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Vier volle Nächte dauerte der Antransport des Kampfgeräts. Da die
Anmarschstraßen von Truppen- und Sanitätskolonnen überfüllt waren,
mußten Seitenpfade begangen werden. Im Zickzack arbeiteten sich die
Trägerkolonnen empor, ausgetrocknete Waldbachschluchten mußten mühsam
überquert werden, immer wieder sanken die Träger von Müdigkeit übermannt
um, dann hieß es ein Plateau überqueren, das von der feindlichen
Artillerie voll eingesehen werden konnte, Felssplitter mischten sich mit
Granatsplittern, ein wahrer Splitterorkan ging nieder, es stäubte und
prasselte von oben her, von unten auf, von allen Seiten, in den Wipfeln
der Tannen pfiff es und knackte es, die Granataufschläge auf dem
Felsboden waren schrill und gellend.
Ein Riß: ein Granatstoß fegte mitten durch eine Trägerkolonne hindurch.
Sich um sich drehende plumpe Säcke rollten sie einen Abhang hinunter.
Ein Latschengestrüpp fing einige von ihnen auf, die anderen kollerten
schreiend weiter.
Viele Träger warfen jetzt die Rohre weg.
Endlich waren die tausend Gasminen an der deutschen Front eingebaut.
Tausend Rohre waren genau nach der italienischen Front hin ausgerichtet.
Es war ein Uhr nachts. Das deutsche Gaswerferbataillon stand in
Bereitschaft.
* * * * *
Es war eine Nacht wie alle Nächte.
Rötlich-blau. Ein dunkel-tönender Strich war fern das Rauschen der
Bergwässer. Die tausend und abertausend Blinkfeuer der Sterne leuchteten
ungetrübt, hie und da riß sich ein Schuß aus dem Dunkel heraus,
Leuchtraketen stoben knatternd aus dem Erddickicht auf, eine kurze Salve
folgte, ein Durcheinander-Rattern, und wieder lag alles wie verkrochen
in einer Höhle da, die Hände der Mannschaften glitten von dem
Gewehrschaft ab, die Geschützbedienungen schnarchten, nur die
Horchposten wachten noch, jedes geringste Geräusch zeichnete sich ihnen
vielfach vergrößert ein in der Ohrmuschel, sie standen dicht vor dem
Stacheldrahtkranz unbewegt. –
* * * * *
„Zum Abschuß fertig ...“
Punkt zwei Uhr wurde eine Gassalve von über 900 Minen gleichzeitig
abgefeuert. Die Zündung erfolgte elektrisch von einer Stelle aus.
Ein gewaltiger Feuerfächer durchsprang grell die Nacht. Tausend
Mündungsfeuer blitzten gleichzeitig auf. Hunderttausende von Menschen
hielten jetzt gleichzeitig den Atem an. Einige schreckten aus dem Schlaf
hervor: „Was ist ... Was ist los ...?“ Schneidend, eiskalt war dieser
Feuerschein, wie eiserne Zacken standen die fernsten Bergspitzen darin.
Und schon rauschte ein ebenso gewaltiger unterirdischer Donner auf, von
allen Bergwänden rings als hundertfaches Echo widerschallend, man bekam
einen Augenblick lang keine Luft mehr. Wie ein unsichtbares Gewicht
preßte auf alle Lungen die Luft herein. Die Magennerven rebellierten bei
einigen. Einige kauerten sich am Boden nieder, andere hatten Arme und
Beine von sich gestreckt. Wieder andere bedeckten mit den Händen das
Gesicht und heulten einfach drauf los. Jeder aber hielt sich irgendwo
fest. Und es war dies alles doch nur der Bruchteil einer Sekunde.
Rudel von Leuchtkugeln flatterten sogleich empor.
Ein riesiger schwarzer Rauchschleim zog unten dahin.
Man hätte meinen können, man befinde sich hoch über den Wolken.
Ein Rauschen, Summen, Sirren, Plätschern war in der Luft.
Die Luft war wellengleich bewegt, wie unter der Einwirkung riesiger
Schraubenumdrehungen, Blasebälge oder gigantischer Propellerschläge.
Endlich:
Trum-trum ...
Trum-trum-trumtrum ... vielhundertmal dieses: trum-trum ... und so fort.
Es war das dumpfe Niederklatschen der Minen, die in kurzer Reihenfolge
aufeinander krepierten.
Wieder Feuerschein ...
Wieder diese Erderschütterung ...
Wieder jene geheimnisvollen, sprengenden Flügelschläge ...