Die Sonne ging eben sprühend unter, Gewitterwolken trieben an wie
Schlammfluten: da stand plötzlich mitten in den Menschenmassen auf der
Südostseite des Platzes ein Geschwader von Kampfwagen: die kleinen
Panzertürme drehten sich, die Maschinengewehrmündungen senkten sich
abwärts, die Führer machten die Kampfmaschinen gefechtsbereit ...
Die Motore knatterten und unter einem metallischen Gebrüll schoben sie
sich weiter in die Menschenmasse hinein.
Dort rammten sie sich fest.
Man konnte noch beobachten, wie sich die Gittertore der Einfahrt eines
erstklassigen Hotels schlossen, eine Rolle mit Stacheldraht abgewickelt
wurde und dahinter eine Gruppe mit Stahlhelmen im Anschlag lag.
Dieses Hotel hatte der Panzerwagenkolonne als Hinterhalt gedient ...
Schon ertönten laut die Kommandos des roten Ordnerdienstes:
„Ruhe halten, Genossen! Nicht provozieren lassen! Weitergehn!“
Da wurde auch schon die Abmarschstraße auf der Gegenseite des Platzes
durch eine Gruppe Tanks abgesperrt. Es war eine neue mechanische
Abriegelung das erste Mal zur Anwendung gebracht worden, und zwar
mittels des sogenannten berüchtigten Schutzgitters, einer Art
Stacheldrahtgürtel, der von Tank zu Tank gezogen war und der, wie es
hieß, elektrisch geladen sein sollte.
Die Tanks machten Halt. Sie lagen breitseitig da, wie verankert.
In diesem Moment entstand die Panik.
Unter den Demonstranten waren schon von Anfang an große Mengen von
sogenannten Zivilspähern verteilt worden, denen nun die Aufgabe zufiel,
die Panik künstlich zu steigern und die empörten Massen zu einem Angriff
aufzuputschen. Dies war sehr schwierig, denn die Massen hielten eine
mustergültige Disziplin ...
Da fiel plötzlich vom Balkon eines Hotels, dann von einem
gegenüberliegenden Haus, aus einem Fenster des ersten Stockes, ein
Schuß, noch einer, mehrere: es waren kleine krachende Pistolenschüsse,
und diese galten für die Führer der Kampfwagengeschwader als
Angriffssignal ...
„Aus der Menge ist geschossen worden!“
Die Polizeiagenten, die auftragsgemäß die Schüsse abgegeben hatten,
verdufteten schleunigst.
„Platz frei! Straße frei!“ gellte ein Lautsprecher ... „Oder es wird
geschossen!“
Dabei knackten schon die M.-G.s.
Menschen sah man, die sprangen durch einen Kopfschuß getroffen über
einen halben Meter hoch, Menschenleiber verschlangen sich, wurden zu
einem unentwirrbaren Knäuel geballt und wälzten sich, sich gegenseitig
erdrückend, ineinander-, übereinanderstehend, dem Ausgang zu.
Es gab aber nur noch einen Ausgang ...
Die M.-G.s strichen systematisch den ganzen Platz ab.
Einige Rote Frontkämpfer sprangen wie wilde Tiere, Schaum um den Mund,
die gepanzerten Ungetüme an, schnellten federnd wieder zurück: gewaltige
tellergroße Brandwunden an den Händen. Die eisernen Bestien spien
elektrische Ströme.
Auch Max mußte sich mit Gewalt zurückhalten, um nicht einfach mit seinem
Kopf gegen diese mörderische Wand zu rennen ...
Menschen lagen übereinander.
Ueber Max lag ein baumstarker, stämmiger Prolet, der sich mit der Hand
die ausgefleischte Hüfte zuhielt und kräftig schrie: „Ich will nicht
sterben. Ich will nicht sterben ...“ Dabei verdrehten sich ihm die
Augen, quollen hervor rund und groß, wie zwei elfenbeinerne
Billardkugeln.