Menschenkörper rissen unter dem Gesang sich steil empor.
Die rote Flut kommt. Die rote Flut steigt. Zeit der Ebbe: vorbei ...
Aufwärts! Aufwärts! Aufrecht schon stehen wir hoch oben auf dem Kamm der
Woge ...
Und plötzlich wurde spontan aus der Menschenmasse heraus ein bekannter
illegaler Genosse der Zentrale auf die Schultern gehoben, er schwenkte
die Mütze, sein Arm stand, schräg, wie ein Fahrtzeichen:
„Arbeiter! Proletarier! Genossen! Seid ihr bereit zum Kampf, seid ihr
bereit, dem Ruf zum Generalstreik, dem Ruf zum bewaffneten Aufstand zu
folgen, wenn ihn die Partei an euch ergehen läßt?“
„Allzeit bereit!“
„Keine Woche wird mehr vergehen, bis euch die Partei zum Kampf aufruft.
Unsere Parole heißt: Eroberung der Macht!!!“
„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ tönte jetzt, einfach und schlicht
gesungen. Viele bekamen es mit dem Schlucken. Manche weinten. Und manche
wieder sangen, das Angesicht von einem glücklichen Lächeln verzückt.
Max hatte Lene eingehakt.
„Siehst du, Millionen an Millionen stürmen jetzt in diesem Augenblick,
geordnet in unübersehbaren Reihen, den steilen Abhang der Zeit herauf im
Sturmschritt. Dieser Abhang ist ein Geröllfeld, bedeckt mit
Schädelstücken und Körperknochen, alle Sträucher haben statt der Knospen
Knollen, getränkt mit Menschenblut. Alle die brechen heut auf,
Blutrinnen, Blutbäche: alle die schießen, zu einem Wildstrom von
vergossenem Menschenblut anschwellend, empor ... Was singen sie, diese
proletarischen Sturmtruppen, diese Eroberer der Menschheitszukunft: „Wir
fürchten nicht den Tod! Denn unsere Fahn ist rot ...“
Das Trompetensignal blies.
Ein kurzer Trommelwirbelstoß.
Die Züge ordneten sich zum Abmarsch ...
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