„Vermutlich.“
Traute sah, es war aus Rasmussen nichts heraus zu holen. Ärgerlich
ging er aus dem Direktorzimmer, worin sich Rasmussen als Vertreter
niedergelassen hatte. Auf dem Flur begegnete ihm Kahl in großer Eile:
„Komme vom Bahnhof“, raunte er dem Überraschten zu. „Hörte vom Friseur,
daß ‚Er, der Herrlichste von allen‘, schon vor Tau und Tag aus Birkholz
abgedampft sei, ordentlich +gelaufen+ sei er, um noch den Frühzug
5^{54} zu erreichen. Na, ich habe mir dann noch auf dem Bahnhof etliche
Kilo Material gesammelt. ‚Er‘ ist genau nach demselben Ort gefahren, --
na, Sie wissen ja Bescheid.
Unsauber, -- im höchsten Grade unsauber, Kollege Traute, es +muß+
ihm nächstens den Hals brechen....“
„Unglaublich“, staunte Traute und schoß in das Klassenzimmer, denn er
hatte den Vertreter des Direktors „husten“ hören. --
Am Sonnabend derselben Woche kehrte Sörensen aus Einingen zurück. Klaus
Hansohm holte ihn am Nachmittag vom Bahnhof ab.
Sörensen entstieg sehr elastisch dem Abteil und sah den jungen Freund
aus ernsten, aber hellen Augen an. „Wie jemand, der erholt aus einem
frohen Urlaub kommt“, dachte Hansohm etwas befremdet, und dann biß er
sich auf die Lippen, denn er hatte gesehen, wie Oberlehrer Kahl auf dem
Bahnsteig auf und ab ging und nur gerade eben den Hut lüftete, als er
an dem Direktor vorbeischritt.
Der kurzsichtige Sörensen hatte offenbar die unehrerbietige Art des
Grußes gar nicht bemerkt.
Aber unten auf der Straße begegneten ihnen mehrere Honoratioren mit
ihren Frauen, und es war wirklich befremdlich, wie langsam jede
Hand nach dem Hute griff und wie geflissentlich die Frauen zur Seite
schauten...
Klaus Hansohm beobachtete seinen Direktor, aber dieser war ganz
unbefangen: „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin, lieber
Hansohm, daß Sie mich heute abholten. Wie ein lieber Heimatgruß
war mir Ihr Gesicht, obgleich -- -- -- ich eben aus meiner Heimat
+komme+“, sagte er dankbar. „Haben Sie Zeit, um aus der Hand von
Frau Dietz eine gute Tasse Kaffee entgegen zu nehmen?“
„Für Sie habe ich immer Zeit, Herr Direktor“, entgegnete Hansohm warm.
Oben im Wohnzimmer war es sehr behaglich. Frau Dietz stellte rasch noch
eine zweite Tasse neben die silberne Kaffeekanne und holte Pfeifen und
Fidibusse, wie ihr Herr das liebte. In der Mitte des runden Tisches
prangte der wohlgeratene Napfkuchen, den die Umsichtige zur Feier der
Heimkehr gebacken hatte. --
„Trotzdem gefallen Sie mir gar nicht, Frau Dietz“, scherzte Sörensen
freundlich ernst, nachdem er der treuen Dienerin ins Gesicht geschaut
hatte. „Sie sehen aus, wie die selige Kassandra.“
„Das soll hoffentlich keine Beleidigung sein“, gab Frau Dietz gekränkt
zur Antwort.
„Nein, Frau Dietz, Kassandra war eine durchaus anständige Frau“, sagte
Sörensen möglichst ernsthaft. „Aber ich möchte wissen, welches Unheil
Sie mir prophezeien wollen....“
Frau Dietz erschrak, und sie sah ratheischend auf Lehrer Hansohm.
Aber der machte ein ebenes Gesicht, als ob ihn das ganze Gespräch gar
nichts anginge, und da verließ Frau Dietz hastig das Zimmer.
„Launen???“ sagte Sörensen mehr zu sich selbst und schüttelte den Kopf.
„Das kenne ich gar nicht an ihr. Schade, -- es verdirbt mir beinahe ein
wenig den Tag...“
„Sie haben Frohes erlebt, Herr Direktor?“ fragte Hansohm bescheiden
forschend.
„Frohes? Sehe ich so aus?“ lautete die Gegenfrage. --
„Ja. -- Oder wie jemand, der einer Last ledig wurde.....“
Sörensen schaute sinnend geradeaus, schwieg aber.
Und nach einer Weile: „Hansohm, Sie selbst aber verbergen mir etwas.
Sind nicht der alte Klaus Hansohm. Sie sind unfrei. Habe ich nicht Ihr
Vertrauen?“
„Das haben Sie, Herr Direktor.“
„Also? -- -- Sie zögern? Ist etwas geschehen? Betrifft es mich? Dann
wissen Sie wohl auch Bescheid, was Frau Dietz plagt?“
„Ja, Herr Direktor.“
Und nun kam langsam, schwer und gewuchtig die letzte Frage:
„Hängt es -- -- mit meiner Reise zusammen?“
„Ja.“
Sörensen stand auf. „Also Klatscherei“, sagte er ruhig, „dagegen
kann ich mich nicht schützen.“ Er sah dem jungen Kollegen in das
verdüsterte Gesicht. Dann nahm er dessen beide Hände in raschem
Entschluß. „Sie sagten, Sie wollen heute abend noch zu Fräulein Doktor
gehen? Sagen sie ihr, -- ich -- ich hätte vor wenig Tagen meine Frau
begraben.... ja. Ihr beide sollt’s wissen.....“
Er stellte sich ans Fenster mit dem Rücken nach dem Zimmer gewendet und
schaute in den schweigenden, alten Garten hinaus. Klaus Hansohm trat zu
ihm. „Ich -- danke Ihnen Herr Direktor.“
Die Dämmerung kam. Dann verließ Klaus Hansohm still und ehrfürchtig das
Zimmer und schritt die alte Treppe hinunter und quer über den alten
Marktplatz. Er trug das schwere Geständnis des verehrten Mannes in die
Stube von Fräulein Doktor Stavenhagen, und dort wurde es gleich in ein
treues Frauenherz aufgenommen.
Dann sagte Hansohm traurig. „Aber Sörensen ehrt uns beide nur allein.
Es soll Geheimnis bleiben, und deshalb werden die Lästerzungen sich
weiter spalten und wir dürfen sie nicht herausreißen...“
Fräulein Doktor nickte schwer. „So oder so“, sagte sie. „Birkholz
ist noch nicht reif für einen Erne Sörensen. Wir wollen seine Gründe
ehren.“ -- -- --
* * * * *
Direktor Sörensen und sein Freund wanderten durch die Heide. Es
war ihnen zur lieben Gewohnheit geworden, und Frau Dietz stand
allsonntäglich eine Viertelstunde vor dem Fenster, um ihrem Herrn
Schlag 6 Uhr in der Frühe zurufen zu können: „Jetzt biegt er um die
Ecke.“
Die frühe Stunde bot beiden Männern ungeahnte Herrlichkeiten.
Die Sonntagsstille in Wald, Flur und Stadt, die reine unverbrauchte
Luft taten wohl. -- Nach einer lärm- und unruhevollen Woche in heißen
Schulzimmern, deren Luft noch reichlich mit frischem Kalk und Terpentin
durchsetzt war.
„Atmen, atmen!“ kommandierte Hansohm draußen auf tauigem Heideweg,
und ließ den Worten gleich die Tat folgen. Dann nahm er ein paar
rote Heideblüten in die hohle Hand, legte einige braune, abgeblühte
dazu, zerrieb ein winziges Zweiglein Wacholder, pflückte drei
Wacholderbeeren, sowie zwei Ginsterblättchen und fuhr sich mit diesem
Sammelsurium lachend über sein frisches Gesicht. In den Heidedörfern
sagen sie, dies Rezept mache „die Deerns schön und die Junggesellen
gescheit“, sagte er lachend zu Sörensen.
„Geben Sie her, geben Sie her“, mahnte dieser in komischer Hast, „das
muß ich versuchen...“
Hansohm bückte sich sofort, um das „Rezept“ aufs neue
zusammenzustellen. „Es darf nur von +einem+ gebraucht werden,
sonst hat es keine Wirkung“, meinte er, und tat sehr wichtig. Als er
dem Freunde dann Blätter und Blüten reichte, sah er ihn liebevoll
forschend an. „Lieber Herr Direktor, dies schlichte Gemengsel ist
auch sonst als heilkräftig bekannt. In meinem uralten Buche von den
Heidekräutern steht: ‚Ein Tee, solcherweysen zubereytet und mit Sorge
gebrauet, löset zäh und schwer Geblüte und säubert das Herz von der
Melancholeya.‘“
Sörensen antwortete nicht, gab nur den forschenden, liebevollen Blick
ernsthaft zurück.
Nach einer Weile des Wanderns stieß Hansohm ärgerlich heraus: „Sie
haben es mir erlaubt, aus meinem Herzen niemals eine Mördergrube zu
machen und deshalb rufe ich’s hier in die braune Heidestille hinaus,
wie ich’s Ihnen vor Monaten schon einmal unbotmäßig zu sagen wagte:
‚Sie gefallen mir nicht, lieber Herr Direktor, nein, Sie gefallen mir
gar nicht.‘“
„Die Kräuter sollen ja auch nur die +Deerns+ schön machen“,
scherzte Sörensen, ohne daß sein Gesicht sich aufhellte.
„Damit werden Sie mich nicht los“, rief Hansohm eindringlich, und er
warf sich längelang unter einen Wacholderbusch. Denn so hatten sie’s
verabredet. Wo irgend ein besonders schönes Fleckchen entdeckt wurde,
da hatte jeder einzelne sofort das Recht, „Halt“ zu gebieten.
Sörensen folgte also seinem Beispiel, aber schweigend.
„Als neulich Oberlehrer Kahl so plötzlich auf Urlaub ging,“ sagte
Hansohm erregt, „und wir begründete Hoffnung hegten, daß er Birkholz
nicht wiedersieht, da hofften wir auch, Sie würden mit uns allen
aufleben, -- -- Herrgott, lieber Herr Direktor, sagen Sie mir, was man
tun kann, damit Sie wieder der Alte sind. Daß man Ihnen fortgesetzt
abrät, nicht so wahnsinnig zu arbeiten, nützt ja nichts....“
„Sie meinen’s gut, Klaus Hansohm. Zugegeben, daß ich etwas überarbeitet
bin.... Aber es gibt ja Zeiten, wo man die Arbeit als einzige Helferin
hat. Und mir kommt es vor, als sollte das bei mir ein Dauerzustand
werden. Hand aufs Herz, Hansohm, glauben Sie überhaupt, daß ich je in
Birkholz festen Fuß fassen werde?“
„Sie denken doch nicht daran, sich fortzumelden, Herr Direktor?“ fragte
Hansohm erschrocken. „Es wurde mir schon von vielen Seiten erzählt,
aber ich habe immer dagegen gestritten.“
„Hat man’s Ihnen erzählt?“ Sörensen nickte nachdenklich. „Sehen Sie,
Hansohm, bei allen diesen Erzählern war der Wunsch der Vater des
Gedankens. Ich fühl’s ja tagtäglich, wie die Wühlerei im Gange ist.“
„Die paar elenden Maulwürfe“, warf Hansohm verächtlich ein.
„Sie sind sehr fruchtbar“, sagt Sörensen ernst. „Sie vermehren sich
unheimlich. Und meine Sorge geht dahin, daß sie mein Wirken an der
Schule ernstlich gefährden.“
Hansohm richtete sich rasch auf und sah seinen Direktor freimütig an.
„Die Kinder haben Sie lieb“, sagte er warm. „Und zwar die Kleinen wie
die Großen ganz ohne Unterschied. Ist das nicht Glücks genug?“
„Wenn ich nur an mein Glück dächte“, entgegnete Sörensen sinnend,
„so ginge ich nie von hier fort, denn wahrlich, ich finde es täglich
unter den mir anvertrauten Kindern. Aber wenn die Maulwürfe weiter
arbeiten.... +Ich+ habe es nicht gemerkt, Hansohm, daß mich die
Eltern meiner Schülerinnen weniger tief grüßen als früher, das hat mir
erst ein Anonymus verraten.“
„Anonymus+???+ Bekommen Sie +auch+ anonyme Briefe+???+“
„+Auch???+ Aha, ich dachte mir’s. Also in Birkholz laufen solche
herum?“
„Ja.“
„Und die Birkholzer Gemüter und Papierkörbe sind nicht reif genug,
solche Dinge gebührend zu empfangen?“
„Ich fürchte nein. Aber Sie sagten eben selbst ‚nicht reif genug‘, Herr
Direktor, und trafen das Rechte damit. Es ist Unreife, nicht Bosheit.
Birkholz hat viel Kindisches an sich. Zu allererst die Neugierde.
Deshalb beschäftigt es sich mit so etwas wunderlich Neuem und sucht
es zu ergründen. Dann aber möchte es auch an den Beschuldigten
herankommen. Aber Sie lassen niemand heran, und da wird das kleine,
gute Birkholz hart und ungerecht. Den Birkholzern wird es nicht leicht,
einen Fremden lieb zu haben. Aber sind sie einmal überwunden, dann
wollen sie nicht vor verschlossener Pforte stehn.“ --
„Welch scharfe, prächtige Erklärung Sie mir geben, Hansohm, und wieviel
lichte Farben Sie aus Ihrer Palette herausholen für das Bildchen
Birkholz.“
„Es ist meine Heimat. Meine armselige, gute Heideheimat. -- Und schon
als Knabe galt all mein Wünschen dieser Heimat. Ich habe den lieben
Gott nie viel belästigt in meinem Leben. Denn meine Mutter hatte
vergessen, mich das Beten zu lehren. Dann tat’s die grimme Not. -- Aber
Gott schenkte nicht einem einzigen Gebet äußerliche Erfüllung. Er
gab mir Besseres, ließ mich meine Heimat +lieben+. Das war schon
Glück. Dann kam das +Erkennen+ meiner Heimat, all der reichen
Schätze, die in Kopf und Herzen dieser kindereinfältigen Menschen
verborgen liegen. Aber ich konnte den Reichtum nicht schürfen und
heben, dazu mußte ein Größerer kommen.“
Er streckte Sörensen die Hand hin, und seine begeisterten Augen
flammten. --
„Schwärmer! Lieber, junger Schwärmer“, sagte Sörensen ergriffen.
„Oh, nicht doch! Es ist kein Schwärmen, es ist Erleben. +Sie+ sind
mir die Erfüllung meiner Bitte: „Herrgott schick meiner Heimat Birkholz
einen Lehrer von +Gottes Gnaden+!“ Denn nur durch die Kinder
kann man an diese stillen, schweigsamen, in uralte, schier verweste
Anschauungen verrannten Heidjer heran. Und es lohnt sich wahrhaftig,
das Innerste bei ihnen herauszuholen.“
„Es ist mir nicht gelungen“, sagte Sörensen düster.
„Nicht gelungen?“ rief Hansohm leidenschaftlich. „Gehen Sie denn mit
geschlossenen Augen umher? Anders finde ich keine Erklärung. Denn ein
Erne Sörensen ist nicht ‚bescheiden‘ im landläufigen Sinne....“
„Vielleicht war ich bewußt blind“, gab Sörensen zögernd zu, und ein
zages Glücksgefühl zog durch seine Seele in der Vorahnung, der junge
Kollege könne recht haben. „Vieler Jahre Leid wuchteten schwer..... Ich
sah zuviel nach innen und suchte Schuld in mir.“
„Sie ehren mich“, murmelte Hansohm. Und nach einer Weile: „Kann dies
Leid niemals sterben? Ist es fressendes Gift?“
Nun sprang Sörensen auf und stand vor dem Jüngeren und nahm ihn bei den
Schultern: „Freund Hansohm, was fragen Sie da? Eine gute, verständige
Frage ist’s. Und sie rüttelt mich wach. Ja, mein Leid +darf+
sterben. Und Sie sollen mir helfen, es einzusargen und in der gütigen
Muttererde der Heide zu begraben.“ --
„Das will ich, das will ich“, rief Hansohm eifrig. „Und mit solchen
Augen, wie sie jetzt auf einmal in Ihnen leuchten, werden Sie ihr Werk
erkennen. Werden sehen, was Ihnen in unglaublich kurzer Zeit gelungen
ist. All das Verschüttete, das ganze Pompeji und Herkulanum des seligen
Claußen, -- Sie, Erne Sörensen haben es herausgegraben! Was sind die
paar Maulwürfe? Was können Kahl und Genossen ausrichten, wenn Sie
+wollen+, Herr Direktor? Ein aufklärendes Wort von Ihnen genügt...“
Sörensen stutzte und blieb stehen.
„Ich soll.... Kollege Hansohm, -- Sie meinen -- ich soll Farbe
bekennen? Soll mich gegen -- -- anonyme Beschuldigungen verteidigen?“
„Nicht ganz so schroff -- -- Herr Direktor -- o nun habe ich wohl alles
verfahren -- -- wie leid mir das ist -- --“
„Wir wollen nicht wieder darauf zurückkommen, lieber Hansohm“, sagte
Sörensen ruhig ernst. „Das Kind Birkholz ist nicht reif genug, wie Sie
selbst sagen, um sich zum Richter über mich aufwerfen zu dürfen. Es
ist aber auch nicht jung genug, um zu meinen Füßen zu sitzen und sich
belehren zu lassen. So muß es denn nach eigener Fasson selig werden.“
Klaus Hansohm sah tief bekümmert aus.
„Meine beiden Liebsten!“ sagte er traurig. „Meine Heimat und Sie! Und
wollen nicht zueinanderkommen .... Da geht viel Segen verloren.....“
Sörensen schwieg. So wanderten sie eine geraume Weile nebeneinander
her. Mit einmal blieb der Direktor stehen: „Hansohm, haben Sie etwas
von Agnes Asmus gehört?“
Klaus Hansohm sah ihn fast erschrocken an. „Können Sie Gedanken lesen,
Herr Direktor? In dem gleichen Augenblicke wollte ich von Agnes Asmus
sprechen.“
„Ich habe da ein Versprechen gegeben, an Sörine von Heidekamp“, sprach
Sörensen nachdenklich. „Und habe es nicht eingelöst. Das ist mir sehr,
sehr leid. Meine Reise und -- quälende Begleitumstände hinderten mich
völlig. -- -- Ich will noch heute nachmittag zu den Eltern Asmus gehen
und möglichst alles Versäumte nachholen.“
„Sie werden sie nicht treffen. Asmussens wollten heute vormittag nach
Luhenmoor fahren, um einer Tante, zu der Agnes nach ihrer Konfirmation
übersiedeln soll, das Mädelchen zu zeigen.“
„Das gerade wollte ich verhindern“, Sörensen war erschrocken und
peinlich berührt. Dann stampfte er ungeduldig mit dem Fuße auf.
„Kollege Hansohm, Sie sehen mich ärgerlich und verlegen. Denn ich habe
mein Prinzip durchbrochen, Kindern vor allen andern Menschen ein
gegebenes Versprechen zu halten. Nun verfolgen mich die vorwurfsvollen
Augen der jungen Sörine.....“
„Ich möchte Ihnen eine Frage vorlegen, lieber Herr Direktor“, sagte
Hansohm zögernd, „und ein Geständnis machen. Ich -- ich bin der Agnes
Asmus gut. Das tiefe, erbarmende Mitleid mit ihrer Lage hat Wärmeres
bei mir ausgelöst. Und ihre köstliche, junge Stimme habe ich lieb.
Glauben Sie, daß es Unrecht ist, dem so jungen Kinde davon zu sprechen,
sobald es die Schule verlassen hat?“
„Nein, nein, Hansohm, wie sollte das Unrecht sein?“ Sörensen sah ihn
froh bewegt an. „Welch liebe Lösung wäre das! Ungewöhnlich, ich gebe
das zu. Aber Ungewöhnliches kann wunderschön sein.“
„Warum soll das große Los immer in die Lotterie der Besitzenden fallen?
Sie sind das große Los, guter, treuer Hansohm!“ Sörensen war ganz
Aufgeregtheit und Freude. Eine Zentnerlast schien von seiner Seele
gefallen. „Und wie wird sich die Sörine freuen!“
Hansohm sah erstaunt auf seinen Direktor.
„Diese Wirkung meiner Mitteilung hätte ich gar nicht zu hoffen
gewagt“, meinte er. „Ich danke Ihnen von Herzen. Denn nun steht mein
Entschluß fest. Und ich habe gegründete Hoffnung, daß die Eltern Asmus,
wenigstens die Stiefmutter, -- es begrüßen werden, ihr Kind bald los
zu sein. Ohne Kosten“, setzte er bitter hinzu. „Denn ich habe meinen
jungen Hausstand bereits in tadelloser Verfassung. --“
Sörensen drückte ihm die Hand. „Gott schütz Euch beide“, sagte er
brüderlich herzlich.
„Meine kleine Agnes ahnt natürlich nichts.“ Klaus Hansohm schoß
das rote Blut in das junge ernste Gesicht. „Aber ich weiß, daß sie
mir rückhaltlos vertraut und innig dankbar ist. Und warum soll ein
Verlöbnis nicht Glück bringen, das auf Vertrauen und Dankbarkeit
aufgebaut ist?“
„Zwei seltene Kräutlein heutzutage, lieber Hansohm, ich halte sie für
ein schönes, festes Fundament.“
Und bei sich dachte Sörensen: „Du lieber, frischer, fröhlicher Gesell!
Du wirst nicht lange auf die ‚Liebe, welche die größeste ist‘ warten
müssen, sie wird sich noch mit in Eures jungen Nestes Grundstein
einmauern lassen. --“
* * * * *
Am Montag, der diesem hellen Sonntag folgte, trat Direktor Sörensen um
8 Uhr zur Andacht in die erste Klasse. Und er sah mit rasch umfassendem
Blick durch seine scharfe Brille, daß zwei Plätze leer waren. Sörine
Heidekamp und Agnes Asmus fehlten.
Mit großem Befremden hörte er, daß keines von den Mädchen eine
Entschuldigung oder Mutmaßung für dies Fehlen hatte und begann den
Unterricht. Der war fesselnd genug. Den eingehenden Fragen folgten
rasche erschöpfende Antworten, -- mit freundlichen Augen schaute der
Lehrer auf die angeregten jungen Gesichter.
Dann klopfte es plötzlich an die Tür und herein schob sich unter
vielen Bücklingen der Lehrer Asmus. Er war verlegen und erregt, und als
er einen raschen Blick nach dem leeren, ersten Klassenplatz geworfen,
wurde er kreideweiß. Und fand keine Worte, so sehr er sich auch mühte,
und wand sich wieder zur Tür hinaus, die er in überstürzender Eile laut
zuschlug. Sörensen sah ihm verblüfft nach und schüttelte den Kopf, und
die jungen Mädchen schauten sich an mit verstörten Augen. Nach der
Stunde, die nicht mehr viel Frucht trug, ging Sörensen in sein Zimmer.
Dort fand er Klaus Hansohm. Und so aus den Fugen war der junge Lehrer,
daß Sörensen ihm erst einmal wie einem kranken Kinde zuredete.
„Agnes ist fort“, stieß er endlich hervor. „Fort, -- nicht zu finden.
Die Eltern haben das Bett leer gefunden heut morgen. Der Vater hat noch
gehofft, sie wäre in die Heide gelaufen, wie sie das in letzter Zeit
öfters getan hätte, und er würde sie zur rechten Zeit in der Schule
wiederfinden... Nun das nicht eintrifft, ist er wie von Sinnen, krank,
-- er sitzt drüben im Lehrerzimmer...“
„Was sind das für Sachen?“ Sörensen überlegte einige Sekunden, dann
ging er mit raschen Schritten nach dem Fernsprecher und ließ sich mit
Heidekamp verbinden.
„Agnes Asmus nicht dort? Und Sörine?“ hörte Hansohm ihn bald darauf
fragen. Und dann sah der junge Lehrer, wie sein Direktor mit tief
gefurchter Stirn einen Bericht entgegennahm.
„Sörine ist zu Hause“, rief der Direktor Hansohm zu, und hing hastig
den Hörer an. „Herr von Heidekamp meint, sie sei krank. Aber die
Freundin sei nicht bei ihr, davon habe er sich selbst überzeugt. --
Hansohm, lieber Freund, was ist da geschehen? Kopf hoch. Es läutet
schon. Ich bitte Sie, gehen Sie in Ihre Klasse. Ich werde mit Asmus
sprechen und alles Nötige in die Wege leiten. Verlassen Sie sich auf
mich, Klaus Hansohm.“
„Verzeihung, -- es hat mich umgerissen“, murmelte dieser, und Sörensen
klopfte ihm beruhigend auf die Schulter und begleitete ihn bis vor das
Klassenzimmer. --
Im Lehrerzimmer saß Asmus. Ja, der Mann war krank, das sah Sörensen
auf den ersten Blick. Er wollte vor dem Direktor aufstehen, aber seine
Glieder versagten den Dienst.
„Meine Tochter!“ stöhnte er: „+Meine+ Tochter läuft vor Tau und
Tag aus dem Hause und kommt nicht zur Schule, und wir wissen nicht, wo
sie ist.....“
„Aber die Gründe?“ forschte Sörensen heftig. „Agnes ist ein ruhiges
Mädchen, was ficht sie plötzlich an? Ist sie wieder gequält worden?“
„Wir quälen unsere Tochter nicht“, murmelte Asmus. „Aber sie hatte sehr
ihren eigenen Kopf. Und die Tante, der wir sie gestern erst einmal
vorstellen wollten, ist etwas hart geraten.... Und als Agnes sich
widersetzte -- -- sie wollte durchaus nicht das Versprechen geben,
Michaelis zu ihr zu ziehen, -- da hat es wohl allerlei gegeben.....“
„Allerlei,“ wiederholte Sörensen in tiefer Bitterkeit und fühlte, daß
er nicht das allergeringste Mitleid mit diesem Vater hatte, mit dem
Gott jetzt ins Gericht ging.
„Agnes hatte den ganzen Abend und auch auf dem Rückweg kein Wort
gesprochen.“ Mühsam quälte Asmus die Worte heraus. „Ich fand sie selbst
furchtbar verstockt und strafwürdig. Aber es ist nichts mit ihr getan
worden. Sie ging dann bald zu Bett. Und heute morgen.....“ Die Stimme
brach ihm.
„Gehen Sie jetzt nach Hause, Herr Kollege Asmus“, gebot Direktor
Sörensen. „Ich beurlaube Sie. Nur so viel möchte ich Ihnen sagen, in
Heidekamp befindet sich Ihre Tochter nicht. Dort habe ich mich schon
erkundigt.“
Lehrer Asmus starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Nicht in
Heidekamp?“ stöhnte er und faßte des Direktors Hand. „+Nicht+ in
Heidekamp???“
Und nun fand es sich, daß Lehrer Asmus nicht allein nach Haus gehen
konnte und Direktor Sörensen rief den Schulwart Harks, der sich mitten
im Umzug nach seinem sonnigen Häuschen in Heidekamp befand. Aber er
ließ den Möbelwagen und alle Unruhe hinter sich und kam sofort und
stützte sorglich den kranken Mann, der einst mit so viel gehässigen
Worten beigetragen hatte, daß Harks seine Stelle am Lyzeum verlor. --
An diesem Mittage stand Frau Dietz händeringend am Herde und mußte
zusehen, wie ihr schmackhaftes Essen „verbratzelte und verbrutzelte“.
Ein sehr feiner, junger Herr saß drinnen beim Direktor und redete und
fand kein Ende. Und immer, wenn sie ihr Auge an das Schlüsselloch
legte, redete er noch, und schlug dabei die Hände zusammen, und ihr
Herr lief wie ein Tiger im Käfig auf und ab, so daß das Schlüsselloch
zeitweise hell und dann wieder verdunkelt war. --
Direktor Sörensen hatte seinen unvermuteten Besucher zuerst nicht
wiedererkannt. Denn das auffallend feine, rassige Gesicht des jungen
Referendar von Heidekamp war gerötet von innerer Aufregung und die
Augen schauten ratlos und verzweifelt drein. --
„Ich war wie vom Donner gerührt, Herr Direktor, als ich heute morgen
in mein abgelegenes Gartenhaus kam und die Bescherung fand. Zwei
junge Mädchen! Davon eins meine Base Sörine und das andere ihre
junge Freundin, die augenscheinlich ganz den Kopf verloren hatte. --
Herr Direktor, was sind das für ausgefallene Geschichten! Sörine hat
keine Ahnung, was sie mir und ihrer Freundin da eingebrockt hat. Das
Haus liegt an der Landstraße, meine Bauern und Insten karren dran
vorbei, sie haben ja ein Recht sich zu verwundern, daß ihr junger Herr
plötzlich -- -- --.“ Er verstummte in peinlichster Verlegenheit.
Sörensen rannte auf und nieder, und in seinem Kopfe sausten die
Gedanken. „Du bist dran Schuld, Erne Sörensen“, sagte er sich. „Du hast
dein Versprechen nicht eingelöst, nun hat sich das tapfere Kind selbst
helfen wollen, sich und der Agnes. Und begeht die größte Dummheit.
Natürlich, weil sie jeden Kerl für so ehrenhaft hält, wie sie selbst
einer ist. Liebe prächtige, kleine Sörine, du großer Unverstand!
Gottlob, daß du wenigstens an deinen ehrenhaften Vetter geraten bist.“
Der junge Heidekamper nahm erregt wieder das Wort.
„Ich sage Ihnen, Herr Direktor, -- wie der kategorische Imperativ
in Person stand mein Bäschen vor mir, nachdem sie mich durch meinen
Reitknecht hatte wecken lassen und ich in fliegender Eile mich
angezogen und nach dem Gartenhause geeilt war. Dieses wird von einem
früheren alten Diener bewohnt. Der hat die jungen Damen eingelassen
und zwar heute morgen 6 Uhr in der Frühe. ‚Du beschützest mir meine
Agnes‘, befahl mir Sörine, ‚ich muß nach Heidekamp, damit Großvaterli
nichts merkt. Dann komme ich in jeder freien Minute zu dir und Agnes.
Vielleicht müssen wir uns schon bald trauen lassen, damit Agnes eine
Heimat hat.‘“
Damit fuhr sie davon, und ich saß vor dieser Agnes, die ich nicht
kenne und die eine wahnsinnige Angst vor mir zu haben scheint. Denn
sie sprach kein Wort und war totenblaß und zitterte wie ein Hälmchen.
Mag der Teufel draus klug werden. Es ist eine regelrechte Entführung.
Da fielen +Sie+ mir ein, Herr Direktor, und ich habe dem jungen
Mädchen gesagt, daß ich Sie benachrichtigen wolle, habe ihr ein gutes
Frühstück in die alte Klause gebracht und mich verpflichtet, um 2 Uhr
spätestens mit Ihnen wieder bei ihr zu sein. -- „Sie werden mich nicht
im Stich lassen, Herr Direktor“, setzte der junge Mann bittend hinzu.
Sörensen nickte stumm, schrieb in fliegender Eile einen Brief an Lehrer
Asmus, bat ihn, um Agnes willen ruhig zu sein und -- der Not gehorchend
seine Tochter nach Heidekamp zu beurlauben, damit Birkholz keinen
Anlaß zum Mutmaßen und Klatschen fände, er selbst würde ihm Bericht
über Agnes bringen.
Im Wagen erzählte ihm dann der junge Heidekamper, daß er Sonnabend
und Sonntag immer auf Luhmühlen, seinem Gute sei, von dem man zu Fuß
Heidekamp in einer halben Stunde erreichen könne.
Sörensen hörte nur zerstreut zu. Aber er dankte mit herzlichen Worten,
daß der junge Baron ihn gerufen habe, und er hoffe, daß sich Sörinens
Staatsstreich noch zum Segen für die beiden Freundinnen wandeln würde.
Der junge Heidekamper lächelte: „Ja, das ist merkwürdig, der
unberechenbaren kleinen Base schlägt alles zum Guten aus. Wie hat sie
uns immer alle geängstigt! Was für verrückte Einfälle hat sie schon
gehabt und in die Tat umgesetzt! Niemand in Heidekamp, Birkholz,
Luhmühlen und den angrenzenden Ländern ist sicher vor ihren ‚Ideen‘.
Alle Leute im Dorf, den Großonkel Heidekamp, Grauchen und mich mit
einbegriffen, fürchten sich vor diesen ‚Ideen‘, -- und +alle+
vergöttern trotzdem die junge Herrin.“ -- Und er setzte sehr
herzlich hinzu: „Auch wieder Großonkel, Grauchen und mich selbst mit
einbegriffen. --“
„Weil dieses junge Kind die Liebe ist, die verkörperte Liebe“, sagte
Sörensen ernst. „Jede Handlung Sörinens wird von Liebe zu irgend
einem Lebewesen oder einer Sache diktiert, und wo rechte Liebe ganz
schlackenfrei der Urgrund ist, da +kann+ ja nichts zum Bösen
gereichen.“
Der junge Heidekamper nickte. Aber er meinte doch bei sich, dieser
Herr Direktor Sörensen sei recht „pastörlich“ angehaucht, und im
übrigen würde es besser sein, wenn die süße, kleine Sörine sich ihre
Ideen anstatt nur von „schlackenfreier Liebe“ von etwas „juristischem
Nachdenken“ diktieren ließe.
An der Wegscheide von Heidekamp und Luhmühlen stand ein alter Mann. Er
trug die Heidekamper Livree und winkte dem Kutscher, daß er anhalten
solle. Dann trat er an den Schlag und berichtete mit unsicherer Stimme,
daß er vom alten Herrn Baron zum Aufpassen herbestellt sei und daß die
beiden Herrn gleich ins Schloß kommen möchten.
Der Wagen wendete, und in zehn Minuten erreichten sie das Herrenhaus
und standen vor dem alten Heidekamper.
Der sah heute nicht reckenhaft, sondern alt und verfallen aus. Grauchen
stand neben seinem Sessel und weinte. Des alten Herrn Stimme klang
müde: „Warum müssen wir alten Stackels auf dieser Jammererde bleiben,
und solch Jungvolk, dem das Leben lacht, das siebzig Jahr noch auf ein
Besserwerden hoffen kann, das läuft davon.... Droben liegt sie -- die
lüttje Asmus. In unsern Waldsee ist sie gelaufen. Und meine Sörine,
-- wie ein gefälltes Bäumchen hockt sie daneben. Hat noch kein Wort
gesprochen, sieht mit erstarrten Augen umher, -- sie hat mich gar nicht
erkannt. Herrgott, womit hab ich das verdient, daß du so gar nicht
aufgepaßt hast! --“ Der junge Baron sah blaß und ratlos auf seinem
Großoheim nieder, dann ging er zögernd aus dem Zimmer, und nach einer
Weile hörte man seinen Wagen davon rollen.
„Kann ich -- die Tote sehen?“ fragte Sörensen mit heiserer Stimme.
Grauchen streckte ihm die Hand hin. „Darum hatten wir Sie bitten
wollen“, sagte sie leise. „Auch müssen die Eltern benachrichtigt
werden..... Herr Direktor, der Wagen steht ganz zu Ihrer Verfügung.....“
Sörensen hob abwehrend die Hand. „Sorgen Sie sich um nichts. Ich werde
alles erledigen.“
Dann beugte er sich zum alten Heidekamper hinunter und reichte ihm die
Hand. Dieser faßte sie, und streichelte sie hilflos. „Kümmern Sie sich
nicht um mich“, bat der Freiherr. „Helfen Sie der Sörine, -- vielleicht
gehorcht sie +Ihnen+, läßt sich fortbringen von der Leiche...
Armer Sörinenkerl! Er hat eben nicht aufgepaßt, der Herrgott....“
Grauchen wies dem Direktor draußen eine Tür und ließ ihn allein
eintreten. --
In Sörinens Mädchenstübchen lag die tote Freundin. Man hatte sie mit
einem weißen Tuche zugedeckt, aber Erne Sörensen zog es zurück und
schaute still in das bleiche Antlitz. „Schlaf wohl“, sagte er nur,
und dachte: Es stirbt jung, wen die Götter lieben. Dann hüllte er sie
wieder ein und legte nun seine große Hand auf Sörinens Schulter. Sie
rührte sich nicht, und er rüttelte sie sacht.
Da sah sie auf. War dies in Jammer versteinte Gesichtchen das seiner
jungen Schülerin?
„Sörine!“ rief er erschüttert.
Da wachte Sörine Heidekamp auf und erhob sich. Aber sie schien nicht
mehr zu wissen, daß sie dem einst so verehrten, älteren Lehrer
gegenüberstand: „Gehen Sie fort“, gebot schneidend der junge, blasse
Mund. „Wir haben Tage und Tage auf Sie gewartet, die Agnes und ich.
Weil Sie es mir +versprochen+ hatten. Nun ist es zu spät.... Und
nun ist mein Vertrauen tot, wie meine Agnes. -- Gehen Sie aus meinem
Stübchen fort.....“
Direktor Sörensen straffte sich zu seiner ganzen Goliathhöhe auf.
Jeder Blutstropfen war aus seinem Gesicht gewichen.
„Du vergißt dich, Sörine von Heidekamp“, sagte er laut und hart.