Und sie erwiderte: »Nein, ich meine den Jozup.«

Da setzte er sich neben sie und sagte: »Du hast Recht, Marinke, daß du

mir Vorwürfe machst. Ich weiß, ich habe nicht gut an dir gehandelt, aber

was sollte ich tun? Der Vater verlangt es so und hat mir einen schweren

Eid abgenommen.«

Sie zuckte die Achseln und sagte: »Was ist ein Eid? Für dich schwör' ich

fünftausend, und wenn sie zufällig falsch sind, dann lach' ich.«

Er antwortete: »Dies war kein gewöhnlicher Eid, wie man ihn etwa vor

Gericht schwört. Der ging um _meinen_ Tod und um _deinen_ Tod, und zwei

Lichter brannten rechts und links vom Gesangbuch.«

Sie sagte: »Dein Vater könnte auch was Besseres tun, als zwei

Liebesleute zu ängstigen.« Und dann fragte sie ihn, ob es darum gewesen

war, daß er sich bei jener Fahrt nach Augustenhof vor ihr versteckt

hatte.

Er sagte: »Ja«, und sie legte den Kopf auf seine Kniee und schluchzte.

Sie dachte nicht mehr an das, was sie mit ihm vorhatte, nur sattweinen

wollte sie sich.

Den Jurris kostete es große Mühe, sie wieder in die Höhe zu kriegen, und

dann küßte er ihr die Tränen von den Backen und weinte mit ihr.

Sie wollte ihm wehren, denn sie dachte: »Ich taug' ja nichts mehr,« aber

sie war so glücklich, wieder bei ihm zu sein, daß sie den Mut dazu nicht

fand.

Als sie heimgingen, hatte jeder den Arm um des anderen Hüfte gelegt, und

der Jurris sagte: »Jetzt ängstige ich mich nicht mehr vor dir, denn ich

weiß, es _kann_ nichts Böses geschehen.«

Das gab ihr einen Stich durch die Brust, denn es _mußte_ ja was Böses

geschehen. Heut' oder nächstens. Und ob es auf Tod oder Leben ging --

gleichviel.

Von neuem hub sie an, den Eid ins Lächerliche zu ziehen. Diesmal aber

tat sie's mit guter Berechnung. Und sie küßte ihn wieder und wieder und

merkte mit Freuden, daß er schwindlig wurde und wankte.

Als sie auf den Hof gelangten, war alles schon dunkel und still.

Er konnte sich nicht von ihr trennen, und sie dachte bereits, er würde

bitten, ihn mit sich zu nehmen in die verschwiegene Stube, aber da riß

er sich los und floh ins Haus, als säße der Böse ihm auf den Hacken.

Sie kniete vor ihrem Bette nieder, wie sie schon manche Nacht gekniet

hatte. Und betete und rang mit sich und horchte ab und zu, ob die Klinke

sich nicht bewegte.

Die Taglöhnerfrau schlief fest, aber selbst wenn die sie hörte, was tat

ihr das noch?

Und dann stand sie auf. Und da er noch immer nicht kam, trat sie den

schweren Gang an nach seiner Kammer.

7

Das war am Sonntag. Am Sonnabend darauf kam der Jurris zu dem Alten in

die Stube und sagte: »Ich möchte dich in Gehorsam bitten, Vater, daß die

Hochzeit etwas frühzeitiger stattfinden kann.«

Der Alte blickte von der Bibel auf, in der er las, und sagte: »Du hast

wohl deinen Eid gebrochen?«

Litauische Geschichten · 第 56 / 69 题