Automatisch schwang die Drehtüre des Caféhauses wieder um ihre eigene
Achse.
„Ach da bin ich ja noch ...“
Die Mäntel am Garderobenständer kletterten übereinander.
Immer noch saßen die Zeitungsleser, verschanzt hinter ihren Zeitungen.
Ein Telephon klingelte.
Peter ging.
„Sollte das nicht doch möglich sein, das Menschennatürlichste, das
Menschenselbstverständlichste, das Aller-aller-Einfachste? Mit
Aufbietung aller Kräfte, unter Zusammenraffung unseres ganzen
Menschendaseins!? Das, das müßte man doch versuchen ... Oder ob das
Einfachste nicht doch nur ein scheinbar Einfachstes ist, am Ende nicht
gar das Allerschwerste!? ...“
* * * * *
Die Theater waren jetzt aus.
Neue Menschenströme brachen in die Straßen ein.
Ein Autohupen-Konzert.
Kokottenrudel trieben straßauf, straßab.
Liebespaare wankten eng umschlungen einem Park zu.
Ein Mädchen der Heilsarmee gröhlte irgendwo in einem Platzwinkel:
„Jesus, süßer Bräutigam ...“
Recht so, die Religion soll dem Volk erhalten bleiben. Und das drückte
auch auf die Tränendrüse manch einer vornehmen Herrschaft, die
gnädiglich aus krokodilsledernen Handtaschen heraus ein Almosen für die
Armenspeisung spendete. Mit blankgescheuertem Gewissen schlenkerte sie
dann, sich wohlig in ihren Pelzen räkelnd, von dannen.
„Menschendreck ...“
* * * * *
Der Himmel war wie ein Eismeer.
Wie Packeis trieben die Wolken darin, zu Eisbergen sich türmend,
absplitternd; Haufen von Scherben. Scharf gezeichnet hoben sich weit
hinten am Horizont in der blauen Flut die unermeßlich lang gestreckten
Eiswände ab. Und der Mond stand mitten darin, unförmig, geborsten, ein
ziellos treibendes Leucht-Wrack.
„Ja, ja, das ist schon so: es stimmt schon: Die Barbarei erscheint
wieder, aber aus dem Schoß der Zivilisation selbst erzeugt und ihr
angehörig ...“
Und Peter schritt die Straße hinauf, die sich vor ihm zu heben schien
und steil und immer steiler ward, wie im Sturmschritt.