Mutter, das Licht ist grau geworden am Himmel; ich weiß nicht, wie spät
es ist.
Mich freut mein Spiel nicht, da bin ich zu Dir gekommen. Es ist
Sonnabend, unser Feiertag.
Laß' Deine Arbeit, Mutter; sitz' hier beim Fenster und erzähl' mir, wo
die Wüste von Tepântar in dem Märchen ist.
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Der Regenschatten hat den ganzen langen Tag zugedeckt.
Der wilde Blitz zerkratzt den Himmel mit seinen Nägeln.
Wenn die Wolken rollen und es donnert, lieb' ich es, mich zu fürchten im
Herzen und mich an Dich zu schmiegen.
Wenn der schwere Regen stundenlang auf die Bambusblätter plätschert, und
unsre Fenster schüttern und klirren unter den Windstößen, sitz' ich gern
allein im Zimmer, Mutter, mit Dir und hör' Dich erzählen von der Wüste
Tepântar in dem Märchen.
* * * * *
Wo liegt sie, Mutter, an der Küste welchen Meeres, am Fuße welcher
Hügel, in wessen Königs Königreich?
Da gibt's keine Hecken, die Felder zu grenzen, keinen Fußpfad hindurch,
auf dem die Dorfbewohner des abends ihr Dorf erreichen oder die Frau,
die dürres Holz im Walde sammelt, ihre Bürde zu Markte bringen kann. Mit
Flecken gelben Grases im Sand und einem einzigen Baum, in dem das weise,
alte Vogelpaar sein Nest hat, liegt die Wüste von Tepântar.
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Ich kann mir vorstellen, wie gerade an einem so wolkigen Tage der junge
Königssohn auf grauem Roß allein durch die Wüste reitet, auf der Suche
nach der Prinzessin, die im Palast des Riesen über dem unbekannten
Wasser gefangen liegt.
Wenn der Regennebel herunterrieselt am fernen Himmel und der Blitz
aufzuckt wie ein plötzlicher Schmerz, denkt er da seiner unglücklichen
Mutter, wie sie, vom König verstoßen, den Kuhstall fegt und ihre Augen
wischt, während er durch die Wüste Tepântar reitet, wie das Märchen
erzählt?
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Sieh', Mutter, es ist beinahe dunkel, ehe noch der Tag vorüber ist, und
es gehn keine Wandrer drüben auf der Dorfstraße.
Der Hirtenknab' ist frühe heimgekommen von der Weide und die Menschen
haben ihre Felder verlassen, um auf Matten zu sitzen unter der
Dachtraufe ihrer Hütten, nach den dräuenden Wolken spähend.
Mutter, ich habe alle meine Bücher in dem Spinde gelassen -- heiße mich
nicht, jetzt meine Aufgaben machen.
Wenn ich aufwachse und groß wie mein Vater bin, werde ich alles lernen,
was gelernt werden muß. Aber nur heute gerade, erzähle mir, Mutter, wo
die Wüste von Tepântar ist, von der das Märchen erzählt.