Ihr

ganz ergebenster

_H. Ulrici_, ~Dr.~

=Ungher-Sabatier, Caroline.=

Das war ein üppiger Frühling voll süßer Blüthen und Töne, da in

der Kaiserstadt Rossini seine Opern mit den besten Sängern gab; da

Lablache, Ambrogi, Donyelli, David, Rubini, die Fodor-Mainville in

voller Jugendkraft schwelgten; da Carl Maria kam, die Euryanthe mit

Therese Grünbaum, Forti, _Haizinger_, Henriette _Sontag_

zu studiren; da Caroline _Ungher_ ihre ersten Triumphe als

„Libussa“ feierte...! Auch dieser Frühling mußte scheiden, und

seine Sänger verflogen sich über Land und Meer. -- Sechzehn

Jahre später begegnen wir Frau Ungher-Sabatier, die Gattin eines

französischen Publicisten, wie sie auf ihrer Kunstreise auch

Dresden berührt, und durch dramatische Wahrheit ihrer Gesangs-

und Darstellungs-Kunst sich Tieck’s Anerkennung gewinnt. -- Dies

Briefchen zeigt, wie sehr die geistreiche Frau zu würdigen wußte,

was ihr Talent sich errungen.

_Linz_, am 22. August 1839.

_Mein verehrter Freund!_

Sie sehen, daß es mir unmöglich wird so lange zu harren, als meine

Reise dauert, um den ersehnten versprochenen lieben Brief zu erhalten,

der meine schönste Krone seyn soll, welche mir als Künstlerin wird, und

ein liebes Pfand Ihrer mir so unendlich werthen Freundschaft.

Die schönen Tage in Aranjuez sind vorüber --! o! zögern Sie nicht lange

mit dem lieben Briefe, wenn ich Sie nicht _hören_ kann, so will

ich Sie doch _lesen_, um so mehr als ich hoffen darf, Sie werden

mich recht strenge zurechtweisen.

Der liebenswürdigen Frau Gräfin meinen dankbarsten Gruß für alle

Freundlichkeit, so auch Ihrer lieben Familie; wenn Sie recht schnelle

schreiben, so kann ich in Wien die Antwort bekommen und dies wäre mir

sehr lieb, da ich in Wien recht liebe Freunde habe, die mein Schatz wie

mich selbst erfreuen würde. Wollen Sie so gütig seyn, Baron Lüttichau

mich zu empfehlen? Tausend Herzensdank noch für die schönen Stunden,

die ich in Ihrem Hause verlebte. Die Erinnerung wird nie aus meinem

Herzen entschwinden.

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 154 / 310 题