Grau tanzte leicht und sicher und Adele lobte ihn mit einem Blicke. »Halten
Sie mich fester!« sagte sie.
Es war eine Masurka. Die Pauken wirbelten, die Geigen wehten, es erschien
Grau als spielten sie etwas vom Frühling und als die Flöten bliesen sah er
förmlich die Blumen aus dem Rasen steigen.
Sie sahen einander an. Aber sie hatten noch keine Runde getanzt, als Adele
inne hielt und erblaßte. Sie stand still. »Ich kann nicht mehr!« sagte sie
leise und heftete die Blicke auf Grau. Sie sah ihn erschrocken, scheu und
erstaunt an, während sie sich mit einem Lächeln entschuldigte.
»Aber was ist Ihnen?« fragte Grau.
»Ich kann nicht tanzen mit Ihnen, es macht mich schwindlig,« sagte Adele.
»Nichts, einen Augenblick nur.« Sie sammelte sich rasch.
»Wie leid es mir tut, Fräulein von Hennenbach.«
Adele schüttelte den Kopf. »Es ist nichts,« sagte sie, »es ist nur so
merkwürdig --« Sie sah Grau an. Sie schwieg lange Zeit und während sie
schwieg, schien sie sich zu verwandeln. Ihre Lippen wurden schmal. Sie
schien zerstreut zu sein.
»Kommen Sie!« sagte sie und ging voran. Grau folgte ihr.
In der Türe kamen sie ins Gedränge und Adele blickte in Graus Augen und
sagte unvermutet: »Sagen Sie mir eines, lieben Sie Susanna wirklich?«
Grau errötete leicht. »Wie?« Dann blickte er Adele erstaunt an. »Gewiß
liebe ich Susanna aufrichtig,« erwiderte er.
Adele lächelte; sie schwieg. Sie streifte Grau wieder mit einem Blicke,
dann raffte sie den Fächer auf und bewegte ihn in der glitzernden Hand. Sie
blickte stolz über alle Köpfe hinweg. Ihr Blick, ihr Gang, ihr Lächeln,
alles hatte sich verändert.
»Wollen Sie nun den Traum zu Ende hören?« fragte Grau.
»Nein, nicht jetzt,« erwiderte Adele höflich. Aber sie sah Grau nicht an.
»Meine Mutter würde sich so sehr freuen, Sie kennen zu lernen,« fügte sie
hinzu, »darf ich Sie bemühen?« Auch ihre Stimme hatte sich verändert.
Grau folgte ihr und dachte darüber nach, was der Anlaß zu ihrer Verstimmung
sein könnte.