16. Die Meermaid.

Die ehstnische Ueberschrift »_Näkineitsi_« d. i. buchstäblich

»Näk-Mädchen« (Nixe) weist auf schwedischen Ursprung des Märchens hin.

Sch.

Man vergleiche die bekannte französische, fast in ganz Europa, auch in

_Schweden_ zum Volksbuch gewordene Dichtung von der Melusine, die alle

Sonnabende[88] vom Nabel abwärts zur Schlange wurde und welcher Graf

Raimund vor seiner Vermählung mit ihr versprechen mußte, sie nie

Sonnabends sehen zu wollen.

Wenn Schlaf-Tönnis aus dem Reich der Meermaid als Greis auf die Erde

zurückkehrt, so beruht dies auf dem Glauben, daß Sterblichen im Elfen-

oder Feen-Lande die Zeit, ihnen unbewußt, mit reißender Geschwindigkeit

verfließt. So glaubt Thomas der Reimer bei der Elfenkönigin drei Tage

gewesen zu sein, während doch drei Jahre verflossen sind. (W. Scott

=Border Minstrelsy=, =Edinburgh 1861=, =IV=, 127). Ein schwedischer Ritter ist

40 Jahre im Elfenland gewesen und glaubt nur eine Stunde da verbracht zu

haben (Afzelius Volkssagen und Volkslieder aus Schwedens älterer und

neuerer Zeit, übersetzt von Ungewitter =II=, 297). Vgl. auch das Märchen

aus Wales bei Rodenberg Ein Herbst in Wales S. 128 und die

Kiffhäuser-Sagen bei A. Witzschel Sagen aus Thüringen Nr. 277 und 278.

Legenden erzählen Gleiches von Menschen, die im Paradies gewesen sind.

Vgl. Liebrechts Anmerkung zu Dunlop a. a. O. S. 543 und W. Menzel

Christliche Symbolik =II=, 194 ff. K.

[Fußnote 88: Die Fee Manto in Ariosts Rasendem Roland (=XLIII=, 98) und

die Sibylle im Roman »Guerino Meschino« (Dunlop Geschichte der

Prosadichtungen, übersetzt von F. Liebrecht, S. 315) werden ebenfalls

alle Sonnabende -- aber nicht bloß vom Nabel an, sondern ganz -- zu

Schlangen.]

Ehstnische Märchen · 第 65 / 69 题