Ich führe hier nur die Hauptplätze an mit den Daten, an denen sie von
den Konsuln gemeldet wurden. Die Verschickung betraf aber nicht nur
diese Plätze, sondern die gesamte armenische Stadt- und Landbevölkerung
in Ost- und Westanatolien, Cilicien und Mesopotamien (mit Ausnahme von
Konstantinopel, Smyrna und Aleppo), im ganzen 1400000 Armenier, Männer,
Frauen und Kinder.
Die Ausweisung wurde in der Regel nur wenige Tage oder Stunden vorher
angekündigt. Die Ausgewiesenen mußten alle ihre Habe, Häuser, Äcker,
Vieh, Hausgerät, Werkzeuge, zurücklassen. Die Deportation war zugleich
eine Gesamtkonfiskation des armenischen Volksvermögens. Wo erlaubt
wurde, Wagen oder Transporttiere mitzunehmen, wurden sie den Emigranten
von den begleitenden Gendarmen auf dem Wege wieder abgenommen.
Ebenso Geld, Schmucksachen und was sich sonst noch in ihren Händen
befand. Die Männer wurden von Frauen und Kindern getrennt, abseits
geführt und getötet. Die jüngeren Frauen und Mädchen, auch Kinder, in
türkische Harems und kurdische Dörfer verkauft oder verschleppt. Was
nach monatelangen Wanderungen am Verschickungsziel, den Rändern der
arabischen Wüste, ankam, waren Haufen von zerlumpten, ausgehungerten,
bettelarmen Menschen, meist nur Greise, ältere Frauen und Kinder.
Am 31. August erklärt Talaat Pascha dem stellvertretenden deutschen
Botschafter ~Fürst Hohenlohe-Langenburg~[11] -- wenn auch in
anderem Sinne -- „La question armenienne n’existe plus.“