Ein Gesang marschiert.
Die „Internationale“ marschiert ...
* * * * *
Wie ruhig, wie unendlich ruhig stehen die sieben „Der Vorbereitung des
bewaffneten Aufstandes“ angeklagten Revolutionäre vor ihren Richtern.
Vier, fünf, zehn, zwölf, fünfzehn Jahre Zuchthaus.
So lautet der Antrag des Staatsanwalts.
Die Angeklagten haben das Schlußwort.
„Wir haben jederzeit unser Ziel unumwunden zugegeben. Die Strafe, die
Sie gegen mich beantragt haben, wenn das eine Strafe für meine
kommunistische Gesinnung sein soll, nun gut. Für den Kommunismus setze
ich alles ein.“
„Für mich ist es einerlei, was der Gerichtshof beschließt. Ich habe bis
jetzt mit meinen Genossen gelitten: ich bin bereit, wenn es sein muß,
für meine Ueberzeugung weiter ins Gefängnis zu gehn.“
„Ich habe für meine Ueberzeugung bisher im Gefängnis gesessen. Ich habe
dafür meinen Beruf aufgeben müssen. Ich werde, wenn Sie es wollen,
weiter zu leiden verstehn.“
„Eine Gesellschaftsordnung, die Millionen ins tiefste Unglück
hineingestoßen hat, ist nicht wert, weiter zu existieren. Ich habe im
Gefängnis in die tiefsten Tiefen hineingeschaut. Wir werden es zu ändern
verstehen. Sie werden mir mit dem Strafantrag einen Lorbeerkranz um mein
Haupt legen, den ich gar nicht verdiene, denn ich bin ja nur ein
einfacher Funktionär. Ich werde trotz alledem den Kopf hochtragen.“
„Ich bin mir völlig klar darüber: der Leidensweg des Proletariats
erfordert große Opfer. Ich bin es gewohnt, für den Kommunismus zu
kämpfen und zu leiden. Ich werde auch weiter Opfer zu bringen verstehn.
Aber das Bewußtsein habe ich und das macht uns alle stark: Zuletzt
werden wir die Sieger sein und triumphieren über den Schmutz der
heutigen bankrotten Gesellschaftsordnung.“
Und auch die Jugend des revolutionären Proletariats meldet heroisch an
ihre Stimme:
„Ich bin stolz darauf, für meine Ueberzeugung vor Ihnen, hoher
Gerichtshof, zu stehen. Ein großer Arbeiterführer hat uns einmal gesagt:
wenn euere Altersgenossen ins Gasthaus und ins Tingeltangel gehen, so
werdet ihr mit einem Lächeln ins Zuchthaus wandern. Nun, wenn sie mich
ins Gefängnis schicken wollen, ich bin bereit, für den Kampf der Jugend
meine ganze Person einzusetzen und werde stolz die Gefängniszelle auf
mich nehmen.“
„Wenn Sie mich verurteilen, nun gut, so werde ich dieses Lehrgeld
zahlen. Ich glaube, es wird sich lohnen.“
* * * * *
Was ist das für eine Ruhe!?
Das ist die Ruhe des Schongesiegthabens, nur einen Schritt, nur einen
kleinen Schritt noch ist die Geschichte zurück. Morgen, übermorgen: es
kommt, es wird kommen, es muß kommen ... Der Kampf ist schon entschieden
– und wenn du zur Bekräftigung des Sieges noch das Siegel deines Lebens
drauf drücken mußt: so geschieht es ohne Zögern und voller Heiterkeit.
Was ist das für eine Sprache!?
Das ist eine Sprache, die gesprochen wird, bald laut, bald weniger laut,
doch deutlich vernehmbar, bekennerisch, in allen Erdteilen. Das ist der
Grundton einer neuen Weltsprache, der Sprache der Zukunft. Und jeder
echte Dichter müßte sie sprechen.
Ja, die Höhe der Strafe: das ist einer der Gradmesser der revolutionären
Tüchtigkeit, einer der Gradmesser deiner Menschheitsverantwortlichkeit.
Das „An die Wand“: das ist für den Revolutionär, wenn es schon sein muß,
das aus seinem Herzblut mit Freuden gespritzte Blutsiegel unter die
Botschaft: Einst kommen wird der Tag ...