Aber es war kein Segen dabei.
Lisette hatte für alles ein Lachen, an dem das meine langsam starb.
Gern las ich abends den beiden Frauen vor, denn ich war stolz auf meine
Bücherei. Diesen hochtönenden Namen gab ich meinen zwanzig Bänden,
wobei ich Bibel und Gesangbuch noch mitrechnete. Mutter bekam helle
und blanke Augen, wenn ich den Hungerpastor vorhatte, sie lachte wie
ein frohes Kind über Fritz Reuter und konnte sich für Hans Krischan
Andersen begeistern. Lisette aber gähnte und schlief ein, ohne sich
doch durch Tagesarbeit den Schlaf verdient zu haben.
Wir ließen sie vor uns das Bett aufsuchen, und kam ich dann ins
Schlafzimmer, fand ich sie in kleinen schmutzigen Heften lesend... Als
ich die Sachen verbrannte, erntete ich Schimpf und lodernden Zorn.
Es kam eine Zeit, da ich die Hölle im Hause hatte.
Die Mutter wurde ganz kümmerlich und weinte des Abends an meinem Halse.
Sie hatte schlechte Tage unter Lisettens Herrschaft und tat doch allein
alle Arbeit des Hauses.
Und wieder danke ich es Pastor Verden, daß ich meinen Zorn niederrang
und mich nicht vergaß. Denn die Dorfgemeinde schaute aufmerksam auf das
Beispiel des Lehrerhauses.
Lisette fühlte sich Mutter.
Diese Zeit mag wohl in anderen Ehen etwas Köstliches bedeuten. Zwei,
die Eins sind in Hoffen, Lieben, Glauben, in Ehrfurcht vor der
Heiligkeit des Werdenden, im Stolz auf die Zukunft.
Herrgott! Und bei uns nichts, nichts, was Herz und Sinn hätte erheben
können.
Hie und da brach eine jähe Zärtlichkeit bei Lisette hervor. So wild und
ungestüm und zügellos, daß ich mich vor der Mutter schämte...
Einmal küßte sie mich mit derbem Lachen, als gerade zwei Bauern bei mir
waren, um sich Rat für ihre Kinder zu holen.
Sie sahen scheel und ohne Verständnis auf die Lehrersfrau und
entfernten sich eilends.
Der Rat blieb ungesprochen, aber das Seltsame und Häßliche meiner Ehe
trugen die Leute ins Dorf.
Dann aber ward es Licht.
Gott schenkte mir zwei Knaben. Einen großen Goliath -- Erne und einen
feinen, kleinen Jens.