Ein Weniges erschrocken war sie über ihres Erne verändertes Aussehen,
denn man hatte ihr das Ärgste verschwiegen von dem furchtbaren Brande
da draußen. Aber er tröstete und beruhigte das kleine, weinende
Mutterchen. „In acht Tagen darf ich die Brille abnehmen, -- denk,
Mutter, dann bin ich gesund....“
„Und dann können Sie mich auch sehen“, sagte Sörine ernsthaft.
Er lachte sein altes, schönes, sonores Lachen. „Sörine, du hast mich
einst feierlichst gebeten, dich ‚Sie‘ zu nennen, aber nun muß ich dich
ebenso feierlich bitten, ‚Du‘ zu sagen, kleine, närrische Deern.“
Da küßte sie seine Hand, die er ihr erschrocken entzog. „Ich will
alles tun, was du willst, Erne Sörensen.“ Und hinterher kam ihr
frohes Kinderlachen, um das er sie einst beneidet. Das sollte nun
sein einsames Haus durchwärmen und durchleuchten, es war schier nicht
auszudenken. „Ich habe ja ein halbes Jahr Schule nachzuholen“, rief
sie glücklich. „Das sagte ich auch dem Großvaterli, als er mich in
einer frohen Stunde neckte, und immer rief: Sörine! Ausgerechnet ein
+Schulmeister+! Dann meinte er: So muß ich wohl schon wegen
Schulgeldersparnis zufrieden sein. -- Ach Erne, wenn Ihr erst ganz
zusammen seid, Großvaterli und du! Er sagte, du wärst ein Dickkopf, und
würdest mich gar nicht wollen....“
So plauderte der junge Mund und Sörensen dachte, daß diese Stunden
alles auslöschten, was er Herbes durchlebt.
Und die Mutter sah auf die junge, feine Tochter und nahm ihre Hand und
streichelte sie scheu. Gottes Segen über dich, kleines Mädchen, du
willst meinen Sohn gesund machen an Leib und Seel. --
* * * * *
Mutter Gesine und Sörine fuhren nach Heidekamp.
Nur für eine Nacht. Morgen wollte die Mutter die Pflege des Sohnes
übernehmen.
Sörine hielt fest einen großen Brief auf ihrem Schoß.
Der barg in kurzen, markigen Zügen das Bild von Erne Sörensens harter
Vergangenheit. Und er enthielt die ehrerbietige Bitte des gereiften
Mannes an den alten Herrn von Heidekamp, ihm sein Kleinod Sörine zum
Weib zu geben, das er, Erne Sörensen, hüten und hegen wolle, so wahr
ihm Gott helfe. --
Und oben im alten Patrizierhause saß Sörensen am Fenster, und wenn
er auch die Sonne nicht sah, die in wonnevoller Schönheit hinter den
Föhren unterging, so leuchteten dafür drei Glückssonnen in seinem
ehrlichen Herzen: Sohnesliebe, Mannesliebe und Heimatliebe.
Und er streckte seine in heißem Dank gefalteten Hände der braunen Heide
draußen entgegen.
+Ende.+