Sechstes Kapitel

Veränderte Verhältnisse und veränderte Ansichten;

die Landwirtschaft geht zurück und der Grubenbau blüht

Carlsson war nicht der Mann, unangenehme Empfindungen länger, als er

wollte, auf sich einwirken zu lassen; sein Körper nahm die Schauer

hin, schüttelte sich und ließ sie ablaufen. Seine Stellung als

Hofbesitzer hatte er sich durch seine Tüchtigkeit und sein Wissen

errungen; und daß Frau Flod ihn zum Manne nahm, war ebenso viel Gewinn

für sie als für ihn, meinte er.

Als aber der Hochzeitsrausch verflogen war, begann Carlsson weniger

eifrig zu werden; er war ja nun sicher, sowohl durch die Heirat wie

durch den Erben; denn in wenigen Monaten war das Kind zu erwarten. Den

Gedanken, sich zu einem Herrn zu machen, hatte er aufgegeben; statt

dessen rüstete er sich, Großbauer zu werden. Zog ein prächtiges

wollenes Wams an, tat ein festes Schurzfell um, trug Wasserstiefel;

brachte viel Zeit vor seinem Sekretär zu; das war sein Lieblingsplatz

geworden. Las die Zeitung, schrieb und rechnete weniger als früher;

überwachte die Arbeit mit der Pfeife im Munde und zeigte weniger

Interesse für die Landwirtschaft.

-- Die Landwirtschaft geht zurück, sagte er. Das habe ich in der

Zeitung gelesen; es ist billiger, sein Korn zu kaufen!

-- Früher hat er anders gesprochen, meinte Gustav, der auf alles

achtgab, was Carlsson sagte und tat, sich aber auf eine stumpfe

Unterwerfung beschränkte, ohne jedoch den neuen Herrn anzuerkennen.

-- Die Zeiten verändern sich und wir uns mit ihnen! Ich danke Gott für

jeden Tag, an dem ich klüger werde! antwortete Carlsson.

Er besuchte Sonntags die Kirche; nahm an allgemeinen Fragen teil und

wurde in den Gemeinderat gewählt. Dadurch kam er in nähere Berührung

mit dem Pastor und erlebte den großen Tag, an dem er ihn duzen konnte.

Das war einer der größten Träume seines Ehrgeizes; ein ganzes Jahr

lang ward er nicht müde, zu erzählen, was er gesagt und was Pastor

Nordström geantwortet hatte.

-- Hör mal, lieber Nordström, sagte ich, dieses Mal läßt du mich aber

gewähren! Und da sagte Nordström: Carlsson, du mußt nicht halsstarrig

sein, wenn du auch ein kluger Kerl und ein verständiger Mann bist ...

Die Folge war, daß Carlsson eine Menge Gemeindeangelegenheiten

übernahm, unter denen die Feuerschau die beliebteste war. Da reiste

man auf Kosten des Kirchspiels umher und trank Kaffeehalbe bei

Bekannten.

Auch die Wahl zum Reichstage, die allerdings im Innern des Landes

stattfand, hatte ihre Verführungen und ihre kleinen Nachwehen, die bis

in die Schären zu spüren waren.

Zur Wahlzeit und auch sonst wohl einige Male im Jahr kam der Baron mit

seinen Jagdherren auf einem Dampfer heraus; dann wurden fünfzig Kronen

für das Recht, einige Tage jagen zu können, bezahlt. Punsch und Kognak

flossen Tag und Nacht, und man schied von den Jägern mit der festen

Überzeugung: das sind feine Leute.

Carlsson kam also in die Höhe und wurde ein Licht auf dem Hofe: eine

Autorität, die über Dinge Bescheid wußte, welche die Andern nicht

begriffen. Ein schwacher Punkt aber blieb, und er spürte ihn zuweilen:

er war vom Lande, war kein Seemann.

Um diesen letzten Rangunterschied auszugleichen, fing er an, sich mehr

für die Seegeschäfte zu interessieren, legte eine große Neigung fürs

Meer an den Tag. Putzte sich eine Flinte und fuhr auf die Jagd hinaus;

nahm am Fischen teil und wagte sich auf längere Segelfahrten.

-- Mit der Landwirtschaft gehts abwärts, und wir müssen uns auf's

Fischen legen, antwortete er seiner Frau, die mit Unruhe Vieh und Feld

verkommen sah.

-- Vor allem das Fischen! Das Fischen für den Fischer und das Land für

den Landwirt! verkündigte er jetzt auf eine Art, die keinen

Widerspruch duldete, nachdem er vom Schullehrer im Kirchenrat gelernt

hatte, seine Worte »pallementarisch« zu setzen.

Zeigte sich ein Mangel im Ertrag, so mußte man Holz hauen.

-- Der Wald muß gelichtet werden, wenn er reif werden soll! So spricht

wenigstens der rationelle Landwirt; ich selber weiß es _nicht_.

Und wenn Carlsson es nicht wußte, wie sollten dann die Andern es

wissen!

Rundqvist wurde die Landwirtschaft überlassen, Clara das Vieh.

Rundqvist ließ Gras auf dem Acker wachsen, schlief vom Frühstück bis

zum Mittag auf dem Rain, schlief vom Mittag bis zum Abendbrot in den

Büschen; warf Stahl über die Kühe, wenn sie keine Milch gaben.

Gustav hauste noch mehr auf der See als früher und knüpfte den alten

Jägerbund mit Norman wieder an.

Das Interesse, das einen Augenblick alle Arme in Bewegung gesetzt

hatte, war fortgefallen; für einen Fremden arbeiten, war nicht sehr

ermunternd. Darum ging das Ganze nachlässig aber ruhig seinen

gewohnten Gang.

Im Herbst aber, einige Monate nach der Hochzeit, trat ein Ereignis

ein, das wie ein Stoßwind auf Carlssons eben mit vollen Segeln

ausgelaufenes Fahrzeug wirkte. Seine Frau kam vor der Zeit nieder und

gebar ein totes Kind. Die Umstände waren außerdem so beunruhigend, daß

der Arzt bestimmt erklärte, jetzt sei es Schluß:

-- Keine Kinder mehr!

Das war verhängnisvoll für Carlsson; denn nun hatte er für die Zukunft

keine andere Aussicht, als einst aufs Altenteil zu kommen. Da die Alte

obendrein noch kränklich nach der Entbindung war, drohte diese

Veränderung in seiner Stellung früher einzutreten, als er geträumt

hatte. Es kam also darauf an, die Zeit gut auszunutzen, in die

Scheunen zu sammeln, an den morgenden Tag zu denken.

Neues Leben kam in Carlsson. Die Landwirtschaft mußte schleunigst

gehoben werden; warum, das ging niemanden etwas an. Bauholz wurde

gefällt; denn jetzt sollte eine neue Stuga gebaut werden; warum, das

brauchte er niemandem auf die Nase zu binden. Die Jagdlust mußte bei

Norman schleunigst gedämpft werden, und noch ein Mal wurde Norman

seinem Freunde abspenstig gemacht. Rundqvist wurde wieder eingefangen

und mit neuen Vorteilen aufgemuntert. Es ward gepflügt, gesäet,

gefischt, gezimmert; die Gemeindesachen blieben liegen.

Gleichzeitig führte Carlsson ein häusliches Leben; saß bei seiner

Alten; las ihr zuweilen vor, aus der Heiligen Schrift oder aus dem

Gesangbuch; sprach zu ihrem Herzen und wandte sich an ihre edleren

Gefühle, ohne recht erklären zu können, wo er hinaus wolle.

Die Alte liebte Gesellschaft und hörte gern Geplauder; sie legte also

Wert auf diese kleinen Aufmerksamkeiten, ohne weiter darüber

nachzudenken, was diese Vorbereitungen auf den Tod bezwecken könnten.

* * * * *

Eines Winterabends, als die Bucht unterm Eise lag, die offnen

Meeresflächen aber nicht mehr fahrbar waren, man schon vierzehn Tage

eingeschlossen war, ohne einen Nachbar begrüßen zu können, ohne einen

Brief oder eine Zeitung zu erhalten; als die Einsamkeit und der Schnee

das Gemüt bedrückte und der kurze Tag nur wenig Arbeit erlaubte,

hatten sich die Leute in der Küche versammelt; auch Gustav war dabei.

Das Feuer brannte im Herd und die Burschen saßen und flickten Netze.

Die Mädchen spannen und Rundqvist schnitzte an einem Spatenschaft. Der

Schnee war den ganzen Tag gefallen und stieg schon über die

Fensterscheiben. Wie ein Totenzimmer sah die Küche aus, da die Fenster

mit Laken aus Schnee verhängt waren. Jede Viertelstunde mußte ein Mann

hinaus und die Tür frei schaufeln, damit man nicht eingeschneit wurde,

sondern zum Melken und Futtern nach dem Stall gelangen konnte.

Jetzt war die Reihe an Gustav; Ölrock und Südwester über Wams und

Ottermütze, so ging er hinaus; stemmte die Tür auf, gegen die sich der

Schnee gelegt hatte, und stand draußen im Schneetreiben. Die Luft war

schwarz, die Schneeflocken waren grau wie Motten, groß wie

Hühnerfedern; schwebten unaufhörlich, unaufhörlich nieder, legten sich

leise auf einander, erst leicht, dann schwerer; packten sich zusammen

und wuchsen an. Schon ein gut Stück ging der Schnee die Wand des

Hauses hinauf und nur durch die obere Ecke der Fenster schimmerten die

Lichter von innen.

Eine Neugier, die ihn schnell überkam, veranlaßte Gustav, den oberen

Schnee herunter zu stochern, damit er ein Guckloch erhielt; als er

dann auf den Schneehaufen stieg, konnte er ins Zimmer sehen.

Carlsson saß wie gewöhnlich vor dem Sekretär; er hatte ein großes

Papier vor sich liegen; das war oben mit einem großen blauen Stempel

bedruckt, der wie die Zeichnung auf den Scheinen der Reichsbank

aussah. Die Feder hoch erhoben, sprach er auf die Alte, die neben ihm

stand, ein; er schien ihr die Feder geben zu wollen, damit sie etwas

schreibe.

Gustav legte das Ohr an die Scheibe; da es aber Doppelfenster waren,

hörte er nur ein Gemurmel. Außerordentlich gern hätte er jedoch

gewußt, was da vor ging, denn er ahnte, daß es ihn sehr nahe berühre;

auch hatte er gelernt, daß es sich um wichtige Angelegenheiten

handelt, wenn man gestempeltes Papier benutzt.

Leise öffnete er die Tür, schob die Strohschuhe ab und kroch die

Treppe hinauf, bis er auf den oberen Flur kam. Dort legte er sich auf

den Bauch; und nun konnte er hören, was in der Stube bei der Mutter

gesprochen wurde.

-- Anna Eva, verkündete Carlsson mit einem Ton, der zwischen

Reiseprediger und Gemeinderat lag; das Leben ist kurz, und der Tod

_kann_ über uns kommen, ehe wir es wissen. Wir _müssen_ also darauf gefaßt

sein, von hinnen zu gehen, ob es nun heute geschieht oder morgen; das

ist _ganz_ einerlei! Unterschreib also, je eher desto besser!

Die Alte liebte es nicht, so viel von Tod zu hören; aber Carlsson

hatte nun Monate lang so oft davon gesprochen, daß sie gegen diese

Rede nur noch schwach Widerstand zu leisten vermochte.

-- Aber, Carlsson, ganz einerlei ist es mir nicht, ob ich heute sterbe

oder in zehn Jahren; ich kann noch lange leben.

-- Ich habe ja nicht gesagt, daß du sterben _wirst_; ich habe nur gesagt,

daß wir sterben _können_; und ob das heute oder morgen, oder in zehn

Jahren geschieht, das ist ganz einerlei; ein Mal muß es geschehen!

Also schreib nur!

-- Das verstehe ich nicht, widerstrebte die Alte, als wolle der Tod

kommen und sie holen; es kann doch wohl nicht ...

-- Doch, es ist ganz einerlei, wann es geschieht! Ist es vielleicht

nicht so? Ich weiß es nicht! Jedenfalls schreib!

Ihr war, als lege er ihr einen Strick um den Hals, wenn Carlsson mit

seinem »Ich weiß nicht« kam; die Alte wußte sich nicht mehr zu helfen

und gab nach.

-- Nun, wo hinaus willst du? fragte sie ihn, von dem langen

Hinundherreden ermüdet und erschöpft.

-- Anna Eva, du mußt an deine Nachkommen denken; denn das ist die erste

Pflicht des Menschen; darum mußt du schreiben.

In diesem Augenblick öffnete Clara die Küchentür und fragte, wo Gustav

bleibe; der aber wollte sich nicht verraten und verhielt sich still;

konnte aber nicht mehr hören, was weiter in der Stube geschah.

Clara ging zurück und Gustav kletterte hinab; blieb vor der Stubentür

stehen, um die letzten Worte von Carlsson zu hören; die ließen ihn

vermuten, daß die Alte unterschrieben habe und das Testament

aufgesetzt sei.

Als Gustav wieder in die Küche kam, sahen die Leute, daß ihm etwas

geschehen war. Er sprach in versteckten Worten, er werde einen Fuchs

fangen, den er schreien gehört; es sei besser, auf See zu gehen, als

sich zu Hause von den Läusen fressen zu lassen; ein weißes Pulver

unterm Futter könne Gäulen Mut machen; aber auch den Tod geben, wenn

es zu viel sei.

Carlsson dagegen war beim Abendbrot äußerst menschenfreundlich;

erkundigte sich nach Gustavs Arbeitsplänen und Jagdabsichten; holte

das Stundenglas und ließ den weißen Sand rinnen; dann sagte er:

-- Die Minuten sind kostbar; essen wir und trinken wir, denn morgen

müssen wir sterben!

Gustav lag in dieser Nacht lange wach; viele finstere Gedanken und

schwarze Pläne kreuzten sich in seinem Kopfe. Aber er war keine starke

Seele, welche die Verhältnisse nach ihrem Sinn ändern, Gedanken in

Handlung umsetzen konnte; wenn er eine Sache durchdacht hatte, ließ er

sie fallen, als sei sie vollendet.

Nachdem er einige Stunden geschlafen und von andern Dingen geträumt

hatte, war er wieder ebenso fröhlich und ließ fünf gerade sein, indem

er darauf traute: Kommt Zeit, kommt Rat; die Gerechtigkeit wird schon

ihren Gang gehen; und dergleichen mehr.

* * * * *

Der Frühling kam wieder, die Schwalben besserten ihre Nester aus und

der Professor kehrte zurück.

Um dessen Stuga hatte Carlsson im Laufe der Jahre einen Garten

angelegt; Flieder, Obstbäume, Beerenbüsche gepflanzt; für die er

Stecklinge und Pfropfreiser aus der Pfarre geholt; Wege besandet und

Lauben errichtet. Es begann herrschaftlich auf dem Hofe auszusehen.

Niemand konnte leugnen, daß der Fremdling Wohlstand und Gemütlichkeit

geschaffen, daß er Feld und Vieh in die Höhe gebracht, Haus und Hof in

Stand gesetzt; sogar den Preis für die Fische hatte er in der Stadt in

die Höhe getrieben und ein Abkommen mit einem Dampfer getroffen, damit

man sich die langen zeitraubenden Fahrten nach der Stadt sparen

konnte.

Jetzt, als er nachließ, müde war, sich mit dem Bau seiner eigenen

Stuga beschäftigte, klagte man.

-- Macht es doch selber, antwortete Carlsson, dann werdet ihr mal

sehen, wie gut es tut. Jeder für sich und Gott für uns alle!

Bald hatte er seine eigene Stuga unter Dach, begann einen Garten

anzulegen, Büsche zu pflanzen, Wege zu machen. Er hatte seine Stuga

mit solchem Geschmack gebaut, daß sie die anderen in Schatten stellte.

Sie besaß zwar nur zwei Zimmer und Küche, sah aber doch stattlicher

aus als die alten Häuser; woran es lag, konnte man nicht sagen. Ob

daran, daß er den Dachstuhl hoch geführt und die Dachtraufe weit über

die Wand hatte vorspringen lassen; oder ob es die »Krucifixe« waren,

die er in die Deckbretter gesägt hatte; oder die Veranda, die er mit

einigen Treppenstufen vor die Tür gesetzt. Es waren keine

Kostbarkeiten, aber es sah doch etwas villenartig aus. Rot war die

Stuga wie eine Kuh, aber die Ecken waren schwarz und getäfelt; die

Fensterbretter waren weiß gestrichen und die Veranda, ein leichtes

Dach auf vier Pfosten, war blau gemalt.

Auch hatte er Verstand genug gehabt, seinen Platz zu wählen;

unmittelbar unter dem Fuß des Berges, und zwar so, daß zwei alte

Eichen mitten davor zu stehen kamen, ungefähr wie der Anfang einer

geplanten Allee oder eines Parks. Wenn man auf der Veranda saß, hatte

man die schönste Aussicht: die Bucht mit den Schilfbänken, die lange

grüne Quellwiese; durch eine Mulde im Kälberhag konnte man die Boote

hinten im Sunde sehen.

Gustav sah alles scheel an, wünschte die Stuga fort, hielt Carlsson

für eine Wespe, die ihr Nest unter dem Dachstuhl baute; die hätte er

gern verscheucht, ehe sie Eier legen und sich vielleicht mit ihrer

Brut festsetzen konnte. Er hatte aber nicht die Kraft, sie

fortzubringen; darum blieb sie sitzen.

Die Alte war kränklich und ließ alles gehen, wie es ging. Im Vorgefühl

des Wirrsals, das entstehen würde, wenn sie aus dem Leben schied, sah

sie es nicht ungern, daß ihr Mann, denn das war er jedenfalls, ein

Dach über dem Kopf hatte und nicht als armer Teufel herumlief. Sie

verstand sich nicht auf Rechtssachen, hatte aber eine Ahnung davon,

daß es bei Vermögensaufnahme, Erbteilung, Testament nicht mit rechten

Dingen zugegangen; doch das war die Sache der Andern, wenn sie nur

damit nichts zu tun hatte. Ein Mal mußte es aber losbrechen, wenn

nicht früher, dann an dem Tage, an dem Gustav heiratete; und solche

Gedanken mußte ihm jemand in den Kopf gesetzt haben, denn er war sich

nicht mehr gleich, sondern ging nachdenklich umher.

* * * * *

Eines Nachmittags Ende Mai stand Carlsson in seiner neuen Küche und

mauerte am Herd, als Clara kam und ihn rief:

-- Carlsson, Carlsson, der Professor ist mit einem deutschen Herrn

gekommen, der Carlsson sprechen will!

Carlsson nahm das Schurzfell ab, trocknete sich die Hände und machte

sich zum Empfang bereit, neugierig, was der ungewöhnliche Besuch zu

bedeuten habe.

Als er auf die Veranda kam, stieß er auf den Professor, in dessen

Begleitung sich ein Herr mit langem schwarzem Bart befand, der sehr

energisch aussah.

-- Direktor Diethoff möchte Sie sprechen, Carlsson, sagte der

Professor, indem er auf seinen Begleiter deutete.

Carlsson bürstete einen Sitzplatz auf der Bank der Veranda ab und lud

zum sitzen ein.

Der Direktor hatte keine Zeit, sich zu setzen, sondern fragte stehend,

ob der Roggenholm zu verkaufen sei.

Carlsson fragte, zu welchem Zweck, denn der Holm war vielleicht nur

drei Morgen groß, war hügelig, trug etwas Fichtenwald und bot nur

unbedeutende Schafweide.

-- Zu industriellem Zweck, antwortete der Direktor und fragte, was er

koste.

Carlsson war unschlüssig und bat um Bedenkzeit, bis er erfahren, was

dem Holm seinen unerwarteten Wert gab.

Es war aber nicht die Absicht des Direktors, ihn das sofort wissen zu

lassen, sondern er wiederholte noch ein Mal seine Frage, was der Holm

koste. Dabei faßte er in die Brusttasche, deren starke Anschwellung

deutlich durchs Tuch zu sehen war und verriet, daß darin etwas

steckte.

-- So teuer kann der wohl nicht sein, meinte Carlsson; aber ich muß

erst mit der Alten und dem Sohne sprechen.

Damit lief er nach der Stuga hinunter; blieb eine gute Weile fort und

kam dann zurück. Jetzt aber sah er verlegen aus, und es schien ihm

schwer zu fallen, mit seiner Forderung herauszurücken.

-- Sagen Sie, was Sie geben wollen, Herr Direktor, brachte er

schließlich hervor.

Nein, das wollte der Direktor nicht.

-- Nun, wenn ich dann fünf sage, so werden Sie es nicht zu teuer

finden, preßte Carlsson hervor, dem der Atem im Hals stecken blieb und

der Schweiß auf die Stirne trat.

Direktor Diethoff öffnete den Rock, zog die Banknotentasche heraus

und zählte zehn Scheine zu je einhundert Kronen auf. -- Hier ist

vorläufig Handgeld; die vier andern kommen im Herbst? Einverstanden?

Carlsson war im Begriff eine Dummheit zu machen; es gelang ihm aber

gerade noch, seine überschwellenden Gefühle zurückzudrängen und

ziemlich ruhig zu antworten, er sei einverstanden, während er nur

fünfhundert Kronen statt fünftausend gemeint hatte.

Darauf ging man zum Sohne und zur Alten hinunter, um den Kaufvertrag

zu unterzeichnen und die Summe zu quittieren.

Carlsson blinzelte und grinste den Beiden zu, sie sollten ihm

beistehen; die aber verstanden nichts.

Schließlich setzte sich die Alte die Brille auf und las, nachdem sie

unterschrieben hatte.

-- Fünftausend! schrie sie. Was lese ich? Du sagtest doch hundert,

Carlsson?

-- Nein, da mußt du dich verhört haben, Anna Eva. Habe ich vielleicht

nicht tausend gesagt, Gustav?

Dabei blinzelte er so sehr, daß der Direktor es sah.

-- Ja, ich _glaube_ wohl, er hat tausend gesagt! stand ihm Gustav bei, so

gut er konnte.

Als der Vertrag unterschrieben war, erklärte der Direktor, er

beabsichtige für Rechnung seiner Gesellschaft auf dem Roggenholm eine

Feldspatgrube anzulegen.

Niemand wußte, was Feldspat ist, und niemand hatte an diesen Schatz

gedacht; außer Carlsson; der schwindelte jetzt, er habe längst daran

gedacht, nur kein Kapital gehabt.

Der Direktor erzählte, Feldspat sei eine rote Steinart, die von

Porzellanfabriken gebraucht werde. In acht Tagen werde das Haus des

Verwalters, das schon bei der Tischlerei bestellt sei, aufgestellt

sein; in vierzehn Tagen werde die hölzerne Arbeiterkaserne auf ihrem

Platz stehen; mit dreißig Mann werde man dann die Arbeit anfangen.

Damit reiste er.

Dieser Goldregen war so schnell über die Inselbauern gekommen, daß sie

keine Zeit gehabt hatten, alle Folgen zu berechnen. Tausend Kronen auf

dem Tisch, viertausend im Herbst, für eine wertlose Insel: das war zu

viel auf ein Mal. Darum saßen sie den ganzen Abend einträchtig bei

einander und rechneten aus, was ihnen außerdem noch zufallen könnte.

Natürlich konnte man Fische und andere Produkte an die vielen Arbeiter

und an den Verwalter verkaufen; Holz auch; das war nicht zweifelhaft.

Dann kam der Direktor heraus, vielleicht mit Familie, und wollte auf

Sommerfrische wohnen. Dann konnte man natürlich dem Professor die

Miete steigern; und Carlsson konnte vielleicht seine Stuga auch

vermieten. Alles werde schön und gut werden.

Carlsson legte selbst das Geld in den Sekretär und saß die halbe Nacht

vor der Klappe, um zu rechnen.

* * * * *

Während der nächsten Woche fuhr Carlsson mehrere Male nach dem Badeort

Dalarö und kam mit Tischlern und Malern zurück. Auf seiner Veranda

hielt er kleine Empfänge ab; er hatte einen Tisch dahin gestellt; an

den setzte er sich, trank Kognak, rauchte die Pfeife und überwachte

die Arbeit, die jetzt große Fortschritte machte.

Bald waren Tapeten in allen Zimmern, sogar in der Küche; und dort

wurde auch ein ordentlicher Herd eingemauert. Die Fenster wurden mit

grünen Läden versehen, die weithin leuchteten; die Veranda wurde noch

ein Mal gestrichen, und zwar weiß und rosenrot; auch erhielt sie auf

der Sonnenseite eine blau- und weißgestreifte Zwillichgardine. Um Hof

und Garten erstreckte sich ein Lattenzaun, der grau gestrichen war und

weiße Köpfe hatte.

Die Leute standen lange davor und gafften die Herrlichkeit an; Gustav

aber stand am liebsten in gehöriger Entfernung hinter einer Ecke oder

einem dichten Busch; eine Einladung, auf die Veranda zu kommen, nahm

er selten oder niemals an.

Es war einer von Carlssons Träumen, die er in recht klaren Nächten

träumte, wie der Professor auf der Veranda zu sitzen, selbstherrlich

zurückgelehnt, aus einem Fußglas Kognak nippend, sich die Aussicht

anzusehen und eine Pfeife zu rauchen -- noch lieber eine Zigarre; aber

die war ihm noch zu stark.

Als er acht Tage später eines Morgens in aller Frühe dort saß, hörte

er im Sunde vorm Roggenholm einen Dampfer pfeifen.

-- Jetzt kommen sie, dachte er; und als Herr am Ort wollte er fein sein

und sie empfangen.

Er ging hinunter in die Stuga und zog sich an; schickte nach Rundqvist

und Norman, die ihn nach dem Roggenholm begleiten sollten, um die

fremden Herren zu empfangen.

In einer halben Stunde stieß das Boot ab, und Carlsson setzte sich ans

Steuer. Dann und wann ermahnte er die Knechte, in Takt zu rudern,

damit man als ordentliche Leute ankomme.

Als sie die letzte Landzunge umfahren hatten und der Sund sich

öffnete, auf der einen Seite von der großen Insel und auf der andern

Seite vom Roggenholm begrenzt, hatten sie einen prachtvollen Anblick

vor sich. Ein Dampfer, der mit Flaggen und Signalen geschmückt war,

lag im Sund verankert; und zwischen Schiff und Land fuhren kleine

Jollen mit Matrosen in blauweißen Jacken. Oben auf der Strandklippe,

die von dem bloßgelegten Feldspat rosenrot leuchtete, stand eine

Gruppe Herren und ein Stück davon ein Musikchor, dessen

Messinginstrumente sich prächtig von den schwarzen Fichten abhoben.

Die Ruderer fragten sich, was man dort oben vorhabe, und ruderten an

die Klippe heran, um so nahe wie möglich zu kommen und zu sehen und zu

hören. Eins, zwei, drei, gerade als sie unter dem Sammelplatz lagen,

war ein Sausen in der Luft zu hören, als seien zwölfhundert Eider

aufgeflogen; dann ein Dröhnen, das aus dem Innern des Berges zu kommen

schien; schließlich ein Krachen, als sei der ganze Holm gesprungen.

-- Zum Teufel! war alles, was Carlsson hervorbringen konnte, denn im

nächsten Augenblicke regnete es Steine ums Boot; ein Schauer von Kies

folgte und schließlich ein Hagel kleiner Steine.

Dann sprach eine Stimme oben auf dem Berge; sprach von Handwerk und

Gewerbe, von aufgespeicherter Arbeit; auch etwas Ausländisches kam

vor, das die Inselbauern nicht verstanden.

Rundqvist glaubte, es sei eine Predigt, und nahm die Mütze in die

Hand; Carlsson aber verstand, daß es die Direktion war, die sprach.

-- Ja, meine Herren, schloß der Direktor, wir haben hier viel Steine

vor uns, und ich schließe meine Rede mit dem Wunsch, sie mögen alle zu

Brot werden!

-- Bravo!

Und dann blies die Musik einen Marsch. Die Herren kamen an den Strand

hinab, alle kleine Steinstücke in der Hand tragend, die sie unter

Lachen und Lärm befingerten.

-- Was macht ihr da mit dem Boot? schrie ein Herr in Marineuniform die

Inselbauern an, die auf ihren Rudern ausruhten.

Sie wußten nicht, was sie antworten sollten, hatten aber nicht

gedacht, daß es gefährlich sein könne, sich den Staat anzusehen.

-- Das ist ja Carlsson selbst, erklärte Direktor Diethoff, der hinzu

gekommen war. Das ist unser Wirt hier am Ort, stellte er vor. Kommen

Sie und frühstücken Sie mit uns!

Carlsson traute seinen Ohren nicht, überzeugte sich aber bald, daß die

Einladung ernst gemeint sei.

Bald saß Carlsson auf dem Achterdeck des Dampfers an einem gedeckten

Tisch, dessengleichen er noch nicht gesehen. Er hatte sich zuerst

geziert, aber die Herren waren ganz ungewöhnlich leutselig und

erlaubten nicht ein Mal, daß er das Schurzfell abnahm.

Rundqvist aber und Norman aßen auf dem Vorderdeck mit der Mannschaft.

Das Paradies hatte Carlsson sich nicht herrlicher gedacht. Speisen,

deren Namen er nicht wußte und die wie Honig im Mund schmolzen;

Speisen, die den Hals einrieben ganz wie ein Schnaps; Speisen in allen

Farben. Und sechs Gläser standen vor seinem Platze wie vor den Plätzen

der andern Herren; und Weine wurden getrunken, die waren, als rieche

man an einer Blume oder küsse ein Mädchen; Weine, die einem in die

Nase stachen, die einem in den Beinen kitzelten, die einem zum Lachen

verlockten. Dazu blies die Musik so lieblich, daß es an der

Nasenwurzel kribbelte, als wolle man weinen; bald fror man an den

Schläfen, bald tat es einem so wohl im ganzen Körper, daß man hätte

sterben mögen.

Als alles zu Ende war, sprach der Direktor für den Wirt; lobte ihn,

daß er seinen Stand ehre und nicht den Haupterwerb verlasse, um einem

unsichern Gewinn auf andern Gebieten nachzujagen, wo die Not Arm in

Arm mit dem Luxus gehe.

Und dann stieß man mit Carlsson an. Der wußte nicht, ob er lachen oder

ernst bleiben sollte; aber er sah die Herren lachen, als etwas recht

Ernstes, wie er meinte, gesagt wurde; also lachte er mit.

Nach dem Frühstück wurden Kaffee und Zigarren geboten, und man stand

vom Tische auf.

Carlsson, edelmütig wie ein Glücklicher, wollte nach vorn gehen, um

nachzusehen, ob Rundqvist und Norman etwas bekommen hatten. Da aber

rief ihn der Direktor an und bat ihn, einen Augenblick in die Kajüte

zu kommen.

In der Kajüte machte ihm Herr Diethoff den Vorschlag, er möge, um

seine Stellung zu befestigen und, wenn es nötig sei, als Autorität

unter den Arbeitern auftreten zu können, einige Aktien zeichnen.

-- Darauf verstehe ich mich leider nicht, meinte Carlsson, der so viel

von diesen Geschäften wußte, daß man nichts abschloß, wenn man

getrunken hatte.

Aber der Direktor ließ ihn nicht los, und nach einer halben Stunde

hatte Carlsson vierzig Aktien der Feldspat-Aktiengesellschaft Eagle zu

je hundert Kronen; ferner das ausdrückliche Versprechen,

stellvertretendes Mitglied des Aufsichtsrates zu werden. Von der

Einzahlung sagte man nur, sie sollten »+pö a pö+« geschehen und +à conto+.

Darauf trank man Kaffee und Kognak und Punsch und Biliner Wasser.

Sechs war die Uhr, als Carlsson ins Boot kam.

Bei der Ausbootung ließ man das Reep fallen; das verstand Carlsson

aber nicht, sondern drückte allen Matrosen, die an der Treppe standen,

die Hand und bat sie zu grüßen, wenn sie an Land kämen.

Mit seinen vierzig Aktienbriefen nebst Coupons ließ er sich nach Hause

rudern, am Steuer sitzend, eine Zigarre im Munde und einen Korb Punsch

zwischen den Knien.

Als Carlsson nach Haus kam, schwamm er in Seligkeit, lud alle, auch

die Mägde aus der Küche, zu Punsch ein, zeigte die Aktienbriefe, die

wie riesengroße Scheine der Reichsbank aussahen; wollte den Professor

einladen und begegnete die Einwendungen der Anderen damit: er sei

stellvertretendes Mitglied des Aufsichtsrates und ebenso gut wie ein

deutscher Musikant, der kein Gelehrter sei und darum auch kein

richtiger Professor.

Pläne, so groß wie ein Holzstoß, hatte Carlsson; er wollte eine

einzige große Strömling-Salzerei-Aktiengesellschaft für das ganze

stockholmer Inselmeer gründen, Faßbinder von England ins Land rufen,

Fahrzeuge direkt von Spanien mit Salz kommen lassen!

Im selben Atemzuge sprach er vom Hauptgewerbe, der Landwirtschaft,

deren Vertretern und deren Zukunft, gab seinen Hoffnungen und

Befürchtungen Ausdruck. Man trank seinen Punsch und hüllte sich in

Tabakswolken und frohe Aussichten ein.

* * * * *

Carlsson war so hoch gestiegen, daß er einen Schwindelanfall bekam.

Die Landwirtschaft wurde vernachlässigt und die Besuche auf dem

Roggenholm folgten sich Tag aus Tag ein. Er machte die Bekanntschaft

des Verwalters, saß auf dessen Veranda, trank Kognak und Biliner

Wasser, während er zusah, wie die Arbeiter Steine klopften, um die

Quarzadern herauszubrechen; wären die nicht gewesen, hätte man den

ganzen Berg auf ein Mal verschiffen können.

Der Verwalter war früher Vorarbeiter in einem Bergwerk gewesen; hatte

Verstand genug, um sich mit dem Aktienbesitzer und stellvertretenden

Mitglied des Aufsichtsrates gut zu stellen; besaß genügende Einsicht,

um abschätzen zu können, wie lange das Geschäft gehen würde.

Aber der neue Grubenbetrieb übte auch seinen Einfluß auf das leibliche

und sittliche Wohlbefinden der Inselbauern; und die Anwesenheit von

dreißig unverheirateten Arbeitern begann ihre Wirkungen zu zeigen.

Die Ruhe war gestört. Den ganzen Tag über donnerten Schüsse aus dem

Berge; Dampfer pfiffen im Sund; Jachten kamen und spieen Seeleute ans

Land. Abends erschienen die Arbeiter auf dem Bauernhofe, umkreisten

Brunnen und Stall; stellten den Mädchen nach; veranstalteten Tänze;

tranken und schlugen sich mit den Knechten.

Die Leute feierten die Nächte durch, und am Tage war nichts mit ihnen

anzufangen; sie schliefen auf den Wiesen, nickten am Herd ein.

Zuweilen kam der Verwalter auf Besuch. Dann mußte man den Kaffeekessel

aufsetzen, und da man dem Herrn nicht Branntwein anbieten konnte,

mußte man sich Kognak halten.

Doch man verkaufte Fische und Butter; Geld strömte ein; man lebte

flott, und Fleisch kam öfters auf den Tisch als früher.

Carlsson fing an fett zu werden; ging den Tag über in einem leichten

Rausch umher, ohne sich jedoch zu überladen. Wie ein einziges langes

Fest verging der Sommer für ihn, da er seine Zeit zwischen

Gemeindesachen, Grubenbau und Naturverschönerungen teilte.

Jetzt im Herbst war er acht Tage auf Feuerschau fort gewesen. Als er

eines frühen Morgens nach Hause kam, wurde er von der Alten mit der

beunruhigenden Mitteilung empfangen, es müsse etwas draußen auf dem

Roggenholm geschehen sein. Es sei dort nämlich vier Tage lang still

gewesen; nicht ein Schuß sei gelöst worden und keine Dampferpfeife

habe man gehört. Die Leute seien mit Dreschen beschäftigt gewesen;

deshalb habe niemand Zeit gehabt, die Grube zu besuchen. Der Verwalter

habe sich auch nicht sehen lassen; und die Arbeiter hätten aufgehört,

abends den Hof zu umkreisen. Es müsse also etwas geschehen sein.

Um sich Bescheid zu holen, ließ Carlsson anspannen; so nannte er es,

wenn er sich nach der Grube rudern ließ. Das Boot hatte er weiß

streichen und mit einem blauen Rande versehen lassen; und damit es

mehr herrenmäßig aussah, wenn er am Steuerruder saß, hatte er sich aus

einer alten Gardinenschnur eine Talje gemacht; nun konnte er beim

Steuern gerade sitzen. Auch hatten sich Rundqvist und Norman in

marinemäßigem Rudern üben müssen, damit es stattlich aussah, wenn er

angefahren kam.

Die Fahrt legten sie rasch zurück, da Neugier und Angst sie spornten.

Als sie auf die Höhe des Roggenholms kamen, erstaunten sie über die

Öde, die dort herrschte.

Es war still wie im Grabe und kein Mensch war zu sehen. Sie stiegen

ans Land und kletterten die Steintreppe zur Grube hinauf. Das Haus des

Verwalters war fort; alle Werkzeuge und Geräte verschwunden; nur die

Kaserne, wie der Schuppen genannt wurde, stand auf ihrem Platz, aber

ausgeräumt und geplündert; alles, was nicht niet- und nagelfest war,

hatte man mitgenommen: Türen, Fenster, Bänke, Betten.

-- Ich glaube beinahe, sie haben eingepackt! meinte Rundqvist.

-- Es sieht so aus! erwiderte Carlsson und ließ wieder anspannen; aber

dieses Mal ging's nach dem Badeort Dalarö; dort mußte ein Brief für

ihn auf der Post liegen.

Ganz richtig, dort lag ein großer Brief vom Direktor, der verkündete,

die Gesellschaft habe ihre Tätigkeit eingestellt, weil sich das

Rohmaterial als untauglich erwiesen habe. Da Carlssons Forderung von

viertausend Kronen sich gerade gegen die vierzig Aktien aufhebe, die

er bisher noch nicht eingezahlt, so seien alle Geschäfte zwischen der

Gesellschaft und Carlsson erledigt.

-- Also um viertausend geprellt, dachte Carlsson. Nun, man muß sich

zufrieden geben.

Er besaß die Natur eines Seevogels, wenn er auch vom Lande war; er

schüttelte sich und war ebenso trocken wie vorher. Noch trockener

fühlte er sich, als er in einer Nachschrift las, alles, was man

zurückgelassen, falle den Inselbauern zu, wenn sie Lust hätten, es

fortzuschaffen.

Etwas kleinlaut kam Carlsson wieder zu Hause an, einer Menge Geldes

und eines ehrenvollen Titels beraubt.

Gustav wollte Salz in die Wunde streuen, aber Carlsson machte mit

einer Gebärde einen großen Strich durch alles.

-- Ach, das ist nicht der Rede wert! Darüber braucht man kein Wort zu

verlieren.

Aber am nächsten Tage war er mit seinen drei Mann in voller Tätigkeit,

um mit der großen Fähre Bretter und Ziegel vom Roggenholm zu holen.

Ehe man sich's versah, hatte er sich ein Sommerhäuschen von einem

Zimmer nebst Küche errichtet; und zwar unten am Sunde, an einer

Stelle, an die niemand gedacht, von der man aber eine Aussicht sowohl

aufs Dorf wie aufs offene Meer hatte.

Der Sommer mit seinen luftigen Träumen war vorbei. Der Winter nahte;

die Luft wurde schwerer, die Träume düsterer, und die Wirklichkeit

nahm ein neues Aussehen an, heller für die einen, drohender für die

andern.

Die Inselbauern; oder, Die Leute auf Hemsö · 第 17 / 18 题