Ein Soldat trat ein wenig vor. Die Menge wich nicht.
»Bitte, dürfen wir durch?« fragte Güldenfey. »Wir waren hier auf Besuch
und wollen nach Hause.«
Schweigen, Trotz. Ein unflätiges Wort drang aus der Menge, eine Lache
schlug auf. Güldenfey erbleichte.
»Pöbel!« sägte Frauke mit zusammengebissenen Zähnen.
»O bitte!« Güldenfey hob die Hände. Bat sie um den Durchlaß oder um
Verzeihung wegen des bitteren Wortes?
Allein die Männer fletschten grinsend die Zähne. Die Verlegenheit der
feinen Damen befriedigte sie aufs höchste.
Plötzlich rief eine helle Kinderstimme: »Vater, laß sie doch gehen. Das
ist ja Güldenfey.« Ein blasses Mädchen schob und zwängte sich durch die
Menschenwand. »Sie hat uns doch Brot geschenkt!«
»Kennst du mich, Kind?« Güldenfey kniete nieder und legte einen Arm
um das Mädchen. In ihrer Stimme jauchzte etwas, nicht befreite Angst,
sondern Freude. Sie streichelte das verwirrte Haar. »Wie heiß du bist.
Bist du nicht das Lieschen vom Katerberg?«
Wie waren sie alle so still! Soldaten, rauflustige Männer und zeternde
Frauen blickten jetzt betroffen, entspannt auf das zärtliche Bild.
»Kommen Sie!« sagte die Kleine und ergriff Güldenfeys Hand.
Die Wand spaltete sich. Kein Wort fiel auf sie. Das Kind leitete sie
sicher durch die Menge, die ihnen stumm Platz machte.
»So wären wir also durch den Mob vom Mob gerettet«, sagte Frauke, als
sie durch das Tor schritten.
Güldenfey antwortete nicht. Frauke hätte sie doch nicht verstanden. Auf
dem Markt nahm sie eiligen Abschied.
Sie eilte wie auf Flügeln nach Hause. Ein Sieg, ein Sieg! Die Menschen,
die an ihr vorübergingen und mit einem Blick ihr Gesicht streiften,
wunderten sich über den strahlenden Glanz dieser Augen. Sie konnten
freilich nicht wissen, daß es der verklärende Schimmer war, den ein
feierliches Gelöbnis um den Gelobenden breitet.