entschiedene Proben von Erfahrungen in dieser Beziehung abgelegt hat,
derlei ausspricht; es ist also selbst diese =unbedeutende= Giltigkeit
des Einflusses des phränologischen Wissens nur ein =Ausnahmsfall=.
Dagegen erscheint der Ausspruch eines jeden Anderen, bei welchem diese
Voraussetzung nicht auf eine vollkommen erprobte und anerkannte Weise
eintritt, als vollkommen =bedeutungslos=, denn es ist zuverlässig
nicht leichter, ohne eigene vielfältige Beobachtung nur einigermassen
ein erträgliches Resultat aus der Konstruktion der Wirbelknochen zu
abstrahiren, als -- das Wetter zu prophezeien. Ein Uebersehen einer
ganz unbedeutenden veränderten Lage dieser Theile muss nothwendig zu
eben so grossen Missgriffen führen, als wenn man z. B. übersieht, dass
die Scala eines Barometers, statt nach Pariser, nach Wiener Zollen
eingetheilt ist. Wer Vorliebe für derlei Beobachtungen hat, wird
freilich nicht in Verlegenheit sein, auch die unrichtigsten Aussprüche
zu rechtfertigen, und in dieser Beziehung wird es der Phränologie ohne
Zweifel so ergehen, wie es der Physiognomik erging. _Lavater_ erkannte
in der Physiognomie _Gellert's_, dessen Rechtschaffenheit über allem
Tadel erhaben war, die Züge eines Erzspitzbuben, und _Gellert_ in
seiner Gutmüthigkeit erklärte, dass er in seiner Kindheit wirklich
einige Diebereien verübt habe. Was beweist also ein solches Urtheil,
welches der Wirklichkeit so ganz entgegen ist? Auf diese Art lässt es
sich auch rechtfertigen, wenn man in der Physiognomie eines _Cartouche_
die Züge eines grundehrlichen Mannes erblickt, denn wahrscheinlich gab
es eine Zeit, wo _Cartouche_ noch nicht gestohlen hat. Es ist nicht
schwer, ein Prophet zu sein, wenn =falsche= Voraussagungen auch für
Prophezeiungen gelten; wer sich aber darnach richten wollte, bleibt
angeführt.
Gedruckt bei J. P. =Sollinger=.