Beiden ist vor allem die geschichtliche Basis: Bach und (der letzte)

Beethoven gemeinsam. „Das Tiefkombinatorische, Poetische und

Humoristische der neueren Musik,“ bemerkt Schumann, „hat seinen

Ursprung zumeist in Bach. Die sogenannten Romantiker stehen Bach

weit näher als Mozart, wie ich selbst tagtäglich vor diesem Hohen

beichte, mich durch ihn zu reinigen und zu stärken suche,“ und ein

andermal gesteht er, daß ihn nur mehr „das Äußerste“ reize; „Bach fast

durchweg, Beethoven zumeist in seinen späteren Werken.“ „Es ist wahr,

zum Verständnis der Beethovenschen letzten Quartette gehört mehr als

bloße Lust zum Hören. Der empfänglichste, offenste Musikmensch wird

ungerührt von ihnen gehen, wenn er nicht tiefe Kenntnis des Charakters

Beethovens und dessen späterer Aussprache mitbringt. Dann aber, ist

er auf dem Wege dahin, so kann auch dem menschlichen Geiste kaum

etwas Wunderwürdigeres geboten werden, als jene Schöpfungen, denen

in ihrer tiefsinnigen Gestaltung, ihrem alle menschlichen Satzungen

überschwebenden Ideenfluge von anderer neuerer Musik gar nichts und

im übrigen nur einiges etwa von Lord Byron oder von Jean Pauls und

Goethes späteren Werken verglichen werden kann.“ Die Tonkunst ist

ihm „die veredelte Sprache der Seele; andere finden in ihr einen

Ohrenrausch, andere ein Rechenexempel und üben sie in dieser Weise

aus. Aber das wäre eine kleine Kunst, die nur klänge und keine Sprache

noch Zeichen für Seelenzustände hätte!“ Auch die Lehre von der Einheit

des Kunstgefühls, von der Urverwandtschaft der Künste läßt sich in

Schumanns Schriften und Briefen nachweisen. „Die Ästhetik der einen

Kunst ist die der anderen; nur das Material ist verschieden. Der

gebildete Musiker wird an einer Rafaelschen Madonna mit gleichem

Nutzen studieren können, wie der Maler an einer Mozartschen Symphonie.

Noch mehr: dem Bildhauer wird jeder Schauspieler zur ruhigen Statue,

diesem die Werke jenes zu lebendigen Gestalten; dem Maler wird das

Gedicht zum Bild, der Musiker setzt die Gemälde in Töne um.“ Gleich den

„Neudeutschen“ möchte sich Schumann vom partikularistischen Standpunkt

des Musikers zum höheren, allgemeineren des „Künstlers“ schlechthin

erheben. „Sieh dich tüchtig im Leben um, wie auch in anderen Künsten

und Wissenschaften,“ ruft er dem Musiker zu und bekennt: „Es affiziert

mich alles, was in der Welt vorgeht, Politik, Litteratur, Menschen;

über alles denke ich nach meiner Weise nach, was sich dann durch

die Musik Luft machen, einen Ausweg suchen will. Deshalb sind viele

meiner Kompositionen so schwer zu verstehen, weil sie an entfernte

Interessen anknüpfen, oft auch bedeutend, weil mich alles Merkwürdige

der Zeit ergreift und ich es dann musikalisch aussprechen muß.“ Sogar

was die Programmmusik anbelangt, stimmt er mit den Neudeutschen in der

Kardinalfrage: nach ihrer Berechtigung überein. Er meint zwar einmal,

es sei kein gutes Zeichen für ein Tonstück, wenn es der Überschrift

bedarf; es wäre dann gewiß nicht der inneren Tiefe entquollen, sondern

erst durch irgend eine äußere Vermittlung angeregt; und vom Programm

einer Berliozschen Symphonie: „Ganz Deutschland schenkt es ihm; solche

Wegweiser haben immer etwas Unwürdiges, Charlatanmäßiges.“ Doch stehen

damit zahlreiche andere Aussprüche Schumanns in offenbarem Widerspruch,

so daß es den Anschein hat, als sei er in dieser Frage nicht ganz

schlüssig geworden. Man höre: Warum könnte nicht einen Beethoven

inmitten seiner Phantasien der Gedanke an Unsterblichkeit überfallen?

Warum nicht das Andenken eines großen gefallenen Helden ihn zu einem

großen Werke begeistern? Warum nicht einen anderen die Erinnerung an

eine selig verlebte Zeit? Italien, die Alpen, das Bild des Meeres, eine

Frühlingsdämmerung -- hätte uns die Musik noch nichts von diesem allen

erzählt? Ja, selbst kleinere, speziellere Bilder können der Musik einen

so reizend festen Charakter verleihen, daß man überrascht wird, wie sie

solche Züge auszudrücken vermag. So erzählte mir ein Komponist, daß

sich ihm während des Niederschreibens das Bild eines Schmetterlings,

der auf einem Blatte im Bache mitfortschwimmt, aufgedrungen: dies

hätte dem kleinen Stücke die Zartheit und Naivetät gegeben, wie es nur

irgend das Bild in der Wirklichkeit besitzen mag.... Man irrt sich

gewiß, wenn man glaubt, die Komponisten legen sich Feder und Papier

in der elenden Absicht zurecht, dies oder jenes auszudrücken. Doch

schlage man zufällige Einflüsse und Eindrücke von außen nicht zu gering

an. Unbewußt neben der musikalischen Phantasie wirkt oft eine Idee

fort, neben dem Ohr das Auge, und dieses, das immer thätige Organ,

hält dann mitten unter den Klängen und Tönen gewisse Umrisse fest, die

sich mit der vorrückenden Musik zu deutlichen Gestalten verdichten und

ausbilden können. Je mehr nun mit der Musik verwandte Elemente die

mit den Tönen erzeugten Gedanken oder Gebilde in sich tragen, von je

poetischerem oder plastischerem Ausdrucke wird die Komposition sein

und, je phantastischer oder schärfer der Musiker aufpaßt, um so mehr

wird sein Werk erheben oder ergreifen. Daß sich Schumann zu seinen

Symphonien durch äußere Momente anregen ließ, wurde bereits erwähnt,

aber selbst in seine Kammermusikwerke spielen, wie es scheint, allerlei

poetische Ideen hinein. Umgekehrt, und das ist das Entscheidende,

genießt Schumann absolute Musik nicht rein musikalisch, sondern als

Poet, als Künstler: „Ich kann nicht unterlassen anzuführen, wie mir

einstens während eines Schubertschen Marsches der Freund, mit dem ich

spielte, auf meine Frage, ob er nicht ganz eigene Gestalten vor sich

sehe, zur Antwort gab: Wahrhaftig, ich befand mich in Sevilla, aber vor

mehr als hundert Jahren, mitten unter auf- und abspazierenden Dons und

Donnas mit Schleppkleid, Schnabelschuhen u. s. w. Merkwürdigerweise

waren wir in unseren Visionen bis auf die Stadt einig.“ Verwahrte

sich Schumann nicht ausdrücklich dagegen, so dürfte man ihn (mit

Liszt) nach den Überschriften, die er seinen Tonstücken giebt, als

Programmatiker betrachten; doch erklärt er zu wiederholten Malen, sie

seien erst später entstanden und nur „feinere Fingerzeige für Vortrag

und Auffassung.“ Mag dies nun für all seine Werke zutreffen oder nicht

-- jedenfalls ist Schumann, zwar kein Partner, wohl aber ein Vorläufer

der „neudeutschen Schule“, das notwendige Mittelglied zwischen ihr und

Beethoven.

Der Glaube, in welchem er komponierte, war der an die unversiegbare

Kraft des deutschen Kunstgeistes: „Mir ist oft, als ständen wir an den

Anfängen, als könnten wir noch Saiten anschlagen, von denen man früher

noch nicht gehört.“ Auch der Hinweis auf die Zukunft kehrt bei Schumann

häufig wieder, ja einmal sagt er gar: „Eine Zeitschrift für +zukünftige

Musik+ fehlt noch, als Redakteure wären freilich nur Männer, wie der

ehemalige, blind gewordene Kantor an der Thomasschule (Bach) und

der taube, in Wien ruhende Kapellmeister (Beethoven) passend.“ Aber

gleich den Neudeutschen verwirft er bloße Nachahmung dieser verehrten

Meister. Persönlichkeit scheint ihm nicht nur das „höchste Glück der

Erdenkinder“, sondern auch die vornehmste Eigenschaft jedes wirklichen

Künstlers. „Nenne mich beileibe nicht mehr Jean Paul den Zweiten

oder Beethoven den Zweiten,“ schreibt er Klara; „da könnte ich dich

eine Minute lang hassen. Ich will zehnmal weniger sein als andere,

aber nur für mich etwas.“ Noch muß die nationale Tendenz Schumanns

hervorgehoben werden, denn er ist eigentlich der erste Komponist, der

sein Deutschtum stärker betont, der die Anlehnung an ausländische

Muster geflissentlich vermeidet -- ganz wie die Neudeutschen. „Die

höchsten Spitzen italienischer Kunst reichen noch nicht an die Anfänge

wahrhaft Deutscher,“ sagt er, ebenso überzeugungsvoll, als ungerecht,

und die Fremdwörter, welche sich zu seiner Zeit auf Titeln und in den

Vortragsbezeichnungen breit machten, auszumerzen, war sein eifrigstes

Bestreben. Als Brendel bei der Übernahme der Zeitschrift die Absicht

aussprach, sie in Zukunft mit lateinischen Lettern drucken zu lassen,

protestierte Schumann sehr heftig dagegen und erklärte, daß er dann

imstande sei, sie nicht wieder anzusehen. -- Endlich hat Schumann mit

den Neudeutschen die Doppelthätigkeit als Künstler und Schriftsteller

gemeinsam. Bei ihm ist diese Vereinigung zweier Talente, wie Liszt

vortrefflich ausführt, „noch durch das Verdienst erhöht, daß er

nicht unbewußt dem Drange der Verhältnisse nachgab und, nachdem er

diese erkannt, nicht erst die äußerste Notwendigkeit zum Handeln

abwartete. Nicht zufrieden, für seine Idee, die damals ebenso wenig

allgemein begriffen wurde, als sie es kaum in den nächsten Dezennien

sein dürfte, zu eifern, zu predigen, zu arbeiten, zu kämpfen, setzte

er für die erkannte Wahrheit Gut und Leben ein. Ein richtiger Blick

ist zu allen Zeiten sein Vorzug, seine Kritik liefert ein schönes

Beispiel eines prinzipiell strengen, faktisch wohlwollenden Geistes,

der anspruchsvoll für die Kunst, nachsichtig gegen die Künstler ist,

der gern aus seiner Heimat in den Wolkenschichten als freundlicher

Gast in bescheidenen Niederungen einkehrt, dem Vielwollenden vieles

verzeiht, redliche Gesinnung und beharrliches Streben ermuntert, sich

mutig und voll Zorn gegen reiche Geister erhebt, die ihren Reichtum

nicht zum alleinigen Nutzen der Kunst erheben wollen, der selbst im

Tadel sanft gegen Schwache ist und im Lobe selbst gebieterisch gegen

Erfolgreiche -- ehrlich aber gegen alle.“ Schumanns unmittelbaren

Schülern kann freilich der Vorwurf nicht erspart werden, die von ihm

erlernte stilistische Gewandtheit mehr dazu benützt zu haben, ihren

eigenen Witz auf Kosten des Kunstwerkes glänzen zu lassen, als es

verständnisvoll und wohlwollend zu beleuchten; allein wer wird den

Meister für die Verirrungen seiner Jünger zur Verantwortung ziehen? Er

hatte fürwahr eine höhere Meinung von dem ehrwürdigen Amte der Kritik:

„Thörichten, Eingebildeten schlägt sie die Waffen aus der Hand,“ sagt

er, „Willige schont, bildet sie; Mutigen tritt sie rüstig freundlich

entgegen: vor Starken senkt sie die Degenspitze und salutiert.“ Ferner:

„Wir gestehen, daß wir für die höchste Kritik halten, welche durch

sich selbst einen Eindruck hinterläßt, dem gleich, den das anregende

Original hervorbringt. In diesem Sinne könnte Jean Paul zum Verständnis

einer Beethovenschen Symphonie durch ein poetisches Gegenstück mehr

beitragen, als die Dutzend-Kunstrichter, die Leitern an den Koloß

legen, um ihn nach Ellen zu messen.“

Unter den zahlreichen, zum größeren Teile in die „Gesammelten

Schriften“ aufgenommenen, kritischen Artikeln Schumanns haben

namentlich zwei bedeutenden Einfluß auf den musikalischen Geschmack in

Deutschland gehabt; der eine über Berlioz, worin er den Wert dieses

zumeist als Halbverrückten behandelten Künstlers unbefangen aufdeckte,

ist besonders in methodologischer Hinsicht von außerordentlicher

Bedeutung und man hört es noch heute von Musikern, daß sie daraus mehr

wirkliches und nützliches Wissen schöpfen, als aus den umfangreichsten

Lehrbüchern musikalischer Gelehrsamkeit. In späterer Zeit wurde

Schumann allerdings empfindlicher gegen das Bizarre, Extravagante in

Berlioz’ Musik, doch blieb es immer sein Stolz, „mit der kritischen

Weisheit nicht zehn Jahre hinterdrein gefahren zu sein, sondern

im voraus gesagt zu haben, daß Genie in dem Franzosen gesteckt.“

Griepenkerls, von wahrem Fanatismus für Berlioz erfüllte Broschüre:

„Ritter Berlioz in Braunschweig“, besprach er, trotzdem gegen ihn

selbst polemisiert wurde, überaus freundlich und schloß mit den Worten:

„Möge die kleine Schrift gelesen werden; sie enthält manch blitzenden

Gedanken und konnte auf so vieles Unwürdige, Ignorantenhafte, was

neuerdings über Berlioz geschrieben worden ist, gar nicht ausbleiben.“

Dem merkwürdigen Künstler aber schlage, was um ihn vorgeht, alles zum

Besten aus, wie Goethe sagt im Tasso:

„Ruhm und Tadel

Muß er ertragen lernen, sich und andere

Wird er gezwungen recht zu kennen.“

Ganz anders gestaltete sich hingegen das Verhältnis Schumanns zu

einem anderen, nicht minder berühmten Pariser Musiker: Meyerbeer.

Nicht als hätte er bei diesem das große Talent verkannt, aber sein

unkünstlerisches Streben nach Effekt, die innere Hohlheit seiner Werke

stieß den idealistischen, ehrlichen Deutschen ab. Bedenkt man das

ungeheuere, durch die bezahlte Tagespresse erzeugte Ansehen, welches

Meyerbeer genoß und seinen verderblichen Einfluß auf den öffentlichen

Kunstgeschmack (es gab Leute, die ihn Mozart an die Seite stellten!),

so muß Schumanns Artikel gegen „Die Hugenotten“ als eine nationale und

künstlerische That bezeichnet werden. „Nie unterschrieb ich etwas mit

so fester Überzeugung als heute,“ sagte er am Schlusse des Aufsatzes

und auch späterhin ist er von seiner Meinung nicht abgekommen. Die

erste, nicht günstige Kritik über „Tannhäuser“ scheint, wenigstens

indirekt, Meyerbeer verschuldet zu haben, insofern, als Wagners

offenkundige Beziehungen zu ihm, Schumanns Argwohn erweckten. Mit

welchem Freimut er sein Urteil zurücknahm, sobald er sich von der

Unbilligkeit des Tadels überzeugt hatte, hörten wir schon.

Sowohl durch seinen gewählten, reinen und graziösen Stil, als durch

die treffende, harmonische Anwendung seiner Bilder gehört Schumann

unbedingt zu den hervorragendsten Schriftstellern der dreißiger

Jahre. Bis dahin hatte man in Deutschland selten Wissenschaftliches,

Vernünftiges und Richtiges über Musik in einem blühenderen Stil als

dem bei Lehrbüchern der Arithmetik gebräuchlichen vortragen gehört.

Schumann vermied diese Trockenheit der Fachmenschen, die in so wenig

anziehender Weise und immer nur vom technischen Standpunkt aus über

Musik derartig gesprochen hatten, daß man leicht von ihr selbst hätte

abgeschreckt werden können. Er wußte die Laien zu interessieren, denen

bisher die musikalischen Zeitschriften meistens für zu viel Langeweile

zu wenig Belehrung geboten hatten.

Wie Jean Paul die zwei kontrastierenden Seiten seines Wesens in

„Walt und Wult“ verkörpert hat, so Schumann bekanntlich das Seinige

in „Florestan und Eusebius“. In wie feiner Weise macht er sich nun

diese Fiktion für seine Kritik zu nutze! Er stellt Florestan als

Repräsentanten der abstrakten Kunst hin und Eusebius als das liebevoll

auffassende Künstlergemüt und vermochte, indem er bald diesem, bald

jenem das Wort erteilte, Doppelkritiken nach den bei der Beurteilung

notwendigen zwei Gesichtspunkten zu geben. Noch mehr. Er gewinnt

durch diesen Davidsbund auch eine prächtig sinnige Einkleidung für

seine kritischen Aufsätze. Als er neu erschienene Tanzlitteratur zu

besprechen hat, bedient er sich beispielsweise der Fiktion eines

Maskenballes, welchen die Bündler veranstalten und wobei die zu

besprechenden Stücke aufgespielt werden. Oder er berichtet über die

Gewandhauskonzerte des Oktober 1835 in Form von Briefen, die Eusebius

an Chiara (Klara) nach Italien schreibt. Auch recht lustige Episoden

weiß er gelegentlich zu erfinden, so wenn bei einer von Franzilla Pixis

gesungenen Donizettischen Arie „etwas sehr Nasses“ auf der Backe selbst

des gestrengen Kunstrichters Florestan sichtbar wird. Daheim läuft er

dann wütend auf und ab, vor sich hinsprechend: „O ewige Schande! O

Florestan, bist du bei Sinnen, hast du deshalb den Marpurg studiert,

deshalb das wohltemperierte Klavier seciert, kannst du deshalb den Bach

und Beethoven auswendig, um bei einer miserablen Arie von Donizetti

nach vielen Jahren so etwas wie weinen? Hätte ich die Thränen, zu

nichts wollt’ ich sie zerkratzen mit der Faust!“ Darauf setzt er sich

unter schrecklichem Lamentieren ans Klavier und spielt jene Arie so

wirtshausmäßig, lächerlich und fratzenhaft, daß er endlich beruhigt zu

sich sagen kann: „Wahrhaftig, nur der Ton ihrer Stimme war’s, der mir

so ins Herz ging!“

Die Idee des Davidsbundes wurde von den Freunden Schumanns ehedem viel

bewundert, ja, man dichtete allerhand Tiefsinnigkeiten in sie hinein.

„Vor allem mahne uns dieser Name,“ kommentiert Wedel (Zuccamaglio),

„an den ewigen, heiligen Bund der Dicht- und Tonkunst. Der Name des

gekrönten Sängers, der nur in gottbegeisterten Liedern sich verewigte,

deute uns immer das Verhältnis zwischen Kunst und Religion, erinnere

uns, daß die Sprache einer Geisterwelt nicht herabgewürdigt werden

darf, dem Niedrigen im Menschen zu schmeicheln und das Verwerfliche

zu übergolden und zu verbrämen.“ Solche Gedanken lagen wohl Schumann

ursprünglich fern. Er war, obgleich gut christlich gesinnt, doch

eigentlich keine tief religiöse Natur. Das erklärt sich aus der

Geistesrichtung der Periode, in welcher er lebte. Auch auf Unterschiede

zwischen den christlichen Konfessionen zu halten, fiel ihm nicht ein,

was schon durch den Umstand bewiesen wird, daß er, der doch Protestant

war, 1852 für die katholische Kirche in Düsseldorf eine Messe und ein

Requiem geschrieben hat.

Schließlich soll noch angeführt sein, daß Schumann in den Jahren

1837-39 darauf sann, dem nur in seiner Phantasie existierenden Bunde

wirkliches Leben zu erteilen, einen großen, deutschen Künstlerbund

zu begründen. Auch einen anderen derartigen Plan hegte er damals:

die Errichtung einer Agentur zur Herausgabe von Musikwerken, „welche

den Zweck hätten, alle Vorteile, die bis jetzt den Verlegern in so

reichlichem Maße zufließen, den Komponisten zuzuwenden.“ Man sieht,

auch an praktischen Vorschlägen ließ es dieser merkwürdige Geist nicht

fehlen, so wenig er selbst darnach geschaffen war, sie in Wirklichkeit

durchführen zu können. Immerhin muß man seinem richtigen, idealen

Wollen die gebührende Anerkennung entrichten.

Robert Schumanns Leben und Schaffen, stellt es nicht treu die Eigenart

seiner Zeit, des zweiten Drittels unseres Jahrhunderts dar? Es ist

das Zeitalter erneuter Regsamkeit auf dem Gebiete der Kunst, der

Wissenschaft und des öffentlichen Lebens. Überall zeigen sich Keime und

Ansätze, viel Enthusiasmus und Fleiß, aber geringe Thatkraft. Es ist

das Zeitalter politischer und geistiger Zersplitterung; aber auch der

Vorbereitung auf die später gewonnene Einheit; und Schumann strebte

weiter: nach Erfüllung wenigstens in der Kunst und setzte sein edles

Leben vergebens daran. Erst das künftige Geschlecht sollte ernten, wo

jenes gesäet hatte. Dank darum den emsigen Säeleuten und nicht zum

mindesten fürwahr unserem Meister. Seine Werke aber mögen im deutschen

Volke immer unvergeßlich bleiben!

[11] R. Hamerling, Prosa. Bd. 1: Meine Lieblinge (Hamb. 1891).

Register der Werke Robert Schumanns.

1. Numerierte Werke.

1. _Thème sur le nom Abegg._[12]

2. _Papillons._

3. Studien für Pianoforte nach Kaprizen von Paganini.

4. _Intermezzi._

5. Impromptüs über ein Thema von Klara Wieck.

6. Davidsbündlertänze. (Gewidmet Walther von Goethe.)

7. _Toccata._

8. _Allegro._

9. _Carnaval. Scènes mignonnes._

10. _VI Etudes pour le pianoforte d’après des caprices de

Paganini._

11. _Grande Sonate (dediée à Mlle. Clara Wieck)._

12. Phantasiestücke.

13. _Etudes symphoniques (dediée Sterndale Bennett)._

14. _Concert sans orchestre (dediée J. Moscheles)._

15. Kinderscenen.

16. Kreisleriana (gewidmet Friedrich Chopin).

17. Phantasie für Pianoforte (Franz Liszt).

18. Arabeske.

19. Blumenstück.

20. Humoreske.

21. Novelletten (Adolph Henselt).

22. Sonate Nr. II.

23. Nachtstücke.

24. Liederkreis von Heine (Mlle. Pauline Garcia).[13]

25. Myrthen. Liederkreis. („Seiner geliebten Braut“.)

26. Faschingsschwank aus Wien.

27. Lieder und Gesänge (Heft I).

28. Drei Romanzen für Pianoforte.

29. Drei Gedichte von Geibel für mehrstimmigen Gesang u.

Pianoforte.

30. Drei Gedichte von E. Geibel.

31. Drei Gesänge von A. Chamisso.

32. Scherzo, Gigue, Romanze und Fughette für Pianoforte, komponiert

1838-39.

33. Sechs Lieder für vierstimmigen Männergesang.

34. Vier Duette für Sopran und Tenor mit Pianoforte.

35. Zwölf Gedichte von J. Kerner.

36. Sechs Gedichte von Reinick.

37. Zwölf Gedichte aus E. Rückerts Liebesfrühling.

38. Erste Symphonie (_B-Dur_).

39. Liederkreis von J. v. Eichendorff.

40. Fünf Lieder (H. C. Andersen).

41. Drei Quartette (E. Mendelssohn).

42. Frauenliebe und Leben.

43. Drei zweistimmige Lieder mit Pianoforte.

44. Quintett für Pianoforte, Violinen, Viola, Cello (Klara).

45. Romanzen und Balladen (Heft I).

46. Andante und Variationen für zwei Pianoforte.

47. Quartett für Pianoforte, Violine, Viola und Cello.

48. Dichterliebe aus dem Buche der Lieder von Heine

(Schröder-Devrient).

49. Romanzen und Balladen (Heft II).

50. Das Paradies und die Peri von Th. Moore für Soli, Chor,

Orchester.

51. Lieder und Gesänge (Heft II), komponiert 1842.

52. Ouvertüre, Scherzo und Finale für Orchester.

53. Romanzen und Balladen (Heft III).

54. Konzert für das Pianoforte mit Orchester.

55. Fünf Lieder von R. Burns für gemischten Chor.

56. Studien für den Pedalflügel.

57. Belsazar, Ballade von Heine.

58. Skizzen für den Pedalflügel.

59. Vier Gesänge für gemischten Chor.

60. Sechs Fugen über den Namen Bach für Orgel.

61. Zweite Symphonie (_C-Dur_).

62. Drei Gesänge für Männerchor.

63. Trio für Pianoforte, Violine und Cello (_D-moll_).

64. Romanzen und Balladen (Heft IV).

65. Ritornelle von F. Rückert für mehrstimmigen Männergesang.

66. Bilder aus Osten. Impromptüs für Pianoforte zu vier Händen.

67. Romanzen und Balladen für Chor (I. Heft).

68. Album für die Jugend.

69. Romanzen für Frauenstimmen (Heft I).

70. Adagio und Allegro für Pianoforte und Horn.

71. Adventlied von F. Rückert für Sopran, Chor, Orchester.

72. Vier Fugen für Pianoforte (Carl Reinecke).

73. Phantasiestücke für Pianoforte und Klarinette.

74. Spanisches Liederspiel f. eine u. mehrere Stimmen m.

Pianoforte.

75. Romanzen und Balladen für Chor (II. Heft).

76. Vier Märsche für Pianoforte.

77. Lieder und Gesänge (Heft III).

78. Vier Duette für Sopran und Tenor mit Pianoforte.

79. Liederalbum für die Jugend.

80. Zweites Trio (_F-Dur_).

81. Genoveva (Oper in vier Akten nach Tieck und F. Hebbel).

82. Waldscenen (Neun Klavierstücke).

83. Drei Gesänge.

84. Beim Abschied zu singen. (Lied f. Chor m.

Instrumentalbegleitung).

85. Zwölf vierhändige Klavierstücke für kleine und große Kinder.

86. Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester.

87. Der Handschuh (Ballade von Schiller).

88. Phantasiestücke für Pianoforte, Violine, Cello.

89. Sechs Gesänge von W. von der Neun (Jenny Lind).

90. Sechs Gedichte von Lenau und Requiem.

91. Romanzen für Frauenstimmen (Heft II).

92. Introduktion und Allegro. (Konzertstück für Pianoforte mit

Orchester).

93. Motette „Verzweifle nicht“ von Rückert für doppelten Männerchor

und Orgel.

94. Drei Romanzen für Hoboe und Pianoforte.

95. Drei Gesänge von Byron mit Harfe oder Pianoforte.

96. Lieder und Gesänge (Heft IV).

97. Dritte Symphonie (_Es-Dur_).

98. _a_) Lieder aus „Wilhelm Meister“; _b_) Requiem für Mignon für

Soli, Chor, Orchester.

99. Bunte Blätter (14 Stücke für Pianoforte). ††[14]

100. Ouvertüre zur Braut von Messina für Orchester, kompon. 1851.

101. Minnespiel aus Rückerts Liebesfrühling für eine und mehrere

Stimmen mit Pianoforte.

102. Fünf Stücke im Volkston für Cello und Pianoforte.

103. Mädchenlieder von E. Kulmann f. zwei Soprane m. Pianoforte.

104. Sieben Lieder von E. Kulmann.

105. Sonate (_A-moll_) für Pianoforte und Violine.

106. Schön Hedwig (Ballade von Hebbel f. Deklamation u. Pianoforte).

107. Sechs Gesänge.

108. Nachtlied von Hebbel f. Chor u. Orchester. (Dem Dichter

gewidmet.)

109. Ballscenen für Pianoforte zu vier Händen.

110. Drittes Trio (_G-moll_). Niels Gade zugeeignet.

111. Drei Phantasiestücke für Pianoforte.

112. Der Rose Pilgerfahrt (Märchen nach Moritz Horn für Soli, Chor,

Orchester).

113. Märchenbilder (vier Stücke für Pianoforte und Viola).

114. Drei Lieder für drei Frauenstimmen m. Pianoforte, kompon. 1853.

115. Manfred (dramatisches Gedicht von Lord Byron).

116. Der Königssohn (Ballade von Uhland, für Soli, Chor, Orchester).

117. Vier Husarenlieder von Lenau.

118. Drei Klaviersonaten für die Jugend, komponiert 1853.

119. Drei Gedichte von S. Pfarrius.

120. Vierte Symphonie (_D-moll_).

121. Sonate (_D-moll_) für Violine und Pianoforte. (Ferd. David.)

122. Ballade vom Haideknaben von Hebbel. Die Flüchtlinge von

Shelley, für Deklamation und Pianoforte.

123. Festouvertüre mit Gesang über das Rheinweinlied.

124. Albumblätter (20 Klavierstücke). ††

125. Fünf heitere Gesänge.

126. Sieben Klavierstücke in Fughettenform, komponiert 1853.

127. Lieder und Gesänge.

128. Ouvertüre zu Shakespeares Julius Cäsar.

129. Konzert (_A-moll_) für Cello mit Orchester.

130. Kinderball (sechs leichte Tanzstücke zu vier Händen, für

Pianoforte, komponiert 1853).

131. Phantasie für Violine mit Orchester oder Pianoforte (J.

Joachim).

132. Märchenerzählungen (vier Stücke für Klarinette, Viola u.

Pianoforte, komponiert 1853).

133. Gesänge der Frühe (fünf Stücke für Pianoforte, kompon. 1853).

134. Konzert-Allegro mit Introduktion für Pianoforte mit Orchester,

komponiert 1853, (J. Brahms).

135. Gedichte der Königin Maria Stuart.

136. Ouvertüre zu Hermann und Dorothea. (Seiner lieben Klara.)[15]

137. Jagdlieder aus Laubes Jagdbrevier f. vierstimmigen Männerchor.

138. Spanische Liebeslieder für eine und mehrere Stimmen mit

Pianoforte zu vier Händen.

139. Des Sängers Fluch (Ballade nach Uhland, bearbeitet von R. Pohl

für Soli, Chor, Orchester).

140. Vom Pagen und der Königstochter (Balladen von Geibel, f. Soli,

Chor, Orchester).

141. Vier doppelchörige Gesänge.

142. Vier Gesänge, komponiert 1842.

143. Das Glück von Edenhall (Ballade nach Uhland, bearbeitet von

Hasenclever, für Soli, Chor, Orchester).

144. Neujahrslied von Rückert, für Chor und Orchester.

145. Romanzen und Balladen für Chorgesang (III. Heft).

146. Romanzen und Balladen für Chorgesang (IV. Heft).

147. Messe für vierstimmigen Chor mit Orchester.

148. Requiem für Chor und Orchester.

2. Unnumerierte Werke.

I. Scenen aus Goethes Faust, für Soli, Chor, Orchester.

II. Der deutsche Rhein von N. Becker, für Soli, Chor, Orchester,

komponiert 1840.

III. Soldatenlied von Hoffmann von Fallersleben. †

IV. Scherzo und Presto für Pianoforte. †

V. Kanon über „An Alexis“ für Pianoforte. †

[12] _op._ 1-23, ausschließlich zweihändige Klavierwerke.

[13] Wo nichts weiteres angegeben ist, sind die Lieder einstimmig mit

Begleitung des Pianoforte.

[14] Das Zeichen † bedeutet, daß die Entstehungszeit dieser, im Texte

nicht weiter berührten Komposition nicht bekannt ist, zwei ††,

daß das Werk aus mehreren zu verschiedenen Zeiten entstandenen

Stücken besteht.

[15] Die Werke von _op._ 136 an sind erst nach Schumanns Tode

erschienen.

+Ende.+

Musiker-Biographien

aus Reclams Universal-Bibliothek

Auber. Von Ad. Kohut. Bd. 17. Nr. 3389

J. S. Bach. Von Rich. Batka. Bd. 15. Nr. 3070

Beethoven. Von L. Nohl. Bd. 2. Nr. 1181/81 _a_

Bellini. Von Paul Voß. Bd. 23. Nr. 4238

Berlioz. Von Br. Schrader. Bd. 28. Nr. 5043

Bizet. Von Paul Voß. Bd. 22. Nr. 3925

Brahms. Von Richard von Perger. Bd. 27. Nr. 5006

Cherubini. Von M. E. Wittmann. Bd. 18. Nr. 3434

Chopin. Von E. Redenbacher. Bd. 30. Nr. 5327

Cornelius. Von Edgar Istel. Bd. 25. Nr. 4766

Franz, R. Von R. Freiherrn Procházka. Bd. 16. Nr. 3273/74

Gluck. Von Heinrich Welti. Bd. 9. Nr. 2421

Götz, Herm. Von G. R. Kruse. Bd. 36. Nr. 6090

Händel. Von Br. Schrader. Bd. 19. Nr. 3497

Haydn. Von Ludwig Nohl. Bd. 3. Nr. 1270

Liszt. 1. Teil. Von Lud. Nohl. Bd. 4. Nr. 1661

Schumann · 第 7 / 8 段