Warum sitzest Du hier auf dem Boden so still und schweigend, sag' mir,
Mutter lieb?
Der Regen kommt herein durch das offene Fenster, macht Dich ganz naß,
und Du merkst es gar nicht.
Hörst Du den Gong vier schlagen? Es ist Zeit für meinen Bruder, daß er
heimkommt aus der Schule.
Was ist Dir geschehn, daß Du so fremd ausschaust?
Hast Du heut keinen Brief von Vater bekommen?
Ich sah den Postboten Briefe bringen in seinem Sack, für jeden fast in
der Stadt.
Nur Vaters Briefe behält er, um sie selber zu lesen. Ich bin gewiß, der
Postbote ist ein böser Mann.
* * * * *
Aber sei nicht unglücklich darüber, Mutter lieb.
Morgen ist Markttag im nächsten Dorf. Du sagst Deinem Mädchen, daß sie
Federn und Papier kauft.
Ich selbst will Vaters Briefe schreiben; Du wirst nicht einen einzigen
Fehler finden.
Ich werde vom A drauf los bis zum K schreiben.
Doch, Mutter, was lächelst Du?
Du glaubst nicht, daß ich so schön schreiben kann wie Vater?
Aber ich werde mein Papier sorgfältig linieren und alle Buchstaben schön
groß schreiben.
Wenn ich mein Schreiben fertig habe, meinst Du, werd' ich so dumm sein
und es hineinwerfen in des gräßlichen Postboten Sack?
Ich werd' es Dir selber bringen, ganz rasch, und Dir Brief für Brief
meine Schrift lesen helfen.
Ich weiß, der Postbote gibt Dir nicht gern die wirklich netten Briefe.