Den 19. Februar.
Das Wetter fährt fort, über allen Ausdruck schön zu sein; heute war
ein Tag, den ich mit Schmerzen unter den Narren zubrachte. Mit
Anbruch der Nacht erholte ich mich auf der Villa Medicis; Neumond ist
eben vorbei, und neben der zarten Mondsichel konnte ich die ganze
dunkle Scheibe fast mit bloßen Augen, durchs Perspektiv ganz deutlich
sehn. Über der Erde schwebt ein Duft des Tags über, den man nur aus
Gemälden und Zeichnungen des Claude kennt, das Phänomen in der Natur
aber nicht leicht so schön sieht als hier. Nun kommen mir Blumen aus
der Erde, die ich noch nicht kenne, und neue Blüten von den Bäumen;
die Mandeln blühen und machen eine neue luftige Erscheinung zwischen
den dunkelgrünen Eichen; der Himmel ist wie ein hellblauer Taft, von
der Sonne beschienen. Wie wird es erst in Neapel sein! Wir finden
das meiste schon grün. Meine botanischen Grillen bekräftigen sich an
allem diesen, und ich bin auf dem Wege, neue schöne Verhältnisse zu
entdecken, wie die Natur, solch ein Ungeheueres, das wie nichts
aussieht, aus dem Einfachen das Mannigfaltigste entwickelt.
Der Vesuv wirft Steine und Asche aus, und bei Nacht sieht man den
Gipfel glühen. Gebe uns die wirkende Natur einen Lavafluß! Nun kann
ich kaum erwarten, bis auch diese großen Gegenstände mir eigen werden.
Den 20. Februar, Aschermittwoch.
Nun ist der Narrheit ein Ende. Die unzähligen Lichter gestern abend
waren noch ein toller Spektakel. Das Karnaval in Rom muß man gesehen
haben, um den Wunsch völlig loszuwerden, es je wieder zu sehen. Zu
schreiben ist davon gar nichts, bei einer mündlichen Darstellung
möchte es allenfalls unterhaltend sein. Was man dabei unangenehm
empfindet, daß die innere Fröhlichkeit den Menschen fehlt und es ihnen
an Gelde mangelt, das bißchen Lust, was sie noch haben mögen,
auszulassen. Die Großen sind ökonomisch und halten zurück, der
Mittelmann unvermögend, das Volk lahm. An den letzten Tagen war ein
unglaublicher Lärm, aber keine Herzensfreude. Der Himmel, so
unendlich rein und schön, blickte so edel und unschuldig auf diese
Possen.
Da man aber doch das Nachbilden hier nicht lassen kann, so sind zur
Lust der Kinder Masken des Karnavals und römische eigentümliche
Kleidungen gezeichnet, dann mit Farben angestrichen worden, da sie
denn ein fehlenden Kapitel des "Orbis pictus" den lieben Kleinen
ersetzen mögen.