Freundin

_Charlotte von Wiebeking_.

=Wiese, Sigismund.=

Geb. am 27. December 1800 zu Kulm, gestorben im März 1864 zu

Genthin.

~Dr.~ Rudolph Koepke schreibt uns auf unsere bittende Anfrage

über den sonderbaren Mann folgendes:

„W. studierte in Berlin Naturwissenschaften, arbeitete einige Zeit

beim Oberbergamte, verließ den Dienst, um der Litteratur zu leben,

trat seit 1833 als Dramen- und Romanen-Dichter auf: Hermann (1833.)

-- Theodor (1834.), Romane. -- Drei Trauerspiele (1835.) -- Drei

Dramen (1836.), darunter: Paulus -- Beethoven. -- Friedrich, Roman

(1836.) -- Don Juan (1840.) -- Moses (1844.) -- Jesus (1844.),

Dramen. -- Das Trauerspiel Petrus -- und manches Andere.

Mit bitterer Armuth kämpfend erhielt er durch Humboldt’s und

Tieck’s Verwendung die sogenannte königl. Dichterpension von 300

Thlr. -- Persönliche Verbindungen hatte er, außer der mit Tieck,

keine von irgend welchem Einfluß, aber bei einigen angeregten

Studenten hatte seine dunkle Mystik Eingang gefunden, und durch

sie lernte ich mehrere seiner Sachen im Manuskripte kennen, bis

ich (K.) später bei Tieck mit ihm zusammen traf. Es war ein Mann

mit früh ergrautem Haar, eckig, scheu, sonderbar in Erscheinung

und Wesen; schwerfällig und jäh in Rede und Ansicht. Man erkannte

in ihm den Einsiedler als Mensch wie als Dichter; vielleicht

erst: „verachtet -- nun Verächter!“ -- Auf dem Lande bei Potsdam,

in Magdeburg, zuletzt in Genthin lebte er in tiefer Einsamkeit,

ein Prophet und eine Stimme in der Wüste, deren Niemand achtete;

freilich kaum zu verwundern, da er auf die Welt wirken wollte,

_die er nicht kannte_!

Er war ohne Zweifel ein tiefes, aber dunkles und schweres Talent.

Indem er der Poesie durch das Christenthum einen Halt geben, sie

zum Ausdrucke desselben machen wollte, irrte er darin entschieden,

wenn er glaubte Dogmen und Charaktere in ihrer biblischen Gestalt

einführen zu müssen. Dadurch gerieth er in die Gefahr, die

Einfachheit der biblischen Ueberlieferung zu stören, ohne der Poesie

zu genügen, und so verdarb er’s mit beiden.

Ein Lyriker war er sicher nicht; sein Geburtstagsgedicht an

Tieck ist herzlich schlecht; eine stolpernde Reimerei confuser

Anspielungen &c.“ (K.)

Dasselbe müssen wir von den andern Versen bekennen, welche sich

zwischen seinen Briefen befinden. Von letzteren, deren Masse

unzählbar ist (in manchem Monat ein Dutzend), haben wir wenige

ausgesucht, die etwa eine Uebersicht von seinem, -- gar oft durch

zweifelnden und verzweifelnden Mißmuth gestörten Verhältnisse zu

Tieck geben.

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 257 / 310 题