

Steuerleuten mehr Schutz zu gewähren. (_Aegypten_, ~Adolf Ermann~, S.

637.)

[Sidenote: II 2]

[Sidenote: II 3]

[Sidenote: II 4]

Unter dem alten Reich etwa 5000-3200 Jahre vor Chr. Geb. waren die

Schiffe mit Paddeln ausgestattet; die Ruderer sassen mit dem Gesicht

nach vorn. Aber auch schon in dieser alten Zeit verwendete man

allgemein Ruder und gegen Ende dieses Zeitraums war das Steuerruder

schon allgemein in Gebrauch. Das ergibt sich klar aus den Figuren

auf den Denkmälern jener Zeit, auf denen die Ruderer nicht mehr

mit dem Gesicht nach vorn sondern nach hinten sitzen (~Holmes~, S.

13, ~Ermann~, S. 640, _Ancient ships_ von ~Cecil Tor~, 1894). Das

Schaufelruder wurde nur für die Fahrzeuge aus Papyrus beibehalten.

[Sidenote: I 5]

[Sidenote: II 13]

Wenn die Schiffe mit dem Ruder fortbewegt wurden, so gingen diese durch

die Bordwand oder wurden durch hierzu vorgesehene Ringe gesteckt. Jedes

Ruder wurde von einem einzigen Ruderer gehandhabt. Das Schiff wurde

mit Rudern gesteuert, die etwas grösser waren als die anderen und die

ebenfalls von einem Mann gehandhabt wurden. Die Zahl der Steuerruder

sowie die Zahl der Steuerleute hing von der Zahl der Ruderer ab.

(~Ermann~, S. 641.) --

So waren für 8 Ruderer wenigstens zwei Steuermänner vorhanden; für 14

Ruderer 3 Steuerer, für 21 Ruderer 4 Steuerer, u. s. w.

[Sidenote: II 13]

[Sidenote: II 14]

Schon unter dem alten Reich zeigt sich das Segel neben dem Ruder. Der

in der Mitte des Schiffes aufgestellte Mast bestand aus zwei quer zu

einander stehenden, an der Spitze verbundenen Pfählen; dies Verfahren

ist charakteristisch für das alte Reich.

Die Takelage, die in der Längsachse des Schiffes angeordnet war,

bestand aus einem nach vorn gerichteten starken Tau und aus mehreren

weniger dicken Tauen, gewöhnlich 6 bis 12, die nach hinten gerichtet

waren.

Das Segel, von quadratischer Form, war immer zwischen zwei Raaen

befestigt, von denen die eine oben, die andere unten am Segel sass,

eine ausschliesslich in Ägypten befolgte Methode. Von der oberen Raa,

die oben am Mast befestigt war, liefen zwei Taue nach hinten, um das

Segel nach dem Winde drehen zu können.

Wir lassen einige Ziffern folgen, die einen Begriff von den

Grössenverhältnissen geben werden.

Ein verhältnismässig grosses Schiff von 16 m Länge hatte Ruder von 3

m, Steuerruder von 6 m, einen Mast von 10 m mit einer Raa von 6 m.

Das Segel hatte eine Fläche von 60-70 qm. Die Segel waren also in

der Höhe grösser als in der Breite. (~Ermann~, S. 639.) In Zeiten

der Windstille, die oft eintraten, wurde das Fahrzeug gerudert oder

geschleppt. Der Mast wurde alsdann niedergelegt und in das Segel

gehüllt.

Zum Festmachen des Taues, das das Schiff mit dem Schlepper verband,

bediente man sich im allgemeinen eines hölzernen Pflockes, der entweder

nur am Vordersteven oder am Vorder- und Hintersteven befestigt war.

Dies geschah besonders bei den Lastschiffen. Diese besassen gewöhnlich

keine Takelage; sie konnten kaum einige Ruderer aufnehmen, weil der

grösste Teil des Schiffes durch die Kabine eingenommen war.

Zum Schleppen verwendete man meist kleine Barken zum Rudern.

Unter dem mittleren Reich (3200-2100 Jahre vor Chr. G.) macht die

Kunst, Schiffe zu bauen, grosse Fortschritte. Die Schiffe mit Ausnahme

des Papyrusbootes werden mit Rudern getrieben, aber nicht mehr mit dem

Schaufelruder (Paddel).

Die Steuerruder, die schwer zu handhaben waren, werden durch ein

einziges grosses Steuerruder ersetzt, das von einem Mann gehandhabt

werden kann.

Die Takelage wird ebenfalls geändert. Die obere Raa sitzt nicht mehr

am Mast fest; sie ist mit ihm so verbunden, dass sie verschoben werden

kann. Das Segel ist weniger hoch, aber breiter, und dementsprechend

wird der Mast kürzer; endlich wird der so charakteristische Doppelmast

des alten Reichs durch einen einzigen Mast ersetzt.

[Sidenote: II 8]

Unter dem neuen Reich, einschliesslich der Zwischenregierung der Hyksos

(2100-1600 Jahre vor Chr. Geb. und 1600-730 Jahre vor Chr. Geb.) bleibt

die Schiffbaukunst auf dem gleichen Stand. Nur der Luxus nimmt zu,

besonders bei den Kabinen, die schon zur Zeit des mittleren Reichs

aufgetreten waren.

Das Besondere dieser Zeit ist die wachsende Breite des Segels. Diese

Breite war derartig, dass die Raaen aus 2 Stücken zusammengesetzt

werden mussten, die nahe am Mast verbunden waren. Die nachstehenden

Ziffern werden einen Begriff von dieser fortwährenden Zunahme geben.

(~Ermann~, S. 643 u. ff.)

[Sidenote: II 18 u. s. w.]

Unter dem alten Reich hatte der Mast 10 m Länge, die Raa 6 m. Unter dem

mittleren Reich sind sie 5 bzw. 6 m lang, unter dem neuen Reich 5 und

10 m.

Infolge dieses ständigen Wachsens der Grösse des Segels wird die

Takelung verwickelter; man bringt oben am Mast einen Mastkorb an, um

von dort aus das Tauwerk zu handhaben.

[Sidenote: II 4]

Die Seltenheit des Holzes in Ägypten bewirkte, dass seit den ältesten

Zeiten andere Stoffe zum Schiffbau Verwendung fanden. Hierzu eignete

sich sehr gut der Papyrus. Diese Wasserpflanze, gab geschnitten,

getrocknet und in Bündel gebunden einen ausgezeichneten Baustoff für

Schiffe.

[Sidenote: II 5]

Man legte die Papyrus dicht nebeneinander und band sie in kurzen

Abständen zusammen, um daraus ein Ganzes zu machen. (~Ermann~, S. 593;

~Nicolas Witsen~, S. 6, _Archéologie navale_ von ~Jal~, Bd. I, S. 91.)

Mehrere auf alten Denkmälern gefundene Zeichnungen zeigen uns die

Ägypter bei dieser Arbeit.

Die Barken aus Papyrus bildeten eine Art Floss wie die Abbildungen

der Ruderer zeigen, auf denen jene auf und nicht in dem Fahrzeug

dargestellt sind.

Die so hergestellten Fahrzeuge waren klein, wenn man auch später

versucht hat, grössere zu bauen, was anscheinend nicht gelungen ist.

Das Holz für die grösseren Schiffe musste meist eingeführt werden.

Aus den zahlreichen Zeichnungen auf Denkmälern und der grossen Menge

aufgefundener Modelle kann man sich ein ziemlich genaues Bild von dem

alten ägyptischen Schiff machen und man kann gleichzeitig sehen, wie

die alten Formen verändert wurden.

Bevor diese Modelle eingehender beschrieben werden, dürfte es nicht

uninteressant sein, wenn bemerkt wird, dass im allgemeinen die ältesten

nicht in den Grössenverhältnissen der Praxis ausgeführt sind: sie

sind zu hoch und zu breit im Verhältnis zur Länge. Der Vorder- und

der Hintersteven sind jeder für sich richtig dargestellt, aber das

Mittelstück ist zu kurz. Der Grund ist darin zu suchen, dass diese

Modelle nach der Natur ausgeführt sind und nicht, indem die Masse von

sorgfältig abgezirkelten Zeichnungen abgenommen wurden. Wenn man so

verfährt, ist es schwer, sich einen genauen Begriff von den relativen

Abmessungen des Schiffes zu machen, besonders von den Verhältnissen

zwischen der Länge und der Breite. Deshalb ist ein Schiff so oft mit

einer verhältnismässig zu geringen Länge dargestellt. Viele alte

Modelle müssen also mit der nötigen Zurückhaltung behandelt werden. Das

gilt auch von den ägyptischen Modellen.

Die auf Wandbildern dargestellten Schiffe sind im allgemeinen viel

besser als die Modelle. In den Wandbildern, auf denen das Schiff von

der Seite abgebildet ist, war kein Anlass, sich mit der Breite zu

befassen; die Figuren sind jedoch oft zu gross.

Nach ~Belger~ (_Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde_,

Bd. XXXIII, S. 24) müssen die aufgefundenen Modelle in zwei Klassen

geteilt werden:

_a_) die Vollmodelle, aus einem Stück Holz, und

_b_) die Hohlmodelle, die offenbar eine genauere Nachbildung des

Schiffes sind.

~Belger~ zeigt ausserdem, dass bei der Gruppe _a_ in _Weiss_ das als

nicht vorhanden zu Betrachtende gezeichnet ist, in _Braun_ das wirklich

Vorhandene.

Meist ergibt sich aus der Prüfung dieser Modelle, dass die ägyptischen

Schiffe wenig eintauchten; ihr Tiefgang konnte nur gering sein,

infolge der geringen Tiefe und des häufigen Wechsels im Stande des

befahrbaren Wassers. Die Wandbilder lehren uns ihrerseits, dass die

Länge am Boden ein Drittel der Gesamtlänge betrug. (~Ermann~, S. 637,

~Belger~, S. 25, 3. XXXIII. 1895 und ebendort S. 26.)

[Sidenote: II 8]

Die Schiffe hatten einen flachen Boden und sehr niedrigen Bord, so

dass man, um das Eindringen des Wassers zu verhindern, oft abnehmbare

Aufsätze verwendete. Der Bord war glatt (alle Modelle sind so

gearbeitet) und besassen weder ein Vorder- noch einen Hintersteven.

Ebenso war der Kiel nicht dargestellt, was jedoch nicht zu sagen

gestattet, dass in Wirklichkeit ein solcher nie vorhanden war.

Wie konnte nun das Fahrzeug eine genügende Widerstandsfähigkeit

erlangen?

[Sidenote: II 10]

Die Erklärung erhalten wir aus der Abbildung eines Schiffes, das vor

etwa 11 Jahren ausgegraben und im _Wassersport_ vom 4. Januar 1906 (Nr.

1) wiedergegeben ist. Dies Bild zeigt, dass weder Rippen noch Kiel

vorhanden waren; dafür ist die Beplankung sehr dick (die des fraglichen

Schiffes hat 63 mm Stärke) und besteht aus gut aneinander gepassten

Bohlen, die fest mit einander verbunden sind und wie Schwalbenschwänze

aneinanderstossen; die mittlere, die Stelle des Kieles einnehmende

Bohle, ist dicker als die andern; sie ragt indessen nicht unter dem

Schiff hervor. Dies ist also aussen völlig glatt. Das Kielschwein

bildet mit dem Boden ein Ganzes und setzte sich nach vorn und hinten

fort bis zum Ende.

Die Ruderbänke dienten als Stützen für die Wände des Schiffs; bei den

Schiffen von grösseren Abmessungen wurden die Wände wegen der grösseren

Länge in der Mitte durch einen Balken gehalten, der in der Längsachse

des Schiffes angebracht war.

An der Stelle, wo sich der Mast erhob, bildete ein doppelter, von vorn

nach hinten laufender Balken eine Art Scheide, in die der Mast gesteckt

werden konnte, und worin er gleichzeitig eine Stütze fand. Bei den

Schiffen von kleineren Abmessungen, wo man diesen Balken nicht findet,

war es also nötig, dem Mast eine besondere Stütze zu geben, die sich in

den Modellen findet.

Das Vorderteil und das Hinterteil sind immer als geschlossen

dargestellt (in braun gezeichnet), was zeigt, dass an dieser Stelle

ein Deck vorhanden war; tatsächlich zeigt sich dort eine glatte Fläche,

die mit dem oberen Teil des Bords ein Ganzes bildet.

Die Ruderbänke gingen durch die Borde hindurch, was den Schiffen eine

grössere Festigkeit verlieh; diese Bänke sind in den meisten Reliefs

durch kleine Quadrate angedeutet, die auf die Seitenwand des Schiffs

gezeichnet sind. Das Steuerruder stützte sich ebenfalls auf einen

Balken, der durch das Schiff ging. Dieser Balken wird durch ein kleines

Rechteck dargestellt.

Man hat manchmal, meines Erachtens mit Unrecht, geglaubt, dass diese

Rechtecke Kabinenfenster seien. (Siehe Dr. ~Moritz Rühlmann~, S. 22.)

Man kann ein fast gleiches Verfahren bei der Schwarzen-Meer-Barke

feststellen, die einst bei den Arabern üblich war, und die in dem Werk

von ~Paris~, Bd. 1, Nr. 59, abgebildet ist. (Siehe auch die Modelle aus

Niederländisch-Indien in der Sammlung der Technischen Hochschule in

Delft.)

Dieser ganz eigenartige Bau, der niemals in Nordeuropa üblich war,

zeigt, dass die ägyptische Schiffsbaukunst mehr Verwandtschaft mit der

Asiens (Indiens und Chinas) hatte als mit der Europas.

[Sidenote: II 11]

Dass diese kleinen Rechtecke tatsächlich keine Fenster darstellen,

beweist uns eine Figur, die man in dem Tempel Bês-el-Bahari findet

(_Ancient and Modern Ships_, ~Holmes~, S. 20) und die ein Schiff

darstellt, das einen Obelisken befördert. In der Seitenwand dieses

Schiffes sieht man nicht eine, sondern drei über einander liegende

Reihen kleiner Rechtecke. Dieses Schiff ist also ausserordentlich

befestigt worden, und zwar in Hinsicht auf die zu befördernde

Last. Man kann schwerlich zugeben, dass man drei Reihen Fenster

übereinander angebracht haben würde. Man hat versucht, eine Versteifung

herzustellen. In der Barke, die das Schiff schleppt, findet man

übrigens nur eine Reihe von Rechtecken und diese liegen unter dem Bord

an der Stelle, wo sich die Ruderer befanden. Hier hat man sich also

begnügt, die Ruderbänke von einer Seite zur anderen durchgehen zu

lassen.

Die _Schiffe zur Güterbeförderung_, ein wenig kürzer und runder als die

anderen, wurden meist geschleppt. Sie haben hierzu gewöhnlich oben am

Schiffsvorderteil, manchmal auch oben am Schiffshinterteil einen Bolzen

zum Festmachen. Einige von ihnen haben eine Takelung; meist ist die

Möglichkeit vorhanden, die Schiffe auch durch Ruder zu bewegen. Der

freie Raum auf dem Deck wurde gewöhnlich von einer Kabine eingenommen

(Latten, die mit Leinwand überzogen waren). Ein wenig flacher am

Vorderteil gingen diese Schiffe am Hinterteil merklich in die Höhe.

[Sidenote: II 20]

Wie ich schon bemerkt habe, weiss man nicht, ob die Ägypter Schiffe

hatten, die ausschliesslich zum Kriegführen erbaut waren; es scheint

nicht so, da die Mehrzahl der Kämpfe auf dem Wasser nur den Fluss zum

Schauplatz hatte. Deshalb findet man nur eine einzige Darstellung einer

Seeschlacht, die unter Ramses III (1180-1150 vor Christo) geschlagen

wurde, ein Beweis mehr dafür, dass die Ägypter kein seefahrendes Volk

waren. Die Kriegsschiffe, die man dargestellt sieht, zeigen auch keinen

reinen ägyptischen Typus. Wir werden später hierauf zurückkommen.

Über die Grössenverhältnisse der ägyptischen Flussschiffe gibt ~Jal~ in

seinem berühmten Werke «_Archéologie navale_», S. 68, einige Zahlen.

Nach ihm waren die grössten Schiffe nicht mehr als ungefähr 38,98

also rund 39 m lang und nicht mehr als ungefähr 5,19 oder rund 5,20 m

breit. Die Breite verhielt sich demnach zu der Länge wie 1 : 7,5, ein

Verhältnis, das sich für die Ruderschiffe bis ins Mittelalter erhalten

hat.

Als Geschwindigkeit dieser Schiffe gibt uns derselbe Schriftsteller

9 km in der Stunde an (S. 110). Um die Schnelligkeit in den

Stromschnellen zu ermässigen, befestigte man an dem Schiffe ein Tau,

dessen Ende durch einen Stein hinuntergezogen wurde. Dieser Stein

schleifte auf dem Boden des Flussbettes und erzeugte genügenden

Widerstand; obwohl die Ägypter den Anker damals noch nicht kannten,

sind sie eigentlich seine Erfinder gewesen. (~Jal~, _Archéologie

navale_, S. 103.)

Bevor ich dieses Kapitel schliesse, möchte ich mir noch einige

Bemerkungen erlauben, die sich auf alle ägyptischen Schiffe beziehen.

Die Bänke der Ruderer standen immer senkrecht zu der Längsachse des

Schiffes, ein Erfordernis, das sich aus der besonderen Bauart der

Schiffe ergab.

Unter dem mittleren Reich errichtete man an dem vorderen und an dem

hinteren Oberdeck kleine Überbauten, die mit einem Geländer versehen

wurden. Es waren dies Posten, die für den Kapitän beziehungsweise für

den Steuermann vorgesehen waren.

[Sidenote: II 20]

Der etwa in der Mitte des Fahrzeuges aufgerichtete Mast war auf allen

Schiffen beweglich. Der Doppelmast (unter dem alten Reich) ruhte in

zwei Balken, die auf beiden Seiten der Längsachse angebracht waren.

Der einfache Mast (unter dem mittleren und neuen Reich) reichte in den

untersten Schiffsraum hinab und stützte sich gegen die Balken, die die

Bänke der Ruderer trugen; man befestigte ihn noch in verschiedener

Weise mit Tauen (dies ist auf mehreren Reliefs klar zu erkennen) und

zwar unmittelbar oder mit Hilfe einer Scheide, wie man es an dem Modell

zu Berlin sieht. (Vgl. ~Belger~, S. 27-29.)

In den Fällen, wo man die Scheide gebrauchte, verband man übrigens

den Mast mit ihr in einer Befestigungsart, die heutzutage noch

angewendet wird. In dieser Beziehung verdient ein Relief, das aus einer

Begräbniskammer herrührt und zur Zeit in dem Museum zu Giseh aufbewahrt

wird, grosses Interesse. Dieses Relief stellt das Niederlegen eines

Mastes dar. ~Belger~, der schon erwähnte Autor, weist darauf hin,

dass der Bildhauer das äussere Ende des Mastes hinter dem Gewande des

Mannes, der das Niederlegen besorgt, verschwinden lässt, wahrscheinlich

deshalb, weil er es nicht darzustellen verstand. Nur zwei der fünf

Ruderer sind abgebildet, woraus, wenn die Zeichnung gut wiedergegeben

ist, zu schliessen wäre, dass die Vorsprünge, die bei den Modellen

hinten an den Bänken der Ruderer dargestellt sind, einfach als

Rückenstützen für die Ruderer dienen sollten.

[Sidenote: II 20]

Die grosse Länge der Schiffe, die verhältnismässig geringe Länge der

eingetauchten Fläche erforderte eine besondere Vorsichtsmassregel gegen

das Durchbrechen des Bodens. Aus diesem Grunde spannte man in der

Längsachse des Schiffes ein Tau, das Vorder- und Hinterteil verband;

dieses Tau war durch Gabelhölzer gestützt und mit einem Kabel, das den

Schiffskörper umwand, verbunden. (Dr. ~Moritz Rühlmann~ S. 22.)

[Sidenote: II 12]

Auf einigen Bildnissen ist man im Begriffe, diese Gabelhölzer

aufzurichten. ~Ermann~ bemerkt, meiner unmassgeblichen Ansicht nach

mit Unrecht, dass man auf einer dieser Abbildungen damit beschäftigt

sei, das Tau anzuspannen, um dem Schiffe dadurch die gewollte Wölbung

zu geben (~Ermann~ S. 604). Dass dem nicht so ist, ergibt sich meines

Erachtens zuvörderst aus der Tatsache, dass das Schiff abgesteift ist

und schon die gewünschte Form hat. Zweitens würden die Streben nicht

fest gehalten haben, wenn es darauf angekommen wäre, die Form des

Schiffskörpers zu ändern; man hätte sie dann gar nicht abgebildet.

Endlich kann ich mir nicht vorstellen, dass in dem Schiffe wie die

Abbildung zeigt, die einen ruhig zu arbeiten fortfahren, während dessen

die anderen dabei sind, es auszuwölben; in der Tat müssten während

dieser letzteren Tätigkeit die Seitenwandungen notgedrungen nachgeben.

Man ist also einfach damit beschäftigt, das Gabelholz aufzurichten, das

das Spanntau tragen soll. Es ist verständlich, dass man dieses tut,

bevor man die Streben entfernt, weil nach deren Entfernung das Tau sich

bei der geringeren Biegung des Schiffes genügend gespannt hätte.

[Sidenote: II 17]

Aus dem Vorgesagten geht zur Genüge hervor, dass das ägyptische Schiff

kein Seefahrzeug war. Selbst die Schiffe, die nach dem längs des Roten

Meeres gelegenen Lande Punt fuhren und die eigentlich Seefahrzeuge sein

mussten, sind in den Abbildungen in derselben Weise dargestellt, wie

die gewöhnlichen Flussschiffsbauten.

[Sidenote: II 19]

Als der König Necho (612-596 vor Christo), der dem Handel seinen Schutz

angedeihen liess, das Bedürfnis zur Schaffung einer Flotte empfand,

wandte er sich zwecks Erbauung seetüchtiger Schiffe an Griechen, und

mit den grossen Entdeckungreisen zur See betraute man keine Ägypter,

sondern Phönizier. (~Ermann~, S. 646. ~Holmes~, S. 26. Dʳ ~Moritz

Rühlmann~, S. 39. _Geschichte des Altertums der Völker im Orient_, G.

~Maspero~, 1893, S. 536 und 537.)

_Von den Phöniziern also, und nicht von den Aegyptern, stammt also die

dem Mittelmeer eigentümliche Schiffsbauart her._

Wenden wir uns daher einen Augenblick den Phöniziern zu.

Es ist eine allgemein beobachtete Erscheinung, dass Völker, die in

gegenseitige Beziehungen eintreten, auf dem Gebiete der Schiffsbaukunst

sehr rasch wechselseitig von einander lernen. Und wie sollte es sonst

auch anders sein? Der Kampf ums Dasein erzeugt diese Erscheinung ganz

natürlich sowohl auf dem Gebiete der Kriegskunst wie auf dem des

Handels.

War die Flotte nicht der Aufgabe, sich mit der feindlichen zu messen,

gewachsen, so baute man Schiffe, die denen des Gegners ähnlich oder

stärker als diese waren. So war es schon dazumal, und so ist es

heutzutage noch. Gegenwärtig sind alle charakteristischen Unterschiede

in den Schiffen der verschiedenen Völker verschwunden, und die

Nationalität der Bauten lässt sich nur an der Flagge erkennen, die sie

zeigen. Deshalb ist die Feststellung nicht überraschend, dass von den

verschiedenen Völkern, die an den Küsten des Mittelmeeres wohnten und

die fast gleichzeitig oder kurze Zeit nacheinander den Höhepunkt ihrer

Kultur erreicht hatten, nicht ein jedes für sich einen, seinem Lande

eigentümlichen Schiffstyp gehabt hat.

Leider ist von den Schiffsbauten der Alten nicht viel übrig geblieben,

und die Abbildungen, die wieder aufgefunden worden sind, sind meistens

viel schlechter als diejenigen der Ägypter. Die Bildhauer haben

ihr Augenmerk wohl mehr auf die schöne Linie gerichtet als auf die

Notwendigkeit, eine genaue Vorstellung von einem Schiffe zu geben.

Ebenso zeichnen sich die Schriftsteller durch Uebertreibung aus, wenn

es sich um die Grössenverhältnisse der Schiffe handelt.

Ueber die Grössenverhältnisse, über die Form der Schiffe sowie über die

Zahl der Ruderer ist nichts Sicheres bekannt. Es ist nicht anzunehmen,

dass es so grosse Schiffe gegeben hat. ~Jal~ bringt dies recht gut zum

Ausdruck, wenn er in seinem berühmten Werk _Archéologie navale_, S.

117, sagt: Ich glaube an die Galeere _quadraginta ordinum_, 134,43 m

lang, 15,27 m breit, 23,38 m über dem Wasser hoch, nicht mehr als an

das lange Pferd, das die vier Haimonskinder trug. (Vgl. auch _Lexikon

der griechischen und römischen Altertümer_, 36. Lieferung, S. 24. Dr.

~Moritz Rühlmann~, S. 62. ~Jal~, _Archéologie navale_, 1840, Band I, S.

110.)

Wie wir also gezeigt haben, ist die Schiffsbaukunst von den Phöniziern

und den mit ihnen in Verbindung stehenden Völkern ausgegangen. Es ist

nicht möglich, exakt zu beweisen, welches Volk die erste Anregung

gegeben hat. Damals schon fand man die primitivsten Formen neben

Modellen, die weit vollkommener waren. So berichtet ~Herodot~, dass die

Völkerschaften Klein-Asiens (Armenier) den Fluss gen Babylon in kleinen

Barken hinunterfuhren, deren Kiel aus Lindenzweigen hergestellt und mit

Fellen überzogen war. (Vgl. ~Witsen~, S. 9 u. 19; -- _Herodot_, _Buch_

I, 194; -- Dr. ~Moritz Rühlmann~, S. 27. -- _Archéologie_, ~Jal~, S.

88.) Auf den Boden der Barke legte man Stroh, und man nahm ausser

der Ladung noch einen oder zwei Esel mit sich. In Babylon angekommen,

verkauften die Schiffer die Ladung, das Stroh sowie das Rippenwerk der

Barke und luden die gut zusammengebundenen Felle auf den Rücken der

Esel, die sie so wieder nach Hause trugen. Der Fluss war zu reissend,

als dass sie in ihren Barken gegen die Strömung hätten hinauf fahren

können.

[Sidenote: II 21]

Die älteste Abbildung der grossen Schiffe datiert von 1150 vor Christi

Geburt und stellt die obenerwähnte Seeschlacht der Ägypter gegen die

Barbaren dar. (Vgl. ~Rossellini~, ~Jal~, _Archéologie navale_, 1845,

Band I, S. 65. _Jahrbuch des Kaiserl. Deutschen Archaeologischen

Instituts_, Band VII, 1892, S. 44.) In Bezug auf die Form der Schiffe

lehrt uns die in Rede stehende Abbildung wenig. Sie gestattet uns nur

zu sehen, dass die Schiffe der kriegführenden Parteien verschiedenartig

sind. Ausserdem merkt man gleich, dass die ägyptischen Schiffe mittelst

Ruder vorwärts bewegt wurden, die anderen nicht.

Man hat aus dieser Tatsache folgern wollen, dass die anderen Schiffe

ausschliesslich Segelschiffe waren, was meines Erachtens nicht so

augenfällig zu Tage tritt. Die Ägypter sind nämlich mit Pfeil und

Bogen bewaffnet, die anderen mit Schwertern. Suchen die ersteren ihre

Stärke in schnellen Bewegungen, so können die anderen eine Schlacht

nur liefern, indem sie an Bord entern. Unter diesen Umständen können

die Ruderer sie nur hindern, was ihre Abwesenheit erklären würde, oder

diese selbst werden ebenfalls das Schwert schwingen. Bei den Ägyptern

dienen dagegen die Besiegten als Ruderer und blieben an ihren Rudern.

(Vgl. ~Jal~, _Archéologie navale_, Band I, S. 52 u. ff.) Wahrscheinlich

wollte der Bildhauer kenntlich machen, dass die Ägypter anders kämpften

als die anderen Völker. Endlich unterscheiden sich die ägyptischen

Schiffe, um die es sich handelt, ausserordentlich von denen, die wir am

Anfang dieser Arbeit beschrieben haben. Es ist mehr als wahrscheinlich,

dass die Schiffe, die uns jetzt beschäftigen, keine ägyptischen

Kriegsschiffe sind, sondern Schiffe, die von den nordischen Völkern

(Phöniziern) erbaut oder nach ihren Modellen nachgeahmt worden sind.

Das Takelwerk ist nicht ägyptischen Ursprungs. Das Segel hat nur eine

Raa.

Es wird indessen nicht unnütz sein, hier zu bemerken, dass im

Britischen Museum zu London eine Amphora vorhanden ist, die aus dem

Grabe des Polledrara de Vulci herrührt, und die ~Murray~ (_Journal

of Hell. Stud._ 1879, S. 247) in die zweite Hälfte des siebenten

Jahrhunderts vor Christi Geburt datiert. Diese Amphora trägt als

Zeichnung ein griechisches Schiff mit ägyptischem Takelwerk. Das

Segel ist da an zwei Raaen befestigt, ein Verfahren, das für Aegypten

charakteristisch ist. (_Jahrbuch des Kais. Deutschen Archaeolog.

Instituts_, Band VII, 1892, S. 42.)

Die Phönizier hatten mehrere Schiffsarten und scheinen ausgesprochenere

Kriegsschiffe gehabt zu haben. Diese letzteren waren lang und schmal

für schnelle Fahrt; die anderen dagegen waren kurz und breit für grosse

Ladungen. (Dʳ ~Moritz Rühlmann-Holmes~, S. 26.)

[Sidenote: II 23]

Von den ursprünglichsten Schiffsbauten der Phönizier kennen wir nur

wenig. Die älteste Abbildung, die man davon besitzt ist jene, die in

dem Werke von ~Layard~ wiedergegeben ist. Es ist eine Zeichnung, die

nach einem Flachrelief aufgenommen ist, das sich am Palast des Sanherib

(etwa um 700 vor Christi Geburt) erhalten hat. Die Darstellung ist

rudimentär, die Grössenmasse stehen in einem Missverhältnis; ausserdem

sind unverständliche Zusätze darin. Man kann ihr kaum einige Bedeutung

beimessen.

Diese Abbildung ist nun aus zwei Gesichtspunkten bemerkenswert; einmal,

weil sie uns eine zweirudrige Galeere zeigt, wenngleich es zweifelhaft

bleibt, ob die beiden Ruderreihen zu gleicher Zeit in Tätigkeit gesetzt

worden sind; zum zweiten, weil die Schiffe einen Sporn tragen. Diese

Besonderheit unterscheidet sie merklich von den ägyptischen Schiffen.

(_Lexikon der griechischen und römischen Altertümer_, S. 25, Dʳ ~Moritz

Rühlmann~, S. 30.)

_Es ist dies die älteste bekannte Abbildung von Schiffen mit Sporn._

Auf ihren Fahrten längs den Küsten des Mittel-Meeres, nach

Griechenland, Italien, Afrika, nach einigen Schriftstellern bis nach

England und nach anderen sogar bis in die Ostsee haben die Phönizier

einen grossen Einfluss auf die Schiffbaukunst gehabt, wie sie im

Mittelmeer ausgeübt wurde. Dieser Einfluss dürfte sich besonders in

den Kolonien fühlbar gemacht haben, die sie begründet haben, unter

denen Carthago die bekannteste war. Es ist ausser Zweifel, dass in

der Schiffbaukunst die Phönizier, die Griechen und die Römer wenig

von einander abgewichen sind. Erinnern wir uns übrigens daran, dass

zum Beispiel in den Niederlanden die alten Schiffsformen mehrere

Jahrhunderte lang unverändert geblieben sind, und dass dieselbe

Tatsache sich anderswo überall gezeigt hat; es wird dann nicht schwer

sein, zuzugeben, dass die Schiffsformen des Mittelalters, die man im

Mittelmeer findet, sich wenig von denen unterschieden haben, die aus

der Zeit der Römer stammen.

Wenn wir die weitere Entwickelung der Grösse des Schiffes während der

verschiedenen Zeiten betrachten, so kann man nicht sagen, dass die

Alten Schiffe von fabelhaften Abmessungen gebaut hätten; im Gegenteil:

ihre Schiffe werden vielmehr klein gewesen sein.

Die ersten wichtigen Änderungen, die das Schiff erfahren hat, sind die

Folge der Erfindung des Schiesspulvers. Sie stehen nicht in direkter

Beziehung zu der Entwickelung der Völker. Die neue Entwickelung

in der Schiffbaukunst fällt also nicht zusammen mit dem Ende der

alten Geschichte und dem Beginn der Geschichte des Mittelalters.

Es scheint mir also wenig genau, von der Kunst der Alten als einem

zusammenhängenden Ganzen zu sprechen.

Wenn nach den ausgegrabenen Modellen das ägyptische Schiff schon eine

so grosse Vollkommenheit erreicht hatte, obwohl die Ägypter noch die

Kenntnisse der Phönizier benutzten, so ist es augenscheinlich, dass das

phönizische Schiff noch hervorragender gewesen sein muss. Alle alten

Abbildungen sind also, ohne Unterschied, sehr schlecht, zweifellos

infolge der Unfähigkeit des Bildhauers oder des Malers, ein Umstand,

der auch oft noch heutzutage eintritt.

Wie wir in der Abbildung von ~Layard~ soeben gesehen haben, hat es

schon in den ältesten Zeiten zweiruderige Galeeren gegeben. Bei dieser

Gelegenheit sei auf die griechischen Vasen «Dipylon» aufmerksam

gemacht, auf welchen man 2 Reihen Ruderer übereinander dargestellt

sieht. Diese Abbildungen sind indessen so primitiv, dass es mir zu

gewagt scheint, daraus irgend etwas über das Schiff ableiten zu wollen.

In der Tat, man kann mit gleichem Recht zugeben, dass die obere Reihe

der Ruderer die hintere darstellt; dass man übereinander dargestellt

hat, was man hintereinander folgen lassen wollte.

Die Ruder der oberen Reihe sind nicht ganz gezeichnet, was andeutet,

dass die Ruderer eher hintereinander sassen, als übereinander. Das ist

wohl ein Beweis dafür, dass alle diese Abbildungen mit der grössten

Vorsicht zu betrachten sind.

Im Mittelalter ist mehr als ein Ruderer für jedes Ruder vorhanden; man

rechnet mehr mit der schnelleren Bewegung als mit der Vermehrung der

Zahl der Ruder, um dadurch eine grössere Geschwindigkeit zu erzielen.

Man kann nicht genau sagen, zu welcher Zeit der Umschwung erfolgt ist.

_Die älteste Art der Fortbewegung geschah indessen so_, _dass ein Mann

auf je 1 Ruder kam_; dies Verfahren ist anscheinend von der ältesten

Art der Fortbewegung der Schiffe hergenommen, dem Rudern mit der

Pagaie, wobei jede Pagaie (Paddel) von nur einem Mann gehandhabt wurde.

Was die Stellung der Ruderer betrifft, wenn sie in mehreren Reihen

sassen, so hat man sehr viele Annahmen gemacht, da etwas Bestimmtes

nicht bekannt war.

Es dürfte zwecklos sein, alle diese Hypothesen zu prüfen. Ich werde

mich darauf beschränken, die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen

Versuche über Fortbewegung mit Rudern zu lenken, die nach Anweisung des

Kaisers Napoléon III auf einer zu Versuchszwecken besonders erbauten

Galeere gemacht wurden, welche auf verschiedene Art gerudert wurde. Es

ist bewiesen worden, dass die dreiruderige Galeere etwas mögliches ist;

unter diesen Umständen ist das Schiff aber so mit Ruderern besetzt,

dass kein Platz mehr für die Ladung verbleibt. (S. das Werk: _Le Musée

du Louvre_, _Schiffbau im Altertum_.)

Im ganzen ist das Ergebnis aller Untersuchungen das folgende:

Alle Mitteilungen über die Zahl der Rudererreihen wie über ihre Plätze

beruhen nur auf Annahmen; es ist mehr als eine Reihe Ruderer vorhanden

gewesen; jedoch wahrscheinlich nicht mehr als 2; anfangs wurde jedes

Ruder von nur einem Mann gehandhabt. (_Encyclopaedia Britannica_, 9.

Ausgabe, S. 806. -- ~Holmes~, S. 44. -- ~Torr~, S. 18. -- ~Witsen~, S.

13.)

Im allgemeinen haben die Ruderschiffe wenig Veränderung durch die

Erfindung des Schiesspulvers erfahren. Die Triebkraft konnte nicht

entwickelt werden, denn man hätte nicht ohne Schaden die Zahl der

Ruder vermehren können. (_Archéologie navale_, A. ~Jal~, Bd. 1, S. 50.

-- _Dictionnaire des antiquités grecques et romaines_, S. 40 und S.

30.) ~Jal~ bestreitet also in seinem wohlbekannten Werk, _Archéologie

navale_, dass es zur Zeit der Griechen und Römer Schiffe von der Grösse

des «Great Eastern» gegeben hat.

Nach dem Denkmal der «Prora» von Samothrake hat es schon bei den Alten

Eisen gegeben, um die Ruder festzuhalten. Ueber diesen Punkt gibt uns

Dʳ ~Assmann~ nähere Aufschlüsse. (_Baumeister, Denkmäler, Seewesen_, S.

1632 Abb. 1693.)

[Sidenote: II 24]

Die noch beobachtete Gewohnheit, ein Auge vorn auf jeder Seite des

Schiffsvorderteils malen zu lassen, beweist, wie lange die alten

Gebräuche in Uebung bleiben können. Das war schon bei den Phöniziern,

Griechen und Römern Sitte, und diese Tatsache kann man noch auf

einigen italienischen und portugiesischen Barken feststellen. (Vgl. Dʳ

~Emil Lübeck~, _Das Seewesen der Griechen und Römer_, 1890, S. 43. --

~Assmann~, _Seewesen_, S. 1597. -- _Jahrbuch des Deutschen Archäol.

Instituts_, 1889, S. 99. -- ~Jal~, _Archéologie navale_, S. 105. --

~Torr~, _Ancient ships_, S. 69.)

Dieses Auge war ein Symbol; man wollte damit sagen, dass das Schiff

seinen Weg selbst suchte. Fälschlicherweise hat man manchmal diese

Augen für Klüsen gehalten.

Es haben sich auch alte Formen erhalten, bei denen der Sporn das

Bemerkenswerteste ist.

[Sidenote: II 54]

[Sidenote: II 59]

In diesem Sinne ist das interessanteste Modell des Mittelmeeres die

«Speronara» von Malta, die im Werk von ~Paris~, Bd. 4, Nʳ 203 (Nʳ 164

u. s. w.) abgebildet ist. Der Vordersteven dieses Schiffes erhebt sich

senkrecht aus dem Wasser und ist mit einem Sporn versehen; auch das

Auge findet sich dort.

In demselben Bilde bemerkt man Barken von Malta ohne Sporn, die sich im

übrigen wenig von der «Speronara» unterscheiden.

[Sidenote: II 23]

Vergleicht man mit diesen Modellen die oben beschriebene Abbildung des

~Layard~, so findet man auf beiden Schiffe, von denen einige einen

Sporn und einen Mast besitzen, während andere beides nicht haben, und

Schiffsvordersteven, die sich senkrecht aus dem Wasser erheben.

Wir können daraus schliessen, dass schon zu den Zeiten der Phönizier

die Schiffe dieselben Unterschiede zeigten.

Es ist also nicht zweifelhaft, dass wir in der «Speronara» ein

ursprünglich phönizisches Modell vor uns haben, in dem das Steuer durch

ein Ruder zum Lenken ersetzt ist.

Man ist sich nicht völlig einig über die Stelle, an der der Sporn sass.

Die einen meinen über, die andern unter der Wasserlinie. Wie dem auch

sei, man findet ihn auf allen alten Abbildungen wieder, und in den

meisten Fällen verläuft die Grundlinie des Schiffs in gerader Linie

oder leicht gekrümmt bis zum Sporn.

Da dieser letztere ständig vorhanden ist, so darf man schliessen, dass

er nicht unter, sondern über dem Wasser lag. Im entgegengesetzten

Fall nämlich hätte der Sporn nicht einen so grossen Eindruck auf die

Zeichner machen können. Uebrigens tragen alle alten Modelle, in denen

man Spuren des Spornes findet, diesen Teil oberhalb der Wasserlinie.

Der Umstand, dass die Grundlinie im Sporn endet, beweist noch nicht,

dass dieser letztere sich unterhalb der Wasserlinie befand. Die

Grundlinie war unsichtbar, und die Zeichner, die im Schiffbau nur

Laien waren, und kein anderes Mittel kannten, die Figur darzustellen,

schnitten das Schiff an der Wasserlinie ab. Da aber die Zeichnung

ziemlich sonderbar aussah, fügten sie oft eine gekrümmte Linie hinzu,

die vom Sporn nach dem Hintersteven lief.

Wenn wir von diesem Gesichtspunkt aus mehrere der alten Abbildungen

betrachten, und wenn wir die sonderbaren Grundlinien der Zeichner

verdecken, oder sie durch bessere Linien ersetzen, die wir von der

«Speronara» oder den alten Galeeren entnehmen können, so erhalten diese

alten Zeichnungen eine ganz andere Bedeutung.

Wenn man wenig von dem alten phönizischen Schiff kennt, so hat man

dank der späteren Untersuchungen eine vollkommenere Kenntnis von dem

griechischen und römischen Schiff erlangt. Das gilt besonders für die

Abmessungen der Schiffe.

Es wird nicht nötig sein, zu beweisen, dass man schon bei den Alten

Schiffwerften fand, an die sich Schuppen schlossen, um das abgetakelte

Schiff und seine feste Ausrüstung unterzubringen. (S. Dr. ~Emil

Lübeck~, _Das Seewesen der Griechen und Römer_, 1890, S. 2.) Diese

Schuppen geben uns einen Begriff von den Abmessungen der Schiffe.

Die Untersuchungen des Kaiserl. Deutsch. Archäologischen Instituts

(1876-77) unter Leitung des Leutnants ~von Alten~ (_Das Seewesen der

Griechen und Römer_, S. 5) haben bewiesen, dass die von ~Graser~

festgestellten Ziffern nicht ganz genau sind. Nur 8 Docks konnten in

Munychia (bei Athen) gemessen werden; sie hatten eine Breite von 6,25

und eine Länge von 21,20 m. Bei späteren Ausgrabungen entdeckte man

in Zea Docks von 5,50 m Breite bei etwa 40 m Länge, gemessen bis zur

Uferlinie. (_Das Seewesen der Griechen und Römer_, S. 6.)

Die Abmessungen der Schiffe müssen also verhältnismässig gering gewesen

sein. Im allgemeinen nimmt man für die griechischen Ruderschiffe

eine geringere Breite an als die der Galeeren des Mittelalters; der

Unterschied ist indessen nicht gross. Nach ~Jal~ (_Arch. nav._) betrug

im Mittelalter das Verhältnis zwischen der Breite und Länge für die

Kriegsschiffe 1 : 8; für die Handelsschiffe 1 : 7. ~Graser~ sagt, dass

bei den Griechen dieses Verhältnis 1 : 8¼ betragen hätte; nach ~Serre~

(_La marine de guerre de l’antiquité_, S. 33) betrug es 1 : 9, auch

~Lemaitre~ gibt ein Verhältnis 1 : 9 an. (_Revue archéol_. 1833, Bd. 8,

S. 148 ff.) Die Schiffe waren also im Verhältnis zu ihrer Länge schmal,

was ihre Beweglichkeit erhöhte.

Die Tiefe der Docks zeigt ausserdem, dass der Tiefgang der Schiffe

gering war, und dass infolgedessen die Schiffe gewissermassen über das

Wasser glitten. Auch in dieser Hinsicht unterscheidet sich das Schiff

der Alten nicht von dem des Mittelalters. Indem GRASER unter anderm

diese Einzelheit vernachlässigt, kommt er zu einem Schiffstyp mit

übermässigem Tiefgang.

Neben den Kriegsschiffen, _naves longae_, gab es die Handelsschiffe,

_naves onerariae_ (Lastschiffe). Es ist augenscheinlich, dass man für

die ersteren besonders eine grosse Beweglichkeit zu erreichen versucht

hat. Das ist der Grund der geringen Breite des Schiffs gegenüber seiner

Länge, während das Lastschiff kürzer und breiter war.

Später, aber immer mehrere Jahrhunderte vor Christi Geburt, als die

Macht Roms sich entwickelte, als seine Bevölkerung wuchs, und als die

Einfuhr von Getreide und anderen Lebensmitteln umfangreicher wurde und

immer schneller erfolgen musste, benutzte man als Lastschiff ausser dem

Schiff mit gedrungenen Formen das Ruderschiff.

Gegenüber der geringen Tragkraft der Kriegsschiffe der späteren Zeit

waren zweifellos die Handelsschiffe der Römer breit, wie die des

Mittelalters. Aber es ergab sich daraus kein _neuer_ Typ; es handelte

sich lediglich um eine neue Verwendung vorhandener Modelle. Man

kann mit Sicherheit annehmen, dass die neuen Type nicht mit einem

Mal geschaffen worden sind, und es ist nicht die Lage der Wege der

Handelschiffahrt und die Schaffung neuer Häfen, die sie erzeugt haben.

Die Anlage neuer Häfen hat höchstens die zulässigen Abmessungen ändern

können.

Die verschiedenen Type des Atlantischen Ozeans sind Jahrhunderte lang

in Gebrauch geblieben und finden sich noch gegenwärtig zum grossen Teil

vor.

Ich möchte mich damit begnügen, auf einige alte Bilder aufmerksam zu

machen, auf denen man Schiffe abgebildet sieht, deren Vordersteven rund

ist. Vor kurzem konnte man diese letzteren in dem Typ vom Tajo, «La

Muleta» finden, der jetzt verschwunden ist. (Vergl. ~Paris~, Bd. 5 Abb.

268 und _Jahrbuch des Dt. Archaeol. Inst._ Bd. 12. 1889, S. 91).

Die Abmessungen der Schiffe erfuhren wenig Aenderungen. Um mehr

Kraft zu entfalten, vermehrte man die Zahl der Ruderer; da die

Länge des Schiffes beschränkt war, so musste man die Ruderer in

übereinanderliegenden Reihen setzen.

Jal ist der Meinung, dass eine dreifache Reihe eine Ausnahme ist;

für diesen Fall nimmt er an, dass die untere Reihe von den anderen

durch ein Deck getrennt war. Die berühmte dreirudrige Galeere, die im

Jahre 1860 in Asnières auf Befehl Napoleons III, gebaut wurde, war

nach dieser Annahme ausgeführt. Wie man gesehen hat, hat das Schiff

nicht befriedigt; es wurde später abgebrochen (vgl. Dʳ ~Lübeck~, _Das

Seewesen der Griechen und Römer_, S. 49).

Wenn nun dieser Versuch die Frage über die Plätze der Ruderer nicht

gelöst hat, so hat er genügend gezeigt, dass bei einem dreirudrigen

Schiff der Raum von Ruderern gefüllt ist.

Das Schiff der Alten hatte wenig Raum für die Lebensmittel. Man musste

also Vorsorge treffen, dass man jeden Abend an Land gehen konnte,

und so versteht man, warum die meisten Seeschlachten an den Küsten

geliefert worden sind.

Um aber überall landen zu können, musste ein geringer Tiefgang

vorhanden sein. Dieser muss nach +Assmann+ und +Lemaitre+ etwa 1 m

betragen haben. (Vgl. Dʳ ~Emil Lübeck~, _Das Seewesen der Griechen und

Römer_, S. 10 Anm. 5.)

Der verfügbare Raum an Bord war so beschränkt, dass, wenn man nachts

nicht an Land gehen konnte, die Ruderer nur reihenweise schlafen

konnten. Während der Fahrt mussten die Ruderer, um sich nicht

gegenseitig zu stören, eine völlige Gleichmässigkeit in den Bewegungen

beobachten und selbst, um an Bord zu gehen, musste eine bestimmte

Reihenfolge innegehalten werden. (Vgl. Dr. ~Emil Lübeck~, _Das

Seewesen, u. s. w._, S. 10.)

Man weiss nicht genau, wann die alte Art der Fortbewegung, bei der

jedes Ruder von _einem_ Mann gehandhabt wurde, durch die andere ersetzt

worden ist, bei der schwere Ruder von mehreren Männern bewegt werden.

Es scheint indessen, dass schon die Liburner sich dieser schweren Ruder

bedienten, deren Gebrauch eine Folge der Schlacht von Actium gewesen

sein dürfte, die im Jahre 31 vor Christi Geb. stattfand. (Vgl. Dr.

~Emil Lübeck~, _Das Seewesen, u. s. w._, Seite 21.)

Wie man gesehen hat, gab es neben den Kriegsschiffen oder _naves

longae_ Handels- oder Lastschiffe oder _naves onerariae_. Diese

letzteren hatten ebenfalls geringe Grösse; ihre Tragkraft beweist dies.

Die Ladung wurde, wie die alten aufgefundenen Urkunden beweisen, in

griechischen Talenten oder römischen Amphoren ausgedrückt (Eine Amphora

= 26,2 kg.), später auch in Midimnen von Attika. (= 42,5 kg.) (Vgl. Dr.

~Emil Lübeck~, _Das Seewesen u. s. w._, S. 22.)

Nach einem Abkommen über die Grösse der Handelsschiffe, das im Jahre

218 vor Chr. Geb. getroffen wurde, hatten die Schiffe, die von den

Besitzungen der Senatoren in Sizilien und in Sardinien die Waren nach

Rom brachten, nur 7,86 Tonnen. Man findet allerdings Beschreibungen

grösserer Schiffe, die nach den Berechnungen von ~Assmann~ und anderen

eine Tragkraft von 260-2500 Tonnen gehabt haben sollen.

~Graser~ sagt sogar, indem er die Menge der beförderten Waren zur

Grundlage nimmt, dass das Schiff _Alexandreia_ des Hieron von Syrakus

eine Tragkraft von 4200 Tonnen gehabt hätte. Wir finden sogar ein

Schiff von 120 Ellen Länge, während für ein anderes Schiff eine Tiefe

von 29 Ellen angegeben wird.

Alle diese Abmessungen dürften auch heut nicht zu verachten sein. Aber

in jener Zeit dürften sie mit Rücksicht auf die geringe Tiefe und die

beschränkten Verhältnisse der Häfen und der Schiffahrtsstrassen eine

Unmöglichkeit gewesen sein. Ueberdies beruhen alle diese angeführten

Ziffern nur auf Annahmen und können nicht genau sein.

Das Rundschiff der Alten von gedrungener Form ist sicher nicht länger

gewesen als das Ruderschiff und nicht grösser, als eine Tjalk.

In ganz Westeuropa hat der Schiffbau allmählich Fortschritte gemacht;

das gleiche gilt vom Mittelmeer seit dem Mittelalter. Welchen Grund

sollte es nun haben, anzunehmen, dass die Schiffe des Altertums

ausserordentliche Abmessungen gehabt hätten?

In diesem Sinne gibt uns die _Prora von Samothrake_ (aufgefunden

i. J. 1863) aus dem Jahre 306 v. Chr. G. ein genaues Bild eines

Kriegsschiffs. Aus diesem Kunstwerk kann man entnehmen, dass diese

Fahrzeuge in Form und Grösse wenig von denen des Mittelalters abwichen.

Der Boden besass eine leichte Krümmung in der Mitte, die Enden liefen

spitz zu. Der Tiefgang betrug durchschnittlich 1 m; der der grössten

Schiffe war nicht grösser als 1,50 m (Vgl. ~Assmann~, _Seewesen_, S.

1597 u. ff.). Der Vorder- und der Hintersteven waren aussen mit Zeichen

geschmückt, die für unsere Studie kaum Bedeutung haben.

Die Ruderschiffe, deren Hinterteil in Wasserhöhe eine runde Form

hatte, besassen am Vordersteven einen Sporn. Zu beiden Seiten war der

Sporn, mit dem das feindliche Schiff gerammt und die Ruder abgebrochen

werden sollten, mit einem Holzbalken versehen, an dem ein Widderkopf

angebracht war. Dieser Holzblock verhinderte, dass der Sporn zu tief in

die Seiten des feindlichen Schiffs eindringen konnte.

Der Sporn hat zweifellos verschiedene Formen gehabt, wie die

Abbildungen zeigen, ohne indessen die Form des Schiffes selbst

zu verändern. Er war das Zeichen der Kraft und sollte Schrecken

einflössen. Es ist also nicht verwunderlich, dass in den meisten alten

Abbildungen der Zeichner sich mehr an diese Einzelheiten gehalten hat

als an das Schiff selbst, was bewirkte, dass die Form des letzteren

nebensächlich wurde.

Der schon bei den Phöniziern übliche Sporn trat bei den Griechen erst

i. J. 536 vor Chr. G. auf (vgl. Dr. ~Emil Lübeck~, _Seewesen u. s. w._,

S. p. 13). Daraus ergibt sich, und man kann nicht oft genug darauf

hinweisen, dass die Kunst des Schiffbaues bei den Phöniziern einen

höheren Grad von Vollkommenheit erreicht hatte als bei den Griechen,

und dass dies Volk einen überwiegenden Einfluss auf die Völker

ausgeübt hat, die die Küsten des Mittelmeeres bewohnten.

Man könnte also den Satz aufstellen, dass die Schiffe des Mittelmeeres

gleiche Form gehabt haben, womit nicht gesagt sein soll, dass jedes

Volk nur einen Typ gekannt hätte; es hat vielmehr mehrere Type

gleichzeitig gegeben. So hat man nämlich neben den langen Ruderschiffen

die Handelsschiffe mit gedrungenen Formen, und neben vollkommenen

Mustern gab es primitive.

Liest man nicht, z. B., dass Caesar sich mit einer Flotte aufs Meer

wagte, 30 Tage nachdem das zum Bau bestimmte Holz geschnitten war?

(~Nicolas Witsen~, S. 12, 1. Spalte unten.) Man kann schwerlich

behaupten, dass die Schiffe, aus denen jene Flotte bestand, gut

ausgeführte Ruderschiffe waren. Es waren zweifellos aus einem Stück

gemachte Fahrzeuge, Piroguen, wie man sie noch jetzt im Adriatischen

Meere findet, ein Typ, der so schön in der «Rascona» wiedergegeben

ist. (Vgl. ~Paris~, Bd. II, und Dr. ~Emil Lübeck~, _Das Seewesen der

Griechen und Römer_, S. 39.)

Der schnelle Bau der fraglichen Flotte liefert uns einen Beweis mehr

für die Behauptung, dass die Schiffe nur klein waren.

Um klarer zu zeigen, was ich unter der Gleichförmigkeit im Bau der

Schiffe verstehe, möchte ich die Aufmerksamkeit auf den Typ _Tjalk_ der

Niederlande lenken. Dieser Typ findet sich mit leichten Abänderungen

und unter anderen Benennungen von Dänemark bis Belgien wieder. Alle

Schiffe dieser Art haben einen gemeinsamen Grundcharakter, aber neben

der _Tjalk_ besitzen die Niederlande noch andere Type, die sich

ebenfalls anderwärts finden. Von Dänemark bis Belgien gibt es also eine

Reihe bestimmter Grundtype, und so kann man von gemeinsamen Formen

sprechen.

Diese Feststellung gilt auch für das Mittelmeer. (Vgl. _Dictionnaire

des Antiquités grecques et romaines_, 36. Bd., S. 24. -- ~Navis~.)

Diese Grundtype haben sich jahrhundertelang erhalten, und die alten

Holztype, die wir jetzt treffen, geben uns noch ein genaues Bild davon,

wenn man vom Steuer und der Takelung absieht.

Gewiss, manche Type sind anderswohin geraten oder haben infolge der

örtlichen Verhältnisse Wandlungen erfahren, so dass man, um die einer

bestimmten Gegend eigentümlichen Grundcharaktere wiederzufinden, oft

anderwärts suchen muss.

So finden wir z. B. in Holland, in ’s Gravenmoor (Nord-Brabant) einen

alten Rheintyp wieder; in Portugal kleine Fischerbarken, die sehr den

alten ägyptischen Schiffen ähneln, und im Arabischen Meer ein Schiff,

das abgesehen von der Takelage und dem Steuer erstaunlich einem

primitiven römischen Schiff gleicht. Daher behaupten auch die Araber,

sie hätten die ältesten und besten Schiffe. (Vgl. ~Paris~, Bd. III, Nr.

135, mit _dem Relief des Tiberhafens in_ ~Baumeister~, _Denkmäler des

klassischen Altertums_, Abb. 1688.)

Wenn die Ruderschiffe infolge der Erfindung des Schiesspulvers

keine Änderung erfahren haben, so muss man den Grund dafür in ihrem

schmalen Bau suchen, den die geringere Fortbewegungskraft, über die

man verfügte, nötig machte. Die Zahl der Ruder war begrenzt, und bald

erreichte man einen nicht überschreitbaren Höhepunkt.

Aus dem Umstande, dass es nicht gelungen ist, ein praktisches Schiff

mit mehr als drei Ruderreihen zu bauen, und dass die uns bekannten

Abbildungen niemals mehr als drei aufweisen, darf man folgern, dass die

alten Schriftsteller, die von 4 Reihen und mehr berichten, sich von

ihrer Phantasie haben leiten lassen, oder, was genauer sein dürfte,

anders zählen als wir heutzutage. Zweifellos hat man die Zahl der Ruder

angeben wollen, die gruppenweise durch den Bord gingen.

Die Tafel von ~Huys~, zeigt uns so, nach ~Breugel~ (um die Mitte des

16. Jahrhunderts), Ruder, die in Reihen von drei geordnet sind. Man

findet dasselbe Verfahren auf einigen alten Abbildungen. Wenn diese

Figuren das dreireihige Ruderschiff darstellten, so würde die Frage

ganz einfach zu lösen sein.

Hinsichtlich des Dreiruderers wird immer auf das Flach-Relief der

Akropolis von Athen verwiesen (~Baumeister~, _Denkmäler des klass.

Altertums_, Abb. 1689). Hiervon findet man Nachbildungen in allen

Werken. Diese stimmen indessen nicht alle überein; sie können uns also

keine Sicherheit geben. (Vgl. Dr. ~Moritz Rühlmann~, S. 62.)

Um zu Ende zu kommen, möchte ich noch etwas über die Handelsschiffe

sagen.

[Sidenote: II 26]

Das schönste mir bekannte Bild ist sicher das vorgenannte Relief des

Tiberhafens, das sich im Museum Torlonia befindet. Man sieht darauf ein

grosses Handelsschiff mit schrägem Vorder- und rundem Hinterteil. Auf

etwa zwei Drittel der Länge des Schiffes (das Mass ist vom Vordersteven

aus genommen) springt der obere Teil der Bordwand vor, um dem

Steuerruder als Stütze zu dienen. Diese Bauart kommt noch bei einigen

indischen u. s. w. Schiffen vor. Der in der Mitte errichtete und mit

einem Stützbalken versehene Mast ist mit starken Tauen befestigt. Das

quadratische Segel kann mit Hilfe von Stricken gerefft werden, die

durch Ringe laufen. Der Mast trägt nur eine Raa; an seinem oberen Teil

ist ein Klüver befestigt.

Vorn erhebt sich ein «Dolon» genannter Mast, der ursprünglich

dazu diente, das kleine Rettungsboot heraufzuziehen. Deshalb,

wahrscheinlich, nannte man ihn Rettungsbootmast.

Die Kabine nimmt den ganzen verfügbaren Platz hinter dem Mast ein.

Die Takelung bestand im allgemeinen aus Segeln mit Raa. Diese Segel

hatten, auf den Lastschiffen von Alexandria, zuweilen eine rechteckige

Gestalt.

Die Kriegsschiffe wie die grossen Kauffahrteischiffe besassen stets 2

Masten. (Vgl. Dr. ~Breusing~, _Die Nautik der Alten_, S. 56.) Während

der Schlacht wurden die Segel aufgegeit und die Masten umgelegt, um sie

vor dem Sporn der feindlichen Schiffe in Sicherheit zu bringen.

[Sidenote: II 31]

Wir müssen aber nicht nur auf die grossen, sondern auch auf die kleinen

Handelsschiffe achten. Das schönste Bild in dieser Art ist unbestritten

das alte Relief der Kathedrale von Salerno (_Jahrbuch d. D. Archäol.

Instituts_, Bd. V, S. 103, Fig. 1c.) Abgesehen von dem Steuer würde das

dort abgebildete Schiff leicht für ein neuzeitliches Schiff gelten.

Man ist dabei, das Schiff zu entladen; der Landungssteg ist

herabgelassen, und die vordere Holzklappe ist hochgezogen. Der

niedergelegte Mast, den man zu diesem Zweck aus seiner Scheide

entfernen musste, ruht darauf. Dies Verfahren war noch vielfach

hierzulande im 18. Jahrhundert üblich. Die Steuerruder hängen längs des

Schiffes herab, wobei sie sich an den vorspringenden Bord lehnen.

Das Schiff selbst hat Vorder- und Hintersteven. Auf ein Drittel seiner

Länge ist die Scheide für den Mast angebracht, hinter der man den

Schiffsraum sieht. Dieser ist, wie bei unseren Flussschiffen mit

Holzplatten geschlossen. Man sieht sogar die halbrunden Falze, auf die

sich die Holzplatten stützen, und in diesen Falzen fehlen selbst die

Oeffnungen zum Abfliessen des Wassers nicht. (Kleine Punkte in den

Halbrundungen.)

Die Holzplatten stehen schräg, wie die oberen Linien zeigen.

In dem genannten Jahrbuch hat man die Bedeutung dieser kleinen

Halbkreise nicht verstanden. (Vgl. _Jahrbuch d. Kaiserl. Dt. Arch.

Inst._, Bd. 4, 1889, S. 103.)

Vorn bemerkt man 2 Kreuzbetings, hinten 4; ihre sonderbare Form deutet

darauf hin, dass sie ebenfalls als Stützen für Ruder dienten, mit denen

man bei Windstille das Schiff fortbewegen konnte.

Der Mast ist kurz und dick; er ist mit Backen versehen und da solche

bis unten reichen, so darf man annehmen, dass sie angebracht waren,

damit man an dem Mast emporklettern konnte. Es ist also wahrscheinlich,

dass das fragliche Schiff hierfür kein genügendes Tauwerk besass. In

der uns beschäftigenden Zeichnung sieht man kein Tauwerk, was jedoch

nicht heisst, dass solches nicht vorhanden war.

Meines Erachtens ist die Barke nicht grösser, als eine kleine Tjalk.

Man findet darin noch einen weiteren Beweis für die Behauptung, dass

die Schiffe im Laufe der Jahrhunderte wenig Änderung erfahren haben,

und dass die Alten keine lange Zeit brauchten, um zu einem hohen Grad

der Vollkommenheit zu kommen. Man kann nichts Überraschendes in dieser

Behauptung finden, wenn man die Meisterwerke betrachtet, die uns von

den Griechen und Römern hinterlassen sind.

Es ist bedauerlich, dass man über den Platz der Ruderer bei den Alten

keine entscheidenden Anhaltspunkte hat; denn gerade in dieser Hinsicht

hat das Mittelalter die Ruderschiffe sich verändern sehen. Zu dieser

Zeit machen die von einem einzelnen Mann nach der ursprünglichen Weise

gehandhabten Ruder einer Reihe schwerer Ruder Platz, die von mehreren

Ruderern bewegt wurden. Dieser Umschwung ist nicht mit dem Sturz des

weströmischen Reiches zusammengefallen (im Jahre 476). Der Kaiser Leo

(886-911) rät nämlich zum Bau von zweiruderigen Schiffen «Dromon».

(~La Croix~, S. 75.) Im 11. Jahrhundert spricht ein Schriftsteller von

einem _Chélandre_ oder _Sélandre_, dem er eine grosse Geschwindigkeit

zuschreibt, und der zwei Ruderreihen übereinander hatte. (~La Croix~,

S. 75 und 79.) Der Übergang zu einer Ruderreihe hat sich wahrscheinlich

allmählich vollzogen.

Im 13. Jahrhundert spricht man nur noch von derartigen Schiffen, den

Galeeren. (Vgl. bezüglich der Ruder-Reihen ~van Yk~, S. 11. -- ~Torr~,

_Ancient ships_, S. 19 a ff.)

Inzwischen taucht im 12. Jahrhundert das Steuerruder auf, dessen

Erscheinen Änderungen am Hinterteil des Schiffes nach sich zieht.

Im allgemeinen weiss man wenig über den Stand der Schiffbaukunst im

Anfang des Mittelalters. Doch muss zu dieser Zeit auf dem Mittelmeer

eine bedeutende Marine vorhanden gewesen sein, und so muss auch die

Schiffbaukunst in Blüte gestanden haben. Zweifellos haben die Kreuzzüge

(1096-1291) einen grossen Einfluss auf diesen Zustand gehabt. Venedig

wurde der Mittelpunkt des Fortschrittes, bald danach Genua.

Die Bedeutung der Marine zu jener Zeit wird durch die berühmten

Arsenale von Venedig sowie die grosse Anzahl von Verordnungen über

den Schiffbau bezeugt. So finden wir im 13. Jahrhundert einen Erlass,

der die Wasserlinie für das beladene und das leere Schiff festsetzt.

(~Jal~, S. 267, _Mémoire_, 4.)

Was den Bau von Ruderschiffen betrifft, so muss man sich dieserhalb

an die Erlasse des Kaisers Leo halten, die bis zum Ende des 10.

Jahrhunderts beachtet worden sind. Dieser Fürst liess die Galeeren

folgendermassen bauen: genügend stark, leicht beweglich, daher ziemlich

lang und wenig breit; die Breite musste jedoch in einem bestimmten

Verhältnis zur Länge stehen. Diese Anordnungen sind einfach aber doch

recht klar! Später konnte man nicht mehr nach Belieben bauen. Man

musste den über die Form der Schiffe aufgestellten Regeln folgen; und

zwar musste die Form sich nach der Tragkraft und den auszuführenden

Fahrten richten.

Die Schiffe hatten keine aussergewöhnliche Länge; ~Jal~ gibt zum

Beispiel eine Länge von etwa 44 m für die Ruderschiffe an. Diese Ziffer

weicht, wie man sieht, wenig von derjenigen des Altertums ab und wurde

später kaum überschritten.

Ebenso wie in den Zeiten der Griechen und Römer hatte das Mittelalter,

neben seinen Galeeren, seine Handelsschiffe von runderer Form,

gedrungener Gestalt. Man behauptet nämlich, dass im Jahre 1284 die

Stadt Genua eine Flotte von 8 Galeeren und Karavellen nach Pisa sandte.

(~Jal~, S. 250.)

Diese Galeeren dienten indessen nicht ausschliesslich als

Kriegsschiffe; im 14. Jahrhundert wurden sie auch als Lastschiffe

benutzt. (~Jal~, S. 250.)

Das Mittelalter hat uns keine Zeichnungen oder Abbildungen

hinterlassen, aus denen wir mit Sicherheit die Form der Schiffe

entnehmen könnten. Die älteste Abbildung stammt von Pietro Laurenti,

einem Künstler des 14. Jahrhunderts; dann folgt eine Darstellung von

der Hand Raffaels (1483-1520); sie stammt also aus dem Anfang des 16.

Jahrhunderts.

Diese beiden Abbildungen werden in dem Werk von ~Jal~ (_Archéologie

navale_) wiedergegeben, aber ihre geringe Grösse macht sie fast

wertlos. Sie sind indessen insofern bemerkenswert, als die erste uns

den Doppelmast der Alten und die Kabine zeigt, während die von Raffael

vorn und hinten einen Aufbau trägt, und deutlich mit einem Steuer

versehen ist.

Aus einem Vergleich der alten Münzen ergibt sich, dass im 13.

Jahrhundert das Steuer überall eingeführt war. Es dürfte indessen

überflüssig sein, zu bemerken, dass man auch damals noch auf vielen

Schiffen das Ruder zum Steuern trifft, anstelle des Steuers.

Die Erfindung des Schiesspulvers um die Mitte des 14. Jahrhunderts

führte keine Aenderung im Bau der Galeeren herbei, weil die Triebkraft

durch die Kraft der Ruderer beschränkt blieb, wodurch sich für

das Schiff eine schlanke Form ergab, so dass nicht viele Kanonen

aufgestellt werden konnten.

Im Jahre 1600 erreichten die Galeeren ihren Höhepunkt. Bald danach

beginnen sie ihren Wert als Kriegsschiffe zu verlieren, infolge der

wachsenden Stärke der grossen Seeschiffe von runderer Gestalt.

Wir finden ein treffendes Beispiel für die kriegerische

Minderwertigkeit der Galeeren in der Seeschlacht, die das französische

Schiff «Le Bon» gegen 36 Galeeren am 10. Juli 1684 lieferte. (~Paris~,

Band 3 No. 26.) Seine Länge betrug zwischen Vorder- und Hintersteven

nur 41,41 m, bei einer Gesamtbreite von 11,04 m und einer Tiefe von

5,03 m; der Kiel hatte 37,03 m Länge.

Die Galeeren hatten dagegen 48,77 m Länge, 21,20 m am Kiel bei 5,90 m

Breite gemessen auf dem Deck. (8,47 m zwischen den Ruderauflagen); die

Ruder hatten 25 m Länge.

Die höher aufgestellte Artillerie auf dem Schiff «Le Bon», sein

festerer Bau und seine stärkere Bordwand ermöglichten es ihm, seinen

Feinden standzuhalten und zu entwischen, als der Wind sich aufmachte.

Wenn wir die Stärke der Bemannungen untersuchen, so wird die geringere

Kriegstüchtigkeit der Galeeren noch deutlicher; während nämlich

das französische Schiff nur 600-800 Mann Besatzung hatte, hatten

die Galeeren 12000-14000. Daher wurden in Frankreich seit dem 17.

Jahrhundert die Galeeren ausschliesslich zum Schleppen gebraucht; so

lesen wir, dass im Jahre 1688, als sich der Wind gelegt hatte, Duquesne

seine Schiffe durch Galeeren unter die Mauern Algiers bringen liess, um

diese Stadt zu beschiessen.

Nichtsdestoweniger traten die Galeeren in der französischen Marine bis

zum Jahre 1773 auf.

In der Schlacht von Zierikzee im Jahre 1302, in der die Flamänder

gegen die Franzosen, Holländer und Genuesen kämpften, fühlte man nach

dem alten Geschichtsschreiber ~Florentin Villani~ zum ersten Male die

Überlegenheit der Schiffe von gedrungener Gestalt über die Galeeren.

Der Graf von Flandern hatte für diese Schlacht 80 Schiffe (oder Cogues,

Cochi) ausgerüstet, die nach den örtlichen Verhältnissen jenes Meeres

gebaut waren (_ottanti navi, overo, cochi, al medo di quello mare_,

sagt ~Villani~). Nach diesem Geschichtsschreiber war es auch das erste

Mal, dass man gegen derartige Schiffe zu kämpfen hatte.

Dieses Treffen gab Anlass, dass man sich von nun an mehr und mehr im

Mittelmeer dem Bau von Schiffen gedrungener Gestalt zuwandte. Die

Notwendigkeit zwang übrigens hierzu. Die Kreuzzüge führten häufigere

Beziehungen zu den Völkern des Nordens herbei, und man musste sich

gegen sie verteidigen.

Anfangs nahmen die Völker des Nordens ihre Zuflucht zu den Genuesen

und anderen am Mittelmeer wohnenden Völkern, um die Kreuzfahrer nach

Palästina zu bringen; aber bald unternahmen sie selbst den Bau der

Schiffe, um den übertriebenen Preisen der Italiener zu entgehen; so war

die Strasse durch das Mittelmeer gefunden. Nichtsdestoweniger blieben

Venedig, Genua u. s. w. die Stapelplätze, und viele Schiffe wurden dort

noch gebaut, besonders für Frankreich. Philipp der Schöne in seinem

Kampf gegen Eduard I von England im Jahre 1295 und Philipp von Valois

gegen Eduard III im Jahre 1337 bedienten sich genuesischer Fahrzeuge.

(~La Croix~, S. 92.)

Wie übrigens ~Jal~ schreibt (_Arch. Nav._, Bd. 2, S. 352), kann man

mit Sicherheit annehmen, dass die Schiffe, die an der französischen

Mittelmeer-Küste gebaut wurden, genau so aussahen, wie die, welche

in Italien üblich waren. Die gegenseitigen Beziehungen zwischen

den seefahrenden Völkern und ihre gemeinsamen Interessen führten

notwendiger Weise diese Nachahmungen herbei. Venedig blieb nicht hinter

Genua zurück; Genua war der Stadt Pisa auf den Fersen, und diese Stadt

liess sich gewiss nicht von Barzelona, noch von Marseille, noch von

Konstantinopel in den Vervollkommnungen der Schiffbaukunst überholen.

So schreibt der genannte Schriftsteller mit gutem Recht: «Das

Mittelmeerbecken hatte also nur _eine Marine_, wenigstens sofern man

nur die Hauptschiffe in Betracht zieht; das ist heute noch ebenso und

war so sicherlich in den alten Zeiten.» Ich möchte hinzufügen, dass

die charakteristischen Unterschiede, die die verschiedenen Schiffstype

unter sich haben, im Laufe der Jahrhunderte keine Veränderung erfahren

haben, und zwar gilt dies nicht allein für das Mittelmeer, sondern für

den Schiffbau im allgemeinen.

Diese alten Type finden sich indessen nicht unter den grossen Schiffen,

sondern mehr unter den kleinen und besonders unter den Fischerbarken.

Bei allen Völkern, sogar bei allen seefahrenden Völkern haben die

Fischer ihren Charakter am besten bewahrt und am wenigsten ihre Sitten

und Gebräuche verändert. Ihr schweres Handwerk auf dem Meere hat sie zu

Feinden jeder vom Festland kommenden Neuerung gemacht und mit Händen

und Füssen haben sie sich gesträubt, ihre alten, durch Ueberlieferung

und Uebung hervorgegangenen Modelle fallen zu lassen. Die Fischer haben

also am längsten die alten Formen bewahrt, und zu ihnen muss man gehen,

um diese wiederzufinden. So zeigt uns Norwegen Fischereifahrzeuge,

die, abgesehen vom Steuer fast vollständig das alte Wikinger-Schiff

wiedergeben; die holländische Bomme ist ein solcher Rest eines

Schiffes, und Portugal zeigt uns Barken, die an die alten, in Italien

ausgegrabenen Wandgemälde erinnern.

Sicherlich sind viele Type nicht mehr vorhanden; ihre Zahl wächst

unaufhörlich durch die Verwendung des Eisens zum Schiffbau. So gibt

es noch einige wenige Galeeren, die man jedoch nur bei Festlichkeiten

verwendet (z. B. die Galeere, die bei der Flottenparade am

Hollandsche Diep verwendet wurde und die in Portugal bei den jüngsten

Festlichkeiten Verwendung fand).

Das älteste Werk, das von den Galeeren handelt, ist folgendes:

«Fabbrica di galere». (Vgl. ~Jal~, _Arch. Nav._ Bd. 2, S. 6 und ff.)

Die ersten vollständigen Angaben stammen aus der Zeit Ludwigs XIV. und

werden von dem Chevalier ~Barras de la Penne~ gegeben (1698). Man darf

indessen nicht das Werk ~Fürtenbachs~ aus dem Jahre 1623 übergehen.

(~Witsen~, S. 186).

[Sidenote: II 24]

[Sidenote: II 38]

[Sidenote: II 46]

[Sidenote: II 47]

Obwohl die Galeeren genügend bekannt sind, möchte ich einiges über sie

sagen. Sie waren lang und schmal und ragten sehr wenig aus dem Wasser

empor. Ihre Breite betrug meist ⅐ oder ⅛ ihrer Länge, und der aus dem

Wasser emporragende Teil mass nur 1 m oder 1,50 m. Eine Galeere von

40,60 m Länge hatte z. B. eine Breite von nur 5,27 m; der Vordersteven

hatte eine Gesamtlänge von 3,28 m und der Hintersteven eine solche von

3,62 m. Die Hauptrippe lag bei ³⁄₇ der Länge des Schiffs und war am

unteren Teil leicht gekrümmt. Das Schiff verlief nach vorn und hinten

spitz; das Deck überspannte die ganze Länge, in der Mitte erhob sich

die Wachbrücke, Corsia, an die sich die Bänke der Ruderer schlossen.

Auf jeder Seite längs der Bordwände befanden sich die Auflagen für die

Ruder, in einer zu der Längsachse des Schiffes parallelen Linie; sie

bildeten die Ruderdollen. Die Ruder, die in einer Reihe angeordnet

waren, wurden von 4 oder 5 Leuten gehandhabt, die sich erhoben, um

die Ruder vorwärts zu stossen und sich auf ihre Bänke fallen liessen,

indem sie die Ruder ins Wasser tauchten. Die Ruderer waren bei dieser

Tätigkeit völlig nackt. Ein Mann von mittlerer Stärke konnte diese

Arbeit eine Stunde lang aushalten, und doch musste viel länger gerudert

werden; manchmal, in Kriegszeiten, 12 Stunden hintereinander. Welch’

Zustand, wenn man erwägt, dass diese Leute den Unbilden der Luft und

dem Feuer des Feindes ausgesetzt waren!

Um die Ruderer in ihrer Tätigkeit zu stärken, steckte man ihnen Brot

in den Mund, das in Wein getaucht war; wenn sie erschöpft umfielen,

so wurden sie von dem Wächter, der auf der Wachbrücke herumging,

unbarmherzig gepeitscht; wenn sie sich nicht wieder erhoben, so wartete

der Tod ihrer. Man warf sie über Bord.

Wenn man weiter erwägt, dass die Ruderer durch Ketten an das Schiff

gefesselt waren, die man ihnen nur selten abnahm, dass sie meist auf

ihren Bänken lebten und starben, so wird man verstehen, dass die

Galeeren für die seefahrenden Völker ein Schrecken und eine Schande

gewesen sind.

Selten fand man Freiwillige für dies Handwerk, das meist nur Sklaven,

Kriegsgefangene u. s. w. verrichteten. Die Ruderer waren indessen

nicht alle gleich; sie bestanden aus 3 Klassen: 1) den Sträflingen,

d. h. den Verurteilten; ihre Haare und ihr Bart waren abgeschnitten;

2) den Sklaven, unter ihnen Türken, Mauren und Neger; letztere waren

als die besten Ruderer bekannt. Ihr Unterscheidungszeichen war ein

Haarbüschel auf dem Kopfe; 3) den Benevoglie (Freiwilligen), unter

ihnen freigelassene Sträflinge, die anderswo nicht mehr unterkommen

konnten und auf den Galeeren Zuflucht nahmen, Räuber und andere, die

nichts mehr zum Leben hatten. Ihre Kleidung war sehr einfach; jedes

Jahr bekamen sie 2 Hemden, 2 Paar Hosen, 1 Rock aus rotem Tuch, 1

Mantel für den Winter, 1 rote Mütze und 2 Decken für jede Bank.

Die Nahrung war ihnen genau zugemessen, aber wenn sie mehr wollten,

konnten sie sich welche kaufen.

Der Teil des Schiffsraumes, der nicht von Schiessvorräten eingenommen

war, war für die Lebensmittel bestimmt und enthielt auch eine ganz

kleine Kabine für den Kapitän und die Offiziere.

Wenn die Galeere hielt, so spannte man über das Fahrzeug ein grosses

Segel, das auf einer Seite hoch genommen wurde, um die Luft einzulassen.

Der schlanke Bau der Galeeren gab ihnen auf dem Meere keine genügende

Stabilität; daher hatten die Ruderer immer sehr unter den Wellen zu

leiden.

Die Ausrüstung war einfach: vorn standen 3 Kanonen, von denen die

mittlere, in der Längsachse des Schiffes aufgestellte, die grösste

war; auf den grossen Galeeren gab es Kanonen mit einem Kaliber von

18,48 und mit Kugeln von 12 Pfund, während die auf den kleinen Galeeren

Kanonen mit Kugeln von 12, 24 und 8 Pfund hatten.

Der kriegerische Wert richtete sich nach der Menge Eisen, das man auf

einmal pro Mann abfeuern konnte.

Nehmen wir z. B. eine Galeere, die 44 kg Eisen auf einmal schiesst und

etwa 400 M Besatzung hat; man verschoss demnach 0,110 kg auf den Mann.

Eine Galeere kostete 400000 Frcs, d. h. 9090 Frcs pro kg Eisen.

Vergleicht man mit dieser Galeere ein gewöhnliches Kriegsschiff, das 55

Kanonen an Bord hat, bei 1100 Mann Besatzung, auf einmal 1000 kg Eisen

(d. h. 0,910 kg pro Mann) verschiessen kann, und dessen Kosten 3000000

Frcs, d. h. 3000 Frcs pro kg betragen haben, so sieht man deutlich die

militärische Minderwertigkeit der Galeeren und die höheren Kosten, die

sie nach sich ziehen. Während ein gewöhnliches Kriegsschiff 9 mal mehr

Eisen auf einmal verschiesst als eine Galeere, kostet es weniger als

diese.

Endlich möchte ich darauf hinweisen, dass die Galeeren eine

Geschwindigkeit von 2,50 m in der Sek. hatten und dass sie ausser über

Ruder auch über Segel verfügten. Sie hatten 2 Masten, den einen vorn,

den anderen in der Mitte des Schiffes; beide besassen lateinische

Segel. (Vgl. ~Jal~, _Glossaire nautique_, S. 749.) Während des Kampfes

reffte man die Segel.

[Sidenote: II 43]

Ich brauche nicht näher nachzuweisen, dass die Galeeren für die offene

See nicht geeignet waren, auf die man sich mehr und mehr begab. Die

Erfindung des Schiesspulvers zeigte bald die geringere Kampffähigkeit

der Galeere. Man bemühte sich also, sie zu verbessern.

[Sidenote: II 45]

So sehen wir im 16. Jahrhundert ein Schiff auftauchen, die «Galeasse»,

deren Vorder- und Hinterteil an die Schiffe von gedrungener Form

erinnern, während das Mittelstück an die Galeeren denken lässt. Dieses

Schiff war höher und breiter als die letzteren; das Verhältnis seiner

Breite zur Länge betrug 1 : 5½, ausserdem war es höher.

Bei einer Länge von 50,01 m hatten die Galeassen eine Breite von 9,01

und einen Tiefgang von 3,35 m; die grösste Tiefe betrug 6,52 m. Jeder

Bord hatte 44 Ruder; die Ruderbänke hatten einen Abstand von 1,30 m.

Die Ruder wurden meist von 7 oder 8 Menschen bewegt. Der Bord war

höher als bei den Galeeren, sodass die Ruderer besser vor den Wogen

geschützt waren.

Die Galeassen hatten gewöhnlich 700 bis 1000 Mann Besatzung. Sie waren

mit 50 Kanonen ausgerüstet, die in den Aufbauten und zwischen den

Ruderbänken aufgestellt waren.

Die Galeasse hatte also mehr Stabilität auf dem Wasser als die Galeere,

schützte die Ruderer besser, hatte mehr Artillerie, war aber infolge

eben dieser Vorzüge nicht so beweglich, da die Triebkraft durch die

Zahl der Ruderer beschränkt war.

Die Galeassen besassen 3 Masten mit lateinischen Segeln. Diese waren

sehr schwer zu handhaben; deshalb wurden sie bei heftigem Winde durch

Segel von kleineren Abmessungen ersetzt.

Es ist nicht auffallend, dass auch die Galeassen den Schiffen von

gedrungener Gestalt unterlegen waren, daher sind sie niemals zahlreich

gewesen: am Ende des 16. Jahrhunderts, in der Seeschlacht zwischen den

Türken und den Vereinigten Mächten bei Lepanto war es nicht möglich,

mehr als 6 Galeassen aufzubringen. (~Jal~, _Arch. Nav._, S. 394.) Es

ist also sehr zu bezweifeln, dass die unüberwindliche Armada, die

berühmte Flotte von 1588, eine Division von 22 Galeassen enthalten

haben soll. Diese Schiffe waren zweifellos meist Galeeren.

Ebenso wie bei den Alten gab es ausser den naves longae Schiffe von

gedrungener Gestalt, die ursprünglich lediglich für den Handel und den

Güterverkehr gebraucht wurden.

Die Erfindung des Schiesspulvers, aber mehr noch die Schliessung der

alten Strasse nach Indien durch die Türken am Ende des 15. Jahrhunderts

änderten diesen Zustand. Der Handel verschiebt sich von diesem

Augenblick an nach dem Ozean; man ist auf der Suche nach einem neuen

Weg nach Indien, den man anderwärts findet, und so wird die «Neue Welt»

entdeckt.

Die Völker des Nordens, begierig nach Reichtum, wagen sich ebenfalls

nach dem Süden und begnügen sich nicht mehr mit der Ostsee.

Alle diese Umstände führen einen Umschwung im Schiffbau des

Mittelmeeres herbei. Trotz der Anstrengungen, die gemacht wurden, um

die Vorherrschaft durch die alten Schiffstype zu wahren, indem man

grössere Ruderschiffe, wie die Galeassen baute, musste man nicht nur

in Italien, sondern auch in Spanien und Portugal vor den mächtigeren

Typen der Völker des Nordens den Rückzug antreten.

Man kann also in dem von mir eingeschlagenen Gedankengang sagen, mit

Bezug auf die Schlacht von Zierickzee im Jahre 1302, dass im 14.

und 15. Jahrhundert die Schiffbaukunst vom Ozean in das Mittelmeer

gedrungen ist. Dagegen hat die Schiffbaukunst des Mittelmeeres jene

Baukunst beeinflusst.

Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1 · 第 13 / 142 题