~D. a. Moor.~ Amalia! Bote des Himmels! Kommst du, meine Seele zu lösen?
~Amalia~ (_mit sanfterem Ton._) Ihr habt einen herrlichen Sohn
verloren.
~D. a. Moor.~ ~Ermordet~ willst du sagen. Mit diesem Zeugnis belastet
tret ich vor den Richterstuhl Gottes.
~Amalia.~ Nicht also, jammervoller Greis! der himmlische Vater rückt'
ihn zu sich. Wir wären zu glücklich gewesen auf dieser Welt. -- Droben,
droben über den Sonnen -- Wir seh'n ihn wieder.
~D. a. Moor.~ Wiedersehen, wiedersehen! Oh es wird mir durch die Seele
schneiden ein Schwerdt -- Wenn ich ein Heiliger ihn unter den Heiligen
finde -- mitten im Himmel werden durch mich schauern Schauer der Hölle!
Im Anschauen des Unendlichen mich zermalmen die Erinnerung: Ich hab
meinen Sohn ermordet!
~Amalia.~ Oh, er wird euch die Schmerz-Erinnerung aus der Seele
lächeln, seyd doch heiter, lieber Vater! ich bin's so ganz. Hat er
nicht schon den himmlischen Hörern den Namen Amalia vorgesungen auf der
seraphischen Harfe, und die himmlischen Hörer lispelten leise ihn nach?
Sein letzter Seufzer war ja, Amalia! wird nicht sein erster Jubel,
Amalia! seyn?
~D. a. Moor.~ Himmlischer Trost quillt von deinen Lippen! Er wird mir
lächeln, sagst du? Vergeben? du must bey mir bleiben, Geliebte meines
Karls, wenn ich sterbe.
~Amalia.~ Sterben ist Flug in seine Arme. Wohl euch! Ihr seyd zu
beneiden. Warum sind diese Gebeine nicht mürb? Warum diese Haare nicht
grau? Wehe über die Kräfte der Jugend! Willkommen, du markloses Alter!
näher gelegen dem Himmel und meinem Karl.