Voraussagungen Befunde

Atomgewicht 72 72,3

Spezif. Gewicht 5,5 5,47

Oxyd MO_{2} GeO_{2}

Spezif. Gewicht des letzteren 4,7 4,703

Chlorid MCl_{4}. GeCl_{4}

Siedepunkt des Chlorids unter 100° 86°

Fluorid MF_{4} GeF_{4}

Äthylverbindung M(C_{2}H_{5})_{4} Ge(C_{2}H_{5})_{4}

Siedepunkt der letzteren 160° 160°

In einigen Fällen sah sich *Mendelejeff* veranlaßt, kleine Änderungen

in der Reihenfolge der Elemente im Gegensatz zu den damals als gültig

anerkannten Atomgewichtsbestimmungen vorzunehmen. Spätere Nachprüfungen

führten dann zu einer zweiten glänzenden Bestätigung des periodischen

Gesetzes, indem sich die von *Mendelejeff* im Widerspruch mit den

damals geltenden Atomgewichten vorgenommenen Umstellungen als den

wahren Werten entsprechend erwiesen.

Welches ist nun die Ursache des so merkwürdigen periodischen Gesetzes?

Daß die Grundstoffe ihren Namen mit Recht tragen, ist danach sehr

zweifelhaft. Es ist nicht jeder eine Welt für sich, wie man früher

wohl glaubte, sondern sie bilden ein gesetzmäßig verknüpftes Ganzes.

Welch großartiges Problem bietet sich hier der Forschung dar! Darf

man doch hoffen, daß sich der Erkenntnis von der Einheit der Energie

die Zurückführung der bunten Schar der Elemente auf einen einzigen

Urstoff hinzugesellen wird, zumal nachdem die neuesten Ergebnisse der

Radiumforschung die Umwandlung eines Elementes in ein anderes dargetan

haben.

14. In der Spektralanalyse und in der Photographie entstehen die

wichtigsten neuzeitlichen Forschungsmittel.

Dem Grenzgebiete zwischen der Chemie und der Physik gehört die aus den

Forschungen eines *Fraunhofer*, *Brewster*, *Bunsen* und *Kirchhoff*

hervorgegangene Spektralanalyse an. Als ihre eigentlichen Schöpfer sind

die beiden zuletzt genannten Männer zu betrachten.

Der erste, der die Flammenfärbung zur Erkennung von Metallsalzen

benutzte, war der deutsche Chemiker *Marggraf*[457]. Er unterschied auf

diesem Wege die Natrium- von den Kaliumverbindungen. Auf den Gedanken,

das Licht gefärbter Flammen gleich dem Sonnenlichte durch das Prisma zu

zerlegen, war man gleichfalls schon im 18. Jahrhundert gekommen.

Auch die Veränderungen, welche das Licht erleidet, wenn es der

absorbierenden Wirkung verschiedener Substanzen unterworfen wird, hatte

man durch die prismatische Zerlegung des Lichtes kennen gelernt. So

fand *Brewster*[458], nachdem das Licht durch eine Schicht salpetriger

Säure gegangen war, in dem Spektrum viele hundert schwarze Streifen,

die auf eine völlige Absorption des Lichtes an den betreffenden

Stellen hindeuteten, obgleich das Gas nur schwach gefärbt war und dem

Lichte fast ungehinderten Durchgang zu gestatten schien. Ähnliche

Streifen hatte der Engländer *Wollaston*[459] wahrgenommen, als

er das Sonnenspektrum hinter einem schmalen Spalt erzeugte. Diese

Tatsache wurde von *Wollaston* jedoch nicht weiter verfolgt. Sie blieb

vereinzelt und mußte von dem deutschen Optiker *Fraunhofer* mehr als

ein Jahrzehnt später von neuem entdeckt werden.

*Fraunhofers* Lebensbild bietet dadurch ein besonderes Interesse,

daß es zeigt, wie sich durch die Verkettung von Verstand, Ausdauer

und Glück ein Menschenleben von ungewöhnlicher Bedeutung aus den

bescheidensten äußerlichen Verhältnissen heraus entwickeln kann.

*Joseph Fraunhofer* wurde 1787 in Bayern als zehntes Kind eines armen

Glasarbeiters geboren. Er kam zu einem Glasschleifer in die Lehre. Als

eines Tages das Haus seines Lehrherrn einstürzte, wurde *Fraunhofer*

unverletzt unter den Trümmern hervorgezogen. Diese Fügung lenkte die

Aufmerksamkeit einiger Menschenfreunde auf ihn. *Fraunhofer* wurde als

Optiker in ein optisch-mechanisches Geschäft aufgenommen. Dort verstand

er es, sich in kurzer Zeit zu einer leitenden Stellung emporzuarbeiten.

Er verbesserte die Fabrikationseinrichtungen, erfand die Herstellung

von Glasarten, die nahezu frei von Schlieren waren, kurz, er wirkte

bald bahnbrechend auf allen Gebieten der praktischen und befruchtend

auf dem der theoretischen Optik. Auch die Astronomie ist ihm zu Dank

verpflichtet, da es ihm gelang, dem achromatischen Fernrohr einen

ungeahnten Grad der Vollkommenheit zu verleihen. Mit Recht hat man

daher auf seinen Grabstein die Inschrift »Approximavit sidera«[460]

gesetzt. *Fraunhofer* starb 1826, nachdem er noch nicht das vierzigste

Lebensjahr vollendet hatte.

*Fraunhofer* hatte bei seiner Untersuchung[461] des Spektrums

zunächst Aufgaben der praktischen Optik im Auge. Für die Berechnung

der achromatischen Fernrohre ist nämlich eine genaue Kenntnis des

Brechungs- und Farbenzerstreuungsvermögens der zur Anwendung kommenden

Glasarten erforderlich. *Fraunhofer* suchte deshalb nach zuverlässigen

Methoden, um das Brechungs- und Zerstreuungsvermögen von Glassorten zu

ermitteln. Anfangs bemühte er sich, die Größe der Farbenzerstreuung

aus der Größe des Spektrums festzustellen, das ein Prisma von

bekanntem Brechungswinkel in einem verfinsterten Zimmer in bestimmter

Entfernung gab. Da indessen die Grenzen des Farbenbandes sich nicht

scharf genug ermitteln ließen, erhielt *Fraunhofer* auf diesem Wege

nur ungenaue Resultate. Aus dieser Verlegenheit gelangte er mit einem

Schlage heraus, als sich seine Aufmerksamkeit auf einen hellen, scharf

begrenzten Streifen richtete, der sich im Spektrum einer Öllampe oder

eines Talglichtes zwischen der roten und der gelben Farbe zeigte und

der, wie wir jetzt wissen, von einem Natriumgehalt dieser Substanzen

herrührt. Dieser helle Streifen befand sich stets an derselben Stelle

des Spektrums, so daß er als Vergleichspunkt für die verschiedenen

Glasarten dienen konnte.

Es lag nun der Gedanke nahe, nach einem ähnlichen, scharf

hervortretenden Vergleichsobjekt im Sonnenspektrum zu suchen. Anstatt

eines solchen erblickte *Fraunhofer* aber mit dem bewaffneten Auge zu

seiner großen Überraschung fast unzählig viele, starke und schwache,

vertikale dunkle Linien. Verbreiterte er den Spalt, durch den das

Sonnenlicht auf das Prisma fiel, so wurden die Linien undeutlich.

Endlich verschwanden sie ganz, was er daraus erklärte, daß bei einer

breiteren Öffnung das Licht nicht mehr als ein Strahl anzusehen sei.

*Fraunhofer* überzeugte sich, indem er verschiedene brechende Medien

wählte, daß die später nach ihm benannten Linien wirklich in der Natur

des Sonnenlichtes ihren Grund haben und nicht etwa durch Beugung

hervorgerufen werden oder gar auf einer Sinnestäuschung beruhen.

Ließ er das Licht einer Lampe durch die schmale Öffnung fallen, so

zeigte sich nämlich keine derartige Linie, während das von der Venus

ausgehende Licht sie alle enthielt -- gleichzeitig ein Beweis, daß

ein Planet im reflektierten Sonnenlicht erglänzt. In den Spektren der

Fixsterne entdeckte *Fraunhofer* gleichfalls Streifen. Doch stimmten

diese Streifen, was Lage und Beschaffenheit betraf, mit den Linien des

Sonnenspektrums nicht überein. Auch schienen ihm die Fixsternspektren

unter sich Verschiedenheiten aufzuweisen. So fand er im Spektrum

des Sirius drei breite Streifen, durch welche sich dieses Spektrum

von dem der Sonne auffallend unterschied. Die stärksten Linien des

Sonnenspektrums, die später wieder in Gruppen von Linien aufgelöst

wurden, bezeichnete *Fraunhofer* durch große Buchstaben (siehe Abb.

45). A befindet sich im Rot, H im Violett, D an der Grenze von Orange

und Gelb usw.

In dem Raum zwischen B und C zählte *Fraunhofer* 9 feine, scharf

begrenzte Linien. Zwischen C und D bemerkte er deren dreißig. Die

Linie D zeigte sich aus zwei starken Linien zusammengesetzt, welche

durch einen schmalen hellen Streifen getrennt waren. Zwischen D und

E erblickte *Fraunhofer* 84 Linien von verschiedener Schärfe; und in

dem gesamten Raume zwischen B und H vermochte er sogar 574 Linien zu

zählen. Von diesen hat er nur die kräftigeren in seiner Zeichnung

angedeutet.

Von großer Tragweite war *Fraunhofers* Beobachtung, daß das Licht

der Lampe eine helle Linie aufweist, die mit den beiden D-Linien des

Sonnenspektrums zusammenfällt[462]. *Fraunhofer* schloß daraus, daß

»der Exponent des Brechungsverhältnisses für den Strahl D mit dem

Exponenten für die helle Linie einerlei ist«. Der Nachweis, daß diese

helle Linie durch eine Spur von Natrium hervorgerufen wird, sowie die

Beantwortung der Frage, weshalb sie mit den D-Linien zusammenfällt,

blieb *Kirchhoff* und *Bunsen* vorbehalten, die auf der von

*Fraunhofer* und einigen anderen Forschern geschaffenen Grundlage seit

1859 die Spektralanalyse zu einem Forschungsmittel allerersten Ranges

entwickelt haben.

[Illustration: Abb. 45. *Fraunhofers* Zeichnung der von ihm im

Sonnenspektrum gefundenen dunklen Linien (Denkschriften der Münchener

Akademie von 1814/15, Tab. II, Fig. 5).]

Der Gedanke, die von *Fraunhofer* mit solch glücklichem Erfolge

betriebenen Spektraluntersuchungen für die chemische Analyse zu

verwerten, ging von *Gustav Kirchhoff* aus. Dieser machte als junger

Physikprofessor seinem Amtsgenossen *Bunsen*, der die Flammenfärbungen

verschiedener Salze zum Nachweis der Metalle benutzte, den Vorschlag,

anstatt die Flammen durch farbige Gläser und durch Lösungen zu

betrachten, lieber ein Prisma anzuwenden. Beide Männer vereinigten

sich zur Ausführung dieses Gedankens. Zunächst schufen sie einen für

ihre Zwecke geeigneten Apparat, das Spektroskop, das Abb. 46 in seiner

ursprünglichen, ihm von den Erfindern verliehenen Form darstellt.

[Illustration: Abb. 46. Das erste, von *Kirchhoff* und *Bunsen*

konstruierte Spektroskop[463].]

A ist ein innen geschwärzter Kasten, der auf drei Füßen ruht. Die

beiden schiefen Seitenwände des Kastens tragen die kleinen Fernrohre

B und C. Die Okularlinsen des Rohres B sind entfernt und durch eine

Platte ersetzt, in der sich ein aus zwei Messingschneiden gebildeter

Spalt befindet. Der Spalt ist in den Brennpunkt der Objektivlinse

eingestellt. Vor dem Spalt wurde die Lampe D so aufgestellt, daß der

Saum ihrer Flamme von der Achse des Rohres B getroffen wurde. Etwas

unterhalb der Stelle, wo die Achse den Saum traf, brachte man das

zu einem kleinen Öhr gebogene Ende eines sehr feinen Platindrahtes.

Diesem Öhr wurde eine Perle der zu untersuchenden Chlorverbindung

angeschmolzen. Zwischen den Objektiven der Fernrohre B und C befindet

sich ein Hohlprisma F mit einem brechenden Winkel von 60°, das

mit Schwefelkohlenstoff gefüllt ist. Das Prisma ruht auf einer

Messingplatte, die um eine vertikale Achse drehbar ist. Diese Achse

trägt an ihrem unteren Ende den Spiegel G und darüber den Arm H, der

als Handhabe dient, um das Prisma und den Spiegel zu drehen. Gegen den

Spiegel ist ein kleines Fernrohr gerichtet, das dem hindurchblickenden

Auge das Spiegelbild einer in geringer Entfernung aufgestellten

horizontalen Skala zeigt. Durch Drehung des Prismas konnte man das

ganze Spektrum der Flamme an dem Vertikalfaden des Fernrohrs C

vorbeiführen und jede Stelle des Spektrums mit diesem Faden zur Deckung

bringen. Einer jeden Stelle des Spektrums entsprach eine an der Skala

zu machende Ablesung[464].

[Illustration:

Dannemann, Entwicklung Band. IV. zu S. 312.

Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, IV. Band Das Emporblühen der modernen Naturwissenschaften seit der Entdeckung des Energieprinzips · 第 44 / 171 题