So beschaffen ist nun eben einmal die Welt:
Da sitzen sie also nach wie vor hoch oben auf dem Palmengarten des
himmlischen Wolkenkratzers, von ihren eigenen parfümierten Ausdünstungen
umfächelt: die Kaiser und die Könige, die Propheten und die Erzväter mit
goldenen und mit elfenbeinernen Szeptern und mit anderen demagogischen
Zauberstäben bewaffnet, und um sie herum, vielfach in sich gestapelt,
die Geschlechter der Menschheitshyänen, der gottwohlgefälligen
Menschheitsgeißeln und Zuchtruten: Finanzoligarchen, je nach den
Extraprofiten der Rang, Admirale, Minister, Generale, in blendenden,
ordensüberklirrten Uniformen, Federbusch, Zylinder, Stahlhelm, und die
violett vom Ewigkeitsatem angehauchten Pfäfflein klappern, teils
inbrünstig schielend, teils mürrisch geifernd ihre Gebete, und er, der
Herr dieser aller, blinzelt und schmunzelt, und saugt, wohl ein wenig zu
wollüstig schlürfend, die narkotischen Düfte des Weihrauchs ein und
räkelt sich, daß der ewigkeitsschwangere Leib beinahe aus dem Leim
kracht, auf seinem himmlischen Plüschsofa ... Die berühmtesten
Medizinmänner Europas aber betreuen ihn. Naht mit einer Zeitenwende eine
Ohnmacht dem Schöpfer der Welt: da läuten gellend und wimmernd die
unsichtbaren Sturmglocken des Himmels, mit Strömen von wunderwirkendem
Digitalis durchpumpt man das göttliche Herz ... So hatte er sich schon
einigemale wieder erholt. Nach erfolgter Genesung huldigten ihm die
Heerscharen bei der Himmelsparade. Die Antennen auf dem
Himmelssanatorium wisperten. Radio-Glückwünsche rieselten herein ins
Operationsprunkgemach aus allen Ecken der diesseitigen und jenseitigen
Welt. Nie sangen so innig wie damals die Chöre der Heiligen das
Halleluja, versammelt mitten im Raum auf einer schwebenden Plattform.
Auch die purpurn glühende Abendwolke weinte vor Rührung. Es lächelten
selig verzückt die Friedenspalmwedel und die in ihrer Einfalt kindisch
naiv psalmenstammelnden Weihwasserpinsel. Delegierte erschienen zur
Audienz aus allen Himmelsbetrieben –
Diplomaten rutschen heran auf herrlich gepolsterten Klubsesseln, die
Oberengel spielen jetzt Skat, einer der im diesseitigen Jammertal
erfolgreichsten Henker bereitet die allabendliche Fußwaschung.
Wieder ein Zug: Epauletten-Helden, die Dirigenten des
Riesenflugzeugbombenwerfer-Orchesters, die Generalfeldmarschalle der
Trusts, und preisgekrönt mit den Ordensauszeichnungen aller Erdteile,
das größte Schmarotzergenie dieser Zeit. Konzern-Päpste.
Kartell-Kardinäle. Syndikat-Kommandeure ...
Etwas abseits, die auserwählten Vertretungen der Arbeiteraristokraten
und kleinbürgerlicher Emporkömmlinge, in leichtgeschürzten
Batikgewändern, die Riesenplattfüße in blumenbestickten Wollpantoffeln,
sie schmauchen blaudunstig die Ewigkeit an aus spiralig gewundenen
Tabakspfeifen.
Hier ist der Boden schlüpfrig von lakaienhaftem Gesabber.
Sie krampfen sich noch jetzt hysterisch jauchzend zusammen bei der
Erinnerung an die mancherlei unseligen Taten jener Abtrünnigen,
Kommunisten geheißen, und sie versichern sich immer wieder gegenseitig,
voll pathetischen Ernstes, Sprechchor gegen Sprechchor:
„Wir sind doch allzumal zahme Haustiere ...“
Ein donnerähnliches Geblöke erfüllt in dieser Gegend des Paradieses die
siebenmal siebentausendfach echoenden sphärischen Himmel.
Richter, mit den aus den Fetzen der Todesurteile bunt zusammengestückten
Talaren; Korpsstudenten, die prominentesten Angehörigen
der Studentengarden, jedem die Anzahl seiner Morde an der
Arbeiterbevölkerung am Steiß aufnummeriert; berühmte
Faschistenhäuptlinge, Polizeispitzel und Meuchelmörder. Hier auch
Naturapostel und jene sonderbaren Heiligen, die die Ankunft des jüngsten
Tages auf Erden predigten, die prophezeien und weissagen konnten aus
ihren Exkrementen.