R = PV/T

gilt, so erhält R gleichfalls denselben Wert, wenn es sich um

molekulare Mengen der gelösten Stoffe handelt. Den Nachweis,

daß *Avogadros* Gesetz auch für Lösungen gilt, führte *van't

Hoff* wieder an den Versuchsergebnissen *Pfeffers*[543]. Aus den

Beobachtungen dieses Forschers berechnet sich die Konstante R für

eine 1%ige Zuckerlösung, in der sich ein Grammolekül Rohrzucker

(C_{12}H_{22}O_{11} = 342) befindet, zu 842. In diesem Falle stimmt

also die für den osmotischen Druck gefundene Konstante R mit der

Gaskonstanten soweit überein, als sich dies im Hinblick auf die

Versuchsfehler erwarten läßt. Der osmotische Druck des gelösten

Rohrzuckers erwies sich somit als ebensogroß wie der Gasdruck, den

die gelöste Substanz ausüben würde, wenn sie nach Entfernung des

Lösungsmittels den gleichen Raum bei gleicher Temperatur ausfüllte.

In der Bestimmung des osmotischen Druckes bietet sich also ein Mittel

dar, um das Molekulargewicht einer Substanz zu ermitteln, die sich

wie der Rohrzucker nicht unzersetzt in den gasförmigen Zustand

überführen läßt. Weitere, für den gleichen Zweck verwertbare Mittel

sind die Gefrierpunktserniedrigung und die Dampfdruckverminderung

der Lösung. Daß äquimolekulare Mengen verschiedener Stoffe den

Gefrierpunkt, sowie den Dampfdruck des Lösungsmittels um gleichviel

herabsetzen, hatte kurz vorher schon *Raoult* nachgewiesen. *Van't

Hoff* gelang es, die von *Raoult* auf empirischem Wege gefundenen

Regeln aus der Theorie vom osmotischen Druck abzuleiten und die

molekulare Gefrierpunktserniedrigung, die ein Stoff in einem gegebenen

Lösungsmittel hervorbringen muß, im voraus zu berechnen.

Nach der Aufstellung der *Avogadro*schen Regel hatte sich bekanntlich

für gewisse Stoffe ein von dieser Regel abweichendes Verhalten ergeben.

Die beobachteten Abweichungen hatten ihre Erklärung durch die Lehre

von der Dissoziation gefunden[544]. Danach zerfällt unter Umständen

ein Molekül in zwei oder mehr einfacher zusammengesetzte. Ähnliche

Abweichungen, wie sie das *Avogadro*sche Gesetz für gasförmige Stoffe

zeigt, hatte *van't Hoff* beobachtet, als er dies Gesetz auf den

gelösten Zustand ausdehnte. Er mußte daher der allgemeinen Fassung, die

er diesem Gesetze gab, sofort hinzufügen, daß der Formel

Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, IV. Band Das Emporblühen der modernen Naturwissenschaften seit der Entdeckung des Energieprinzips · 第 58 / 171 题