Er ihr nach. Aber sie hob abwehrend die Hände: »Bitte, nicht mehr!«

Da ließ er die Arme sinken.

Unten in den Anlagen wurden Stimmen laut, und sie schritten

hintereinander die Anhöhe hinab.

Als sie wieder auf der Straße waren, bot er ihr seinen Arm, aber

sie wollte ihn nicht nehmen. Es lag ihr noch immer lähmend in allen

Gliedern. So war sie vorhin erschrocken, vor ihm und vor sich selbst.

Er erzählte von Spandau und Berlin. Sie hörte nur mit halbem Ohr hin.

Er pfiff: »Auf in den Kampf, Torero.« Sie ärgerte sich über die kecke

Weise und faßte ihren Sonnenschirm fester.

Als der Fußweg in den Buchenwald abbog, sagte sie kurz und

entschieden: »Ich bleibe auf der Chaussee.«

Auf dem Bahnhof standen schon viele Menschen mit abgerissenen

Blätter- und Blütenzweigen, und die beiden schoben sich in die den

Zug erwartende Menge hinein. Als sie ein paarmal auf und ab gegangen

waren, nahm Leidchen auf einmal Hermanns Hand und sagte: »Ich danke

dir auch schön, daß du mich mal mitgenommen hast.« »Das kannst du noch

öfter haben, mein' Deern,« antwortete er, indem er ihre Hand festhielt

und mit zärtlichem Blick ihr tief in die Augen sah. »Wenn's dir recht

ist, bringen wir alle unsere freien Sonntage miteinander zu. Dann

kriegst du wenigstens etwas von der Welt zu sehen. Wollen wir das

nächste Mal mit dem Dampfschiff nach Fegebeutel?« »Bitte ja,« rief

sie mit frohen Augen, sich an seine Schulter schmiegend und zu ihm

aufblickend.

Als der Zug einlief, schielten sie nach den Abteilen zweiter Klasse,

in deren Polster es ihnen ganz gut gefallen hatte, inzwischen wurde

die dritte besetzt, und zuletzt, unmittelbar vorm Abfahren, schob ein

bärbeißiger Schaffner sie in einen Wagen vierter Klasse, mitten in

einen schwitzenden, schmökenden, schwadronierenden Vorstadtskegelklub

hinein. Der halb ausrangierte und nur sommersonntags noch laufende

Wagen schwankte und stieß wie eine alte Postkutsche und warf die

auf engste Stehplätze Angewiesenen bald aneinander, bald gegen

wohlbeleibte Kegelbrüder. --

Am Abend des folgenden Tages erhielt Leidchen eine Ansichtskarte mit

dem Poststempel Worpswede. Weißstämmige Birken mit herbstlich gelbem

Laub spiegelten sich in einem dunklen Moorgraben, und darunter stand,

wie gestochen:

»Von einem von schönstem Wetter begünstigten Ausflug auf den Weiher

Berg sendet beste Grüße

Geschwister Rosenbrock · 第 13 / 34 题