Burton und Derby

Von Birmingham reisten wir über Burton [Fußnote: Burton-upon-Trent,

berühmte Brauereistadt, die ihre Entstehung den braukundigen Mönchen der

Burton Abbey im 11. Jahrhundert verdankt. Die Güte dieses Bieres wird

auf die Qualität des Wasser zurückgeführt] nach Derby. Burton ist ein

freundliches Städtchen, weltberühmt durch das Ale [Footnote: helles,

alkoholreiches, stark gehopftes Bier mit bitterem Geschmack und

kräftigem Schaum], welches nirgends so gut gebraut wird als hier. In

Friedenszeiten gehen jährlich große Sendungen davon nach ganz Europa,

besonders nach Rußland. Auch nach Amerika ward viel davon verschifft. In

England trinkt man es, wenn es einige Jahre gelegen hat, in bürgerlichen

Häusern zum Dessert. Auch ist es dann durch die Zeit so stark, daß es

sich mit jedem Wein an Geist messen kann und den Biergeschmack ganz

verliert.

Derby ist eine ziemlich große, aber nicht schöne Stadt. Sie enthält

viele Fabriken, unter anderen eine Seidenspinnerei; am ausgezeichnetsten

ist die Porzellanfabrik. An Feinheit des Tons mag das hiesige Porzellan

wohl dem Meißner und Sèvres nachstehen; aber in Hinsicht auf Farben,

Vergoldung und Schönheit der Form in den verschiedenen Vasen und Geschirren

läßt es nichts zu wünschen übrig. Die Figuren von Biskuit bleiben weit

hinter den sächsischen zurück, sowohl in der Erfindung als der Ausführung.

Auch hier sieht man deutlich, wie der englische Kunstsinn nur das gerade

Nützliche und Bequeme hervorzubringen vermag; doch dieses auch in der

höchsten Vollkommenheit.

Zum erstenmal in England mußten wir bei unserer Abreise auf Pferde warten,

und endlich erschienen um sechs Uhr abends zwei, die des Tages Last

reichlich getragen hatten. Wir wollten nach Matlock, einem siebzehn Meilen

von Derby im gebirgigen Derbyshire gelegenen Badeorte. Siebzehn Meilen

sind in England gewöhnlich in zwei bis drei Stunden abgefahren; daher

achteten wir den heftigen Regen nicht, der uns ohnehin in unsere Zimmer

eingekerkert hätte, und reisten ab. Die Pferde waren sehr müde: der

Postillon konnte sie ungeachtet allen Treibens kaum von der Stelle bringen;

langsam schlichen sie fort, Schritt vor Schritt. Uns war, als wären wir

auf irgendeiner Poststraße in der Mark. Wir fürchteten, die armen Tiere

würden zuletzt aus Ermüdung ganz stille stehen. Der Regen strömte heftiger,

und die Nacht brach sehr finster herein, obgleich wir uns in der ersten

Hälfte des Junius-Monats befanden. Der Weg war sehr bergig, hohe Felsen

türmten sich vor uns auf; wir sahen ihre kolossalen Konturen nur schwach

durch die dunkle Nacht. Nah und fern flammten Feuer aus den

Ziegelbrennereien ringsumher, feurigen Gespenstern gleich, was uns die

Finsternis nur auffallender machte, ohne sie zu erleuchten. Die Pferde

scheuten sich einigemal davor. Wir fuhren steile Abhänge hinab und hinauf,

tief unten brausende Waldströme ließen uns Abgründe neben dem Wege ahnen.

Das Geklapper der vielen Mühlen, das Brausen der vom Wasser getriebenen

Räder aller Art in dieser fabrikreichen Gegend, das Sausen der Gewässer

ringsumher, der Wind, der Regen, die flammenden Limekilns (Kalköfen),

alles vereinte sich, diese Nacht zu einer der schauerlichsten zu machen.

Die Situation war romantisch, das ist nicht zu leugnen; wir freuten uns

indessen doch sehr, nach elf Uhr ihr Ende und das Ziel unserer Reise

erreicht zu haben. Im alten Bade in Matlock fanden wir allen Komfort,

den man nur in einem englischen Gasthofe erwarten kann, und die

abenteuerliche, ermüdende Reise machte ihn uns doppelt angenehm.

Reise durch England und Schottland · 第 10 / 80 题