Der Tod eines Freundes

Hat, neuer Himmelsbürger, sich

Dein geistig Ohr nicht schon des Klagetons entwöhnet,

Und kann ein banges Ach um dich,

Das hier und da ein Freund bei stillen Tränen stöhnet,

Dir unterm jauchzenden Empfangen

Der bessern Freunde hörbar sein,

So sei nicht für die Welt, mit unserm Schmerz zu prangen,

Dies Lied: es sei für dich, für dich allein!

Wann war es, da auch dich noch junge Rosen zierten?

(Doch nein, die Rosen ziertest du!)

Da Freud und Unschuld dich, im Tal der Hoffnung, führten

Dem Alter und der Tugend zu?

Gesichert folgten wir: als schnell aus schlauen Hecken

Der Unerbittliche sich wies,

Und dich, den Besten, uns zu schrecken,

Nicht dich zu strafen, von uns riß.

Wie ein geliebtes Weib vom steilen Ufer blicket

Dem Schiffe nach, das ihre Kron entreißt:

Sie steht, ein Marmorbild, zu Stunden unverrücket;

In Augen ist ihr ganzer Geist:

So standen wir betäubt und angeheftet,

Und sannen dir mit starren Sinnen nach,

Bis sich der Schmerz durch Schmerz entkräftet,

Und strömend durch die Augen brach.

Was weinen wir? Gleich einer Weibersage,

Die im Entstehn schon halb vergessen ist,

Flohst du dahin!--Geduld! noch wenig Tage,

Und wenige dazu, so sind wir, was du bist.

Ja, wenn der Himmel uns die Palme leicht erringen,

Die Krone leicht ersiegen läßt,

So werden wir, wie du, das Alter überspringen,

Des Lebens unschmackhaften Rest.

Was wartet unser?--Ach! ein unbelohnter Schweiß,

Im Joch des Amts bei reifen Jahren,

Für andrer Wohl erschöpft, als unbrauchbarer Greis

Hinunter in die Gruft zu fahren.

Doch deiner wartet?--Nein! was kannst du noch erwarten

Im Schoß der vollen Seligkeit?

Nur wir, auf blindes Glück, als Schiffer ohne Karten,

Durchkreuzen ihn, den faulen Pfuhl der Zeit.

Vielleicht--noch ehe du dein Glücke wirst gewohnen,

Noch ehe du es durchempfunden hast--

Flieht einer von uns nach in die verklärten Zonen,

Für dich ein alter Freund, und dort ein neuer Gast.

Wen wird--verborgner Rat!--die nahe Reise treffen

Aus unsrer jetzt noch frischen Schar?

O Freunde, laßt euch nicht von süßer Hoffnung äffen!

Zum Wachsamsein verbarg Gott die Gefahr.

Komm ihm, wer er auch sei, verklärter Geist, entgegen,

Bis an das Tor der bessern Welt,

Und führ ihn schnell, auf dir dann schon bekannten Wegen,

Hin, wo die Huld Gerichte hält.

Wo um der Weisheit Thron der Freundschaft Urbild schwebet,

In seraphinschem Glanze schwebt;

Verknüpft uns einst ein Band, ein Band von ihr gewebet;

Zur ewgen Dauer fest gewebt!

Ode auf den Tod des Marschalls von Schwerin, an den H. von Kleist.

Zu frÜh wÄr es, viel zu früh, wenn schon jetzt, den güldnen Faden

Deines Lebens zu trennen, der blutige Mars, oder die donnernde

Bellona, der freundlich saumseligen Klotho vorgriff!

Der nur falle so jung, der in eine traurige, Öde Wüste hinaus sieht,

in künftige Tage, leer an Freundschaft und Tugend, leer an großen

Entwürfen zur Unsterblichkeit:

Nicht Du, o Kleist; der Du so manchen noch froh und glücklich zu

machen wünschest--Zwar schon solche Wünsche sind nicht die kleinsten

edler Taten-Nicht Du, dem die vertrauliche Muse ins Stille winkt--Wie

zürnt sie auf mich, die Eifersüchtige, daß ich die waffenlosen

Stunden Deiner Erholung mit ihr teile!

Dir zu gefallen, hatte sie dem Lenze seinen schönsten Schmuck von

Blumen und Perlen des Taues entlehnet; gleich der listigen Juno den

Gürtel der Venus.

Und nun lockt sie Dich mit neuen Bestechungen. Sieh! In ihrer

Rechte blitzt das tragische Szepter; die Linke bedeckt das weinende

Auge, und hinter dem festlichen Schritte wallt der königliche Purpur.

Wo bin ich? Welche Bezaubrung!--Letzte Zierde des ausgearteten Roms!

--Dein Schüler; Dein Mörder!--Wie stirbt der Weise so ruhig! so gern!

--Ein williger Tod macht den Weisen zum Helden, und den Helden zum

Weisen.

Wie still ist die fromme Versammlung!--Dort rollen die Kinder des

Mitleids die schönen Wangen herab; hier wischt sie die männliche Hand

aus dem weggewandten Auge.

Weinet, ihr Zärtlichen! Die Weisheit sieht die Menschen gern weinen!

--Aber nun rauscht der Vorhang herab! Klatschendes Lob betäubt mich,

und überall murmelt die Bewundrung: Seneka und Kleist!

Und dann erst, o Kleist, wenn Dich auch diese Lorbeern, mit der

weißen Feder, nur uns Dichtern sichtbar durchflochten, wenn beide

Deinen Scheitel beschatten--Wenn die liebsten Deiner Freunde nicht

mehr sind-Ich weiß es, keiner von ihnen wird Dich gern

überleben--Wenn Dein Gleim nicht mehr ist--Außer noch in den Händen

des lehrbegierigen Knabens, und in dem Busen des spröden Mädchens,

das mit seinem Liede zu Winkel eilet-Wenn der redliche Sulzer ohne

Körper nun denkt--Hier nur noch der Vertraute eines künftigen

Grüblers, begieriger die Lust nach Regeln zu meistern, als sie zu

schmecken.

Wenn unser lächelnder Rammler sich tot kritisierst--Wenn der

harmonische Krause nun nicht mehr, weder die Zwiste der Töne, noch

des Eigennutzes schlichtet-Wenn auch ich nicht mehr bin--Ich, Deiner

Freunde spätester, der ich, mit dieser Welt weit besser zufrieden,

als sie mit mir, noch lange sehr lange zu leben denke-Dann erst, o

Kleist, dann erst geschehe mit Dir, was mit uns allen geschah! Dann

stirbst Du; aber eines edlern Todes; für Deinen König, für Dein

Vaterland, und wie Schwerin!

O des beneidenswürdigen Helden!--Als die Menschheit in den Kriegern

stutzte, ergriff er mit gewaltiger Hand das Panier.--Folgt mir! rief

er, und ihm folgten die Preußen.

Und alle folgten ihm zum Ziele des Siegs! Ihn aber trieb allzuviel

Mut bis jenseit der Grenzen des Sieges, zum Tode! Er fiel, und da

floß das breite Panier zum leichten Grabmal über ihn her.

So stürzte der entsäulte Palast, ein schreckliches Monument von

Ruinen, und zerschmetterten Feinden, über dich, Simson, zusammen! So

ward dein Tod der herrlichste deiner Siege!

Oden · 第 14 / 15 题