Ebensowenig ist es England gelungen, die deutsche Handelsflotte zu

vernichten. Wäre es vom ersten Tage an auf die Seite unserer Gegner

getreten, vielleicht hätte es große Erfolge nach dieser Richtung hin

erreichen können. So aber versuchte es in seiner alten Heuchelei

den Anschein des Friedensvermittlers zu erwecken, verhandelte über

Belgiens Neutralität, die ihm innerlich ganz gleichgültig war, um dann

als das moralische Gewissen der Welt in die Arena zu treten. Herr

Ballin wußte, weshalb er die „Vaterland” von Neuyork nicht abfahren

ließ, weshalb der „Imperator” im Hafen von Hamburg liegen blieb.

Wir wissen nicht, wie groß die Verluste sind, die England unserer

Handelsflotte zugefügt hat, wohl aber wissen wir, wie groß der Inhalt

derjenigen Schiffe ist, welche die „Emden” aufgebracht hat, welche die

„Karlsruhe” zum Sinken brachte und welche durch andere Hilfskreuzer

Deutschlands vernichtet wurden. Auf 1,9 % der englischen Handelsflotte

hat man im englischen Parlament Ende 1914 die Verluste der englischen

Handelsflotte angegeben, sicherlich wird man dabei nicht zuviel

gerechnet haben. Legen wir aber selbst diese englische Berechnung

zugrunde, so wurde sich doch daraus allein ein Verlust von englischen

Schiffen in Höhe von etwa 250000 ~t~ ergeben. Im August 1914 sanken

sieben britische Dampfer mit 35742 ~t~, im September 15 Dampfer mit

61055 ~t~, im Oktober 22 Dampfer mit 89591 ~t~. ~Vivant sequentes!~

Seit dem 18. Februar 1915 ist Deutschland auf den Weg getreten, den

der Staatssekretär von Tirpitz in der Unterredung mit dem Vertreter

der ~United Press~ gewiesen und durch die Vernichtung des „Bulwark”

durchzuführen bereits begonnen hat, die feindlichen Handelsschiffe

durch seine Unterseeboote zu vernichten. Erfüllen sich die auf

diese Aktion gesetzten Hoffnungen, dann wird am Ende des Krieges

voraussichtlich auf Englands Seite der größere Verlust zu buchen sein.

Deutschlands Handelsflotte hat große Einbuße erlitten, aber daß sie

groß auch nach dem Kriege dastehen wird, und daß nach dem Kriege die

größten Schiffe der Welt nach wie vor unter deutscher Flagge fahren

werden, liegt nach dem ganzen Stand der Dinge klar zutage.

Das meiste aber haben sich die Engländer von einem rücksichtslosen

Vorgehen gegen die deutschen wirtschaftlichen Interessen versprochen.

In England war kurz nach dem Ausbruch des Krieges eine Verordnung in

Kraft getreten, wodurch der Handel mit dem Feinde verboten wurde. Keine

Geldsumme durfte an den Feind oder an feindliche Gesellschaften gezahlt

werden, keine Vergleiche geschlossen, keine Sicherheit für die Zahlung

einer Schuld gegeben, keine Handlung zu seinen Gunsten, wie Trassieren,

Akzeptieren usw. begangen werden. Lebens- oder andere Versicherungen

mit oder zu Gunsten des Feindes konnten nicht abgeschlossen werden,

die Zufuhr von Waren oder der Bezug von Waren war ausgeschlossen.

Bestimmungen über die völlige oder teilweise Beseitigung von Patenten

und Marken, die für Deutschland geschützt waren, wurden getroffen. Die

deutschen Unternehmungen in England wurden unter staatliche Aufsicht

gestellt und teilweise in gehässiger Weise liquidiert.

England hat weiter Maßnahmen getroffen, um nicht nur die deutschen

Unternehmungen in England lahmzulegen, sondern auch alle englischen

Betriebe, in denen Deutsche beschäftigt waren, zur Entlassung derselben

gezwungen. Es hat die englischen Firmen von den Vertragsverpflichtungen

gegen Deutschland entbunden, es hat die Hausbesitzer entbunden von der

Verpflichtung der Einhaltung der Mietsverträge, und es hat vom ersten

Augenblick an den wirtschaftlichen Krieg gegen Deutschland auf eigenem

Grund und Boden in unfairer Weise geführt.

Deutschland ist mit Gegenmaßregeln gegen England erst vorgegangen,

als die öffentliche Meinung dies gebieterisch verlangte. Inwieweit

die deutschen Interessen durch das Vorgehen Englands geschädigt

sind, läßt sich bis heute noch nicht übersehen, unzweifelhaft ist

eine Schädigung der deutschen Volkswirtschaft dadurch herbeigeführt

worden, daß Forderungen an England uneinbringlich sind, daß somit

deutsche Unternehmungen, die Geschäfte mit England treiben, heute über

Außenstände verfügen, deren Einbringung derzeit unmöglich ist. Ebenso

sind unzweifelhaft alle diejenigen Unternehmungen geschädigt, welche in

England domizilieren, und es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß die

Zahl der deutschen Gesellschaften in England ebenso wie die Zahl der in

England lebenden Deutschen weit größer ist als die der in Deutschland

lebenden Engländer oder der englischen Unternehmungen in Deutschland.

Schon heute zeigt sich aber, daß Deutschland die Folgen dieser

Maßnahmen überwunden hat, und zwar überwunden durch die

Kreditorganisationen, die es sich bei Beginn des Krieges schuf und die

unter anderen in den begründeten Kriegskreditbanken Unternehmungen

entstehen ließen, welche deutsche Forderungen gegen England als

Unterlage für einen zu gewährenden Kredit annehmen und damit die

englischen Maßnahmen zum Teil illusorisch machen. Bedauerlich ist es,

daß in manchen Fällen die Gegenmaßnahmen Deutschlands deshalb unwirksam

bleiben mußten, weil die deutscherseits bestellten Staatskommissare

sich mit einer allzugroßen Anpassungsfähigkeit nicht als Vertreter der

deutschen Interessen, sondern als Vertreter der ihnen unterstellten

Gesellschaften fühlten. Bedauerlich war ebenso die Bereitwilligkeit,

manche englische Gesellschaften in deutsche umzuwandeln, anstatt die

Engländer, um ein Wort Bismarcks anläßlich der Belagerung von Paris zu

gebrauchen, „in ihrem eigenen Fett schmoren zu lassen”. Wenn zeitweise

deutsche Staatskommissare auftraten, um die Forderungen englischer

Niederlassungen gegen deutsche Firmen einzutreiben, und wenn deutsche

Gerichte gar die von einer deutschen Firma erbetene Frist von drei

Monaten zur Bezahlung der Schuld nicht genehmigten, und wenn bis heute

nicht Vorsorge getroffen ist, daß man mindestens solche Forderungen

mit Forderungen an England zahlen kann, so zeigt das eine bedenkliche

Lücke in unseren Gegenmaßregeln, die ebenso unbedingt ausgefüllt

werden muß, wie für einen Ausgleich zwischen deutschen Gläubigern

und Schuldnern gegenüber England Sorge zu tragen ist. Englands

Ausfuhr nach Deutschland betrug im Jahre 1913 (nach der deutschen

Handelsstatistik) 876,1 Millionen Mark, die Einfuhr deutscher Waren

nach England 1438 Millionen Mark, die Ausfuhr Englands _und seiner

Kolonien_ nach Deutschland betrug jedoch im Jahre 1913 2090 Millionen

Mark, die Einfuhr deutscher Waren dahin 1849 Millionen Mark. Nimmt

man diese Zahlen als Grundlage, so wird man immerhin erkennen, daß

durch die gegenseitig getroffenen Maßnahmen doch auch die englischen

Gläubiger Deutschlands mitbetroffen sind, so daß sich auch hier

deutsche Forderungen zum Teil ausgleichen dürften.

Völlig versagt hat aber schließlich die Hoffnung Englands, sich während

der Zeit des Krieges gewissermaßen die Kundschaft Deutschlands --

nebenbei vielleicht, wie bekannt gewordene englische Offerten nach

Südamerika zeigen, auch die des mit ihm verbündeten Frankreich --

anzueignen und Deutschland vom Weltmarkt zu verdrängen. Wenn man die

Grundlagen der deutschen Beherrschung des Weltmarktes sich vor Augen

hält, so muß man sich von vornherein sagen, daß eine Vernichtung des

deutschen Handels gar nicht möglich ist. Die Eigenschaften, welche

dem Deutschen trotz mancher Ungunst seine Stellung im Welthandel

erobert hat, lassen sich nicht in wenigen Monaten adoptieren. Wenn

man in London unter Vorsitz Lord Haldanes das Problem studieren will,

wie man den Vorsprung Deutschlands auf dem Gebiete der chemischen

Industrie wettmachen könne, wenn man Ausstellungen von deutschen Waren

veranstaltet, um die englische Industrie zur Nachahmung zu veranlassen,

so vergißt man, daß man den Vorsprung deutscher Wissenschaft nicht

durch Konferenzen einholen kann, und daß man weiter gegen die ganze

konservative Natur des englischen Volkes ankämpfen müßte, wenn man

es mit den Eigenschaften ausstatten will, die dem deutschen Volk den

Vorsprung geschaffen haben. Für die mit so großem Lärm angekündigte

Gründung einer Anilinfarbenfabrik mit 60 Millionen Mark Kapital fehlen

die Aktienzeichner, weil, wie aus dem Gutachten der Handelskammer in

Leeds und des Economist sich ergab, man sich dessen bewußt ist, daß

mit Kapital allein ein auf deutscher Wissenschaftlichkeit beruhender

Vorsprung nicht einzuholen ist. Ebenso dürfte die in Aussicht genommene

Übertragung der Leipziger Messe nach London oder Birmingham ein frommer

Wunsch bleiben. Leipzigs Weltstellung als Handelsplatz ist durch

jahrhundertelange Tradition ebenso begründet wie durch Deutschlands

Stellung auf dem Weltmarkt, während Londons Markt beispielsweise in

bezug auf seine Stellung für die Weltnotierung vieler Metalle (Rohzink,

Blei) sich nur auf die Tradition berufen kann, während es in der

Produktion hinter den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland

steht. Auch die angekündigte Entsendung von Handelssachverständigen

nach Deutschland und Österreich-Ungarn, sowie die Veranstaltung von

Ausstellungen deutscher Erzeugnisse zum Zwecke der Nachahmung durch

englische Firmen, wie es in Birmingham geschah, dürfte vergeblich sein.

Was den Engländern in bezug auf den Welthandel in Jahrzehnten nicht

gelungen ist, wird ihnen jetzt auch nicht gelingen. Zudem darf England

nicht vergessen, daß ein Weltkrieg wie der jetzige auch alle Völker der

Welt in Mitleidenschaft zieht, so daß nirgends eine starke Kaufkraft

vorhanden ist, Neuinvestierungen von Kapital, Vergrößerung von

Unternehmungen werden nicht vorgenommen werden, solange der Weltkrieg

tobt. So wie mit einem Schlag alle Börsen der Welt ihre Tätigkeit

einstellten, weil der Pulsschlag des Wirtschaftslebens stockte, so wird

dies auch während der ganzen Kriegsdauer bleiben. Es kann sein, daß

Deutschland nach Beendigung des Krieges vielleicht in den feindlichen

Ländern zu leiden hat unter einer gewissen Boykottstimmung, die aus

dem namentlich durch die Beherrschung des Nachrichtendienstes durch

England genährten Haß hervorgeht, daß sich aber in den neutralen

Ländern, namentlich nachdem sich die Wahrheit über den Krieg mehr

und mehr durchsetzt, die Nachfrage nach deutschen Waren in demselben

Maße geltend machen wird wie bisher. Aus Liebe für uns hat uns noch

niemand etwas abgekauft, die Völker haben uns das abgekauft, was sie

mit demselben Preis und in derselben Qualität woanders nicht erhalten

konnten. Das war bisher so, das wird auch in Zukunft so bleiben.

Andererseits leidet neben dem deutschen Außenhandel schon jetzt der

englische ganz gewaltig. In den ersten drei Monaten nach Ausbruch

des Krieges ist Englands Außenhandel um mehr als zwei Milliarden

zurückgegangen, bis zum 31. Dezember hat sich diese Verminderung bis

auf 3½ Milliarden Mark, davon 1816 Millionen Mark in der Ausfuhr

gesteigert! Neben dem Ausfall des 2-Milliarden-Konsums Deutschlands

aus England und seinen Kolonien und der geminderten Kaufkraft der

neutralen Länder tritt vor allen Dingen zutage, daß die Wirkungen

des Krieges sich in den mit England verbündeten Ländern weit mehr

zeigt als irgendwo in der Welt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil von

Frankreich ist in deutschem Besitz, und ganz Belgien ist ebenfalls

von den Deutschen besetzt, die gesamte englische Ausfuhr nach Belgien

und Nordfrankreich sowie nach den übrigen besetzten Gebieten ist damit

erledigt. Aber auch das übrige Frankreich, dessen Rentner jetzt ihre

Zinszahlung auf russische Papiere aus französischen Taschen erhalten,

ist nicht mehr in der Lage, große Warenabschlüsse mit England zu

machen. Das gleiche gilt auch von Rußland. Die Ziffer der Verringerung

des englischen Welthandels zeigt bereits mit Sicherheit, daß England

sich auf abschüssiger Bahn befindet und daß seine Hoffnung auf

Erringung des Weltmarktes sich nach dieser Richtung nicht erfüllen

wird. Andererseits spürt England, das uns aushungern wollte, die

Preissteigerung aller Lebensmittel in seinem Innern, dazu steigen

die Frachtraten, namentlich seit der Unterseebootsblockade, ins

Ungemessene, und schon erwägt man auch in England die Festsetzung

von Höchstpreisen. Dazu tritt Rohstoffmangel in Zink, Indigo,

Chemikalien und anderen Stoffen. Daher jetzt die maßlose Brutalität,

mit der eine maßgebende englische Fachzeitschrift empfiehlt, daß die

verbündeten Heere, sobald sie nach dem Rheinland vorgedrungen sind,

alle industriellen Unternehmungen Deutschlands derartig zerstören

sollten, daß an einen Wiederaufbau derselben überhaupt nicht gedacht

werden könne. Ein Zeichen dafür, wie weit der wirtschaftliche Neid in

England die Triebfeder dieses Weltkrieges ist! -- und ein freundlicher

Wunsch, dem zur Erfüllung nur das eine fehlt, daß die verbündeten

Heere auf deutschem Boden ständen und nicht die Deutschen auf

französischem. Die weiteren Hoffnungen, Deutschland durch den Krieg

selbst volkswirtschaftlich zu schaden, sind völlig zuschanden geworden.

Jeder von uns, der das stark pulsierende Leben in Deutschland seit

Ausbruch des Krieges miterlebt hat, wird sich davon überzeugt haben.

Die Arbeitslosigkeit ist dauernd zurückgegangen. Manche große Bezirke,

und zwar nicht nur die Werkstätten von Krupp und die Werften in

Wilhelmshaven, sondern auch Industriebezirke wie Chemnitz, die zunächst

unter dem Krieg litten, arbeiten in angestrengtester Tätigkeit. Die

Milliardenaufträge der Militärlieferungen sind, wenn auch nicht immer

in die richtigen Hände, so doch in ihrer Gesamtheit der deutschen

Volkswirtschaft zugute gekommen.

Unsere gesamte Ausfuhr betrug 1913 etwas über 10 Milliarden Mark,

schon heute aber sind 10 Milliarden Mark für den Krieg bewilligt,

die in Aufträgen an die deutsche Industrie und die deutsche

Landwirtschaft wieder zum Ausdruck kommen, so daß die Ausfälle des

Außenhandels durch die Kriegslieferungen mehr als ausgeglichen sind.

Mögen die Staatsschulden des Reiches dadurch wachsen, die deutsche

Volkswirtschaft verliert nicht einen Pfennig von dieser gewaltigen

Summe, denn das Ausland ist an Militärlieferungen nur in ganz geringem

Maße beteiligt. Die vielen Millionen Mark an Gehältern und Löhnen, die

Summen, die von den deutschen Truppen in die Heimat zurückgeschickt

werden, haben zusammen mit den staatlichen Unterstützungen die

Kaufkraft der Bevölkerung fast ungeschwächt erhalten, und wer das Leben

und Treiben in den Weihnachtstagen in den deutschen Großstädten sah,

der konnte einen Unterschied zwischen den Dezembertagen 1914 und denen

von 1913 fast überhaupt nicht finden.

Wie stark die finanzielle Position Deutschlands ist, zeigt der

glänzende Erfolg der Kriegsanleihe, zeigt der fortgesetzt gesteigerte

Goldbestand der Reichsbank, der Ende Februar 1915 um 1 Milliarde

höher war als zu Beginn des Krieges, zeigt die Herabsetzung des

Reichsbankdiskonts um 1 % am Ende des Jahres. Wie sehr auf der

anderen Seite England gelitten hat, das geht aus den verschiedensten

Momenten hervor. Deutschland war Groß-Englands großer Abnehmer mit

2090 Millionen Mark. Frankreich, Rußland und Belgien haben insgesamt

1576,58 Millionen Mark sonst aus England allein bezogen, auch diese

Ausfuhr dürfte, wie vorher ausgeführt, zum großen Teil verloren sein.

Die ganze Textilindustrie leidet unter der Nichtzufuhr deutscher

Chemikalien ebenso wie unter dem Ausbleiben pharmazeutischer Mittel,

und von seinen Spindeln feiern etwa die Hälfte. Die äußerlich glänzende

finanzielle Position der Bank von England wird, wie Rießer ausführt,

auf den richtigen Stand zurückgeführt, wenn man bedenkt, daß die

Erhöhung des Goldbestandes nicht etwa zu Stande gekommen ist durch

den englischen Markt, sondern durch Überführung der Bestände der

Nationalbank in Brüssel sowie der Bank von Frankreich in Paris. Der

Umstand, daß England gezwungen war, ein Moratorium einzuführen, das

Deutschland vermeiden konnte, der Umstand weiter, daß am 2. August

der Diskont der Bank von England auf 10 % erhöht werden mußte, daß die

Golddeckung der Noten der Bank von England bis auf 15,8 % sank, zeigt am

besten, wie ungeheuerlich der Gedanke des Kriegs mit Deutschland den

englischen finanziellen Markt in Anspruch genommen hat. Die einzelnen

finanziellen Transaktionen Englands in bezug auf die Unterstützung

seiner Verbündeten durch Vorschüsse, in bezug auf Deckung der

englischen Anleihe durch Vorschüsse der Bank von England hat Rießer

in seinem Buch „England und wir” im einzelnen dargelegt, so daß sich

ein näheres Eingehen an dieser Stelle erübrigt. Schon heute aber sei

das eine gesagt, daß ebenso wie die ohne Grundlage festgehaltene

Tradition von Englands unüberwindlicher Flotte durch die Taten

deutscher Kreuzer zerstört worden ist, so auch die herrschende Stellung

der Bank von England zerstört worden ist und ebenso der Glaube an die

Unerschütterlichkeit des englischen Wirtschaftslebens. Schon steht

Neuyork bereit da, um die Erbschaft zu übernehmen; die „Times” selbst

muß neutrale Länder, welche Kapital suchen, auf den amerikanischen

Markt verweisen, und die amerikanische Zeitschrift „~The Commercial

and Financial Chronicle~” attestiert den englischen Freunden, „daß

_England_ wegen einer ganzen Reihe durch den Krieg hervorgerufener

Vorgänge _sein Ansehen und seine finanzielle Kraft verloren hat_”.

Wie die Verhältnisse in Deutschland selbst auf England wirken, zeigt

der Bericht, den die „Daily Mail” unter dem Titel „Deutschland von

innen gesehen” von einem nach Deutschland entsandten, wahrscheinlich

amerikanischen Berichterstatter schreiben läßt, und der als Ergebnis

seiner wochenlangen Beobachtungen die Stimmung in Deutschland wie

folgt niederschreibt: „Deutschland zeigt das Bild eines großen Landes,

geeint, wie es niemals früher in seiner Geschichte gewesen ist, voll

von Siegeszuversicht, weil es entschlossen ist zu siegen und dafür

organisiert ist, mit ungeheuren und, wie es glaubt, unerschöpflichen

Hilfsquellen von Menschen und Rüstungsvorräten, nicht erschüttert

durch schwere Verluste, nicht geschreckt und, abgesehen von wenigen

Fällen, auch fast nicht betroffen von dem wirtschaftlichen Druck der

britischen Seeherrschaft. Beherrscht von einem verzehrenden Haß gegen

England, alle seine geistige, körperliche und Willenskraft in den Kampf

hineinschleudernd, mit manchen Illusionen genährt, aber auch gestützt

von demselben Geist ausdauernder Opferwilligkeit, die Friedrich den

Großen triumphierend durch das glühende Gottesurteil des Siebenjährigen

Krieges brachte. Wir müssen Deutschland in diesen Eigenschaften der

Kühnheit und rücksichtslosen Ergebenheit, von denen es ein so weithin

leuchtendes Beispiel gibt, zunächst einmal gleichkommen und dann es

übertreffen.”

Wir sehen somit als Ergebnis, daß alle Versuche Englands, die vor

dem Kriege unternommen worden sind, um Deutschlands wirtschaftliche

Stellung auf dem Weltmarkte zu zerstören, abgeprallt sind an

der Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Nur das

Weltkolonialreich hält England überhaupt noch die Stellung an der

Spitze des Welthandels. Sein Gesetz „~Made in Germany~” vernichtete

nicht die deutsche Warenausfuhr, sondern wurde ein Ehrenzeichen, sein

Patentgesetz vermochte Unbequemlichkeiten zu verursachen, ohne die

erhoffte Wirkung auszuüben, seine Schiffahrtsubventionen brachten

ihm einen äußerlichen Erfolg, der durch die großen deutschen Schiffe

längst wettgemacht worden ist. Für den verschlossenen Handel mit

seinen Kolonien fanden wir andere Absatzgebiete in der Welt, seine

Maßnahmen gegen uns waren Nadelstiche, die uns hier und da trafen,

die aber nicht in der Lage waren, das mächtige Gebäude der deutschen

Volkswirtschaft zu schädigen. Es steht noch genau so festgefügt da und

wird so dastehen auch nach dem Kriege. Wir werden neue Wege finden,

wenn es England gelingen sollte, uns einen Teil unseres Exportes

abzunehmen; die Deutschen selbst werden in Zukunft hoffentlich auf

unnötige fremdländische Erzeugnisse gern verzichten, und die Affenliebe

des deutschen Volkes für das Ausländische um des Ausländischen wegen

wird einen starken Stoß erlitten haben. In der Möglichkeit einer

mitteleuropäischen Zollverständigung ist die Möglichkeit gegeben, ein

gewaltiges Wirtschaftsgebiet von 120-150 Millionen Einwohnern dem

~Greater Britain~ Chamberlains gegenüberzustellen und dadurch jeden

Schlag zu parieren, der etwa von England geplant sein sollte.

Auf politischem Gebiete aber muß dieser Krieg, der für Deutschland

nur siegreich enden kann, wenn es überhaupt noch eine Moral in der

Weltgeschichte gibt, das Ende der Monopolstellung Englands bringen.

England in Schach zu halten ist unsere politische Aufgabe, wenn wir der

Welt die Freiheit des Wirtschaftskampfes wiedergeben wollen, die unter

Englands Monopolherrschaft heute leidet. Wir erstreben für uns keine

Weltherrschaft, nicht die Unterdrückung anderer Völker, aber den freien

Weg in die Meere, deutsche Stützpunkte für die deutsche Flotte genau

so, wie englische für die englische Flotte bestehen, weitere Ausdehnung

des Kolonialbesitzes und im übrigen den freien Wettbewerb mit allen

Völkern der Erde ohne einseitige Vorzugsstellung für uns, aber auch

ohne Vorzugsstellung für andere Länder. Finden wir den Weg in diese

Freiheit, dann wird diese Freiheit, des sind wir sicher, in Zukunft im

Wirtschaftskampf zwischen England und Deutschland die erste Stelle im

Welthandel dem jungen deutschen Volke zuerkennen.

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| Anmerkungen zur Transkription |

| |

| Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen |

| gebräuchlich waren, wie: |

| |

| Bedarfes -- Bedarfs |

| inneren -- Innern |

| Krieges -- Kriegs |

| |

| Folgende Änderungen wurden vorgenommen: |

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| S. 16 „Kiautschau” in „Kiautschou” geändert. |

| S. 21 „Chikago” in „Chicago” geändert. |

| S. 21 „Rio Grande del Sul” in „Rio Grande do Sul” geändert. |

| S. 36 „Sowie” in „So wie” geändert. |

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Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland · 第 3 / 3 段