V. Schluss.

§ 87. Ich hoffe in dieser Schrift wahrscheinlich gemacht zu haben, dass

die arithmetischen Gesetze analytische Urtheile und folglich a priori

sind. Demnach würde die Arithmetik nur eine weiter ausgebildete Logik,

jeder arithmetische Satz ein logisches Gesetz, jedoch ein abgeleitetes

sein. Die Anwendungen der Arithmetik zur Naturerklärung wären

logische Bearbeitungen von beobachteten Thatsachen[99]; Rechnen wäre

Schlussfolgern. Die Zahlgesetze werden nicht, wie _Baumann_[100] meint,

eine praktische Bewährung nöthig haben, um in der Aussenwelt anwendbar

zu sein; denn in der Aussenwelt, der Gesammtheit des Räumlichen, giebt

es keine Begriffe, keine Eigenschaften der Begriffe, keine Zahlen.

Also sind die Zahlgesetze nicht eigentlich auf die äussern Dinge

anwendbar: sie sind nicht Naturgesetze. Wohl aber sind sie anwendbar

auf Urtheile, die von Dingen der Aussenwelt gelten: sie sind Gesetze

der Naturgesetze. Sie behaupten nicht einen Zusammenhang zwischen

Naturerscheinungen, sondern einen solchen zwischen Urtheilen; und zu

diesen gehören auch die Naturgesetze.

§ 88. _Kant_[101] hat den Werth der analytischen Urtheile offenbar

-- wohl in Folge einer zu engen Begriffsbestimmung -- unterschätzt,

obgleich ihm der hier benutzte weitere Begriff vorgeschwebt zu haben

scheint[102]. Wenn man seine Definition zu Grunde legt, ist die

Eintheilung in analytische und synthetische Urtheile nicht erschöpfend.

Er denkt an den Fall des allgemein bejahenden Urtheils. Dann kann man

von einem Subjectsbegriffe reden und fragen, ob der Prädicatsbegriff

in ihm -- zufolge der Definition -- enthalten sei. Wie aber, wenn

das Subject ein einzelner Gegenstand ist? wie, wenn es sich um ein

Existentialurtheil handelt? Dann kann in diesem Sinne gar nicht von

einem Subjectsbegriffe die Rede sein. _Kant_ scheint den Begriff durch

beigeordnete Merkmale bestimmt zu denken; das ist aber eine der am

wenigsten fruchtbaren Begriffsbildungen. Wenn man die oben gegebenen

Definitionen überblickt, so wird man kaum eine von der Art finden.

Dasselbe gilt auch von den wirklich fruchtbaren Definitionen in der

Mathematik z. B. der Stetigkeit einer Function. Wir haben da nicht eine

Reihe beigeordneter Merkmale, sondern eine innigere, ich möchte sagen

organischere Verbindung der Bestimmungen. Man kann sich den Unterschied

durch ein geometrisches Bild anschaulich machen. Wenn man die Begriffe

(oder ihre Umfänge) durch Bezirke einer Ebene darstellt, so entspricht

dem durch beigeordnete Merkmale definirten Begriffe der Bezirk, welcher

allen Bezirken der Merkmale gemeinsam ist; er wird durch Theile von

deren Begrenzungen umschlossen. Bei einer solchen Definition handelt es

sich also -- im Bilde zu sprechen -- darum, die schon gegebenen Linien

in neuer Weise zur Abgrenzung eines Bezirks zu verwenden[103]. Aber

dabei kommt nichts wesentlich Neues zum Vorschein. Die fruchtbareren

Begriffsbestimmungen ziehen Grenzlinien, die noch gar nicht gegeben

waren. Was sich aus ihnen schliessen lasse, ist nicht von vornherein

zu übersehen; man holt dabei nicht einfach aus dem Kasten wieder

heraus, was man hineingelegt hatte. Diese Folgerungen erweitern unsere

Kenntnisse, und man sollte sie daher _Kant_ zufolge für synthetisch

halten; dennoch können sie rein logisch bewiesen werden und sind also

analytisch. Sie sind in der That in den Definitionen enthalten, aber

wie die Pflanze im Samen, nicht wie der Balken im Hause. Oft braucht

man mehre Definitionen zum Beweise eines Satzes, der folglich in keiner

einzelnen enthalten ist und doch aus allen zusammen rein logisch folgt.

§ 89. Ich muss auch der Allgemeinheit der Behauptung _Kants_[104]

widersprechen: ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben

werden. Die Null, die Eins sind Gegenstände, die uns nicht sinnlich

gegeben werden können. Auch Diejenigen, welche die kleineren Zahlen

für anschaulich halten, werden doch einräumen müssen, dass ihnen keine

der Zahlen, die grösser als 1000 (^{1000^{1000}}) sind, anschaulich

gegeben werden können, und dass wir dennoch Mancherlei von ihnen

wissen. Vielleicht hat _Kant_ das Wort »Gegenstand« in etwas anderm

Sinne gebraucht; aber dann fallen die Null, die Eins, unser ∞₁ ganz aus

seiner Betrachtung heraus; denn Begriffe sind sie auch nicht, und auch

von Begriffen verlangt _Kant_[104], dass man ihnen den Gegenstand in

der Anschauung beifüge.

Um nicht den Vorwurf einer kleinlichen Tadelsucht gegenüber einem

Geiste auf mich zu laden, zu dem wir nur mit dankbarer Bewunderung

aufblicken können, glaube ich auch die Uebereinstimmung hervorheben zu

müssen, welche weit überwiegt. Um nur das hier zunächst Liegende zu

berühren, sehe ich ein grosses Verdienst _Kants_ darin, dass er die

Unterscheidung von synthetischen und analytischen Urtheilen gemacht

hat. Indem er die geometrischen Wahrheiten synthetisch und a priori

nannte, hat er ihr wahres Wesen enthüllt. Und dies ist noch jetzt

werth wiederholt zu werden, weil es noch oft verkannt wird. Wenn _Kant_

sich hinsichtlich der Arithmetik geirrt hat, so thut das, glaube ich,

seinem Verdienste keinen wesentlichen Eintrag. Ihm kam es darauf

an, dass es synthetische Urtheile a priori giebt; ob sie nur in der

Geometrie oder auch in der Arithmetik vorkommen, ist von geringerer

Bedeutung.

§ 90. Ich erhebe nicht den Anspruch, die analytische Natur der

arithmetischen Sätze mehr als wahrscheinlich gemacht zu haben, weil

man immer noch zweifeln kann, ob ihr Beweis ganz aus rein logischen

Gesetzen geführt werden könne, ob sich nicht irgendwo ein Beweisgrund

andrer Art unvermerkt einmische. Dies Bedenken wird auch durch die

Andeutungen nicht vollständig entkräftet, die ich für den Beweis

einiger Sätze gegeben habe; es kann nur durch eine lückenlose

Schlusskette gehoben werden, sodass kein Schritt geschieht, der

nicht einer von wenigen als rein logisch anerkannten Schlussweisen

gemäss ist. So ist bis jetzt kaum ein Beweis geführt worden, weil

der Mathematiker zufrieden ist, wenn jeder Uebergang zu einem

neuen Urtheile als richtig einleuchtet, ohne nach der Natur dieses

Einleuchtens zu fragen, ob es logisch oder anschaulich sei. Ein solcher

Fortschritt ist oft sehr zusammengesetzt und mehren einfachen Schlüssen

gleichwerthig, neben welchen noch aus der Anschauung etwas einfliessen

kann. Man geht sprungweise vor, und daraus entsteht die scheinbar

überreiche Mannichfaltigkeit der Schlussweisen in der Mathematik;

denn je grösser die Sprünge sind, desto vielfachere Combinationen

aus einfachen Schlüssen und Anschauungsaxiomen können sie vertreten.

Dennoch leuchtet uns ein solcher Uebergang oft unmittelbar ein, ohne

dass uns die Zwischenstufen zum Bewusstsein kommen, und da er sich

nicht als eine der anerkannten logischen Schlussweisen darstellt, sind

wir sogleich bereit, dies Einleuchten für ein anschauliches und die

erschlossene Wahrheit für eine synthetische zu halten, auch dann, wenn

der Geltungsbereich offenbar über das Anschauliche hinausreicht.

Auf diesem Wege ist es nicht möglich, das auf Anschauung beruhende

Synthetische von dem Analytischen rein zu scheiden. Es gelingt so

auch nicht, die Axiome der Anschauung mit Sicherheit vollständig

zusammenzustellen, sodass jeder mathematische Beweis allein aus diesen

Axiomen nach den logischen Gesetzen geführt werden kann.

§ 91. Die Forderung ist also unabweisbar, alle Sprünge in der

Schlussfolgerung zu vermeiden. Dass ihr so schwer zu genügen ist,

liegt an der Langwierigkeit eines schrittweisen Vorgehens. Jeder

nur etwas verwickeltere Beweis droht eine ungeheuerliche Länge

anzunehmen. Dazu kommt, dass die übergrosse Mannichfaltigkeit der in

der Sprache ausgeprägten logischen Formen es erschwert, einen Kreis

von Schlussweisen abzugrenzen, der für alle Fälle genügt und leicht zu

übersehen ist.

Um diese Uebelstände zu vermindern, habe ich meine Begriffsschrift

erdacht. Sie soll grössere Kürze und Uebersichtlichkeit des Ausdrucks

erzielen und sich in wenigen festen Formen nach Art einer Rechnung

bewegen, sodass kein Uebergang gestattet wird, der nicht den ein für

alle Mal aufgestellten Regeln gemäss ist[105]. Es kann sich dann kein

Beweisgrund unbemerkt einschleichen. Ich habe so, ohne der Anschauung

ein Axiom zu entlehnen, einen Satz bewiesen[106], den man beim ersten

Blick für einen synthetischen halten möchte, welchen ich hier so

aussprechen will:

Wenn die Beziehung jedes Gliedes einer Reihe zum nächstfolgenden

eindeutig ist, und wenn m und y in dieser Reihe auf x folgen, so geht y

dem m in dieser Reihe vorher oder fällt mit ihm zusammen oder folgt auf

m.

Aus diesem Beweise kann man ersehen, dass Sätze, welche unsere

Kenntnisse erweitern, analytische Urtheile enthalten können[107].

Andere Zahlen.

§ 92. Wir haben unsere Betrachtung bisher auf die Anzahlen beschränkt.

Werfen wir nun noch einen Blick auf die andern Zahlengattungen und

versuchen wir für dies weitere Feld nutzbar zu machen, was wir auf dem

engern erkannt haben!

Um den Sinn der Frage nach der Möglichkeit einer gewissen Zahl klar zu

machen, sagt _Hankel_[108]:

»Ein Ding, eine Substanz, die selbständig ausserhalb des denkenden

Subjects und der sie veranlassenden Objecte existirte, ein

selbständiges Princip, wie etwa bei den Pythagoräern, ist die Zahl

heute nicht mehr. Die Frage von der Existenz kann daher nur auf das

denkende Subject oder die gedachten Objecte, deren Beziehungen die

Zahlen darstellen, bezogen werden. Als unmöglich gilt dem Mathematiker

streng genommen nur das, was logisch unmöglich ist, d. h. sich selbst

widerspricht. Dass in diesem Sinne unmögliche Zahlen nicht zugelassen

werden können, bedarf keines Beweises. Sind aber die betreffenden

Zahlen logisch möglich, ihr Begriff klar und bestimmt definirt und

also ohne Widerspruch, so kann jene Frage nur darauf hinauskommen, ob

es im Gebiete des Realen oder des in der Anschauung Wirklichen, des

Actuellen ein Substrat derselben, ob es Objecte gebe, an welchen die

Zahlen, also die intellectuellen Beziehungen der bestimmten Art zur

Erscheinung kommen«.

§ 93. Bei dem ersten Satze kann man zweifeln, ob nach _Hankel_ die

Zahlen in dem denkenden Subjecte oder in den sie veranlassenden

Objecten oder in beiden existiren. Im räumlichen Sinne sind sie

jedenfalls weder innerhalb noch ausserhalb weder des Subjects noch

eines Objects. Wohl aber sind sie in dem Sinne ausserhalb des Subjects,

dass sie nicht subjectiv sind. Während jeder nur seinen Schmerz, seine

Lust, seinen Hunger fühlen, seine Ton- und Farbenempfindungen haben

kann, können die Zahlen gemeinsame Gegenstände für Viele sein, und zwar

sind sie für Alle genau dieselben, nicht nur mehr oder minder ähnliche

innere Zustände von Verschiedenen. Wenn _Hankel_ die Frage von der

Existenz auf das denkende Subject beziehen will, so scheint er sie

damit zu einer psychologischen zu machen, was sie in keiner Weise ist.

Die Mathematik beschäftigt sich nicht mit der Natur unserer Seele, und

wie irgendwelche psychologische Fragen beantwortet werden, muss für sie

völlig gleichgiltig sein.

§ 94. Auch dass dem Mathematiker nur, was sich selbst widerspricht, als

unmöglich gelte, muss beanstandet werden. Ein Begriff ist zulässig,

auch wenn seine Merkmale einen Widerspruch enthalten; man darf nur

nicht voraussetzen, dass etwas unter ihn falle. Aber daraus, dass

der Begriff keinen Widerspruch enthält, kann noch nicht geschlossen

werden, dass etwas unter ihn falle. Wie soll man übrigens beweisen,

dass ein Begriff keinen Widerspruch enthalte? Auf der Hand liegt

das keineswegs immer; daraus, dass man keinen Widerspruch sieht,

folgt nicht, dass keiner da ist, und die Bestimmtheit der Definition

leistet keine Gewähr dafür. _Hankel_ beweist[109], dass ein höheres

begrenztes complexes Zahlensystem als das gemeine, das allen Gesetzen

der Addition und Multiplication unterworfen wäre, einen Widerspruch

enthält. Das muss eben bewiesen werden; man sieht es nicht sogleich.

Bevor dies geschehen, könnte immerhin jemand unter Benutzung eines

solchen Zahlensystems zu wunderbaren Ergebnissen gelangen, deren

Begründung nicht schlechter wäre, als die, welche _Hankel_[110] von

den Determinantensätzen mittels der alternirenden Zahlen giebt; denn

wer bürgt dafür, dass nicht auch in deren Begriffe ein versteckter

Widerspruch enthalten ist? Und selbst, wenn man einen solchen allgemein

für beliebig viele alternirende Einheiten ausschliessen könnte, würde

immer noch nicht folgen, dass es solche Einheiten gebe. Und grade dies

brauchen wir. Nehmen wir als Beispiel den 18. Satz des 1. Buches von

Euklids Elementen:

In jedem Dreiecke liegt der grössern Seite der grössere Winkel

gegenüber.

Um das zu beweisen, trägt _Euklid_ auf der grössern Seite AC ein Stück

AD gleich der kleinern Seite AB ab und beruft sich dabei auf eine

frühere Construction. Der Beweis würde in sich zusammenfallen, wenn es

einen solchen Punkt nicht gäbe, und es genügt nicht, dass man in dem

Begriffe »Punkt auf AC, dessen Entfernung von A gleich B ist« keinen

Widerspruch entdeckt. Es wird nun B mit D verbunden. Auch dass es eine

solche Gerade giebt, ist ein Satz, auf den sich der Beweis stützt.

§ 95. Streng kann die Widerspruchslosigkeit eines Begriffes wohl nur

durch den Nachweis dargelegt werden, dass etwas unter ihn falle. Das

Umgekehrte würde ein Fehler sein. In diesen verfällt _Hankel_, wenn er

in Bezug auf die Gleichung x + b = c sagt[111]:

»Es liegt auf der Hand, dass es, wenn b > c ist, keine Zahl x in der

Reihe 1, 2, 3, ... giebt, welche die betreffende Aufgabe löst: die

Subtraction ist dann _unmöglich_. Nichts hindert uns jedoch, dass

wir in diesem Falle die Differenz (c - b) als ein Zeichen _ansehen_,

welches die Aufgabe löst, und mit welchem genau so zu operiren ist, als

wenn es eine numerische Zahl aus der Reihe 1, 2, 3, ... wäre.«

Uns hindert allerdings etwas (2 - 3), ohne Weiteres als Zeichen

anzusehen, welches die Aufgabe löst; denn ein leeres Zeichen löst

eben die Aufgabe nicht; ohne einen Inhalt ist es nur Tinte oder

Druckerschwärze auf Papier, hat als solche physikalische Eigenschaften,

aber nicht die, um 3 vermehrt 2 zu geben. Es wäre eigentlich gar kein

Zeichen, und sein Gebrauch als solches wäre ein logischer Fehler. Auch

in dem Falle, wo c > b, ist nicht das Zeichen (»c - b«) die Lösung der

Aufgabe, sondern dessen Inhalt.

§ 96. Ebensogut könnte man sagen: unter den bisher bekannten Zahlen

giebt es keine, welche die beiden Gleichungen

x + 1 = 2 und x + 2 = 1

zugleich befriedigt; aber nichts hindert uns ein Zeichen einzuführen,

das die Aufgabe löst. Man wird sagen: die Aufgabe enthält ja einen

Widerspruch. Freilich, wenn man als Lösung eine reelle oder gemeine

complexe Zahl verlangt; aber erweitern wir doch unser Zahlsystem,

schaffen wir doch Zahlen, die den Anforderungen genügen! Warten wir

ab, ob uns jemand einen Widerspruch nachweist! Wer kann wissen, was

bei diesen neuen Zahlen möglich ist? Die Eindeutigkeit der Subtraction

werden wir dann freilich nicht aufrecht erhalten können; aber wir

müssen ja auch die Eindeutigkeit des Wurzelziehens aufgeben, wenn wir

die negativen Zahlen einführen wollen; durch die complexen Zahlen wird

das Logarithmiren vieldeutig.

Schaffen wir auch Zahlen, welche divergirende Reihen zu summiren

gestatten! Nein! auch der Mathematiker kann nicht beliebig etwas

schaffen, so wenig wie der Geograph; auch er kann nur entdecken, was da

ist, und es benennen.

An diesem Irrthum krankt die formale Theorie der Brüche, der negativen,

der complexen Zahlen[112]. Man stellt die Forderung, dass die

bekannten Rechnungsregeln für die neu einzuführenden Zahlen möglichst

erhalten bleiben, und leitet daraus allgemeine Eigenschaften und

Beziehungen ab. Stösst man nirgends auf einen Widerspruch, so hält

man die Einführung der neuen Zahlen für gerechtfertigt, als ob ein

Widerspruch nicht dennoch irgendwo versteckt sein könnte, und als ob

Widerspruchslosigkeit schon Existenz wäre.

§ 97. Dass dieser Fehler so leicht begangen wird, liegt wohl an einer

mangelhaften Unterscheidung der Begriffe von den Gegenständen. Nichts

hindert uns, den Begriff »Quadratwurzel aus -1« zu gebrauchen; aber wir

sind nicht ohne Weiteres berechtigt, den bestimmten Artikel davor zu

setzen und den Ausdruck »die Quadratwurzel aus -1« als einen sinnvollen

anzusehen. Wir können unter der Voraussetzung, dass i² = -1 sei, die

Formel beweisen, durch welche der Sinus eines Vielfachen des Winkels α

durch Sinus und Cosinus von α selbst ausgedrückt wird; aber wir dürfen

nicht vergessen, dass der Satz dann die Bedingung i² = -1 mit sich

führt, welche wir nicht ohne Weiteres weglassen dürfen. Gäbe es gar

nichts, dessen Quadrat -1 wäre, so brauchte die Gleichung kraft unseres

Beweises nicht richtig zu sein[113], weil die Bedingung i² = -1 niemals

erfüllt wäre, von der ihre Geltung abhängig erscheint. Es wäre so, als

ob wir in einem geometrischen Beweise eine Hilfslinie benutzt hätten,

die gar nicht gezogen werden kann.

§ 98. _Hankel_[114] führt zwei Arten von Operationen ein, die er

lytische und thetische nennt, und die er durch gewisse Eigenschaften

bestimmt, welche diese Operationen haben sollen. Dagegen ist nichts zu

sagen, so lange man nur nicht voraussetzt, dass es solche Operationen

und Gegenstände giebt, welche deren Ergebnisse sein können[115].

Später[116] bezeichnet er eine thetische, vollkommen eindeutige,

associative Operation durch (a + b) und die entsprechende ebenfalls

vollkommen eindeutige lytische durch (a - b). Eine solche Operation?

welche? eine beliebige? dann ist dies keine Definition von (a + b); und

wenn es nun keine giebt? Wenn das Wort »Addition« noch keine Bedeutung

hätte, wäre es logisch zulässig zu sagen: eine solche Operation wollen

wir eine Addition nennen; aber man darf nicht sagen: eine solche

Operation soll die Addition heissen und durch (a + b) bezeichnet

werden, bevor es feststeht, dass es eine und nur eine einzige giebt.

Man darf nicht auf der einen Seite einer Definitionsgleichung den

unbestimmten und auf der andern den bestimmten Artikel gebrauchen. Dann

sagt _Hankel_ ohne Weiteres: »der Modul der Operation«, ohne bewiesen

zu haben, dass es einen und nur einen giebt.

§ 99. Kurz diese rein formale Theorie ist unzureichend. Das Werthvolle

an ihr ist nur dies. Man beweist, dass wenn Operationen gewisse

Eigenschaften wie die Associativität und die Commutativität haben,

gewisse Sätze von ihnen gelten. Man zeigt nun, dass die Addition und

Multiplication, welche man schon kennt, diese Eigenschaften haben,

und kann nun sofort jene Sätze von ihnen aussprechen, ohne den Beweis

in jedem einzelnen Falle weitläufig zu wiederholen. Erst durch diese

Anwendung auf anderweitig gegebene Operationen, gelangt man zu den

bekannten Sätzen der Arithmetik. Keineswegs darf man aber glauben die

Addition und die Multiplication auf diesem Wege einführen zu können.

Man giebt nur eine Anleitung für die Definitionen, nicht diese selbst.

Man sagt: der Name »Addition« soll nur einer thetischen, vollkommen

eindeutigen, associativen Operation gegeben werden, womit diejenige,

welche nun so heissen soll, noch gar nicht angegeben ist. Danach stände

nichts im Wege, die Multiplication Addition zu nennen und durch (a + b)

zu bezeichnen, und niemand könnte mit Bestimmtheit sagen, ob 2 + 3 5

oder 6 wäre.

§ 100. Wenn wir diese rein formale Betrachtungsweise aufgeben, so

kann sich aus dem Umstande, dass gleichzeitig mit der Einführung von

neuen Zahlen die Bedeutung der Wörter »Summe« und »Product« erweitert

wird, ein Weg darzubieten scheinen. Man nimmt einen Gegenstand, etwa

den Mond, und erklärt: der Mond mit sich selbst multiplicirt sei -1.

Dann haben wir in dem Monde eine Quadratwurzel aus -1. Diese Erklärung

scheint gestattet, weil aus der bisherigen Bedeutung der Multiplication

der Sinn eines Solchen Products noch gar nicht hervorgeht und also bei

der Erweiterung dieser Bedeutung beliebig festgesetzt werden kann. Aber

wir brauchen auch die Producte einer reellen Zahl mit der Quadratwurzel

aus -1. Wählen wir deshalb lieber den Zeitraum einer Secunde zu einer

Quadratwurzel aus -1 und bezeichnen ihn durch i! Dann werden wir

unter 3 i den Zeitraum von 3 Secunden verstehen u. s. w.[117] Welchen

Gegenstand werden wir dann etwa durch 2 + 3i bezeichnen? Welche

Bedeutung würde dem Pluszeichen in diesem Falle zu geben sein? Nun das

muss allgemein festgesetzt werden, was freilich nicht leicht sein

wird. Doch nehmen wir einmal an, dass wir allen Zeichen von der Form

a + bi einen Sinn gesichert hätten, und zwar einen solchen, dass die

bekannten Additionssätze gelten! Dann müssten wir ferner festsetzen,

dass allgemein

(a + bi) (c + di) = ac - bd + i (ad + bc)

sein solle, wodurch wir die Multiplication weiter bestimmen würden.

§ 101. Nun könnten wir die Formel für cos (nα) beweisen, wenn wir

wüssten, dass aus der Gleichheit complexer Zahlen die Gleichheit der

reellen Theile folgt. Das müsste aus dem Sinne von a + bi hervorgehn,

den wir hier als vorhanden angenommen haben. Der Beweis würde nur

für den Sinn der complexen Zahlen, ihrer Summen und Producte gelten,

den wir festgesetzt haben. Da nun für ganzes reelles n und reelles α

i gar nicht mehr in der Gleichung vorkommt, so ist man versucht zu

schliessen: also ist es ganz gleichgiltig, ob i eine Secunde, ein

Millimeter oder was sonst bedeutet, wenn nur unsere Additions- und

Multiplicationssätze gelten; auf die allein kommt es an; um das Uebrige

brauchen wir uns nicht zu kümmern. Vielleicht kann man die Bedeutung

von a + bi, von Summe und Product in verschiedener Weise so festsetzen,

dass jene Sätze bestehen bleiben; aber es ist nicht gleichgiltig, ob

man überhaupt einen solchen Sinn für diese Ausdrücke finden kann.

§ 102. Man thut oft so, als ob die blosse Forderung schon ihre

Erfüllung wäre. Man fordert, dass die Subtraction[118], die Division,

die Radicirung immer ausführbar seien, und glaubt damit genug gethan

zu haben. Warum fordert man nicht auch, dass durch beliebige drei

Punkte eine Gerade gezogen werde? Warum fordert man nicht, dass für ein

dreidimensionales complexes Zahlensystem sämmtliche Additions- und

Multiplicationssätze gelten wie für ein reelles? Weil diese Forderung

einen Widerspruch enthält. Ei so beweise man denn erst, dass jene

andern Forderungen keinen Widerspruch enthalten! Ehe man das gethan

hat, ist alle vielerstrebte Strenge nichts als eitel Schein und Dunst.

In einem geometrischen Lehrsatze kommt die zum Beweise etwa gezogene

Hilfslinie nicht vor. Vielleicht sind mehre möglich z. B., wenn man

einen Punkt willkührlich wählen kann. Aber wie entbehrlich auch

jede einzelne sein mag, so hängt doch die Beweiskraft daran, dass

man eine Linie von der verlangten Beschaffenheit ziehen könne. Die

blosse Forderung genügt nicht. So ist es auch in unserm Falle für

die Beweiskraft nicht gleichgiltig, ob »a + bi« einen Sinn hat oder

blosse Druckerschwärze ist. Es reicht dazu nicht hin, zu verlangen,

es solle einen Sinn haben, oder zu sagen, der Sinn sei die Summe von

a und bi, wenn man nicht vorher erklärt hat, was »Summe« in diesem

Falle bedeutet, und wenn man den Gebrauch des bestimmten Artikels nicht

gerechtfertigt hat.

§ 103. Gegen die von uns versuchte Festsetzung des Sinnes von »i«

lässt sich freilich Manches einwenden. Wir bringen dadurch etwas

ganz Fremdartiges, die Zeit, in die Arithmetik. Die Secunde steht in

gar keiner innern Beziehung zu den reellen Zahlen. Die Sätze, welche

mittels der complexen Zahlen bewiesen werden, würden Urtheile a

posteriori oder doch synthetische sein, wenn es keine andere Art des

Beweises gäbe, oder wenn man für i keinen andern Sinn finden könnte.

Zunächst muss jedenfalls der Versuch gemacht werden, alle Sätze der

Arithmetik als analytische nachzuweisen.

Wenn _Kossak_[119] in Bezug auf die complexe Zahl sagt:

»Sie ist die zusammengesetzte Vorstellung von verschiedenartigen

Gruppen unter einander gleicher Elemente[120]«, so scheint er damit die

Einmischung von Fremdartigem vermieden zu haben; aber er scheint es

auch nur infolge der Unbestimmtheit des Ausdrucks. Man erhält gar keine

Antwort darauf, was 1 + i eigentlich bedeute: die Vorstellung eines

Apfels und einer Birne oder die von Zahnweh und Podagra? Beide zugleich

kann es doch nicht bedeuten, weil dann 1 + i nicht immer gleich 1 + i

wäre. Man wird sagen: das kommt auf die besondere Festsetzung an. Nun,

dann haben wir auch in _Kossak's_ Satze noch gar keine Definition

der complexen Zahl, sondern nur eine allgemeine Anleitung dazu. Wir

brauchen aber mehr; wir müssen bestimmt wissen, was »i« bedeutet, und

wenn wir nun jener Anleitung folgend sagen wollten: die Vorstellung

einer Birne, so würden wir wieder etwas Fremdartiges in die Arithmetik

einführen.

Das, was man die geometrische Darstellung complexer Zahlen zu nennen

pflegt, hat wenigstens den Vorzug vor den bisher betrachteten

Versuchen, dass dabei 1 und i nicht ganz ohne Zusammenhang und

ungleichartig erscheinen sondern dass die Strecke, welche man als

Darstellung von i betrachtet, in einer gesetzmässigen Beziehung zu der

Strecke steht, durch welche 1 dargestellt wird. Uebrigens ist es genau

genommen nicht richtig, dass hierbei 1 eine gewisse Strecke, i eine zu

ihr senkrechte von gleicher Länge bedeute, sondern »1« bedeutet überall

dasselbe. Eine complexe Zahl giebt hier an, wie die Strecke, welche als

ihre Darstellung gilt, aus einer gegebenen Strecke (Einheitsstrecke)

durch Vervielfältigung, Theilung und Drehung[121] hervorgeht. Aber auch

hiernach erscheint jeder Lehrsatz, dessen Beweis sich auf die Existenz

einer complexen Zahl stützen muss, von der geometrischen Anschauung

abhängig und also synthetisch.

§ 104. Wodurch sollen uns denn nun die Brüche, die Irrationalzahlen und

die complexen Zahlen gegeben werden? Wenn wir die Anschauung zu Hilfe

nehmen, so führen wir etwas Fremdartiges in die Arithmetik ein; wenn

wir aber nur den Begriff einer solchen Zahl durch Merkmale bestimmen,

wenn wir nur verlangen, dass die Zahl gewisse Eigenschaften habe, so

bürgt nichts dafür, dass auch etwas unter den Begriff falle und unsern

Anforderungen entspreche, und doch müssen sich grade hierauf Beweise

stützen.

Nun, wie ist es denn bei der Anzahl? Dürfen wir wirklich von 1000

(^{1000^{1000}}) nicht reden, bevor uns nicht soviele Gegenstände

in der Anschauung gegeben sind? Ist es so lange ein leeres Zeichen?

Nein! es hat einen ganz bestimmten Sinn, obwohl es psychologisch schon

in Anbetracht der Kürze unseres Lebens unmöglich ist, uns soviele

Gegenstände vor das Bewusstsein zu führen[122]; aber trotzdem ist 1000

(^{1000^{1000}}) ein Gegenstand, dessen Eigenschaften wir erkennen

können, obgleich er nicht anschaulich ist. Man überzeugt sich davon,

indem man bei der Einführung des Zeichens a^n für die Potenz zeigt,

dass immer eine und nur eine positive ganze Zahl dadurch ausgedrückt

wird, wenn a und n positive ganze Zahlen sind. Wie dies geschehen kann,

würde hier zu weit führen, im Einzelnen darzulegen. Die Weise, wie wir

im § 74 die Null, in § 77 die Eins, in § 84 die unendliche Anzahl ∞₁

erklärt haben, und die Andeutung des Beweises, dass auf jede endliche

Anzahl in der natürlichen Zahlenreihe eine Anzahl unmittelbar folgt (§§

82 u. 83), werden den Weg im Allgemeinen erkennen lassen.

Es wird zuletzt auch bei der Definition der Brüche, complexen Zahlen u.

s. w. Alles darauf ankommen, einen beurtheilbaren Inhalt aufzusuchen,

der in eine Gleichung verwandelt werden kann, deren Seiten dann eben

die neuen Zahlen sind. Mit andern Worten: wir müssen den Sinn eines

Wiedererkennungsurtheils für solche Zahlen festsetzen. Dabei sind die

Bedenken zu beachten, die wir (§§ 63-68) in Betreff einer solchen

Umwandlung erörtert haben. Wenn wir ebenso wie dort verfahren, so

werden uns die neuen Zahlen als Umfänge von Begriffen gegeben.

§ 105. Aus dieser Auffassung der Zahlen[123] erklärt sich, wie mir

scheint, leicht der Reiz, den die Beschäftigung mit der Arithmetik und

Analysis ausübt. Man könnte wohl mit Abänderung eines bekannten Satzes

sagen: der eigentliche Gegenstand der Vernunft ist die Vernunft. Wir

beschäftigen uns in der Arithmetik mit Gegenständen, die uns nicht als

etwas Fremdes von aussen durch Vermittelung der Sinne bekannt werden,

sondern die unmittelbar der Vernunft gegeben sind, welche sie als ihr

Eigenstes völlig durchschauen kann[124].

Und doch, oder vielmehr grade daher sind diese Gegenstände nicht

subjective Hirngespinnste. Es giebt nichts Objectiveres als die

arithmetischen Gesetze.

§ 106. Werfen wir noch einen kurzen Rückblick auf den Gang unserer

Untersuchung! Nachdem wir festgestellt hatten, dass die Zahl weder ein

Haufe von Dingen noch eine Eigenschaft eines solchen, dass sie aber

auch nicht subjectives Erzeugniss seelischer Vorgänge ist; sondern dass

die Zahlangabe von einem Begriffe etwas Objectives aussage, versuchten

wir zunächst die einzelnen Zahlen 0, 1 u. s. w. und das Fortschreiten

in der Zahlenreihe zu definiren. Der erste Versuch misslang, weil wir

nur jene Aussage von Begriffen, nicht aber die 0, die 1 abgesondert

definirt hatten, welche nur Theile von ihr sind. Dies hatte zur Folge,

dass wir die Gleichheit von Zahlen nicht beweisen konnten. Es zeigte

sich, dass die Zahl, mit der sich die Arithmetik beschäftigt, nicht als

ein unselbständiges Attribut, sondern substantivisch gefasst werden

muss[125]. Die Zahl erschien so als wiedererkennbarer Gegenstand, wenn

auch nicht als physikalischer oder auch nur räumlicher noch als einer,

von dem wir uns durch die Einbildungskraft ein Bild entwerfen können.

Wir stellten nun den Grundsatz auf, dass die Bedeutung eines Wortes

nicht vereinzelt, sondern im Zusammenhange eines Satzes zu erklären

sei, durch dessen Befolgung allein, wie ich glaube, die physikalische

Auffassung der Zahl vermieden werden kann, ohne in die psychologische

zu verfallen. Es giebt nun eine Art von Sätzen, die für jeden

Gegenstand einen Sinn haben müssen, das sind die Wiedererkennungsätze,

bei den Zahlen Gleichungen genannt. Auch die Zahlangabe, sahen wir,

ist als eine Gleichung aufzufassen. Es kam also darauf an, den Sinn

einer Zahlengleichung festzustellen, ihn auszudrücken, ohne von den

Zahlwörtern oder dem Worte »Zahl« Gebrauch zu machen. Die Möglichkeit

die unter einen Begriff F fallenden Gegenstände, den unter einen

Begriff G fallenden beiderseits eindeutig zuzuordnen, erkannten

wir als Inhalt eines Wiedererkennungsurtheils von Zahlen. Unsere

Definition musste also jene Möglichkeit als gleichbedeutend mit einer

Zahlengleichung hinstellen. Wir erinnerten an ähnliche Fälle: die

Definition der Richtung aus dem Parallelismus, der Gestalt aus der

Aehnlichkeit u. s. w.

§ 107. Es erhob sich nun die Frage: wann ist man berechtigt, einen

Inhalt als den eines Wiedererkennungsurtheils aufzufassen? Es muss dazu

die Bedingung erfüllt sein, dass in jedem Urtheile unbeschadet seiner

Wahrheit die linke Seite der versuchsweise angenommenen Gleichung

durch die rechte ersetzt werden könne. Nun ist uns, ohne dass weitere

Definitionen hinzukommen, zunächst von der linken oder rechten Seite

einer solchen Gleichung keine Aussage weiter bekannt als eben die der

Gleichheit. Es brauchte also die Ersetzbarkeit nur in einer Gleichung

nachgewiesen zu werden.

Aber es blieb noch ein Bedenken bestehen. Ein Wiedererkennungssatz muss

nämlich immer einen Sinn haben. Wenn wir nun die Möglichkeit, die unter

den Begriff F fallenden Gegenstände den unter den Begriff G fallenden

beiderseits eindeutig zuzuordnen, als eine Gleichung auffassen, indem

wir dafür sagen: »die Anzahl, welche dem Begriffe F zukommt, ist gleich

der Anzahl, welche dem Begriffe G zukommt,« und hiermit den Ausdruck

»die Anzahl, welche dem Begriffe F zukommt« einführen, so haben wir

für die Gleichung nur dann einen Sinn, wenn beide Seiten die eben

genannte Form haben. Wir könnten nach einer solchen Definition nicht

beurtheilen, ob eine Gleichung wahr oder falsch ist, wenn nur die eine

Seite diese Form hat. Das veranlasste uns zu der Definition:

Die Anzahl, welche dem Begriffe F zukommt, ist der Umfang des Begriffes

»Begriff gleichzahlig dem Begriffe F«, indem wir einen Begriff F

gleichzahlig einem Begriffe G nannten, wenn jene Möglichkeit der

beiderseits eindeutigen Zuordnung besteht.

Hierbei setzten wir den Sinn des Ausdruckes »Umfang des Begriffes«

als bekannt voraus. Diese Weise, die Schwierigkeit zu überwinden,

wird wohl nicht überall Beifall finden, und Manche werden vorziehn,

jenes Bedenken in andrer Weise zu beseitigen. Ich lege auch auf die

Heranziehung des Umfangs eines Begriffes kein entscheidendes Gewicht.

§ 108. Es blieb nun noch übrig die beiderseits eindeutige Zuordnung

zu erklären; wir führten sie auf rein logische Verhältnisse zurück.

Nachdem wir nun den Beweis des Satzes angedeutet hatten: die Zahl,

welche dem Begriffe F zukommt, ist gleich der, welche dem Begriffe

G zukommt, wenn der Begriff F dem Begriffe G gleichzahlig ist,

definirten wir die 0, den Ausdruck »n folgt in der natürlichen

Zahlenreihe unmittelbar auf m« und die Zahl 1 und zeigten, dass 1

in der natürlichen Zahlenreihe unmittelbar auf 0 folgt. Wir führten

einige Sätze an, die sich an dieser Stelle leicht beweisen lassen, und

gingen dann etwas näher auf folgenden ein, der die Unendlichkeit der

Zahlenreihe erkennen lässt:

Auf jede Zahl folgt in der natürlichen Zahlenreihe eine Zahl.

Wir wurden hierdurch auf den Begriff »der mit n endenden natürlichen

Zahlenreihe angehörend« geführt, von dem wir zeigen wollten, dass

die ihm zukommende Anzahl auf n in der natürlichen Zahlenreihe

unmittelbar folge. Wir definirten ihn zunächst mittels des Folgens

eines Gegenstandes y auf einen Gegenstand x in einer allgemeinen

φ-Reihe. Auch der Sinn dieses Ausdruckes wurde auf rein logische

Verhältnisse zurückgeführt. Und dadurch gelang es, die Schlussweise von

n auf (n + 1), welche gewöhnlich für eine eigenthümlich mathematische

gehalten wird, als auf den allgemeinen logischen Schlussweisen beruhend

nachzuweisen.

Wir brauchten nun zum Beweise der Unendlichkeit der Zahlenreihe den

Satz, dass keine endliche Zahl in der natürlichen Zahlenreihe auf

sich selber folgt. Wir kamen so zu den Begriffen der endlichen und

der unendlichen Zahl. Wir zeigten, dass der letztere im Grunde nicht

weniger logisch gerechtfertigt als der erstere ist. Zum Vergleiche

wurden _Cantors_ unendliche Anzahlen und dessen »Folgen in der

Succession« herangezogen, wobei auf die Verschiedenheit im Ausdrucke

hingewiesen wurde.

§ 109. Aus allem Vorangehenden ergab sich nun mit grosser

Wahrscheinlichkeit die analytische und apriorische Natur der

arithmetischen Wahrheiten; und wir gelangten zu einer Verbesserung

der Ansicht Kants. Wir sahen ferner, was noch fehlt, um jene

Wahrscheinlichkeit zur Gewissheit zu erheben, und gaben den Weg an, der

dahin führen muss.

Endlich benutzten wir unsere Ergebnisse zur Kritik einer formalen

Theorie der negativen, gebrochenen, irrationalen und complexen Zahlen,

durch welche deren Unzulänglichkeit offenbar wurde. Ihren Fehler

erkannten wir darin, dass sie die Widerspruchslosigkeit eines Begriffes

als bewiesen annahm, wenn sich kein Widerspruch gezeigt hatte, und

dass die Widerspruchslosigkeit eines Begriffes schon als hinreichende

Gewähr für seine Erfülltheit galt. Diese Theorie bildet sich ein, sie

brauche nur Forderungen zu stellen; deren Erfüllung verstehe sich dann

von selbst. Sie gebärdet sich wie ein Gott, der durch sein blosses Wort

schaffen kann, wessen er bedarf. Es musste auch gerügt werden, wenn

eine Anweisung zur Definition für diese selbst ausgegeben wurde, eine

Anweisung, deren Befolgung Fremdartiges in die Arithmetik einführen

würde, obwohl sie selbst im Ausdrucke sich davon frei zu halten vermag,

aber nur weil sie blosse Anweisung bleibt.

So geräth jene formale Theorie in Gefahr, auf das Aposteriorische oder

doch Synthetische zurückzufallen, wie sehr sie sich auch den Anschein

giebt, in der Höhe der Abstractionen zu schweben.

Unsere frühere Betrachtung der positiven ganzen Zahlen zeigte uns nun

die Möglichkeit, die Einmischung von äussern Dingen und geometrischen

Anschauungen zu vermeiden, ohne doch in den Fehler jener formalen

Theorie zu verfallen. Es kommt wie dort darauf an, den Inhalt eines

Wiedererkennungsurtheils festzusetzen. Denken wir dies überall

geschehen, so erscheinen die negativen, gebrochenen, irrationalen

und complexen Zahlen nicht geheimnissvoller als die positiven ganzen

Zahlen, diese nicht reeller, wirklicher, greifbarer als jene.

[Illustration]

Fußnoten:

[1] Sämmtliche Werke, herausgegeb. von Hartenstein, Bd. X, 1 Thl.

Umriss pädagogischer Vorlesungen § 252, Anm. 2: »Zwei heisst nicht zwei

Dinge, sondern Verdoppelung« u. s. w.

[2] K. Fischer, System der Logik und Metaphysik oder

Wissenschaftslehre, 2. Aufl. § 94.

[3] Studien über Association der Vorstellungen. Wien 1883.

[4] Lehrbuch der Arithmetik und Algebra.

[5] Ich will damit natürlich nicht einen neuen Sinn hineinlegen,

sondern nur das treffen, was frühere Schriftsteller, insbesondere

_Kant_ gemeint haben.

[6] Wenn man überhaupt allgemeine Wahrheiten anerkennt, so muss man

auch zugeben, dass es solche Urgesetze giebt, weil aus lauter einzelnen

Thatsachen nichts folgt, es sei denn auf Grund eines Gesetzes. Selbst

die Induction beruht auf dem allgemeinen Satze, dass dies Verfahren die

Wahrheit oder doch eine Wahrscheinlichkeit für ein Gesetz begründen

könne. Für den, der dies leugnet, ist die Induction nichts weiter

als eine psychologische Erscheinung, eine Weise, wie Menschen zu dem

Glauben an die Wahrheit eines Satzes kommen, ohne dass dieser Glaube

dadurch irgendwie gerechtfertigt wäre.

[7] Es wird also im Folgenden, wenn nichts weiter bemerkt wird, von

keinen andern Zahlen als den positiven ganzen die Rede sein, welche auf

die Frage wie viele? antworten.

[8] Hobbes, Locke, Newton. Vergl. _Baumann_, die Lehren von Zeit, Raum

und Mathematik. S. 241 u. 242, S. 365 ff., S. 475.

[9] Kritik der reinen Vernunft, herausgeg. v. Hartenstein. III. S. 157.

[10] Vorlesungen über die complexen Zahlen und ihre Functionen. S. 55.

[11] B: Nouveaux Essais, IV. § 10. Erdm. S. 363.

[12] C: Non inelegans specimen demonstrandi in abstractis. Erdm. S. 94.

[13] Lehrbuch der Mathematik für höhere Lehranstalten. I. Theil:

Arithmetik, Stettin 1860, S. 4.

[14] A System der deductiven und inductiven Logik, übersetzt von J.

Schiel. III. Buch, XXIV. Cap., § 5.

[15] A. a. O. II. Buch, VI. Cap., § 2.

[16] A. a. O. III. Buch, XXIV. Cap., § 5.

[17] A. a. O. III. Buch, XXIV. Cap., § 5.

[18] A. a. O. II. Buch, VI. Cap., § 3.

[19] Baumann, a. a. O. II., S. 39; Erdm. S. 243.

[20] Baumann a. a. O. Bd. II., S. 13 u. 14; Erdm. S. 195, S. 208 u. 209.

[21] Baumann a. a. O. Bd. II., S. 38; Erdm. S. 212.

[22] A. a. O. Bd. II., S. 669.

[23] Lehrbuch der Analysis, Bd. I., S. 1.

[24] Theorie der complexen Zahlensysteme, S. 54 u. 55.

[25] Baumann a. a. O. Bd. II., S. 56; Erdm. S. 424.

[26] Baumann a. a. O. Bd. II., S. 57; Erdm. S. 83.

[27] Baumann a. a. O. Bd. II., S. 57; Pertz, II., S. 55.

[28] The principles of science. London 1879. S. 156.

[29] Nouveaux Essais, IV, § 9; Erdm. S. 360.

[30] Es ist auffallend, dass auch _Mill_ a. a. O. II. Buch, VI.

Cap. § 4 diese Ansicht auszusprechen scheint. Sein gesunder Sinn

durchbricht eben von Zeit zu Zeit sein Vorurtheil für das Empirische.

Aber dieses bringt immer wieder Alles in Verwirrung, indem es ihn die

physikalischen Anwendungen der Arithmetik mit dieser selbst verwechseln

lässt. Er scheint nicht zu wissen, dass ein hypothetisches Urtheil auch

dann wahr sein kann, wenn die Bedingung nicht wahr ist.

[31] Baumann a. a. O. Bd. I, S. 475.

[32] Theorie der complexen Zahlensysteme, S. 1.

[33] Grundzüge einer Elementarmathematik, S. 2, § 4. Aehnlich

Lipschitz, Lehrbuch der Analysis, Bonn 1877, S. 1.

[34] Lehrbuch der Arithmetik und Algebra, Leipz. 1873, S. 6, 10 u. 11.

[35] A. a. O. Bd. II, S. 669.

[36] A. a. O. III. Buch, XXIV. Cap., § 5.

[37] A. a. O. III. Buch, XXIV. Cap. § 5.

[38] Baumann a. a. O. Bd. I, S. 409.

[39] Ebenda, Bd. II, S. 56.

[40] Ebenda, Bd. II, S. 2.

[41] A. a. O. III. Buch, XXIV. Cap. § 5.

[42] Genau genommen müsste hinzugefügt werden: sobald sie überhaupt

ein Phänomen sind. Wenn aber Jemand ein Pferd in Deutschland und eines

in Amerika (und sonst keins) hat, so besitzt er zwei Pferde. Diese

bilden jedoch kein Phänomen, sondern nur jedes Pferd für sich könnte so

genannt werden.

[43] Baumann a. a. O. Bd. II. S. 428.

[44] Lehrbuch der Analysis, S. 1. Ich nehme an, dass _Lipschitz_ einen

innern Vorgang im Sinne hat.

[45] Handbuch der algebraischen Analysis, S. 1.

[46] Man kann dagegen auch einwenden, dass dann immer dieselbe

Vorstellung einer Stelle erscheinen müsste, wenn dieselbe Zahl

auftritt, was offenbar falsch ist. Das Folgende würde nicht zutreffen,

wenn er unter Vorstellung eine objective Idee verstehen wollte; aber

welcher Unterschied wäre dann zwischen der Vorstellung der Stelle und

der Stelle selbst?

Die Vorstellung im subjectiven Sinne ist das, worauf sich die

psychologischen Associationsgesetze beziehen; sie ist von sinnlicher,

bildhafter Beschaffenheit. Die Vorstellung im objectiven Sinne gehört

der Logik an und ist wesentlich unsinnlich, obwohl das Wort, welches

eine objective Vorstellung bedeutet, oft auch eine subjective mit

sich führt, die jedoch nicht seine Bedeutung ist. Die subjective

Vorstellung ist oft nachweisbar verschieden in verschiedenen Menschen,

die objective für alle dieselbe. Die objectiven Vorstellungen kann

man eintheilen in Gegenstände und Begriffe. Ich werde, um Verwirrung

zu vermeiden, »Vorstellung« nur im subjectiven Sinne gebrauchen.

Dadurch, dass Kant mit diesem Worte beide Bedeutungen verband, hat

er seiner Lehre eine sehr subjective, idealistische Färbung gegeben

und das Treffen seiner wahren Meinung erschwert. Die hier gemachte

Unterscheidung ist so berechtigt wie die zwischen Psychologie und

Logik. Möchte man diese immer recht streng auseinanderhalten!

[47] Elementare Theorie der analytischen Functionen, S. 1.

[48] 7. Buch der Elemente im Anfange: Μονάς έστι, καθ' ήν έκαστον τών

όντων έν λέγεται. Άριθμός δέ τό έκ μονάδων συγκείμενον πλήθος.

[49] A. a. O. S. 5.

[50] Es kommen Wendungen vor, die dem zu widersprechen scheinen; aber

bei genauerer Betrachtung wird man finden, dass ein Begriffswort zu

ergänzen ist, oder dass »Ein« nicht als Zahlwort gebraucht wird, dass

nicht die Einzigkeit, sondern die Einheitlichkeit behauptet werden soll.

[51] Baumann a. a. O. Bd. II. S. 2; Erdm. S. 8.

[52] A. a. O. Bd. II. S. 669.

[53] A. a. O. Bd. II. S. 669.

[54] Baumann a. a. O. Bd. I. S. 409.

[55] Ueber die Geschichte des Wortes »Einheit« vergl. Eucken,

Geschichte der philosophischen Terminologie. S. 122-3, S. 136, S. 220.

[56] Schularithmetik. Eisenach 1867. S. 5 u. 6.

[57] A. a. O. S. 5.

[58] Baumann a. a. O. Bd. I. S. 242.

[59] Ebenda Bd. II. S. 568.

[60] A. a. O. S. 1.

[61] Baumann a. a. O. Bd. I. S. 103.

[62] A. a. O. S. 3.

[63] The principles of Science, 3 d. Ed. S. 156.

[64] A. a. O. S. 162.

[65] Baumann a. a. O. Bd. I. S. 409-411.

[66] Baumann a. a. O. Bd. II. S. 3.

[67] Vier Species. S. 2.

[68] Baumann a. a. O. Bd. I. S. 242.

[69] Elementare Theorie der analyt. Functionen, S. 1.

[70] Baumann a. a. O. Bd. II. S. 2.

[71] A. a. O. Bd. II. S. 668.

[72] The Principles of Science, S. 157.

[73] Theorie der complexen Zahlensysteme, S. 1.

[74] Lehrbuch der Arithmetik und Algebra, S. 5 ff.

[75] zu zählenden Gegenstände.

[76] A. a. O. S. 158.

[77] Baumann a. a. O. Bd. I, S. 169.

[78] A. a. O. S. 6.

[79] »Vorstellung« in dem Sinne von etwas Bildartigem genommen.

[80] Es kommt darauf an, den Sinn einer Gleichung wie

df(x) = g(x) dx

zu definiren, nicht aber darauf, eine von zwei verschiedenen Punkten

begrenzte Strecke aufzuweisen, deren Länge dx wäre.

[81] Dies Wort rein psychologisch, nicht psychophysisch verstanden.

[82] Baumann a. a. O. Bd. II. S. 565.

[83] Vergl. E. Schröder a. a. O. S. 7 und 8. E. Kossak, die Elemente

der Arithmetik, Programm des Friedrichs-Werder'schen Gymnasiums.

Berlin, 1872. S. 16. G. Cantor, Grundlagen einer allgemeinen

Mannichfaltigkeitslehre. Leipzig, 1883.

[84] Um mich bequemer ausdrücken zu können und leichter verstanden zu

werden, spreche ich hier vom Parallelismus. Das Wesentliche dieser

Erörterungen wird leicht auf den Fall der Zahlengleichheit übertragen

werden können.

[85] Non inelegans specimen demonstrandi in abstractis. Erdm. S. 94.

[86] In einem hypothetischen Urtheile könnte z. B. eine Gleichheit von

Richtungen als Bedingung oder Folge vorkommen.

[87] Der bestimmte Artikel deutet dies an. Begriff ist für mich ein

mögliches Praedicat eines singulären beurtheilbaren Inhalts, Gegenstand

ein mögliches Subject eines solchen. Wenn wir in dem Satze

»die Richtung der Fernrohraxe ist gleich der Richtung der Erdaxe«

die Richtung der Fernrohraxe als Subject ansehen, so ist das Praedicat

»gleich der Richtung der Erdaxe«. Dies ist ein Begriff. Aber die

Richtung der Erdaxe ist nur ein Theil des Praedicates; sie ist ein

Gegenstand, da sie auch zum Subjecte gemacht werden kann.

[88] Ich glaube, dass für »Umfang des Begriffes« einfach »Begriff«

gesagt werden könnte. Aber man würde zweierlei einwenden:

1. dies stehe im Widerspruche mit meiner früheren Behauptung, dass die

einzelne Zahl ein Gegenstand sei, was durch den bestimmten Artikel in

Ausdrücken wie »die Zwei« und durch die Unmöglichkeit angedeutet werde,

von Einsen, Zweien u. s. w. im Plural zu sprechen, sowie dadurch, dass

die Zahl nur einen Theil des Praedicats der Zahlangabe ausmache;

2. dass Begriffe von gleichem Umfange sein können, ohne

zusammenzufallen.

Ich bin nun zwar der Meinung, dass beide Einwände gehoben werden

können; aber das möchte hier zu weit führen. Ich setze voraus, dass man

wisse, was der Umfang eines Begriffes sei.

[89] Hiermit ist der Fall nicht zu verwechseln, wo das »und« nur

scheinbar die Subjecte, in Wahrheit aber zwei Sätze verbindet.

[90] Desgleichen die Umkehrung: Wenn die Zahl, welche dem Begriffe F

zukommt, dieselbe ist wie die, welche dem Begriffe G zukommt, so ist

der Begriff F dem Begriffe G gleichzahlig.

[91] Ganz davon verschieden ist die Definition eines Gegenstandes

aus einem Begriffe, unter den er fällt. Der Ausdruck »der grösste

ächte Bruch« hat z. B. keinen Inhalt, weil der bestimmte Artikel den

Anspruch erhebt, auf einen bestimmten Gegenstand hinzuweisen. Dagegen

ist der Begriff »Bruch, der kleiner als 1 und so beschaffen ist, dass

kein Bruch, der kleiner als 1 ist, ihn an Grösse übertrifft« ganz

unbedenklich, und um beweisen zu können, dass es keinen solchen Bruch

gebe, braucht man sogar diesen Begriff, obgleich er einen Widerspruch

enthält. Wenn man aber durch diesen Begriff einen Gegenstand bestimmen

wollte, der unter ihn fällt, wäre es allerdings nöthig, zweierlei

vorher zu zeigen:

Die Grundlagen der Arithmetik Eine logische mathematische Untersuchung über den Begriff der Zahl · 第 22 / 26 题