VIII

Die Sonne ging eben sprühend unter, Gewitterwolken trieben an wie

Schlammfluten: da stand plötzlich mitten in den Menschenmassen auf der

Südostseite des Platzes ein Geschwader von Kampfwagen: die kleinen

Panzertürme drehten sich, die Maschinengewehrmündungen senkten sich

abwärts, die Führer machten die Kampfmaschinen gefechtsbereit ...

Die Motore knatterten und unter einem metallischen Gebrüll schoben sie

sich weiter in die Menschenmasse hinein.

Dort rammten sie sich fest.

Man konnte noch beobachten, wie sich die Gittertore der Einfahrt eines

erstklassigen Hotels schlossen, eine Rolle mit Stacheldraht abgewickelt

wurde und dahinter eine Gruppe mit Stahlhelmen im Anschlag lag.

Dieses Hotel hatte der Panzerwagenkolonne als Hinterhalt gedient ...

Schon ertönten laut die Kommandos des roten Ordnerdienstes:

„Ruhe halten, Genossen! Nicht provozieren lassen! Weitergehn!“

Da wurde auch schon die Abmarschstraße auf der Gegenseite des Platzes

durch eine Gruppe Tanks abgesperrt. Es war eine neue mechanische

Abriegelung das erste Mal zur Anwendung gebracht worden, und zwar

mittels des sogenannten berüchtigten Schutzgitters, einer Art

Stacheldrahtgürtel, der von Tank zu Tank gezogen war und der, wie es

hieß, elektrisch geladen sein sollte.

Die Tanks machten Halt. Sie lagen breitseitig da, wie verankert.

In diesem Moment entstand die Panik.

Unter den Demonstranten waren schon von Anfang an große Mengen von

sogenannten Zivilspähern verteilt worden, denen nun die Aufgabe zufiel,

die Panik künstlich zu steigern und die empörten Massen zu einem Angriff

aufzuputschen. Dies war sehr schwierig, denn die Massen hielten eine

mustergültige Disziplin ...

Da fiel plötzlich vom Balkon eines Hotels, dann von einem

gegenüberliegenden Haus, aus einem Fenster des ersten Stockes, ein

Schuß, noch einer, mehrere: es waren kleine krachende Pistolenschüsse,

und diese galten für die Führer der Kampfwagengeschwader als

Angriffssignal ...

„Aus der Menge ist geschossen worden!“

Die Polizeiagenten, die auftragsgemäß die Schüsse abgegeben hatten,

verdufteten schleunigst.

„Platz frei! Straße frei!“ gellte ein Lautsprecher ... „Oder es wird

geschossen!“

Dabei knackten schon die M.-G.s.

Menschen sah man, die sprangen durch einen Kopfschuß getroffen über

einen halben Meter hoch, Menschenleiber verschlangen sich, wurden zu

einem unentwirrbaren Knäuel geballt und wälzten sich, sich gegenseitig

erdrückend, ineinander-, übereinanderstehend, dem Ausgang zu.

Es gab aber nur noch einen Ausgang ...

Die M.-G.s strichen systematisch den ganzen Platz ab.

Einige Rote Frontkämpfer sprangen wie wilde Tiere, Schaum um den Mund,

die gepanzerten Ungetüme an, schnellten federnd wieder zurück: gewaltige

tellergroße Brandwunden an den Händen. Die eisernen Bestien spien

elektrische Ströme.

Auch Max mußte sich mit Gewalt zurückhalten, um nicht einfach mit seinem

Kopf gegen diese mörderische Wand zu rennen ...

Menschen lagen übereinander.

Ueber Max lag ein baumstarker, stämmiger Prolet, der sich mit der Hand

die ausgefleischte Hüfte zuhielt und kräftig schrie: „Ich will nicht

sterben. Ich will nicht sterben ...“ Dabei verdrehten sich ihm die

Augen, quollen hervor rund und groß, wie zwei elfenbeinerne

Billardkugeln.

(CHCl=CH)3As (Levisite); oder, Der einzig gerechte Krieg · 第 114 / 229 题