Den zuletzt geschilderten entwicklungsgeschichtlichen Untersuchungen
gebührt nicht nur das Verdienst, daß sie eine festere Begründung des
natürlichen Systems der Pflanzen und der Tiere ermöglichten, sie haben
den Blick auch über das Werden des Einzelwesens hinaus auf die Frage
nach der Entstehung der Art, ja des gesamten so mannigfach gegliederten
Systemes selbst gelenkt.
Schon im 18. Jahrhundert machte sich gegen den starren Artbegriff,
der *Linné* bei dem Ausbau seines Systems geleitet hatte, Einspruch
geltend. Dem Gedanken *Linnés*, daß so viel Arten vorhanden seien,
als Gott im Anbeginn geschaffen habe, stellte *Buffon* die Ansicht
gegenüber, daß das System eine vom Menschen geschaffene Abstraktion
sei[347]. In der Natur gibt es nach ihm nur Individuen und das, was wir
Arten, Gattungen, Ordnungen und Klassen nennen, sind eben nichts weiter
als Begriffe, die der Mensch geschaffen. Diese Auffassung *Buffons*
stand zu der im 18. Jahrhundert herrschenden Systematik im schroffsten
Widerspruche. Seine Bemerkungen über das Wesen der Art und des Systems
wurden daher von den meisten Zeitgenossen nur als geistreiche Einfälle
betrachtet.
Eine Weiterbildung erfuhren die Gedanken *Buffons* vor allem durch *St.
Hilaire* und *Lamarck*, doch vermochten die Bemühungen dieser Männer
gegenüber der Autorität eines *Cuvier*[348], nach dessen Ansicht die
Fauna und die Flora einer jeden geologischen Periode neu erschaffen
sein sollte, nicht Stand zu halten.
*St. Hilaire*[349] bekämpfte mit großer Entschiedenheit die Ansicht,
daß die Arten geschaffen seien und sich unverändert erhalten
hätten. Nach ihm waren sie steten, langsamen Änderungen unterworfen,
deren Ursache er in dem Wechsel der Lebensbedingungen erblickte.
Beispielsweise sollten die Vögel aus den Eidechsen infolge der
allmählichen Verminderung des Kohlendioxydgehalts der Luft und ihrer
Anreicherung mit Sauerstoff entstanden sein.
Diese infolge der Ablagerung der Steinkohle eingetretene Änderung
der Atmosphäre hat nach *St. Hilaire* die bei den Vögeln beobachtete
höhere Bluttemperatur und kräftigere Muskeltätigkeit zur Folge gehabt.
Um seine Ansicht zu bekräftigen, bemühte sich *St. Hilaire*, den
Einfluß der Lebensbedingungen durch Versuche nachzuweisen. So gelang es
beispielsweise, permanente Larven des Wassersalamanders zu erhalten.
Während *St. Hilaire* die Ursache der Artenbildung in den Änderungen
der Umwelt erblickte, erklärte der gleichfalls durch *Buffons*
Spekulationen angeregte *Lamarck*[350] die Entstehung neuer Arten
ebenso einseitig aus dem Gebrauch und Nichtgebrauch der Organe,
also aus dem Verhalten des Organismus selbst. Durch den Gebrauch
eines Organes wird sein Wachstum gefördert, durch den Nichtgebrauch
verkümmert es. Genügend lange Zeiträume, eine gewisse Variabilität
der Formen, Veränderung der Gewohnheiten, der äußeren Einflüsse
und die Vererbung geringer erworbener Abänderungen: Das sind nach
*Lamarck*[351] diejenigen Faktoren, die in erster Linie das Entstehen
neuer Formen aus den vorausgegangenen bewirkt haben. Die Form ist
also nicht etwa ursprünglich auf die Lebensweise eingerichtet. Es
verhält sich vielmehr gerade umgekehrt, indem die Form erst infolge der
Anforderungen, welche die Umwelt an die Organismen stellt, entstanden
ist. Dies Entstehen ist nach *Lamarck* auf eine nach mechanischen
Prinzipien wirkende Reaktion des Organismus gegenüber den Einflüssen
der Außenwelt zurückzuführen. Recht klar kommt diese Auffassung in
folgenden Worten zum Ausdruck: »Nicht die Form des Körpers oder seiner
Teile bestimmt die Gewohnheiten und die Lebensweise des Tieres,
sondern es sind im Gegenteil die Gewohnheiten, die Lebensweise und alle
anderen einwirkenden Umstände, die mit der Zeit die Form des Körpers
und seiner Organe gebildet haben. Mit neuen Formen wurden dann neue
Fähigkeiten erlangt. Auf diese Weise hat die Natur die Lebewelt so
gestaltet, wie wir sie heute erblicken[352].«
Sämtliche Arten sind nach *Lamarck* also wirklich miteinander verwandt.
Eine solche Blutsverwandtschaft läßt sich nicht als eine von der
niedrigsten Form zur höchsten fortschreitende Reihe, sondern nur nach
dem Muster eines Stammbaumes darstellen. *Lamarck* war der erste, der
sich dieser Art der natürlichen Anordnung der Organismen bediente. Die
niedrigsten Tiere und Pflanzen sind nach *Lamarck* durch Urzeugung
entstanden. Die Entwicklung der höheren Tierformen setzte an zwei
Punkten ein, nämlich bei den Infusorien und bei den Würmern. Einen
Beweis für seine Lehren erblickte *Lamarck* in den Übergangsformen,
die von den fossilen Arten eines Kreises mitunter zu den lebenden
hinüberführen. Sehr deutlich ließ sich dieser Übergang, wie *Lamarck*
nachwies, z. B. bei den Mollusken erkennen.
An Beispielen dafür, wie der Gebrauch der Organe die Entwicklung einer
Form bestimmt hat, ist in *Lamarcks* Werken kein Mangel. Erwähnt sei
z. B., daß sich die Schwimmhäute durch die Anpassung an das Leben im
Wasser entwickelt haben sollen. Die lange Zunge der Spechte oder des
Ameisenfressers wurde auf die Art der Nahrungsaufnahme zurückgeführt.
Die ausgedehnte Lunge der Vögel und die damit in Verbindung stehende
erhöhte Atmungsfähigkeit faßte *Lamarck* als eine Anpassung an die
Bedingungen des Vogelfluges auf, während *St. Hilaire*, wie schon
erwähnt, Änderungen in der Beschaffenheit der Atmosphäre als die
Ursache für den Übergang gewisser Tierformen vom Land- zum Luftleben
betrachtete.
Der Gedanke, daß die Arten nicht konstant, sondern durch allmähliche
Umbildung aus älteren Formen hervorgegangen seien, wurde, wie aus dem
Gesagten hervorgeht, von *Lamarck* mit voller Klarheit entwickelt und
mit vielen Gründen belegt. Doch waren die von ihm hervorgehobenen
Momente nicht ausreichend, um die Zeitgenossen zu überzeugen. Den
meisten unter ihnen galt der Mann, der als der eigentliche Begründer
der Deszendenztheorie bezeichnet werden muß, als ein Phantast[353].
Manche seiner Ansichten, wie z. B. diejenige, daß der lange Hals der
Giraffe von dem beständigen Hinaufrecken nach dem Laube der Bäume
herrühre, wurden geradezu verspottet. Dennoch blieb das Problem,
den Grund für die Verwandtschaft und die während der geologischen
Entwicklung bewahrte Kontinuität der Lebewelt zu finden, nachdem es
einmal aufgeworfen, die Triebfeder, die zu fortgesetzter Spekulation
und Beobachtung angeregt und endlich zu einer insofern wenigstens
befriedigenden Lösung geführt hat, als der Transformismus den meisten
heute nicht mehr eine unsichere Hypothese, sondern eine festbegründete
Theorie ist.
Etwa zur selben Zeit als *Lamarck* seine Lehre entwickelte äußerte
auch der Deutsche *Blumenbach*, dem wir die Einteilung des
Menschengeschlechts in fünf Hauptrassen verdanken, Zweifel an der Lehre
von der Konstanz der Arten. *Blumenbach* ging von einigen geschichtlich
beglaubigten Fällen des gänzlichen Verschwindens einer Art aus. Er
bemerkt dazu, es sei mehr als wahrscheinlich, daß nicht die eine oder
die andere Art, sondern die ganze, vor dem Auftreten des Menschen
vorhanden gewesene Schöpfung untergegangen sei[354]. Einen Beweis dafür
erblickte er besonders in den hunderten von fossilen Ammonitenarten,
von denen man in der heutigen Schöpfung kein lebendes Exemplar mehr
findet.
*Blumenbach* ist zwar geneigt, in der Entwicklung der organischen
Welt Katastrophen anzunehmen, nach deren Beendigung die Natur neue
organische Bildungen hervorgebracht habe. Er ist aber andererseits
auch nicht abgeneigt, das Aussterben von Arten und die Entstehung
neuer Arten aus einer »Veränderlichkeit oder Unbeständigkeit der
Natur« zu erklären. Zu den auffallendsten Beweisen für eine solche
Veränderlichkeit rechnet *Blumenbach* die Entstehung von Spielarten.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts habe man z. B. keine andere Tulpe
in Europa gekannt als die gemeine gelbe Stammart. Und keine 200 Jahre
später habe ein Liebhaber dieser Pflanze 3000 verschiedene Spielarten
zusammenbringen können[355].
Die wichtigsten Ursachen der Abänderung erblickte *Blumenbach* im
Klima, in der Nahrung und in der Lebensweise. Durch Wanderungen der
Organismen könnten diese Einflüsse sich ändern, und »so habe es
gar nichts gegen sich, daß in der Gesamtflora und Fauna Gattungen
aussterben und neue entstehen.«
Die Lehre von einer allmählichen Entwicklung der Lebewelt
hatte, noch bevor *Darwin* mit seiner Theorie hervortrat, auch
durch die vergleichende und vor allem durch die genetische
Untersuchung der lebenden Formen eine wichtige Grundlage erhalten.
Es geschah dies besonders durch die von *Nägeli* ins Leben
gerufene und von *Hofmeister* mit dem größten Erfolge angewandte
entwicklungsgeschichtliche Methode. Sie besteht darin, die Entstehung
des Einzelwesens aus dem Ei oder der Spore in seinem Aufbau von
Zelle zu Zelle mit dem Mikroskop zu verfolgen und alle Stadien der
Entwicklung auf Zellteilungen und die Anordnung der entstandenen
Elemente zurückzuführen. Nur auf diesem Wege war es möglich, in die
verwandtschaftlichen Beziehungen (Verwandtschaft hier zunächst im
älteren, bildlichen Sinne verstanden) der niederen zu den höheren
Formen einzudringen. Den Nachweis, daß eine solche Verwandtschaft
z. B. die früher als etwas ganz Getrenntes betrachteten Gruppen der
Moose, Farne, Schachtelhalme, Koniferen und Blütenpflanzen verbindet,
führte *Hofmeister*. Dieser Nachweis ist das Hauptergebnis seiner
»Vergleichenden Untersuchungen über die Keimung der höheren Kryptogamen
und die Samenbildung der Koniferen«[356].
Der gemeinsame Grundzug, der nach *Hofmeisters* Befunden die großen
Gruppen des Pflanzenreiches beherrscht, besteht in dem periodischen
Wechsel zwischen einer geschlechtlichen und einer ungeschlechtlichen
Generation. Die gleiche Erscheinung hatten die Untersuchungen
über die Fortpflanzung mehrerer Klassen der niederen Tiere kennen
gelehrt[357]. Die eigentliche Bedeutung des Generationswechsels ist
zwar dunkel geblieben. Daß sich aber in ihm eins der wichtigsten
Entwicklungsgesetze ausspricht, hat der weitere Gang der Forschung
immer deutlicher erkennen lassen.
Die Erscheinung des Generationswechsels wurde durch *Hofmeister*
zunächst an den niedrigsten Moosen, den als flache Scheiben dem Boden
anliegenden Lebermoosen verfolgt. Die Lebermoose bilden weibliche
und männliche Fortpflanzungsorgane. In dem weiblichen Organ, dem
Archegonium (Abb. 37), entwickelt sich die ruhende Eizelle. Das
männliche Organ (Antheridium) bildet die Spermatozoiden, welche
ausschwärmen und sich mit der Eizelle vereinigen. Infolge dieses
Befruchtungsvorganges teilt sich die Eizelle (Abb. 37) und wächst
unter fortgesetzter Zellteilung zu einem die neue Generation
vorstellenden Gebilde (cc in Abb. 38) aus. In diesem Gebilde entstehen
auf ungeschlechtlichem Wege die Moossporen. Es führt daher den Namen
Sporogonium. Aus den Sporen entwickelt sich wieder der flache Thallus
des Lebermooses.
[Illustration: Abb. 37. Befruchtetes Archegonium eines Lebermooses
(nach *Hofmeister*).]
[Illustration: Abb. 38. Junges Sporogonium (sg) eines Lebermooses
(nach *Hofmeister*).] Die Laubmoose zeigen das gleiche Verhalten.
Auch bei ihnen entsteht aus der Spore die Moospflanze, an der sich
die Archegonien und die Antheridien entwickeln. Aus der befruchteten
Eizelle entsteht als zweite Generation die bekannte, mitunter auf
einem fünf bis zehn Zentimeter langen Stiele sitzende Sporenkapsel.
Ihr entspricht bei dem Farnkraut der Wurzelstock und die besonders in
die Augen fallenden, Sporen tragenden Blätter. Die aus den Sporen des
Farnkrauts oder des Schachtelhalms entstehende, geschlechtlich sich
vermehrende Generation ist auf ein zartes flaches Pflänzchen, den
Vorkeim, reduziert, an dem sich wieder Archegonien und Antheridien
bilden.
Die Untersuchung der Keimungsvorgänge der Blütenpflanzen und einiger
den Übergang von den Kryptogamen zu den Blütenpflanzen bildender Formen
ließ erkennen, daß der Vorkeim immer mehr zurücktritt. In der noch den
Farnen zugerechneten Selaginella z. B. entwickelt er sich innerhalb der
Haut der Spore. Bei den Koniferen ist ein innerhalb der Eizelle vor
der Befruchtung entstehendes Gewebe, das Endosperm, als das Analogon
des Vorkeims zu betrachten. Bei den Phanerogamen endlich finden sich
nur noch gewisse Andeutungen und Spuren des die niederen Formen
beherrschenden Entwicklungsgesetzes.
Eine solch klare, verwandtschaftliche Beziehung, wie sie *Hofmeister*
für die großen Gruppen des Pflanzenreiches nachgewiesen, hatten die
morphologischen Untersuchungen der Zoologen noch nicht erkennen
lassen. Den scharf getrennten Typen oder Bauplänen *Cuviers* waren
vielmehr neue gesonderte Gruppen mit morphologisch stark voneinander
abweichenden Merkmalen zur Seite getreten. So hatte man *Cuviers*
Strahltiere in die einen Darm besitzenden Stachelhäuter (Seeigel,
Seesterne) und die darmlosen Coelenteraten (Seerosen, Quallen)
gesondert[358].
Auch in dem Kreise der Würmer und der Weichtiere traten beim
näheren Studium mehr Abweichungen innerhalb des von diesen Kreisen
umschlossenen Formenreichtums als verwandtschaftliche Züge hervor. Daß
solche dennoch vorhanden und imstande sind, die Kluft zwischen den
großen Typen zu überbrücken, ließen die embryologischen Forschungen
mutmaßen. Schon *von Baer*[359], der in den ersten Jahrzehnten des 19.
Jahrhunderts die moderne Embryologie ins Leben rief, glaubte in dem
Primitivstreifen der Gliedertiere und der Wirbeltiere einen Hinweis
auf eine gewisse, wenn auch sehr weit entfernte Verwandtschaft dieser
Gruppen erblicken zu dürfen. In einem kurzen Momente der Entwicklung
findet nach ihm eine Übereinstimmung zwischen den Wirbeltieren und
den wirbellosen Tieren statt. »Je weiter wir in der Entwicklung
zurückgehen«, sagt *von Baer*, »desto mehr finden wir auch bei sehr
verschiedenen Tieren eine Übereinstimmung. Wir werden hierdurch zu
der Frage geführt, ob nicht im Beginne der Entwicklung alle Tiere im
wesentlichen sich gleich sind, und ob nicht für alle eine gemeinsame
Urform besteht«. Da der Keim das unvollkommene Tier vorstelle, so
könne man nicht ohne Grund behaupten, daß die einfache Blasenform die
gemeinschaftliche Grundform sei, aus der sich alle Tiere nicht nur der
Idee nach, sondern historisch entwickelt hätten.
Auch der Umstand, daß aus der Eizelle sowohl bei den niederen als auch
bei den höheren Tieren nach einer Reihe von Zellteilungen zunächst zwei
Schichten oder Keimblätter hervorgehen, wurde schon seit den vierziger
Jahren des 19. Jahrhunderts als ein allgemeines Gesetz dargetan.
*Huxley* erkannte (1849), daß die Entwicklung bei den Pflanzentieren
kaum über dieses von *Häckel* später als Gastrula bezeichnete Stadium
hinausgeht. (Siehe den in Abb. 39 dargestellten Schnitt durch den
Süßwasserpolypen.) Die aus zwei Schichten gebildete Gastrula wurde von
*Kowalevsky* als das Jugendstadium des einfachsten Wirbeltieres, des
Amphioxus lanceolatus, nachgewiesen[360].
[Illustration: Abb. 39. Schematischer Längsschnitt durch den
Süßwasserpolypen.]
*Kowalevsky* suchte durch seine über das gesamte Tierreich ausgedehnten
embryologischen Untersuchungen die schon von *Huxley* ausgesprochene
Vermutung zu bestätigen, daß das innere und das äußere Keimblatt (das
Entoderm und das Ektoderm) der in allen Tierkreisen -- die einzelligen
Urtiere selbstverständlich ausgenommen -- auftretenden Gastrula
homologe Bildungen seien. Im Sinne der von *Kowalevsky* begründeten
und von *Haeckel* nach der phylogenetischen Seite ausgebauten
Keimblätterlehre entsprechen also die aus der Keimscheibe des
Wirbeltieres entstehenden Zellschichten den in Abb. 40 dargestellten
Keimblättern des Amphioxus und denjenigen, welche die Pflanzentiere,
sowie die ersten Entwicklungsstadien der Stachelhäuter, der Würmer, der
Insekten und der Mollusken aufweisen[361].
[Illustration: Abb. 40. Durch Einstülpung der einschichtigen Keimblase
entstehende Gastrula von Amphioxus.]
Für die Einheit des Tierreichs und gegen eine scharfe Gliederung nach
bestimmten Bauplänen, wie sie *Cuvier* gelehrt hatte, sprach auch
die Entdeckung zahlreicher Übergangsformen. Auf das sonderbare, als
Schnabeltier bezeichnete Säugetier, das nicht nur Eier legt, sondern
auch einige Merkmale des Vogelkörpers aufweist, hatte schon *Lamarck*
hingewiesen. Eine Übergangsform, die zwischen dem Vogel und dem Reptil
steht, entdeckten die Paläontologen in dem Archaeopteryx oder Urvogel.
Die im Vorstehenden geschilderten, neuen Anschauungen konnten erst
Wurzel fassen und die biologischen Wissenschaften umgestalten, als
man ganz allgemein mit dem tief eingewurzelten Dogma von der Konstanz
der Arten brach und deren allmähliche Entstehung aus früheren Formen
annahm, dergestalt, daß alle Organismen in höherem oder geringerem
Grade blutsverwandt seien. Dann erst vermochte sich diese als
Deszendenztheorie bezeichnete Lehre Bahn zu brechen. Vorher fehlte
es ihr an einer genügenden wissenschaftlichen Begründung. Auch waren
die einzelnen naturgeschichtlichen Wissenszweige noch nicht auf dem
Standpunkte angelangt, daß sie dieser Theorie schon bedurft hätten.
Dieser Fall trat gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Die Geologie
hatte das Dogma von den wiederholten Neuschöpfungen verlassen, die
Ergebnisse der Paläontologie wiesen auf eine allmähliche Annäherung
der untergegangenen Formenkreise an unsere heutige Lebewelt hin, und
die morphologischen und entwicklungsgeschichtlichen Befunde ließen
sich mit dem Dogma von der Konstanz der Arten nicht länger vereinigen.
Trotzdem war die Herrschaft dieses Dogmas eine solch allgemeine, daß
sich zunächst nur vereinzelte Stimmen dagegen erhoben, die außerdem
verhallen mußten, solange man nichts Besseres an die Stelle der älteren
Anschauungen zu setzen vermochte. Die Frage nach der Entstehung der
Arten blieb das »Mysterium der Mysterien«, bis im Jahre 1859 *Charles
Darwin*[362] Licht über sie verbreitete.
*Charles Robert Darwin* wurde am 12. Februar 1809 in Shrewsbury
geboren. Seine Neigung zu den Naturwissenschaften, in der er dem
Großvater *Erasmus* glich, zeigte sich schon in den Knabenjahren.
*Charles Darwin* studierte in Cambridge, wo er sich besonders mit
Anatomie, Botanik und Geologie beschäftigte. Eine bestimmte Richtung
erhielt die Tätigkeit *Darwins* erst während einer Weltumseglung,
die von 1831-1836 währte. Eingehende Studien, die er während dieser
Reise über die lebenden und die fossilen Formen Südamerikas, sowie
über die Flora und die Fauna der Galapagosinseln anstellte, haben ihn
zu seinen Untersuchungen und Spekulationen über die Entstehung der
Arten angeregt. Neben rein wissenschaftlichen Arbeiten hat ihn das
Problem seit seiner Rückkehr bis zu seinem Tode (1882) unausgesetzt
beschäftigt[363].
Zunächst begab sich *Darwin* an ein geduldiges Sammeln und Erwägen
aller Arten von Tatsachen, die möglicherweise in irgend einer Beziehung
zu dem Problem stehen konnten, mit dem sich schon der Großvater
*Darwins*[364] in seiner »Zoonomie« beschäftigt hatte. Schon vor
*Lamarck* hatte dieser die Lehre von der Entwicklung der Arten nicht
nur klar ausgesprochen, sondern sie auch auf bestimmte Ursachen
zurückzuführen gesucht. Unter diesen Ursachen der Entwicklung spielt
der Gebrauch und der Nichtgebrauch der Organe gleichfalls schon eine
wichtige Rolle. Zu den mechanisch wirkenden Ursachen gesellen sich nach
*Erasmus Darwin* auch psychische, wie der Hunger, die Wollust und der
Sicherheitstrieb.
Von dem Einfluß, den die Lehren *Erasmus Darwins* auf seinen Enkel
*Charles Darwin* ausgeübt haben, handelt eine unter dem Titel
*Charles* und *Erasmus Darwin* veröffentlichte Abhandlung von *Walther
May* (Archiv für die Geschichte der Naturwissenschaften und der
Technik, 1909, S. 1-90). Danach kann, obgleich *Darwin* in jüngeren
Jahren die »Zoonomie« seines Großvaters bewunderte, ein tieferes
Abhängigkeitsverhältnis nicht angenommen werden. Der Einfluß, den
*Lyell* und *Malthus* auf *Charles Darwin* ausgeübt haben, ist
jedenfalls viel bedeutender gewesen.
*Lyells* Prinzipien der Geologie[365] waren erschienen, kurz bevor
*Darwin* seine Weltreise antrat. Unter dem Eindruck der von *Lyell* in
diesem epochemachenden Werke entwickelten Lehre von den allmählichen
Veränderungen der Erde, hatte *Darwin* die geologische und die
paläontologische Erforschung Südamerikas unternommen. Nach seiner
Rückkehr hatte er sich in die Lehren des Nationalökonomen *Malthus*
vertieft. In einer Schrift[366] vom Jahre 1798 hatte dieser den
Gedanken entwickelt, daß die Vermehrung und die Beschaffung von Nahrung
die treibenden Kräfte der menschlichen Gesellschaft seien. Aus dem
Umstande, daß die Vermehrung nach geometrischem Verhältnis, also sehr
rasch erfolgt, während das erforderliche Mehr an Nahrung sich nur in
bescheidenen Grenzen beschaffen läßt, ergibt sich ein Widerstreit
zwischen den beiden Faktoren, dessen Ergebnis das jeweilige Maß der
Bevölkerung ist.
Als Regulatoren, die aus diesem Widerstreit das Gleichgewicht
hervorgehen lassen, betrachtet *Malthus* diejenigen Umstände, die einer
allzustarken Vermehrung entgegenwirken. Solche hemmenden Einflüsse
sind mangelhafte Ernährung, Krankheiten, Kriege usw. Aus diesem
Kampfe mit ungünstigen Umständen gehen die kräftigeren Individuen als
Sieger hervor, während die schwachen und unfähigen unterliegen und
ausscheiden. *Malthus* kommt bekanntlich zu dem Schlusse, daß die
Menschheit jene beiden treibenden Faktoren beherrschen, d. h. dafür
sorgen müsse, daß die Vermehrung und die Aufschließung neuer Quellen
des Wohlstandes gleichen Schritt halten.
Die *Malthus*sche Lehre ist ohne Zweifel das bei weitem wichtigste
Fundament der von *Darwin* entwickelten Theorie gewesen. Das von
*Malthus* aufgefundene Prinzip, muß sich, schließt *Darwin*,
mit »verstärkter Kraft auf das gesamte Tier- und Pflanzenreich
übertragen.« Denn im Naturzustande ist keine künstliche Beschaffung
von Nahrungsmitteln und keine überlegte Einschränkung der Vermehrung
möglich. Dazu kommt, daß die Vermehrung vieler Tier- und Pflanzenarten,
wenn alle Keime auch nur einer einzigen Art zur Entwicklung gelangten,
binnen kurzem die gesamte Erde mit dieser einen Art bedecken würde.
*Darwin*[1] knüpfte ferner an die bekannte Tatsache an, daß der Mensch
durch bewußte Zuchtwahl innerhalb geschichtlicher Zeiten aus den von
ihm in Zucht genommenen Tier- und Pflanzenarten Varietäten erzeugt
hat, die von der Stammart in solchem Grade abweichen, daß man in der
Unkenntnis des wahren Sachverhaltes diese Varietäten als neue Arten
betrachten würde. Seine Untersuchungen richteten sich auf die Frage,
ob in der Natur Umstände wirken, die in der gleichen Weise wie die vom
Menschen ausgeübte Zuchtwahl tätig sind. Diese Frage ist durch *Darwin*
in seinem Werke über die Entstehung der Arten[367] bejaht worden.
Der in Anlehnung an *Malthus* entstandene Grundgedanke *Darwins* ist
der folgende. Die Einzelwesen einer Art stimmen nicht vollkommen
überein, sondern sie zeigen kleine Abweichungen, die der Züchter,
indem er sich auf das Gesetz der Erblichkeit stützt, in der von ihm
gewünschten Richtung zu steigern vermag. Es ist somit auch für den
natürlichen Verlauf die Möglichkeit einer derartigen Steigerung
gegeben, wenn Verhältnisse obwalten, welche die Rolle des Züchters zu
übernehmen vermögen. Derartige Verhältnisse bestehen nach *Darwin*
in der raschen Vermehrung aller Lebewesen und in dem hierdurch
hervorgerufenen Kampfe um die Existenzbedingungen. Aus diesem Kampfe
werden diejenigen Einzelwesen als die Überlebenden hervorgehen, die
hinsichtlich der Anpassung an jene Bedingungen durch irgend welche
Vorzüge vor ihren Mitbewerbern ausgezeichnet sind. Indem ferner die
Überlebenden allein zur Fortpflanzung gelangen, übertragen sie jene
Vorzüge auf ihre Nachkommen, so daß im Lauf der Generationen ebensolche
Steigerungen stattfinden werden, wie sie der Mensch durch künstliche
Zuchtwahl bewirkt. Auch ist in hohem Grade wahrscheinlich, daß unter
Zuhilfenahme geologischer Zeiträume Änderungen erfolgen, die über den
Gattungscharakter hinausgehen.
Durch die Lehre *Darwins* ist es in vielen Fällen möglich gewesen,
das, was früher als zweckmäßige, zielbewußte Einrichtung erschien, wie
die Beziehungen der Blumen und Insekten, begreiflicher erscheinen zu
lassen. Legt man die Deszendenztheorie zugrunde, so erscheint ferner
das System nicht mehr als eine Summe von Abstraktionen, sondern als der
Ausdruck der natürlichen Verwandtschaft aller aus einem gemeinsamen
Ursprung entstammenden Lebewesen. Auch auf dem Gebiete der Geologie
erscheint jetzt manches Rätsel gelöst. Die fossilen Arten wurden
nicht vernichtet und durch neue ersetzt, wie noch der hervorragendste
zur Zeit *Darwins* lebende deutsche Geologe[368] annahm, sondern
sie sind als die Stammformen der jetzt die Erde bevölkernden Arten
zu betrachten. Dementsprechend ist trotz zahlloser Lücken der
geologischen Urkunde, wenn man die ausgestorbenen Lebewelten von der
ältesten bis zur jüngsten Formation vergleicht, eine allmähliche
Vervollkommnung und eine stete Annäherung an den Charakter der
heutigen Fauna und Flora nicht zu verkennen. Faßt man ferner nur die
Lebewelt eines begrenzten Landstrichs ins Auge, so findet man häufig
in den jüngsten Ablagerungen, welche den Boden dieses Landstrichs
zusammensetzen, Überreste von Tierformen, die von den jetzigen
Bewohnern des betreffenden Landes nur wenig verschieden sind. Dieser
Umstand war es auch, der *Darwin* zu seinen Betrachtungen anregte und
sich ihm geradezu aufdrängte, als er sich im Jahre 1837 auf seiner
Weltumsegelung der naturgeschichtlichen und geologischen Erforschung
Südamerikas widmete. In den diluvialen und tertiären Bildungen jenes
Erdteils fanden sich nämlich zahlreiche Überreste riesiger Gürtel- und
Faultiere, also von Typen, die noch heute der Fauna jenes Landes ihr
charakteristisches Gepräge verleihen[369].
»Diese wunderbare Verwandtschaft«, schrieb *Darwin* schon damals,
»zwischen den lebenden und den ausgestorbenen Tieren eines und
desselben Erdteils wird unzweifelhaft mehr Licht auf das Erscheinen
organischer Wesen, sowie auf ihr Verschwinden werfen als irgend eine
andere Gruppe von Tatsachen.«
Ebenso wichtig wie die Gegenüberstellung fossiler und verwandter
lebender Formen wurde für die Lösung des Problems der Entstehung der
Arten ein Vergleich zwischen den Organismen eines Kontinentes und
denjenigen einer benachbarten Inselgruppe. *Darwin* stellte diesen
Vergleich auf den Galapagosinseln an, einer Gruppe, die nahezu tausend
Kilometer von Südamerika entfernt ist. Was sich ihm aufdrängte, war
die Beobachtung, daß die Inseln eine in den Gattungen ähnliche, in
den Arten aber abweichende Flora und Fauna besaßen, wie sie der
benachbarte Kontinent aufwies. »Der Naturforscher«, schrieb *Darwin*,
»der die Bewohner der Galapagosinseln betrachtet, fühlt, daß er auf
amerikanischem Boden steht, obwohl er noch einige hundert englische
Meilen von dem Festlande entfernt ist.« Offenbar war diese Tatsache,
die sich auch an anderen einem Kontinente benachbarten Inselgruppen
beobachten ließ, mit der Annahme einer unabhängigen Schöpfung der Arten
nicht zu vereinigen. Es lag vielmehr nahe, eine auf natürlichem Wege
erfolgte Besiedelung der Inseln von seiten der Kontinente anzunehmen.
Die Abweichungen in den Arten ließen sich am ungezwungensten daraus
erklären, daß die Kolonisten im Laufe der Zeit zwar Abänderungen
erfahren haben, ihren Ursprung aber immer noch deutlich erkennen lassen.
Trotz der großen Bedeutung, welche die von *Darwin* aufgedeckten
Beziehungen für das Eindringen in den Zusammenhang biologischer
Erscheinungsreihen besitzen, blieb die Theorie doch weit davon
entfernt, eine ursächliche Erklärung der Lebewelt zu geben. Es regten
sich erhebliche Zweifel, ob das aus Millionen wunderbar gefügter
Zellen aufgebaute Wirbeltier oder gar der Mensch, welcher dichtet und
denkt und sich die Naturkräfte zu Dienerinnen macht, allein durch
nützliche Anpassung aus dem mikroskopisch kleinen Protoplasmaklümpchen
hervorgehen konnte. Versetzt man sich ferner zu den Anfängen des
Lebens zurück! Die Erde empfängt oder erzeugt die ersten, einfachsten
Organismen, alle entwickelteren Wesen fehlen noch. Wie konnte bei
einer solchen Einförmigkeit das Spiel der natürlichen Auslese
beginnen? Man darf ferner nicht vergessen, daß wir der Frage nach der
ersten Entstehung des organisierten Stoffes, sowie der Natur seiner
wunderbaren Eigenschaften auch heute noch ratlos gegenüberstehen.
*Darwins* Lehre fand denn auch von vornherein nicht nur rasch
überzeugte Anhänger, sondern auch viel Widerspruch. Der Kampf um ihre
Richtigkeit wurde sogar oft mit Schärfe, ja mit Erbitterung geführt,
zumal dort, wo religiöse und politische Gesichtspunkte in diesen
Kampf hineingezogen wurden. Zu einem Dogma, von dessen Wahrheit jeder
Gebildete überzeugt sein müsse, wurde die Selektionstheorie von einer
großen Anzahl deutscher Gelehrter gestempelt. *Darwin* wurde als der
Koppernikus der organischen Welt bezeichnet. Wer an ihm zweifelte,
lief Gefahr, als unwissenschaftlich und rückständig verschrieen
zu werden, auch wenn sich der Zweifel aus rein wissenschaftlichen
Gründen regte. Wenn wir heute auf diese von 1860 bis gegen das Ende
des 19. Jahrhunderts dauernden Kämpfe für und wider die *Darwin*sche
Lehre zurückblicken, so kann man sich nicht verhehlen, daß sie
ihren Ursprung nicht nur in dem Mangel vorurteilsfreien Denkens und
sachlicher Beurteilung haben. Was diese Kämpfe mit veranlaßte, war
das Fehlen des geschichtlichen Sinnes. Es wurde in der Einleitung
zu diesem Bande hervorgehoben, daß nichts so sehr imstande ist, die
Einseitigkeit und den Dogmatismus aus der Wissenschaft fern zu halten,
wie die historische Betrachtungsweise. Das mit dem Ende des vorigen
Jahrhunderts einsetzende Emporblühen der Wissenschaftsgeschichte
bietet die beste Gewähr für eine ruhige und erfolgreiche Entwicklung
der naturwissenschaftlichen Forschung. Den Übertreibungen der
darwinistischen Richtung trat *Darwin* selbst entgegen. Er erblickte
in der natürlichen Zuchtwahl nicht das einzige, wie seine Anhänger
wollten, sondern nur das hauptsächlichste Mittel der Umbildung der
Arten.
Wenn auch *Darwins* Theorie das Problem der Entstehung der Arten nicht
zu lösen vermochte, so bedeutete sie doch einen wichtigen Schritt auf
dem Wege zu dieser Lösung. Außerdem hat diese Theorie nicht nur der
Biologie, sondern auch fast sämtlichen übrigen Wissenszweigen von
der Astronomie bis zur Soziologie eine Fülle von Anregungen geboten.
In einem ganz neuen Lichte erschien vor allem der Mensch. *Darwin*
hatte seine Stellung innerhalb der Schöpfung zunächst von seinen
Betrachtungen ausgeschlossen und nur bemerkt, durch seine Theorie
»werde auch auf den Ursprung des Menschen und seine Geschichte Licht
geworfen werden«. Der erste der auf Grund der Deszendenzlehre die
Stellung des Menschen in der Natur wissenschaftlich und zwar besonders
vom Standpunkte des Anatomen untersuchte, war *Huxley* (1863). Er wies
nach, daß im äußeren und inneren Bau, besonders im Bau des Gehirns, ein
größerer Abstand zwischen den niederen und den höheren Affen vorhanden
ist, als zwischen den letzteren und dem Menschen. Die schon von *Linné*
und von *Blumenbach* geäußerte Ansicht, daß der Mensch naturhistorisch
mit den Primaten zu einer Gruppe zu vereinigen sei, wurde also nur
bestätigt.
*Darwin* selbst veröffentlichte im Jahre 1871 ein zweibändiges
Werk[370], in dem er eingehend darzulegen suchte, daß der Mensch
von einer niedriger stehenden Form abstammt, welches die Art seiner
Entwicklung war und welchen Wert die Unterschiede zwischen den
einzelnen Menschenrassen besitzen.
Mit der Einreihung des Menschen in die Welt der übrigen Organismen
begann ein Suchen nach den Ahnen der höheren Tiere und den diesen
Ahnen noch heute entsprechenden Zwischenformen. *Kowalevsky* erblickte
sie in den Tunikaten oder Manteltieren, die in ihrer Entwicklung
manche Analogie mit dem Urwirbeltier, dem Amphioxus, erkennen lassen.
*Semper* dagegen glaubte verwandtschaftliche Beziehungen zwischen
den Wirbeltieren und den Ringelwürmern nachweisen zu können[371]. Am
weitesten erging sich in Spekulationen über die Stammesgeschichte
der Wirbeltiere, einschließlich des Menschen, der Jenenser Zoologe
*Haeckel*. Er war beherrscht von dem Gedanken, daß die Entwicklung des
Einzelwesens die Stammesgeschichte in ihren Hauptzügen wiedererkennen
lasse. Diesen Satz betrachteten *Haeckel*[372] und seine Anhänger als
das biogenetische Grundgesetz. Sie brachten es auf die kurze Formel,
die Ontogenie sei eine Rekapitulation der Phylogenie[373]. Von diesem
Gesichtspunkte aus erscheint die Gastrula[374] als das Abbild der
gemeinsamen Urform, aus der sich sämtliche aus Zellen aufgebauten
Tiere (Metazoen) entwickelten. *Haeckel* gab dieser Urform den Namen
Gastraea. Nach seiner von ihm in der Gastraeatheorie[375] vorgetragenen
Lehre sollen sich aus dem während der Primordialzeit entstandenen
Geschöpf die den höheren Tierkreisen zugrunde liegende, radiäre und die
bilateral symmetrische Form entwickelt haben.
Erschüttert wurde die ganze Betrachtungsweise *Haeckels* und
seiner Anhänger besonders durch die von *Haeckel* auf das heftigste
befehdete Einsicht, daß die Entwicklung nicht ausschließlich durch die
Stammesgeschichte bedingt sein könne, sondern auch rein mechanisch
wirkenden, durch das Experiment in mannigfacher Weise abzuändernden
Ursachen unterworfen sei. Schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde
die Forderung aufgestellt, man müsse die Ursachen zu ermitteln suchen,
durch welche die Anordnung der Organe bewirkt werde, ähnlich wie man
eine bestimmte Kristallform aus der Kombination der wirkenden Einflüsse
zu erklären strebe. Mit anderen Worten, man müsse eine Physiologie der
Plastik anstreben[376].
Die ersten nach dieser Richtung unternommenen Versuche rühren von *W.
His* her. Er nahm an, daß sich jeder Entwicklungszustand als eine Folge
des unmittelbar vorgehenden Zustandes begreifen lassen müsse. Das am
Embryo auftretende ungleichmäßige Wachstum, die Bildung von Schichten,
ihr Aufrollen zu Falten usw. sollten als mechanisch wirkende Ursachen
genügen, um das Zustandekommen der fertigen Form zu erklären. Offenbar
war dies eine einseitige Überschätzung mitwirkender Umstände. Auf einem
anderen Wege suchten *W. Roux* und eine neuere von ihm begründete
Schule die mechanischen Ursachen der Entwicklung zu ergründen. *Roux*
und seine Anhänger beschränken sich nicht auf die bloße Beobachtung,
sondern sie bedienen sich des Versuches, indem sie durch mechanische
Eingriffe den Ablauf des Entwicklungsvorganges zu beeinflussen und
aus den eintretenden abnormen Erscheinungen allgemeine Schlüsse zu
ziehen suchen[377]. Einer der ersten Versuche von *Roux* bestand
darin, daß er am Froschei, nachdem die erste Teilung erfolgt war, die
eine Furchungskugel durch eine erhitzte Nadel tötete. Die unversehrte
Zelle entwickelte sich darauf zu einem im wesentlichen normalen halben
Embryo. Später dehnte *Roux* mit ähnlichem Erfolg diesen Versuch auf
die Eier niederer Tiere (Stachelhäuter, Pflanzentiere) aus. Die erste
Zellwand, die das Froschei teilt, fällt danach mit der Symmetrieebene
des fertigen Tieres zusammen. Eins der Ziele der Entwicklungsmechanik
besteht seit diesem wichtigen Versuche darin, die einzelnen Regionen
des Keimes festzustellen, aus denen sich bestimmte Einzelorgane
entwickeln. Nicht geringe Schwierigkeiten erwuchsen allerdings aus
der Tatsache, daß sich an den künstlich erzeugten Halbembryonen die
fehlende Körperhälfte nachbildet[378].
Eine wichtige Rolle für die Auffassung der Art und die Frage nach der
Entstehung der Arten spielt die Kreuzung zwischen nahe verwandten
Formen und die durch sie bedingte Bastardbildung. Die wissenschaftliche
Erforschung der Bastardbildung beginnt mit *Kölreuters* an
verschiedenen Nicotiana-Arten angestellten Versuchen. Trotz der von
*Kölreuter* schon um 1760 erzielten Erfolge[379], blieben manche
Zweifel nicht nur hinsichtlich der Bastardbildung, sondern selbst
bezüglich der Sexualität der Pflanzen noch bis in das neunzehnte
Jahrhundert hinein bestehen. Dies veranlaßte *Gärtner* sich in einer
gründlichen, den Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren umfassenden
Untersuchung mit der Frage der Sexualität und der Bastardbildung zu
beschäftigen[380].
Die Werke, in denen *Gärtner* seine Ergebnisse veröffentlichte,
erwarben sich den Ruhm, daß sie »das Gründlichste und Umfassendste
darstellen, was bisher über die experimentelle Untersuchung der
Sexualitätsverhältnisse geschrieben wurde«[381]. Das Hauptergebnis war
der Nachweis, daß sich ohne die Mitwirkung des Pollens in dem Samen
keine neue Pflanze bildet, die Blütenpflanzen also ganz wie die Tiere
geschlechtlich differenziert sind.
Die von *Gärtner* über die Bastardierung veröffentlichten Arbeiten
stützten sich auf viele tausend Einzelfälle. Weitere eingehende
Untersuchungen anderer Forscher[382] schlossen sich an. Vor allem
verstand es *Darwin*, die älteren Ergebnisse mit den eigenen zu einem
klaren Gesamtbilde zu vereinigen, wobei er den fast vergessenen *Konrad
Sprengel* wieder zu Ehren brachte. So kam es, daß man um die Mitte der
sechziger Jahre zu einigen allgemeinen Sätzen gelangt war, unter denen
folgende hervorgehoben zu werden verdienen.
Die Bastardbildung ist auf Arten beschränkt, die nahe miteinander
verwandt sind, doch ist die Fähigkeit, Bastarde zu bilden, auch bei
nahe verwandten Arten sehr verschieden. Z. B. gelang es nicht, Bastarde
von so ähnlichen Arten wie dem Apfel- und dem Birnbaum zu erzielen,
während mitunter sehr unähnliche Arten Bastarde ergaben.
Findet eine sexuelle Vereinigung zwischen zwei Arten A und B statt,
so kann in der Regel der Pollen von A die Samenanlage von B und der
Pollen von B die Samenanlage von A befruchten (Reziproke Hybridation).
Indessen tritt mitunter nur dann eine Vereinigung ein, wenn der Pollen
von A auf die Narbe von B gelangt.
Nach der älteren, noch von *Gärtner*, *Nägeli* und *Darwin* geteilten
Ansicht, halten die Bastarde in ihren Eigenschaften etwa die Mitte
zwischen den beiden elterlichen Formen. Es sollte eine gegenseitige
Durchdringung der Merkmale stattfinden. Doch beobachtete man außer den
ererbten Merkmalen auch neue, z. B. daß die Bastarde eine stärkere
Neigung zu variieren besitzen. Auch dafür, daß gewisse Merkmale häufig
nicht verschmelzen, waren viele Beispiele bekannt geworden[383]. Wurden
z. B. weiße und graue Mäuse miteinander gepaart, so waren die Jungen
weder gescheckt noch von einem mittleren Farbenton. Sie waren vielmehr
entweder rein weiß oder von der gewöhnlichen grauen Farbe. Ähnliche
Fälle hatte man bei Pflanzen beobachtet. So hatte *Gärtner* rein weiß
und rein gelb blühende Arten von Verbascum gekreuzt. Diese Färbungen
zeigten sich bei den Nachkommen nie verschmolzen, sondern letztere
trugen entweder rein weiße oder rein gelbe Blüten.
Es fehlte also bei der Bastardbildung allem Anschein nach an jeder
Regelmäßigkeit und es gehörte kein geringer Mut dazu, sich an die
wissenschaftliche Analyse dieses Vorgangs zu wagen, zumal sich
vorhersehen ließ, daß sie zahllose mühevolle und über einen langen
Zeitraum auszudehnende Versuche erfordere. Der Mann, der sich dieser
Aufgabe unterzog und der sie mit glücklichem Erfolge, wenn auch fast
unbeachtet von der zeitgenössischen Forschung, löste, war *Mendel*[384].
Als *Mendel* sich mit den von *Kölreuter*, *Gärtner* und vielen anderen
über die Bastardierung angestellten Arbeiten beschäftigte, fiel ihm
auf, daß man bisher versäumt hatte, für die verschiedenen Formen der
Hybriden und zwar für die einzelnen Generationen die numerischen
Verhältnisse festzustellen. Darin erblickte *Mendel* seine Aufgabe. Um
sie zu lösen, kreuzte er zwei Pflanzenarten, die konstante, scharf von
einander unterschiedene Merkmale besitzen, und deren Bastarde in der
ersten und den späteren Generationen keine merkliche Störung in der
Fruchtbarkeit erleiden. Einleitende Versuche ergaben, daß das Genus
Pisum (die Erbsenarten) jenen Anforderungen hinreichend entsprach.
*Mendels* später als biologische Elementaranalyse bezeichnetes
Verfahren bestand darin, daß er einige scharf bestimmte Merkmale der
zu kreuzenden Arten einander gegenüberstellte und ihr Auftreten an den
Bastardpflanzen durch mehrere Generationen hindurch verfolgte. Als
solche Merkmale wählte *Mendel* z. B. die Gestalt der reifen Samen
(rundlich, kantig, runzelig), Unterschiede in der Form der reifen Hülse
(glatt oder zwischen den Samen tief eingeschnürt), Verschiedenheiten in
der Farbe bestimmter Blütenteile, in der Länge der Achsen usw.
*Mendels* Versuche bewiesen zunächst, daß der Bastard in der Regel
nicht die genaue Mittelform zwischen den beiden Stammarten darstellt.
Vielmehr verhielten sich bei der Kreuzung die Merkmale im allgemeinen
selbständig, indem sie sich sozusagen nur aneinander legten. Die
an dem Bastard wieder in die Erscheinung tretenden Merkmale nannte
*Mendel* »dominierende Merkmale«. Es zeigte sich nämlich, daß dem
Bastard mitunter einige von den ins Auge gefaßten Merkmalen (bei der
Untersuchung der Erbsenarten waren es sieben) der Stammarten fehlen.
Solche von *Mendel* »rezessiv« genannte Merkmale waren aber nach der
Bedeutung des Wortes rezessiv nur unterdrückt, sozusagen im Verborgenen
vorhanden. Sie kamen nämlich an den Nachkommen der Bastarde (der
ersten Generation der Hybriden) unverändert wieder zum Vorschein.
Diese Tatsache, daß bei dem Bastard das eine von den ins Auge gefaßten
Merkmalen durch das entgegengesetzte Merkmal unterdrückt wird, hat man
als die erste *Mendel*sche Regel bezeichnet. Die beiden Erbsenarten,
die *Mendel* kreuzte, unterschieden sich unter anderem in der Länge der
Achsen. Bei der einen Art waren die Achsen nur etwa einen Zoll lang,
bei der zweiten etwa sechs Zoll. In beiden Fällen handelte es sich um
gesunde, in dem gleichen Boden gezogene Pflanzen. Der Unterschied in
diesem Merkmal war also nicht von zufälligen Bedingungen (besserer
oder schlechterer Ernährung z. B.) abhängig, sondern ein den beiden
Stammarten eigentümlicher, konstanter. Die erzielten Bastarde besaßen
nun nicht etwa eine mittlere Achsenlänge, sondern sie waren sämtlich
langstenglig. Das eine Merkmal verdeckte also das andere völlig. Die
langen Stengel dominierten, die kurzen waren rezessiv.
Das rezessive Merkmal kam aber in der ersten Generation der Nachkommen
der Bastardpflanzen wieder zum Vorschein. Ein Teil dieser Nachkommen
besaß die lange Achse, die übrigen die kurze. Jetzt begab sich *Mendel*
ans Auszählen. Das Ergebnis war ein bestimmtes Durchschnittsverhältnis
zwischen der Anzahl der Formen mit dem dominierenden und mit dem
rezessiven Merkmal. Das Verhältnis war 3 : 1. Das heißt unter den
Nachkommen des langachsigen Bastards kamen auf 3 langstenglige Pflanzen
eine kurzstenglige. Ähnliche ziffernmäßige Beziehungen ergaben sich
für die weiteren Generationen. Wir wollen sie an einem durch eine
einfache Abbildung leicht zu erläuternden Fall klarmachen. Es handelt
sich um die Kreuzung von zwei Brennesselarten, von denen die eine stark
gezähnte, die andere fast ganzrandige Blätter besitzt. Die beiden
Stammarten a und b ergeben einen Bastard c, bei dem das Merkmal von
a dominiert, dasjenige von b aber rezessiv geworden ist. Bei den
Nachkommen des Bastards c findet sich in der ersten Generation das in
c rezessive (unterdrückte) Merkmal wieder und zwar kommen auf drei
Individuen mit dem dominierenden Merkmal (d_{1}, d_{2}, d_{3}) eins mit
dem rezessiven (d_{4}). Dies Verhältnis ist kein absolut feststehendes,
sondern ein angenähertes. Es tritt um so deutlicher hervor, je mehr
Fälle in Betracht gezogen werden und auf je mehr Gegenüberstellungen
von Merkmalen es ausgedehnt wird. So fand *Mendel* bei dem erwähnten
Kreuzungsversuch von zwei Erbsenarten, indem er jedesmal etwa tausend
Nachkommen des Bastards in Betracht zog, für die einzelnen Merkmale die
Verhältnisse:
3,15 : 1 (Blütenfarbe)
2,95 : 1 (Form der Hülse)
2,82 : 1 (Farbe der Hülse)
3,14 : 1 (Stellung der Blüten)
Im Durchschnitt 2,98 : 1, also annähernd 3 : 1.
[Illustration: Abb. 41. Schema zur Erläuterung der *Mendel*schen
Regeln.]
Hatte z. B. die eine Stammform rote, die andere weiße Blüten, und besaß
der Bastard die rote Blütenfarbe, während die weiße ganz ausfiel, so
trat an den Nachkommen des Bastards die rote und die weiße Blütenfarbe
im Verhältnis 3,15 : 1 auf. Eine Regelmäßigkeit in der Vererbung der
Merkmale trat auch bei den folgenden Generationen des Bastards in
die Erscheinung. Abbildung 41 läßt sie deutlich erkennen. Die Formen
d^4, die in der ersten Generation des Bastards c das im Bastard
unterdrückte (rezessive) Merkmal aufweisen, ändern sich in bezug auf
dieses Merkmal nicht mehr, sie bleiben in ihren Nachkommen (e^4)
konstant. Anders verhält es sich mit den Formen d^1 d^2 d^3, die in
der ersten Generation das beim Bastard c dominierende Merkmal, d. h.
einen gezähnten Blattrand besitzen. Von diesen Formen d^1 d^2 d^3 geben
zwei Teile (d^2, d^3) Nachkommen, die wieder in dem Verhältnis 3 : 1 das
dominierende und das rezessive Merkmal an sich tragen. Bei einem Teil
dagegen (d^1) bleibt das dominierende Merkmal bei den Nachkommen (e^1)
konstant, wie es bezüglich des rezessiven Merkmals mit d^4 der Fall war.
Nimmt man an, daß die Fruchtbarkeit der Bastardnachkommen d^1, d^2,
d^3, d^4 gleich groß ist, was in Abbildung 41 dadurch zum Ausdruck
kommt, daß für d^1, d^2, d^3, d^4 der Einfachheit halber wieder je
vier Nachkömmlinge angesetzt sind, so ergibt sich, daß die konstant
gewordenen Formen sich zu denjenigen, bei denen noch eine Spaltung der
Merkmale nach dem Verhältnis 3 : 1 vor sich geht, wie
1 : 2 : 1
verhalten.
Verfolgt man die von dieser Spaltungsregel beherrschten numerischen
Verhältnisse durch eine Anzahl weiterer Generationen, so erkennt man,
daß die Zahl der Individuen mit den beiden konstanten Merkmalen (dem
dominierenden und dem rezessiven) immer mehr überwiegt. Dies entspricht
der schon von *Gärtner* und *Kölreuter* gemachten Wahrnehmung, daß
die Bastarde Neigung besitzen, in ihren weiteren Generationen zu den
Stammarten zurückzukehren.
Sehr viel verwickelter wurde die Untersuchung, als *Mendel* sich nicht
mehr auf ein Merkmal beschränkte, sondern gleichzeitig mehrere Merkmale
in Betracht zog. Nach *Mendel* herrschen in diesem Falle bei der
Bastardbildung die Regeln der Kombinationsrechnung. So hatte er bei den
beiden Erbsenarten, wie wir sahen[385], 7 Paare von charakteristischen
Merkmalen einander gegenübergestellt. Die Zahl der Kombinationen ist in
diesem Falle 2^7 = 128. *Mendel* zeigte, daß sich durch wiederholte
Kreuzung jene 128 Kombinationen wirklich darstellen lassen, eine Regel,
der er folgenden Ausdruck gab: Konstante Merkmale, die an verschiedenen
nahe verwandten Formen vorkommen, können auf dem Wege der wiederholten
künstlichen Befruchtung in alle Verbindungen treten, die nach den
Regeln der Kombination möglich sind.
*Mendels* Untersuchungen wurden, zum Teil infolge der Art der
Bekanntgabe, zunächst kaum beachtet. Sie fielen fast der Vergessenheit
anheim. Erst im Jahre 1900, nachdem mehrere Forscher zu ähnlichen
Ergebnissen gelangt waren, wurden *Mendels* Abhandlungen sozusagen
wieder entdeckt. Seitdem haben sie die Anregung zu zahlreichen weiteren
Untersuchungen und zu einer besonderen Richtung gegeben, die man wohl
als Mendelismus bezeichnet. Diese Forschungsrichtung ist auch für die
Landwirtschaft von Wichtigkeit geworden, besonders seitdem man von
den Untersuchungen an Pflanzen zu im Sinne *Mendels* durchgeführten
Kreuzungsversuchen mit Tieren übergegangen ist. Es sind aber auch
Zweifel an der unbedingten Zuverlässigkeit der *Mendel*schen Regeln
hervorgetreten[386]. Auch der Versuch, die *Mendel*schen Regeln
aus dem Verhalten der bei der Kreuzung in Verbindung tretenden
Geschlechtszellen (Eizelle und Samenfaden) zu erklären, fand bisher
noch keine allgemeine Anerkennung.
12. Geologie und Mineralogie unter dem Einfluß der
chemisch-physikalischen Forschung.
Zu einer wissenschaftlich begründeten Entwicklungslehre war man zuerst
auf dem Gebiete der Geologie gelangt. Diese auch wohl als Aktualismus
bezeichnete Lehre hatte um 1830 *Lyell* klar und überzeugend
entwickelt. Sie gipfelte, wie wir in einem früheren Abschnitt sahen,
in der Erkenntnis, daß der jetzige Zustand der Erde langsam aus dem
Wirken der noch heute zu beobachtenden Kräfte entstanden ist, und
daß die Gegenwart nur einen Augenblick in diesem Entwicklungsprozeß
darstellt. An *Lyell* knüpften *Darwin* und *Wallace* an. Sie
übertrugen den Aktualismus von der allgemeinen Geologie auf das der
Erde entsprossene Leben. Ihnen stellte sich die Welt der Organismen
als ein Problem dar, das nur in Verbindung mit den geologischen
Forschungen Aussicht auf Lösung bietet. Die Beziehungen, in denen
die lebenden Tier- und Pflanzenarten zu den zahlreichen in den
geologischen Formationen vorhandenen paläontologischen Urkunden stehen,
bildeten deshalb für *Darwin* wie für *Wallace* den Ausgangspunkt.
Ein glücklicher, einem ganz anderen Gebiete entstammender Gedanke,
nämlich das Bevölkerungsprinzip von *Malthus*, ließ dann fast
gleichzeitig bei *Darwin* und bei *Wallace* eine Theorie entstehen,
welche dem von *Erasmus Darwin* und von *Lamarck* geschaffenen Begriff
des Transformismus eine wertvolle Stütze verlieh. Den Grundgedanken
des Aktualismus, daß der gegenwärtige Zustand der Natur nur einen
Übergangszustand in einer fortlaufenden, von natürlichen Bedingungen
abhängenden Entwicklung darstellt, kleidet *Darwin* in die Worte: »Es
ist anziehend, beim Anblick eines dicht bewachsenen Ufers mit singenden
Vögeln in den Büschen, mit schwärmenden Insekten in der Luft und
kriechenden Würmern im feuchten Boden sich zu denken, daß alle diese so
kunstvoll gebauten Lebensformen durch Gesetze hervorgebracht sind, die
noch fort und fort um uns wirken«.
Seit der Neubegründung der Deszendenzlehre durch *Darwin* und *Wallace*
traten die Geologie und die Biologie in engste Fühlung, weil beide
Wissenschaften in der Aufhellung der Geschichte des organischen Lebens
eins ihrer wichtigsten Probleme erkannten. In nicht geringerem Grade
indessen wurden die Geologie und die Mineralogie im Verlauf des 19.
Jahrhunderts durch die chemisch-physikalische Forschung befruchtet.
Dies zu zeigen, soll die Aufgabe des vorliegenden Abschnittes sein.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit Hilfe des Mikroskops
das innere Gefüge der Gesteine erschlossen und dadurch manche Frage
über das Wirken der gesteinsbildenden Vorgänge beantwortet. Der erste
Forscher, welcher diesen Weg beschritt, war der Engländer *Sorby*[387].
Das vor ihm nur gelegentlich geübte Verfahren, durchsichtige oder
durchscheinende dünne Platten der zu untersuchenden Gesteine
(sogenannte Dünnschliffe) herzustellen, wurde von *Sorby* zu einem
Hilfsmittel allerersten Ranges ausgebildet.
*Sorbys* für die neuere Petrographie grundlegende Abhandlung
erschien im Jahre 1858[388]. Sie führt den Titel »Über die
mikroskopische Struktur der Kristalle und ihren Zusammenhang mit dem
Ursprung der Mineralien und Gesteine«. Aus der Beschaffenheit der
Dünnschliffe, insbesondere aus ihrem Gehalt an Schlacken-, Gas- und
Flüssigkeitseinschlüssen, sowie durch den steten Vergleich mit den
entsprechenden Verhältnissen an künstlich aus der Lösung oder aus dem
Schmelzfluß hergestellten Kristallen vermochten *Sorbys* mikroskopische
Untersuchungen den wässrigen oder feurig-flüssigen Ursprung der
Gesteine zu ermitteln und damit Fragen, die seit den Tagen *Werners*
die Wissenschaft bewegt hatten. zur Entscheidung zu bringen.
*Sorbys* Methoden wurden besonders durch *Zirkel*[389] weiter
entwickelt. In der Folgezeit wurde Deutschland wie zu *Werners*
Zeiten »die eigentliche Pflegestätte der wissenschaftlichen
Gesteinskunde«[390]. Während 1866 in der ersten Auflage von *Zirkels*
Lehrbuch der Petrographie, dem großen Hauptwerk, das wir über dieses
Gebiet besitzen, die Wichtigkeit der Gesteinsmikroskopie erst
angedeutet wurde und im übrigen noch die ältere makroskopische
Untersuchung den Ausschlag gab, hatte sich das Aussehen der
petrographischen Wissenschaft beim Erscheinen der zweiten Auflage
(1893/94) vollkommen geändert. Infolgedessen gründete *Zirkel* in
dieser Auflage alle Betrachtungen über die Zusammensetzung, die
Einteilung und den Ursprung der Gesteine auf die eingehendsten
mikroskopischen, mikrochemischen und kristalloptischen Befunde.
Vorangegangen waren eine Anzahl monographischer Arbeiten *Zirkels*
über einzelne Gesteine oder Gesteinsgruppen. Unter diesen Arbeiten
verdient seine »Untersuchung über die mikroskopische Zusammensetzung
und Struktur der Basaltgesteine«[391] besonders hervorgehoben zu werden.
Ein zweiter Führer auf dem Gebiete der Petrographie erstand in
Deutschland in *Rosenbusch*. *Rosenbusch* ließ sich nicht nur eine
weitgehende Verbesserung der petrographischen Methoden angelegen sein
-- er brachte insbesondere das kristalloptische Verfahren zu hoher
Vollendung --, sondern er setzte auch die Petrographie, die allzusehr
ein Spezialgebiet zu werden drohte, wieder in die engste Beziehung
zur allgemeinen Geologie. Dies erreichte *Rosenbusch* vor allem
dadurch, daß er den genetischen Merkmalen Rechnung zu tragen strebte
und z. B. bei der Untersuchung der Massengesteine das wichtigste
Ziel darin erblickte, zu entscheiden, ob das betreffende Gestein
als Tiefengestein, Ganggestein, ob an der Erdoberfläche erstarrtes
Ergußgestein anzusehen sei[392].
Als das wichtigste allgemeine Ergebnis der von *Sorby*, *Zirkel* und
*Rosenbusch* begründeten Gesteinsmikroskopie muß man den Nachweis
betrachten, daß Basalt, Trachyt, Porphyr, Melaphyr und Phonolith
unzweifelhaft mit den vulkanischen Laven übereinstimmen und daher wie
diese auf feurig-flüssigem Wege entstanden sind. Größere, zum Teil
noch ungelöste Schwierigkeiten boten die älteren kristallinischen
Schiefer dar. Um ihre Beschaffenheit zu erklären, mußte man annehmen,
daß nach ihrer Entstehung aus den Sedimenten schwierig zu ergründende,
physikalische und chemische Einflüsse ihren Gesteinscharakter
wesentlich verändert haben. Eine solche Gesteinsmetamorphose nahm
schon *Sorby* für den Glimmerschiefer an, der sich nach seiner
Ansicht aus Tonschiefer unter der Wirkung erhitzten Wassers und
mechanischer Kräfte bildete. *Rosenbusch* dagegen hielt es nicht für
ausgeschlossen, daß die kristallinischen Schiefer Eruptivgesteine oder
gar die erste Erstarrungskruste der Erde sind und durch Druck das
schiefrige, auf einen sedimentären Ursprung deutende Gefüge angenommen
haben. *Rosenbuschs* Ansicht blieb nicht ohne Widerspruch. Und wenn
auch noch manche Frage der Klärung harrt, so gilt doch bezüglich der
kristallinischen Schiefer für die Mehrzahl der Geologen auch heute noch
die Lehre, daß diese Gesteine zwar als Sedimente abgelagert wurden,
darauf aber unter der Einwirkung von Verhältnissen, die dem Urmeere
eigen waren, kristallinische Beschaffenheit annahmen[393].
Unter der Voraussetzung, daß in den früheren Epochen der Erdgeschichte
keine anderen als die heutigen physikalischen Kräfte gewirkt haben,
versuchte man die petrogenetischen Vorgänge zu wiederholen, um aus den
Versuchsergebnissen Schlüsse auf die gesteinsbildenden Vorgänge älterer
Zeitalter zu ziehen. Dies führte zum geologischen Experiment, das uns
in seinen Anfängen schon im 18. Jahrhundert bei dem Engländer *Hall*
(1761-1832) begegnet.
*Hall* lieferte z. B. den Nachweis, daß geschmolzene Gesteinsmassen
glasartig oder kristallinisch erstarren, je nachdem sie rasch oder
langsam abgekühlt werden. Als *Hall* Kreide in einem abgeschlossenen
Raume erhitzte, so daß die Kohlensäure nicht entweichen konnte, erhielt
er ein kristallinisches, dem Marmor ähnliches Erstarrungsprodukt.
Als der Begründer der modernen, alle Hilfsmitteln der Chemie und
der Physik benutzenden geologischen Experimentierkunst ist der
Franzose *Daubrée*[394] zu nennen. Ihm und seiner wissenschaftlichen
Gefolgschaft ist es gelungen, einen tiefen Einblick in die Werkstatt
der Natur zu eröffnen.
Es gibt nur wenig geologische Probleme, denen *Daubrée* nicht
durch die Anstellung sinnreich ausgedachter Experimente eine neue
Seite abzugewinnen wußte. So untersuchte er, um die Grundlagen
für sein Werk über die Zirkulation des Wassers im Boden zu finden,
die Durchlässigkeit der verschiedenen Gesteinsarten. Die Frage der
Gesteinsmetamorphose führte ihn zu wichtigen Versuchen mit überhitzten
Wasserdämpfen. Aus den erzielten Ergebnissen schloß er, daß weder Hitze
allein noch die ausschließliche Wirkung von Gasen und Dämpfen genügen,
um die Umwandlungen, welche die sedimentären Gesteine in Berührung
oder in der Nachbarschaft von Eruptivgesteinen erlitten haben, zu
erklären. Nach *Daubrées* Versuchen werden jene Umwandlungen durch
überhitztes, unter hohem Drucke stehendes Wasser hervorgerufen. Die zu
untersuchenden Substanzen schloß *Daubrée* mit Wasser in starke eiserne
Rohren ein und erhitzte sie längere Zeit. Bei dieser Versuchsanordnung
verwandelten sich nicht-kristallinische Massen, z. B. Glas, in
Kristallgemenge. Es gelang unter der Mitwirkung von überhitztem
Wasserdampf, Mineralien wie Orthoklas und Glimmer darzustellen. Eine
derartige hydatochemische Entstehung nahm *Daubrée* auf Grund seiner
Experimente nicht nur für die Kontaktmetamorphosen, sondern auch für
die ältesten Sedimentärgesteine, den Gneis- und Glimmerschiefer,
in Anspruch. Die Schwierigkeit, welche in der kristallinischen
Beschaffenheit dieser Sedimente liegt, suchte auch *Sorby* durch die
Annahme zu erklären, daß Feuchtigkeit, hohe Temperatur und Druck ihre
Umwandlung aus ursprünglich klastischen und nicht kristallinischen
Sedimenten in kristallinische geschichtete Gesteine bewirkt hätten.
Eine ohne Widerspruch angenommene Erklärungsweise ist aber trotz aller
Bemühungen, auf induktivem Wege die Entstehungsweise der archäischen
Gesteine aufzuhellen, noch nicht gefunden. Indessen haben die
zahlreichen experimentellen Ergebnisse vieles über die Umstände, unter
denen die Entstehung und die Umbildung von Mineralien und Gesteinen im
Schoße der Erde vor sich gehen, dargetan.
Von noch größerem Erfolge war das Bemühen gekrönt, die Vorgänge bei
der Oberflächengestaltung der Erde durch Versuche aufzuhellen. Diese,
insbesondere wieder von *Daubrée* ausgehenden Versuche erstreckten
sich auf die Zerkleinerung und die Abrundung von Gesteinsbruchstücken
während der Fortbewegung durch strömendes Wasser, auf die Bildung
von Erdspalten und Tälern und vor allem auf die Biegung und Faltung,
welche die Schichten bei der Entstehung der Gebirge erleiden. Die
Zurückführung eines Faltengebirges auf einen seitlichen Schub erfolgte
zuerst durch einen Bewohner des ausgesprochensten Gebirges dieser
Art, des Jura[395]. Als Ursache des Schubes und der Faltung nahm man
bald darauf eine Schrumpfung des Erdkernes (*Dana* 1846) und damit
einen Vorgang an, dessen mechanische Folge notgedrungen zunächst ein
seitlicher Schub und endlich eine Runzelung der für den Kern zu weit
gewordenen Erdrinde sein mußte. Die experimentelle Geologie ließ es
nicht an Versuchen fehlen, diesen Vorgang im Kleinen nachzuahmen.
*Daubrées* Vorrichtung z. B. bestand aus einem eisernen Rahmen,
in welchem Schichten aus Ton, Wachs usw. einer Pressung unter den
verschiedensten Bedingungen unterworfen wurden. Auf diese Weise erhielt
*Daubrée* Faltungen, welche den in der Natur vorkommenden entsprachen.
Überraschend war die Ähnlichkeit, wenn man Tonschichten auf einer
gespannten Gummiplatte ausbreitete und sie dann durch allmähliches
Nachlassen der Spannung einem seitlichen Schube aussetzte[396]. Außer
den Falten traten auch Brüche, Spalten und Verwerfungen auf, welche den
in der Natur vorkommenden Bildungen dieser Art vollkommen entsprachen.
Zur allgemeinen Anerkennung gelangte die auf der Schrumpfungstheorie
begründete neuere Lehre der Gebirgsbildung durch *Ed. Süß*. Ihm gelang
es wie keinem anderen Forscher, in einem epochemachenden Werke, das er
»Antlitz der Erde« betitelte, die Gebirgsbildung als das Ergebnis eines
durch die Zusammenziehung des Erdinnern hervorgerufenen Stauungs- und
Faltungsprozesses zu erklären, der ununterbrochen vor sich geht und
nicht nur die säkulären Schwankungen großer Teile der Erdrinde, sondern
auch die Entstehung der Gebirge, sowie diejenige Klasse von Erdbeben
hervorruft, die man als tektonische bezeichnet.
Die Erdbebenforschung wurde überdies nicht nur durch eine bessere
ursächliche Begründung der für sie in Betracht kommenden Erscheinungen,
sondern vor allem durch die Erfindung zahlreicher, ihren Zwecken
dienender Instrumente gefördert, die auf der Grundlage physikalischer
Prinzipien über die Richtung, die Stärke und andere Umstände der
Erdbeben Aufschluß zu geben vermochten. Der älteste Seismograph
leistete nur sehr Unvollkommenes. Er bestand aus einer mit Quecksilber
gefüllten Schale, deren Rand eine Anzahl von Rinnen besaß. Unter
jeder Rinne war ein seitliches Gefäß angebracht. Wurde der Apparat
durch eine Erdbebenwelle erschüttert, so ließ sich aus der Menge des
Quecksilbers, das in die Seitengefäße überfloß, annähernd die Stärke
und die Richtung der Welle ermitteln.
Bessere Untersuchungsmethoden ermöglichte die Einführung von
Pendelseismographen. Seitdem man solche auf den zahlreichen im Laufe
der letzten Jahrzehnte errichteten Erdbebenstationen verwendet, ist
man in den Besitz eines reichen Materials über die Häufigkeit, die
Dauer und die Verbreitung der Erdbeben, sowie über die Richtung und
die Intensität der Stöße, ihre Abhängigkeit von der Beschaffenheit
des Bodens, die Geschwindigkeit ihrer Fortpflanzung und zur Kenntnis
zahlreicher sonstiger, die seismischen Vorgänge begleitender
Umstände gelangt. Trotzdem haben die Bemühungen, die Entfernung des
Erschütterungsherdes von der Oberfläche der Erde zu ermitteln, noch
nicht zu einem sicheren Ergebnis geführt. Wohl aber gelangte man
besonders durch die Untersuchungen von *Süß* zu der Erkenntnis, daß
bei den tektonischen oder Dislokationserdbeben die Erschütterungen
immer wieder längs gewisser Linien stattfinden. Offenbar weisen diese
Schütterlinien auf Spalten in der Erdkruste hin, längs welcher die
ruckweisen Verschiebungen vor sich gehen.
Die Forschung des 19. Jahrhunderts eröffnete, unterstützt durch die
Chemie, die Mikroskopie und das Experiment, auch einen klaren Einblick
in die mannigfachen geologischen Wirkungen, welche die Pflanzen und
die Tiere im Verlaufe eines großen Teiles der Erdgeschichte ausgeübt
haben. Schon im 18. Jahrhundert fehlte es nicht an Bemühungen, den
pflanzlichen Ursprung der Steinkohlen nachzuweisen. Den Erweis für
die Richtigkeit dieser Annahme erbrachte indessen erst der deutsche
Botaniker *Göppert*[397]. Seine mikroskopischen Untersuchungen
lehrten, daß die Steinkohlen aus Gefäßkryptogamen entstanden sind,
deren Abdrücke das die Flöze einschließende Gestein erfüllen. Nachdem
man später chemische Agentien gefunden, unter deren Behandlung die
innere Struktur der Steinkohlendünnschliffe besonders deutlich
zutage tritt, wurde das zellige Gefüge der Steinkohle und selbst des
Anthrazits überzeugend dargetan. Für einzelne Kohlenflöze wurde auch
die Entstehung aus Tangen nachgewiesen, die nach älteren Behauptungen
fast ausschließlich das Material für die Bildung der Steinkohlen
geliefert haben sollten. Die experimentelle Geologie stellte sich
auch die Aufgabe, die Steinkohle und das Erdöl nebst den verwandten
Mineralkörpern auf künstlichem Wege zu bereiten, um dadurch die
Entstehungsursachen aufzuhellen. Als solche wurden vor allem Druck
und Sauerstoffmangel erkannt, zu denen häufig noch die Wärme getreten
sein wird. So machen z. B. Versuche[398], bei welchen Fischtran unter
einem Druck von 20 Atmosphären destilliert wurde und ein erdölartiges
Produkt lieferte, die Entstehung des Erdöls aus tierischen Substanzen
wahrscheinlich.
Zuverlässigere Ergebnisse über die Mitwirkung der Tierwelt bei dem
Zustandekommen geologischer Bildungen lieferte *Ehrenberg*, der durch
seine mikroskopischen Untersuchungen die Tätigkeit der kleinsten
Lebewesen als ein wichtiges geologisches Agens erkannte. Ausgehend von
der Beobachtung, daß das Franzensbader Bergmehl aus den Kieselskeletten
untergegangener Diatomeen besteht, hatte *Ehrenberg* gefunden, daß die
Kiesel- und Kalkabscheidungen kleinster pflanzlicher und tierischer
Organismen in ungeahnter Ausdehnung an der Zusammensetzung sedimentärer
Bildungen teilnehmen.
Zunächst hatte *Ehrenberg* die durch mikroskopische Organismen
entstandenen Süßwasserbildungen ins Auge gefaßt. In einer späteren,
uns jetzt beschäftigenden Epoche stellte er sich die Aufgabe, die
gesamte Erdoberfläche einerseits nach den im süßen und im Salzwasser
vorkommenden Mikroorganismen zu durchforschen, andererseits aber die
fossilen, aus ihnen entstandenen Ablagerungen nachzuweisen. Unterstützt
wurde *Ehrenberg* in diesem Beginnen durch den Umstand, daß um
1860, veranlaßt durch die ersten Kabellegungen, die Erforschung der
Tiefsee begann. Die ausgesandten Expeditionen beschränkten sich nicht
etwa auf Tiefenmessungen, sondern förderten zahlreiche Grundproben
zutage. Diese in Federspulen oder in Glasröhren dem Meeresboden
entnommenen Proben lehrten einen großen Reichtum organischer Bildungen
kennen. Eine umfassende Bearbeitung erfuhren sie durch *Ehrenbergs*
»Mikrogeologische Studien über das kleinste Leben der Meeres-Tiefgründe
aller Zonen und dessen geologischen Einfluß[399].
*Ehrenberg* gelangte zu dem Ergebnis, daß dem heute tätigen
mikroskopischen Leben ein vorgeschichtliches mikroskopisches Leben
entsprochen hat, dessen oft sehr mächtige Ablagerungen zuweilen hoch
über den Meeresspiegel gehoben wurden und mitunter in den obersten
Schichten der höchsten Gebirge noch deutlich erkennbar sind. Ergänzt
wurde dieser Nachweis durch die seit 1870 zu rein wissenschaftlichen
Zwecken unternommenen Tiefseeforschungen[400]. Sie ergaben, daß es für
das tierische Leben im Ozean nach der Tiefe zu keine Grenze gibt, und
daß manche, für frühere geologische Perioden charakteristische, bis
dahin für ausgestorben geltende Formen noch jetzt lebend in der Tiefe
des Ozeans anzutreffen sind.
Auch in dem Transport der Eismassen lernte die neueste Zeit ein
wichtiges geologisches Mittel kennen. Schon im Jahre 1827 hatte
ein deutscher Forscher[401] nachgewiesen, daß die Findlingsblöcke
des norddeutschen Tieflandes skandinavischen Ursprungs seien. Ein
Jahrzehnt später wurden ähnliche Bildungen der Alpen auf die Bewegung
von Gletschern zurückgeführt[402]. So gelangte man zur Annahme
von Kälteperioden, in denen die Vergletscherung der mittel- und
nordeuropäischen Landschaft das heutige Maß weit überschritten haben
muß.
Die erste wissenschaftliche Bearbeitung der glazialen Erscheinungen
verdanken wir dem großen Alpenforscher *H. B. Saussure*. Er widmete
nicht nur den Gletschern selbst, sondern auch dem von ihnen bewegten
Gesteinsmaterial, wie es sich in den Moränen anhäuft, eine gründliche
Untersuchung. Vor allem schloß *Saussure* aus dem Vorkommen von Moränen
auf die frühere Ausdehnung der Gletscher und das Zurückschreiten und
Vorwärtsgehen der Gletscherenden. Erst viel später (um 1830) erkannte
man[403], daß auch Schuttmassen, die unzweifelhaft Moränen sind, in
großer Entfernung vom Hochgebirge und ohne jede Beziehung zu heute noch
vorhandenen Gletschern vorkommen.
Einen großen Aufschwung nahm die Erforschung der Gletscher
und der glazialen Bodenverhältnisse in den dreißiger Jahren
des 19. Jahrhunderts durch den Schweizer *Agassiz*[404], wie
denn überhaupt die Schweiz hinsichtlich der Forscher und auch
des Beobachtungsmaterials den Ausgangspunkt für diesen Teil
der geologischen Wissenschaft bildete. Nach einer gründlichen
Durchforschung der Berner und der Walliser Alpen, bei der *Agassiz*
sich auch auf das von *Saussure* beigebrachte Beobachtungsmaterial
stützen konnte, veröffentlichte er 1840 die erste allgemeine
Schilderung der Gletscher und der auf sie zurückzuführenden
geologischen Erscheinungen. Vor allem wurden die verschiedenen
Arten der Moränen, die Rundhöcker, die Gletscherschliffe, die
Gletschermühlen und die erratischen Blöcke als glaziale Bildungen
erkannt, während nicht nur *Saussure*, sondern selbst noch von *Buch*
diese Dinge, soweit sie ihnen schon bekannt waren, auf die Tätigkeit
des strömenden Wassers zurückgeführt hatten. Minder glücklich war
*Agassiz* in der Aufstellung der Theorie, die er sich zur Erklärung der
geschilderten Phänomene bildete. Er nahm nämlich an, daß sie auf eine
Vergletscherung der gesamten Erde, die sogar vor der Erhebung der Alpen
stattgefunden haben sollte, zurückzuführen seien. Dagegen gelangte
*J. v. Charpentier*, der manche alpine Studie gemeinsam mit *Agassiz*
unternommen hatte, zu dem Ergebnis, daß die Vergletscherung von
Mitteleuropa erst nach der Erhebung der Alpen eingetreten sei, und daß
diese Vergletscherung sich keineswegs über die ganze Erde erstreckt,
sondern einen mehr lokalen Charakter besessen habe. Trotz dieses
Gegensatzes ist beiden Forschern nachzurühmen, daß sie der gleichen
induktiven Methode folgten, und daß ihre Arbeiten in den Grundzügen für
die späteren Forschungen von der größten Bedeutung geworden ist.
Erst viel später als die diluvialen Bildungen der Alpen wurde das
Diluvium Norddeutschlands auf seinen glazialen Ursprung zurückgeführt.
Auf den nordischen Ursprung der Findlingsblöcke, die Norddeutschland
und das westliche Rußland bedecken, war zuerst besonders überzeugend
von *Hausmann* (1827) hingewiesen worden. Man dachte aber zunächst
nicht an eine Vergletscherung, sondern an den Transport durch Wasser
und schwimmende Eisschollen. Auf den richtigen Gedanken, daß die
Geschiebe und die Blöcke der deutschen und der sarmatischen Tiefebene
glazialen Ursprungs seien, gelangte, unbeeinflußt durch die zunächst
nur alpinen Forschungen von *Charpentier* und *Agassiz*, der Deutsche
*Bernhardi*[405]. Seine Ansicht fand jedoch keine Beachtung, und
die deutschen Geologen mußten sich erst durch schwedische Forscher,
insbesondere durch *Torell*[406], dahin belehren lassen, daß der mehr
als dreißig Jahre früher in Deutschland selbst geäußerte Gedanke
zutreffend sei.
Ein Problem, bei dessen Bewältigung die Physik der Geologie zu Hilfe
kommen mußte, ist die Bewegung der Gletscher. *Agassiz* hatte noch
angenommen, daß das Schmelzwasser nachts in den Haarspalten der
Gletschermasse wieder gefriere und daß dadurch ihr Zusammenhang gewahrt
bleibe. Die Erscheinung, daß der Gletscher unter Druck sich wie eine
scheinbar plastische Masse verhält, während er unter der Wirkung eines
Zuges seinen Zusammenhang verliert, wie es die Eiskaskaden zeigen,
wurde erst um 1850 aus dem als Regelation bezeichneten Verhalten
des Eises und aus der durch Druck erfolgenden Herabsetzung seines
Schmelzpunktes erklärt. Als Regelation (Zusammenfrieren) bezeichnete
*Faraday* die von ihm beobachtete Erscheinung, daß Eisstücke mit
schmelzenden Oberflächen bei der Berührung wieder zusammenfrieren, auch
wenn die Temperatur der Umgebung erheblich über dem Gefrierpunkt liegt.
Lag die Temperatur dagegen unter 0°, so fand infolge des Fehlens einer
durch Schmelzwasser benetzten Fläche keine Regelation statt. Sie kann
jedoch selbst unterhalb des Schmelzpunktes stattfinden, wenn durch
den Druck der übereinander geschichteten Eismassen der Schmelzpunkt
herabgesetzt und dadurch Schmelzwasser von einer unter dem Nullpunkt
liegenden Temperatur gebildet wird.
Zu den fundamentalsten Aufgaben der allgemeinen Geologie gehört auch
die Bestimmung der genaueren Gestalt unseres Planeten. Von den Tagen
des Eratosthenes bis in das 19. Jahrhundert hinein ließen sich alle,
die sich mit dieser Frage befaßten, von der Vorstellung leiten, daß
die Gestalt der Erde eine regelmäßige, mathematisch bestimmte sei.
Zuerst wurde sie als Kugel, darauf als Rotationsellipsoid (*Newton*
und *Huygens*) und endlich als dreiachsiges Ellipsoid angesehen.
Nachdem die Gradmessungen eine immer größere Ausdehnung gefunden und
auf außereuropäische Länder ausgedehnt waren, hatten sich jedoch
Bedenken gegen die Annahme einer vollkommen sphäroidischen Gestalt der
Erde geltend gemacht. Man sah immer mehr die Notwendigkeit ein, die
bisher ausgeführten Breitengradmessungen durch eine Vermessung der
Längengrade zu ergänzen. Triangulationen in zwei senkrecht aufeinander
stehenden Richtungen erwiesen sich nämlich als das beste Mittel zur
Entscheidung der wichtigen Frage. Es war in erster Linie das Verdienst
des preußischen Generals *Bayer*, daß sich die europäischen Staaten zu
einem großen Unternehmen zusammenschlossen, das sich später (Berlin
1886) zu einer internationalen Erdmessung erweiterte. Im Jahre 1863
begann eine Gradmessung in west-östlicher Richtung, die sich von Irland
bis tief in das Innere Sibiriens erstreckte. Die Vorstellung einer
regelmäßigen Gestalt der Erde mußte jetzt der Erkenntnis weichen, daß
unser Planet eine unregelmäßige, von dem Ellipsoid nicht unerheblich
abweichende Form besitzt, die man als Geoid bezeichnet hat. Die
Aufgabe der Geodäsie besteht seitdem darin, die Punkte der als Geoid
bezeichneten Niveaufläche[407] einem Normalellipsoid in der Weise
zuzuordnen, daß überall die Abweichungen zwischen beiden Flächen
ermittelt werden.
Eine weitere Aufgabe der Geophysik bestand in der Wiederaufnahme der im
18. Jahrhundert begonnenen Bestimmung der Erddichte, um aus dieser und
dem aus den Vermessungen mit immer größerer Genauigkeit hervorgehenden
Rauminhalt der Erde ihre Masse als einen für die Astronomie
grundlegenden Faktor zu ermitteln. Als die geeignetste Methode, die
Erddichte zu bestimmen, hatte sich das auf der Anwendung der Drehwage
beruhende Verfahren von *Cavendish* erwiesen. Es wurde daher vor allem
weiter ausgebildet und lieferte *F. Reich* den Wert 5,66, der lange
als der wahrscheinlichste gegolten hat. Ein neues Verfahren schlug man
1878 ein[408]. Unter der Schale einer Wage wurde eine das Gleichgewicht
störende Masse angebracht und aus dem durch sie bewirkten Ausschlag
ihre anziehende Kraft ermittelt. Letztere wurde dann mit der Anziehung
der gesamten Erdmasse verglichen. Das Verfahren wurde mehrfach
verbessert. Es lieferte im Jahre 1898 für die Erddichte den Wert 5,505.
Um die Schwerkraft zu bestimmen, erwies sich auch die Bestimmung der
Länge des Sekundenpendels als ein sehr geeignetes Mittel, da diese
Größe der Erdanziehung direkt proportional ist. Um die Ausbildung
dieses Verfahrens hatte sich schon *Bessel* ein bleibendes Verdienst
erworben[409]. Das Verfahren ist seitdem in solchem Maße vervollkommnet
worden, daß sich noch Änderungen der Schwere erkennen lassen, als deren
Ursache der Gebirgsbau oder Dichteschwankungen im Innern der Erde
angenommen werden müssen.
Nicht solch umgestaltende Änderungen wie die Geologie hat die
Mineralogie in der neueren Zeit erfahren, da sie schon im Verlauf
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz auf die exakte Grundlage
gestellt wurde. Neben der Forderung der Kristallographie und dem Ausbau
der systematischen Mineralogie blieb der neuesten Zeit vor allem die
Entdeckung einiger wichtigen Beziehungen zwischen den physikalischen
und den morphologischen Eigenschaften, sowie die tiefere Begründung
der letzteren vorbehalten. Der erste Versuch, die in der Kristallwelt
obwaltenden Formverhältnisse ursächlich zu begründen, ging von dem
Deutschen *Hessel* aus. Dieser Versuch fand seine Fortsetzung durch den
Franzosen *Bravais*.
*Hessel*[410] legte sich die Frage vor, »wieviel und in welcher
Anordnung gelegene gleichwertige Teile ein Raumding darbieten kann.«
Das heißt, er suchte, von rein geometrischen Gesichtspunkten ausgehend,
die sämtlichen möglichen Arten der Symmetrie eines Raumgebildes zu
ermitteln. Für die Gebilde, die nach dem Gesetz der Rationalität der
Achsenabschnitte[411] entstehen, also für die Kristalle, ergab die
Untersuchung *Hessels* 32 allein mögliche Symmetriearten. Spätere
Arbeiten über diesen Gegenstand (*Bravais, ohncke*) weisen wohl
Fortschritte in der Art der Beweisführung auf, in der Sache konnten sie
aber über das sofort abschließende Ergebnis der Untersuchung *Hessels*
nicht hinausgehen.
Die ersten Schritte zu einer ursächlichen Begründung der
Kristallgestalten rühren, wie wir in früheren Abschnitten
erfuhren[412], von *Hauy* her. An *Hauy* knüpfte der Franzose *Bravais*
an, dem die Arbeiten *Hessels* kaum bekannt geworden waren. Die
grundlegenden Arbeiten von *Bravais*[413] erschienen gegen 1850. Sie
wurden, da ihr Inhalt nicht nur geschichtlichen Wert besitzt, sondern
auch heute noch für die Theorie der Kristallstruktur von wesentlicher
Bedeutung ist, neuerdings ins Deutsche übersetzt und als Teile der
*Ostwald*schen Sammlung herausgegeben[414].
*Bravais* blieb nicht wie *Hessel* bei geometrischen Spekulationen
stehen, sondern er versuchte die 32 kristallographischen Gruppen,
zu denen er gleich jenem gelangt war, mit einer Theorie über den
molekularen Aufbau der Kristalle zu verbinden. Sozusagen als
Modell eines jeden Kristalls erdachte *Bravais* ein im Raume nach
bestimmten geometrischen Gesetzen gebildetes System von Punkten, ein
»Raumgittersystem«. Ein solches System entsteht, wenn man sich drei
Scharen von parallelen Ebenen vorstellt und weiterhin annimmt, daß
jede Schar unter sich gleiche Abstände hat, während sich die Scharen
gegenseitig unter bestimmten Winkeln schneiden. Die so entstehenden,
regelmäßig im Raume verteilten Schnittpunkte der drei Scharen, die
»Gitterpunkte«, hat man sich nach *Bravais* mit den Mittelpunkten der
den Kristall aufbauenden Moleküle zusammenfallend zu denken.
Aus den Symmetrieverhältnissen, die unter dieser geometrischen
Voraussetzung möglich sind, ergaben sich sieben Arten von Raumgittern,
d. h. im Raume gesetzmäßig verteilten Punktsystemen. Diese sieben
Raumgitter ließen sich den bekannten Kristallsystemen zuordnen. Es
war damit eine Beziehung gefunden, die unmöglich als bloßes Spiel des
Zufalls gedeutet werden konnte.
Um den weiteren Ausbau der von *Hessel* und *Bravais* begründeten
Theorie der Kristalle haben sich unter den neueren Forschern besonders
*Gadolin* und *Sohncke* verdient gemacht.
Ohne die früheren Veröffentlichungen über diesen Gegenstand zu kennen,
führte *Gadolin*[415] den Nachweis, daß sich aus dem Gesetz der
Rationalität der Achsenverhältnisse nach den Gesetzen der Symmetrie und
ohne jede Voraussetzung über den molekularen Aufbau 32 Kristallgruppen
ableiten lassen. Diese Gruppen wies er den sechs empirisch gefundenen
Kristallsystemen zu. *Gadolin* bestätigte dadurch zwar nur das
schon von anderen Forschern und zwar zuerst von *Hessel* gefundene,
die Kristallwelt beherrschende Prinzip. Seine Ableitungen zeichnen
sich aber vor allen übrigen dadurch aus, daß sie am einfachsten und
klarsten sind. Aus diesem Grunde ist *Gadolins* Abhandlung gleichfalls
neuerdings in deutscher Übersetzung herausgegeben worden[416].
Anknüpfend an *Bravais*, hat schließlich der deutsche
Physiker *Sohncke* eine Ableitung der Kristallsysteme aus den
Symmetrieverhältnissen von Punktsystemen gegeben. Auch für *Sohncke*
bedeutet der »Punkt« einen Massenpunkt oder ein Molekül. Ferner ist
die Verteilung der Punkte in einem kristallinischen Punktsystem so
zu denken, daß sie um jeden Massenpunkt die gleiche ist wie um jeden
anderen. *Bravais* hatte seine abstrakt mathematische Untersuchung über
regelmäßige Punktsysteme auch auf zahlreiche Verhältnisse ausgedehnt,
die zur Kristallographie in keiner Beziehung stehen; *Sohncke* dagegen
beschränkte sich darauf[417], möglichst einfach a priori nachzuweisen,
daß es unter der Voraussetzung der atomistischen Beschaffenheit der
Körper nur die bekannten Kristallsysteme und keine anderen geben kann.
*Sohnckes* Untersuchung ergab kurz folgendes: Es kann nur sieben durch
ihre Symmetrieverhältnisse verschiedene Arten von kristallinischen
Punkthaufen, d. h. sieben Kristallsysteme, geben und zwar:
1. Punkthaufen ohne Symmetrieebene (d. h. ohne eine Ebene, die ein
gegebenes, geometrisches Gebilde so teilt, daß die eine Hälfte das
genaue Spiegelbild der anderen ist). Dies ergibt das trikline System.