Ihnen ganz ergebnen

_Karl Witte_.

Wolff, Pius Alexander.

Geb. 1782 zu Augsburg, gestorben 1828 zu Weimar.

Von Weimar, wo er zuerst das Theater unter Goethe’s Leitung

betreten hatte; wo er, anfänglich mehr durch gesellige Bildung

als durch sichtbaren Beruf, das Wohlwollen des Meisters gewann;

wo er nach und nach sein Darstellungstalent entfaltete und jene

unvergeßliche Epoche mit erleben und befördern helfen durfte, von

welcher wir uns einmal zu schreiben erlaubt haben: „Jahrhunderte

werden verrinnen; kommende Geschlechter werden die Tage in W.

aufzeichnen, und auf den goldnen Blättern, die Göthe’s und

Schillers Namen tragen, wird auch ihres Schülers und jungen

Freundes gedacht werden.“ --

Von Weimar kam er mit seiner Frau (Amalie Malcolmi) nach Berlin,

um dort, allen Anfechtungen und plumpen Kabalen zum Trotz, die

Ehrenstelle zu erringen und zu behaupten, welche Geist, Seele,

edler Sinn, guter Geschmack, Humor, Fleiß, höchstes Streben

einzunehmen verdienen. Es gelang ihm auf Kosten schwächlicher

Gesundheit, die solchen Aufregungen unterliegen mußte. Mehrfache

Reisen in mildere Klimate vermochten nicht mehr zu heilen. Sterbend

kehrte er zurück; in kleinen Tagereisen brachte ihn die Frau bis

Weimar.... und dort liegt er begraben. Eine Leier bezeichnet sein

Grab.

Wo er begann, durfte er enden. Wo Schiller und Goethe ruhen, fand

auch Er die Ruhe.

Er hat Mancherlei für die Bühne geschrieben. Sein altes Lustspiel

Cäsario ist reich an komischen Situationen und eigenthümlichen

Charakteren; es wirkt heute noch.

Die Parodie: „Der Hund des Aubri“ ist voll von prächtigen Scherzen.

Eben so das Lustspiel: „Der Kammerdiener.“ -- „Der Mann von Fünfzig

Jahren“ darf für eine geistvoll dramatisirte Ausführung der

Goethe’schen Idee gelten. -- Dasjenige seiner Schauspiele, welches

die größte Verbreitung gefunden, möchte die schwächste seiner

Dichtungen sein. Doch bleibt ihr der unsterbliche Ruhm, daß ohne

_Preciosa_ die Welt C. M. Weber’s Musik entbehren würde; zu

_solcher_ Composition die _Anregung_ gegeben zu haben,

ist schon ein großes Verdienst.

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 275 / 310 题