II. 8.]

„Warum sollte sie zwei Arten von Blättern haben, Grete?“

„Die eine Art sind die schwimmenden Blätter, die auf dem Wasser liegen.

Auch die Blüten ragen aus dem Wasser heraus, so daß die Insekten an sie

herankommen können. Die anderen Blätter sind feiner und breiten sich im

Wasser aus. Und sieh, Peter, die gelben Linien auf den weißen Blüten

zeigen gerade nach dem schmalen Ende des Blütenblattes, wo die Insekten

den Honig finden.“

[Illustration: 1. Wasserlinse. 2., 4. Blüten der Wasserlinse. 3.

Befestigung der Wurzeln.]

„Dann muß ich noch Wasserlinsen haben. Sie werden die Schüssel so

hübsch füllen.“

„Aber Wasserlinsen sind nicht hübsch, Grete. Sie bestehen nur aus

Blättern.“

„Nein, Peter, das ist gerade nicht der Fall. Paul sagte mir neulich,

daß die Wasserlinse keine wirklichen Blätter hat. Jede Pflanze besteht

aus einem Stückchen Stengel mit einer dünnen Wurzel, die in das Wasser

hinabhängt. Sehr kleine Blüten wachsen zuweilen aus einem kleinen

Spalt an der Seite des Stengels. Ich werde versuchen, einige davon zu

bekommen. Aber es wird nicht leicht sein, da sie sehr klein sind und

bloß aus zwei kleinen Staubbeuteln und einem Fruchtknoten bestehen, und

Wasserlinsen nur auf dem Wasser schwimmen.“

„Dann möchte ich noch den blühenden Fieber- oder Bitterklee haben. Ich

fürchte, es ist dafür ziemlich spät im Jahre, aber es gibt noch einige

davon an dem flachen Ende des Teiches. Du mußt nach einer großen Ähre

rotweißer Blüten ausschauen, die wie Glockenblumen geformt und mit

weißen Haaren besetzt sind. Ah! da ist eine, deren Knospen sich gerade

öffnen; sie wird am Mittwoch so weit sein.“

„Nun müssen wir noch eine andere finden. Eine kleine Pflanze, das

ährige Tausendblatt, die fast ganz unter dem Wasser wächst, außer der

Ähre mit den zierlichen rötlichen Blüten, die über die Oberfläche

hervorragt. Sieh die hübschen Blätter an, die sternartig um den Stengel

stehen und so schön im Wasser ausgebreitet sind. Wenn du die Blüten

genau ansiehst, so wirst du bemerken, daß die oberen nur Staubbeutel

und die unteren nur Fruchtknoten tragen. Aber sie sind so klein, daß

sie nicht leicht zu sehen sind.“

„Nun darf ich keine mehr auswählen, denn ich muß jede Pflanze

beschreiben, und das wird lange Zeit in Anspruch nehmen.“

Lektion 12.

Gretes Wasserpflanzen.

Als der Mittwoch kam, war Gretes Schüssel fertig. Sie hatte sie mit an

den Teich genommen und unter die Wasserlinsen getaucht. Sie kam ganz

voll von diesen Wasserpflanzen heraus, die dann von ihr sorgfältig

ausgelesen wurden, so daß nur die besten zurückblieben. Dann trug sie

die Schüssel in das Ausstellungszimmer.

Darauf setzte sie die gelbe Wasserrose in die Mitte der Schüssel, so

daß die Blüte und der Stengel mit der Samenkapsel gerade in die Höhlung

zwischen den Lappen des großen grünen Blattes paßte. Dann setzte sie

einige Stengel des Wasserhahnenfußes hier und da ein, so daß die

hübschen weißen Blüten dicht über der Oberfläche des Wassers standen.

An die Seiten der Wasserrose steckte sie zwei Stengel des blühenden

Bitterklees. Endlich kamen noch einige Tausendblatt um den Rand der

Schüssel herum, so daß ihre zierlichen roten Blütenstengel eine hübsche

Einfassung bildeten.

Dann beschrieb Grete ihre Blumen in der folgenden Weise:

1. Die gelbe Wasserrose wächst im Teiche. Sie hat einen dicken Stengel,

der tief unten im Schlamm wurzelt. Ich habe ihn einmal gesehen, als der

Teich gereinigt wurde. Im März sehen wir noch nichts auf der Oberfläche

des Wassers. Aber im Mai ragen die langen glänzenden Blätter auf langen

Stengeln über das Wasser heraus. Sie sind herzförmig zugespitzt.

Im Juni kommen die Knospen heraus. Sie sehen aus wie grüne

gelbgefleckte Knötchen. Aber wenn sie größer werden, öffnen sich

die fünf äußeren Blätter oder Kelchblätter, und wir sehen, daß sie

im Innern ganz gelb sind. Dann können wir auch die kleinen inneren

Blumenkronblätter sehen, die in zwei Reihen angeordnet sind; nach ihnen

kommen eine Anzahl Staubgefäße, die aus dünnen Fäden mit Staubbeuteln

an der Spitze bestehen. Gerade in der Mitte ist der Stempel mit den

Samenanlagen im Fruchtknoten.

Dieser ist wie eine Wasserflasche geformt mit einem runden Kissen auf

der Spitze und hat eine Anzahl von klebrigen Streifen, die auf dem

Kissen in Form eines Sterns liegen. In den Blüten findet man oft kleine

Käfer. Sie fliegen hinein und saugen den Honig von der Rückseite der

Blumenblätter.

[Illustration: Wasserhahnenfuß mit zwei Arten von Blättern.]

2. Der Wasserhahnenfuß wächst in unserem Teiche und ist mit der

Sumpfdotterblume nahe verwandt. Er hat fünf äußere grüne Blätter

oder Kelchblätter. Sie sind gegen den Stiel zurückgeschlagen, wenn

die Blüte offen ist. Sie fallen oft ab. Die Blüte hat fünf weiße

Blumenkronblätter, die in der Mitte der Blüte, wo Honigtropfen sitzen,

mit Gelb gestreift sind. Innerhalb der Blumenkronblätter stehen

viele Staubgefäße und dann in der Mitte der Blüte eine Anzahl von

Fruchtknoten, jede mit einem Samen im Innern.

Der Wasserhahnenfuß hat zwei Arten von Blättern. Die Blätter, die auf

der Oberfläche des Wassers schwimmen, sind flach und bestehen aus drei

Lappen. Die Blätter unter dem Wasser sind fadenförmig und breiten sich

nach allen Seiten aus.

3. Es gibt sehr viel Wasserlinsen in unserem Teiche. Jede Pflanze hat

eine kleine Wurzel im Wasser und am andern Ende eine Art Stamm. Sie hat

keine Blätter. Die winzigen Blüten kommen manchmal aus einem Schlitz

an der Seite des Stengels heraus. Die Blüte besteht nur aus zwei

Staubgefäßen und einem kleinen Fruchtknoten.

[Illustration: Ähriges Tausendblatt.]

4. Der blühende Bitterklee hat jetzt fast ausgeblüht. Er wächst am

Rande des Teiches und seine Blätter sind dreizählig. Die rötlichen

Blüten stehen auf kleinen Stielen an einem großen Stengel. Sie sind wie

eine fünfspitzige Schale gestaltet und tragen viele weiße Haare auf der

Innenseite.

5. Das Tausendblatt wächst fast ganz unter dem Wasser. Nur die rote

Blütenähre ragt in die Luft hinein. Die Blüten an der Spitze der

Ähre haben nur Staubgefäße mit Staubbeuteln. Die unteren haben nur

Fruchtknoten mit den Samenkapseln. Die Blätter des Tausendblatts sind

schmal wie Grashalme, aber ganz kurz. Sie stehen um den Stengel wie die

Speichen eines Rades oder die Strahlen eines Sterns.

Gretes Strauß aus Wasserblumen und ihre Beschreibung gewann den Preis.

[Illustration]

Am Teich- und Flußufer · 第 20 / 24 题