II

Man kann einem Menschen nicht zum Vorwurf machen, daß er in der

bürgerlichen Gesellschaft gelebt hat. –

Der eine: zerfetzt, den Körper mit Wunden bedeckt – kämpft sich durch.

Ob er den Uebergang gewinnt!? Und dann, ob er nach diesem gewaltsamen,

oft mit Gehirnzerrüttung und Gesundheitsschädigung erkauften Durchbruch

noch soviel an lebendiger Kraft erübrigt hat, um auf der Kampffront der

werktätigen Millionenmassen seinen Mann zu stellen: vorn, in der offenen

Feuerlinie, im Nahgefecht, bei der täglichen Kleinarbeit!? Denn das

„Neue Leben“, die Revolution, sie erfordert dich ganz. Sie verlangt

unerbittlich eine unendliche Fülle von exaktem Wissensmaterial von dir;

sprunghafte Kühnheit zugleich und zweckhafte Fähigkeit ... Heroisch zu

sein in den heroischen Momenten der Geschichte ist leicht. Aber von nun

an heißt es: Spanne dich! – und wenn auch nur ein erbärmlicher

sozialdemokratischer Gewerkschaftsbürokrat die Scheibe ist – auch

dahinter leuchtet das große erhabene Ziel: auch da mußt du dich

hindurchschießen!

Ob man die Möglichkeit der Gedankenvereinfachung noch hat!? Die

Möglichkeit des Sichinbeziehungsetzens mit dem Ausdrucksorgan der

Ausgebeuteten, der eine andere Sprache spricht als die deine ist, die

aber auch von nun an die deine werden wird. Ob du dich damit bescheiden

kannst, zu lernen, weiter nichts als zu lernen, dich durch die

asketisch-strenge Schule der Partei hindurchzukneten, ein Lernender zu

sein, nichts weniger und nichts mehr als nur ein Lernender ...

Rücksichtslos alle deine bürgerlichen individualistischen Exzesse aus

dir auszuschneiden ... Um eines Tages durch deine Arbeit dein neues

Heimatrecht dir zu erobern: vom Proletariat als seinesgleichen adoptiert

zu werden ...

* * * * *

Das Gehirn in jenem „Alten Leben“ wird abstrakt, wie eine Windblase, und

entfernt sich, irrsinnig phosphoreszierend, ins Zeit- und Raumlose. Du

schwelgst zwar in einem gewaltigen Pathos, aber es ist jenes berüchtigte

romantische Pathos der Distanz, das Pathos vom Wissen des

Niejeverwirklichenkönnens, das Pathos der hoffnungslosen

Unüberbrückbarkeit zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll.

Andere geifern sich darüber hinweg mit Zynismen.

(CHCl=CH)3As (Levisite); oder, Der einzig gerechte Krieg · 第 134 / 229 题