Der Ausdruck ρ ist eine Funktion der beiden Winkel θ und θ^1, den die
Stromelemente mit ihrer Verbindungslinie bilden und eines dritten
Winkels ε, den die durch ds und r, sowie durch ds^1 und r gelegten
Ebenen miteinander machen[119].
Bei den bisher betrachteten Gesetzen handelte es sich um Fernwirkungen
der Elektrizität. Es war noch nötig, quantitative Beziehungen für die
Intensität des Stromes selbst und für seine elektrolytische Wirkung zu
finden, sowie die mathematische Analyse auf das neu erschlossene Gebiet
der Induktion auszudehnen.
Wie die Intensität des Stromes durch die elektrischen Spannungen und
Widerstände bestimmt wird, entdeckte *Ohm*. In seiner 1827 erschienenen
Schrift »Die galvanische Kette, mathematisch bearbeitet« löste er die
Aufgabe »aus wenigen, durch die Erfahrung gegebenen Prinzipien den
Inbegriff derjenigen elektrischen Erscheinungen abzuleiten, die unter
dem Namen der galvanischen begriffen werden«[120].
Um das Lebenswerk *Ohms* zu würdigen, muß man sich die Schwierigkeiten
vergegenwärtigen, mit denen *Ohm* Zeit seines Lebens zu kämpfen hatte.
Man erkennt dann, wie gering so häufig die Anerkennung und der Lohn
sind, den das geniale Schaffen bei den Zeitgenossen findet.
*Georg Simon Ohm* wurde 1789 in Erlangen geboren. Sein Vater, ein
Schlossermeister, besaß ein lebhaftes Interesse für die Mechanik und
die Mathematik. Er gab seinen Söhnen in diesen Wissenschaften die
erste Unterweisung und ermöglichte ihnen den Besuch der Universität.
Da es an Mitteln gebrach, mußte *Georg Simon Ohm* nach kurzem Studium
eine Lehrerstelle in Bamberg annehmen. Von 1817 bis 1826 wirkte *Ohm*
am Gymnasium in Köln. In diese Zeit fallen seine Untersuchungen über
die Intensität der galvanischen Kette[121]. Um diese Untersuchungen
zum Abschluß bringen zu können, ließ er sich für ein Jahr beurlauben.
An die im Jahre 1827 erschienene, zusammenfassende Darstellung seiner
Ergebnisse knüpfte *Ohm* die Hoffnung, daß sich ihm die akademische
Laufbahn erschließen werde. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht, denn
*Ohms* Arbeit, die ihn mit einem Schlage in die Reihe der ersten
Forscher stellte, fand bei den deutschen Hochschullehrern, von denen
manche der naturphilosophischen Richtung angehörten, keine günstige
Aufnahme. Auch der Umstand, daß *Ohm* als Gymnasiallehrer eigentlich
nicht zur gelehrten Zunft gehörte, mag mitgewirkt haben. *Ohm* nahm
nach Ablauf seines Urlaubes sein Amt nicht wieder auf. Er lebte eine
Reihe von Jahren in der Zurückgezogenheit und in sehr dürftigen
Verhältnissen, bis er zum Lehrer der Physik an einer technischen Schule
in Nürnberg ernannt wurde. Erst als ausländische Forscher auf *Ohms*
bahnbrechende Leistungen aufmerksam wurden und ihm die Royal Society
ihre höchste wissenschaftliche Auszeichnung durch Überreichung einer
Medaille zugesprochen hatte, fand er auch in Deutschland Anerkennung.
Jetzt ging auch, freilich zu spät, *Ohms* Wunsch in Erfüllung, indem
man ihn im Alter von 65 Jahren zum ordentlichen Professor ernannte.
Bald darauf starb *Ohm* im Jahre 1854 in München.
Bei den Versuchen, die ihn zur Auffindung seines Gesetzes führten,
benutzte *Ohm* zunächst ein Kupfer-Zink-Element, dessen Metallplatten
in eine chemisch wirkende Flüssigkeit (Schwefelsäure) tauchten. Man
nannte eine derartige Stromquelle wohl ein Hydroelement zum Unterschied
von dem von *Ohm* später benutzten, ohne Flüssigkeit arbeitenden
Thermoelement. Zwischen die Polenden seiner Stromquelle brachte *Ohm*
Leitungsdrähte von verschiedener Länge und Dicke und beobachtete die
Ablenkung, welche die Galvanometernadel unter der Einwirkung des
Stromes erfuhr.
*Ohm* bemerkte bald, daß die Hydroketten einen sehr ungleichmäßigen
Strom liefern. Er hielt deshalb seine Kette vor Beginn eines Versuches
längere Zeit geschlossen. Es hatte sich nämlich herausgestellt, daß die
elektrische Kraft eines Hydroelementes sofort nach dem Eintauchen der
Metallplatten in die Säure rasch abnimmt und erst nach dem Erreichen
eines Minimums eine gewisse Konstanz zeigt. Wurde der Strom dann
eine Zeitlang unterbrochen, so wirkte das Element wieder bei weitem
kräftiger, so daß beispielsweise ein in den Stromkreis eingeschalteter
Draht von neuem aufglühte. *Ohm* erkannte ganz richtig, daß die von ihm
als »das Wogen der elektrischen Kraft« bezeichneten Schwankungen ihren
Grund in einer Zersetzung der auf die Platten wirkenden Flüssigkeit
haben, ein Vorgang, den man als Polarisation des Elements bezeichnet
hat. Die Erkenntnis dieses Vorganges hat zur Erfindung der konstanten
Elemente geführt, die einen ziemlich gleichmäßigen Strom liefern, *Ohm*
aber noch nicht zu Gebote standen.
Um mit einer sich gleich bleibenden elektromotorischen Kraft arbeiten
zu können, bediente sich *Ohm* später eines aus Wismut und Kupfer
verfertigten Thermoelementes. Den Stellen, an denen sich das Wismut und
das Kupfer eines solchen Elements berühren, gab er einen beständigen
Temperaturunterschied, indem er die eine Lötstelle beständig auf
der Temperatur des siedenden Wassers, die andere auf derjenigen
des schmelzenden Eises erhielt. Von dem so störenden »Wogen der
elektrischen Kraft« war jetzt »auch nicht eine Spur mehr wahrzunehmen«.
Die Galvanometernadel blieb vielmehr bei jedem Stromschluß, sowie sie
zur Ruhe gekommen war, unbeweglich stehen. Durch zahlreiche, mit Hilfe
der Thermokette und des Galvanometers an Leitungsdrähten verschiedener
Länge angestellte Versuche wurde *Ohm* zu der Erkenntnis geführt, daß
sich sämtliche Versuchsergebnisse der Formel