Jörg machte eine Bewegung, die Augenlider schnellten hoch. Trug der
Mensch dort eine Waffe bei sich?
»Sie haben aber Einfluß, den Sie ausüben könnten.«
»Bedaure, nein.«
»Sie ~wollen~ ihn nicht wahrnehmen.«
Die fleischigen Hände machten wieder die nichtssagende Bewegung; dabei
erblickte Jörg die abgestumpften Daumen des Mannes, diese kurzen
kralligen Glieder, die Kennzeichen versklavter Abstammung oder Reste
tierischen Herkommens sind. Plötzlich erhellte sich ihm die Erscheinung
dieses in träger, abwehrender Ruhe verharrenden Menschen: sein brutales
Kinn, die Unbeweglichkeit dieses verdeckten faltigen Gesichts. Usadel,
was besagte dieser unwirkliche Name? Welches Stammes Siegel trug diese
Stirn? Der Mann war auf keine Formel zu bringen; wie alle großen
Menschheitverderber war er eine fleischgewordene Idee des Bösen, ein
vermenschlichter Fluch.
»Sind Sie fertig, Herr Treß?« fragte er. »Ich habe wenig Zeit.«
»Ich bin allerdings am Ende«, erwiderte Jörg. »Könnte ich Ihnen
menschliche Empfindungen zutrauen, so würde ich Sie daran erinnern,
daß Ihr fluchwürdiges Gewerbe, das Menschen wie die Blätter eines
Kartenspiels benützt und sie nach dem Gebrauch auf den Kehricht wirft,
Ihnen den wohlverdienten Lohn einmal heimzahlen wird. Aber Sie stehen
unter unserm Maß, Sie gehören nicht zu uns.«
Er sah, wie eine seltsame Bewegung den Mund Usadels verzog. Dann wandte
er sich grußlos und ging.
Im Vorzimmer stand lauernd, wie ein Raubtier zum Sprung bereit, der
Diener.
»Komm, Güldenfey!« sagte Jörg.
Auf der Straße klammerte sich Güldenfey an seinen Arm. »Jörg, ich habe
ihn unausgesetzt betrachtet, er schien mir so bekannt. Sahst du ihn
schon einmal? Der Mann deiner Zeichnung, der auf dem Häuserturm sitzt
und angebetet wird, das ist er!«
»Du hast ihn erkannt«, sagte Jörg. »Ja, ich habe ihn schon erblickt,
damals als ich verwundet im Felde lag. Der mir den furchtbaren Tausch
anbot, das war er!«