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Buches.
Wilhelm Hauffs
sämtliche Werke in sechs Bänden
Mit einer biographischen Einleitung
von Alfred Weile
Neu durchgesehene Ausgabe
:: :: in neuester Rechtschreibung :: ::
Fünfter Band.
A. Weichert Verlag, Berlin NO.⁴³, Neue Königstr. 9.
Der Mann im Monde.
Kontroverspredigt über _H. Clauren_
und den Mann im Monde. -- Skizzen.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Der Mann im Monde 5
Kontroverspredigt über H. Clauren und den Mann im Monde 193
_Skizzen_:
Die Bücher und die Lesewelt 225
Freie Stunden am Fenster 240
Der ästhetische Klub 264
Ein paar Reisestunden 267
Hochzeitgruß an Karl Grüneisen 278
Erster Teil.
Der Mann im Monde
oder
Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme.
Von
H. Clauren.
Der Ball.
Ueber Freilingen lag eine kalte, stürmische Novembernacht; der Wind
rumorte durch die Straßen, als sei er allein hier Herr und Meister,
und eine löbliche Polizeiinspektion habe nichts über den Straßenlärm
zu sagen. Dicke Tropfen schlugen an die Jalousien und mahnten die
Freilinger, hinter den warmen Ofen sich zu setzen während des
Höllenwetters, das draußen umzog. Nichtsdestoweniger war es sehr
lebhaft auf den Straßen; Wagen von allen Ecken und Enden der Stadt
rollten dem Marktplatz zu, auf welchem das Museum, von oben bis unten
erleuchtet, sich ausdehnte.
Es war Ball dort, als am Namensfest des Königs, das die Freilinger, wie
sie sagten, aus purer Gewissenhaftigkeit, nie ungefeiert vorbeiließen.
Morgens waren die Milizen ausgerückt, hatten prächtige Kirchenparade
gehalten und kümmerten sich in ihrem Patriotismus wenig darum, daß die
Dragoner, welche als Garnison hier lagen, sie laut genug bekrittelten.
Mittags war herrliches Diner gewesen, an welchem jedoch nur die Herren
Anteil genommen und so lange getrunken und getollt hatten, daß sie kaum
mehr mit dem Umkleiden zum Ball fertig geworden waren.
Auf Schlag sieben Uhr aber war der Ball bestellt, dem die Freilinger
Schönen und Nichtschönen schon seit sechs Wochen entgegengeseufzt
hatten. Schön konnte er diesmal werden, dieser Ball; hatte ihn
doch Hofrat Berner arrangiert, und das mußte man ihm lassen, so
viele Eigenheiten er sonst auch haben mochte, einen guten Ball zu
veranstalten, verstand er aus dem Fundament.
Die Wagen hatten nach und nach alle ihre köstlichen Waren entladen; die
Damen hatten sich aus den neidischen Hüllen der Pelzmäntel und Schals
herausgeschält und saßen jetzt in langen Reihen, alle in unchristlichem
Wichs, an den Wänden hinauf. Es war der erste Ball in dieser Saison.
Der Landadel hatte sich in die Stadt gezogen, Kranke und Gesunde waren
aus den Bädern zurückgekehrt; es ließ sich also erwarten, daß das
Neueste, was man überall an Haarputz und Kleidern bemerkt und in seinem
aufmerksamen Herzen bewahrt hatte, an diesem Abend zur Schau gestellt
werden würde. Daher füllte die erste halbe Stunde eine Musterung der
Coiffuren und Girlanden, und das Bebbern und Wispern der rastlos
gehenden Mäulchen schnurrte betäubend durch den Saal. Endlich aber
hatte man sich satt geärgert und bewundert und fragte überall, warum
der Hofrat Berner das Zeichen zum Anfang noch nicht geben wolle.
Das hatte aber seine ganz eigenen Gründe; man sah ihm wohl die Unruhe
an, aber niemand wußte, warum er, ganz gegen seine Gewohnheit, unruhig
hin und her laufe, bald hinaus auf die Treppe, bald herein ans Fenster
renne; sonst war er Punkt fünf Uhr mit seinem Arrangement fertig
gewesen und hatte dann ruhig und besonnen den Ball eröffnet, aber heute
schien ein sonderbarer Zappel das freundliche Männchen überfallen zu
haben.
Nur er wußte, warum alles warten mußte; keinem Menschen, so viel man
ihn auch mit Schmeichelwörtchen und schönen Redensarten bombardierte,
vertraute er ein Sterbenswörtchen davon; er lächelte nur still und
geheimnisvoll vor sich hin und ließ nur hie und da ein »werdet schon
sehen« -- »man kann nicht wissen, was kommt« fallen.
Wir wissen es übrigens und können reinen Wein darüber einschenken:
Präsidents Ida war vor wenigen Stunden aus der Pension zurückgekommen;
er, der alte Hausfreund, war zufällig dort, als sie ankam, er hatte
nicht eher geruht, bis sie versprochen hatte, das ganze Haus in Alarm
zu setzen, das Blondenkleid, in welchem sie bei Hofe war präsentiert
worden, ausbügeln zu lassen und auf den Ball zu kommen. Wie spitzte er
sich auf die langen Gesichter der Damen, auf die freundlichen Blicke
der Herren, wenn er die wunderschöne Dame in den Saal führen würde;
denn _kennen_ konnte sie im ersten Augenblick _niemand_.
Wo hatte nur das Mädchen die Zeit hergenommen, so recht eigentlich
bildhübsch zu werden? Als sie vor drei Jahren abreiste, wie besorglich
schaute da der gute Hofrat dem Wagen nach; er hatte sie auf dem Arm
gehabt, als sie kaum geboren war; bis zu ihrem vierzehnten Jahre hatte
er sie alle Tage gesehen, hatte sie früher auf dem Knie reiten lassen,
hatte sie nachher, trotz dem Schmollen der Präsidentin, zu allen tollen
Streichen angeführt; er liebte sie wie sein eigenes Kind, aber er mußte
sich vor drei Jahren doch gestehen, daß ihm angst und bange sei, was
aus dem wilden Ding werden solle, das man da in die Residenz führe, um
sie menschlich zu machen.
Denn wollte man ein Mädchen sehen, das zur Jungfrau und fürs Haus
völlig verdorben schien, so war es Präsidents Wildfang; einen solchen
Ausbund traf man auf zwanzig Meilen nicht. Kein Graben war ihr zu
breit, kein Baum zu hoch, kein Zaun zu spitzig; sie sprang, sie
klimmte, sie schleuderte trotz dem wildesten Jungen; hatte sie doch
selbst einmal heimlich ihren Damensattel auf den wilden Renner ihres
Bruders, des Leutnants, gebunden und war durch die Stadt gejagt, als
sollte sie feuerreiten! Dabei war sie mager und unscheinbar, scheute
sich vor jeder weiblichen Arbeit, und der einzige Trost der gnädigen
Mama war, daß sie Französisch plappere wie ein Stärchen, und daß,
trotz ihrem Umherrennen in der Märzsonne, ihr Teint dennoch trefflich
erhalten sei.
Aber jetzt --!
Nein! Was war mit diesem Mädchen in den kurzen drei Jahren eine
Veränderung vorgegangen: wenigstens um einen Kopf war sie gewachsen,
alles an ihr hatte eine Rundung, eine zarte Fülle bekommen, die man
sonst nicht für möglich gehalten hätte; das Haar, das sonst, wie
oft man es auch kämmte und an den Kopf hinsalbte, der wilden Hummel
in unordentlichen Strängen und Locken um den Kopf flog, war jetzt
der herrlichste Kopfputz, den man sich denken konnte. Die Augen
waren glänzender, und doch fuhren sie nicht, wie ehemals, wie ein
Feuerrädchen umher, alles anzuzünden drohend. Die Wangen bedeckte ein
feines Rot, das bei jedem Atemzug in alle Schattierungen von zartem
Rosa bis ins Purpurrot wechselte; das liebe Gesichtchen war oval und
hatte eine Würde bekommen, über die der staunende Hofrat lächeln mußte,
so sehr er sie bewunderte.
Dieses Götterkind, diesen Ausbund von Liebenswürdigkeit erwartete
der Hofrat; dem guten alten Junggesellen pochte das Herz beinahe
hörbar, wenn er an sein Gold-Idchen dachte. Wie mußte sie erst im
Ballkleide aussehen, wenn sie ihn in dem Reiseüberröckchen und in
der Haube ~à la jolie femme~ beinahe närrisch machte; wie mußte sie
erst strahlen, wenn sie, wie sie ihm versprochen, die Haare nach dem
allerfunkelnagelneuesten Geschmack, die schöne Stirne und den schlanken
Hals, die wie aus Wachs geformten Partien, welche die handbreiten
Brüsseler Kanten umziehen werden, mit dem Amethystschmucke zierte,
den sie von ihrer Patin, der Fürstin Romanow, geschenkt bekommen
hatte. Ihm, ihm hatte sie mit all jener Herzlichkeit, mit der sie
früher versprochen, einen Spaziergang mit ihm zu machen oder ihn, den
Einsamen, zu besuchen, wenn er krank war, jetzt als Königin des Festes
die erste Polonäse zugesagt.
Immer verdrießlicher wurden die Damen, immer ungestümer mahnten die
Herren den alten ~Maître de plaisir~, schon seit einer halben Stunde
stimmten die Musikanten, daß man vor dem Quieken der Klarinette, vor
dem Brummen der Bässe sein eigenes Wort nicht hörte -- er gab nicht
nach. Da rasselte ein Wagen über den Marktplatz her und hielt vor dem
Flügeltore des Museums.
»Das sind sie,« murmelte der Hofrat und stürzte zum Saal hinaus; bald
darauf öffneten sich die Flügeltüren, und der kleine freundliche Alte
schritt am Arme einer jungen Dame in den Saal.
Ida.
Aller Augen waffneten sich mit Lorgnetten und Brillen; wer konnte das
wunderschöne Mädchen sein, so hoch und schlank, mit dem königlichen
Anstand, mit dem siegenden Blick, mit der kräftigen Frische des
jugendlichen Körpers? Sie nickte so bekannt nach allen Seiten, als käme
sie alle Tage auf Freilinger Bälle und Assembleen; und doch kannte sie
niemand. Doch ja! Da kommt ja auch der alte Präsident. Wahrhaftig! es
kann niemand anders sein als Präsidents Ida!
Aber wie herrlich war dieses Knöspchen aufgegangen! »Welcher Anstand!«
bemerkten die Herren. »Welche Figur! Welcher Nacken! Wahrhaftig,
man möchte ein Mückchen oder noch etwas weniger sein, nur um darauf
spazieren zu gehen.« »Welcher Schmuck, welche Spitzen, welche
Stickerei an dem Kleid!« bemerkten die Damen und wünschten sich weit
weg, denn wie sollten sie ihre Fähnchen, die sie doch ihr gutes Geld
gekostet, ihre Blumen, die sie selbst gemacht und für wundervoll
gehalten hatten, neben diesen italienischen Rosen und Astern, die eben
erst aus den Gärten der Hesperiden gepflückt zu sein schienen, neben
diesen Kanten sehen lassen, von welchen die Elle vielleicht mehr wert
war als eines ihrer Ballkleider, nebst Schneiderskonto und Façon! Nein,
Berner, der arge Berner hätte ihnen keinen schlimmern Streich spielen
können, als diese Ida gerade heute einzuführen. Aber man mußte sich
Gewalt antun; der Präsident machte das erste Haus in der Stadt, war
der gewaltige Herrscher der Provinz, eine glänzende Aussicht auf ~Thés
dansants~, Soupers, Hausbälle und dergleichen eröffnete sich vor den
schnell berechnenden Blicken der Damen; wehe der, die dann nicht mit
Ida bekannt war oder sie sogar kalt empfangen hatte! Man wußte, daß
dies der Herr Präsident nie verzeihen würde; man nahm sich zusammen,
und in kurzem war die Gefeierte von allen jungen und alten Damen
umringt, welche Glück wünschten, alte Bekanntschaft erneuerten und
nebenbei dies und jenes von dem hoffähigen Anzug spickten. Alle redeten
zumal, keine wurde verstanden, und die Herren fluchten und schimpften
ein Donnerwetter über das andere, daß sich eine so dichte Wolke vor
diese kaum aufgegangene Sonne gedrängt und sie ihrem Anblick entzogen
habe.
Jetzt zog Hofrat Berner das weiße Sacktuch, schwenkte es in der Luft
und gab dem Kapellmeister und Stabstrompeter der Dragoner das Zeichen,
und eine herrliche Polonäse begann. Im Nu stoben die Glückwünschenden
auseinander und machten Raum für die Assessoren, Leutnants, Sekretäre,
jungen Kaufherren, Jagdjunker, die glücklicherweise noch nicht versagt
waren und sich jetzt um einen Walzer, Ekossaise oder gar Kotillon mit
Ida die Hälse brechen wollten. Sie aber lachte, daß die Schneeperlen
der Zähne durch die Purpurlippen heraussahen, behauptete, sich immer
nur auf eine Tour zu versagen, hüpfte dem Hofrat entgegen und reichte
ihm die kleine Hand.
Selig, gerührt, begeistert stellte er sich mit seinem holden Engelskind
an die Spitze der Kolonne und marschierte unter den mutigen, lockenden
Tönen der Polonäse stolzen Schrittes gegen das wohlunterhaltene
feindliche Tirailleurfeuer, das von vorn, von den Flanken, überallher
aus den Mündungen der Lorgnetten auf seine Tänzerin sprühte. Aber
diese, war sie kurzsichtig, hatte sie statt des Korsettchens einen
Kürassierpanzer vom feinsten Stahl mit der Musketenprobe um das
Herzchen oder war sie das Feuer so gewohnt, wie die alte Garde, die,
Gewehr im Arm, im Paradeschritt durch das Kartätschenfeuer marschierte?
Ich weiß nicht, aber sie schien gar nicht auf die schrecklichen
Ausbrüche der gebrochenen Herzen, auf die Knallseufzer der Verwundeten
zu hören, das Plappermäulchen ging so ruhig fort, als ginge sie, drei
Jahre jünger, mit dem guten Hofrätchen im Wald spazieren.
Da kamen alle die Streiche, die der leichte Springinsfeld losgelassen,
alle jene tausend Schwieten des kleinen Uebermuts aufs Tapet. Lust und
Lachen blitzte wie ehemals aus ihrem Auge, wenn sie sich erinnerte, wie
sie einem Spanferkel Kindszeug angezogen und es dem Hofrat als Findling
vor die Türe gelegt, wie sie dem Oberpfarrer die Waden voll Stecknadeln
gesetzt, daß sie aussahen wie der Rücken eines Stachelschweines, alles,
ohne daß er es merkte, denn er trug falsche. Der Hofrat wollte seinen
Ohren nicht trauen. Es war ja dasselbe lustige, naive Ding wie früher,
und doch so wunderherrlich, so groß, mit so unendlich viel Anstand und
Würde! Er hätte sie auf der Stelle am Kopf nehmen und recht abküssen
mögen wie früher, wenn sie einen rechten Ausbund von Schelmenstreich
gemacht hatte.
Es ging über seine Begriffe! »Wie können Sie nur so hartherzig sein,
Idchen!« sagte er, »und nicht einen Blick auf unsere jungen Herren
werfen, die zerschmelzen wie Wachs am Feuer? Nicht einmal einen Blick
für alle diese Exklamationen und Beteuerungen, welche Sie doch gehört
haben müssen?«
»Was gehen mich Ihre jungen Herren an?« plapperte sie mit der
größten Ruhe fort. »Die sind hier, wie überall, unverschämt wie die
Fleischmücken im Sommer. Das könnte kein Pferd aushalten, wollte
man darauf achten. Sie pfeifen in der Residenz ebenso, das wird man
gewohnt; so von Anfang macht es ein wenig eitel. Wenn man aber sieht,
wie sie dieser und jener dasselbe zuflüstern, vor der Ursel ebenso
wie vor der Bärbel sterben möchten, so weiß man schon, was solche
schnackische Redensarten zu bedeuten haben.«
Die muß eine gute Schule durchgemacht haben, dachte der Hofrat.
Siebzehn Jahre alt und spricht so mir nichts dir nichts von der Farbe,
als wäre sie seit zwanzig Jahren in den Salons von Paris und London
umhergefahren. Er ärgerte sich halb und halb über Mamsell Neunmalklug
und Uebergescheit, denn es waren just keine unebene junge Männer, die
ihre Seufzer so hageldick losgelassen hatten, und ihn, der in seiner
Jugend wohl so zwanzig Amouren und Amürchen gehabt hatte, konnte nichts
mehr ärgern als ein fühlloses Herz.
Aber dieser Aerger konnte bei seinem Idchen nicht in ihm aufsteigen.
Wenn er in ihr volles glühendes Auge sah, wenn er den süßgewölbten Mund
betrachtete, da dachte er: Nein, dir traue dieser und jener, aber ich
nicht, weiß ich doch von früher her, wie du gerne Flausen machst und
dem guten ehrlichen Berner gerne ein X für ein U unterschiebst. Jetzt
willst du dein Schach verdeckt spielen und mir irgend einen blauen
Dunst vorschwefeln, und das Herzchen ist am Ende doch in der Residenz
geblieben, und Fräulein Stahlherz ist nur darum so spröde gegen die
Freilinger Stadtkinder. Aber basta! der Hofrat Berner hat auch gelebt
und geliebt, und wettet seinen Kopf, dieses Auge weiß, was Liebe ist,
diese frischen Purpurlippen haben schon geküßt, aber anders als nur
solche Hofratsküsse!
Der gute Alte äußerte etwas von diesen Gedanken gegen Ida, sie aber sah
ihm so ganz ruhig ins Gesicht und versicherte lächelnd: gefallen habe
ihr schon mancher, geliebt habe sie aber bis diese Stunde noch keinen
Mann, als ihren Vater und ihn.
Schöne Augen.
»Aber sagen Sie, Idchen,« fragte der Hofrat, als er sie wieder an ihren
Platz geführt hatte, »ist das etwa ein Cousin oder dergleichen, der da
mit Ihnen kam?«
»Ich kam mit Papa,« antwortete die Gefragte, »sonst war niemand dabei.
Wen meinen Sie denn?«
»Nun, der Bleiche dort kam ja doch wohl mit Ihnen, es kennt ihn
niemand im Saal, und mit Ihnen trat er herein, sonst müßte er ja, Sie
wissen, daß das Museum geschlossene Gesellschaft ist, sonst müßte er
ja eingeführt sein. Sehen Sie, der dort.« Er zeigte hin. An eine Säule
gelehnt, stand unbeweglich mit übergeschlagenen Armen eine schlanke
Gestalt. Noch konnte Ida das Gesicht nicht sehen, nur die glänzenden
schwarzen Locken des Haares fielen ihr auf; sie wollte sich eben
besinnen, wo sie schon solche gesehen habe, da wandte sich jener um,
und unwillkürlich schrak Ida zusammen; gespensterhafte Blässe lag auf
diesem feinen, schönen Gesicht, geheimer Gram oder verschlossenes
Kämpfen mit finsterem Leiden schien das muntere, jugendliche Leben aus
diesen tiefen, im schönsten Ebenmaß geformten Zügen hinweggewischt zu
haben, und ein gemischtes Gefühl drängte sich bei seinem Anblick auf,
neugieriges Mitleid schien sich mit zweifelhafter Furcht streiten zu
wollen.
Kaum hatte des Fremden glühendschwarzes Auge Ida getroffen, als sie
ihren Blick abwandte. Ueberraschung und Verlegenheit machten sie stumm
auf einige Augenblicke; von dem Diadem auf der schönen Stirne, über
den Liliensamt der blühenden Wange, bis herab auf den jungfräulichen
Alabasterbusen flog ein brennendes Rot, das der Hofrat nicht unbemerkt
ließ. Er wollte sie eben mit dem pfiffigsten Gesichte nach der Ursache
ihres Rotwerdens fragen, aber eine Unzahl Herren drängte sich zu,
sie um einen Tanz zu bitten; Vettern und Basen freuten sich, sie
wiederzusehen, und gafften das Wunderkind an. Der Hofrat aber, welchem
daran lag, die Spur, die er aufgefunden zu haben meinte, zu verfolgen,
machte seine Bewegungen wie ein geübter Feldherr; er fragte sie so
laut als möglich, ob es ihr jetzt, wie sie gewünscht, gefällig sei,
zu ihrem Herrn Vater zu gehen, der im dritten Zimmer sich zu einem
Whistchen gesetzt habe, und Pfiffköpfchen verstand gleich, wo der gute
Alte hinaus wollte; sie beurlaubte sich also mit großer Hast von dem
ungeheuren Kometenschweif, in welchem sie als Kern gesessen, und ging
mit Berner durch den Saal.
Und jetzt nahm Berner sie ins Gebet; zuerst setzte er die
Daumenschrauben des Spottes an, dann untersuchte er die vermeintliche
Herzenswunde seines Gold-Idchens mit der langen Sonde des väterlichen
Ernstes, indem er ihr vorwarf, sehr unklug getan zu haben, ihre
Residenzliebhaber mit nach Freilingen zu nehmen. Sie aber lachte dem
Ratgeber, welcher meinte, seine Sache recht gut gemacht und sie ganz im
Netz zu haben, ins Gesicht und witschte ihm aus.
»Sie geben sich vergebliche Mühe, Hofrätchen,« kicherte das lose Ding,
»ganz vergebliche Mühe; ich habe diesen Menschen in meinem ganzen
Leben, auf Ehre, noch nie gesprochen; doch gesehen,« setzte sie,
ernster werdend, hinzu, »gesehen habe ich ihn, und deswegen kam ich
auch vorhin etwas in Verlegenheit.«
»Was da! Zwischen sehen und sehen ist ein großer Unterschied,«
antwortete Berner mit einem völlig ungläubigen Kopfschütteln. »Da
müssen Sie ihm doch ein wenig gar scharf in die Augen gesehen haben?«
»So hören Sie mich doch, Sie böser Mann!« unterbrach ihn Ida. »Wer
wird denn auch gleich auf den Schein hin verdammen? Ich sage noch
einmal, ich weiß nicht, wer er ist, aber das innigste Mitleid habe ich
mit ihm. Als wir gestern durch den Lanzinger Wald kamen, fuhren wir
einer Equipage vor, die ganz langsam im Schritt hinging. Es war ein
prachtvoller Landau mit einem großen Bock, worauf ein alter Diener
in reicher Livree saß; am Wagen zogen vier Postpferde; das Dach war
zurückgeschlagen, und es saß niemand darin als ein großer Hund. Sie
wissen, wie man auf der Reise ist, man interessiert sich um die
Mitreisenden, besonders wenn man glaubt, auf einerlei Station mit ihnen
zu wohnen oder zu speisen. So dachte ich mir jetzt, die Reisenden,
denen der Wagen gehöre, seien vorausgegangen und lassen ihn langsam
nachfahren. Ich sah daher alle Augenblicke aus unserm Wagen, ob ich
noch keine reisende Engländerinnen oder Französinnen gewahr werden
könnte, aber immer vergebens. Endlich, als wir um eine Waldecke bogen,
sah ich auf einmal einen Mann, der unter einer Eiche saß und zu dem
Wagen gehören mußte.«
»Und war es derselbe, der dort an der Säule steht?« fragte der Hofrat.
»Derselbe, er war auch ganz schwarz gekleidet wie jetzt, sein Hut
lag neben ihm im Gras, seinen Kopf stützte er in die hohle Hand.
Das Geräusch unseres Wagens, der jetzt, weil es bergauf ging, auch
langsam fuhr, schien ihn aufzuschrecken; ohne aufzusehen, ging er mit
gesenktem Haupt bis an unsere Wagentüre. Da richtete er sich auf, und
Sie können sich meinen Schrecken denken, Hofrat, als ich das nämliche
geisterbleiche Gesicht sah, das auch Ihnen aufgefallen ist. Er mußte
heftig geweint haben, denn Tränen hingen in den langen schwarzen
Wimpern und gaben dem glühendschwarzen, sinnigen Auge einen ganz
eigenen Reiz!«
»So, so? Einen ganz eigenen Reiz!« antwortete lächelnd der Hofrat.
»Wer hat denn meinem Mädchen erlaubt, über Männeraugen Betrachtungen
anzustellen? Hat sie das auch bei Madame la Truiaire in der Residenz
gelernt?«
Das lustige Amorettenköpfchen, das sich da, es wußte nicht wie,
verbebbert hatte, schlug die Augen nieder und sagte: »Legen Sie nicht
alles so bös aus, Bernerchen, Sie verstanden ja doch sonst Ihre Ida
nicht immer falsch.
Sehen Sie, was die Augen betrifft, da habe ich nun einmal meinen
eigenen Geschmack. Schöne blaue oder schwarze Augen, mitunter auch
recht glänzendbraune, sehe ich an jedermann gerne. Daher sind mir auch
alle jungen Herren so zuwider, weil sie selten schöne Augen haben;
sie haben ihnen durch die Lorgnetten, Brillen und, Gott weiß durch was
sonst, den schönsten Glanz benommen und stieren uns an wie gestochene
Böcke; desto mehr freue ich mich, wenn ich einmal eine solche Ausnahme
treffe. Eine ganz eigene Freude macht mir auch das Aufschlagen der
Augen, das man unter Tausenden kaum einmal so recht anmutig, sinnig
und, wie man es gerne haben möchte, trifft. Beides sah ich nun an dem
Fremden, darum hat er mir auch so ge--«
Da hatte sich das schnelle Schnäbelchen schon wieder verplappert! Der
Hofrat horchte noch immer, aber Idchen blieb still, biß die Lippen
zusammen und spielte mit dem Amethystkreuz am Kollier, das unter dem
Tanzen sich zwischen den Schneehügeln hinabgeschoben hatte und ganz
glühend heiß geworden war.
»Ei, ei!« warnte der Hofrat, »ich habe da in zwei Minuten Dinge gehört,
wovor einem die Haut schaudern könnte; nimm dich um Gottes willen in
acht, Kind, wenn du deine Augenbeobachtungen anstellst; ich weiß es aus
meiner Jugend, daß in gewissen Augen Häkchen sitzen, die uns, wenn man
allzutief schaut, festhalten, daß an kein Entrinnen zu denken ist; hast
du nie etwas von der Augensprache gehört?«
»Doch,« entgegnete der kleine Uebermut, »ich glaube, sie auch zur Not
zu verstehen.« --
»Ist gar nicht vonnöten; man spricht sie zwar vom Rhein bis zum
Mississippi, vom Don bis zum Ohio. Lerne aber nie _mehr_, als etwas
Kauderwelsch parlieren, denn wer sich so gar geläufig ausdrückt und mit
zwanzig zumal in dieser Sprache spricht, gilt nicht mit Unrecht für
eine Erzgeneralkokette.«
»Nun, für eine solche werden Sie mich doch nicht halten?« fragte Ida
etwas empfindlich.
»Dazu kenne ich mein süßes Mädchen zu gut,« entgegnete der Hofrat
traulich und drückte ihr das weiche Samthändchen; »was aber den
bleichen Patron dort drüben betrifft, so kann er über allerlei geweint
haben; er kann zum Beispiel seine Mutter, seine Schwester oder gar sein
Mädchen verloren haben.«
»Mei--nen -- Sie?« antwortete Ida gedehnt und unmutig. »Doch nein! da
würde er ja nicht auf den Ball gehen,« setzte sie freudig hinzu! »da
würde er zu Haus trauern und nicht die Freude aufsuchen.«
»Oder,« fuhr jener fort, »es gingen ihm vielleicht seine Wechsel aus,
und er hat im Augenblick kein Geld, um seine Reise weiter fortzusetzen.«
»Nicht doch,« fiel sie ein, »wie mögen Sie nur diesem interessanten
Gesicht einen so gemeinen Kummer andichten. Sieht er nicht nobler aus
als alle unsere Assessoren, Leutnants und so weiter zusammen, und er
sollte mit vier Postpferden in einem herrlichen Landau fahren und
weinen, weil er kein Geld hat? Pfui!«
»Ei, wie sich der kleine Advokat vereifert und verdisputiert; das
Mäulchen geht ja, als sollte es einen Prozeß vor den Assisen führen!
Uebrigens wollen wir bald sehen, wer der Patron ist; habe ich doch den
Ball arrangiert und daher auch das Recht, Fremden, die sich eindrängen,
auf den Zahn zu fühlen.«
»Nun ja, tun Sie das, liebes Hofrätchen, aber ja recht artig
und delikat,« setzte das errötende Mädchen mit den süßesten
Schmeichelworten hinzu; »wer so tiefen Kummer hat, wie jener zu haben
scheint, muß unter Fremden wie unter Freunden zart behandelt werden!«
Der Fremde.
Unterdessen hatten sich mehrere Herren an Berner gewendet, um zu
erfahren, wer der Fremde sei; allen war es aufgefallen, wie er schon
seit einer Stunde sich nicht vom Platz bewegte und, an eine Säule
gelehnt, so wenig Interesse an dem glänzenden Ball zu nehmen schien.
Der Hofrat ging zu ihm hin und kehrte bald zurück. »Wer ist es? Wie
heißt er?« fragten zehn, zwanzig zumal. »Was hat er gesprochen?«
»Nichts hat er gesprochen!« antwortete Berner, »sondern mir nur diese
Karte gegeben.«
Die Karte ging jetzt von Hand zu Hand, es war aber nichts darauf zu
sehen als ein schöngestochenes Wappen und der Name, _Emile, Comte de
Martiniz_. »Ein Graf also?« Die Neugierde war nur halb gestillt; die
Freilinger, denen die Erscheinung eines fremden Grafen auf ihren Bällen
etwas Seltenes sein mochte, gingen kopfschüttelnd umher; sie hätten
gar zu gerne gewußt, woher er komme, wohin er gehe, warum er nicht
tanze. Man betrachtete das fremde Wundertier von allen Seiten; doch der
Hofrat, der so viel Takt hatte, daß er in des Fremden Seele fühlte,
wie peinlich eine so kleinliche Neugierde sein müsse, gab das Zeichen,
und die Galoppade, von zwanzig Trompeten vorgetragen, rauschte durch
den Saal hin und rief zum Tanze.
Walzer um Walzer waren getanzt, noch immer stand die fremde, gebietende
Gestalt unbeweglich an die Säule gelehnt. Es war, als hätte er sich
nur in schwarz und weiß geteilt und kenne keine andere Farbe. Sein
Haar, sein Auge war so dunkel als das feine glänzende Tuch seines
Kleides; das blendend bleiche Gesicht, die wunderschöne Wäsche, welche
durch ihre Weiße und ihre zierlichen Fältchen den Freilinger Damen
schon von weitem Bewunderung einflößte, kontrastierten sonderbar mit
jener dunkeln Farbe; nur die feinen Lippen schmückte ein gesundes,
freundliches Rot. Er schien ganz ohne Teilnahme in das bunte Gewühl
hineinzustarren, aber dennoch begegnete nicht leicht einer diesem
scharfen Blicke, ohne das eigene Auge überrascht vor diesem furchtbaren
Ernst, dieser sprühenden Glut niederzuschlagen.
Wie es aber zu gehen pflegt, die Damen fingen nachgerade an, nicht viel
von dem Fremden zu halten, weil er nicht tanzte, die jungen Herren
machten sich über ihn lustig, und beide Teile hatten so viel an der
neuen Erscheinung der wunderlieblichen Ida zu schauen, zu bekritteln,
zu bewundern, daß man bald nicht mehr an jenen dachte. Nur Idas Blicke
streiften öfter nach jener Säule hinüber; ein Blick zu ihm schien sie
für das Geschwätz der Freilinger Stutzer, die ihr heute unendlich fade
vorkamen, zu entschädigen. Doch betrachtete sie ihn immer nur von der
Seite; denn wenn Auge auf Auge traf, so trieb es ihr unwiderstehlich
die Glut ins Gesicht, und sie war froh, daß die Musik so laut war, denn
sie meinte in solchen Momenten, man müsse ihr siedendes, glühendes Blut
an ihr Herzchen pochen hören. Waren es die Tränen, die sie gestern
in diesen dunkeln Wimpern sah, war es der wehmütige Ernst auf seinem
Gesicht, was sie so rührte, hatte der Hofrat recht mit den Häkchen,
die in gewissen Augen sitzen, und hatte sie zu tiefe Beobachtungen
angestellt und war geangelt worden und gef--? -- Nein! lächelte sie
schelmisch vor sich hin, da hat es keine Not; es ist ja nur das
natürliche Mitleiden, was mich immer nach ihm hinsehen heißt!
Elf Uhr war vorüber, es sollte noch eine Ekossaise vor dem Souper
getanzt werden. Stürmisch drängten sich die Herren um das Wunderkind;
aber Trotzköpfchen Ida blieb fest dabei, diesmal auszusetzen, und ließ
die Herren ablaufen. Der Hofrat setzte sich zu ihr, und unwillkürlich
waren sie wieder mitten im Gespräch über den Fremden.
»Ach, sehen Sie nur,« sagte Ida mit der himmlischen Gutmütigkeit ihres
Engelköpfchens, »sehen Sie nur, ich meine, er wird zusehends immer
blässer; wenn er nur nicht krank wird.« Der Hofrat fand ihre Bemerkung
richtig, er zeigte ihr aber, wie dieser feste heldenmäßige Körper nicht
so leicht von einem Kranken-Unfall gestört werden könne; aber Ida wurde
immer unruhiger, sie sah, wie Martiniz die Lippen zusammenpresse, als
wolle er einen Schmerz verbeißen; der Ernst in seinem Gesicht wurde
nach und nach zur Trauer, das Wehmütige, der tränenschwere Trübsinn in
seinem Auge wurde immer unverkennbarer.
»O Gott, sehen Sie ihn nur an, guter Berner, ist mir doch, als sollte
ich zu ihm gehen und fragen: was fehlt dir, daß du nicht fröhlich bist
mit den Fröhlichen? Wie gerne wollte ich alles tun, dir zu helfen.« --
Der Mensch denkt's, Gott lenkt's!
Auch der Hofrat wurde jetzt unruhig, denn mit einem Ruck hatte sich
der bleiche Fremde aufgerafft und stand nun in seiner ganzen Größe, in
gebietender und doch graziöser Haltung da, aber sein Auge heftete sich
furchtbar starrend nach der Saaltüre. Berner wollte eben aufstehen und
zu ihm hin --
Da öffnete sich die Türe, ein alter, reichgekleideter Bedienter,
derselbe, welchen Ida gestern gesehen, trat ein, ging auf den Fremden
zu und neigte sich schweigend vor ihm. Dieser riß eine Uhr heraus, warf
einen Blick auf sie und einen zweiten voll Wehmut auf Ida herüber und
verließ langsamen Schrittes den Saal.
Ehe noch der Hofrat seiner Nachbarin seine Vermutungen über diesen
sonderbaren Abzug mitteilen konnte, war die Ekossaise zu Ende.
Der Präsident kam und führte sein liebes, holdes, wunderherziges
Töchterchen zur Tafel.
Die Kirche.
Der alte Küster am Münster zu Freilingen saß in dieser Nacht nach
seiner Gewohnheit noch lange in seinem kleinen Stübchen; der Abendsegen
war schon vor einer Stunde seiner Ehehälfte vorgelesen, er hatte sich
jetzt hinter die alte Chronik gesetzt und las mit brummender Stimme
halblaut vor sich hin, wie man den herrlichen, vierhundert Schuh
hohen Münsterturm erbaut, und wie solches viel Zeit und Geld gekostet
habe. Eben wollte die Alte den weiß und blau gestreiften Umhang der
zweischläfrigen Himmelbettlade auseinanderschlagen, um ihren Ehezärter
zu ermahnen, sein gewohntes Lager zu suchen, als man stark an den
Fensterladen des niedern Parterrestübchens pochte. »Macht auf, Meister
Küster! seid so gut und macht auf!« rief eine tiefe, aber bescheidene
Stimme draußen. »Wird wohl ein Bote von einem Kranken sein,« näselte
der Küster, »der die Sakramente noch will.« Er legte die Brille ins
Chronikbuch, daß die Stelle nicht verblättere, denn er hatte von dem
Kalk gelesen, den man mit Wein angemacht habe, und hatte dabei unmutig
an das Dünnbier gedacht, das seine Ursula ihm, einem Nachkommen dieser
Weinmaurer, tagtäglich vorsetzte.
Draußen schob er die mächtigen Schlösser und Riegel der Haustüre
auf, und herein trat ein kleiner ältlicher Mann in reichbordiertem
Bedientenrocke. »Was soll's so spät?« fragte der Küster.
»Kamerad,« antwortete der Bediente, indem er den Küster aus dem kalten
Hausgang in die wärmere Stube hineinzog. »Kamerad, wollt Ihr mir und
noch jemand einen Liebesdienst erweisen?« Zugleich legte er einen
blanken harten Taler auf den Tisch.
Der Küster wog den Taler in der Hand, ließ ihn wieder auf den Tisch
fallen, daß es einen wohllautenden Klang gab, und sagte: »Wenn's nichts
gegen Amt und Gewissen ist, warum nicht?«
»So nehmt Eure Schlüssel,« fuhr der andere fort, »und schließt die
Münsterkirche auf.«
»Jetzt, in dieser Stunde?« rief der Alte mit Entsetzen, »Jetzt, in
dieser stürmischen Nacht? Geht nicht, Kamerad, so wahr ich -- nein, es
geht nicht, mich bringt kein Hund hinüber!«
»Beileibe,« rief die Küsterin aus dem Bette und riß den Umhang zurück,
daß man das ganze Paradiesgärtlein ihres geblümten Bettes übersehen
konnte, »führe uns nicht in Versuchung Alter, laß dich nicht betören,
wer weiß, was draußen lauert.«
»Hätte nicht geglaubt, daß Ihr, ein so stattlicher Mann, unter dem
Weiberregimente stündet,« sprach der alte Diener. »Glaubt mir, es
ist auch ein Gottesdienst, wenn Ihr mitgeht, und bringt Euch guten
Lohn.« Noch einmal wog der Küster den Taler auf der Fingerspitze und
schien sich zu besinnen. »Es wird zwar gleich zwölf Uhr brummen, und
da ist es gar nicht geheuer drüben in der Kirche, denn ich weiß, was
ich weiß, und habe gesehen, was ich gesehen habe, aber weil Ihr sagt,
es sei ein Gottesdienst, so kommt.« Indem hatte er schon die Laterne
zurechtgemacht. Er hing noch einen warmen Mantel um und ergriff die
gewichtigen, wunderlich geformten Schlüssel.
»Ei du meine Güte! Läßt er sich doch verblenden vom Mammon,« seufzte
die Alte im Bette. Der Küster aber trat zu ihr mit dem größten seiner
Schlüssel: »Du schweigst, Ursel! Der Herr da soll sehen, daß unsereiner
nicht unterm Pantoffel steht,« brummte er und verließ mit dem Diener
das Haus.
Die Nacht war grimmkalt, der Himmel jetzt ganz rein, nur einzelne
dunkle Wölkchen tanzten im Wirbel um den Mond. Schweigend schritten die
beiden durch die Nacht der Kirche zu. Wenige Schritte, so standen sie
am Portal des Münsters. Der Küster schrak zusammen, als dort aus dem
Schatten eines Pfeilers eine hohe, in einen dunkeln Mantel gehüllte
Gestalt hervortrat. Es war jener Fremde, der Idas Interesse in so hohem
Grade erregt hatte.
»Schließ auf, schließ auf,« sprach Martiniz, »denn es ist hohe Zeit!«
Indem er sprach, fing es an zu surren und zu klappern, dumpf rollte
gerade über ihnen im Turme das Uhrwerk, und in tiefen, zitternden
Klängen schallte die zwölfte Stunde in die Lüfte.
»Schließ auf!« schrie Martiniz. »Schnell auf! Dort kommt er schon um
die Ecke!«
Seufzend ging die hohe Türe auf, in _einem_ Sprung war jener in der
Kirche. Der Küster schloß behutsam wieder hinter sich ab und ging dann
voraus mit der Laterne; stille folgten ihm die Fremden. In wunderlichen
Schatten und Figuren spielte das schwache Licht der Laterne an den
hohen Säulen des Doms, nur auf wenige Schritte verbreitete es Helle und
verschwebte dann in matte Dämmerung, bis es sich in der tiefen Nacht
des Gewölbes verlor. Manchmal schien es, als schritten hohe Gestalten
in weiten schleppenden Gewändern hinter den Säulen ihnen nach. Scheu
blickte Emil von Martiniz nach allen Seiten und ging dann schneller
hinter dem Küster her. Dumpf schallten ihre Schritte auf dem hohlen
Boden, unter welchem eine alte Gruft sich befand, und ein vielfaches
Echo gab diese Töne aus allen Ecken zurück.
So waren sie bis an den Altar gekommen. Martiniz setzte sich dort auf
die Stufen, das Gesicht, das bei dem Scheine der trübe brennenden
Laterne noch viel bleicher erschien, stützte er auf die Hand, daß die
glänzendrabenschwarzen Ringellocken darüber herabfielen. Der Diener
winkte dem Küster, zog ihn auf eine Bank an der Seite zu sich nieder
und gab ihm durch Zeichen zu verstehen, daß er schweigen und sich ganz
ruhig verhalten möchte.
Tiefe Stille herrschte mehrere Minuten in den großen, dunkeln Hallen,
tiefe Stille draußen in der Nacht. Nur vom Altar her hörte man ein
leises Wispern, Martiniz schien zu beten. Bald aber erhob sich lauter
die Nachtluft und wehte um die Kirche. Je lauter es wurde, desto
unruhiger wurde Emil. Er seufzte, er blickte einigemal auf und lauschte
nach der Seite hin, wo der Luftzug stärker wehte.
Näher und näher heulte der Wind, die Fenster bebten, das Licht der
Laterne wehte seine Schatten her und hin, die alten verblichenen
Banner, die an der Mauer hingen, rollten sich auf und bewegten ihre
zerfetzten Bilder an der schwachbeleuchteten Wand.
Jetzt brauste der Wind auf in gewaltigen Stößen. Krachend stürzte ein
Fenster des Chors auf die breiten Quadern des Bodens, daß der Schall
durch die Halle tönte, und mit fürchterlichem Lachen des Wahnsinns fuhr
der am Altar auf und sprang die Stufen hinan. Gellend tönten diese
hohlen Töne der Verzweiflung durch die Gewölbe. »Er kann nicht herein,
er kann nicht herein zu mir,« schrie er, »darum hat er die Wolken
aufgezäumt, auf dem Sturmwind reitet er um die Kirche; ~ça ça!~ Holla,
Antonio -- wie schäumt das Purpurblut deiner Wunde! Rase, tobe durch
die Lüfte, du kannst doch nicht herein zu meiner Freistatt!«
Der Sturm legte sich, ferner und ferner rollte der Wind, und säuselnd
zog die Nachtluft durch die Kirche. Der Mond schien freundlich durch
die hellen Scheiben, und mit des Sturmes Toben schien auch der Sturm in
Emils Brust gewichen zu sein. »Seht ihr,« sprach er wehmütig und zeigte
an die vom Mond beschienenen Fenster hinauf, »seht ihr, wie er so
ernst und zürnend auf mich herabsieht! Kannst du denn nicht vergeben,
Antonio?«
Immer leiser wurde seine Klage, bis er weinend am Altare niedersank.
Jetzt stand der alte Diener, dem während der schrecklichen Szene
die Tränen in den grauen Wimpern gehangen, von seinem Sitze auf und
unterstützte seinen Herrn. Er wischte ihm den kalten Schweiß von der
Stirne und die Tränen aus dem gebrochenen Auge und flößte ihm aus einer
kristallenen Phiole mildernde Tropfen ein.
Der Ohnmächtige richtete sich wieder auf, hüllte sich tiefer in seinen
Mantel und schritt durch die Kirche.
Der alte Diener aber trat zu dem Küster. »Ich danke, Alterle,« sagte
er, »du hast jetzt gesehen, daß wir nichts Unrechtes in deinem
Gotteshause gemacht haben; dafür halte aber reinen Mund. Und wenn du
niemand ein Sterbenswörtchen hören lässest von dem, was du hier gesehen
und gehört hast, so kommen wir vielleicht morgen und manche Nacht
wieder, und du sollst pflichtgemäß deinen Harten haben.«
»Das kann sich unsereiner schon gefallen lassen,« antwortete der Küster
im Weitergehen; »so viel merke ich, daß Euer Herr entweder nicht recht
richtig unter dem Hut ist, oder daß er mit dem Gottseibeiuns hier
Versteckens spielt. Nun hier, denke ich, soll er ihn nicht holen; kommt
nur morgen nacht wieder. Was das Stillschweigen betrifft, so seid außer
Sorgen, von mir erfährt es kein Mensch, vor allem meine Ursel nicht;
denn ich denke, was sie nicht weiß, macht ihr nicht heiß.«
Der alte Diener lobte den Entschluß des Küsters und nahm am Portal mit
einem Händedruck von ihm Abschied. »Ist doch schade um ein so junges
schönes Blut,« brummte dieser vor sich hin, indem er seinem Häuschen
zuschritt; »so jung und hat schon Affairen mit Herrn Urian. Nun, er
soll ihn immer noch ein Halbjährchen reiten; um die harten Taler kann
man zur Not so guten Wein kaufen, als die Freilinger Maurermeister
hatten, um den Kalk zu meinem Münster festzumachen.
Das Souper.
Es schlug ein Uhr, als der Fremde und sein Diener von dem Münster
zurück über den Marktplatz gingen. An den Fenstern des erleuchteten
Museums drängten sich Gestalten an Gestalten geschäftig hin und her,
verworrenes Gemurmel vieler Stimmen tönte herab auf den stillen Platz,
hie und da zeigten laute Ausbrüche der Fröhlichkeit, mit Trompeten
vermischt, daß eine Gesundheit oder ein Toast ausgebracht worden sei.
»Robert!« begann der Graf, »ich will noch einmal hinaufgehen; die
süßen Töne der Flöten, die klagenden Klänge der Hörner haben etwas
Beruhigendes für mich, und mitten im Gewühle der fröhlichen Menge
vergesse ich vielleicht auf Augenblicke, daß ich unter den Glücklichen
der einzige Unglückliche bin.«
Umsonst bat der alte Robert seinen Herrn, er möchte doch seine
Gesundheit bedenken und sich jetzt zur Ruhe legen; er schien es gar
nicht zu hören, schweigend warf er in der Haustüre den Mantel ab, gab
ihn dem Alten und eilte die Treppe hinan. Kopfschüttelnd folgte ihm der
Diener; hatte er doch seit einer langen traurigen Zeit nicht bemerkt,
daß sein armer Herr Freude an rauschender Lustbarkeit hatte; es mußte
etwas Eigenes sein, das ihn noch einmal da hinaufzog, denn wenn er sich
sonst auch in das fröhlichste Gewühl gestürzt hatte, so war er doch
immer nach einem halben Stündchen wieder zurückgekommen. Und heute
hatte er ihn sogar an die Stunde mahnen müssen; heute ging er zu einer
Zeit, wo er sonst erschöpft von Kummer und Unglück dem Schlaf in die
Arme geeilt war, noch einmal auf den Tanzboden. »Gott gebe, daß es
zu seinem Heil ist!« schloß der treue Diener seine Betrachtungen und
wischte sich die Augen.
Der Saal war noch leer, als Emil oben eintrat, nur die Musikanten
stimmten ihre Geigen, probierten ihre Hörner und ließen die Schlegel
dumpf auf die Pauken fallen, um zu sondieren, ob das tiefe C recht
scharf anspreche; mitten durch netzten sie auch ihre Kehlen mit manchem
Viertel, denn ein ellenlanger Kotillon sollte den Ball beschließen.
Löffel- und Messergeklirr, das Jauchzen der Anstoßenden tönte aus dem
Speisesaal; ein schwermütiges Lächeln zog über Emils blasses Gesicht,
denn er gedachte der Zeiten, wo auch er keiner fröhlichen Nacht
ausgewichen war, wo auch er unter frohen, guten Menschen den Becher
der Freude geleert und, wenn kein liebes Weib, doch treue Freunde
geküßt hatte, und mit fröhlichem Jubel in das allgemeine Millionenhallo
und Welthurra der Freude eingestimmt hatte; unter diesen Gedanken trat
er in den Speisesaal. In bunten Reihen saßen die fröhlichen Gäste
die lange Tafel herab; man hatte soeben die hunderterlei Sorten von
Geflügel und Braten abgetragen und stellte jetzt das Dessert auf.
Gewiß! man konnte nichts Schöneres sehen als die Präzision, mit welcher
die Kellner ihr Dessert auftrugen, die Bewegungen auf die Flanken und
ins Zentrum gingen wie am Schnürchen, die schweren Zwölfpfünder der
Torten und Kuchen, das kleinere Geschütz der französischen Bonbons
und Gelees wurde mit Blitzesschnelle aufgefahren, in prachtvoller
Schlachtordnung, vom Glanz der Kristalllüster bestrahlt, standen
die Guß-, Johannisbeeren-, Punsch-, Rosinentorten, die Apfelsinen,
Ananas, Pomeranzen, die silbernen Platten mit Trauben und Melonen.
Aber Hofrat Berner hatte sie auch eingeübt, und den ungeschicktesten
Kellnerrekruten schwur er hoch und teuer in acht Tagen so weit bringen
zu wollen, daß er, einen bis an den Rand gefüllten Champagnerkelch auf
eine spiegelglatte silberne Platte gesetzt, die Treppe heraufspringen
könne, ohne einen Tropfen zu verschütten, was in der Geschichte des
Servierens einzig in seiner Art ist. Wenn die Festins, die er zu
arrangieren hatte, herannahten, hielt er auf folgende Art völlige
Uebungen und Manövers. Er setzte sich in den Salon, wo gespeist werden
sollte, ließ eine Tafel zu dreißig bis vierzig Kuverts decken, und
wie den Rekruten ein fingierter Feind mit allen möglichen Bewegungen
gegeben wird, so zeigte er ihnen auch Präsidenten, Justizräte,
Kollegiendirektoren, Regierungsräte und Assessoren mit Weib und
Tochter, Kind und Kegel, und mahnte sie, bald diesem ein Stück
Braten, jener diese Sauciere zu servieren, bald einem dritten und
vierten einzuschenken und dem fünften eine andere Sorte vorzusetzen;
da sprangen und liefen die Kellner sich beinahe die Beine ab, aber
-- ~probatum est~ -- wenn der Tag des Festes herannahte, durfte er
auch gewiß sein, zu siegen. Wie jener große Sieger, der nur mit
feierlichem Ernst die Worte sprach: »Heute ist der Tag von Friedland!«
oder »Sehet die Sonne von Austerlitz!« so bedurfte es von seinem Mund
auch nur einiger erwähnender, tröstlicher Hindeutungen auf frühere
Bravouren und gelungene Affairen, und er konnte darauf rechnen, daß
keiner der zwanzig Kellnergeister über den andern stolperte oder ihm
die Aalpastete anstieß, oder daß sie mit Sauce und Salat einander
anrannten, purzelten und auf dem Boden die ganze Bescherung servierten.
Mit dieser Präzision war also auch heute die Tafel serviert worden,
der Nachtisch war aufgetragen, die schweren Sorten, als da sind:
Laubenheimer, Nierensteiner, Markobrunner, Hochheimer, Volnay, feiner
Nuits, Chambertin, beste Sorte von Bordeaux, Roussillon wurden
weggenommen, und der zungenbelebende Champagner aufgesetzt. Hatte schon
der aromatische Rheinwein die Zungen gelöst, und das schwärzliche
Rot des Burgunders den Liliensamt der jungfräulichen Wangen und die
Nasen der Herren gerötet, so war es jetzt, als die Pfröpfe flogen, und
die Damen nicht wußten, wohin sie ihre Köpfe wenden sollten, um den
schrecklichen Explosionen zu entgehen, als die Lilienkelche, bis an den
Rand mit milchweißem Gischt gefüllt, kredenzt wurden, wie auf einem
Bazar im asiatischen Rußland, wo alle Nationen untereinander plappern
und maulen, gurren und schnurren, zwitschern und näseln, plärren und
jodeln, brummen und rasaunen, so schwirrte in betäubendem Gemurmel,
Gesurre und Brausen in den höchsten Fisteltönen bis herab zum tiefsten,
dreimalgestrichenen C der menschlichen Brust das Gespräch um die Tafel.
Das Urteil der Welt.
Aber der größte Teil der Konversation, wenigstens am untern Ende
des Tisches, galt Präsidents Ida. Dort gingen die zahnlosen
Mäulchen der Tanten und Mütter wie oberschlächtige Mühlen, und die
Posaunenseraphsgesichter der Töchter nickten ihren Konsens aus den
kleinen Kalmuckenäugelein. Wie hatte doch das Mädchen vor Gott
gesündigt und gefrevelt dadurch, daß es so wunderhübsch geworden war!
Wäre sie zurückgekommen wie eine wilde Hummel, oder wie so manche,
die man als Gagack in die Residenz schickt, um sie »Bildung und
Blumenmachen lernen zu lassen, und die als Gagack wiederkehrt«, da
hätte es geheißen: »An der ist Hopfen und Malz verloren, mich dauern
nur die Eltern.« Jetzt, wo sie mit ihrem Tannenwuchs, mit ihrer
unnachahmlichen Grazie bescheiden und doch voll so erhabener Würde
hereintrat, das strahlende Diadem in den geschmackvoll geordneten
Ringellocken und Löckchen, im feuersprühenden Auge Geist und Liebe,
verschmolzen mit schuldloser, anspruchsloser Natürlichkeit, die
Wangen von Gesundheit gerötet, in den feinen Grübchen den kleinen,
kleinen Schelm, den Mund so würzig, so kußlich, die aphroditische
Schwanenbrust mit dem fürstlichen Schmuck, mit dem Pariser Hofkleid
umschlossen -- Nein! das Mädchen _durfte_ nicht schön, _durfte_ nicht
unschuldig und tugendhaft sein. -- »Ha, ha, ha, Frau Oberhofmeisterin!«
lachte die Kammerdirektorin, ohne darauf zu achten, daß sie die acht
unschuldigen Ohren ihrer erwachsenen Töchterlein beleidigen könnte --
»Tugendhaft? Wir kennen die Residenztugend noch aus unserer Zeit! Da
müßten sich die Steine umgekehrt haben, die Garde-Ulanen-Rittmeister
müßten ihre eng schließende Uniform ausgezogen und die Herren
Archidiakonen und Superintendenten um ihr ehrbares Kostüm ersucht
haben, müßten in schwarzen Mäntlein, weißen Beffchen, kurzen Höschen
und seidenen Wädchen, die Bibel unter dem Arm, einhergehen, wenn man
bei siebzehnjährigen Mädchen Tugend finden sollte in Sodom!«
»Wahrhaftig, Sie haben recht,« schnatterte es über die Tafel herüber;
»und die gerühmte Schönheit? Ist alles Lug und Trug, das kann man alles
dort ums liebe Geld haben; meinen Sie denn, diese Locken dort, diese
Zöpfe seien echt? Bewahre; man hat ja gesehen, was für Haar Mamsell
Sausewind in die Residenz nahm; wo sind die gelben Zähne hingekommen?
Meinen Sie etwa, ein so herrlicher Mund voll, wie jene hat, schiebe
sich im sechzehnten, siebzehnten Jahre noch nach? Lauter Seehund,
nichts als Seehund.«
»Ja, Frau Gevatterin,« unterbrach eine dritte, »und die handbreiten
Brüsseler Kanten, der Amethystschmuck, mit welchem man meinen Torweg
pflastern könnte -- von der Fürstin Romanow soll er sein! Ha, ha, ha,
man hat auch seine Nachrichten; die Fürstin, Gott halte sie in Ehren,
ist eine splendide Frau, auch reich, steinreich, gebe alles zu -- aber
so einem naseweisen Kind, das kaum hinter den Ohren trocken ist, dieses
Diadem, diese Ohrringe, dieses Kollier, dieses Kreuz zu schenken --
nein, dazu ist die Frau Fürstin Hoheit doch zu vernünftig. Haben Sie
aber nie von ihrem Neffen, dem Prinzen Ferdinand, gehört? Soll ein
splendider, artiger Herr sein, der Prinz, und wenn man nur gegen ihn
gefällig ist, ist er es wohl auch wieder, ha, ha, ha --«
Und der ganze Zirkel lachte und stieß an auf den gefälligen splendiden
Prinzen.