Wie süß klang dies unsern Ohren! Aber der Fürst hatte es nic

Reise

eines

Erdbewohners

in

den Mars

-- -- Pictoribus atque Poetis

Quodlibet audendi semper fuit

æqua potestas.

HORAT.

Philadelphia,

1790

Inspicere tamquam in speculum --

-- -- -- -- suadeo

TERENT.

Lange sah ich aus einem fremden Welttheile mit Aergerniß dem kindischen

Spiele zu, das Europa, in unserem tändlenden Jahrhunderte, mit

Luftballen und Luftschiffen trieb; und lachte über das wichtige Ansehn,

das man sich dabei gab, und über das Zettergeschrei, das man als über

eine nützliche und wichtige Erfindung erhob: ohngeachtet die Sache an

sich nichts mehr und nichts weniger ist, als was uns die Kinder alle

Tage mit ihren Saifenblasen und ihren papiernen Drachen sehen lassen,

die hoch in der Luft fliegen, wohin sie der Wind treibt; nur mit dem

Unterschiede, daß unsere Luftschiffe mit buntem Taffet überzogen, und

mit zierlichen Fränzchen verbrämt sind, und darin ein französischer

Windbeutel sitzt, luftig genug, um von der Luft getragen zu werden. Mehr

noch lachte ich, als ich darüber in meinen Büchern nachschlug, und in

^Sturmii colleg. curios.^ fand, daß bereits im Jahre 1670 ein Jesuite in

China, P. Lana, und ein gewisser P. Bartholomeo in Spanien, die Kunst in

der Luft zu schiffen ans Licht gebracht, und daß ersterer sogar ein Werk

unter dem Titel: ^Prodromo della arte maestra^, über diese Kunst, und

über die Einrichtung dieser Maschinen herausgegeben habe, worin er

bewieß, wie man ein Schiff in der Luft steuern und lenken könnte, wohin

man wollte.

Abermal -- sagt' ich -- eine Erfindung aus dem Alterthume, die unser

pralerisches Jahrhundert als seine eigene ausgiebt, und auch diese noch

dazu verstümmelt!

Ich dachte indeß der Erfindung des P. Lana nach, und sann auf Mittel,

sie ausführbar zu machen. Ich zog darüber andere Gelehrte zu Rathe,

verschrieb sogar derer aus entfernten Ländern, und da mir das Glück

beträchtliche Reichthümer beschert hatte: so sparte ich keine Kosten,

meinen Zweck zu erreichen. Es gelang uns. Mein Muth wuchs dadurch. Ich

verfiel nun darauf, daß es auch nicht unmöglich seye, eine Reise ausser

unserm Planeten zu machen, und beschloß ein- für allemal, den Versuch zu

wagen: denn in dem Unsrigen schien mir überdieß alles, durch die vielen

Reisenden und Reisebeschreibungen zu Wasser und zu Lande, so ganz

erschöpft, daß nicht ein Plätzchen handgros mehr übrig blieb, wovon sich

noch was hätte sagen lassen, das nicht schon hundertmal satirisch,

moralisch, politisch, geographisch, historisch, statistisch &c. &c.

gesagt worden wäre.

Da nun aber die größte Schwierigkeit, die, wie man bisher glaubte, die

Reise nach einem fremden Planeten unmöglich macht, darin besteht, daß

wir, aus Mangel an Luft, uns nicht ausser unserer Athmosphäre empor

schwingen können: so hatt' ich, mit Hülfe meiner Gelehrten, Mittel

erfunden, wodurch das Schiff mit einem solchen Vorrathe von Luft

versehen werden konnte, daß wir damit gar leichtlich in den oberen

Regionen auszureichen im Stande waren.

Wie dieß geschah -- und wie überhaupt das Schiff, das ich dazu errichten

ließ, gebaut war: hievon werd' ich noch einen besonderen Abriß, samt der

weitläufigen Beschreibung, veranstalten; um nicht, wie irgend ein

teutscher Reisebeschreiber, durch die Beschreibung meines Fahrzeuges,

beinahe den halben Raum meines Buches auszufüllen.

Da ich irgendwo gelesen hatte, daß ein gar gelehrter Mann in Preussen

hinten an seinen Reisewagen einen Meilenmesser hatte anbringen lassen,

so ließ ich nicht minder so ein Ding an den Schwanz meines Luftschiffes

befestigen: und nachdem mir ein großer Astrologe die ^Videnda^ im Monde

und in der Venus in meine Schreibtafel notirt hatte, so trat ich mit

meinem ältesten Sohne, einem Paare geschickter Naturkundiger -- die hier

die Luftsteuermänner waren -- und einigen Ruderknechten, im Zutrauen auf

Gott, mutig und getrost meine Reise an; eine Reise, die dem Publikum

vielleicht unglaublich scheinen dürfte, weil sie ihm noch unbekannt seyn

wird; welches aber davon kömmt: daß wir in meinem Welttheile weniger

öffentliche Neuigkeitstrompeter, als in Europa, haben, und ich nicht vor

der Zeit ein Geschrei davon -- wie die Europäer von ihrem Luftballen --

mit vollen Pausbacken in die Welt erheben wollte.

Wir waren, nach unserm Meilenmesser, etwa eine teutsche Meile weit über

die Oberfläche der Erde empor gekommen, als unsere Steuermänner, von

unserem Luftvorrathe Gebrauch zu machen, für nöthig fanden: welches sie

auch mit so viel Vorsicht und Geschicklichkeit thaten, daß wir die

Verschiedenheit der Sphäre, worin wir schwebten, kaum empfanden, und daß

unser Schiff mit einer bewundernswürdigen Schnelligkeit stäts weiter und

weiter sich himmelan hob.

Zum Unglücke zerbrach durch das Versehen eines unserer Ruderknechte der

Meilenmesser; und ich kann daher die geometrische Länge des Raumes, den

wir durchschifften, unmöglich bestimmen. Nur so viel weis ich noch, daß

unsern Steuermännern bereits wegen des Luftvorraths bange zu werden

anfing: als wir bemerkten, daß sich uns ein neuer Luftkreis öfnete, der

den Vorrath der Unsrigen unnöthig machte. Bald darauf schrien unsere

Leute: Land! Land! und wir wurden mit Erstaunen eine Art von Terrain,

wie dieses auf unserm Planeten gewahr, das sich immer weiter und weiter

ausdehnte, und uns endlich rings umgab. Mit einem Worte: wir befanden

uns -- im Mars!

Wir sahen itzt Wälder und Flüsse und Berge und Städte. Aber die

letzteren waren sehr verschieden von den Unsrigen. Die Häuser waren

nicht von Stein, sondern von einer weit leichteren, aber eben so festen

Masse erbaut, die der dasige Boden, wie der Unsrige die Steine,

hervorbringt. Was uns dabei von ferne am meisten frappirte, war, daß wir

verschiedene Häuser sich von der Stelle bewegen, und ziemlich geschwinde

fortwandeln sahen. Es hat damit folgende Beschaffenheit: Die Häuser sind

klein, niedrig, selten höher als ein Stockwerk, länger als breit, und

alle auf einer Art von Walzen so künstlich gebaut, daß man sie besonders

auf einem Boden, wie dieser, der gar nicht steinigt und sehr flach ist

-- leichtlich von einem Orte zum andern bewegen kann. Daher dann die

Vornehmern öfters in ihren Häusern nicht allein spatzieren fahren,

sondern auch wohl gar kleine Reisen machen, wozu man dort eine Art von

Thieren gebraucht, die unsern Kamelen viel gleichen, ausgenommen, daß

sie nicht den hohen Rücken derselben haben. Diesen Thieren ist eine

außerordentliche Stärke und Schnelligkeit eigen: ihrer zwei ziehen ein

mittelmäßiges Haus gemächlich fort, und laufen damit des Tages 12, 15

Stunden. Nur die Ersten und Reichsten des Landes lassen derer vier,

sechs oder acht vor ihre Häuser spannen; der Regent aber, oder, wie er

in der Sprache des Landes heist, der #Hochgewaltige# allein fährt -- mit

vier und zwanzigen! Geht er aus, so wird nach der Sitte des Landes der

ganze Weg, den er wandelt, mit Menschen belegt, auf deren Rücken er

einhertrit; ein Gebrauch, den aber der itzige Regent sich verbeten

hatte.

Die Beweglichkeit der Häuser verschaft den Inwohnern die Vortheile, daß

sie ihren Wohnort nach Belieben sehr leicht verändern können. Manche

Stadt wächst daher oft plötzlich zu der größten des Landes an, und ist

dann wieder auf einmal die kleinste; und auf manchen Stellen, wo keine

Hütte stand, sieht man itzt in einem Nu Städte hervorgehn. Allein auf

einer anderen Seite ist die Sache auch nicht ohne Ungemach. Es wird

nemlich für Schande gehalten, sich ohne sein Haus irgend wohin zu

begeben, das ist, zu Fuße zu gehn; weil dieß gewöhnlich nur solche Leute

thun, die keine eignen Häuser besitzen, welches in #Papaguan# -- so

heist dies Land -- nicht wenig entehret.

Bei unserer Ankunft hatte sich sogleich eine sehr große Menge von

Menschen um uns her versammelt, welche das sichtbarlichste Erstaunen

über eine so wunderbare Erscheinung an den Tag gaben. Bald sahen wir uns

von einer ungeheuren Schaar umringt, wovon uns viele betasteten,

befühlten, unser Schiff untersuchten, und durch Worte, die wir nicht

verstanden, dann durch Zeichen und Gebärden, Aufklärung über uns und

unsere Herkunft von uns zu erforschen bemüht waren.

Der Ruf von der seltsamen Erscheinung drang bis zu dem Hochgewaltigen.

Er schickte eine Gesandschaft an uns ab; und da ihm gesagt worden war,

daß wir eine Sprache sprächen, die niemand verstünde, so hatte er die

Vorsicht gebraucht, drei der gelehrtesten Priester zu diesem Amte zu

wählen, die den Ruhm behaupteten, daß sie allein jede Sprache

verstünden, die außer ihnen niemand verstehe --

Das Volk zertheilte sich ehrerbietig, als sie auf uns zukamen, und wir

schlossen daraus auf ihre Würde und die Art ihres Geschäftes. Wir

empfingen sie demnach mit aller Höflichkeit und Ehrerbietung, und

nachdem sie uns in mehrern Sprachen angeredet hatten, die uns alle

gleich unverständlich waren, glückte es einem, sich in einem Mischmasch

verständlich zu machen, das meist aus korruptem Latein bestand, und auf

diesem Planeten, wie wir nachher bemerkten, unter die galanten Sprachen

gehörte.

Er erklärte uns den Auftrag seines Fürsten, und ich sagte ihm dagegen,

daß wir aus einem fremden Planeten kämen; und daß uns ganz allein die

Begierde hieher geführt habe, unsere Kenntnisse zu erweitern. -- Wie?

was? aus einem fremden Planeten -- schrien sie alle ganz erstaunt: --

giebt es denn auch noch eine Welt außer der Unsrigen? einen Planeten,

der bewohnt wird, außer dem Unsrigen? -- Ich nahm meinen Beweiß davon

her, weil wir selber Bewohner dieser fremden Planeten wären. Allein ich

hatte Mühe, sie von der Wahrheit dessen und von der Art zu überreden,

wie wir hieher gekommen waren. Waren sie erstaunt über einen fremden

bewohnten Planeten: so waren sie es itzt nicht weniger über unsere

Erfindungskraft, unsern Muth und unsere Wißbegierde, die uns zu diesem

tiefgedachten, gefahrvollen Unternehmen veranlassen konnten.

Der Vornehmste darunter führte uns in sein Haus, und bat uns hier zu

verziehen: indeß er mit den übrigen hinging, dem Hochgewaltigen von dem,

was er gehört hatte, Bericht zu geben.

Er kam lange darnach wieder, und sagte uns, daß der Hochgewaltige morgen

nach dem Aufstehen uns zu sprechen verlange. Hierauf war er so gefällig,

und erbot sich, uns das Merkwürdigste des Ortes zu zeigen. Wir nahmen

das Anerbieten mit Dank an, und er führte uns in den Tempel.

Es war ein weites, längliches Rondel; rings umher waren Opferaltäre. Wir

fragten, wem hier geopfert würde?

#Der Priester.# Dem Herrn der Heerschaaren, dem Wesen aller Wesen, dem

Schöpfer des Himmels und der Welt.

#Wir.# Was opfern Sie ihm?

#Priester.# Ihn selbst!

Wir stutzten. »Sie müssen wissen -- sprach der Mann, mit Stolz und Feuer

-- daß wir, die Priester dieses Gottes -- die Gewalt besitzen, unsern

Gott, wann es uns beliebt, vom Himmel herab zu bannen.« Wir erschraken!

#Ich.# Aber wie opfern Sie ihn dann?

#Er.# Wir essen ihn

Wir sahen uns an, und wußten nicht, ob wir über die Raserei lachen, oder

über die Vermessenheit zürnen sollten. Ist dieß möglich? riefen wir alle

voll Erstaunen: also ist Ihr Gott ein körperliches Wesen?

#Er.# Er war es ehemals, als er auf unsere Welt kam, und wird es auf

unser Gebot wieder, so oft wir ihn opfern.

#Ich.# Folglich ist er auch sichtbar? und wie zeigt er sich denn?

#Er.# Er ist weder sichtbar, noch zeigt er sich.

#Ich.# Und doch essen Sie ihn? und doch ist er in dem Augenblick ein

körperliches Wesen? Erlauben Sie uns, zu fragen: wie sich dieß

vereinbaren läßt, und woher Sie wissen, daß Sie etwas essen, das nicht

sichtbarlich ist, und sich keinem Ihrer Sinne zeigt?

#Er, mit einem feierlichen Anstande.# Meine Herren! dieß sind heilige

Geheimnisse unserer Religion, woran ein Mensch nicht zweifeln darf, wenn

er nicht die Rache seines Gottes über sein Haupt laden will. Die

Religion befiehlt, zu glauben -- und dieß ist der zureichende Grund,

gegen den die Vernunft sich zu empören nicht wagen darf.

#Ich.# Verrichten Sie dieß Opfer öfter im Jahre? und welche sind diese

Feste?

#Er.# Jeder von uns an jedem Orte, so weit unsere heil. Religion reicht,

verrichtet es gewöhnlich alle Tage einmal.

#Ich, ganz erstaunt.# Jeder alle Tage einmal! Ihr Gott muß also sein

körperliches Wesen jeden Augenblick mehr als tausendmal vervielfältigen,

um beständig Ihrem Gebote gehorsam, an mehr als tausend Orten, zu

gleicher Zeit hernieder zu kommen? Wie ist dieß möglich?

#Er.# Dieß ist eben das große Wunder, das unbegreifliche Geheimniß

unserer heil. Religion.

#Ich.# Man muß wenigstens gestehen, daß ihr Gott ausserordentlich

gefällig und herablassend ist -- Aber Sie sagten auch vorhin, daß er

ehemals auf Ihrer Welt körperlich herum gewandelt sei. Hat ihn jemand

unter Ihnen gekannt?

#Er.# Bewahre! Es sind seither schon mehr als fünfhundert Jahre[1]

verflossen: so alt wird bei uns niemand.

#Ich.# Woher wissen Sie's dann also?

#Er.# Verschiedene seiner Freunde, die mit ihm zu gleicher Zeit lebten,

haben uns die Zeugnisse davon in einem großen Buche hinterlassen, worin

sie seine Thaten und Reden hienieden aufzeichneten, und wovon das

geringste zu bezweiflen, Sünde wäre -- in einem Buche, dessen Ansehn und

Glaubwürdigkeit göttlich, d. h. untrüglich ist, und welches wir, in

zweifelhaften Fällen, auszulegen alleine Macht von Gott haben.

[Fußnote 1: Ein Jahr im Mars macht 3½ Jahre der Unsrigen.]

#Ich.# Allen Respekt vor diesem Buche, das Freunde schrieben -- und

Priester auslegen -- Aber wie kam dann Ihr Gott auf Ihre Welt?

#Er.# Er ward durch eine Jungfrau, gemeinen Standes, geboren, die

versicherte: daß er nicht von einem Manne, sondern von der Kraft des

Himmels in ihr gezeugt worden war, und daß ein Engel in der

Abenddämmerung ihr es vorher verkündigt, worauf sie gleich empfangen

habe; und zwar ohne Verletzung ihrer Jungferschaft: und eben so

unverletzt gebar sie!

#Ich.# Sonderbar! also nicht durch den natürlichen Weg?

#Er.# Wie anders?

Vielleicht, dacht' ich, ist hier das weibliche Geschlecht anders, als

bei uns, beschaffen. Da ich aber meine Neugierde darüber nicht geradezu

äußern wollte: so fragt' ich durch Umwege.

#Ich.# Aber sagen Sie uns doch zur Güte, wie haben wir dies zu

verstehen: durch Kraft des Himmels empfangen, und ohne Verletzung der

Jungfrauschaft gebären?

#Er, mit einer andächtigen Zuckung.# Das ist eben wieder das heilige,

unerforschliche Geheimniß, vor dem wir unsere schwache Vernunft tief

beugen müssen.

#Ich.# Woher wußte man aber dann, daß alles, was diese gemeine

Weibsperson sagte, so pünktlich wahr sei? War etwa die Erscheinung und

die Verkündung des Engels von Zeugen gesehn und gehört -- war die

Jungfrauschaft nach der Geburt untersucht worden??

#Er, hitzig mit rollendem Auge.# Gott bewahre! was denken Sie? Aber der

Herr mag Ihrer Unwissenheit vergeben: sonst würden Sie schwere

Verantwortung über das schändliche Mißtrauen und über die

Unehrerbietigkeit zu geben haben, die Sie gegen seine göttliche Mutter

bezeigen.

Ich entschuldigte mich mit meiner unschuldigen Absicht und meiner

Unwissenheit, und fuhr fort: Was machte dann Ihr Gott auf Ihrer Welt?

und was bewog ihn, auf so sonderbare Weise sich einzustellen?

#Er.# Das Selenheil aller Menschen!

#Ich.# So verwundre ich mich, daß er nicht auch auf unsern Planeten kam:

da wir doch auch Menschen sind. Aber ich bitte, mir dies etwas

deutlicher zu machen.

#Er, indem er die Augbraunen hoch aufzog, und einen frommen Blick daraus

gen Himmel schoß.# Gott war wegen der Sünde eines Menschen, des

Stammvaters, gegen das ganze Geschlecht aller Nachkommen so sehr

ergrimmt: daß er sie alle ewig zu verderben drohte.

#Ich.# Schröcklich! ist dann Ihr Gott nicht gerecht, nicht barmherzig?

#Er.# Wer zweifelt?

#Ich.# Und er konnte doch so rachgierig gegen eine ganze unschuldige

Nachkommenschaft seyn, die für die Schwachheit ihres Stammvaters nicht

das Geringste konnte?

#Er, ernsthaft und mit verbissenem Zorne.# Die Rathschlüsse Gottes, mein

Herr! sind unerforschlich; und es kömmt uns kurzsichtigen Menschen nicht

zu, darüber zu richten. -- Kurz; der Sohn Gottes übernahm es daher --

#Ich.# Ihr habt also mehrere Götter?

#Er.# Keineswegs; sie sind eins.

#Ich.# Aber der Vater kann ja unmöglich der Sohn, und der Sohn unmöglich

der Vater sein!

#Er.# Das sind wieder Geheimnisse unserer heil. Religion, die der

schwache Menschenverstand nicht ergründet. Der Sohn Gottes, sag ich,

übernahm es daher, den Vater zu versöhnen.

#Ich.# Das war schön von Eurem Sohne Gottes. Aber warum kam er deswegen

auf Eure Welt? War dann der Vater, den er versöhnen wollte, nicht im

Himmel?

#Er.# Wohl, da war er. Aber die Versöhnung mußte hienieden vollbracht

werden, und zwar -- so war es von Gott beschlossen -- durch den

grausamsten Tod seines Sohnes!

#Wir alle voll Entsetzen.# Wie? Was?

#Er.# Nicht anders! Und dessen allen ohngeachtet -- so gros ist noch der

Zorn des beleidigten Gottes -- würde Er uns doch alle ewig verderben;

wenn man uns nicht nach unserer Geburt die Köpfe, unter gewissen

Cärimonien, mit Wasser wüsche; wodurch die Schuld der Sünde vollends von

uns abgespült wird.

#Wir, ausser uns.# Wie? Euer Gott konnte den Tod seines Sohnes wollen --

um für ein unschuldiges Geschlecht versöhnt zu werden? wollte dies

Geschlecht ewig verderben: wenn nicht sein Sohn den grausamsten Tod für

selbes stärbe? wäre damit noch nicht zufrieden: wenn man nicht eines

jeden Kopf nach der Geburt mit Wasser wüsche? -- Und Ihr könnt dieß

sagen, und fühlt nicht, daß Ihr die plumpsten, abgeschmaktesten Lügen

sprecht, und ihn zum eigensinnigsten, boshaftesten Tyrannen macht? Oder

wer anders, als ein Tyrann, kann den Tod seines Sohnes, als ein Opfer

verlangen, um seine Rache gegen arme unschuldige Menschen zu sättigen?

Wer anders, als ein Tyrann kann mit solcher Rachsucht eine ganz

unschuldige Nachkommenschaft für das Vergehen eines Einzigen verfolgen,

woran sie keine Schuld haben?? --

Wir hatten in der Hitze, über die allzugroben Beleidigungen der gesunden

Vernunft, nicht bemerkt, daß unser Mann, während unserer Rede, in eine

Art von konvulsivischer Bewegung gerieth. Seine Muskeln schwollen, sein

Gesicht war aufgetrieben, und seine Augen flammten, und rollten

fürchterlich umher. Er schnaubte vor Wuth, eilte schnaubend nach der

Thüre, und rief unter das Volk, das sich, um uns zu sehen, versammelt

hatte: »Ketzer! Tempelschänder! Gotteslästerer! ergreift sie! werft sie

heraus! steiniget sie!«

Das Volk drang hierauf mit wildem Getöse, wie ein reissender Strom, in

die Kirche, ergriff uns, und schleppte uns, auf Befehl des Priesters,

mit sich fort. Der Zusammenlauf war erstaunlich. Wir wurden

gemißhandelt, mit Steinen geworfen, und, unter dieser Begleitung, in

einen Thurm gebracht, worinn man uns tief unter der Erde in stinkende,

feuchte Gewölber sperrte.

Hier hatten wir nun Zeit, Ueberlegungen anzustellen, über das, was

vorgefallen war. Wir fanden in allem, was uns der Pfaffe gesagt hatte,

nichts, als die gröbsten Widersprüche und den plumpsten Unsinn, den er

allemal unter dem Namen: Religionsgeheimnisse, versteckte. Wir konnten

daher nicht begreifen, wie man all dies Gespinnste eines verrückten

Gehirns für so heilig und ehrwürdig halten konnte, daß man Fremden, die

es nicht dafür hielten, mit dieser Raserei und Grausamkeit zu begegnen,

fähig war; und unser Resultat war: daß wir im Lande der Verrückten

wären. --

Die Nacht schien uns in unserem scheußlichen Aufenthalt eine Ewigkeit.

Schlaflos brachten wir sie in banger Erwartung dahin. Hundertmal

verfluchten wir den unglücklichen Gedanken, nach einem fremden Planeten

zu reisen. Der Morgen kam endlich, und wir wurden abgeholt, und in die

Residenz des Hochgewaltigen geführt, weil dieser ausdrücklich verlangt

hatte, selbst bei der Untersuchung gegenwärtig zu sein.

Hier wurden wir in einen großen Saal gebracht. Eine Schaar von Pfaffen

war darinn um einen Tisch versammelt, an welchem der Hochgewaltige

obenan saß. Der Pfaffe, der uns hatte ergreifen lassen, brachte seine

Klage gegen uns in der Sprache an, die er mit uns gesprochen hatte. Er

beschuldigte uns: daß wir Gott geläugnet, und ihn mit den

abscheulichsten Ausdrücken gelästert hätten, die er zu wiederholen sich

fürchte. Er sagte, wir wären Abgesandte des Teufels, die durch

teuflische Gewalt hieher gekommen wären, um teuflisches Gift

auszubreiten; und schloß mit dem Beweise, daß wir alle schuldig wären,

ohne Barmherzigkeit lebendig verbrannt zu werden! dies sei das einzige

Opfer, wodurch die erzürnte Gottheit für ihre gelästerte Majestät und

ihren geschändeten Tempel besänftiget werden könne. Er drohte mit den

fürchterlichsten Strafen: wenn dies nicht geschähe. Alle übrigen

stimmten mit Hitze ihm bei, und schwuren, daß wir des Feuers schuldig

wären!

Ich zitterte bei diesen Worten am ganzen Leibe, und wenig hatte gefehlt,

daß ich umgesunken wäre. Ich sah uns alle schon in den helllichten

Flammen, als der Hochgewaltige anhub: »Es ist billig meine Herren! daß

wir diese Fremdlinge hören, ehe wir sie verdammen.« Er gebot uns hierauf

zu sagen, wer und woher wir wären, wie und warum wir hieher kämen?

Ich bekam dadurch wieder etwas Muth, und begann meine Rede, worinn ich

ihm sagte: daß wir angesehene Männer von gutem Stande aus einem fremden

Planeten wären, den man Erde hieße, daß wir die Ersten auf unserer Welt

die Erfindung gemacht, und ins Werk gesetzt hätten, in fremde Planeten

zu reisen; ich gab ihm, so viel möglich, Begriffe von dieser Erfindung,

und sagte, daß die Begierde, Entdeckungen zu machen, neue nützliche

Kenntnisse für uns, unser Vaterland, und unsere Nachkommen zu sammeln,

uns veranlaßt hätte, von dieser Erfindung Gebrauch zu machen. Ich kam

nun auf den streitigen Punkt, und erzählte ihm, wie uns der Priester

gesagt habe: daß Leute seines Standes Gott vom Himmel herab zu

beschwören Macht haben, daß sie Gott selbst ihrem Gotte opfern, und --

ihn essen, ohne daß er sich ihnen auf irgend eine Art zeigt; daß er der

Sohn einer Weibsperson sei, die mit ihm, ohne Zuthun eines Mannes, durch

himmlische Kraft schwanger geworden; daß er darum auf diese Weise in die

Welt gekommen sei, um seinen himmlischen Vater -- der doch mit dem Sohne

eins wäre -- mit dem unschuldigen Menschengeschlechte hienieden, für die

Sünde des Stammvaters auszusöhnen; daß der himmlische Vater sich nicht

anders habe wollen besänftigen lassen, als dadurch, daß sein Sohn den

grausamsten Tod für dieses Geschlecht starb; und dem ohngeachtet sei

noch der Zorn des väterlichen Gottes so gros, daß auch dieser Tod das

unschuldige Menschengeschlecht nicht retten würde, wofern nicht jedem

nach seiner Geburt der Kopf, unter gewissen Cärimonien, mit Wasser

abgewaschen würde; daß wir dies alles für unwahr und der Gottheit für

nachtheilig, für gotteslästerlich gehalten und erklärt hätten; daß wir

viel zu hohe, ehrerbietige Begriffe von Gott hätten, um zuzugeben, daß

er solch eines boshaften Eigensinns und solcher Rache, wofür wirs in

unserer Unwissenheit gehalten hätten, gegen ein ganzes unschuldiges

Geschlecht und gegen seinen eigenen Sohn fähig seyn könne; daß wir aber

sehr gerne bereit wären, unsere Meinung zurück zu nehmen, wenn dies, was

uns der Priester gesagt, wirklich wahr sei; daß wir uns nicht für

verbunden gehalten hätten, Dinge, die bei uns so ganz der Vernunft

gerade entgegen liefen, auf das Zeugnis eines andern zu glauben; daß man

uns übrigens unsre Unwissenheit, die dabei sei, als Fremden zu gute

halten müsse; daß wir nie so etwas würden gesagt haben, wenn wir von der

Warheit des Gegensatzes wären genugsam belehrt gewesen; weswegen ich den

Hochgewaltigen und die Priester sehr beweglich um Vergebung bat. --

Itzt entstand unter den Pfaffen ein lautes Gemurmel, mit zürnenden

Blicken auf uns begleitet. Aber der Hochgewaltige nahm das Wort, und

sagte: »Diese Fremden sind unschuldig! Was sie gesagt haben, sagten sie

aus Unwissenheit, und der Unwissende kann nicht sündigen. Ihr seid frei

-- fuhr er zu uns fort -- aber hütet Euch, das Geringste von den

Gegenständen unserer Religion ferner zu berühren.«

Wie süß klang dies unsern Ohren! Aber der Fürst hatte es nicht sobald

gesprochen, als alle Pfaffen zugleich auffuhren. Sie riefen ihren Gott

zum Rächer unserer Frevelthaten, fluchten uns, und drohten die

schröcklichsten Strafen Gottes dem Lande und dem Fürsten, der solche

Bösewichte, wie wir, schütze. Und in dem Augenblicke verließen sie alle

den Saal, liefen unter das versammelte Volk, streuten die Funken des

Aufruhrs unter sie, und feuerten sie an, ihrem Gott und der heil.

Religion an uns ein Opfer zu bringen, wenn sie nicht wollten, daß Gott

das ganze Land züchtige, worinn solche Gottlosigkeit ungestraft verübt

werden könne.

Sogleich brannte unter dem schon gährenden Volke die helle Flamme des

Aufruhrs. Mit wildem fürchterlichen Geschrei forderten sie, daß uns der

Fürst ihrer Rache überliefern sollte. Dieser hatte nicht sobald den

Lärmen gehört, als er uns sogleich einige sicher gelegene Zimmer in

seinem Schlosse zu unserm Aufenthalt anzuweisen befahl, wo wir indeß

unserer Gemächlichkeit pflegen, und mit allen Bedürfnissen sollten

versehen werden. »Es ist eine Art von Vergütung,« setzte dieser

vortrefliche Fürst hinzu: »die ich Ihnen für das in meinem Lande

erlittene Unrecht und für Ihre große, rühmliche Erfindung schuldig zu

sein glaube. Ich hoffe, daß Sie mir die Gelegenheit sobald nicht

entziehen werden, Ihnen zu zeigen, daß ich auch fremdes Verdienst zu

schätzen wisse.« Zugleich gab er einem seiner Hofschranzen Ordre, daß er

die wahre Beschaffenheit der Sache dem Volke kund thun, und, wenn sich

dasselbe nicht beruhigen würde, die Häupter des Aufruhrs ergreifen, und

in die tiefsten Gefängnisse werfen lassen sollte. »Wollte Gott!« setzte

er hinzu: »dies wäre der schlimmste und gefährlichste Handel, den mir

meine Pfaffen in meinem Lande angerichtet haben.« Wir beurlaubten uns

mit gerührtem Herzen, und mit den Ausdrücken der innigsten Dankbarkeit

und Verehrung, indem wir zugleich baten, daß er doch auch für die

Sicherheit unseres Luftschiffes und unserer Ruderknechte Masregeln

treffen mögte, welches er uns auf die liebreichste Weise versicherte,

und nachher auch hielt.

Wir wurden indeß in unsern Zimmern auf das Prächtigste und Beste

bewirthet. Der Wohlgeschmack der Speisen und die Köstlichkeit des

Getränkes, womit wir bedient wurden, ist allem weit vorzuziehen[2], was

ich auf Erden je genossen habe. Wir ließens uns den Rest des Tages

hindurch so wohl schmäcken, daß wir der Gefahr, die uns drohte, gänzlich

vergasen. Der Fürst ließ uns auch, zu unserer Beruhigung, sagen, daß wir

nichts mehr fürchten mögten, und daß das Ungewitter sich bereits völlig

vorbei gezogen habe. --

Ich sollte hier vielleicht Zimmer und Betten und jedes einzelne Stück

von Möbeln und Moden und Putz beschreiben, und den Unterschied und die

Aehnlichkeit von dem und jenem, zwischen diesem und unserm Planeten

anführen; allein da ich nicht für unsere üppigen, modernen Dratpüppchen,

weder männlichen noch weiblichen Geschlechts, sondern für Denker

schreibe, und mir all dies Zeug von Herzen zuwider ist; so wird man hier

dergleichen vergebens suchen; und sollte nun auch gleich ein Solcher,

oder eine Solche, die hier so was zu finden glaubten, mein Büchlein voll

Verdruß aus den Händen werfen, und schnarren: »^Voilà, qui manque de bon

sens!^« --

[Fußnote 2: Man erinnere sich, daß ein Mann spricht, der seine ganze

Lebenszeit entweder auf dem Meere, oder in einem entfernten, wenig

kultivirten Welttheile, ausser dem Umgange mit den verfeinerten

Menschen, zugebracht hat; der zwar ein gutes Herz, einen hellen Kopf und

viele Liebe zu den Wissenschaften hat, aber bei all dem _roher

Naturmensch_ ist, wie seine Herren Reisegefährten. Wäre der Mann in

Frankreich gewesen, hätte ihre Ragouts, ihre Fricassees, ihre Saucen &c.

gekostet, er würde diese Sprache gewiß nicht führen. Das ließen sich

unsere französischen Köche nicht nachsagen. A. d. V.]

Doch zur Sache zurücke. Des andern Morgens kam ein Bedienter, der uns im

Namen des Hochgewaltigen zur Mittagstafel lud. Wir erschienen, und

trafen daselbst eine große Gesellschaft von Adel, die theils von

Neugierde aus der Gegend herbei geführt, theils von dem Hochgewaltigen

gebeten worden waren. Die Tafel war niedlich und mit Geschmack, aber

nicht üppig, noch überflüßig bestellt. Das Sonderbarste dabei schien

uns, daß die Gerichte nicht aufgetragen wurden, sondern, daß die Tafel

-- nach dasiger Gewohnheit -- mit allen Gerichten zumal durch Federkraft

sich aus dem Boden hob, und eben so wieder versank, indem die zweite

Tracht empor stieg, u. s. w. Man war dadurch von der oft lästigen

Gegenwart der Bedienten befreit, die selten ab- und zu giengen. Die

schönste Zierde der Tafel war eine gesegnete, liebenswürdige Familie --

zehn Kinder, Söhne und Töchter, alle blühend und schön und eine eben so

schöne, vortrefliche Mutter!

Die ganze Gesellschaft behandelte uns wie ihres Gleichen, und als ob wir

schon lange unter ihnen wären, und ihnen angehörten. Jene frostige

Steifigkeit, die an europäischen Höfen herrscht, schien hier gar nicht

bekannt zu sein. Selbst die Bedienten wurden nicht, nach europäischer

Sitte, wie die abgerichteten Hunde exerzirt. Man sprach zu ihnen mit

Güte und Sanftmuth; sie sprachen selbst mit in die Gespräche der

Gesellschaft, und was man von ihnen verlangte, geschah mehr im bittenden

Tone, als im barschen befehlenden Tone der Europäer. Ich mußte viel von

unseren Sitten und unsern Gewohnheiten erzählen, und sie belustigten

sich nicht wenig über unsere sogenannte Hofetiquette und die steife

Feierlichkeit unserer Höfe.

Als wir von der Tafel aufgestanden waren, und sich die Gäste bereits

entfernt hatten, bezeugten wir dem Fürsten unsern Dank für seine

Gastfreiheit, und sagten, daß wir es für Misbrauch seiner Gnade hielten,

länger zu bleiben, und daß wir uns etwas weiter auf dem Planeten umsehen

wollten. »Daraus wird so geschwinde noch nichts,« fiel er ein: »Ich

hoffe doch -- fuhr er lächelnd fort -- daß meine Pfaffen Ihnen nicht

werden so bange gemacht haben, daß Sie nicht länger in meinem Lande

bleiben wollen? Vergessen Sie das Vergangene. Ich selbst muß mir von

dieser Race von Menschen in meinem Lande sehr vieles gefallen lassen.

Sein Sie versichert, daß ich außerdem die grausame Gewalt, die man an

Ihnen verübt hat, gewiß scharf würde bestraft haben. Ich bin Fürst, aber

diese Menschen haben mehr Gewalt über meine Unterthanen, als ich. Sie

schleichen überall in den Häusern umher, wissen die Herzen durch den

Schein von Religion und Frömmigkeit, Demuth und Sanftmuth zu gewinnen,

und niemand hat weniger Religion und Frömmigkeit, weniger Demuth und

Sanftmuth, als sie. Sie lehren das Volk die Verachtung der Güter

hienieden; machen es glauben, daß das Gebet allein Segen und Fülle

bringe, und eignen sich besondere Kraft im Beten zu. Gott stellen sie

als einen eigensinnigen Tyrannen dar, der mit ewigen grausamen Martern

für zeitliche Vergehen strafe, und den sie allein zu zähmen Macht haben;

geben vor, daß sie die Gewalt besitzen, dem Menschen seine Sünden zu

erlassen, und versprechen ihm den Himmel, oder drohen ihm mit der Hölle,

wies ihr Vortheil fodert. Sie lehren das Volk allerlei Aberglauben, und

schreiben sich die Macht zu, allerlei Uebel durch übernatürliche Gewalt

zu vertreiben. Für all ihre Betrügereien wissen sie Stellen aus einem

Buche anzuführen, das sie für ein göttliches, untrügliches Buch

ausgeben, und das sie alleine auszulegen, sich die Macht von Gott

anmaßen. Das arme, getäuschte Volk setzt daher sein ganzes Zutrauen in

sie; streitet mit Blut und Leben für ihr Ansehen und ihre Lehren;

glaubt, alles durch die Gebete der Pfaffen zu erhalten, und giebt ihnen

gerne den letzten Heller, damit sie dafür beten, und diesem oder jenem

Uebel durch ihre übernatürliche Gewalt abhelfen mögen; denn Sie müssen

wissen, meine Herren! daß diese Leute sich für ihr Gebet reichlich

bezahlen lassen, und um Geld ihren Gott am Altare opfern und essen. So

geschiehts dann, daß das Volk äußerst dumm und arm ist, während diese

Betrüger von ehrwürdigem Ansehen, in Reichthum und Ueppigkeit schwelgen,

sich wie Ungeziefer vermehren, und die Güter meines Landes im Müßiggange

verzehren. Und wehe dem Manne, der ihre Betrügereien aufdecken wollte!

Sie nennen ihn einen Ketzer, einen Unglaubigen, einen Gottesläugner;

denn sie verweben ihr Ansehn stets mit dem Ansehn Gottes und der

Religion, und wissen ihn durch ihren ausgebreiteten Einfluß beim Volke

überall so anzuschwärzen, daß er bald der Gegenstand des allgemeinen

Hasses und der Verfolgung wird, und nicht selten auf dem Eschaffote,

oder im Kerker sein Leben endigt. Vom letztern hätten sie bald selbst

eine leidige Probe abgegeben.«

Kalter Schauer überlief mich, während dieser Schilderung, am ganzen

Leibe, und mein Vorhaben ward dadurch nur befestigt, dies Land bald zu

verlassen. Ich erklärte meinen Vorsatz dem Hochgewaltigen unter dem

Vorwande: daß wir nicht lange von Hause sein könnten. Wenn Eure

Hochgewalt -- setzt' ich hinzu -- uns noch eine Gnade erzeigen wollen,

so bitten wir, daß Sie uns an andere Höfe Empfehlungsschreiben mitgeben

möge. »Nun!« -- sagte der Fürst, mit einem Blick und einem Tone, der die

ganze Güte seines Herzens ausdrückte -- »wenn Sie mich dann durchaus

schon verlassen wollen; so rathe ich Ihnen nach Momoly zu reisen; es ist

der merkwürdigste Theil unserer Welt -- und Sie werden auf dieser Reise

noch ein Paar Königreiche, Plumplatsko und Biribi sehen, durch die Sie

Ihr Weg führt, und wohin ich Ihnen Empfehlungen mitgeben werde. Aber,«

fuhr er fort, »wie denken Sie Ihre Reise zu machen? Wenn Sie in Ihrem

Luftschiffe fahren, könnten Sie leicht die Orte verfehlen, wo Sie sich

niederlassen sollen.«

Nun hatte man, ausser der oben beschriebenen Art zu reisen, noch eine

andere, die darinn bestand, daß man in einer Gattung von besonders dazu

gebauten Kästen, worinn ihrer mehrere sitzen konnten, von einem Paare

der oben gemeldten Thiere getragen ward. Wir beschlossen daher mit

unserem Luftschiffe so weit zu fahren, als es uns beliebig sein würde,

das Schiff, unter der gewöhnlichen Aufsicht unserer Ruderknechte, dort

zurück zu lassen, und unsere Reise auf obige Art zu Lande fortzusetzen.

»Den morgenden Tag aber,« sagte der liebenswürdige Fürst, »müssen Sie

mir noch schenken,« und wir bewilligten es mit Vergnügen.

Unter diesen und dergleichen Gesprächen, die alle von dem sanften, edlen

Herzen und dem hellen Kopfe dieses vortreflichen Fürsten zeugten,

verging uns der Tag und der Abend so angenehm, als ich mich nicht

erinnern kann, einen in meinem Leben zugebracht zu haben. O! es ist so

was Großes, Herzerhebendes, eine fürstliche Sele sich öfnen zu sehen,

die die wahre Würde und den wahren Adel eines Fürsten in sich trägt!

Des folgenden Tages gieng der Fürst und seine Familie selbst mit uns an

unser Schiff, um es in Augenschein zu nehmen, und erstaunten nicht wenig

über die sonderbare Maschine und ihre Einrichtung. Sie freuten sich gar

sehr darauf, es den künftigen Tag bei unserer Abreise aufsteigen zu

sehen. Der Fürst und seine Söhne bezeugten sogar Lust, selbst mit

aufzufahren, das aber die Fürstin dringend und beängstigt verbat.

Denselbigen Mittag speißten wir wieder an der Tafel des Fürsten. Als wir

kaum abgegessen hatten, beklagte sich der Fürst über ausserordentliche

Ueblichkeit und schneidende Schmerzen im Unterleibe. Es dauerte nicht

lange, als ich und meine drei Reisegefährten -- die Ruderknechte waren

bei den Bedienten versorgt worden -- das nemliche, obschon minder

empfanden. Die Schmerzen des Fürsten nahmen so plötzlich überhand, daß

er aufs Bette gebracht werden mußte. Kaum lag er auf demselben, als er

schon in starke Konvulsionen verfiel, die immer mehr und mehr zunahmen,

und uns äußerst bange für sein Leben machten. Wir vergasen beinahe

unserer eigenen Schmerzen über die Seinigen und über den erschütternden

Anblick, wie Mutter und Kinder um das Bette standen, und weinten und

jammerten! --

Der Arzt wurde indeß herbei geholt, und erklärte, daß wir -- Gift

hätten! Die Fürstin fiel bei diesen Worten sinnlos in einen Armstuhl --

die Kinder rangen die Hände, und heulten! -- --

Es war ein Anblick, der Steine hätte bewegen können. Nur der Fürst war

gelassen. Er befahl vor allem, seiner Gemahlin zu Hülfe zu eilen, und

sprach seinen Kindern Muth und Trost zu. »Ich weiß, woher der Streich

kömmt:« sagte er. Diese Worte und das, was er uns gestern von der

Bosheit der Pfaffen gesagt hatte, waren für uns Blitze durch die Nacht,

und der Gedanke, daß wir die wiewol unschuldige Ursache von dem Unglück

des Fürsten seien, quälte uns mehr, als alle Schmerzen.

Die Fürstin kam bald wieder zu sich, und der Arzt gab dem Fürsten

Gegengift, wie ers nannte, wir aber nahmen von den Mitteln, die wir

unter unserem einfachen Arzneivorrathe bei uns hatten, tranken brav warm

Wasser nebenbei, und begaben uns, weil uns sehr übel war, zur Ruhe. Bald

darauf mußten wir uns schröcklich erbrechen. Dies dauerte ohngefehr eine

Stunde in einem fort, worauf wir uns ziemlich erleichtert, aber zugleich

sehr entkräftet fühlten, weswegen wir einige Magenstärkungen nahmen, die

uns bald wieder neue Kräfte gaben. Wir erkundigten uns nach dem Fürsten.

Aber zu unserem größten Schrecken erfuhren wir, daß es mit ihm beständig

schlimmer werde, und alle Rettung wahrscheinlich verlohren sei. Die

Ursache der verschiedenen Wirkungen, die das Gift auf den Körper des

Fürsten und den unsrigen machte, war, nebst der Quaksalberei des Arztes,

vielleicht auch das verschiedene Verhältniß, worinn unsere Natur mit der

Natur dieses Planeten stand.

Da wir uns außer Gefahr und wieder stark genug fanden, giengen wir

selbst, den Fürsten zu besuchen. Er erkannte uns kaum noch, dann reichte

er uns die Hand: »Ich bestätige durch mein Ende,« sagte er, »die

Wahrheit dessen, was ich Ihnen gestern von unsern Pfaffen sagte -- ich

bin nicht der Einzige, der von ihnen hingerichtet worden ist. Gottlob

nur! daß Sie der Gefahr entgangen sind. Lassen Sie sich das Beispiel zur

Warnung dienen, und sein Sie vorsichtig gegen diese heiligen

Bösewichte.«

Wir waren allein: als er dies sprach. Die Fürstin und die Kinder hatten

sich in ihre Gemächer zurückgezogen, um ihrem unbändigen Schmerzen

freien Lauf zu lassen. Der älteste Prinz allein war zugegen. »Versprich

mir,« sprach der Fürst zu ihm: »meinen Tod an niemanden zu rächen, noch

zuzugeben, daß man ihn räche, und gieb mir deine Hand darauf.« Der Sohn

stürzte sprachlos zu den Füßen seines Vaters, ergriff dessen Hände und

vergoß Ströme von Thränen. »Meine Briefe,« fuhr er zu uns fort, »liegen

für Sie an meine Freunde fertig in meinem Kabinette. Bringen Sie ihnen

zugleich das letzte Lebewohl ihres sterbenden Freundes. Leben Sie wohl,

und erinnern Sie sich auch noch auf Ihrem Planeten eines unglücklichen

Fürsten hieroben, der ein besseres Schicksal verdient hätte.«

Wir konnten vor Schmerzen nicht sprechen, küßten ihm die Hände und

weinten. Ich versuchte einige Worte von Dank und Verehrung zu stammeln,

aber sie erstickten mir in der Kehle. Der Fürst sah unsere Liebe zu ihm,

und unsern innigen wahren Schmerz; er drückte uns die Hände --

»Gottlob!« sagte er, »daß ich noch vor meinem Ende Freunde fand. Die

Fürsten unserer Welt haben keine Freunde!« --

Er hatte es kaum ausgesagt, als sein Mundschenk wild hereinstürzte, und

sich vor ihm auf die Knie warf. »Verzeihung! Verzeihung! Fürst! Vater!

Verzeihung dem Mörder -- und dann Strafe -- die grausamste Strafe --

aber Verzeihung!« So rief er schluchzend, und streckte bittend seine

Hände empor. »Wem dann?« fragte der Fürst. »Mir! mir! ich bin der

Verruchte, der Bösewicht, der Giftmischer! Wehe mir! die Pfaffen haben

mich betrogen, haben mir gesagt, daß ich eine gute That thue, haben mir

Nachlassung all meiner Sünden[3] und die ewige Seligkeit dafür

versprochen, haben mir mit der Hölle gedroht, wenn ichs nicht thäte --

Weh mir! ich fühle, daß ich Böses gethan habe -- die Hölle brennt mich

schon in meinem Busen!«--

Der ohnehin schon äusserst schwache Fürst ward dadurch heftig

angegriffen. »Unglücklicher!« sprach er matt, »geh, lauf aus meinem

Lande, sonst wird man dich ergreifen, und dich ums Leben bringen; und

was würde es mich helfen, wenn nebst mir noch ein Mensch umkommen

sollte.« Er nahm hierauf Geld, und gabs ihm mit den Worten: »Mach, daß

du fortkömmst.«

Der unglückliche raufte sich die Haare aus; »Nein,« rief er: »sterben,

sterben will ich den grausamsten Tod, ich Bösewicht! O! ich habe den

besten Fürsten gemordet! unsern Freund! unsern Vater! und er -- verzeiht

mir, beschenkt mich!« Ein Schluchzen erstickte seine Sprache; er krümte

sich an der Erde, wie ein Wurm, und raufte Hände voll Haare aus seinem

Kopfe. Man mußte ihn wegbringen. Die schröckliche Scene wirkte zu heftig

auf das gute Herz des ganz entkräfteten Fürsten.

[Fußnote 3: Wem dies übertrieben scheint, der darf nur die Geschichte

der Königsmörder auf unserm eignen Planeten sich erzählen lassen, die

man sogar auch auf dieser abscheulichen That in der Kirche einsegnete,

und ihnen das h. Abendmal zur Stärkung ihrer Sele reichte. A. d. Verl.]

Er verlohr itzt alle Sprache; die Konvulsionen wurden stärker; die Augen

brachen ihm; er streckte nochmal seine Hand aus, als wollte er noch den

letzten Abschied nehmen, und -- verschied!

Ich vermag es nicht, den Jammer der Fürstin und der Kinder zu schildern.

Das Herz blutete uns. Wir konnten itzt nicht genug eilen, aus diesem

Lande weg zu kommen, wo wir unser Leben und unsere Freiheit keinen

Augenblick mehr sicher glaubten.

Ganz in Geheim ließen wir demnach noch vor Tages Anbruch die Anstalten

zu unserer Abreise machen, steckten unsere Empfehlungsbriefe zu uns, und

nachdem wir uns mit Thränen der Wehmuth von der fürstlichen Familie --

die uns reichlich beschenkte -- beurlaubt, und dem Todten, ewig

lebenswürdigen Fürsten die Hände geküßt hatten, gingen wir mit

anbrechendem Tageslicht zu Schiffe, stiegen in die Höhe, und entflogen

glücklich aus diesen grauenvollen Gegenden, wo die Priester ihren Gott

fressen, und ihre Fürsten morden!! -- -- -- -- -- --

Wir hatten uns vorsichtiger Weise erkundigt, nach welcher Himmelsgegend

wir los zu steuern hätten, und folgten genau dieser Route. Als wir

ohngefehr einen halben Tag, mit ziemlich günstigem Winde, in der Luft

gefahren waren, sahen wir eine große Stadt unter uns liegen. Wir ließen

uns ohngefehr eine halbe teutsche Meile von derselben nieder, und gingen

zu Fuße dahin.

Gleich am Eingange der Stadt wurden wir von einem Manne, der dreierlei

Farben an seinem Rocke trug, angehalten, und gefragt: woher wir kämen,

und ob wir Pässe hätten. Als wir das letzte mit Nein beantworteten,

fragte er weiter: wer wir wären. Erdenbürger, sagten wir. »Wo liegt dies

Land?« fuhr er fort. Es liegt in einer andern Welt, antworteten wir, die

man Erde heist: »Ich will Euch Euren Spaß vertreiben,« schrie der Mensch

mit dreierlei Farben, »Wache raus!« In dem Augenblick erschienen mehrere

seines Gleichen, alle bewafnet, und umringten uns. »In Arrest mit den

Kerls,« rief er, »bis auf weitere Ordre! es sind verdächtige Schliffl

(Halunken).«

Man führte uns demnach, unter dem Zusammenlaufe vieler Menschen, in ein

großes Gebäude, wo uns ein Mann empfing, der uns zugleich ein finsteres

Loch zu unserer Wohnung anwieß. Ehe er uns aber verließ, durchsuchte er

jedem seine Taschen, und nahm uns all unsere Papiere, worunter auch

unsere Empfehlungsbriefe waren. Er sah sie an. »Was?« rief er, »die

Kerls haben gar Briefe an unsern Hochgewaltigen bei sich.« Wir

erkundigten uns hierauf, wo wir dann wären, und erfuhren, in #Wirra#,

der Hauptstadt vom Königreiche Plumplatsko, welches eben diejenige war,

wohin wir Empfehlungen hatten.

Man nahm indeß unsere Briefe mit fort, und schloß uns hier ein.

»Verflucht und verdammt,« schrie ich, »sei die Reise in den #Mars#! Zu

#Papaguan# fielen wir unter die Hände der Pfaffen -- hier sind wir

wahrscheinlich unter die Hände der Soldaten gefallen. Gott mag wissen,

welches schlimmer ist! Beide Stände scheinen hier eine Art von

Despotismus auszuüben.«

Eine ganze Nacht hatten wir nun wieder fast eben so übel, als jene in

Papaguan zubringen müssen; als wir des anderen Morgens abgeholt, und in

ein besonderes Zimmer des Gebäudes geführt wurden, wo einige Offiziere

zugegen waren, die uns andeuteten, daß wir, als verdächtige Leute, die

keine Pässe bei sich hätten, entweder Kriegsdienste nehmen, oder fünfzig

Stockschläge jeder auf öffentlicher Schandbühne bekommen sollten.

Vergebens beriefen wir uns auf unsere Empfehlungen. Man hieß uns

schweigen, und drohte uns mit Stockprügeln, wofern wir noch ein Wort

sprechen würden.[4]

Hiermit ließ man uns wieder in unseren Arrest zurück führen, indem man

uns andeutete: daß morgen der Tag wäre, wo wir unsere Strafe erhalten

würden, wenn wir nicht indeß Dienste nähmen.

Bei unserer Zurückkunft ersuchten wir, um unsere Leiden zu vergessen,

den Gefangenwärter, daß er uns einiges Getränk für unsere Bezahlung

holen mögte, die wir ihm, nebst einem kleinen Geschenke, reichten. Er

that es, und bracht uns ein Paar große Kannen voll köstlichen Trankes.

Wir boten ihm ebenfalls davon zu trinken an. Er ließ sichs nicht zweimal

sagen, und ward dadurch etwas zutraulich.

[Fußnote 4: »^C'est tout comme chés Nous.^«]

Ich merkte es, und fing an, ihm unser hartes Loos zu klagen. »Ja!« sagt

er, »unser Herr braucht halt Leute.« Und nun erzählt er uns, daß sie in

einen sehr blutigen Krieg verwickelt wären, der sie bereits schröcklich

ausgezehrt habe, und der doch ihr Land im Grunde gar nichts anginge;

denn eine fremde Königin habe ihn mit einem fremden König angezettelt,

und ihr Hochgewaltiger habe sich drein gemischt, weil er die fremde

Königin liebte, und sich zugleich seine Riemen aus der Haut des Feindes

zu schneiden dachte; denn er sei eben so schwach gegen die Weiber, als

habsüchtig -- Aber die Sache ging schief, und er hatte noch dazu das

Heer seiner geliebten Bundesgenossin zu unterhalten oben drein -- denn

die Leute waren kaum bedeckt, und es mangelte an Proviant und allem, und

die Kerls starben zu Haufen, wie das Vieh, von Kälte und Hunger. Da

sucht man dann Geld und Leute zu kriegen, wie und woher man kann. Kein

Reisender ist sicher. Den Einwohnern des Landes reißt man ihre Kinder

aus den Armen, und sie müssen noch neue schwere Auflagen bezahlen

obendrein, unter denen sie fast erliegen. --

Wir hatten ihm indeß mit dem Trunke immer mehr zugesetzt, und als wir

seine Unzufriedenheit merkten, priesen wir dagegen unser Vaterland,

sagten ihm viel von der Macht, dem Ansehn und den Reichthümern, die wir

darinn besäßen; von der Erfindung, die wir gemacht hätten, in der Luft

zu fahren, und von dem Luftschiffe, das wir bei uns hätten. Er wollte es

kaum glauben, so staunte er darüber; und bezeigte endlich sein

Verlangen, auch so in der Luft zu fahren. Dieß könne er, sagten wir ihm,

wenn er mit uns reisen wolle; und wir schwuren ihm, in unserm Vaterlande

ihn zu einem reichen, angesehenen Mann zu machen. Er schien darüber

ausser sich vor Freuden, und kurz, wir wurden einig, sobald es Nacht

wäre, miteinander zu entfliehen.

Indeß ließen wir noch ein Paar Kannen füllen, und tranken tapfer drauf

los, während wir die Einbildung unseres neugeworbenen Reisegefährten mit

Träumen seines künftigen Glückes beschäftigten. So rückte die Nacht

heran. Der Gefangenwärter brachte uns andere Kleidung, die wir, um

unerkannt zu sein, über die unserige zogen; und so schlich er mit uns

aus dem Hause, und führte uns durch Abwege glücklich zum Thore hinaus.

Nun eilten wir blitzschnell auf unser Luftschiff zu, fanden es mit

unsern Ruderknechten, gottlob! noch wohlbehalten an seinem Orte; trieben

es in die Höhe, und fuhren damit glücklich über alle Berge. So entkamen

wir mit heiler Haut den fünfzig Stockschlägen, und waren schon in einem

andern Königreiche, als man zu Wirra in Plumplatsko die fürchterlichen

Zubereitungen machte, unsere Hintern zu bewillkommen.

Reise eines Erdbewohners in den Mars · 第 1 / 3 段