19. „ Massaker in Urfa.

Ich führe hier nur die Hauptplätze an mit den Daten, an denen sie von

den Konsuln gemeldet wurden. Die Verschickung betraf aber nicht nur

diese Plätze, sondern die gesamte armenische Stadt- und Landbevölkerung

in Ost- und Westanatolien, Cilicien und Mesopotamien (mit Ausnahme von

Konstantinopel, Smyrna und Aleppo), im ganzen 1400000 Armenier, Männer,

Frauen und Kinder.

Die Ausweisung wurde in der Regel nur wenige Tage oder Stunden vorher

angekündigt. Die Ausgewiesenen mußten alle ihre Habe, Häuser, Äcker,

Vieh, Hausgerät, Werkzeuge, zurücklassen. Die Deportation war zugleich

eine Gesamtkonfiskation des armenischen Volksvermögens. Wo erlaubt

wurde, Wagen oder Transporttiere mitzunehmen, wurden sie den Emigranten

von den begleitenden Gendarmen auf dem Wege wieder abgenommen.

Ebenso Geld, Schmucksachen und was sich sonst noch in ihren Händen

befand. Die Männer wurden von Frauen und Kindern getrennt, abseits

geführt und getötet. Die jüngeren Frauen und Mädchen, auch Kinder, in

türkische Harems und kurdische Dörfer verkauft oder verschleppt. Was

nach monatelangen Wanderungen am Verschickungsziel, den Rändern der

arabischen Wüste, ankam, waren Haufen von zerlumpten, ausgehungerten,

bettelarmen Menschen, meist nur Greise, ältere Frauen und Kinder.

Am 31. August erklärt Talaat Pascha dem stellvertretenden deutschen

Botschafter ~Fürst Hohenlohe-Langenburg~[11] -- wenn auch in

anderem Sinne -- „La question armenienne n’existe plus.“

Deutschland und Armenien, 1914-1918: Sammlung diplomatischer Aktenstücke · 第 36 / 134 题