»Und wie entstand das Feuer? Es hat ja einen ganzen Flügel zerstört, nicht
wahr?«
Das wisse niemand. Susanna schüttelte den Kopf. »Niemand weiß es,« sagte
sie. »Ja, es hat einen ganzen Flügel zerstört und gerade den, der nicht
bewohnt war. Kein Mensch wohnte darin, kein Dienstbote, niemand.«
»Welch ein Glück!«
»Ja, nicht wahr! Man hat wochenlang von nichts anderem gesprochen.
Vielleicht war es ein Racheakt. Aber man weiß es nicht. Sie dachten an ein
Dienstmädchen, das nicht richtig im Kopfe ist und das die Herrschaft
entließ. Aber dieses Dienstmädchen war zu einer Hochzeit verreist, also
konnte auch sie es nicht getan haben. Das Feuer muß von selbst entstanden
sein.«
»Von selbst?« Aber ein Feuer könne doch nicht von selbst entstehen? Grau
schüttelte den Kopf.
»Doch, ganz von selbst! Durch Wolle oder Vorhänge oder irgend etwas. Es war
furchtbar für die Familie. Denken Sie nur, all die alten kostbaren Möbel
und Bilder, die verbrannt sind. Aber das ist es nicht allein. Sie müssen
wissen, daß die Hennenbachs sich seit Jahren in Schwierigkeiten befinden.
Oh, denken Sie doch, solch ein feines Haus! Der Freiherr war Major und ist
ein Leben großen Stils gewöhnt, der Sohn, was er Geld brauchen mag --«
»Der Sohn?« unterbrach sie Grau.
»Ja,« erwiderte Susanna ein wenig überrascht. »Kennen Sie ihn?«
»Ich habe ihn ganz flüchtig kennen gelernt,« antwortete Grau. »Was ist das
für ein Mensch, ich interessiere mich für ihn.«
»Das? Ach, er ist ein sehr liebenswürdiger junger Mann, aber ein wenig --
ein wenig --«