So voll Sorge und Bangigkeit war noch kein Winter gewesen wie dieser,
der jetzt anhob, auch jener nicht, da deutsche Heere in bitterem
Streiten vor dem vielköpfigen Feind lagen und die in der Heimat
Darbenden von Rüben lebten. Es war jetzt alles unsicher, und keiner
konnte von heute auf morgen sehen, weil ein Dunkel, ärger als der
dickste Nebel, die nächste Zukunft verbarg.
Und trotzdem nahte Weihnacht, und ein zaghaftes Gefühl der Hoffnung
schlich sich schüchtern in die trostlose Welt; ein ferner Glanz
aus alten Weihnachtstagen kam und hängte sich an die Ketten aus
Silberschaum in den Schaufenstern, und der deutsche Wald sandte seine
jungen Bäume, daß sie am Lichterfest in den Stuben dufteten, und die
Glocken ließen ihr Klingen über die Stadt gehen, arm und einstimmig,
aber doch in der alten Weise.
Der vergessene Garten lag unter Frosthauch und Schnee und gab nichts
mehr her, was Güldenfey hätte in die Stübchen der Alten tragen können,
in denen sie nun dicht vermummt neben dem kalten Ofen saßen, und wo der
Hauch am Mund gefror. Wärme und Licht, ja, das schuf sie ihnen, soweit
ihre schmalen Mittel reichten. Aber ein wenig festliche Freude!
»Was könnten wir ihnen bringen?« fragte sie Hanna Wilkens.
Doch die kleine Näherin wußte keinen Rat. Es ging alles nur auf die
Geldmittel, die schon für den nötigsten Bedarf nicht zureichten.
Plötzlich kam Güldenfey ein glücklicher Gedanke, der sie mitten in der
Nacht vom Lager auftrieb. Sie hatte wach gelegen und auf das Heulen
des Windes gelauscht, der in dem Speicher rumorte. Wie wäre es, wenn
wir ihnen etwas singen könnten? Es hatte sich um Hanna Wilkens ein
Kreis Jugendlicher gebildet, der die alten Weihnachtlieder übte, um sie
bei der Bescherung vorzutragen. Sollten sie nur einmal gesungen werden?
In der Frühe der beiden letzten Adventsonntage zog durch die Straßen
der Stadt ein seltsamer Zug: sechs verhüllte Gestalten, von denen eine
die buntfarbene Laterne trug; die andern hielten Tannenzweige wie
Palmenwedel in den Händen. Der Zug ging trotz der Schneewehen, die
der Wind aufgehäuft, durch Düsternis und heimliches Grauen durch die
Stadttorbogen dahin, wo die verbogenen Häuschen der Armen standen,
und machte an einer Ecke halt. Plötzlich klang es von jungen Stimmen
gesungen:
=In dulci jubilo=,
Nun singet und seid froh!
Zwischen den hohen Häusergiebeln kreischte und stöhnte der Wind, der
Kreuzgang von St. Johannes war erfüllt vom Rauschen des Meeres. Aber
die Stimmen, die den alten Christgesang trugen, waren stärker und
füllten die Straße.
Es war ein staunendes Horchen hinter den Fenstern; dann tastete eine
Hand nach dem Zündholz, eine schwache Kerze flammte auf, und während
vorsichtig der Vorhang des Fensters zurückgeschoben wurde, erschien ein
greiser Kopf zwischen den Spalten, spähte in das Dunkel, wo ein bunter
Laternenschein zwischen dunklen Wesen glomm, und verschwand wieder. Die
Kerze erlosch, der Ruhende kroch wieder in das wärmende Bett. Hände
falteten sich, Augen flossen über.
=Ubi sunt gaudia?=
Dann zogen sie weiter, zum Heiligen Geist, zum Kronswinkel, zum
Kurhof, und überall, wo sie standen, sangen sie von Marienweh und dem
Trost, den der bringe, der in der Weihnacht als unscheinbares Reis
einer großen Gnade entsproß. Es kamen Prasser, die die Nacht an den
Zechtischen zugebracht hatten, des Weges; aber das trunkene Wort
wollte nicht von ihren Lippen; sie gingen im Bogen um die singende
Schar. Es kamen Schichtarbeiter, die die Arbeit schon zeitig in
ihr Gewerk trieb: sie blieben stehen und holten die Versäumnis in
schnellerem Gehen ein und nahmen ein wenig Blankes in der Seele mit.
In den Mauervorsprüngen der Gassen kauerte noch die Nacht, die
Strebepfeiler von St. Niklas griffen wie erstarrte Arme in die Luft und
stemmten sich gegen das Gewände des Mittelschiffes. Im Osten stieg der
späte Wintermorgen in einem fahlen Lichtstreifen herauf. Er brachte nur
die Dämmerung der nordischen Sonnenwendzeit. Jene aber, die jetzt mit
leisen, vom Schnee gedämpften Tritten heimwärts gingen, das Licht in
der farbigen Laterne ausbliesen und ihre Zweige an die Türklinken der
Häuser steckten, hatten Kerzen entzündet, die noch lange flammten.
* * * * *
Es war der vierte Advent. Thomasius redete mit besonderem Eifer
heute: Tröstet, tröstet mein Volk! Güldenfey, die etwas fröstelnd in
dem goldenen Präsentierteller saß, blickte verstehend zu ihm auf. Es
erschien ihr zuweilen, als rede er nur zu ihr. Doch das empfand sie
nicht als etwas Besonderes, denn er pflegte seit einiger Zeit sich beim
Sprechen dem goldenen Präsentierteller zuzuwenden.
Als sie die Kirche verließ, schritt sie über den Markt, wo wenige
Verkaufsstände das Überbleibsel eines Weihnachtmarktes andeuteten.
Einige große Schirme über Kramtischen glichen riesigen weißen Pilzen.
Der Wind hatte nachgelassen, der eindringende Nebel war gefroren,
Häuser und Türme erschienen wie wunderbares Zuckergebäck.
Sie müßten doch einen Pfefferkuchen haben, dachte Güldenfey, als sie
die Kinder bemerkte, die um die Buden strichen. Im Treßhof duftete
es schon seit acht Tagen nach dem würzigen Backwerk, und wenn auch
Ose an Mandeln, Rosinen und Honig sparte, es wurde zur Weihnacht doch
gebacken, und der Duft war da, der von dem Harzgeruch der Tannen
unzertrennlich ist. Aber diese --!
Sie griff schon in die Tasche; ja, sie hatte etwas Geld bei sich, zu
wenig, um alle lüsterne Mäulchen zu stillen, aber genug, um den guten
Willen zu zeigen. Und siehe, sie bekamen alle und wurden satt und
zufrieden, wenn auch keine Brocken übrigblieben.
Also hatte Güldenfey ihre Adventfreude. Und wenn sie auch am liebsten
die Schar mit sich genommen und ihnen die Vorräte des Treßhofs
vorgesetzt hätte, sie hatte das Tröpflein auf dem heißen Stein doch
zischen gehört. Leise summte sie das Lied, das sie in der dunklen Frühe
des Tages mitgesungen, als sie die Treppe zu ihrer Wohnung hinanstieg:
=Ubi sunt gaudia?= Mellin kam hernieder, staunte sie an und grüßte.
»Sind Sie nicht auch ein wenig froh, Mellin?« fragte sie. »Ich hörte,
Ihr Mariechen kommt mit den Kindern. Und denken Sie doch: Weihnachten!«
Mellin strich gedankenlos durch seinen Bart. »Ach, gnädiges Fräulein,
Weihnachten und diese Zeit, wie paßt das zusammen!«
»Doch, doch, es paßt schon, Mellin. Wissen Sie, am dritten Feiertag muß
Mariechen mit den Kindern bei uns Kaffee trinken.«
Mellin lächelte geschmeichelt und bedankte sich.
Ich werde ihn schon dahin bringen, daß er sich freut, dachte Güldenfey.
Das blasse Licht des Mittags wurde von Graugewölk verdunkelt, hinter
dem die lange Nacht, die kaum gegangen, schon wieder harrte. Marfa
hatte sich nach dem Mahl zurückgezogen, und Güldenfey, die früher als
alle aufgestanden, wollte es sich in ihrem Zimmer für ein Stündchen
behaglich machen. Plötzlich horchte sie auf.
War das ein Geräusch? Nein, kein Geräusch, vielmehr ein Seufzen. Doch
wer sollte geseufzt haben, den sie nicht hätte sehen können? Sie blieb
stehen und lauschte. Es war nichts. Und doch, da hörte sie es wieder.
Kam der Laut aus ihrem Inneren?
Leise öffnete sie die Tür, die die Treppe zum Beratungzimmer vom Flur
abschloß, und stieg hinab. Als sie sich über die Brüstung lehnte, sah
sie einen Mann am Tisch sitzen. Die Dämmerung in dem Raum war schon
so vorherrschend, daß sie ihn, der ihr den Rücken zuwandte, nicht
erkannte. Er hatte den Kopf in die linke Hand gestützt, die andre
hielt ein Blatt aus der geöffneten Mappe, die auf dem Tisch lag, zur
Betrachtung vor das Gesicht. Es war die Zeichnung, die Jörg am Abend
der Testamentsverlesung entworfen: das Tier, vor dem sich alle Stände
neigten. Sie blieb lautlos stehen.
Da stieg wieder jenes schmerzliche Seufzen auf, und nun wußte sie, wer
es war. Sie eilte hinab. »Malte, wie kommst du um diese Stunde hierher?«
Er fuhr erschreckt empor und wollte sich erheben, sie setzte sich
schnell an seine Seite. Wirr und etwas verlegen blickte er sie an.
»Ich?« fragte er. »Ich bin spazierengegangen, ich mußte an die
Luft. Und da ging ich hier vorüber und trat ein. Es ist zuweilen so
sonderbar; die alten Erinnerungen ...«
»Ja, jetzt in der weihnachtlichen Zeit«, sagte Güldenfey.
Er machte einen Versuch, zu lächeln, doch der mißlang. Und in diesem
Augenblick erkannte Güldenfey, wie anders Malte geworden war. Das
schöne Gesicht mit den edlen Zügen hatte sich gänzlich verändert, der
Ernst war zur Schärfe geworden, und um die Augen, die so gütig blicken
konnten, lag die Düsternis langer Winternächte. Nur seine Blässe war
ihm verblieben und leuchtete wie Marmor in dem verschatteten Raume. Sie
legte ihre Hand auf seinen Arm. »Malte, sag' doch, was fehlt dir?«
»Nichts! Ich habe ja alles, was ich brauche.« Wieder brach sein
Versuch, zu scherzen, zusammen. »Nur, ich sagte schon, die
Erinnerungen.«
Er wollte sich verschließen. Nein, auf diese Weise konnte sie ihm
nicht helfen. »Ich weiß, du denkst an die Kinderzeit«, sagte sie
sanft. »Ja, damals, als der Vater vor uns so geheimnisvoll tat und es
ein Verstecken und Tuscheln und bei jeder Gelegenheit bedeutungvolle
Blicke gab. Aber, weißt du noch, hier durften wir ein paar Tage vor dem
heiligen Abend stets sitzen und die Fäden an Kringel und Zuckersterne
für den Baum befestigen. O welch ein Berg süßer Herrlichkeit da vor
uns aufgeschüttet lag! Und Jörg verstand es so gut, die Netze aus
Goldpapier zu schneiden. Er war schon damals ein Künstler.«
»Es kam anders, ganz anders«, sagte Malte.
»Und wir wurden andre, Malte.«
»Das weiß Gott, Güldenfey. Das heißt: du nicht! Du bist das unbesorgte
Kind geblieben. Du könntest noch heut Zuckersterne auf Fäden ziehen.«
»Du nicht?« fragte sie gläubig. »Wenn hier der große Berg vor dir
aufgeschüttet läge, du nicht?«
»Ich glaube nein«, sagte er. Seine Stimme bekam einen weichen Klang.
»Der Kinderglaube und die Freude jener Jahre ... Ach, Kind, zuweilen
möchte ich das alles aussprechen dürfen, was über einen dahingeht;
ich wünschte nicht mehr als dies, vor einem sitzen zu können, der
mich anhörte, oder wenn das nicht möglich ist, nur mich an irgendwen
lehnen zu können und vor ihm zu schweigen. Bewußt sich vor jemandem
ausschweigen, das ist auch eine Wohltat. Das hat mich in unser altes
Haus getrieben.«
Und Frauke? dachte Güldenfey. Doch sie sprach es nicht aus. Sie legte
ihre Hand auf seine und ließ sie da liegen.
»Es gibt etwas Merkwürdiges,« fuhr er fort, »eine Kühle, eine Leere,
oder wie soll ich es nennen; es ist nur ein winziger Punkt, aber er
wächst sehr schnell, und was man anfangs die Regung eines Stolzes
nannte, ist plötzlich eine weite Wüste, und man ist so allein.«
»Warum kommst du nicht zu mir, Malte?«
»Ach, du liebe kleine Güldenfey!« sagte er. »Ich wäre wohl dazu da,
dich vor allem Rauhen zu beschirmen, nachdem Vater dich mir so an
das Herz gelegt hat. Und nun soll ich gar zu dir kommen. Aber es ist
zuviel, es ist zuviel, und zuweilen mein' ich, es sei gar nicht zu
schaffen.«
Wie ein großer Junge, den seine Schulaufgaben quälen, dachte Güldenfey,
und tröstend strich sie über seine Hände. »Mußt dir nicht so viele
Sorgen machen, Malte. Wir haben doch genug, und wenn wir wenig haben,
so schadet's auch nicht. Wir sind ja alle zufrieden, wenn unser großer
Bruder nur froh ist.« Sie strich an ihm auf und nieder, und er, Malte,
saß still da und ließ es sich gefallen.
Wie gern hätte Güldenfey ihn bewogen, sich alles von der Seele zu
sprechen, doch sie wußte, daß behutsames Abwarten das beste Mittel sei.
Vielleicht wollte Malte ...
Doch die weiche Regung war schon vorüber. Sein Blick fiel auf das
Blatt, das auf dem Tische lag, und er richtete sich auf. »Verzeih,
Güldenfey!« sagte er. »Da komm' ich nun und mache dir das Herz schwer
mit dem, was ich da schwatze, nicht wahr? Was für sentimentale
Anwandlungen es doch gibt!«
»O Malte, es war ja so gut!«
Doch er war schon weit fort, und dieser Ton berührte ihn nicht mehr.
»Laß es gut sein, Kind,« sagte er, »du darfst dich nicht sorgen, denn
es ist alles vortrefflich.«
Sie geleitete ihn bis zur Tür und sah ihn davongehen, aufrecht, stolz
in dem Gefühl, der ersten einer in dieser alten Stadt zu sein und der
argen Zeit die Stirn bieten zu dürfen. Langsam ging sie auf ihr Zimmer.
Was hatte diese beiden Menschen zusammengehen heißen? Er, der die
Überlieferung eines alten Hauses trug, ob sie schon nichts mehr galt,
und sie, die Frau dieser Zeit mit dem heimlichen Rauschen und Klirren
der Seide und edler Metalle; er, gehalten und in Wort und Handlung das
Wesen des königlichen Kaufherrn ausprägend und doch dabei immer ein
wenig unsicher auf seine Frau schauend, ob seine Haltung ihr gefalle.
Was hatte diese verschiedenen Menschen verbunden?
Der Vater hatte diese Verbindung einst willkommen geheißen. Der Name
Poppelmann klang wie Gold. Und doch -- Güldenfey glaubte nicht, daß
Malte aus rein rechnerischer Erwägung um Frauke angehalten habe. Es war
etwas in dieser Frau mit den hochmütigen Augen, die grau wie Seewasser
im Wind waren, das ihn immer aufs neue anzog und fesselte. Vielleicht
dies, daß sie nicht wie ein aufgeschlagenes Buch vor ihm lag, sondern
sich verschloß und Rätsel aufgab.
Und Frauke? Sie hatte keine gute Meinung bei den Brüdern genossen.
Warum galten ihr die Treß nichts? Warum war ihr drittes Wort
Harvestehude? Nicht laut ausgesprochen. O nein, dazu war sie zu
vornehm; aber doch mit jeder Gebärde unterstrichen. Eigentlich machte
sie nur vor Güldenfeys natürlicher Sicherheit halt, und Güldenfey
wußte, daß sie anders war als das, was sie zu sein vorgab: weit mehr
Verstehen, weit mehr Güte.
War das ein Verhängnis der neuzeitlichen Frau, verkannt zu werden, weil
sie ihr Wesen verleugnete und ihre natürliche Tonart mit der Melodie
des Überlegenen vertauschte? Ach, dieses Scheinenwollen dessen, was gar
nicht war! Wieviel Falsches kam doch damit in die Welt! Gewiß, das war
die große Leere, die frostige Kühle, in der die Menschen einsam litten
und verdarben. Was nützte es Malte, wenn er diese Leere sah und sie
doch nicht überbrücken konnte!
Güldenfey hatte nicht gehört, daß an die Tür gepocht war. Sie wandte
sich um, als sie das Mädchen auf der Schwelle sprechen hörte. Das
Zimmer war ganz in das Dämmergrau des Abends getaucht, und nur durch
die Fenster drang die Schneehelle. Güldenfey wollte fragen, da sie das
Mädchen nicht verstanden hatte, da hörte sie die Stimme Thomasius'. Er
stand schon in der Tür, und sie erhob sich, um das Licht einzuschalten.
»O nein!« bat er. »Wollen Sie mir, wenn ich recht sehr bitte, das
Geschenk einer Dämmerstunde machen? Ich kann nicht sagen, wie lange ich
sie habe entbehren müssen, und heute ...«
Thomasius fand seinen Platz in dem Ohrenlehnstuhl, Güldenfey saß auf
dem hochlehnigen Sofa. Sie sahen einander kaum, nur die Umrisse ihrer
Gestalten hoben sich aus dem Dunkel. Aber ihre Stimmen, die gedämpft
klangen, trugen hin und her, was das unsichtbare Fluidum zwischen ihnen
vermittelte. Wie eigen das war!
»Sie fahren schlecht bei diesem Zwiegespräch im Dämmerlicht«, sagte
Güldenfey. »Hätten Sie mir erlaubt, Licht zu machen, so würde ich Ihnen
wahrscheinlich Äpfel und Nüsse angeboten haben.«
»Das ist bedauerlich«, erwiderte Thomasius heiter. »Ich bin gerade
gekommen, um Nüsse zu knacken, doch ist es so besser. Vielleicht
erlauben Sie trotzdem, daß ich mir einen Paradiesapfel mitnehme.«
»Wenn Sie die Dämmerstunden so lieben, warum verschaffen Sie sich
solche nicht in Ihrem Pfarrhause?« fragte Güldenfey. »Es ist so alt wie
der Treßhof und voll spukhafter Winkel.«
»O Fräulein Güldenfey,« sagte er und nannte sie damit das erstemal mit
ihrem Rufnamen, »es liegt das nicht am Gebäu, in dem man sich aufhält,
es ist eine innere Angelegenheit des Träumenden. Sie freilich sind
wohl von guten Geistern besonders gern heimgesucht. Wissen Sie, ich
fand Sie schon einmal so in dem vergessenen Garten, und heut wieder im
Dämmerlicht dieses Stübchens. Aber allein in dem großen Pfarrhause?
Nein, mich würde dort kein Traum besuchen. Ich muß Zwiesprache halten
dürfen mit guten, lieben Genossen. Früher ...«
Plötzlich war er in seiner Jugend und sprach von seinem Elternhause.
Der Vater war ein namhafter Gelehrter gewesen und früh verstorben, die
Mutter war mit sieben Kindern in Dürftigkeit zurückgeblieben. Die vier
Jungen besaßen einen Wintermantel und zwei Sonntagsanzüge. Sie mußten
sich abwechselnd je nach Bedürfnis darin teilen. Und die Mahlzeiten?
Oft genug nur Kartoffeln in Salz getunkt. Aber alle waren in diesem
kärglichen Leben rotwangig und frisch und vor allem heiter. Das lag an
der Mutter. Ja, welche Mutter war das, die sich für das Wohl der sieben
Raben verzehrte und aus einem schier unerschöpflichen Lebensquell immer
noch darzureichen fand! Seine Stimme war voll verhaltener Zärtlichkeit.
Wie glücklich muß er sein! dachte Güldenfey. Er hatte eine Mutter lieb.
»Glauben Sie mir,« fuhr er fort, »das Darben in unserer Zeit fällt
dem nicht schwer, der durch diese Schule schon so früh schritt. Und
wenn mich zuweilen die Verzagtheit packen will, dann denke ich nur an
die Dämmerstunden daheim. Die ließ sich die Mutter nie nehmen. Wir
saßen um den grünen Kachelofen, und sie sagte uns unvergeßliche Worte.
Keiner durfte sich schämen, denn das barmherzige Dunkel war da und
bedeckte unsere Gesichter, und der gütige Liebestrom der mütterlichen
Rede umfing alle. Nicht wahr, nun begreifen Sie, warum mir diese
Zwielichtstunden so wert sind?«
Ja, Güldenfey begriff es.
Thomasius sprach weiter, von seinen Plänen und seiner Arbeit und wie
ihn das Alleinsein hindere, sein Bestes zu geben. Mit wem konnte er
sprechen? Die Freunde waren weit. Und wer half ihm hier nicht nur mit
Rat, sondern mit der Tat! Es gab so vieles, dem er nicht näher kam,
weil nur weibliches Empfinden das durchdringen konnte, was männlicher
Tatkraft sich versagte.
Güldenfey fühlte es auf sich zuschreiten, bittend, werbend, mit
ausgestreckten Händen. Sie wußte, daß alle Worte ihr galten und hinter
ihnen die große Bitte des Lebens stand: Sei mein! Es erregte sie nicht,
sie blieb ganz ruhig, und nur die warme Freude an neuen blühenden
Feldern war stärker in ihr.
Er hat der Armut zu Füßen gesessen, dachte sie, er wird mich verstehen.
Thomasius blickte auf die Stelle im Raum, wo im Kranz des hellen Haares
das Gesicht schimmerte, dessen Züge er nicht erkannte. Aber er fühlte
es, wie man die in den Gewändern haftende Wärme spürt, daß sie sich
ihm zuneigte. Er war glücklich. Dieser Feinen nahte sich keiner damit,
daß er die roten Wellen ihres Blutes beschwor. Man mußte den silbernen
Nachen der Seele besteigen, der auf der warmen Flut ihres Lebens
schwamm, um bei ihr landen zu können.
Langsam glitten ihre Seelen zueinander, näher, näher; es war nur noch
eines Wortes schmaler Raum, der ihre Hände trennte.
Doch, noch eins! dachte er.
»In der Frühe der Sonntagmorgen haben junge Menschen die alten Lieder
gesungen; ist es wahr, daß Sie auch unter ihnen waren?« fragte er. Und
als sie fröhlich bejahte, fuhr er fort: »Ich wollte Sie doch warnen, zu
vertrauend zu sein. Es gibt da so viel Häßliches, das fern von Ihnen
bleiben muß.«
Sie sah überrascht aufhorchend in die Richtung, wo er saß.
»Man kann sich auch in der Liebe verschwenden«, setzte er ratsam hinzu.
»Wäre das nicht zu loben?« fragte sie.
»Vielleicht nicht, wenn diese Verschwendung dem Nächsten nähme, was
seines ist«, sagte er.
Seine Worte waren gut und zärtlich, doch Güldenfeys feines Ohr vernahm
den leisen eifersüchtigen Beiklang, der ihnen anhaftete. Hatte sie den
nicht schon einmal aus seinem Munde vernommen? »Meinen Sie wirklich,
daß einer dadurch entbehren müsse, weil dem andern reichlich gegeben
wird?« fragte sie heiter.
Thomasius erkannte nicht, daß Güldenfey stutzte. Er war von denen,
die die Stärke einer Liebe darum schätzen, weil sie hoffen, sie
ausschließlich, uneingeschränkt besitzen zu können. »Es gibt vieles,
was Sie unbedenklich tun können«, sagte er. »Doch da Sie nun einmal das
Fräulein Treß sind, ist auch vieles da, von dem Sie sich fernhalten
müssen, zum Beispiel dieses Ziehen von Haus zu Haus. Auch unser Name
kann uns verpflichten!«
Güldenfey schwieg, denn was er da sagte, verstand sie nicht. Sie würde
Malte ohne Scheu bekannt haben, was sie getan, und sich durch seinen
Einwurf nicht haben hemmen lassen. Was sollte ihr nun das Wort von
Thomasius bedeuten? Wollte er ihr sagen, was er von ihr erwarte? Liebe,
wie er sie maß?
Und während sie dem nachdachte, erschien es ihr, als kämen seine Worte
aus größerer, immer größerer Ferne. Sie sah ihn vor dem Altar stehen,
wie er das Buch gleich einer Waffe hob; sie sah sein freundliches
Schaffen, das ihn in die armseligen Stübchen der Armen trieb. Und
doch, und doch ...! Rücksicht auf den Namen, Beschränkung auf eine
unanstößige Art der Hilfeleistung? Nein, wer das tat, das war keiner
von den geistlich Armen, die das Himmelreich ihr nennen!
Der schmale Raum von eines Wortes Breite hatte sich erweitert. Ihre
Seelen glitten voneinander, weiter und weiter. Etwas Fremdes hatte sich
in diese Stunde einer Gnade gemischt und sie verdorben.
Auch Thomasius spürte es jetzt. Er sprach noch mit Menschen- und
Engelzungen und wußte doch, daß er der Liebe nicht mehr mächtig war.
Plötzlich verstummte er. Das Schweigen in dem Zimmer, das soeben noch
voll von gedämpfter Zärtlichkeit war, wirkte wie der Luftzug, der von
einem geöffneten Fenster in die Wärme bläst: erkältend. Eins blickte
dahin, wo das andre saß, und erkannte es nicht mehr.
»Wie völlig dunkel es doch geworden ist!« sagte Güldenfey. Sie rührte
den Knopf der Lampe an, der elektrische Strom kreiste, und das Zimmer
war voll Helle. Sie schauten einander an, geblendet von dem grellen
Licht, ein wenig verlegen lächelnd, und wußten, daß die soeben
zerronnene Stunde nie wiederkehren würde. Güldenfey trat an das Fenster
und zog die Vorhänge zu. Die Glocken, die zur Adventandacht riefen,
begannen zu tönen.
Thomasius straffte sich. Das Amt forderte ihn. »Haben Sie herzlichst
Dank für die Dämmerstunde, Fräulein Treß«, sagte er und bot ihr die
Hand. War er wirklich so bleich, oder erschien er ihr in der Helle so?
Sie wollte ihm etwas sagen, was in das Gewohnte eine Brücke schlug, und
fand das Wort nicht. Suchend ging ihr Blick durch das Zimmer und traf
die Schale, die mit rotwangigen Äpfeln gefüllt war. Sie reichte sie ihm
dar.
»Der Paradiesapfel«, sagte er. »Sie aßen ihn und mußten den Garten Eden
darum verlassen! Es trifft zwar nicht ganz zu, doch in etwas. Danke;
heute abend werde ich ihn allein verspeisen.« --
Die Tür schloß sich hinter ihm, Güldenfey war allein. Nein, nicht jetzt
allein sein! Marfa würde sie erwarten. Sie schickte sich an, das Zimmer
zu verlassen, als das Mädchen wieder eintrat und ihr eine Depesche
übergab. Es war die Nachricht, daß Jörg morgen eintreffen werde.
* * * * *
War die Luft erregt vom Rufen der Kinder, die Weihnachtsschäfchen
feilboten, vom Schnarren der Knarren und vom Summen der Waldteufel?
Nein, dies alles war es nicht, und war doch so viel Musik in ihr. So
erschien es jedenfalls Güldenfey, als sie zum Bahnhof ging, um Jörg
abzuholen. Malte hatte ihr den Wagen zur Verfügung gestellt, aber nein,
das wollte sie nicht. Sie allein mußte den Heimkehrenden ohne Prunk
empfangen.
Der Marienturm ragte wie der Arm eines Riesen in den grünen
Abendhimmel, der Tritt klang hell auf dem frostharten Boden der
Fußsteige in den Anlagen, die Luft war gesättigt von Freude und
Erwartung. Es war eine Lust, durch die stahlscharfe Kälte zu wandern.
Der Bahnhof war gefüllt von erregten Menschen. Kommende und
Fortstrebende drängten aneinander vorbei. Was sich sonst scheu
verborgen hielt, das zeigte sich in diesen Tagen: ein Lachen, ein
freudiger Zuruf, wenn Harrende den Erwarteten trafen. Güldenfey preßte
die Hand mit dem Pelzmuff gegen die Brust, als der Zug einfuhr. Wie ihr
Herz klopfte! Der Menschenstrom floß an ihr vorüber. Grüße hin und her;
etwas erkältete in ihr: Jörg war nicht gekommen!
Ein Beamter tröstete sie, es werde bald ein zweiter Zug eintreffen.
Wirklich? In dieser Zeit der Verkehrsnot? Güldenfey wartete. Der zweite
Zug kam, ein Arm winkte, eine Stimme rief hörbar durch das Brausen:
»Güldenfey!« Ihr zaghaftes Herz strömte in Jubel über.
Er sprang aus dem Wagen und hielt sie mit beiden Armen umfaßt, und sie
preßte sich an ihn. Verwunderte Blicke Vorüberhastender fragten: Habt
ihr Liebenden euch so lange nicht gesehen?
»Also wirklich, wirklich hier, Jörg?«
»Wahr- und leibhaftig.«
»O welche Freude! Nun erst ist Weihnacht.«
Arm in Arm schritten sie dem Ausgang zu. Da stand Telge, der das Gepäck
besorgen wollte, und verzog im vergnügten Lachen das bärtige Gesicht.
»Wolltest du fahren, Jörg?«
Er wehrte lächelnd ab, und nun schritten sie die Straße zwischen den
Teichen entlang, lachten, schwatzten und schwiegen. Es war so seltsam,
nach so langer Zeit wieder heimzukommen. Güldenfey sah einige Male,
Gewißheit suchend, ihn an. War er es denn wirklich? Er erschien ihr so
anders. Nein, gewachsen war er nicht mehr, aber soviel sicherer und
selbstgewisser geworden.
Plötzlich fragte er sie: »Verzeih, Güldenfey, bist du noch immer nicht
versprochen?«
»Nein«, sagte sie und fühlte jetzt, daß sie weniger befangen
geantwortet haben würde, wenn jene Dämmerstunde vor ein paar Tagen
anders geendet hätte.
»Die Männer hierzulande haben keinen Geschmack«, sagte er, und sein
Arm drückte den ihren. »Ah, unser alter Treßhof!« Er blieb vor der
Torfahrt stehen und hob seine Arme in grüßender Gebärde, und dann
stiegen sie hinauf. Ose stand oben auf der Treppe. Und wer war das?
Wahrhaftig, Engelke war aus dem Heiligen Geist herübergekommen, um die
Kartoffelkuchen auf ihre Art zu backen. Und auch Marfa war da, und
ihr verschlossenes Gesicht war hell, denn morgen würde sie ja Harro
abholen! --
Am Morgen des nächsten Tages führte Malte den Bruder durch die neuen
Räume des Hauses am Markt. Er tat es mit einer Beflissenheit, daß
Güldenfey staunte. Aber Malte hatte nicht nur den Verdruß vergessen,
den ihm des Bruders Berufswahl bereitet, er empfand Respekt vor der
sicheren Art, die Jörg zeigte.
»Nun, wie gefällt es dir hier?« fragte Malte zuletzt und deutete auf
die Räume, in denen es wie in einem Bienenstock zur Lindenblüte summte.
Jörg lobte mit einigen Worten, die aber nicht bedingunglos klangen.
»Du machst einen Vorbehalt, Jörg!«
Jörg zögerte. »Wenn du es wissen willst, Malte, ich glaube, du bist
kein -- wie soll ich es nennen? -- kein Wirklichkeitgewahrer.«
Maltes Lippe kräuselte sich. »Ich? Du meinst, ich verstehe nicht, was
um uns vorgeht?«
»Das Gegenteil«, erwiderte Jörg. »Du siehst nur das, was um dich ist,
darum weißt du nichts von dem, was in dir ist. Ein Wirklichkeitgewahrer
setzt seine innere Neigung mit der Außenwelt in das geziemende
Gleichgewicht. Sage, fühlst du dich wahrhaft glücklich hierbei?«
Malte zuckte die Schultern. »Du verlangst zuviel. Glücklich, wer ist
das? Ihr alle werdet mir hoffentlich Dank zollen, daß ich in dieser
schwankenden Zeit euer Vermögen und unsers Namens Bestand gerettet
habe.«
Malte dachte über das Wort nach, während Jörg droben bei Frauke war.
Ein seltsamer Mensch, dieser jüngste Treß! Doch vermochte er darum
nicht wie einst gering von ihm zu denken. --
Die Festtage waren voll Glanz und Freude, wie sie das Treßhaus
lange nicht gesehen. Nicht nur, weil Lichter brannten und der Tisch
wohlversorgt war. Mit Jörg war eine andere Luftschicht eingezogen. Er
beherrschte das Gespräch und schuf Stimmung, und alle ordneten sich ihm
willig unter. Harro war weniger laut und Frauke weniger schweigsam.
Überhaupt Frauke! Wer hatte diese kühle Frau so angeregt und warm über
die Kunst reden gehört? Wer hätte von ihr erwartet, daß sie so lange
zuhören konnte? Immer aufs neue regte sie Jörg an, von seinen Lehr-
und Wanderjahren zu erzählen, und er, der sich gegen Frauke bisher
ablehnend gezeigt, willfahrte ihr gern; nur in einem nicht: er war
nicht zu bewegen, vor ihnen allen zu spielen.
Auch Marfa, die gewöhnlich nur für Harro da war, gab sich jetzt ganz
dem Zauber hin, den Jörgs Wesen ausübte, und ließ wieder seit langem
ihr schüchternes Lachen hören. Es war eitel Freude im Treßhof.
Nur einmal ... Während sie alle beisammensaßen, erschien Ose im Zimmer.
Sie zeigte ein verstörtes Gesicht, doch das bemerkte außer Jörg keiner,
da sie sich, nachdem sie den Kreis der Versammelten überblickt, schnell
etwas zu schaffen machte und das Zimmer gleich wieder verließ. Als
Jörg darauf unter einem Vorwand sich erhob und ihr folgte, fand er sie
verstört auf dem oberen Flur.
»Ist etwas geschehen, Ose?«
Sie blickte ihn einen Augenblick zögernd an, dann sagte sie: »Hörst du,
Jörg? Sie knarrt wieder.«
Die Diele unter ihrem Fuß gab einen seltsam klagenden Laut von sich.
»Und was bedeutet das, Ose?«
Sie wollte nicht sprechen, und er mußte seine Frage wiederholen.
»Kind, laß dir vor ihnen nichts merken, aber denk' an mich! Es ist
wieder einer zuviel hier im Hause.«
»Narretei!« sagte er und kehrte zu den andern zurück. Doch es war
gut, daß die Geschwister so eifrig sprachen und seine Bestürzung
nicht merkten. Scheu sah er auf sie. Wer sollte der Gehende sein?
Einer der Brüder? Plötzlich fiel sein Blick auf Marfa, die seltsam
verloren vor sich hinschaute. Er setzte sich an ihre Seite, und während
er freundlich wie ein Bruder mit ihr sprach, vergaß er Ose und ihr
Sibyllenwort.
Das Schönste für Güldenfey kam, als alle gegangen waren. Da saß sie mit
Jörg in dem oberen Saal. Die niedergebrannten Kerzen des Christbaums
verbreiteten ihren Duft, und knisternd rührte sich im Wipfel der Tanne
das Rauschgold. Die Lampe im Winkelplatz schuf ein sanftes Licht, einen
kleinen Kreis, dahinter lag unbegrenzt das Halbdunkel, aus dem von
einem Tisch her ein silbernes Gerät aufblitzte.
»Nun will ich spielen«, sagte Jörg.
»O Jörg, für mich?«
»Ja, Güldenfey, für dich allein.« Er trat vor sie hin und legte seine
Hände zärtlich um ihren Kopf. »Für dich ganz allein«, wiederholte er.
»Wirst du mich verstehen? Wenn du es nicht kannst, kann es niemand.«
»Ich bin so einfältig«, sagte sie zu ihm aufblickend.
Er beugte sich nieder und küßte andächtig ihre Stirn. »Du weißt
nicht, ein wie hohes Lob du dir damit erteilst, du Einfältige unter
Zwiefältigen«, sagte er. »Es hat einst der Schuster Jakob Böhme, der
doch ein großer Mann war, das Wesen des Göttlichen gefunden, als er
die Sonnenspiegelung in einem Zinngefäß beobachtete. So hab' ich es
entdeckt, als ich es in deiner liebevollen Art sich spiegeln sah.«
Güldenfey traten plötzlich die Tränen in die Augen. Wie kam es, daß sie
jetzt an die Frau denken mußte, die sie noch immer suchte und nicht
fand. Sie erzählte Jörg, was sie wußte und wollte.
Als sie geendet hatte, trat er still an den Flügel und spielte. O ja,
Güldenfey verstand ihn. Es war eitel Trost, was die Töne ihr sagten.
Sie wußte, daß sie finden würde.
Die Töne verklangen leise wie ferne Glocken. Dann erhob er sich und
empfing ihre beiden Hände, die sie ihm entgegenstreckte. »Weißt du es
nun, Güldenfey?« fragte er.
»Ja, ich weiß.«
»Ich glaube, wir Treß tragen schwer an alter Schuld ...«
»Ja, Jörg.«
»Aber mir ist nicht bange, solange ich weiß, daß das Gallion am Schiff
des Fliegenden Holländers unsere Güldenfey ist. Und nun will ich dir
noch eins verraten: Im Frühjahr gebe ich hier in unsrer Stadt mein
erstes Konzert, und was ich dann spielen werde, das hast du soeben
gehört.«