+Prometheus+ kommt vermummt, geduckt und vorsichtig umherschauend mit
einem großen Schirm hereingeschlichen:
Zeus wird mich doch nicht sehen? ... Nein?
(ruft halblaut): He, Ratefreund!
+Ratefreund+ (hinter einem Busch vortretend):
Ei ... was ist +das+?
Ein Tiefvermummter?
+Prometheus+:
Siehst du was?
Schleicht einer der Götter hinter mir drein?
+Ratefreund+:
Bewahre, nein ... Wer bist denn du?
+Prometheus+:
Sag’ an, wie hoch ist’s wohl am Tage?
+Ratefreund+:
Nachmittag kaum ... Wer bist denn du?
+Prometheus+:
Ist’s schon am späten Nachmittage?
+Ratefreund+:
Du kommst mir herzlich albern für!
+Prometheus+:
Schläft Zeus? ... Hat er die Wolkentür
Weit offen oder zugeschoben?
+Ratefreund+ (drohend):
Wart, alter Freund, jetzt komm’ ich dir!
+Prometheus+ (sich enthüllend):
So sei die Maske abgehoben!
+Ratefreund+ (in freudiger Aufregung):
Sieh da! ... Prometheus! ... Freund!
+Prometheus+:
Pss — — sst!
Sei still und brüll’ nicht so!
+Ratefreund+:
Was ist?
+Prometheus+:
Psst! Nenn’ mich nicht beim Namen! Leis!
Ich bin verloren, sieht mich Zeus.
(reicht ihm den Schirm)
Da ... nimm den Schirm ... und spann ihn auf,
Daß mich die Götter nicht erspähen! ...
Ich künde dir der Dinge Lauf,
Wie sie da droben vor sich gehen ...
+Ratefreund+:
Haha! ... Das hast du gut gemacht
Und prometheisch vorbedacht!
So duck’ dich flink und sorg’ dich nit!
+Prometheus+:
Hör’ an!
+Ratefreund+:
Nun denn?
+Prometheus+:
Zeus ist ... fallit!
+Ratefreund+:
Seit wann?
+Prometheus+:
Seit ihr die Luft besitzt.
Kein Mensch will mehr die Götter ehren.
Es steigt kein süßer Fettdampf itzt
Mehr zu uns auf von den Altären.
Wir müssen fasten allesamt.
Und von der Hungerswut entflammt
Brüllen die groben Barbarengötter
Und drohen dem Zeus mit Kriegsunwetter,
Wenn man nicht flugs die Schranken hebe
Und freie Hackfleisch-Einfuhr gebe!
+Ratefreund+:
+Barbarengötter+? Gibt’s denn das?
Die stammen wohl vom Boreas?
+Prometheus+:
+Tartaren+ sind es, rauh behaart ...
+Ratefreund+:
Ah! ... Hackfleisch auf Tartarenart!
+Prometheus+:
Vorzüglich! ... Aber was ich sage:
Von Zeus und den Tartaren naht
Eine Gesandtschaft dieser Tage,
Die große Friedenspläne hat.
+Ihr+ aber — hörst du — tut nicht mit,
Wenn er sich sträubt, daß ihr befehligt,
Und seine +Basileia+ nit
Hals über Kopf mit dir vereh’licht.
+Ratefreund+:
Wer ist’s?
+Prometheus+:
Ein Mädchen wunderhold,
Das Zeusens Donnerkeil verwaltet
Und über alle Dinge schaltet:
Über Vernunft, Gesetz und Zucht,
Schiffswerfte, Schimpf- und Scheltesucht,
Zahlmeisterei und Richtersold ...
+Ratefreund+:
Der alles durch die Finger rollt?
+Prometheus+:
Jawohl ... Und gibt er dir das Mädchen,
Hast du die ganze Welt am Fädchen ...
Drum kam ich her und tat dir’s kund,
Weil zu den Menschen stets mein Sinnen stund.
+Ratefreund+:
Ja ... bratenlos wär’ unser Leben,
Hätt’st du uns nicht das Feuer geben!
+Prometheus+:
Den Göttern allen bin ich feind!
+Ratefreund+:
Das geht im Austausch, wie es scheint.
Der reinste Timon!
+Prometheus+:
Nun aber weg!
Reich’ mir den Schirm, daß mich der Alte,
Sieht er’s, für einen Jungferndiener halte!
(schleicht geduckt hinaus)
+Ratefreund+ (wirft ihm einen Feldstuhl nach):
Paßt der nicht auch für diesen Zweck?