Man kann einem Menschen nicht zum Vorwurf machen, daß er in der
bürgerlichen Gesellschaft gelebt hat. –
Der eine: zerfetzt, den Körper mit Wunden bedeckt – kämpft sich durch.
Ob er den Uebergang gewinnt!? Und dann, ob er nach diesem gewaltsamen,
oft mit Gehirnzerrüttung und Gesundheitsschädigung erkauften Durchbruch
noch soviel an lebendiger Kraft erübrigt hat, um auf der Kampffront der
werktätigen Millionenmassen seinen Mann zu stellen: vorn, in der offenen
Feuerlinie, im Nahgefecht, bei der täglichen Kleinarbeit!? Denn das
„Neue Leben“, die Revolution, sie erfordert dich ganz. Sie verlangt
unerbittlich eine unendliche Fülle von exaktem Wissensmaterial von dir;
sprunghafte Kühnheit zugleich und zweckhafte Fähigkeit ... Heroisch zu
sein in den heroischen Momenten der Geschichte ist leicht. Aber von nun
an heißt es: Spanne dich! – und wenn auch nur ein erbärmlicher
sozialdemokratischer Gewerkschaftsbürokrat die Scheibe ist – auch
dahinter leuchtet das große erhabene Ziel: auch da mußt du dich
hindurchschießen!
Ob man die Möglichkeit der Gedankenvereinfachung noch hat!? Die
Möglichkeit des Sichinbeziehungsetzens mit dem Ausdrucksorgan der
Ausgebeuteten, der eine andere Sprache spricht als die deine ist, die
aber auch von nun an die deine werden wird. Ob du dich damit bescheiden
kannst, zu lernen, weiter nichts als zu lernen, dich durch die
asketisch-strenge Schule der Partei hindurchzukneten, ein Lernender zu
sein, nichts weniger und nichts mehr als nur ein Lernender ...
Rücksichtslos alle deine bürgerlichen individualistischen Exzesse aus
dir auszuschneiden ... Um eines Tages durch deine Arbeit dein neues
Heimatrecht dir zu erobern: vom Proletariat als seinesgleichen adoptiert
zu werden ...
* * * * *
Das Gehirn in jenem „Alten Leben“ wird abstrakt, wie eine Windblase, und
entfernt sich, irrsinnig phosphoreszierend, ins Zeit- und Raumlose. Du
schwelgst zwar in einem gewaltigen Pathos, aber es ist jenes berüchtigte
romantische Pathos der Distanz, das Pathos vom Wissen des
Niejeverwirklichenkönnens, das Pathos der hoffnungslosen
Unüberbrückbarkeit zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll.
Andere geifern sich darüber hinweg mit Zynismen.