Ebenso bedeutet

»zu jedem Gegenstande, der unter G fällt, steht ein unter F

fallender in der Beziehung φ«,

dass die beiden Sätze

»a fällt unter G«

und

»kein unter F fallender Gegenstand steht zu a in der Beziehung φ«

nicht mit einander bestehen können, was auch a sein möge.

§ 72. Wir haben nun gesehen, wann die unter die Begriffe F und G

fallenden Gegenstände einander durch die Beziehung φ zugeordnet sind.

Hier soll nun diese Zuordnung eine beiderseits eindeutige sein.

Darunter verstehe ich, dass folgende beiden Sätze gelten:

1. wenn d in der Beziehung φ zu a steht, und wenn d in der Beziehung

φ zu e steht, so ist allgemein, was auch d, a und e sein mögen, a

dasselbe wie e;

2. wenn d in der Beziehung φ zu a steht, und wenn b in der Beziehung

φ zu a steht, so ist allgemein, was auch d, b und a sein mögen, d

dasselbe wie b.

Hiermit haben wir die beiderseits eindeutige Zuordnung auf rein

logische Verhältnisse zurückgeführt und können nun so definiren:

der Ausdruck

»der Begriff F ist gleichzahlig dem Begriffe G«

sei gleichbedeutend mit dem Ausdrucke

»es giebt eine Beziehung φ, welche die unter den Begriff F

fallenden Gegenstände den unter G fallenden Gegenständen

beiderseits eindeutig zuordnet«.

Ich wiederhole:

die Anzahl, welche dem Begriffe F zukommt, ist der Umfang des

Begriffes »gleichzahlig dem Begriffe F«

und füge hinzu:

der Ausdruck

»n ist eine Anzahl«

sei gleichbedeutend mit dem Ausdrucke

»es giebt einen Begriff der Art, dass n die Anzahl ist, welche ihm

zukommt«.

So ist der Begriff der Anzahl erklärt, scheinbar freilich durch sich

selbst, aber dennoch ohne Fehler, weil »die Anzahl, welche dem Begriffe

F zukommt« schon erklärt ist.

§ 73. Wir wollen nun zunächst zeigen, dass die Anzahl, welche dem

Begriffe F zukommt, gleich der Anzahl ist, welche dem Begriffe G

zukommt, wenn der Begriff F dem Begriffe G gleichzahlig ist. Dies

klingt freilich wie eine Tautologie, ist es aber nicht, da die

Bedeutung des Wortes »gleichzahlig« nicht aus der Zusammensetzung,

sondern aus der eben gegebenen Erklärung hervorgeht.

Nach unserer Definition ist zu zeigen, dass der Umfang des Begriffes

»gleichzahlig dem Begriffe F« derselbe ist wie der Umfang des Begriffes

»gleichzahlig dem Begriffe G«, wenn der Begriff F gleichzahlig dem

Begriffe G ist. Mit andern Worten: es muss bewiesen werden, dass unter

dieser Voraussetzung die Sätze allgemein gelten:

wenn der Begriff H gleichzahlig dem Begriffe F ist, so ist er auch

gleichzahlig dem Begriffe G;

und

wenn der Begriff H dem Begriffe G gleichzahlig ist, so ist er auch

gleichzahlig dem Begriffe F.

Der erste Satz kommt darauf hinaus, dass es eine Beziehung giebt,

welche die unter den Begriff H fallenden Gegenstände den unter den

Begriff G fallenden beiderseits eindeutig zuordnet, wenn es eine

Beziehung φ giebt, welche die unter den Begriff F fallenden Gegenstände

den unter den Begriff G fallenden beiderseits eindeutig zuordnet,

und wenn es eine Beziehung ψ giebt, welche die unter den Begriff H

fallenden Gegenstände den unter den Begriff F fallenden beiderseits

eindeutig zuordnet. Folgende Anordnung der Buchstaben wird dies

übersichtlicher machen:

H ψ F φ G.

Eine solche Beziehung kann in der That angegeben werden: sie liegt in

dem Inhalte

»es giebt einen Gegenstand, zu dem c in der Beziehung ψ steht, und

der zu b in der Beziehung φ steht,«

wenn wir davon c und b absondern (als Beziehungspunkte betrachten). Man

kann zeigen, dass diese Beziehung eine beiderseits eindeutige ist, und

dass sie die unter den Begriff H fallenden Gegenstände den unter den

Begriff G fallenden zuordnet.

In ähnlicher Weise kann auch der andere Satz bewiesen werden[90]. Diese

Andeutungen werden hoffentlich genügend erkennen lassen, dass wir

hierbei keinen Beweisgrund der Anschauung zu entnehmen brauchen, und

dass sich mit unsern Definitionen etwas machen lässt.

§ 74. Wir können nun zu den Erklärungen der einzelnen Zahlen übergehn.

Weil unter den Begriff »sich selbst ungleich« nichts fällt, erkläre ich:

0 ist die Anzahl, welche dem Begriffe »sich selbst ungleich«

zukommt.

Vielleicht nimmt man daran Anstoss, dass ich hier von einem Begriffe

spreche. Man wendet vielleicht ein, dass ein Widerspruch darin

enthalten sei, und erinnert an die alten Bekannten das hölzerne

Eisen und den viereckigen Kreis. Nun ich meine, dass die gar nicht

so schlimm sind, wie sie gemacht werden. Zwar nützlich werden sie

grad nicht sein; aber schaden können sie auch nichts, wenn man nur

nicht voraussetzt, dass etwas unter sie falle; und das thut man durch

den blossen Gebrauch der Begriffe noch nicht. Dass ein Begriff einen

Widerspruch enthalte, ist nicht immer so offensichtlich, dass es keiner

Untersuchung bedürfte; dazu muss man ihn erst haben und logisch ebenso

wie jeden andern behandeln. Alles was von Seiten der Logik und für die

Strenge der Beweisführung von einem Begriffe verlangt werden kann, ist

seine scharfe Begrenzung, dass für jeden Gegenstand bestimmt sei, ob er

unter ihn falle oder nicht. Dieser Anforderung genügen nun die einen

Widerspruch enthaltenden Begriffe wie »sich selbst ungleich« durchaus;

denn man weiss von jedem Gegenstande, dass er nicht unter einen solchen

fällt[91].

Die Grundlagen der Arithmetik Eine logische mathematische Untersuchung über den Begriff der Zahl · 第 16 / 26 题