Ihr

ganz gehorsamster Diener

_v. Willisen_,

Major und Flügel-Adjutant.

=Wackenroder, Wilhelm Heinrich.=

Geb. zu Berlin 1772, gest. daselbst am 13. Februar 1798.

Die Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1797)

an denen Tieck mitgearbeitet, und der jetzt nicht mehr genauer zu

bestimmende Antheil, den andrerseits W. am Sternbald gehabt haben

dürfte, sind Alles was dieser wunderbare Mensch hinterlassen. Wir

haben deshalb seine Briefe _sämmtlich_ -- mit Weglassung

weniger kurzer Stellen -- aufgenommen. Wir glauben dies im Sinne

Derjenigen gethan zu haben, denen überhaupt der Sinn einwohnt

für das Verständniß solch’ „ahnungsvoller prophetischer Natur.“

Auf Tiecks Jugend, auf dessen geistige Entwickelung werfen diese

Documente schwärmerischer Jünglings-Freundschaft manch’ helles

Licht. Ja, sie scheinen wie die Morgenröthe jener ganzen Epoche

der Dichtkunst, welche man höhnisch „die romantische“ benennt,

und die man mit Tieck und Eichendorff glücklich begraben wissen

wollte. -- Lächerlich! So lange Sterne flimmern, Blumen blühn,

Vögel singen, Bäche murmeln, Baumblätter säuseln; so lange

unerklärliche Sehnsucht jugendliche Herzen nach der Welt der Wunder

zieht; so lange wird die romantische Poesie auf Erden walten. Und

Wackenroder, der selige Jüngling wird ihr erster, reiner Priester

bleiben; Er, von dem Rud. Köpke so treffend sagt: „Das Wunder

schien die Welt zu sein, in der er eigentlich lebte, während das

Alltägliche für ihn zum Wunder wurde.“

In diesen wenigen Worten liegt das ganze Geheimniß der wahren

Poesie.

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 193 / 310 题