IV

Am anderen Morgen wurde Max auch wirklich gleich mitten ins Gift

gestellt.

Er hatte sich schon beizeiten auf den Weg gemacht, setzte sich noch vor

Beginn der Arbeit mit den roten Zellenobleuten in Verbindung, ermittelte

genau die Struktur der Belegschaft: wieviel Sozialdemokraten,

Schwarzweißrote, Persönliches usw., und besprach mit den Genossen kurz

die Situation im Reich, besonders in den großen Industriestädten,

worüber die Proleten, da die Regierung noch den gesamten

Nachrichtenapparat besaß, völlig uninformiert waren. Dann ging er dazu

über, ihnen klipp und klar das Wesen und die Bedeutung ihrer Tätigkeit

zu erklären. Einige Flugschriften unterstützten das, doch im allgemeinen

konnte man sagen, was das Gebiet der Technik des kommenden Krieges

anbetraf, so war darin vom proletarischen Standpunkt aus nur recht wenig

Brauchbares geleistet worden. Die Artikel der amerikanischen Genossen,

die Resolution, hie und da Aufsätze in den revolutionären

Tageszeitungen: aber mit Propaganda allein war eben nicht alles zu

machen und Erfahrung – die Genossen in der chemischen Industrie waren

auf dem besten Wege dazu, sich diese möglichst teuer zu erkaufen.

Immer wieder kamen sie mit den Einwänden: „Stimmt ja gar nicht, was du

sagst, diese Säuren braucht man zu Seife und daraus werden Parfümerien

gemacht, darüber besteht doch gar kein Zweifel, sind doch genaueste

Kontrollen da, lies doch das Buch der Schweizer Chemikerin, die erstens

Kanone in ihrem Fach und zweitens noch dazu eine Pazifistin ist, die

läßt sich doch sicher nicht so leicht was vormachen, ihre

Kontrollvorschläge hat doch der Völkerbund einstimmig angenommen, und

die ganze öffentliche Meinung der Welt ist gegen den Gaskrieg, na und

überhaupt ... Der Chemische Krieg ist doch verboten und alle Nationen

haben unter Abgabe feierlichster Versicherungen sich dagegen erklärt ...

Siehst du, Genosse, du magst es ja recht ehrlich meinen, aber wir, die

wir jahrelang in der Bude stecken, wir müssen doch schließlich am Ende

auch noch was davon verstehn: was wir zum Beispiel in letzter Zeit

fabrizieren, sind lediglich Heilmittel, Aufträge nach Amerika,

Salvarsan, davon wirst du ja gewiß auch schon gehört haben ... Nicht

wahr? ... Und deshalb auch der Lohnzuschlag.“

Man behandelte Max beinahe etwas herablassend wie einen Laien.

„Einen Vorschlag, Genosse Max! Alles, was du uns da sagst, hat weder

Hand noch Fuß! Komm erst einmal in unseren Betrieb, schau dich einige

Tage gründlich darin um und informiere dich! ... Wir wollen dir gern

dabei behilflich sein ...“

„Gut so!“ Max schlug ein.

„Verschrobene Vorstellungen! Inhaltsleere, blödsinnige Phantastereien,

alles ein hahnebüchener Schwindel, wenn man ihm ernsthaft auf den Grund

geht. Ein Kinderschreck! Für alte Weiber und Flennbrüder! Da sieh nur

mal her, Max, Märchenerzähler!“ Und immer noch schüttelten sie ungläubig

die Köpfe. Sie schleppten bürgerliche illustrierte Zeitungen an mit

Beschreibungen mechanischer Polizeimänner, die gar gruselig anzusehen

waren, mit Todesstrahlen, die mörderisch in den Lüften nach Fliegern

herumstocherten und mit anderem ähnlichen Mumpitz.

Dann begannen aber doch einige der Genossen die Artikel der Amerikaner

zu lesen, langsam und schwerfällig lasen sie, als ob sie buchstabierten.

Einer dachte schon nach.

Sah lang dabei in die Ferne.

Schüttelte wieder den Kopf, las wieder.

„So meinst du also, Genosse Max, das ganze so großartig ethisch und

human aufgezogene Verbot des Gaskriegs durch den Völkerbund soll nichts

weiter als nur ein ganz elendiglicher Bluff gewesen sein. Eine

Beruhigungspille sozusagen ... Um uns Proleten vor allem in Sicherheit

zu wiegen ... Und damit man um so ungestörter sich der Vorbereitung

einer gewaltigen Massenhenkerarbeit widmen kann.“

„Das allerdings meine ich“, entgegnete Genosse Max.

Und fuhr fort:

„Und die Bestätigung dieser Meinung wird nicht lange mehr auf sich

warten lassen. Aber wir müssen unseren Gegnern zuvorkommen. Wir können

nicht warten bis es soweit ist, da es dann unter Umständen auch bereits

zu spät sein kann ...“

Wieder kam ein anderer gelaufen:

„Also, das ... wir, wir Farbindustriearbeiter ... Nein, das kann nicht

möglich sein ... das wäre ja ...“

Er machte eine Bewegung, als ob er sich krümmte.

Langsam und hartnäckig, mit viel Geduld, arbeitete sich Max in diese

Schädel hinein, er gab nicht nach, hielt sie wie mit einer eisernen

Umklammerung an ihrem eigenen Gedankengang fest, bohrte weiter und

führte sie sicher aus ihren Illusionen heraus.

„Schwierigkeiten sind nur dazu da, um überwunden zu werden.

Schwierigkeiten lechzen geradezu nach ihrer Ueberwindung.“ Das war sein

Leitspruch bei dieser Tätigkeit.

Immer nachdenklicher wurden die anderen.

Max gab ihnen ungeschminkte Wahrheit. Dadurch gewann er ihr volles

Vertrauen. So schilderte er ihnen eindringlich, wie die Revolution ein

langwieriger Prozeß sei, voll von Aufopferung, Martern, Blut und Wunden,

und daß gar nicht daran zu denken sei, daß die Lage der Arbeiterschaft

bei der Machtübernahme sich gleich von heute auf morgen bessere. Im

Gegenteil ... „Wir Kommunisten gaukeln euch nichts vor. Wer die Wahrheit

nicht ertragen kann, bitte sehr ... Aber es gibt für euch Proleten gar

keine andere Wahl. Entweder – oder. Ihr müßt kämpfen oder – untergehn.“

„Nein, wir wollen nicht untergehn. Gewiß nicht ... Und wenn, wie du uns

mitgeteilt hast, unsere Brüder jetzt kämpfen ...“

Max bemerkte schon: mit geschärften Augen beobachteten sie alles, was im

Betrieb vor sich ging, oft verschwand der eine oder der andere für eine

Weile, bis plötzlich eines Vormittags, grün vor Schrecken, einer der

Obleute zurückkam und Max leise ins Ohr flüsterte:

„Max, ich habs, es stimmt, was du sagst ... Hier ist die genaue

Aufstellung ... Eine ganze Liste ... Also es ist festgestellt: seit drei

Monaten fabrizieren wir weiter nichts als Giftgas.“

* * * * *

Max beobachtete genau die Herstellungsverfahren.

Die Arbeiter hier in den Betrieben machten lediglich Vorarbeiten. Erst

im letzten Stadium vollzog sich die Umwandlung der Produkte in chemische

Kampfstoffe. Diese Arbeit geschah in einem besonderen Gebäude, zu dem

niemand Zutritt hatte. Die Arbeiter dort waren vertragsgemäß unkündbar

auf mindestens 12 Jahre verpflichtet. Vor dieser Zeit verließ auch

keiner seinen Arbeitsplatz. Sie wohnten dort. Nur Unverheiratete wurden

aufgenommen. Dieser Teil des Farbstoffwerkes hieß „Die Falle“ oder auch

„Die feste Burg“. Die meisten Arbeiter betrachteten die „Falle“ als eine

Art freiwilliger Quarantäne, da gewisse Arbeiten mit Ansteckungsgefahr

verbunden waren. Nur besonders zuverlässige Leute, am liebsten aus den

„Vaterländischen Verbänden“, wurden hier aufgenommen. Auch frühere

Angehörige des Heeres, entlassene Unteroffiziere, Soldaten wurden mit

Vorliebe eingestellt. Nach allen vier Himmelsrichtungen hin war die

„Falle“ von der übrigen Welt abgemauert, über die Mauer selbst aber zog

sich noch ein zwei Meter hoher Stacheldraht, wie man vermutete,

elektrisch geladen. „Versuche, das isolierte Gebiet zu betreten, mit

Lebensgefahr verbunden!“ warnten überall Tafeln. Durch ein doppeltes

Geleise war dieser mysteriöse Teil des Farbstoffwerks direkt mit der

Staatsbahn verbunden. Ununterbrochen rollten nachts Güterzüge ein und

aus.

Was dort vor sich ging, darüber erfuhr man im übrigen Betrieb nichts.

Die Arbeiter kümmerten sich nur wenig um die „Falle“.

Sie war beinahe von einer Legende umwoben und atmete ein geheimnisvolles

Schweigen.

Nur einmal: da soll es zu einem Zwischenfall gekommen sein, als sich

einer der Insassen aus dem Fenster stürzte im Wahnsinn, wie es hieß, der

durch die unsachgemäße Behandlung von chemischen Mischungen erzeugt

worden sei.

Dieser Vorfall kam damals auch in den Betrieben zur Sprache und wurde in

Zusammenhang gebracht mit einer Meldung aus Amerika, die über ein neues

sogenanntes „Wahnsinnsgas“ berichtete.

Die Diskussion darüber dauerte vielleicht eine Woche.

Es kam nichts dabei heraus.

Man wollte zuerst eine Untersuchungskommission einsetzen.

Doch wie gesagt: eine Woche lang, und die erregten Gemüter beruhigten

sich. –

* * * * *

Der Fabrikraum, in dem Max arbeitete, war bis aufs äußerste ausgenützt.

Es war genau berechnet, wieviel Platz jeder Arbeiter brauchte, jede

Arbeitsbewegung war kinematographisch festgestellt: ein elektrisch

betriebenes Band rollte und führte dem Arbeiter die einzelnen

Arbeitsprodukte zu, an denen jeder Arbeiter nur mit einem Handgriff eine

bestimmte Prozedur vorzunehmen hatte. Zeit, Arbeitstempo waren bis auf

die Sekunde geregelt. Und immer wieder wurden von den zu diesem Zweck

besonders angestellten Arbeitstechnikern neue Methoden herausgefunden,

die Arbeitsintensität zu steigern.

Sämtliche Arbeiter trugen zum Schutz gegen die giftigen Dämpfe

haubenähnliche Masken, die Gläser der Sehschlitze waren gegen den

Beschlag durch ätzende Säuren besonders eingefettet.

Trotzdem waren die Schutzmaßnahmen, hauptsächlich die an den in einem

rasenden Tempo wirbelnden Maschinen, recht mangelhaft.

Die schönste Erholung war schließlich der „Sauerstoffraum“, der nach je

drei Stunden Arbeitszeit auf drei Minuten aufgesucht werden konnte.

* * * * *

Ein dunkles Zischen und Surren schwebte in der Luft, ein knatternder,

gedämpfter Orkan, Eisenarme drehten sich und neigten sich vielgelenkig

über; Bottiche, gefüllt mit dickklebrigen Brühen, schwenkten sich dicht

unter der Decke dahin, ein harziger Brei schwemmte selbsttätig von Kübel

zu Kübel, Wunderwerke von Präzisionsmaschinen nahmen die

kompliziertesten Mischungen vor. Durch andere Räume hindurch, die großen

Hallen glichen, sah man Kessel an Kessel, zwei- und dreistöckige Kessel

sozusagen, an denen auf langen Leitern die Arbeiter herumstiegen.

Mehrere Plattformen teilten so einen Kessel nach oben ab, Max schien es,

als glichen sie ganz den gotischen Kirchen.

* * * * *

Mitten in der Arbeit hatte Max einmal die Vision:

Alles gast, dampft, spritzt; der ganze Raum ist mit fliegenden,

spritzenden Säuren durchspannt; es knistert und flackert

phosphoreszierend an den Böden, die krautig und haarig bewachsen sind,

als Steinbrocken darin klotzige Knochenschädel, und das Ganze brennt

tropisch glühend, eine morastige Landschaft, so heiß, daß die Haut

unempfindlich wird und die Augen aus den Stirnhöhlen heraustropfen,

dicke, perlenähnliche, weißlich-festgeronnene Blasen. Wesen hausen in

auszementierten Schlupflöchern und in Gräbern als Unterständen, in

schwere Gummianzüge gepreßt, Masken-Helme aufgestülpt, durch die Worte

nur noch als dumpfes Gurgeln und Röcheln vernehmbar sind. „Der neue

Mensch!“ dozierte jemand, und immer dichter und dichter ward das gasige

Dickicht. „Jetzt endlich haben wir es!“ dröhnte pathetisch und wohlig

schnalzend eine Stimme: „eine hochkonzentrierte Gaswolke, die die

Möglichkeit bietet, den Gegner zu überrumpeln und dabei doch die

Eigenschaft hat, von topographischen und meteorologischen Einflüssen

völlig unabhängig zu sein ... Dies Problem zu lösen war in der Tat nicht

ganz einfach ...“ Das Besondere an dieser visionären Landschaft war, daß

sie geometrisch exakt und sauber aufgeteilt war, ja daß die zahllosen

Einzelteile und Figuren in ihr aufs feinste ausgebildet und aufs

strengste sich organisiert erwiesen, das Ganze aber durchaus chaotisch

und einem mittelalterlichen Spuk und Hexensabbath vergleichbar. Alles

drängte nach Auflösung, ein in Strudeln sich um und um drehender Abgrund

schwamm, voll von Algen, Lurchen, Schnecken und Quallen.

Gestaltgewordene eitertriefende Geschwüre wandelten dazwischen, Gewürme

und stachlichte Riesenkletten: alles fabriziert, saugt, atmet Gas:

verfärbt sich und verwandelt sich jeden Augenblick, Muscheltiere und

Mollusken kommen hoch, ganze Haufen exotischer, mit schlingenden

Fangarmen bewehrter fleischfressender Pflanzen, und darüber schillert

und brennt es wieder magisch hinweg, man hört beinahe nichts: die

Gashölle ist geruchlos und lautlos, und die Sonne in diesem modernen

Inferno glüht eisern, roh ausgezackt und völlig unbewegt, schmettert

sengend Strahl auf Strahl nieder, jede Luftschicht wirkt wieder, die

Hitzgrade vervielfachend, als eine besondere Art atmosphärischen

Brennspiegels: und darunter dickt die Luft sich von selbst ein, wird

milchig, flockig und schwimmt, schleimige Fäden lassend, über dem

Erdsumpf dahin als eine molkige Riesenwolke ... Alle Völker, alle

Erdwesen sind durch die Giftgasschwemme hindurchgegangen. Ein neues

Wüstengebiet entsteht: alles wie unter einer Bleiche gefleckt, und

knöcherig überkrustet. –

– – – –

* * * * *

Max studierte die tabellarische Uebersicht der wichtigsten chemischen

Kampfstoffe. Es war klar, die neuesten Verfahren waren darunter nicht

aufgezählt. Chemische Bezeichnung, chemische Formel, militärische

Bezeichnung, militärisch-technischer Deckname, physiologische Wirkung,

physikalische Beschaffenheit, Siedepunkt, Flüchtigkeit,

Wasserbeständigkeit, das alles galt es gründlich durchzuarbeiten und zu

erforschen.

Da erfuhr er, wie in der Geschichte der Entwicklung des Gaskampfes die

Gase selbst wechselten. Das Chlor wurde vom Phosgen, einem Gase mit

stärkerer Erstickungs- und Giftwirkung als Chlor, abgelöst. Phosgen

verdichtet sich bereits bei 8 Grad zur Flüssigkeit und war daher vom

physikalischen Standpunkt aus kaum mehr als Gas anzusprechen. Auch waren

fast alle Stoffe, die im Gaskampf künftighin zur Anwendung gelangten,

unter gewöhnlicher Temperatur und Druck entweder Flüssigkeiten oder

feste Körper. Die Bezeichnung „Gase“ wurde nur beibehalten, weil diese

Stoffe im Augenblick der Aktion sich entweder im dampfförmigen Zustande

befanden oder dünn als Rauch oder Nebel zerstäubt wurden. Feste Stoffe,

wie z. B. einzelne Arsine, wurden bei der Explosion in feine Partikel

zerstäubt und verharrten lange Zeit schwebend in der Luft ...

Die chemischen Formeln schwankten ihm zunächst in langen, sich immer

wieder zersetzenden und sich wieder verdichtenden abstrakten

Reihen durch den Kopf. Endlich erreichte er dabei eine klare,

konkret-lebendige, sachlich-nüchterne Vorstellung.

Was bedeutete zum Beispiel:

(CHCl=CH)3As!?

Es war die Formel für Chlorovinyldichlorarsin, eine Arsenverbindung, und

die Bezeichnung für eine der drei Arten der vielgenannten amerikanischen

Levisite.

Das Verfahren zu dessen Herstellung war zwar ungeheuer kompliziert, aber

trotzdem mit den technischen Mitteln, die damals in jeder Farbstoffabrik

vorhanden waren, unbedingt auszuführen.

Ebenso klar war: man konnte sich aber auch darauf nicht festlegen. Im

Gegenteil: alles sprach dafür, daß auch dieser Kampfstoff überholt war.

Doch diese Formel war ein Programm, ein Warnungssignal, ein

Ausrufungszeichen, ein proletarischer Imperativ: „Wacht auf, Verdammte

...“

Sie war sozusagen das Symbol des Nullpunktes, des Gefrierpunktes, auf

dem jetzt die bürgerliche Kultur angelangt war. –

* * * * *

Dabei stieß Max auch auf die ungeheure Bedeutung des Normenwesens.

Die moderne Industrie, eingestellt auf Normisierung und

Massenherstellung, ermöglichte es nämlich, in verhältnismäßig rascher

Zeit anfangs experimentelle Erfolge bald auf Massenverarbeitung

umzustellen, so daß bis zu einem gewissen Grade infolge der kolossalen

Erweiterungsmöglichkeiten, die dann zu einer rein mechanischen

Fortführung des gelungenen Experimentes werden, bei manchen

Kriegsmitteln im Frieden die Ausgaben ohne Gefährdung für die

militärische Schlagkraft beschränkt werden konnten. Daher legten schon

seit langem sämtliche Staaten ein so starkes Gewicht, auch aus

militärischen Gründen, auf die Durchführung einer strengen Normisierung

innerhalb der verschiedenen Kriegsindustrien und der Industrie

überhaupt, die die erhöhte militärische Schlagkraft gewährleistete. Die

deutsche Industrie hatte gegenüber allen anderen Industrien schon vor

dem Kriege 1914-1918 ein verhältnismäßig stark entwickeltes Normenwesen

gehabt. Trotzdem herrschte damals bei Kriegsbeginn in Deutschland auf

den verschiedensten Gebieten ein wirres Neben- und Durcheinander von

Modellen. Jede Truppengattung hatte beispielsweise Spaten und sonstiges

Schanzzeug, aber kaum zwei hatten gleiche Modelle. Es gab unzählige

Fahrzeuge, Fahrzeugteile, Beschläge, Beschirrung, optisches und

Fernsprechgerät und noch vieles andere, was bei allen Waffengattungen

hätte gleich sein können, aber doch nicht gleich war. Verschlimmert

wurde diese Buntscheckigkeit durch die Zustände in der Industrie. Jede

Fabrik hatte an ihren Erzeugnissen kleine Besonderheiten, die, an

sich oft ziemlich belanglos, doch den Austausch und die

Durcheinanderverwendung mit den Erzeugnissen anderer Fabriken

ausschlossen. Um die Kriegsindustrie und auch die übrigen Industrien auf

Massenproduktion von Kriegsmaterial vorzubereiten, wurden in

verschiedenen Staaten ähnlich wie längst in Deutschland,

Normenausschüsse der Industrien, die natürlich mit den Generalstäben in

enger Verbindung standen, geschaffen. –

(CHCl=CH)3As (Levisite); oder, Der einzig gerechte Krieg · 第 206 / 229 题