Ich glaube, ich müßte anfangen, etwas zu arbeiten, jetzt, da

Ver.04.29.93*END*

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

Rainer Maria Rilke

Ich sehe seit einer Weile ein, daß ich Menschen, die in der

Entwicklung ihres Wesens zart und suchend sind, streng davor warnen

muß, in den Aufzeichnungen Analogien für das zu finden, was sie

durchmachen; wer der Verlockung nachgibt und diesem Buch parallel geht,

muß notwendig abwärts kommen; erfreulich wird es wesentlich nur denen

werden, die es gewissermaßen gegen den Strom zu lesen unternehmen.

Diese Aufzeichnungen indem sie ein Maß an sehr angewachsene Leiden

legen, deuten an, bis zu welcher Höhe die Seligkeit steigen könnte,

die mit der Fülle dieser selben Kräfte zu leisten wäre.

R.M.R (Aus den Briefen vom Februar 1912) II. September, rue Toallier.

So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen,

es stürbe sich hier. Ich bin ausgewesen. Ich habe gesehen:

Hospitäler. Ich habe einen Menschen gesehen, welcher schwankte und

umsank. Die Leute versammelten sich um ihn, das ersparte mir den Rest.

Ich habe eine schwangere Frau gesehen. Sie schob sich schwer an

einer hohen, warmen Mauer entlang, nach der sie manchmal tastete, wie

um sich zu überzeugen, ob sie noch da sei. Ja, sie war noch da.

Dahinter? Ich suchte auf meinem Plan: Maison d'Accouchement. Gut.

Man wird sie entbinden--man kann das. Weiter, rue Saint-Jacques, ein

großes Gebäude mit einer Kuppel. Der Plan gab an Val-de-grâce,

Hôspital militaire. Das brauchte ich eigentlich nicht zu wissen, aber

es schadet nicht. Die Gasse begann von allen Seiten zu riechen. Es

roch, soviel sich unterscheiden ließ, nach Jodoform, nach dem Fett von

pommes frites, nach Angst. Alle Städte riechen im Sommer. Dann habe

ich ein eigentümlich starblindes Haus gesehen, es war im Plan nicht zu

finden, aber über der Tür stand noch ziemlich leserlich: Asyle de nuit.

Neben dem Eingang waren die Preise. Ich habe sie gelesen. Es war

nicht teuer.

Und sonst? ein Kind in einem stehenden Kinderwagen: es war dick,

grünlich und hatte einen deutlichen Ausschlag auf der Stirn. Er

heilte offenbar ab und tat nicht weh. Das Kind schlief, der Mund war

offen, atmete Jodoform, pommes frites, Angst. Das war nun mal so.

Die Hauptsache war, daß man lebte. Das war die Hauptsache.

Daß ich es nicht lassen kann, bei offenen Fenster zu schlafen.

Elektrische Bahnen rasen läutend durch meine Stube. Automobile gehen

über mich hin. Eine Tür fällt zu. Irgendwo klirrt eine Scheibe

herunter, ich höre ihre großen Scherben lachen, die kleinen Splitter

kichern. Dann plötzlich dumpfer, eingeschlossener Lärm von der

anderen Seite, innen im Hause. Jemand steigt die Treppe. Kommt,

kommt unaufhörlich. Ist da, ist lange da, geht vorbei. Und wieder

die Straße. Ein Mädchen kreischt: Ah tais-toi, je ne veux plus. Die

Elektrische rennt ganz erregt heran, darüber fort, fort über alles.

Jemand ruft. Leute laufen, überholen sich. Ein Hund bellt. Was für

eine Erleichterung: ein Hund. Gegen Morgen kräht sogar ein Hahn, und

das ist Wohltun ohne Grenzen. Dann schlafe ich plötzlich ein.

Das sind die Geräusche. Aber es giebt hier etwas, was furchtbarer ist:

die Stille. Ich glaube, bei großen Bränden tritt manchmal so ein

Augenblick äußerster Spannung ein, die Wasserstrahlen fallen ab, die

Feuerwehrleute klettern nicht mehr, niemand rührt sich. Lautlos

schiebt sich ein schwarzes Gesimse voroben, und eine hohe Mauer,

hinter welcher das Feuer auffährt, neigt sich, lautlos. Alles steht

und wartet mit hochgeschobenen Schultern, die Gesichter über die Augen

zusammengezogen, auf den schrecklichen Schlag. So ist hier die Stille.

Ich lerne sehen. Ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles tiefer

in mich ein und bleibt nicht an der Stelle stehen, wo es sonst immer

zu Ende war. Ich habe ein Inneres, von dem ich nicht wußte. Alles

geht jetzt dorthin. Ich weiß nicht, was dort geschieht.

Ich habe heute einen Brief geschrieben, dabei ist es mir aufgefallen,

daß ich erst drei Wochen hier bin. Drei Wochen anderswo, auf dem Lande zum

Beispiel, das konnte sein wie ein Tag, hier sind es Jahre. Ich will auch

keinen Brief mehr schreiben. Wozu soll ich jemandem sagen, daß ich mich

verändere, bleibe ich ja doch nicht der, der ich war, und bin ich etwas

anderes als bisher, so ist klar, daß ich keine Bekannten habe. Und an

fremde Leute, an Leute, die mich nicht kennen, kann ich unmöglich schreiben.

Habe ich es schon gesagt? Ich lerne sehen--ja, ich fange an. Es geht

noch schlecht. Aber ich will meine Zeit ausnutzen.

Daß es mir zum Beispiel niemals zum Bewußtsein gekommen ist, wieviel

Gesichter es giebt. Es giebt eine Menge Menschen, aber noch viel mehr

Gesichter, denn jeder hat mehrere. Da sind Leute, die tragen ein

Gesicht jahrelang, natürlich nutzt es sich ab, es wird schmutzig, es

bricht in den Falten, es weitet sich aus wie Handschuhe, die man auf

der Reise getragen hat. Das sind sparsame, einfache Leute; sie

wechseln es nicht, sie lassen es nicht einmal reinigen. Es sei gut

genug, behaupten sie, und wer kann ihnen das Gegenteil nachweisen?

Nun fragt es sich freilich, da sie mehrere Gesichter haben, was tun

sie mit den andern? Sie heben sie auf. Ihre Kinder sollen sie tragen.

Aber es kommt auch vor, daß ihre Hunde damit ausgehen. Weshalb auch

nicht? Gesicht ist Gesicht.

Andere Leute setzen unheimlich schnell ihre Gesichter auf, eins nach

dem andern, und tragen sie ab. Es scheint ihnen zuerst, sie hätten

für immer, aber sie sind kaum vierzig; da ist schon das letzte. Das

hat natürlich seine Tragik. Sie sind nicht gewohnt, Gesichter zu

schonen, ihr letztes ist in acht Tagen durch, hat Löcher, ist an

vielen Stellen dünn wie Papier, und da kommt dann nach und nach die

Unterlage heraus, das Nichtgesicht, und sie gehen damit herum.

Aber die Frau, die Frau: sie war ganz in sich hineingefallen, vornüber

in ihre Hände. Es war an der Ecke rue Notre-Dame-des-Champs. Ich

fing an, leise zu gehen, sowie ich sie gesehen hatte. Wenn arme Leute

nachdenken, soll man sie nicht stören. Vielleicht fällt es ihnen doch

ein.

Die Straße war zu leer, ihre Leere langweilte sich und zog mir den

Schritt unter den Füßen weg und klappte mit ihm herum, drüben und da,

wie mit einem Holzschuh. Die Frau erschrak und hob sich aus sich ab,

zu schnell, zu heftig, so daß das Gesicht in den zwei Händen blieb.

Ich konnte es darin liegen sehen, seine hohle Form. Es kostete mich

unbeschreibliche Anstrengung, bei diesen Händen zu bleiben und nicht

zu schauen, was sich aus ihnen abgerissen hatte. Mir graute, ein

Gesicht von innen zu sehen, aber ich fürchtete mich doch noch viel

mehr vor dem bloßen wunden Kopf ohne Gesicht.

Ich fürchte mich. Gegen die Furcht muß man etwas tun, wenn man sie

einmal hat. Es wäre sehr häßlich, hier krank zu werden, und fiele es

jemandem ein, mich ins Hôtel-Dieu zu schaffen, so würde ich dort gewiß

sterben. Dieses Hôtel ist ein angenehmes Hôtel, ungeheuer besucht.

Man kann kaum die Fassade der Kathedrale von Paris betrachten ohne

Gefahr, von einem der vielen Wagen, die so schnell wie möglich über

den freien Plan dort hinein müssen, überfahren zu werden. Das sind

kleine Omnibusse, die fortwährend läuten, und selbst der Herzog von

Sagan müßte sein Gespann halten lassen, wenn so ein kleiner Sterbender

es sich in den Kopf gesetzt hat, geradenwegs in Gottes Hôtel zu wollen.

Sterbende sind starrköpfig, und ganz Paris stockt, wenn Madame

Legrand, brocanteuse aus der rue des Martyrs, nach einem gewissen

Platz der Cité gefahren kommt. Es ist zu bemerken, daß diese

verteufelten kleinen Wagen ungemein anregende Milchglasfenster haben,

hinter denen man sich die herrlichsten Agonien vor stellen kann; dafür

genügt die Phantasie einer Concierge. Hat man noch mehr

Einbildungskraft und schlägt sie nach anderen Richtungen hin, so sind

die Vermutungen geradezu unbegrenzt. Aber ich habe auch offene

Droschken ankommen sehen, Zeitdroschken mit aufgeklapptem Verdeck, die

nach der üblichen Taxe fuhren: Zwei Francs für die Sterbestunde.

Dieses ausgezeichnete Hôtel ist sehr alt, schon zu König Chlodwigs

Zeiten starb man darin in einigen Betten. Jetzt wird in 559 Betten

gestorben. Natürlich fabrikmäßig. Bei so enormer Produktion ist der

einzelne Tod nicht so gut ausgeführt, aber darauf kommt es auch nicht

an. Die Masse macht es. Wer giebt heute noch etwas für einen gut

ausgearbeiteten Tod? Niemand. Sogar die Reichen, die es sich doch

leisten könnten, ausführlich zu sterben, fangen an, nachlässig und

gleichgültig zu werden; der Wunsch, einen eigenen Tod zu haben, wird

immer seltener. Eine Weile noch, und er wird ebenso selten sein wie

ein eigenes Leben. Gott; das ist alles da. Man kommt, man findet ein

Leben, fertig, man hat es nur anzuziehen. Man will gehen oder man ist

dazu gezwungen: nun, keine Anstrengung: Voilà votre mort, monsieur.

Man stirbt, wie es gerade kommt; man stirbt den Tod, der zu der

Krankheit gehört, die man hat (denn seit man alle Krankheiten kennt,

weiß man auch, daß die verschiedenen letalen Abschlüsse zu den

Krankheiten gehören und nicht zu den Menschen; und der Kranke hat

sozusagen nichts zu tun).

In den Sanatorien, wo ja so gern und mit so viel Dankbarkeit gegen

Ärzte und Schwestern gestorben wird, stirbt man einen von den an der

Anstalt angestellten Toden; das wird gerne gesehen. Wenn man aber zu

Hause stirbt, ist es natürlich, jenen höflichen Tod der guten Kreise

zu wählen, mit dem gleichsam das Begräbnis erster Klasse schon anfängt

und die ganze Folge seiner wunderschönen Gebräuche. Da stehen dann

die Armen vor so einem Haus und sehen sich satt. Ihr Tod ist

natürlich banal, ohne alle Umstände. Sie sind froh, wenn sie einen

finden, der ungefähr paßt. Zu weit darf er sein: man wächst immer

noch ein bißchen. Nur wenn er nicht zugeht über der Brust oder würgt,

dann hat es seine Not.

Wenn ich nach Hause denke, wo nun niemand mehr ist, dann glaube ich,

das muß früher anders gewesen sein. Früher wußte man (oder vielleicht

man ahnte es), daß man den Tod in sich hatte wie die Frucht den Kern.

Die Kinder hatten einen kleinen in sich und die Erwachsenen einen

großen. Die Frauen hatten ihn im Schooß und die Männer in der Brust.

Den hatte man, und das gab einem eine eigentümliche Würde und einen

stillen Stolz.

Meinem Großvater noch, dem alten Kammerherrn Brigge, sah man es an,

daß er einen Tod in sich trug. Und was war das für einer: zwei Monate

lang und so laut, daß man ihn hörte bis aufs Vorwerk hinaus.

Das lange, alte Herrenhaus war zu klein für diesen Tod, es schien, als

müßte man Flügel anbauen, denn der Körper des Kammerherrn wurde immer

größer, und er wollte fortwährend aus einem Raum in den anderen

getragen sein und geriet in fürchterlichen Zorn, wenn der Tag noch

nicht zu Ende war und es gab kein Zimmer mehr, in dem er nicht schon

gelegen hatte. Dann ging es mit dem ganzen Zuge von Dienern, Jungfern

und Hunden, die er immer um sich hatte, die Treppe hinauf und, unter

Vorantritt des Haushofmeisters, in seiner hochseligen Mutter

Sterbezimmer, das ganz in dem Zustande, in dem sie es vor

dreiundzwanzig Jahren verlassen hatte, erhalten worden war und das

sonst nie jemand betreten durfte. Jetzt brach die ganze Meute dort

ein. Die Vorhänge wurden zurückgezogen, und das robuste Licht eines

Sommernachmittags untersuchte alle die scheuen, erschrockenen

Gegenstände und drehte sich ungeschickt um in den aufgerissenen

Spiegeln. Und die Leute machten es ebenso. Es gab da Zofen, die vor

Neugierde nicht wußten, wo ihre Hände sich gerade aufhielten, junge

Bediente, die alles anglotzten, und ältere Dienstleute, die

herumgingen und sich zu erinnern suchten, was man ihnen von diesem

verschlossenen Zimmer, in dem sie sich nun glücklich befanden, alles

erzählt hatte.

Vor allem aber schien den Hunden der Aufenthalt in einem Raum, wo alle

Dinge rochen, ungemein anregend. Die großen, schmalen russischen

Windhunde liefen beschäftigt hinter den Lehnstühlen hin und her,

durchquerten in langem Tanzschritt mit wiegender Bewegung das Gemach,

hoben sich wie Wappenhunde auf und schauten, die schmalen Pfoten auf

das weißgoldene Fensterbrett gestützt, mit spitzem, gespanntem Gesicht

und zurückgezogener Stirn nach rechts und nach links in den Hof.

Kleine, handschuhgelbe Dachshunde saßen, mit Gesichtern, als wäre

alles ganz in der Ordnung, in dem breiten, seidenen Polstersessel am

Fenster, und ein stichelhaariger, mürrisch aussehender Hühnerhund rieb

seinen Rücken an der Kante eines goldbeinigen Tisches, auf dessen

gemalter Platte die Sèvrestassen zitterten.

Ja, es war für diese geistesabwesenden, verschlafenen Dinge eine

schreckliche Zeit. Es passierte, daß aus Büchern, die irgendeine

hastige Hand ungeschickt geöffnet hatte, Rosenblätter heraustaumelten,

die zertreten wurden; kleine, schwächliche Gegenstände wurden

ergriffen und, nachdem sie sofort zerbrochen waren, schnell wieder

hingelegt, manches Verbogene auch unter Vorhänge gesteckt oder gar

hinter das goldene Netz des Kamingitters geworfen. Und von Zeit zu

Zeit fiel etwas, fiel verhüllt auf Teppich, fiel hell auf das harte

Parkett, aber es zerschlug da und dort, zersprang scharf oder brach

fast lautlos auf, denn diese Dinge, verwöhnt wie sie waren, vertrugen

keinerlei Fall.

Und wäre es jemandem eingefallen zu fragen, was die Ursache von

alledem sei, was über dieses ängstlich gehütete Zimmer alles

Untergangs Fülle herabgerufen habe,--so hätte es nur eine Antwort

gegeben: der Tod.

Der Tod des Kammerherrn Christoph Detlev Brigge auf Ulsgaard. Denn

dieser lag, groß über seine dunkelblaue Uniform hinausquellend, mitten

auf dem Fußboden und rührte sich nicht. In seinem großen, fremden,

niemandem mehr bekannten Gesicht waren die Augen zugefallen: er sah

nicht, was geschah. Man hatte zuerst versucht, ihn auf das Bett zu

legen, aber er hatte sich dagegen gewehrt, denn er haßte Betten seit

jenen ersten Nächten, in denen seine Krankheit gewachsen war. Auch

hatte sich das Bett da oben als zu klein erwiesen, und da war nichts

anderes übrig geblieben, als ihn so auf den Teppich zu legen; denn

hinunter hatte er nicht gewollt.

Da lag er nun, und man konnte denken, daß er gestorben sei. Die Hunde

hatten sich, da es langsam zu dämmern begann, einer nach dem anderen

durch die Türspalte gezogen, nur der Harthaarige mit dem mürrischen

Gesicht saß bei seinem Herrn, und eine von seinen breiten, zottigen

Vorderpfoten lag auf Christoph Detlevs großer, grauer Hand. Auch von

der Dienerschaft standen jetzt die meisten draußen in dem weißen Gang,

der heller war als das Zimmer; die aber, welche noch drinnen geblieben

waren, sahen manchmal heimlich nach dem großen, dunkelnden Haufen in

der Mitte, und sie wünschten, daß das nichts mehr wäre als ein großer

Anzug über einem verdorbenen Ding.

Aber es war noch etwas. Es war eine Stimme, die Stimme, die noch vor

sieben Wochen niemand gekannt hatte: denn es war nicht die Stimme des

Kammerherrn. Nicht Christoph Detlev war es, welchem diese Stimme

gehörte, es war Christoph Detlevs Tod.

Christoph Detlevs Tod lebte nun schon seit vielen, vielen Tagen auf

Ulsgaard und redete mit allen und verlangte. Verlangte, getragen zu

werden, verlangte das blaue Zimmer, verlangte den kleinen Salon,

verlangte den Saal. Verlangte die Hunde, verlangte, daß man lache,

spreche, spiele und still sei und alles zugleich. Verlangte Freunde

zu sehen, Frauen und Verstorbene, und verlangte selber zu sterben:

verlangte. Verlangte und schrie.

Denn, wenn die Nacht gekommen war und die von den übermüden

Dienstleuten, welche nicht Wache hatten, einzuschlafen versuchten,

dann schrie Christoph Detlevs Tod, schrie und stöhnte, brüllte so

lange und anhaltend, daß die Hunde, die zuerst mitheulten, verstummten

und nicht wagten sich hinzulegen und, auf ihren langen, schlanken,

zitternden Beinen stehend, sich fürchteten. Und wenn sie es durch die

weite, silberne, dänische Sommernacht im Dorfe hörten, daß er brüllte,

so standen sie auf wie beim Gewitter, kleideten sich an und blieben

ohne ein Wort um die Lampe sitzen, bis es vorüber war. Und die Frauen,

welche nahe vor dem Niederkommen waren, wurden in die entlegensten

Stuben gelegt und in die dichtesten Bettverschläge; aber sie hörten es,

sie hörten es, als ob es in ihrem eigenen Leibe wäre, und sie flehten,

auch aufstehen zu dürfen, und kamen, weiß und weit, und setzten sich

zu den andern mit ihren verwischten Gesichtern. Und die Kühe, welche

kalbten in dieser Zeit, waren hülflos und verschlossen, und einer riß

man die tote Frucht mit allen Eingeweiden aus dem Leibe, als sie gar

nicht kommen wollte. Und alle taten ihr Tagwerk schlecht und vergaßen

das Heu hereinzubringen, weil sie sich bei Tage ängstigten vor der

Nacht und weil sie vom vielen Wachsein und vom erschreckten Aufstehen

so er mattet waren, daß sie sich auf nichts besinnen konnten. Und

wenn sie am Sonntag in die weiße, friedliche Kirche gingen, so beteten

sie, es möge keinen Herrn mehr auf Ulsgaard geben: denn dieser war ein

schrecklicher Herr. Und was sie alle dachten und beteten, das sagte

der Pfarrer laut von der Kanzel herab, denn auch er hatte keine Nächte

mehr und konnte Gott nicht begreifen. Und die Glocke sagte es, die

einen furchtbaren Rivalen bekommen hatte, der die ganze Nacht dröhnte

und gegen den sie, selbst wenn sie aus allem Metall zu läuten begann,

nichts vermochte. Ja, alle sagten es, und es gab einen unter den

jungen Leuten, der geträumt hatte, er wäre ins Schloß gegangen und

hätte den gnädigen Herrn erschlagen mit seiner Mistforke, und so

aufgebracht war man, so zu Ende, so überreizt, daß alle zuhörten, als

er seinen Traum erzählte, und ihn, ganz ohne es zu wissen, daraufhin

ansahen, ob er solcher Tat wohl gewachsen sei. So fühlte und sprach

man in der ganzen Gegend, in der man den Kammerherrn noch vor einigen

Wochen geliebt und bedauert hatte. Aber obwohl man so sprach,

veränderte sich nichts. Christoph Detlevs Tod, der auf Ulsgaard

wohnte, ließ sich nicht drängen. Er war für zehn Wochen gekommen, und

die blieb er. Und während dieser Zeit war er mehr Herr, als Christoph

Detlev Brigge es je gewesen war, er war wie ein König, den man den

Schrecklichen nennt, später und immer.

Das war nicht der Tod irgendeines Wassersüchtigen, das war der böse,

fürstliche Tod, den der Kammerherr sein ganzes Leben lang in sich

getragen und aus sich genährt hatte. Alles Übermaß an Stolz, Willen

und Herrenkraft, das er selbst in seinen ruhigen Tagen nicht hatte

verbrauchen können, war in seinen Tod eingegangen, in den Tod, der nun

auf Ulsgaard saß und vergeudete.

Wie hätte der Kammerherr Brigge den angesehen, der von ihm verlangt

hätte, er solle einen anderen Tod sterben als diesen. Er starb seinen

schweren Tod.

Und wenn ich an die andern denke, die ich gesehen oder von denen ich

gehört habe: es ist immer dasselbe. Sie alle haben einen eigenen Tod

gehabt. Diese Männer, die ihn in der Rüstung trugen, innen, wie einen

Gefangenen, diese Frauen, die sehr alt und klein wurden und dann auf

einem ungeheueren Bett, wie auf einer Schaubühne, vor der ganzen

Familie, dem Gesinde und den Hunden diskret und herrschaftlich

hinübergingen. Ja die Kinder, sogar die ganz kleinen, hatten nicht

irgendeinen Kindertod, sie nahmen sich zusammen und starben das, was

sie schon waren, und das, was sie geworden wären.

Und was gab das den Frauen für eine wehmütige Schönheit, wenn sie

schwanger waren und standen, und in ihrem großen Leib, auf welchem die

schmalen Hände unwillkürlich liegen blieben, waren zwei Früchte: ein

Kind und ein Tod. Kam das dichte, beinah nahrhafte Lächeln in ihrem

ganz ausgeräumten Gesicht nicht davon her, daß sie manchmal meinten,

es wüchsen beide?

Ich habe etwas getan gegen die Furcht. Ich habe die ganze Nacht

gesessen und geschrieben, und jetzt bin ich so gut müde wie nach einem

weiten Weg über die Felder von Ulsgaard. Es ist doch schwer zu denken,

daß alles das nicht mehr ist, daß fremde Leute wohnen in dem alten

langen Herrenhaus. Es kann sein, daß in dem weißen Zimmer oben im

Giebel jetzt die Mägde schlafen, ihren schweren, feuchten Schlaf

schlafen von Abend bis Morgen.

Und man hat niemand und nichts und fährt in der Welt herum mit einem

Koffer und mit einer Bücherkiste und eigentlich ohne Neugierde. Was

für ein Leben ist das eigentlich: ohne Haus, ohne ererbte Dinge, ohne

Hunde. Hätte man doch wenigstens seine Erinnerungen. Aber wer hat

die? Wäre die Kindheit da, sie ist wie vergraben. Vielleicht muß man

alt sein, um an das alles heranreichen zu können. Ich denke es mir

gut, alt zu sein.

Heute war ein schöner, herbstlicher Morgen. Ich ging durch die

Tuilerien. Alles, was gegen Osten lag, vor der Sonne, blendete. Das

Angeschienene war vom Nebel verhangen wie von einem lichtgrauen

Vorhang. Grau im Grauen sonnten sich die Statuen in den noch nicht

enthüllten Gärten. Einzelne Blumen in den langen Beeten standen auf

und sagten: Rot, mit einer erschrockenen Stimme. Dann kam ein sehr

großer, schlanker Mann um die Ecke, von den Champs-Elysées her; er

trug eine Krücke, aber nicht mehr unter die Schulter geschoben,--er

hielt sie vor sich her, leicht, und von Zeit zu Zeit stellte er sie

fest und laut auf wie einen Heroldstab. Er konnte ein Lächeln der

Freude nicht unterdrücken und lächelte, an allem vorbei, der Sonne,

den Bäumen zu. Sein Schritt war schüchtern wie der eines Kindes, aber

ungewöhnlich leicht, voll von Erinnerung an früheres Gehen.

Was so ein kleiner Mond alles vermag. Da sind Tage, wo alles um einen

licht ist, leicht, kaum angegeben in der hellen Luft und doch deutlich.

Das Nächste schon hat Töne der Ferne, ist weggenommen und nur

gezeigt, nicht hergereicht; und was Beziehung zur Weite hat: der Fluß,

die Brücken, die langen Straßen und die Plätze, die sich verschwenden,

das hat diese Weite eingenommen hinter sich, ist auf ihr gemalt wie

auf Seide. Es ist nicht zu sagen, was dann ein lichtgrüner Wagen sein

kann auf dem Pont-neuf oder irgendein Rot, das nicht zu halten ist,

oder auch nur ein Plakat an der Feuermauer einer perlgrauen

Häusergruppe. Alles ist vereinfacht, auf einige richtige, helle plans

gebracht wie das Gesicht in einem Manetschen Bildnis. Und nichts ist

gering und überflüssig. Die Bouquinisten am Quai tun ihre Kästen auf,

und das frische oder vernutzte Gelb der Bücher, das violette Braun der

Bände, das größere Grün einer Mappe: alles stimmt, gilt, nimmt teil

und bildet eine Vollzähligkeit, in der nichts fehlt.

Unten ist folgende Zusammenstellung: ein kleiner Handwagen, von einer

Frau geschoben; vorn darauf ein Leierkasten, der Länge nach. Dahinter

quer ein Kinderkorb, in dem ein ganz Kleines auf festen Beinen steht,

vergnügt in seiner Haube, und sich nicht mag setzen lassen. Von Zeit

zu Zeit dreht die Frau am Orgelkasten. Das ganz Kleine stellt sich

dann sofort stampfend in seinem Korbe wieder auf, und ein kleines

Mädchen in einem grünen Sonntagskleid tanzt und schlägt Tamburin zu

den Fenstern hinauf.

Ich glaube, ich müßte anfangen, etwas zu arbeiten, jetzt, da ich sehen

lerne. Ich bin achtundzwanzig, und es ist so gut wie nichts geschehen.

Wiederholen wir: ich habe eine Studie über Carpaccio geschrieben,

die schlecht ist, ein Drama, das 'Ehe' heißt und etwas Falsches mit

zweideutigen Mitteln beweisen will, und Verse. Ach, aber mit Versen

ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten

damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein

langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man

dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie

die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug),--es sind

Erfahrungen. Um eines Verses willen muß man viele Städte sehen,

Menschen und Dinge, man muß die Tiere kennen, man muß fühlen, wie die

Vögel fliegen, und die Gebärde wissen, mit welcher die kleinen Blumen

sich auftun am Morgen. Man muß zurückdenken können an Wege in

unbekannten Gegenden, an unerwartete Begegnungen und an Abschiede, die

man lange kommen sah,--an Kindheitstage, die noch unaufgeklärt sind,

an die Eltern, die man kränken mußte, wenn sie einem eine Freude

brachten und man begriff sie nicht (es war eine Freude für einen

anderen--), an Kinderkrankheiten, die so seltsam anheben mit so vielen

tiefen und schweren Verwandlungen, an Tage in stillen, verhaltenen

Stuben und an Morgen am Meer, an das Meer überhaupt, an Meere, an

Reisenächte, die hoch dahinrauschten und mit allen Sternen flogen,

--und es ist noch nicht genug, wenn man an alles das denken darf. Man

muß Erinnerungen haben an viele Liebesnächte, von denen keine der

andern glich, an Schreie von Kreißenden und an leichte, weiße,

schlafende Wöchnerinnen, die sich schließen. Aber auch bei Sterbenden

muß man gewesen sein, muß bei Toten gesessen haben in der Stube mit

dem offenen Fenster und den stoßweisen Geräuschen. Und es genügt auch

noch nicht, daß man Erinnerungen hat. Man muß sie vergessen können,

wenn es viele sind, und man muß die große Geduld haben, zu warten, daß

sie wiederkommen. Denn die Erinnerungen selbstes noch nicht. Erst

wenn sie Blut werden in uns, Blick und Gebärde, namenlos und nicht

mehr zu unterscheiden von uns selbst, erst dann kann es geschehen, daß

in einer sehr seltenen Stunde das erste Wort eines Verses aufsteht in

ihrer Mitte und aus ihnen ausgeht.

Alle meine Verse aber sind anders entstanden, also sind es keine.--Und

als ich mein Drama schrieb, wie irrte ich da. War ich ein Nachahmer

und Narr, daß ich eines Dritten bedurfte, um von dem Schicksal zweier

Menschen zu erzählen, die es einander schwer machten? Wie leicht ich

in die Falle fiel. Und ich hätte doch wissen müssen, daß dieser

Dritte, der durch alle Leben und Literaturen geht, dieses Gespenst

eines Dritten, der nie gewesen ist, keine Bedeutung hat, daß man ihn

leugnen muß. Er gehört zu den Vorwänden der Natur, welche immer

bemüht ist, von ihren tiefsten Geheimnissen die Aufmerksamkeit der

Menschen abzulenken. Er ist der Wandschirm, hinter dem ein Drama sich

abspielt. Er ist der Lärm am Eingang zu der stimmlosen Stille eines

wirklichen Konfliktes. Man möchte meinen, es wäre allen bisher zu

schwer gewesen, von den Zweien zu reden, um die es sich handelt; der

Dritte, gerade weil er so unwirklich ist, ist das Leichte der Aufgabe,

ihn konnten sie alle. Gleich am Anfang ihrer Dramen merkt man die

Ungeduld, zu dem Dritten zu kommen, sie könnten ihn kaum erwarten.

Sowie er da ist, ist alles gut. Aber wie langweilig, wenn er sich

verspätet, es kann rein nichts geschehen ohne ihn, alles steht, stockt,

wartet. Ja und wie, wenn es bei diesem Stauen und Anstehn bliebe?

Wie, Herr Dramatiker, und du, Publikum, welches das Leben kennt, wie,

wenn er verschollen wäre, dieser beliebte Lebemann oder dieser

anmaßende junge Mensch, der in allen Ehen schließt wie ein

Nachschlüssel? Wie, wenn ihn, zum Beispiel, der Teufel geholt hätte?

Nehmen wirs an. Man merkt auf einmal die künstliche Leere der Theater,

sie werden vermauert wie gefährliche Löcher, nur die Motten aus den

Logenrändern taumeln durch den haltlosen Hohlraum. Die Dramatiker

genießen nicht mehr ihre Villenviertel. Alle öffentlichen

Aufpassereien suchen für sie in entlegenen Weltteilen nach dem

Unersetzlichen, der die Handlung selbst war.

Und dabei leben sie unter den Menschen, nicht diese 'Dritten', aber

die Zwei, von denen so unglaublich viel zu sagen wäre, von denen noch

nie etwas gesagt worden ist, obwohl sie leiden und handeln und sich

nicht zu helfen wissen.

Es ist lächerlich. Ich sitze hier in meiner kleinen Stube, ich,

Brigge, der achtundzwanzig Jahre alt geworden ist und von dem niemand

weiß. Ich sitze hier und bin nichts. Und dennoch, dieses Nichts

fängt an zu denken und denkt, fünf Treppen hoch, an einem grauen

Pariser Nachmittag diesen Gedanken:

Ist es möglich, denkt es, daß man noch nichts Wirkliches und Wichtiges

gesehen, erkannt und gesagt hat? Ist es möglich, daß man Jahrtausende

Zeit gehabt hat, zu schauen, nachzudenken und aufzuzeichnen, und daß

man die Jahrtausende hat vergehen lassen wie eine Schulpause, in der

man sein Butterbrot ißt und einen Apfel?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz

Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens

geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die

doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen

Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht, wie die Salonmöbel in den

Sommerferien?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß die ganze Weltgeschichte mißverstanden worden ist?

Ist es möglich, daß die Vergangenheit falsch ist, weil man immer von

ihren Massen gesprochen hat, gerade, als ob man von einem Zusammenlauf

vieler Menschen erzählte, statt von dem Einen zu sagen, um den sie

herumstanden, weil er fremd war und starb?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß man glaubte, nachholen zu müssen, was sich

ereignet hat, ehe man geboren war? Ist es möglich, daß man jeden

einzelnen erinnern müßte, er sei ja aus allen Früheren entstanden,

wüßte es also und sollte sich nichts einreden lassen von den anderen,

die anderes wüßten?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß alle diese Menschen eine Vergangenheit, die nie

gewesen ist, ganz genau kennen? Ist es möglich, daß alle

Wirklichkeiten nichts sind für sie; daß ihr Leben abläuft, mit nichts

verknüpft, wie eine Uhr in einem leeren Zimmer--?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß man von den Mädchen nichts weiß, die doch leben?

Ist es möglich, daß man 'die Frauen' sagt, 'die Kinder', 'die Knaben'

und nicht ahnt (bei aller Bildung nicht ahnt), daß diese Worte längst

keine Mehrzahl mehr haben, sondern nur unzählige Einzahlen?

Ja, es ist möglich.

Ist es möglich, daß es Leute giebt, welche 'Gott' sagen und meinen,

das wäre etwas Gemeinsames?--Und sieh nur zwei Schulkinder: Es kauft

sich der eine ein Messer, und sein Nachbar kauft sich ein ganz

gleiches am selben Tag. Und sie zeigen einander nach einer Woche die

beiden Messer, und es ergiebt sich, daß sie sich nur noch ganz

entfernt ähnlich sehen,--so verschieden haben sie sich in

verschiedenen Händen entwickelt. (Ja, sagt des einen Mutter dazu:

wenn ihr auch gleich immer alles abnutzen müßt.--) Ach so: Ist es

möglich, zu glauben, man könne einen Gott haben, ohne ihn zu

gebrauchen?

Ja, es ist möglich.

Wenn aber dieses alles möglich ist, auch nur einen Schein von

Möglichkeit hat,--dann muß ja, um alles in der Welt, etwas geschehen.

Der Nächstbeste, der, welcher diesen beunruhigenden Gedanken gehabt

hat, muß anfangen, etwas von dem Versäumten zu tun; wenn es auch nur

irgend einer ist, durchaus nicht der Geeignetste: es ist eben kein

anderer da. Dieser junge, belanglose Ausländer, Brigge, wird sich

fünf Treppen hoch hinsetzen müssen und schreiben, Tag und Nacht. Ja

er wird schreiben müssen, das wird das Ende sein.

Zwölf Jahre oder höchstens dreizehn muß ich damals gewesen sein. Mein

Vater hatte mich nach Urnekloster mitgenommen. Ich weiß nicht, was

ihn veranlaßte, seinen Schwiegervater aufzusuchen. Die beiden Männer

hatten sich jahrelang, seit dem Tode meiner Mutter, nicht gesehen, und

mein Vater selbst war noch nie in dem alten Schlosse gewesen, in

welches der Graf Brahe sich erst spät zurückgezogen hatte. Ich habe

das merkwürdige Haus später nie wiedergesehen, das, als mein Großvater

starb, in fremde Hände kam. So wie ich es in meiner kindlich

gearbeiteten Erinnerung wiederfinde, ist es kein Gebäude; es ist ganz

aufgeteilt in mir; da ein Raum, dort ein Raum und hier ein Stück Gang,

das diese beiden Räume nicht verbindet, sondern für sich, als Fragment,

aufbewahrt ist. In dieser Weise ist alles in mir verstreut,--die

Zimmer, die Treppen, die mit so großer Umständlichkeit sich

niederließen, und andere enge, rundgebaute Stiegen, in deren Dunkel

man ging wie das Blut in den Adern; die Turmzimmer, die hoch

aufgehängten Balkone, die unerwarteten Altane, auf die man von einer

kleinen Tür hinausgedrängt wurde:--alles das ist noch in mir und wird

nie aufhören, in mir zu sein. Es ist, als wäre das Bild dieses Hauses

aus unendlicher Höhe in mich hineingestürzt und auf meinem Grunde

zerschlagen.

Ganz erhalten ist in meinem Herzen, so scheint es mir, nur jener Saal,

in dem wir uns zum Mittagessen zu versammeln pflegten, jeden Abend um

sieben Uhr. Ich habe diesen Raum niemals bei Tage gesehen, ich

erinnere mich nicht einmal, ob er Fenster hatte und wohin sie aussahen;

jedes mal, so oft die Familie eintrat, brannten die Kerzen in den

schweren Armleuchtern, und man vergaß in einigen Minuten die Tageszeit

und alles, was man draußen gesehen hatte. Dieser hohe, wie ich

vermute, gewölbte Raum war stärker als alles; er saugte mit seiner

dunkelnden Höhe, mit seinen niemals ganz aufgeklärten Ecken alle

Bilder aus einem heraus, ohne einem einen bestimmten Ersatz dafür zu

geben. Man saß da wie aufgelöst; völlig ohne Willen, ohne Besinnung,

ohne Lust, ohne Abwehr. Man war wie eine leere Stelle. Ich erinnere

mich, daß dieser vernichtende Zustand mir zuerst fast Übelkeit

verursachte, eine Art Seekrankheit, die ich nur dadurch überwand, daß

ich mein Bein ausstreckte, bis ich mit dem Fuß das Knie meines Vaters

berührte, der mir gegenübersaß. Erst später fiel es mir auf, daß er

dieses merkwürdige Benehmen zu begreifen oder doch zu dulden schien,

obwohl zwischen uns ein fast kühles Verhältnis bestand, aus dem ein

solches Gebaren nicht erklärlich war. Es war indessen jene leise

Berührung, welche mir die Kraft gab, die langen Mahlzeiten auszuhalten.

Und nach einigen Wochen krampfhaften Ertragens hatte ich, mit der

fast unbegrenzten Anpasssung des Kindes, mich so sehr an das

Unheimliche jener Zusammenkünfte gewöhnt, daß es mich keine

Anstrengung mehr kostete, zwei Stunden bei Tische zu sitzen; jetzt

vergingen sie sogar verhältnismäßig schnell, weil ich mich damit

beschäftigte, die Anwesenden zu beobachten.

Mein Großvater nannte es die Familie, und ich hörte auch die andern

diese Bezeichnung gebrauchen, die ganz willkürlich war. Denn obwohl

diese vier Menschen miteinander in entfernten verwandtschaftlichen

Beziehungen standen, so gehörten sie doch in keiner Weise zusammen.

Der Oheim, welcher neben mir saß, war ein alter Mann, dessen hartes

und verbranntes Gesicht einige schwarze Flecke zeigte, wie ich erfuhr,

die Folgen einer explodierten Pulverladung; mürrisch und malkontent

wie er war, hatte er als Major seinen Abschied genommen, und nun

machte er in einem mir unbekannten Raum des Schlosses alchymistische

Versuche, war auch, wie ich die Diener sagen hörte, mit einem

Stockhause in Verbindung, von wo man ihm ein- oder zweimal jährlich

Leichen zusandte, mit denen er sich Tage und Nächte einschloß und die

er zerschnitt und auf eine geheimnisvolle Art zubereitete, so daß sie

der Verwesung widerstanden. Ihm gegenüber war der Platz des Fräuleins

Mathilde Brahe. Es war das eine Person von unbestimmtem Alter, eine

entfernte Cousine meiner Mutter, von der nichts bekannt war, als daß

sie eine sehr rege Korrespondenz mit einem österreichischen

Spiritisten unterhielt, der sich Baron Nolde nannte und dem sie

vollkommen ergeben war, so daß sie nicht das geringste unternahm, ohne

vorher seine Zustimmung oder vielmehr etwas wie seinen Segen

einzuholen. Sie war zu jener Zeit außerordentlich stark, von einer

weichen, trägen Fülle, die gleichsam achtlos in ihre losen, hellen

Kleider hineingegossen war; ihre Bewegungen waren müde und unbestimmt,

und ihre Augen flossen beständig über. Und trotzdem war etwas in ihr,

das mich an meine zarte und schlanke Mutter erinnerte.

Ich fand, je länger ich sie betrachtete, alle die feinen und leisen

Züge in ihrem Gesichte, an die ich mich seit meiner Mutter Tode nie

mehr recht hatte erinnern können; nun erst, seit ich Mathilde Brahe

täglich sah, wußte ich wieder, wie die Verstorbene ausgesehen hatte;

ja, ich wußte es vielleicht zum erstenmal. Nun erst setzte sich aus

hundert und hundert Einzelheiten ein Bild der Toten in mir zusammen,

jenes Bild, das mich überall begleitet. Später ist es mir klar

geworden, daß in dem Gesicht des Fräuleins Brahe wirklich alle

Einzelheiten vorhanden waren, die die Züge meiner Mutter bestimmten,

--sie waren nur, als ob ein fremdes Gesicht sich dazwischen geschoben

hätte, auseinandergedrängt, verbogen und nicht mehr in Verbindung

miteinander.

Neben dieser Dame saß der kleine Sohn einer Cousine, ein Knabe, etwa

gleichaltrig mit mir, aber kleiner und schwächlicher. Aus einer

gefältelten Krause stieg sein dünner, blasser Hals und verschwand

unter einem langen Kinn. Seine Lippen waren schmal und fest

geschlossen, seine Nasenflügel zitterten leise, und von seinen schönen

dunkelbraunen Augen war nur das eine beweglich. Es blickte manchmal

ruhig und traurig zu mir herüber, während das andere immer in dieselbe

Ecke gerichtet blieb, als wäre es verkauft und käme nicht mehr in

Betracht.

Am oberen Ende der Tafel stand der ungeheure Lehnsessel meines

Großvaters, den ein Diener, der nichts anderes zu tun hatte, ihm

unterschob und in dem der Greis nur einen geringen Raum einnahm. Es

gab Leute, die diesen schwerhörigen und herrischen alten Herrn

Exzellenz und Hofmarschall nannten, andere gaben ihm den Titel General.

Und er besaß gewiß auch alle diese Würden, aber es war so lange her,

seit er Ämter bekleidet hatte, daß diese Benennungen kaum mehr

verständlich waren. Mir schien es überhaupt, als ob an seiner in

gewissen Momenten so scharfen und doch immer wieder aufgelösten

Persönlichkeit kein bestimmter Name haften könne. Ich konnte mich nie

entschließen, ihn Großvater zu nennen, obwohl er bisweilen freundlich

zu mir war, ja mich sogar zu sich rief, wobei er meinem Namen eine

scherzhafte Betonung zu geben versuchte. Übrigens zeigte die ganze

Familie ein aus Ehrfurcht und Scheu gemischtes Benehmen dem Grafen

gegenüber, nur der kleine Erik lebte in einer gewissen Vertraulichkeit

mit dem greisen Hausherrn; sein bewegliches Auge hatte zuzeiten rasche

Blicke des Einverständnisses mit ihm, die ebensorasch von dem

Großvater erwidert wurden; auch konnte man sie zuweilen in den langen

Nachmittagen am Ende der tiefen Galerie auftauchen sehen und

beobachten, wie sie, Hand in Hand, die dunklen alten Bildnisse entlang

gingen, ohne zu sprechen, offenbar auf eine andere Weise sich

verständigend.

Ich befand mich fast den ganzen Tag im Parke und draußen in den

Buchenwäldern oder auf der Heide; und es gab zum Glück Hunde auf

Urnekloster, die mich begleiteten; es gab da und dort ein Pächterhaus

oder einen Meierhof, wo ich Milch und Brot und Früchte bekommen konnte,

und ich glaube, daß ich meine Freiheit ziemlich sorglos genoß, ohne

mich, wenigstens in den folgenden Wochen, von dem Gedanken an die

abendlichen Zusammenkünfte ängstigen zu lassen. Ich sprach fast mit

niemandem, denn es war meine Freude, einsam zu sein; nur mit den

Hunden hatte ich kurze Gespräche dann und wann: mit ihnen verstand ich

mich ausgezeichnet. Schweigsamkeit war übrigens eine Art

Familieneigenschaft; ich kannte sie von meinem Vater her, und es

wunderte mich nicht, daß während der Abendtafel fast nichts gesprochen

wurde.

In den ersten Tagen nach unserer Ankunft allerdings benahm sich

Mathilde Brahe äußerst gesprächig. Sie fragte den Vater nach früheren

Bekannten in ausländischen Städten, sie erinnerte sich entlegener

Eindrücke, sie rührte sich selbst bis zu Tränen, indem sie

verstorbener Freundinnen und eines gewissen jungen Mannes gedachte,

von dem sie andeutete, daß er sie geliebt habe, ohne daß sie seine

inständige und hoffnungslose Neigung hätte erwidern mögen. Mein Vater

hörte höflich zu, neigte dann und wann zustimmend sein Haupt und

antwortete nur das Nötigste. Der Graf, oben am Tisch, lächelte

beständig mit herabgezogenen Lippen, sein Gesicht erschien größer als

sonst, es war, als trüge er eine Maske. Er ergriff übrigens selbst

manchmal das Wort, wobei seine Stimme sich auf niemanden bezog, aber,

obwohl sie sehr leise war, doch im ganzen Saal gehört werden konnte;

sie hatte etwas von dem gleichmäßigen unbeteiligten Gang einer Uhr;

die Stille um sie schien eine eigene leere Resonanz zu haben, für jede

Silbe die gleiche.

Graf Brahe hielt es für eine besondere Artigkeit meinem Vater

gegenüber, von dessen verstorbener Gemahlin, meiner Mutter, zu

sprechen. Er nannte sie Gräfin Sibylle, und alle seine Sätze

schlossen, als fragte er nach ihr. Ja es kam mir, ich weiß nicht

weshalb, vor, als handle es sich um ein ganz junges Mädchen in Weiß,

das jeden Augenblick bei uns eintreten könne. In demselben Tone hörte

ich ihn auch von 'unserer kleinen Anna Sophie' reden. Und als ich

eines Tages nach diesem Fräulein fragte, das dem Großvater besonders

lieb zu sein schien, erfuhr ich, daß er des Großkanzlers Conrad

Reventlow Tochter meinte, weiland Friedrichs des Vierten Gemahlin zur

linken Hand, die seit nahezu anderthalb hundert Jahren zu Roskilde

ruhte. Die Zeitfolgen spielten durchaus keine Rolle für ihn, der Tod

war ein kleiner Zwischenfall, den er vollkommen ignorierte, Personen,

die er einmal in seine Erinnerung aufgenommen hatte, existierten, und

daran konnte ihr Absterben nicht das geringste ändern. Mehrere Jahre

später, nach dem Tode des alten Herrn, erzählte man sich, wie er auch

das Zukünftige mit demselben Eigensinn als gegenwärtig empfand. Er

soll einmal einer gewissen jungen Frau von ihren Söhnen gesprochen

haben, von den Reisen eines dieser Söhne insbesondere, während die

junge Dame, eben im dritten Monate ihrer ersten Schwangerschaft, fast

besinnungslos vor Entsetzen und Furcht neben dem unablässig redenden

Alten saß.

Aber es begann damit, daß ich lachte. Ja ich lachte laut und ich

konnte mich nicht beruhigen. Eines Abends fehlte nämlich Mathilde

Brahe. Der alte, fast ganz erblindete Bediente hielt, als er zu ihrem

Platze kam, dennoch die Schüssel anbietend hin. Eine Weile verharrte

er so; dann ging er befriedigt und würdig und als ob alles in Ordnung

wäre weiter. Ich hatte diese Szene beobachtet, und sie kam mir, im

Augenblick da ich sie sah, durchaus nicht komisch vor. Aber eine

Weile später, als ich eben einen Bissen in den Mund steckte, stieg mir

das Gelächter mit solcher Schnelligkeit in den Kopf, daß ich mich

verschluckte und großen Lärm verursachte. Und trotzdem diese

Situation mir selber lästig war, trotzdem ich mich auf alle mögliche

Weise anstrengte, ernst zu sein, kam das Lachen stoßweise immer wieder

und behielt völlig die Herrschaft über mich.

Mein Vater, gleichsam um mein Benehmen zu verdecken, fragte mit seiner

breiten gedämpften Stimme: "Ist Mathilde krank?" Der Großvater

lächelte in seiner Art und antwortete dann mit einem Satze, auf den

ich, mit mir selber beschäftigt, nicht achtgab und der etwa lautete:

Nein, sie wünscht nur, Christinen nicht zu begegnen. Ich sah es also

auch nicht als Wirkung dieser Worte an, daß mein Nachbar, der braune

Major, sich erhob und, mit einer undeutlich gemurmelten Entschuldigung

und einer Verbeugung gegen den Grafen hin, den Saal verließ. Es fiel

mir nur auf, daß er sich hinter dem Rücken des Hausherrn in der Tür

nochmals umdrehte und dem kleinen Erik und zu meinem größten Erstaunen

plötzlich auch mir winkende und nickende Zeichen machte, als forderte

er uns auf, ihm zu folgen. Ich war so überrascht, daß mein Lachen

aufhörte, mich zu bedrängen. Im übrigen schenkte ich dem Major weiter

keine Aufmerksamkeit; er war mir unangenehm, und ich bemerkte auch,

daß der kleine Erik ihn nicht beachtete.

Die Mahlzeit schleppte sich weiter wie immer, und man war gerade beim

Nachtisch angelangt, als meine Blicke von einer Bewegung ergriffen und

mitgenommen wurden, die im Hintergrund des Saales, im Halbdunkel, vor

sich ging. Dort war nach und nach eine, wie ich meinte, stets

verschlossene Türe, von welcher man mir gesagt hatte, daß sie in das

Zwischengeschoß führe, aufgegangen, und jetzt, während ich mit einem

mir ganz neuen Gefühl von Neugier und Bestürzung hinsah, trat in das

Dunkel der Türöffnung eine schlanke, hellgekleidete Dame und kam

langsam auf uns zu. Ich weiß nicht, ob ich eine Bewegung machte oder

einen Laut von mir gab, der Lärm eines umstürzenden Stuhles zwang mich,

meine Blicke von der merkwürdigen Gestalt abzureißen, und ich sah

meinen Vater, der aufgesprungen war und nun, totenbleich im Gesicht,

mit herabhängenden geballten Händen, auf die Dame zuging. Sie bewegte

sich indessen, von dieser Szene ganz unberührt, auf uns zu, Schritt

für Schritt, und sie war schon nicht mehr weit von dem Platze des

Grafen, als dieser sich mit einem Ruck erhob, meinen Vater beim Arme

faßte, ihn an den Tisch zurückzog und festhielt, während die fremde

Dame, langsam und teilnahmlos, durch den nun freigewordenen Raum

vorüberging, Schritt für Schritt, durch unbeschreibliche Stille, in

der nur irgendwo ein Glas zitternd klirrte, und in einer Tür der

gegenüberliegenden Wand des Saales verschwand.

In diesem Augenblick bemerkte ich, daß es der kleine Erik war, der mit

einer tiefen Verbeugung diese Türe hinter der Fremden schloß.

Ich war der einzige, der am Tische sitzengeblieben war; ich hatte mich

so schwer gemacht in meinem Sessel, mir schien, ich könnte allein nie

wieder auf. Eine Weile sah ich, ohne zu sehen. Dann fiel mir mein

Vater ein, und ich gewahrte, daß der Alte ihn noch immer am Arme

festhielt. Das Gesicht meines Vaters war jetzt zornig, voller Blut,

aber der Großvater, dessen Finger wie eine weiße Kralle meines Vaters

Arm umklammerten, lächelte sein maskenhaftes Lächeln. Ich hörte dann,

wie er etwas sagte, Silbe für Silbe, ohne daß ich den Sinn seiner

Worte verstehen konnte. Dennoch fielen sie mir tief ins Gehör, denn

vor etwa zwei Jahren fand ich sie eines Tages unten in meiner

Erinnerung, und seither weiß ich sie. Er sagte: "Du bist heftig,

Kammerherr, und unhöflich. Was läßt du die Leute nicht an ihre

Beschäftigungen gehn?" "Wer ist das?" schrie mein Vater dazwischen.

"Jemand, der wohl das Recht hat, hier zu sein. Keine Fremde.

Christine Brahe."--Da entstand wieder jene merkwürdig dünne Stille,

und wieder fing das Glas an zu zittern. Dann aber riß sich mein Vater

mit einer Bewegung los und stürzte aus dem Saale.

Ich hörte ihn die ganze Nacht in seinem Zimmer auf und ab gehen; denn

auch ich konnte nicht schlafen. Aber plötzlich gegen Morgen erwachte

ich doch aus irgend etwas Schlafähnlichem und sah mit einem Entsetzen,

daß mich bis ins Herz hinein lähmte, etwas Weißes, das an meinem Bette

saß. Meine Verzweiflung gab mir schließlich die Kraft, den Kopf unter

die Decke zu stecken, und dort begann ich aus Angst und Hülflosigkeit

zu weinen. Plötzlich wurde es kühl und hell über meinen weinenden

Augen; ich drückte sie, um nichts sehen zu müssen, über den Tränen zu.

Aber die Stimme, die nun von ganz nahe auf mich einsprach, kam lau

und süßlich an mein Gesicht, und ich erkannte sie: es war Fräulein

Mathildes Stimme. Ich beruhigte mich sofort und ließ mich trotzdem,

auch als ich schon ganz ruhig war, immer noch weiter trösten; ich

fühlte zwar, daß diese Güte zu weichlich sei, aber ich genoß sie

dennoch und meinte sie irgendwie verdient zu haben. "Tante", sagte

ich schließlich und versuchte in ihrem zerflossenen Gesicht die Züge

meiner Mutter zusammenzufassen: "Tante, wer war die Dame?"

"Ach", antwortete das Fräulein Brahe mit einem Seufzer, der mir

komisch vorkam, "eine Unglückliche, mein Kind, eine Unglückliche."

Am Morgen dieses Tages bemerkte ich in einem Zimmer einige Bediente,

die mit Packen beschäftigt waren. Ich dachte, daß wir reisen würden,

ich fand es ganz natürlich, daß wir nun reisten. Vielleicht war das

auch meines Vaters Absicht. Ich habe nie erfahren, was ihn bewog,

nach jenem Abend noch auf Urnekloster zu bleiben. Aber wir reisten

nicht. Wir hielten uns noch acht Wochen oder neun in diesem Hause auf,

wir ertrugen den Druck seiner Seltsamkeiten, und wir sahen noch

dreimal Christine Brahe.

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge · 第 1 / 15 段