(Ohne Datum.)
_Verehrter Herr und Freund!_
Im Drange der Geschäfte benutze ich doch die Gelegenheit, die sich mir
durch den aus Göttingen kommenden Herrn Sillig darbietet, um Ihnen
durch diese wenigen Zeilen zu zeigen, wie gern ich Ihrer gedenke.
Ich sende Ihnen einen Aufsatz mit, den ich über Ihre kürzlich
erschienene Novelle geschrieben. Ich lege demselben aber nicht den
allergeringsten Werth bei und muß, um Ihre Nachsicht für denselben
auszuwirken, noch insbesondere hinzufügen, daß derselbe ursprünglich
von mir für die _musikalische Zeitung_ bestimmt war. Diese
wird _meist_ von Musikern gelesen, in deren Hände sonst
wenig Litteratur kommt. Da ich nun von diesen Ihre Novelle ganz
_besonders_ gekannt wünschte, so entschloß ich mich denselben das
Wesentlichste davon mitzutheilen. Um aber nicht _bloßer_ Referent
zu seyn, erlaubte ich mir manchmal die Einrede. Nehmen Sie dieß mit
freundlicher Nachsicht auf!
Ueber Krause’s Lage höre ich nicht viel Erfreuliches. Herr Sillig kann
Ihnen mehr sagen. _Mir_ hat er noch gar nicht geschrieben; er
macht es darin, wie andere Leute, von denen man gern selbst nur ein
Zeichen sieht und sich oft darnach sehnen muß.
Raupach war auf einige Tage hier; ich traf ihn beim Hofrath Küstner
und fand ihn eben nicht anziehend. Anziehender soll seine Reise nach
Italien seyn, die er eben edirt hat. Das hiesige Parterre brachte ihm
bei der Vorstellung der großen Fürsten Chawansky ein nothgedrungenes
Vivat, zu welchem die Schauspieler, welche herausgerufen wurden,
gewissermaßen aufforderten. Jetzt ist die gespenstische Tarnow hier.
Lauter fremde Geister! Nur mit Ihrem Besuche will es nicht mehr werden.
Hoffentlich liegt kein Hinderniß in Ihren Gesundheitsumständen. Aber
was machen Sie? Dieß wünscht sehnlich zu wissen