5. Was für Geschäfte Jack und seine Nachbarn machten.

Am Montag fingen unsere beiden Freunde nun richtig an zu graben, und

wurden hierzu besonders von einer anderen Partei, die dicht neben ihnen

arbeitete und aus drei Mann bestand, aufgemuntert. Diese versicherten

sie, daß sie viel Gold da fänden und sie sollten nur den Muth nicht

verlieren, wenn es sich vielleicht im Anfang nicht gleich so gut

anließe, wie man erwartet hatte. In dem ersten Loch, was sie gruben,

fanden sie auch wirklich nicht viel, das zweite, dicht daneben, bezahlte

sich aber schon besser und sie schafften unermüdet darauf los.

So wie sie das Loch zusammen hinunter gegraben hatten und auf die Erde

gekommen waren, die sie als reich genug erprobt, gewaschen zu werden,

dann ging der Alte an die Maschine und wusch, und Jack schlug inwendig

die Erde los und trug sie ihm zu. Ihre Arbeit wäre, da die Erde etwa

fünfzehn Schritt zu tragen war, mit drei Mann wohl leichter gewesen,

dann hätten sie aber auch den Ertrag mit so vielen mehr theilen müssen

und sie behalfen sich deshalb lieber so.

In diesen Tagen fanden zwei Mann, die weiter oben im Creek arbeiteten,

ein großes Stück von einigen dreißig Unzen, und wer nur noch irgend dort

in der Nähe ankommen konnte, der drängte hinzu, und die Nachbarschaft,

wo der Klumpen gefunden war, wurde im wahren Sinne des Worts aufgewühlt.

Die meisten derer aber, die nachher dort suchten, machten sehr schlechte

Geschäfte und mußten wieder bessere Plätze aufsuchen, um nur etwas zu

verdienen. Es schien fast, als ob gerade an der Stelle all das kleinere

Gold in das große Stück zusammengeschmolzen, und nun gar nichts mehr

weiter übrig geblieben wäre.

In diesen Tagen kamen auch einige Arbeiter von den Ophirdiggings zurück,

die damals, gleich nach dem ersten Gerücht von den großen Karrschen

Klumpen -- der zufällig von einem Schwarzen unter der Wurzel eines

Gumbaumes gefunden wurde -- hinauf gestoben waren, dort hatten sie

mit schweren Hämmern jedes ihnen in den Weg kommende Stück Quarz

unbarmherzig zerschlagen und versicherten unsere beiden Freunde, die

ganze Gegend sei mit Goldsuchern übersäet gewesen, so daß sie zuletzt

ihr Brod nicht mehr verdienen konnten. Zwei große Stücke Gold sind

noch nie dicht neben einander gefunden worden, und man sollte fast die

Gegend, wo ein solcher gelegen, eher vermeiden als suchen.

Das große Stück ging nach Sidney hinunter, wo es zur Schau wieder in

einen Juweliersladen kam und die Menschen aufs neue anregen sollte, nach

den Minen hinaufzuströmen.

Am Mittwoch, hieß es, hatten drei Leute in einem benachbarten kleinen

Creek wieder ein sehr großes Stück gefunden -- es war ein Store dort in

der Nähe, und einige dreißig Menschen eilten hinüber. Von dem Stück war

nichts zu sehen, und wenn auch der Bericht davon augenblicklich nach

Sidney gesandt wurde, fanden die, welche gleich an Ort und Stelle waren,

doch keins oder nur sehr wenig Gold, und mußten unverrichteter Sache

wieder abziehen.

Jack und Hall hatten sich durch alles dieses keineswegs verleiten

lassen, und waren ruhig bei ihrer Arbeit geblieben, wo sie allerdings

keine großen »Nuggets« fanden, aber doch auch genug Gold auswuschen,

ihre Kost zu bezahlen und noch etwas übrig zu behalten. Jack schüttelte

aber doch schon mit dem Kopf und meinte, wenn das nicht besser käme,

so hätte er so viel Gold allenfalls auch in Sidney verdienen können.

Indessen war er nun einmal oben, und da auch noch in derselben Woche

seine schon früher abgeschickten Sachen ankamen, beschloß er, die Sache

erst einmal zu Ende zu sehen.

Das Gerücht, was am Sonntag nur erst dunkel und unbestimmt gewesen war,

daß nämlich durch Mr. Hargreaves neue ungeheuer reiche Minen entdeckt

sein sollten, welche die Regierung, wie es jetzt schon hieß, gar

nicht wollte erlauben öffentlich zu bearbeiten, fand mehr und mehr

Bestätigung, und man nannte jetzt sogar den Platz, Louisens Creek,

keiner aber wußte noch recht, wo der lag. Endlich schien sich auch das

herausgestellt zu haben, denn eines Nachts packte eine Gesellschaft von

Goldwäschern, der wahrscheinlich heimlich der Bericht zugekommen war,

auf, und wanderte mit Sack und Pack den Fluß hinunter.

Solche Geheimnisse nehmen aber immer ein schnelles Ende. Die Leute dort

können unmöglich ohne Provisionen arbeiten, ein Storezelt müssen sie

haben, und die ersten Vorräthe werden wohl immer heimlich genug fort und

an Ort und Stelle gebracht. Der Kaufmann hat aber keinen Nutzen dabei,

daß der Platz geheim bleibt, im Gegentheil, je mehr dorthin kommen,

desto besser ist es für ihn, und wenn auch nicht öffentlich, so läßt

er doch bald genug unter der Hand einen oder den anderen wissen, wo er

hingegangen ist, und das Resultat bleibt dann stets dasselbe Gewünschte.

In acht Tagen kennt die ganze Umgegend den Ort und alles was irgend

mit seiner Stelle unzufrieden ist, oder sich dort zu verbessern hofft,

strömt dahin.

So war es auch hier, und eines Morgens sah Jack zu seinem Erstaunen,

daß Hunderte von Menschen mit ihrem Gepäck, ja manche noch außerdem mit

Waschmaschinen und Werkzeug auf dem Rücken, den Fluß hinunter wanderten,

und frug er sie wohin, so lautete die stete Antwort: »Nach den neuen

Diggings, Jack,« nach »der Welt Ende« -- wie die Gegend dort schon

früher, der traurigen Wildniß von Gumbäumen und Bergrücken wegen,

von den Stationshaltern genannt wurde. Es war für sie »der Welt Ende«

gewesen, weil sie dort mit ihren Schaafen nicht hinein konnten.

Auch die Compagnie neben ihnen, von der man geglaubt hatte, daß sie so

viel Gold fände, wollte ihren Platz verkaufen. Es fanden sich auch bald

zwei Leute dazu, »Gentlemen,« wie sie oben genannt wurden, weil sie

Handschuh trugen, die eben von Sidney heraufgekommen waren. Durch die

vorher kluger Weise ausgesprengten Gerüchte, einer sehr reichen Stelle,

glaubten sie einen ordentlichen Fund gethan zu haben, als sie den

»Claim« für fünf Pfd. St. kaufen konnten, und sie gingen noch denselben

Nachmittag hinein, arbeiteten aber nur drei Tage darin und ließen ihn

dann, ohne ihn zu einem weiteren Verkauf auszubieten, unbenützt liegen.

Jack und sein Compagnon glaubten, daß sie vielleicht nicht recht gewußt

hatten, wie sie darnach graben müßten, und gingen selbst einmal einen

Tag hinein, gaben es aber auch wieder auf. Mit der reichen Stelle war es

doch nicht so arg gewesen.

Hall und Jack wurden von mehreren Seiten aufgefordert, mit nach »der

Welt Ende«, oder dem sogenannten Louisens Creek zu gehen, wo das Gold

»obenauf« liegen sollte, sie waren aber vorsichtig genug, sich nicht

überreden zu lassen, und blieben ruhig bei ihrer einmal begonnenen

Arbeit. Der achtjährige Knabe konnte ihnen dabei auch insofern

behülflich sein, daß er Wasser auf die Maschine schöpfte, und die Frauen

kochten im Zelt und wuschen ihre Sachen. Dafür hatte Hall mit seiner

Familie zwei Theile von dem Gold, was sie fanden, und Jack einen.

Das war auch ungefähr gleich genug vertheilt, die Provisionen trugen

sie aber in gleicher Hälfte und -- dagegen hätte Jack schon lange

protestirt, wenn er sich nicht eben mit dem Gedanken tröstete, ja darin

sogar eine Art Wohlbehagen fand, daß er seinen und Jane's Theil

der Provisionen bezahlte, während der Alte für sich und seine Frau

beisteuerte. Da Jack nichts dagegen einwandte, war Hall natürlich

vollkommen damit zufrieden, und die Sache blieb wie sie begonnen war.

Hall merkte dabei recht gut, daß Jack besonders Jane zu Liebe so treu

bei ihm aushielt, so fleißig arbeitete und manches kleine Opfer brachte,

was ihm sonst sicherlich nicht eingefallen wäre; er ließ sich aber

nichts merken und schien, wenn er es merkte, auch gar nichts dagegen

zu haben. Jane konnte es ebenfalls nicht verborgen bleiben, und Frauen

haben ja außerdem ein weit schärferes Auge für solch kleine Züge von

Aufmerksamkeit, die sie recht gut zu deuten wissen. Wenn sie ihn aber

auch nicht gerade aufmunterte, war sie doch immer freundlich gegen ihn,

und beim Essen sein Platz neben ihr gedeckt -- und sie hatte das

selber anzuordnen gehabt. Jack wußte gewiß, daß er ihr auch nicht ganz

gleichgültig sei, und er dachte oft im Stillen, »wenn er hier oben in

den Minen am Ende auch keine Schätze finde, habe er doch vielleicht

einen Schatz gefunden.«

So arbeiteten sie etwa vierzehn Tage länger, und was sie über die

Diggings von der »Welt Ende« gedacht, schien in Erfüllung zu gehen. Die

Sache war größtentheils Humbug gewesen, denn wenn sich auch Gold dort

fand, so bestand der kleine Creek, den sie Louisen-Creek nannten,

nur, wie die meisten Gewässer Australiens, selbst jetzt, mitten in der

Regenzeit, aus einer Reihe von Waserlöchern, die durch die Maschinen

in kurzer Zeit in Schlamm verwandelt wurden. Außerdem waren die Stellen

auch lange nicht so reich wie man gewähnt hatte, und von den sechs bis

siebenhundert Personen, die den Turon allein nach den ersten Gerüchten

verlassen hatten, kamen schon Massen wieder hierher zurück. Jack

hörte sagen, von sehr vielen, die schon vollkommen genug von den Minen

überhaupt hatten, und ganz und gar nach Sidney zurückgekehrt waren.

Das Wetter fing jetzt auch hier oben an höchst traurig einzusetzen;

Schnee und Regen wechselten mit einander ab, der kleine Fluß stieg und

vertrieb viele von ihren Arbeitsplätzen; es wurde ingrimmig kalt und

Provisionen stiegen der fast unfahrbar gewordenen Straßen wegen zu einer

hier noch nicht gekannten Höhe. Sehr viele verließen, durch stets neue

Täuschungen endlich doch entmuthigt, die Minen, wo sie das keineswegs

gefunden hatten, was ihnen, mit den Zeitungsberichten zusammen, ihre

eigene Phantasie vorgespiegelt, Hunderte aber kamen an ihrer Stelle

wieder dafür herauf und warfen sich mit Todesverachtung in die

verlassenen Gruben.

Dabei tauchten unaufhörlich andere Gerüchte von neu entdeckten Minen

bald hier, bald dort auf, und hielten die Unzufriedenen stets in einer

gewissen wohlthätigen Aufregung, so daß diese nie wußten, nach welcher

Seite sie sich zuerst hinwenden sollten, das flüchtige Glück bei den

Haaren zu fassen und endlich einmal festzuhalten -- und immer und immer

wieder wollte es nicht gelingen.

Hall und Jack hatten indessen ruhig in ihrem Claim fortgearbeitet, und

wenn auch noch gerade ihr Glück nicht gemacht, doch so viel gefunden,

daß sie ihre Arbeit gut bezahlt bekamen und zufrieden sein konnten. Von

allen Seiten drängten aber frische Goldwäscher heran, und sie bekamen

ordentlich zu thun, ihren eigenen Claim zu behaupten, den ihnen der

Commissär schon zweimal gesucht hatte zu schmälern, aber immer glücklich

zurückgeschlagen war. Eine Menge von den erst heraufgekommenen Neulingen

konnte gar keinen Platz finden, und versuchte erst allerlei unnützliche

Stellen, wo sie entweder, sobald sie tief genug kamen, gleich wieder vom

Wasser vertrieben wurden, oder so weit von jedem Wasser entfernt

waren, daß nur ein gar nicht zu erwartend reicher Boden die Arbeit des

Erdeschleppens bezahlt hätte.

Sämmtliche Goldwäscher waren übrigens fast nur Engländer, Irländer,

Schotten oder hier geborne Australier. Außer diesen arbeiteten noch hie

und da Deutsche, aber doch nur sehr zerstreut, und dann und wann fand

man auch einmal einen Franzosen. Am seltensten sah man Amerikaner hier,

und die wenigen, die sich ja hierher verloren hatten, sollten bald den

Platz für sich zu warm finden.

Um diese Zeit kamen nämlich gerade die Gerüchte von San Francisco nach

Australien über das Lynchen einiger »Sidney-Coves«, und die Leute hier

hörten zu ihrer unbeschreiblichen Entrüstung, welchen Ruf sie dort

genossen, und wie die Männer von Sidney in Californien alle über einen

Kamm geschoren wurden. Des armen Capitän Harris Bericht, der seine

Behandlung in australischen Zeitungen gar nicht kläglich genug schildern

konnte, fiel auf fruchtbaren Boden, und wenn Flüche und Schimpfreden

die Amerikaner hätten vernichten können, es wäre nicht ein einziger von

ihnen leben geblieben.

Zwei Amerikanern, die dort am Turon arbeiteten, wurde es auch bald zu

heiß da oben in den Bergen, trotz Regen und Schneegestöber, und sie

waren auf einmal verschwunden. Es wurde eine Zeitlang von weiter nichts

als den »amerikanischen Mordthaten«, wie man sie nannte, gesprochen, und

wie viel Unschuldige schon in San Francisco hingerichtet wären, und

noch täglich hingerichtet würden, wenn England nicht augenblicklich eine

Flotte ausrüste, und das ganze Nest mit Stumpf und Stiel ausrotte. Den

einzigen Trost, den sie dabei hatten, war der, daß es von selber zweimal

abgebrannt war. Darüber war man aber ebenfalls vollkommen einig, daß die

californischen Minen den australischen nicht das Wasser reichen konnten,

und sie freuten sich jetzt nur auf die Zeit, wo die Amerikaner zu ihnen

herüberkommen müßten.

Um diese Zeit war ein paarmal Besuch bei Halls gewesen, namentlich kam

ein junger Schottländer, der einen Store in Bathurst hatte und sich hier

oben einen Platz aussuchen wollte, um auch Provisionen und Waaren hier

heraufzuschicken. Jack hatte ihn aber nicht zu sehen bekommen; er war

jedesmal, wenn er zum Essen kam, schon wieder fort gewesen.

Ihr Claim war indessen ausgearbeitet und sie mußten sich nach einem

neuen umsehen. Das hatte im Anfang einige Schwierigkeiten, und sie

arbeiteten fast eine ganze Woche vergebens; endlich fanden sie aber doch

wieder einen ziemlich guten Platz, wo sie wenigstens etwas verdienten,

und wenn auch Jack gerade kein großes Rühmen dabei fand, schien Hall

doch ungemein damit zufrieden.

Jack, der indessen doch nicht umhin konnte, dann und wann das behagliche

Leben, das er in Sidney geführt, mit dem jetzigen voll Mühen und

Strapazen zu vergleichen, fing auch schon an Berechnungen über das, was

er nun eigentlich hier oben verdient hatte, zu machen, und er mußte sich

gestehen, daß er bis jetzt, wenn er alles aufzählte, was ihn die Sache

gekostet und was er sich an Kleidern und Schuhwerk abgerissen, die Zeit

dabei ebenfalls gerechnet, die er nothwendig hatte versäumen müssen,

doch noch nicht so viel verdient habe, wie er in Sidney, in derselben

Zeit, aber mit weit weniger Mühe und Arbeit verdient haben konnte.

-- Und was war dann das Resultat? -- Aber er hatte dafür eine Familie

gefunden -- d. h. er meinte nicht die ganze Familie, sondern nur ein

einziges Glied derselben -- das auf sein späteres Leben und Lebensglück

vielleicht einen wesentlichen Einfluß ausüben mochte, und konnte er

seinen Eltern einen größeren Gefallen thun, ihnen einen bessern Beweis

seiner künftigen Ausdauer bringen, als durch das zugleiche Zuführen

einer so liebenswürdigen Schwiegertochter?

Jack baute sich ein prachtvolles Kartenhaus zusammen, und arbeitete noch

volle acht Tage ruhig daran fort, als ihm eines schönen Morgens

einmal die ganze Geschichte, und zwar sehr unerwartet, über dem Kopf

zusammenstürzte. Es fiel ihm nämlich unversehens ein Fremder hinein, und

das war der Schottländer von Bathurst, der sich ihm, als er mit keiner

Silbe an solch eine Möglichkeit dachte, an einem Sonnabend Nachmittag

nicht mehr als Schwiegersohn in spe des alten Hall, sondern als

wirklicher angetrauter Gatte der jungen Jane Hall, jetzigen Mrs. Mac

Kelly -- vorstellte. Die beiden jungen Leute waren an demselben Morgen

von dem ehrwürdigen Mann mit den langen trocknen Gliedern eingesegnet.

An demselben Abend rechnete Jack mit dem alten Hall und wie sie zusammen

standen, und fand dabei zu seiner Beruhigung, daß sein einst gehoffter

Schwiegervater keineswegs zu kurz kam.

Die Minen wollte er aber deshalb noch nicht gleich verlassen, er packte

deshalb, was er selber noch von Provisionen und Geschirr hatte, auf,

und ging mit einer Dray, welche Vorräthe nach der Welt Ende brachte, den

Fluß etwa vier Meilen hinunter, wo er drei Bekannte von Sidney traf,

die eben mit einer Quecksilbermaschine und allem Zubehör heraufgekommen

waren. Diesen schloß er sich an; mit der Quecksilbermaschine wollte

es aber nicht recht gehen -- die goldhaltige Erde war zu schwer zu

gewinnen, die Löcher mußten zu tief dazu gegraben werden, und es wollte

die Auslagen an Arbeit und Quecksilber nicht lohnen. Ueberhaupt sah

er, von all den Quecksilbermaschinen die an den Turon, und manche mit

schweren Kosten an Auslagen und Transport hinaufgeschafft waren, auch

nicht eine einzige mehr mit Quecksilber in Thätigkeit -- die meisten,

die noch benutzt wurden, gebrauchte man wie gewöhnliche Maschinen.

Nachher versuchten sie es mit einem sogenannten »langen Tom«, der

nur aufgestellt wird ohne gewiegt zu werden, und das feine Gold mehr

zusammenhält als die übrigen Maschinen. Zu einem langen Tom gehört aber

auch ein steter Wasserstrom und leicht zu gewinnende Erde, sonst müssen

zu viele Menschen dazu genommen werden, die Erde heranzuschleppen und

der Verdienst fällt dann auch auf zu viele Theile. Wasser hatten sie nun

wohl genug da, aber die Erde war, wie auch bei der Quecksilbermaschine,

zu schwer zu bekommen und sie wurden immer wieder auf die gewöhnlichen

Wiegen reducirt. Dabei war ein anderer Uebelstand, der, wie Jack recht

gut einsah, mit jeder Woche nur noch fühlbarer werden mußte; das Wasser

fiel, und wie sollte es hier oben im Sommer werden?

Jack hatte sich überhaupt die ganze Sache anders gedacht. Für Taglöhner

mochte das Goldgraben recht gut und auch einträglich sein; der aber,

der eben ein klein wenig höher strebt, und sich unter der rohsten

Menschenclasse, mit der er hier nothwendig auf ein und derselben Stufe

stehen muß, nicht zufrieden fühlt, der soll die Minen nur ruhig Minen

sein lassen und seinen eigenen Geschäften nachsehen -- er wird sich viel

besser dabei stehen.

Jack sah das jetzt ein -- einen großen Klumpen fand er nicht, und er

konnte sich dabei mit tausend andern trösten -- aber nur um gewöhnliches

Taglohn zu arbeiten und bei dem Versuchen mit dem Umherziehen nach neuen

Claims noch nothwendig viele Zeit ganz nutzlos zu versäumen, konnte

ihm in die Länge nicht behagen. Er wußte, daß er sich in Sidney besser

stand, und beschloß, den Heimweg anzutreten.

Das einzige ärgerte ihn, daß ihn Hall's so bei der Nase herumgeführt

hatten -- und Jane -- nein, die Frauen taugten alle nichts -- er

wollte nun auch im Leben nicht heirathen. -- Auf Jane hätte er übrigens

geschworen.

6. Wie sich Jack auf den Rückweg machte, und was

für angenehme Reisegesellschaft er fand.

Jack hatte all sein Werkzeug für einen Spottpreis verkauft. Es waren so

viele oben, die gern ihre Waschmaschinen und Schaufeln und Spitzhacken

wieder verkaufen wollten, daß er zuletzt froh war, nur etwas dafür zu

bekommen und sich dann, allerdings fröhlich, aber doch auch wieder mit

ein wenig Herzklopfen auf den Weg machte, denn er mußte sich selber

gestehen, er war mit anderen Erwartungen hier heraufgekommen, und

fürchtete, sie würden ihn, wenn er zurückkehrte, zu Hause auslachen.

Jack kannte die Welt und die Menschen noch sehr wenig.

Jack ging nach Bathurst zu; allerdings hätte er, wenn er zu Fuß gehen

wollte, einen viel näheren Weg nach Sidney gehabt; er hoffte aber, dort

einen Platz auf der Post zu bekommen, und machte sich deshalb nichts

daraus, ein paar Meilen umzugehen. Er bekam aber keinen Platz auf der

Post -- Mittwochs nimmt diese die Regierung freundlicher Weise ganz

allein für sich in Anspruch, und wenn Passagiere nothgedrungen an diesem

Tage nach Sidney müssen, so -- mögen sie zu Fuß gehen, oder sonst sehen,

wie sie hinunterkommen.

Viel zu tragen hatte er nicht; lange in Bathurst, wo die Sachen alle

einen Minenpreis hatten, liegen bleiben wollte er auch nicht, also hielt

er es für das Beste, sich gleich ruhig auf den Marsch zu begeben und das

Geld, was er sonst für die Post bezahlt hätte, zu sparen.

In den letzten Tagen hatte es allerdings nicht mehr geregnet, und an

den meisten Stellen waren die Wege wieder so ziemlich abgetrocknet, an

anderen dagegen, und besonders auf den Gipfeln einiger Bergrücken,

in der Nähe des »grünen Sumpfes«, war der Schlamm und zerfahrene

Straßenkoth so entsetzlich, daß er als Fußgänger kaum durch konnte;

für die Karren waren diese Stellen besonders schlimm. Ueberall staken

schwerbeladene Drays bis an die Achsen im Weg, manche mit der Deichsel,

manche mit einem Rad gebrochen, andere nur eben in den zähen Stoff fest

gefahren und keine Hülfe war für sie zu finden. Wären sie auch mit acht

oder zehn Spann Ochsen aus dem einen Schlammloch herausgerückt worden,

so hätten sie die doch nur in ein anderes wieder hineinziehen können.

Und wie sahen die armen Menschen aus, die sich hier im Wind und

Wetter mit ihrem Geschirr herumquälten -- sie bekamen jedenfalls einen

Vorgeschmack der Minen, und Jack dachte so bei sich im Stillen, solche

Müh und Arbeit ließe sich rechtfertigen, wenn die Leute wieder zu Hause

gingen, aber blos um da hinauf zu kommen -- er schüttelte dann sehr

stark mit dem Kopf und wanderte nur um so rüstiger weiter.

Wo der Weg streckenweis gut war, fand er aber auch die Leute viel

lustiger und alle voll guter fröhlicher Hoffnungen. Ganzen Karawanen

begegnete er, und manchmal schämte er sich ordentlich, daß er dann

allein aus den Minen zurückkam -- die Leute konnten ja aber auch nicht

wissen, ob er nicht die Taschen voll Gold hatte, und überdies war er gar

nicht allein auf dem Rückweg: denn als ein rascher Fußgänger hatte er

schon sehr viele, die mit ihm gleichem Ziele zustrebten, überholt, und

auch schon von einigen Fuhrleuten gehört, daß sie sehr vielen begegnet

seien, die auf dem Rückweg nach Sidney wären. Wo er aber so einen Zug

traf, riefen ihn auch meistens die Leute an, und wollten wissen, wie es

oben in den Bergen zuging.

»Hallo, Jack,« war dann das gewöhnliche -- »hast Du Deine Maschine

verkauft (=have you sold your cradle?=) wie steht's oben? -- wie viel

Pfund Gold? -- noch genug Wasser? -- keinen großen Klumpen wieder? --

nein? -- das ist gut, sie heben sie auf, bis wir hinaufkommen -- hurrah

für die Diggings -- viel Gold ausgewaschen? -- O laßt ihn gehen« --

sagte dann ein anderer, »er hat's mit der Post vorausgeschickt« -- =good

bye, Jack, good bye=, riefen sie ihm dann noch zu, und zogen fröhlich

vorüber.

Den dritten Tag, am Nachmittag, überholte ihn die Post -- sie saß

vollgedrängt von Menschen, und die Passagiere sangen und hurrahten --

sie waren kreuzfidel, denn sie fuhren auf der königl. Post.

»Hallo, Jack« -- schrieen sie unseren einsamen Wanderer an, als der

Wagen im vollen Galop an ihm vorbei einen Berg heruntersauste -- »=have

you sold your cradle?=«

Ehe er nur antworten konnte, war der Wagen schon außer Rufs Weite, die

Beine thaten ihm aber weh und er sah ihnen neidisch nach. --

»Morgen früh um sieben oder acht Uhr sind die nun in Sidney,« dachte

er so bei sich, und du mußt nun noch drei Tage marschiren, ehe du dort

einrücken kannst -- ich wollte doch, ich hätte einen Platz auf der Post

bekommen, wenn man auch ein Bischen unbequem sitzt, kommt man doch dafür

auch so viel rascher von der Stelle.

Als er eine halbe Stunde weiter marschirt war und unten an den Fuß des

Berges kam, lag die Post da, und von den Passagieren hatte sich kaum

die Hälfte erst wieder auf ihre Beine gefunden; die andere schien mehr

gelitten zu haben, als sie sich selber noch gestehen mochte, und in den

betrübtesten Stellungen von der Welt lagen und kauerten sie umher. Nicht

ein einziger von ihnen frug Jack mehr, ob er seine »Cradle« verkauft

habe, und sie hätten sich doch jetzt ganz genau und ausführlich bei ihm

darnach erkundigen können.

Jack half ihnen den Wagen wieder mit aufrichten -- und dem Kutscher lief

dabei fortwährend das Blut am Kopf herunter. Die Passagiere sollten dann

wieder hineingepackt werden, damit hatte es aber seine Schwierigkeiten

-- ein alter Mann lag besonders halb bewußtlos da, und mußte sich

fortwährend übergeben. Als sie ihn endlich auf den Wagen hoben, meinte

er mit leiser, von Schmerzen oft unterbrochener Stimme, er hätte es sich

schon den ganzen Tag zugelobt, das solle das letztemal sein, daß er auf

einer australischen königl. Post fahre, und er fürchte jetzt, er habe

wahr gesprochen -- er würde wohl nicht viel mehr fahren.

Die Post kam endlich wieder in Gang, den alten Mann fand aber Jack in

dem nämlichen Haus, wo er die Nacht blieb -- er hatte das Fahren nicht

länger ausgehalten und sie mußten ihn zurücklassen. Jack war froh, daß

er nicht auf der königl. Post gefahren war, denn es ist nicht allein,

daß man unbequem darauf sitzt, man kommt auch manchmal unbequem zu

liegen.

Am nächsten Morgen wanderte Jack durch einen Gumwald -- es ist das

nämlich das Eigenthümliche in Australien, daß sich überall, wo nicht

gerade eine Plain -- d. h. eine Strecke Landes ohne Bäume und viele

Monate im Jahr auch ohne Gras -- liegt, oder das Land cultivirt ist,

Gumwald befindet. Da ihm die Scenerie nicht das mindeste Neue bot,

und der schwere sandige Weg ihn ermüdete, marschirte er still und ohne

aufzusehen weiter. Er achtete nicht einmal mehr viel auf die Karawanen,

die an ihm vorbei nach dem gelobten Lande hinaufzogen, holte auch

nicht mehr viel ein, denn er ging sehr langsam, und diejenigen, die ihn

überholten, schienen ebenfalls keine besondere Lust zu haben, sich in

lange Conversationen einzulassen.

»Hallo, Ihr da, seid Ihr der Postbote, daß Ihr solche Eile habt und ohne

Gruß oder Wort an einem anderen vorbeischiebt?« weckte ihn plötzlich

eine Stimme aus seinen stillen Betrachtungen, und als er aufschaute sah

er einen Mann, der dicht am Wege, mit einem sogenannten Swag -- einem in

seine wollene Decke eingehüllten Packet -- auf einem gefällten Baumstamm

saß und sich auszuruhen schien; »wollt Ihr nach Sidney?«

»Ja,« sagte Jack, »und Ihr« --

»Denselben Weg, Camerad,« fuhr der andere fort, »da können wir uns

ja die Zeit ein wenig kürzen und zusammen gehen.« Er stand bei diesen

Worten auf, nahm sein Bündel auf den Rücken, und schlenderte langsam

neben Jack her.

Es war ein breitschultriger aber magerer Gesell, mit etwas aufgestülpter

Nase, niederer Stirn und blauen Augen, das Haar braun und kurz

abgeschnitten, die Augenbrauen ziemlich buschig, es lag aber etwas

offenes in seinem Blick, und er hatte eine Art trockenen Humors, der

Jack für ihn einnahm. Ein Gespräch konnte die Reise jedenfalls kürzen

und ihm doch wenigstens in etwas die Langeweile des sonst so schauerlich

monotonen Gumwaldes und des Sandbodens vertreiben.

Der Fremde ging in die gewöhnliche Minentracht gekleidet, hatte ein

blaues Hemd und eine englisch lederne Hose an, beides ziemlich neu und

gut aussehend, dabei aber einen alten Strohhut auf und ein baumwollenes

Tuch um die Ohren gebunden -- er hatte Zahnschmerzen, wie er sagte.

Die Füße staken in groben Schuhen und das blaue Hemd trug er, der Sitte

nach, als Rock und über der Hose draußen.

»Wie heißt Ihr?« frug der Fremde, nachdem sie eine kurze Strecke neben

einander hingegangen waren und er ihm schon gesagt hatte, daß er

selber John Smith heiße und ein geborner Londoner wäre. Mit dem ächten

Cockney-Dialekt, der vor jeden Vocal, wo es nicht hingehört, ein h

setzt, und dafür sorgfältig jedes wirkliche h am Anfang eines Wortes

wegläßt, konnte er es auch gar nicht verleugnen, -- »es ist nur der

Bequemlichkeit wegen, daß man weiß, wie man Euch anzureden hat« --

»Ich heiße Jack,« sagte sein Begleiter --

»Ja so heißen wir alle,« meinte Smith trocken, »es giebt hier oben eine

wahre Quantität von Jack's -- aber den anderen Namen« --

»Newman -- Tischler aus Sidney« -- Smith kannte seinen Vater recht gut

und wußte, wo er wohnte -- er hatte früher dort dicht nebenan logirt.

Zwei Polizeigensd'armen ritten an ihnen vorüber, und sahen sich nach

ihnen um, Smith beachtete sie aber nicht weiter, konnte es jedoch nicht

genug loben, wie sicher die Straßen jetzt seien, da die Regierung so

viel Polizei darauf halte. »Was ich an Gold habe, führe ich auch selber

bei mir,« meinte er treuherzig, »was soll man für den Transport auch

noch die schweren Procente bezahlen. -- Habt Ihr Glück in den Minen

gehabt?«

Jack schämte sich, ihm zu sagen, daß er nur mit ein paar Unzen wieder zu

Hause zurückkehre, und eigentlich kaum die Kosten seiner ganzen Fahrt,

wenigstens mit einem sehr geringen Verdienst gedeckt habe -- er gab

eine ausweichende Antwort, und meinte, es sei ihm besser in den Minen

geglückt, als er selber im Anfang erwartet habe.

Smith sagte, das freue ihn, und erzählte nun, wie er selber in

Californien ebenfalls in den Goldminen gewesen sei, und dort gearbeitet

habe, und verschwor sich hoch und theuer, daß die californischen Minen

den australischen das Wasser nicht reichen könnten. Natürlich kamen sie

nun auch auf die californischen Verhältnisse und auf das Lynchgesetz in

San Francisco zu sprechen, und Smith konnte das Ganze nicht schauerlich

genug schildern.

Die Amerikaner waren, seiner Aussage nach, das nichtsnutzigste Gesindel,

was es auf Gottes Erdboden gab, und ein ehrlicher Mann konnte unter

ihnen sein Fortkommen gar nicht finden. Er schien überall in ganz

Californien herum gewesen zu sein und versicherte Jack, er habe dort

»recht gut ausgemacht« und mit harter Arbeit schweres Geld verdient,

er sei aber fortgegangen, weil er es nicht mehr länger habe mit anhören

können, wie man den englischen Namen dort beschimpfe, und ehrliche

Unterthanen mißhandelte. Jack hatte den Mann indessen ordentlich lieb

gewonnen, daß er so nationell gesinnt sei.

Sie waren während dieses Gesprächs zu einer Stelle gekommen, wo man

etwa 200 Schritt von der Straße ab eine Menge niederer steinerner

Schornsteine sah, von denen die meisten in Reihen standen, als ob sie

früher einmal eine kleine Ansiedlung gebildet hatten. Jack wußte nicht

was das bedeutete -- er war mit den Seinen erst im vorigen Jahr nach

Australien gekommen; Smith blieb aber stehen und eine eigene Art von

Rührung schien den alten Mann zu überkommen. Er sah die wunderlichen

Ruinen eine Zeitlang schweigend an, und sagte dann endlich, den Arm

gegen sie ausstreckend, ohne sich aber sonst zu Jack zu wenden:

»Das waren schwere Zeiten, wo die hölzernen Hütten an den Kaminen dort

noch standen, die das Feuer jetzt von der Erde vertilgt hat -- das

waren schwere Zeiten, und mancher arme Teufel liegt dort, wo die

drei einzelnen Bäume stehen, begraben, den nicht Krankheit oder ein

gewaltsamer Tod von der Erde wegraffte, nein, den die _Peitsche_ langsam

unter den grünen Boden hinunter prügelte -- langsam und Zoll für Zoll,

bis er es endlich nicht mehr ertragen konnte, und das Ende davon war

dann gewöhnlich, daß sie ihn zuletzt dort unter den drei grünen Bäumen

einscharrten. Es ist merkwürdig, daß sie an der Stelle gar nicht mehr

wachsen wollen.«

»Die _Peitsche_?« frug Jack erschreckt, »das ist ja fürchterlich -- aber

-- das muß doch eigentlich schon sehr lange her sein, denn Neu-Südwales

ist ja schon lange keine Verbrecher-Colonie mehr, und seit der Zeit hat

ja doch, wie ich glaube, alles derartige wohl aufgehört?«

»Seit _der_ Zeit hat es aufgehört,« bestätigte der alte Smith und sah

wieder still vor sich nieder, während ein ziemlich starker Zug von

Karren und Menschen an ihnen vorüberging. Da diese nicht wußten, ob die

beiden Männer herunterkamen, oder ebenfalls hinaufgingen, bekümmerte

sich niemand um sie; als sie vorbei waren, fuhr Smith wieder fort. »Es

sind nun auch beinahe dreißig Jahre, daß ich in dieser Colonie lebe,

und damals freilich sah das Land anders aus als jetzt, und man kann sich

jetzt kaum noch eine Idee davon machen. Die _Menschen_, die man

hier herüberschickte, wurden auch eigentlich gar nicht wie Menschen

behandelt, es waren _Verbrecher_, gleich viel um was sie gegen die

Gesetze ihres Vaterlandes gesündigt hatten, ob sie vielleicht Brod

gestohlen, um nicht zu verhungern, oder den armen Wanderer auf der

Straße um seine paar Schillinge todtgeschlagen; ob sie vielleicht einen

Hasen auf ihrem eigenen Land geschossen, oder in fremder Leute Eigenthum

mit Gewalt eingebrochen waren. -- Hier galt das gleich, hier wurden sie

alle über einen Kamm geschoren und wehe dem armen Teufel, der sich den

Zorn oder auch nur das Mißvergnügen des Oberaufsehers zugezogen hatte --

nicht einen Sixpence hätt' ich für seine Haut mehr geben mögen.«

»Und gehörtet Ihr auch mit zu jenen Unglücklichen?« frug Jack

theilnehmend. Wäre er länger in Australien gewesen, so hätte er sich

die Frage eben ersparen können. -- »Ihr scheint sehr genau mit all den

damaligen Verhältnissen bekannt zu sein.«

»Ich war mit einem der ersten Emigrantenschiffe herübergekommen,« sagte

Smith ruhig, »mein Vater aber war Gefängnißwärter in Port Macquarrie,

und da bekam ich eine Aufseherstelle bei den Deportirten -- es war ein

trauriger Posten,« fuhr er nach einer kleinen Pause fort, »und ich habe

unendliches Elend dort gesehen, aber doch auch viel Schmerzen lindern

können und manchem armen Teufel eine Tracht Schläge erspart, die ihm

vielleicht das Leben gekostet hätte.«

»Das muß Euch doch jetzt noch ungemein viel Freude, selbst in der

Erinnerung machen,« sagte Jack herzlich -- Smith antwortete ihm aber

nicht darauf; sich nach seinem jungen Begleiter umsehend, zeigte er auf

die einzeln stehenden drei Bäume und sagte:

»Dort an dem mittelsten Stamm, rechts von dem hohen Kamin, das

einzige was noch in seiner ganzen Länge stehen geblieben, ist eine

Merkwürdigkeit, von der wenig Menschen jetzt hier noch etwas wissen« --

Jack sah ihn neugierig an -- »Dort verscharrten wir eines Morgens, denn

begraben kann ich das nicht gut nennen,« fuhr Smith fort, »einen jungen

Mann -- es hieß er sollte wegen Wilddiebstahl deportirt worden sein,

die rechte Ursache erfuhr man aber nie, und hie und da wurde von

einer Liebesgeschichte gemunkelt. Der Oberaufseher hatte ihn wahrhaft

tyrannisch behandelt, und da schnitt er sich einmal eines schönen

Morgens die Adern auf -- als er geweckt werden sollte, war er todt.«

»Und was ist das Merkwürdige, was dort an dem Baum zu sehen ist?« frug

Jack.

»Ein kleines Kreuz von irgend einer bunten Art Steine, die eine

junge Dame aus Sidney, etwa sechs Monate nach seinem Tod, hat dort

einschneiden lassen -- wir wollen einmal dort vorbeigehen und es uns

ansehen, ehe es dunkel wird.«

»Wir kommen aber dann zu spät ins Nachtquartier,« meinte Jack, und sah

sich nach der Sonne um »-- die Straße ist auch schon leer, die Sonne

wird gleich unter sein.«

»Die Fuhrwerke sind unten beim Wasser geblieben,« erwiderte Smith,

seinen Bündel wieder aufnehmend, »wir schneiden uns aber sogar noch ein

Stück vom Weg ab, wenn wir hier hinuntergehen, denn die Straße macht

einen großen Bogen, den steilen Berg zu umgehen, und so wie wir, von den

Schornsteinen ab, ins Thal hinunterkommen, sind wir am Wirthshaus, das

da gleich am Wege steht.«

Er hatte bei diesen Worten schon die Straße verlassen und war in den

Busch hineingegangen; es führte hier nicht einmal ein Steg hinüber; der

Platz schien seit vielen Jahren gar nicht mehr besucht zu sein; Jack

folgte aber seinem Führer, der hier jedenfalls gut Bescheid wissen

mußte, und dann interessirte es ihn auch, das Kreuz zu sehen, was

auf eine so rührende und geheimnißvolle Weise über den Tod eines

Unglücklichen trauerte.

Der Busch war schauerlich dicht, nach einer Viertelstunde etwa

erreichten sie aber den Platz, und Smith ging gerade durch nach den drei

Bäumen zu, die ziemlich hervorragend auf einer kleinen, sonst von keinen

hohen Bäumen besetzten Anhöhe standen. Sonst wucherte aber dort gerade

ziemlich dichter niederer Gumbusch, und in dem tiefer gelegenen Grund

fing es auch schon an, etwas düster zu werden. Die Sonne vergoldete nur

noch die höchsten Gipfel.

»Wir werden das Kreuz kaum noch sehen können,« sagte Smith -- »es ist

Schade, daß es schon so spät ist --« er bog die Büsche auseinander und

trat zu den Bäumen -- »dort unten liegt übrigens das Wirthshaus,« sagte

er, in das Thal hinunter zeigend, wo jedoch nichts mehr zu erkennen war

-- »und hier ist auch das Kreuz.«

Jack trat rasch vor und bog sich zu dem Baume nieder -- Smith hatte

seine rechte Hand unter seinem blauen Hemd am Gürtel.

»Ich kann nichts erkennen,« sagte er, und drehte sich nach seinem alten

Begleiter halb um. -- Eben noch sah er, daß dieser eine Bewegung gegen

ihn machte, und im nächsten Moment lag er, von irgend einem schweren

Instrument zu Boden gefällt, bewußtlos auf der Erde.

Als er wieder zu sich kam, war es stockdunkel -- sein Gesicht und seine

Haare waren mit Blut bedeckt, und er fühlte einen dumpfen Schmerz am

Kopf. Er brauchte eine geraume Zeit, bis er sich nur erst wieder besann,

wo er war. Sein erster Griff war nach seinem Kopf -- und er blieb nicht

lange in Zweifel, wie er sich damit stand -- der zweite nach seinem Gold

-- John Smith hatte ihn der Mühe überhoben, weiter auf dasselbe Acht zu

geben.

»Was für ein verdammt heuchlerischer Schurke das gewesen war« -- dachte

Jack, als er sich emporrichtete und mit beiden Händen seine Schläfe

hielt.

Sein Bündel lag uneröffnet neben ihm am Boden und er tappte überall mit

den Händen herum, ob ihm nicht auch vielleicht sein Goldbeutel aus

der Tasche gefallen wäre, das war übrigens nicht der Fall, und dieser

wahrscheinlich nur zu sicher aufgehoben.

Um der Sache übrigens noch die Krone aufzusetzen, folgte er der

Anweisung, die ihm Smith gegeben hatte, zu dem nächsten Hause zu kommen,

und stieg in das Thal hinunter. Dort sah er sich -- oder sah er sich

vielmehr nicht, sondern fühlte er sich in einem tiefen Kessel, aus dem

er in der Dunkelheit gar keinen Ausweg fand. Die Nacht mußte er da unten

verbringen, und erst mit Tagesanbruch suchte er seinen Weg zurück, wie

er hineingekommen war.

Jetzt mußte er noch einmal an den drei Bäumen vorbei, und er konnte

nicht umhin nach dem Kreuz zu sehen, was ihn in eine so fatale Lage

gebracht hatte -- natürlich war aber von einem Kreuz nicht die geringste

Spur zu finden -- der verwünschte Smith.

Ich kann hier meine Erzählung ziemlich kurz abbrechen, denn der Leser

hat das Ende -- Jack war seine paar Unzen los und Smith, oder wie der

gute Mann sonst hieß, über alle Berge. Jack machte übrigens gleich bei

dem ersten Gendarmen, den er traf, Anzeige über das Vorgefallene, und

nannte seinen Namen und Wohnort in Sidney -- der Polizeimann erkundigte

sich besonders genau nach dem Tuch, was dieser Smith um die Ohren

gebunden gehabt, und ob er es nicht einmal abgenommen, oder ob es sich

vielleicht einmal verschoben habe, daß er hätte sehen können, was ihm

eigentlich fehle. Jack konnte ihm aber hierüber keine Auskunft geben,

und dabei blieb die Sache für jetzt -- von dem Kreuz erzählte er nichts.

Den ganzen Weg bis Sidney hinunter durfte er aber jetzt zu Fuß laufen,

und sogar noch den größten Theil seines Gepäcks verkaufen, um nur

unterdessen leben zu können, und doch hatte er sich die ganze Zeit

darauf gefreut, wenigstens von Penrith hinein mit der Post fahren zu

können. Das hatte aber auch wieder _das_ Gute, daß er es konnte Abend

werden lassen und die Leute ihn nicht auf der Straße frugen: =Hallo,

Jack, have you sold your cradle?= -- wie das wohl jedem ohne Ausnahme

in Sidney passirt, der jetzt mit einem blauen Hemd an und einer wollenen

Decke auf dem Rücken bei Tag durch die Straße gehen wollte.

In seiner Eltern Haus war aber große Freude, als er einrückte; sein

Vater hatte mehr Arbeit denn je, und der neu angenommene Geselle war

ebenfalls in die Minen hinaufgegangen. Jack erzählte ihnen auch ziemlich

aufrichtig, wie es ihm oben in den Bergen gegangen sei, er ließ aber

doch vieles weg, was er schon hätte ausführlicher beschreiben können. So

erzählte er kein Wort von Jane und hätte auch gewiß Mr. Smiths Andenken

mit gründlicher Verachtung behandelt, wenn das nur eben gegangen wäre --

Mr. Smith hatte sich aber zu deutlich in sein Stammbuch geschrieben.

Einige Wochen später erwischte diesen übrigens die Polizei in den

Ophirdiggings, wo er wieder in ein Zelt eingebrochen, oder vielmehr

eingeschnitten war. Mr. Smith hatte noch immer Zahnschmerzen, oder trug

das Tuch wenigstens noch immer um die Ohren, d. h. um den Platz herum,

wo seine Ohren einmal gesessen hatten. Von Californien war er mit dem

Verlust derselben wieder zurückgekommen, und man vermuthete, daß er

vollen Grund habe, auf das amerikanische Lynchgesetz ungehalten zu sein.

Von seinem Gold bekam Jack übrigens nie wieder etwas zu sehen, wollte

aber auch nichts mehr von den Minen wissen.

Im Australischen Busch.

Das Goldfieber war in Sidney in voller Wuth ausgebrochen. Fabelhafte

Berichte von riesigen gefundenen Goldklumpen, von Reichthümern, die

an einem Tage, in wenigen Stunden gewonnen, berauschten die Hörer und

machten auch dem Kaltblütigsten das Herz rascher und unbehaglicher

schlagen. Was Wunder also, daß Alle, die gerade locker und ledig in

der Stadt herumliefen und keine bestimmte Beschäftigung hatten, ohne

Weiteres aufpackten, »ihr Glück« in den Minen zu versuchen, da ja selbst

die Männer in Amt und Würden nicht einmal Alle von diesen gehalten

werden konnten und hier und da sogar eine »gewisse Zukunft« im Stich

ließen, einem höchst ungewissen Erfolg in den Bergen nachzujagen.

Besonders in die Seeleute war der Goldteufel im wahren Sinne des Worts

gefahren, und sie bekamen plötzlich Alle mit einander Lust, das Seeleben

mit der Arbeit in den Bergen zu vertauschen. So wenig sie sonst vom

Lande wissen wollen, und so rasch sie sich immer wieder an Bord ihrer

Schiffe zurücksehnten, sobald nur das mitgebrachte Geld in aller

Geschwindigkeit verthan war, so versessen schienen sie ganz urplötzlich

darauf zu sein, ihre »Landbeine«, wie sie's nannten, anzuschnallen,

und Salzwasser und Schiffszwieback für längere Zeit -- Viele dachten

vielleicht auf immer -- Lebewohl zu sagen. Ja nicht allein die Matrosen,

sogar die Steuerleute waren kaum zu halten -- juckte es doch den

Capitainen selber nach Schaufel und Spitzhacke in den Fingern, und alle

die Führer von Schiffen, besonders die, denen daran lag, den Hafen bald

wieder verlassen zu können, kamen oft in die schwierigsten, fatalsten

Lagen.

Matrosen sind gewöhnlich von dem Hafen aus, von dem sie fahren für _die

Reise_, bis zurück von da, wo sie ausgelaufen, verdingt, und dürfen ihr

verdientes Geld nicht eher vom Capitain verlangen, als bis diese Reise

wirklich zurückgelegt ist. Nur kleine Abzahlungen werden ihnen in

den Zwischenhäfen gestattet, hängen aber auch stets von ihrem guten

Betragen, d. h. vom Willen des Capitains selber ab und ob und wie viel

er ihnen Geld auszuzahlen denkt.

Was aber kümmert das den Seemann? Es giebt wohl kaum ein

leichtsinnigeres Volk auf der weiten Gotteswelt, als eben den Matrosen,

und was ihm nicht der Augenblick, die unmittelbare Gegenwart bringt,

hat für ihn nicht den mindesten Werth, übt auf ihn nicht den geringsten

Einfluß aus. Daß viele der Capitaine deshalb ihren sauer verdienten Lohn

für lange Monate in den Händen hielten und ihn jetzt natürlich nicht

herausgeben mochten, kümmerte sie gar nicht, und wenn sie die Jacke vom

Leibe verkaufen mußten, Brod unterwegs zu haben, was that's? Sobald sie

nur die Minen erreichten, wie sie dachten, war ihnen ja doch geholfen

und sie aller Noth und Sorge ledig.

Um diese Zeit lag auch ein englisches Schiff, die Jane Douglas, im Hafen

von Sidney. Der Capitain hatte seine Fracht gelöscht und wollte eben

wieder beginnen, neue einzunehmen, als ihm eines Morgens die Kunde

gebracht wurde, die Hälfte seiner Mannschaft sei in der Nacht

»durchgebrannt« und die andere Hälfte würde wahrscheinlich ebenfalls

bald nachfolgen. Frische Matrosen waren in Sidney zu jener Zeit gar

nicht zu bekommen, ein _sehr_ langer Aufenthalt wäre jedenfalls die

unausbleibliche Folge gewesen, und der Capitain, ein resoluter

Mann, griff endlich, nach reiflicher Erwägung, zu einem anscheinend

verzweifelten, und doch, wie der Erfolg zeigte, gar nicht so üblen

Entschluß. Er erklärte nämlich seinen Leuten, er wolle mit ihnen, da

sie doch jetzt nicht daran denken konnten wieder sobald in See zu gehen,

selber in die Minen hinaufziehen und mit ihnen arbeiten, der Ertrag

solle aber, da er aus seiner Kasse die Kosten bezahlen würde, zum Theil

für den Rheder, zum Theil für sie selber angenommen werden. Der Steward,

der ohnedies lahm war, sich aber schon lange Jahre an Bord befand und

das volle Vertrauen des Capitains besaß, sollte zurückbleiben und das

Schiff bewachen, dafür aber bei der Zurückkunft gleichen Antheil mit der

übrigen Mannschaft erhalten.

Es läßt sich denken, daß die Leute mit Jubel auf den Vorschlag

eingingen, denn liefen sie auf ihre eigene Hand fort, blieben sie immer

der Gefahr ausgesetzt, wieder eingefangen zu werden, und hatten selbst

im glücklichsten Falle des Entkommens keinen rothen Heller in der

Tasche, ihren Weg in die Minen zu bestreiten. Schon am nächsten Tag war

denn auch Alles eingekauft, dessen sie zum Graben und Waschen da

oben bedurften, ein Karren gemiethet, ihr Werkzeug, wie ihre

nöthigen Provisionen hinaufzuschaffen, und der wunderliche Zug,

ein Schiffscapitain an der Spitze seiner Mannschaft, setzte sich in

Bewegung.

In den Minen am Turonfluß angelangt, begannen sie frisch ihre Arbeit.

Einer der Matrosen war schon früher in Californien gewesen (vielleicht

eine Ursache, daß er diesmal nicht fortgelaufen) und konnte die Uebrigen

im Handhaben ihrer »Wiegen« unterrichten, und es wurde auch Gold genug

gefunden, wenigstens vor der Hand ihre Ausgaben damit zu bestreiten und

noch etwas zurückzulegen. Nach und nach kamen sie besser hinein, und

theilten sich jetzt in drei Parteien, um eine größere Strecke auf

einmal in Angriff nehmen zu können. Der Capitain selber arbeitete nicht,

sondern überwachte das Ganze, der erste Steuermann war mit dem Koch

und einem Schiffsjungen zusammen, der zweite Steuermann mit zwei

jungen englischen Matrosen, und der Zimmermann und ein anderer Matrose

arbeiteten ebenfalls zusammen. Das, was sie den Tag über fanden und

auswuschen, wurde dann Abends gewogen und kam in eine gemeinschaftliche

Kasse, später in dem bestimmten Verhältniß vertheilt zu werden. Diese

Kasse hatte natürlich der Capitain.

Der Zimmermann war bis jetzt am glücklichsten gewesen und zwei Tage

hinter einander in eine ziemlich reiche Stelle hineingerathen, aus der

die beiden Männer eine Anzahl Unzen Gold herausnahmen. Noch besser traf

es bald darauf der zweite Steuermann, der in einer Woche siebzehn, in

der andern sogar einundzwanzig Unzen mit seiner Partei ausgewaschen

hatte.

Es war jetzt die vierte Woche, daß sie arbeiteten, und die Leute fingen

an, sich nachgerade zu berechnen, was sie etwa verdient, und was sie

davon abgeliefert hätten. Daß ihnen der Capitain dabei die Mittel an

die Hand gegeben, diese Stellen zu erreichen, und sobald zu beginnen,

brachten sie nicht in Anschlag, und der Zimmermann weigerte sich endlich

offen, unter den bisherigen Bedingungen länger mit fortzuarbeiten. Daß

ihm der Capitain bewies, wie er hier in der kurzen Zeit gerade etwa

das Zehnfache verdiene, als wenn er an Bord geblieben wäre, brachte ihn

nicht von seinem Vorsatz ab, und eines Morgens war er verschwunden. Die

Uebrigen beharrten indessen bei der Arbeit, und dem Matrosen, der bis

dahin mit dem Zimmermann zusammen gegraben und gewaschen hatte, wurde

der Koch beigegeben.

Es war am Mittwoch, als der zweite Steuermann mit seinen beiden Leuten

wieder ein Loch bis ziemlich auf den Felsen niedergegraben hatte.

Er nahm jetzt eine Pfanne voll Erde, in der er schon mit bloßem Auge

Goldkörner erkannte, heraus, und ging damit an den nächsten Bach, sie

zu waschen. Wie er damit zurückkam, stand der Capitain am Rand, ihren

Erfolg zu erfragen.

»Nun, Jones?« sagte er, als er diesen langsam mit der leeren Pfanne

zurückkommen sah, »wie stehts? lohnt das hier?«

»Ich glaube nicht, Capitain,« antwortete dieser mürrisch, »in der Pfanne

war nicht für einen halben Schilling, und das von der besten Stelle

weggenommen. Ich denke, wir fangen lieber auf einem andern Platze an.«

»Nur nicht so rasch verzagt«, ermahnte dieser -- »Ihr habt Euch die Mühe

des Abräumens gegeben, nun wascht auch die Grube aus, Tagelohn macht

Ihr doch jedenfalls dabei. Vielleicht ist's auch in der andern Ecke

da besser. Ich will nachher einmal wieder zufragen, wie's geht.« Dabei

drehte er sich ab, und wanderte langsam den Fluß aufwärts und der Stelle

zu, wo der erste Steuermann mit dem Jungen wusch.

Jones blieb in der Grube stehen und sah ihm eine Weile nach, dann aber,

als er sich überzeugt hatte, daß er nicht zurückkehren würde, drehte er

sich plötzlich nach seinen beiden Gefährten um, griff mit seiner rechten

Hand in die Tasche seiner blauen Jacke, holte eine ganze Hand voll

schwerer Goldkörner, von denen einzelne eine halbe Unze wiegen mochten,

heraus und hielt sie den überraschten Mitarbeitern hin.

»Hallo, was ist das?« riefen diese, die Augen aufreißend, »wo kommt

_das_ auf einmal her?«

»Aus der Pfanne da«, lachte Jones.

»Aus der _einen_ Pfanne? -- ich dachte es wäre Nichts darin?«

»Nichts drin? -- weil ich es dem Alten nicht auf die Nase gebunden

habe?« -- lachte aber der Steuermann höhnisch. -- »Jungens, in der Grube

hier steckt unser Glück. In der _einen_ Pfanne voll, die ich nur hier

oben weggenommen, lagen wenigstens vier oder fünf Unzen Gold, und wenn

Ihr das dem Rheder, der daheim in London mit den Händen in den Taschen

sitzt, in den Hals stopfen wollt, so hab ich Nichts dagegen; ich mache

mit, was Ihr beschließt, aber wenn Ihr _meinem_ Rath folgt, so behalten

wir das, was wir hier aus der Grube, und vielleicht aus der nächsten

nehmen für uns, und suchen uns in den Bergen dann einen andern Platz, wo

wir weiter arbeiten. Finden wir aber hier schon, was wir _brauchen_, und

was ich jetzt fast glaube, so gehen wir nach England zurück und leben

dort wie die großen Herren.«

»Ich bin dabei«, sagte Bob, ein junger Bursche von neunzehn Jahren, den

der Glanz des Goldes und die Aussicht auf so raschen und unerwarteten

Reichthum geblendet hatte. »Hols der Teufel, die _Sklaverei_ für andere

Leute hätt' ich überdies dick und übersatt.«

»Erst wollen wir sehen, was wir finden«, bemerkte indessen Ned,

der dritte von ihnen, vorsichtig. »Es kann auch sein, daß der ganze

Reichthum hier unten zufällig in dem einen kleinen Nest gelegen hat,

und damit ist uns dann auch so gut wie Nichts gedient. Darin bin ich

übrigens mit Euch einverstanden -- finden wir etwas _Ordentliches_, dann

kneifen wir zusammen aus, und der Alte mag uns dann, wenn er wieder nach

Hause fährt, beim Rheder »krank« melden.«

»Was wir ihm gekostet haben, ist lange abgezahlt,« setzte Bob hinzu,

»und Gewissensbisse brauchen wir uns darüber nicht zu machen.«

»Gewissensbisse?« lachte Jones, »zum Teufel noch einmal, was hier in

der Erde liegt, gehört dem »ehrlichen Finder«, der nirgend in der Welt

gebeten wird, das Verlorene gegen eine gute Belohnung in der Expedition

dieses Blattes wieder abzugeben -- wie sie's in den Zeitungen am Land

immer haben, und wenn das Schicksal absolut will, daß wir reiche und

angesehene Leute werden und in Kutschen fahren sollen, dann wär' es mehr

als albern von uns, wenn wir uns mit Händen und Füßen dagegen wehrten.

Das hieße nachher nicht mehr _Ehrlichkeit_, das hieße _Dummheit_, und

der Rheder selber wäre der Erste, der uns heimlich dafür auslachte.«

Er hatte sich indessen niedergebückt, und mit seinem Messer in der

Erde herumgestochert, als er plötzlich einen kaum unterdrückten Schrei

ausstieß und ein Stück Gold von wenigstens sieben oder acht Unzen

Schwere zu Tage brachte.

Die Aufregung, in der sich die drei Menschen jetzt befanden, war

unbeschreiblich. Mit vor Eifer zitternden Händen gingen sie daran, die

wirklich ungemein goldreiche Erde auszuwaschen, und in kaum einer Stunde

hatten sie ihren großen Blechbecher bis zum Rand mit dem kostbaren

Metall gefüllt. Vor allen Dingen galt es jetzt aber dem wahrscheinlich

bald zurückkehrenden Capitän den Fund zu verheimlichen, und das Gold

wurde deshalb in einer Ecke der Grube versteckt und mit einem Stein und

dann mit Erde bedeckt. Nur ein paar Körner ließen sie im Becher zurück

und wuschen dann weiter.

Der Capitän kam übrigens an dem Nachmittag nicht wieder zu ihnen und sie

wuschen einen Reichthum aus, den sie früher in ihren kühnsten Träumen

vielleicht nicht für möglich gehalten. Das aber konnte sie natürlich nur

in ihrem gefaßten Beschluß bestärken, und der morgende Abend wurde zur

Ausführung desselben bestimmt. Sie konnten heute nämlich nicht mit dem

Begonnenen fertig werden, und nahmen deshalb Abends etwa eine Unze mit

zum Lager, doch etwas abzuliefern. Ihren Schatz ließen sie in der Grube

zurück, füllten vorher aber die Ecke, in der er lag, mit Erde auf und

durften ziemlich sicher sein, daß ihnen Niemand Nachts hineinging.

Es war dort Loch an Loch gemacht, und wer solcherart heimlich und im

Dunkeln die verschiedenen Gruben hätte revidiren wollen, würde -- selbst

die Gefahr abgerechnet, der er sich dabei aussetzte -- im Ganzen sehr

schlechte Geschäfte gemacht haben; der Zufall hätte ihn denn müssen an

einen solchen Platz führen.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück gingen sie wieder an die Arbeit

und fanden noch sehr viel Gold. Mittags nahmen sie wieder eine Unze

davon mit zu ihrem Zelt, der Steuermann Jones verschaffte sich dann

einen kleinen Leinwandsack, den er heimlich mit heraus an die Arbeit

nahm, und in der Dämmerung wollten sie ihre Flucht mit dem erbeuteten

Raub antreten.

Das Gold war schon ausgewaschen und in den jetzt ziemlich schweren Sack

gethan, die Grube vollständig untersucht -- eine Ader schien auch von

dorten nicht abzulaufen, und was sie gefunden, sich mehr hier in einer

Art von Felskessel, durch den Bach im Lauf der Jahre niedergespült und

gesammelt zu haben -- in der Nachbarerde, wie das so oft geht, hätten

sie vielleicht wenig oder gar Nichts gefunden. Nur zum Schein arbeiteten

sie jetzt noch weiter, damit sie bei einbrechender Dunkelheit nicht

etwa verfolgt werden konnten. Hatten sie aber erst einmal die Nacht

Vorsprung, dann wäre es, wie sie recht gut wußten, in den wilden Bergen

unmöglich gewesen, ihrer wieder habhaft zu werden.

Gerade vor Dunkelwerden kam der Capitän dort vorbei, und blieb bei ihnen

stehen.

»Feierabend, Feierabend«, lachte er, »seid nur nicht zu fleißig, Ihr

Leute -- mit einem Male können wir doch nicht reich werden. Nun wie geht

es heute Nachmittag, Jones?«

»Etwas besser, Sir«, sagte der Mann, wagte aber dabei nicht, seinem

Vorgesetzten, den er eben im Begriff stand zu hintergehen, ins Angesicht

zu schauen. »Wir haben seit Mittag etwa wieder eine Unze gefunden, und

wollten noch gern, ehe wir aufhörten, die paar Pfannen voll auswaschen.

Es wird morgen früh doch nicht der Mühe lohnen, daß wir hier wieder

anfangen.« Er deutete dabei auf den oben am Rande stehenden Blechbecher

hin, in dem die drei Verschwornen absichtlich etwas Gold hatten stehen

lassen.

Der Capitän nahm ihn auf, sah hinein, stellte ihn wieder hin und sagte:

»Nun gut Leute -- vergeßt nur Nichts von dem Werkzeug, wenn Ihr heute

Abend zum Zelt kommt. Dicht neben uns ist gestern Abend wieder eine

Brechstange gestohlen worden. Es giebt hier oben doch mehr Gesindel,

wie man eigentlich glaubt.« -- Und seine Hände in die Taschen schiebend

stieg er den Hügelvorsprung hinan, an dessen andrer Seite ihr Zelt lag.

»So Jungens«, sagte der Steuermann, als er ihm wieder mit den Blicken

bis dort hinüber gefolgt war; »jetzt ist's Zeit. Der Alte kommt heute

Abend nicht eher wieder hieher als bis es stark dunkel ist, und

sie ernstlichen Verdacht geschöpft haben -- und dann ist's zu spät.

Donnerwetter, der Sack ist schwer«, stöhnte er, als er das verborgene

Gold unter einer darüber gelehnten Steinplatte herausnahm und aufhob.

»Einer allein kann das gar nicht schleppen -- wir müssen's theilen. Die

Leute werden überdies Verdacht schöpfen, wenn sie uns nur damit gehen

sehen.«

»Ach was«, beschwichtigte ihn Ned, »wenn uns Jemand jetzt fragen sollte,

wohin wir damit wollen, brauchen wir ihm ja nur zu sagen, zum Commissär,

dort wird ja doch das meiste Gold hingeschafft, und das findet Jeder

in der Ordnung. Uebrigens thun wir am Besten, wir kaufen uns im nächsten

Laden ein paar Ledersäcke, Provisionen müssen wir ja überdies auch

mitnehmen, und draußen im Walde können wir's dann theilen, daß Jeder

sein Part nur zu tragen hat.«

»Das ist das Gescheiteste« stimmte ihm Jones bei, »und damit wir uns

dort nicht mit dem Golde aufhalten müssen, lauf Du Ned rasch hinüber

zum nächsten Laden, kauf was wir brauchen, auch ein paar kleine leichte

leinene Säcke und drei wollene Decken dazu, denn wir müssen Bettzeug

mitnehmen, und geh dann damit oben zu dem großen Gumbaum hinauf, der

dort drüben steht. Wenn wir Dich dort sehen, brechen wir von hier auf.«

Der Plan war soweit gut. Ned nahm zu den Einkäufen das Gold aus dem

Blechbecher und noch einiges anderes, was in der Pfanne lag, und ging

raschen Schrittes zum nächsten kaum einen Büchsenschuß entfernten Laden.

Jones und Bob aber wurde es indessen unheimlich so lange in der Grube zu

warten. Jones recognoscirte deshalb vor allen Dingen, ob er Niemand von

seinen Leuten rings entdecken könne, und hob, als er die Luft rein fand,

den Sack mit Gold auf den Rand der Grube. Rasch kletterten jetzt die

beiden Männer ebenfalls hinaus, und während der Steuermann die Beute

auf den Arm nahm und damit bergauf der bezeichneten Stelle zuschritt,

schaute Bob indessen vorsichtig nach allen Seiten umher, jetzt nicht

dicht vor ihrer Flucht gesehen und entdeckt zu werden. Von der übrigen

Mannschaft, die keine Ahnung von dem beabsichtigten Verrath hatte, da

noch besonders bei dieser Partei der Steuermann jedes Unrecht überwachen

mußte, ließ sich Niemand blicken. Erst als die drei Kameraden gar nicht

zum Abendessen kamen, und die vollständig eingebrochene Dunkelheit jeden

Gedanken, daß sie doch noch am Ende arbeiteten, verwerfen ließ, faßte

der Capitän Verdacht und ging selber zu der ihm wohlbekannten Stelle,

nach seinen Leuten zu sehen. Er brauchte auch nicht lange zu forschen;

das noch in der Grube gelassene Werkzeug verrieth ihm nur zu bald, daß

irgend etwas nicht Gehöriges vorgefallen, und wenn ihm auch Niemand

in den benachbarten Zelten, wo er sich zu erkundigen suchte, gewisse

Nachricht geben konnte -- denn wer bekümmerte sich dort in den Minen um

den Andern, -- brauchte er nicht länger daran zu zweifeln, daß sich

die Leute heimlich aus dem Staube gemacht, und auch wahrscheinlich

gefundenes Gold mitgenommen hätten.

Allerdings ging er, nachdem er Rücksprache mit dem ersten Steuermann

genommen, augenblicklich und noch in der Nacht zu dem Polizeicommissär,

diesen von dem wahrscheinlich verübten Raub und der Flucht der drei

Matrosen in Kenntniß zu setzen. Am nächsten Tage wurden auch Gendarmen

oder berittene Constabler nach verschiedenen Seiten hin abgeschickt, die

Flüchtigen womöglich in einer der andern Schluchten, an denen gearbeitet

wurde, wieder aufzuspüren. Diese wußten aber selber recht gut, daß ihnen

nur ein reiner Zufall die Geflohenen hätte in den Weg und wieder in ihre

Gewalt bringen können, gaben sich deshalb auch nicht die mindeste Mühe

damit, und kehrten am zweiten Tag nach einem langsamen Spazierritt durch

die übrigen Minen, unverrichteter Sache wieder zurück.

Die drei Flüchtigen hatten sich indessen ihren Plan ganz vortrefflich

gemacht und führten ihn eben so durch. An dem bestimmten Baum traf Ned

mit den gekauften Sachen zu ihnen und gab einen Theil davon an Bob zu

tragen. Bald waren sie damit drin im »Busch«, wie der australische

Wald stets genannt wird, im Dunkel der jetzt rasch einbrechenden Nacht

verschwunden und außer jeder Gefahr, verfolgt und eingeholt zu werden.

_Wohin_ sie gehen wollten, darüber hatten sie sich allerdings noch gar

keinen Plan gemacht. Erst mußten sie aus dem Bereich des Turon sein, das

andere fand sich dann von selbst, und sie hielten auch in der That nicht

eher an, als bis sie, ihrer Berechnung nach, mehrere Meilen zurückgelegt

und in einem dort erreichten Dickicht nicht mehr weiter _konnten_. Jetzt

erst beschlossen sie, zu lagern, warfen ihre Last unter einen Baum,

zündeten vor allen Dingen mit dort im Ueberfluß umherliegenden dürren

Holz ein tüchtiges Feuer an und gingen dann erst daran, ihr Abendbrod zu

bereiten und nachher ihren Raub zu theilen.

Das erste war bald geschehen. Ned hatte eine sehr zweckmäßige Wahl bei

den eingekauften Provisionen getroffen und mit frischem und geräuchertem

Fleisch, trocknem Schiffszwieback und Zucker und Thee konnten sie schon

eine Weile im Busche aushalten. Der einzige Fehler war, daß sie an ihrem

Lagerplatz kein Wasser hatten. Das ließ sich aber nicht mehr ändern, und

zum Frühstück beschlossen sie, in das nächste Thal hinabzusteigen,

wo sie, wenn nicht eine Quelle, doch irgendwo schon ein Wasserloch zu

finden hofften.

Auf einem der untergebreiteten Leinwandstücke wurde dann das sämmtliche

Gold ausgeschüttet, und die drei Matrosen, die in ihrem ganzen Leben

einen solchen Reichthum noch nicht bei einander gesehen, jauchzten

und jubelten um den aufgehäuften Schatz. Sie konnten den Gedanken kaum

fassen, daß Alles das jetzt ihnen sei, und die wildesten, tollsten

Pläne wurden unter dem alten Gumbaume entworfen, die fabelhaftesten

Luftschlösser in die stille Nacht hineingebaut. Und _waren_ das

Luftschlösser? Hatten sie nicht den soliden festen Grund da vor sich

liegen, und bedurfte es etwa mehr, als nur einer einfachen Berechnung,

was sie etwa mit dem »gefundenen« Schatze machen könnten? Jedenfalls

_hatten_ sie wirklich Jeder mehr, als es ihrer Meinung nach bedurft

hätte, ein ganzes Schiff damit zu kaufen, und das war ja doch bei ihnen

Allen von je das höchste Ziel all ihrer Wünsche gewesen.

Die Theilung ging jetzt, wie man das Gold überhaupt ohne Waage theilen

konnte, so gut als möglich und nach dem Augenmaß vor sich. Der Haufen

wurde in drei ziemlich gleiche Theile geschieden, und dann so lange

davon herüber und hinüber, hier ab- und dort wieder zugeschoben, bis sie

alle drei übereinstimmten, daß es sich nicht mehr verbessern ließ. Dann

drehte sich Ned ab und den Rücken dem Golde zu, und Jones frug, indem er

nach Gutdünken einen der Haufen mit dem Messer berührte:

»Wer soll _den_ haben?«

»Ich!« sagte Ned.

»Ha, ha, ha, ha,« lachte der Steuermann; »er kann's nicht erwarten, bis

er sein Theil kriegt -- und den?«

»Ihr selber!« sagte Ned, indem er sich wieder umdrehte, zu sehen,

welcher Antheil ihm geworden.

»Gut, dann nimmt Bob also den,« setzte der Steuermann hinzu, indem

er einen für sich mitgebrachten Ledersack hervorholte, seinen Antheil

hineinzuschütten; »großer Unterschied wird überhaupt nicht sein, und auf

eine halbe Unze kommt's nicht an. Jungens, Jungens, für eine halbe Unze

haben wir sonst einen halben Monat arbeiten müssen. Na, das hat jetzt

aufgehört, und der »Esquire« wird hinter meinem Namen gerade so gut

klingen, wie hinter dem von John Smith und Thomas Brown.«

Jeder der Drei nahm jetzt seinen Sack mit Gold an sich, dann wurde das

Feuer noch einmal tüchtig aufgeschürt und bald lagen die Seeleute,

in ihre neuen warmen, wollnen Decken gewickelt in so sanftem, festem

Schlaf, als ob sie an Bord in ihren Cojen, und nicht flüchtig vor der

Polizei mit _gestohlenem_ Golde in der Wildniß lägen.

Am nächsten Morgen waren sie früh wieder auf. Die Provisionen wurden

dann ebenfalls in drei, dem Gewicht nach ziemlich gleiche Parten

getheilt, und mit den zusammengerollten Decken auf dem Rücken, Jones

voran, der einen Brand in der Hand trug, am nächsten Wasser rasch ein

Feuer damit zu entzünden, stiegen sie jetzt den Hang hinab. Dort unten

sollte denn auch berathen werden, wohin sie von hier aus ihre Richtung

nehmen wollten.

Die Schlucht erreichten sie bald, aber fanden dort kein Wasser, obgleich

sie ihr eine ziemliche Strecke weit folgten. Jones blieb zuletzt stehen

und meinte, sie dürften nicht länger an dem trockenen Bache abwärts

gehen, der sie am Ende gerade wieder zum Turon und ihren Verfolgern in

die Hände führte, und das wäre nachher, wie er meinte, »ein gefundenes

Fressen für den Capitain.«

»Ja, aber der Turon liegt ja _dort_ hinüber«, sagte Ned, »sind wir denn

nicht gestern Abend auf der andern Seite des Berg's heraufgekommen?«

»Gott bewahre«, rief Jones -- »ich meinte ja noch, wir hätten unten nach

Wasser suchen sollen -- hier in derselben verdammten trockenen Schlucht,

in der wir jetzt stehen. Nicht wahr, Bob?«

»Ja, und wenn Ihr mich todtschlagt, ich weiß nicht, wo wir hergekommen

sind,« sagte dieser, sich verlegen dabei umsehend, »wünschte aber nur,

wir hätten einen Trunk Wasser, denn mir klebt die Zunge am Gaumen. Die

Richtung wollen wir nachher schon finden.«

»Weißt Du, was Du in den Laden gestern Abend noch hättest kaufen

sollen,« sagte Jones jetzt zu Ned -- »einen Compaß. Den hätten wir gut

gebrauchen können. Sie haben dort so kleine Dinger zu verkaufen die ganz

vortrefflich die Richtung anzeigen.«

»Wenn Du das wußtest, hättest Du's auch früher sagen können,« brummte

Ned; »jetzt ist's zu spät, und wir müssen sehen, wie wir _ohne_

Compaß fertig werden. Hol's aber der Teufel, ob hier nicht ein Baum so

aussieht, wie der andere, und _der_ Berg, wie der da drüben -- und

kein Tropfen Wasser in dem verdammten Land. Das Gescheidteste ist, wir

machen, daß wir an irgend einen Fluß kommen, und folgen dann dem Lauf

desselben. Der bringt uns schon zu einem betretenen Weg und zu Menschen,

denn wo Menschen sind, da ist doch wenigstens Wasser.«

»Nun hier _sind_ Menschen und hier ist _kein_ Wasser,« lachte Bob, »aber

Kameraden, ich habe einen schmählichen Hunger. Wie wär's, wenn wir hier

gleich an Ort und Stelle frühstückten. Wasser finden wir nachher schon

irgendwo.«

»Ich bringe ohne Wasser keinen Bissen hinunter,« versicherte Jones; »die

Kehle ist mir wie verdorrt und zugeschnürt. Wenn wir grad über den Berg

hinüber und auf der andern Seite wieder hinuntersteigen, _müssen_ wir ja

doch zuletzt an Wasser kommen.«

»Ja, an den Turon,« brummte Ned. »Ihr könnt Euch heilig darauf

verlassen, wenn wir _zurück_ gehen, kommen wir wieder an den Turon.«

»Da hat er Recht,« lachte Bob, »die einzige Frage ist nun, nach welcher

Richtung hin das _zurück_ liegt. Daß auch keiner von uns gestern Abend

daran gedacht hat, nach den Sternen zu sehen. Jetzt wüßten wir genau, wo

wir wären.«

»Halt!« rief da Jones plötzlich, indem er Ned's Arm ergriff. »Wo ging

die Sonne Morgens auf, wenn wir in unserm letzten Claim mit dem Gesicht

nach dem Turon zu standen?«

»Grad vor uns,« sagte Ned.

»Gut,« fuhr Jones fort, »dann sind wir auch gestern Abend in einer

nordwestlichen Richtung fortgegangen und ich habe Recht. Dort steht die

Sonne jetzt, also liegt da drüben der Turon.«

»Ja, das ist Alles recht schön«, lachte Bob, »aber wir sollen doch wohl

nicht die gestern Abend angenommene Richtung, in der wir eben nur aus

dem Bereich des Flusses kommen wollten, beibehalten, denn da kommen wir

jedenfalls in die schauerliche Wüste hinein, die zwischen hier und den

Quellen des Murray oder Hume liegt. Unten im Lager hatten wir einen

Kalender, in dem das ganze Land beschrieben stand.«

»Suchen wir aber jetzt gleich wieder zurück in besiedelte Gegenden zu

kommen«, warf Jones ein, »so sind wir jedenfalls der Gefahr ausgesetzt,

irgend einem nach uns ausgeschickten Polizeidiener in die Hände zu

laufen.«

»Bah, wer kennt uns denn?« warf Ned ein. »_Ein_ Matrose sieht den

Charlies wie der Andere aus, und selbst mit unserem Gold können sie

uns nichts beweisen. Wenn wir nur zwei Tage fort sind, soll uns einmal

Jemand entgegen treten und beschwören können, daß wir Alles, was wir

hier bei uns haben, nicht unter einem oder dem andern Baum meinetwegen

hier in den Bergen gefunden. Hat nicht der Schwarze den Karr'schen

Klumpen auch mit einem Beil unter einer Gumwurzel herausgeschlagen?«

»Ja, das ist Alles recht schön,« sagte Jones, der recht gut wußte,

daß er, wenn wieder eingefangen, als Steuermann auch die größte

Verantwortung würde zu tragen haben; »der Gefahr wollen wir uns aber

doch nicht unnöthiger Weise aussetzen und jetzt einmal in Sicherheit,

nicht wie die kleinen Kinder gerade da wieder hinlaufen, wo wir nichts

mehr zu suchen haben. Mein Vorschlag ist der, daß wir noch meinetwegen

heute bis gegen Abend, oder wenigstens einen _halben_ Tag lang, die

gestrige Richtung beibehalten, und dann etwa nach der Mündung des Turon

hin Cours nehmen. Dort kommen wir wahrscheinlich wieder an Minen und

können getrost unseren Weg direct nach Sidney einschlagen. Jetzt nur

vor allen Dingen _Wasser_, das Andere findet sich Alles, und treffen

wir einen guten Wasserplatz, bleiben wir eben so sicher einen Tag dort

liegen, ruhen uns ordentlich aus und können unseren Marsch dann mit

frischen Kräften fortsetzen.«

Dem ließ sich nicht gut etwas entgegnen, und die Matrosen, überdies

gewohnt, an Bord dem Steuermann unbedingt zu vertrauen und sich nie

viel um den einzuschlagenden Cours zu kümmern, folgten auch jetzt ihrem

früheren Vorgesetzten, wohin er sie eben führen würde. Die Sonne fing

indessen an, ziemlich heiß auf ihre Scheitel niederzubrennen, und

es wurde ihnen sauer, den eben niedergestiegenen Berg aufs Neue zu

ersteigen. Das ging jedoch nicht anders, und auf der entgegengesetzten

Seite lag ja auch die Hoffnung auf Wasser, dem sie alle jetzt

entgegenschmachteten. Selbst Bob war einsilbig geworden, und Jones

stieg, ohne daß weiter ein Wort gewechselt wurde, schweigend voran.

Jetzt hatten sie endlich die andere Schlucht erreicht, wo eine Masse

wild zerstreuter Quarzblöcke wohl die Nähe von Gold verrieth, aber --

kein Wasser bot. Gold -- was kümmerte sie jetzt Gold, sie hatten an

dem in ihren Säcken schwer genug zu tragen -- _Wasser_ wollten sie,

und hätten es gern theuer genug gekauft -- wenn es nur eben zu bekommen

gewesen wäre.

Dieser Schlucht über folgten sie wohl eine ganze Meile nieder, und

wenn sie sich auch jetzt drehte, und selbst nach Jones Meinung dieselbe

Richtung einschlug, als jene an der andern Seite des Berges, also

ebenfalls nach dem Turon zu, bedurfte es nur eines Blickes rechts und

links, die steilen, steinigen, sonngebrannten und fast schattenlosen

Wände hinauf, und sie wanderten oder kletterten wieder ruhig und

unverdrossen weiter. Einmal _mußten_ sie ja doch an Wasser kommen -- und

_wenn_ es der Turon gewesen wäre.

Ned hatte zwischen seinen Provisionen allerdings eine gefüllte

Whiskeyflasche mitgebracht, der brennende Trank, von dem sie schon Jeder

ein paar Mal einen Schluck genommen, löschte ihnen aber den Durst nicht,

wenn er auch für den Augenblick half, und die Zungen klebten ihnen am

Gaumen.

»Das ist doch ein gottverfluchtes Land, das Australien,« lästerte Jones

endlich, während er seinen Pack zu Boden und sich selber in den Schatten

eines vorspringenden Felsstückes warf, »kein Tropfen Wasser, wohin man

tritt -- aber ich kann nicht weiter und muß erst etwas essen, -- und

wenn ich's auch hinunter zu _würgen_ habe.«

Die übrigen waren gern damit einverstanden. Erschöpft und matt fühlten

sich Alle, und die Provisionssäcke wurden geöffnet, den Körper nach den

überstandenen Strapazen wenigstens in etwas zu stärken. Das beendet,

brachen sie wieder auf, jetzt aber mit dem festen Entschluß, an dem

ersten Wasserloch, das sie erreichen würden, einen vollen Rasttag

zu machen, und wenn sie ihre Lebensmittel bis auf die letzte Krume

aufzehrten. Die Minen konnten sie dann bald wieder erreichen.

Noch einmal folgten sie jetzt der trockenen Schlucht, in der

vergeblichen Hoffnung, einen Quell, oder doch wenigstens an irgend

einer Stelle vom letzten Regen übergebliebenes Wasser zu finden. Einmal

glaubten sie auch schon ihren Wunsch erfüllt zu sehen, indem sie eine

feuchte Stelle im Bett des sonst trockenen Baches antrafen. Diese aber

enthielt nur dickflüssigen, mit grünem Moder überwachsenen Schlamm, und

selbst Jones konnte sich nicht dazu entschließen, die Lippen daran zu

bringen. Er bog sich allerdings darüber hin, mußte aber in Ekel davon

abstehen. Im weichen Schlamm war die Spur eines vierfüßigen Thieres

eingedrückt.

Zwei volle Stunden marschirten sie wieder weiter, immer der Schlucht

nach, und zwar jetzt genau der Richtung folgend, in der Jones den Turon

vermuthete. Wäre das aber der Fall gewesen, hätten sie ihn schon lange

erreichen müssen, und der Steuermann selbst fand jetzt, daß er seinen

Cours verloren habe. Dort hinaus durften sie deshalb unter keiner

Bedingung weiter gehen, diese Schlucht führte sie wahrscheinlich mitten

in die furchtbarste Wildniß hinein, und fielen sie dort, unbewaffnet wie

sie waren, den Schwarzen in die Hände, so wären sie verloren gewesen.

Zu ihrer Rechten lief ein niederer Hügelrücken hin, der es ihnen allem

Anschein nach möglich machte, den dort liegenden hohen Berg zu umgehen.

Der Richtung beschlossen sie also einstimmig zu folgen. An einer anderen

Schlucht waren sie vielleicht auch glücklicher und trafen Wasser, oder

hörten nach irgend einer Seite zu das Klappern der Maschinen, das ihnen

die Nähe von Goldwäschern verrathen hätte. Es sollten ja hier überall in

den Bergen Leute stecken.

»Ich fürchte, ich fürchte,« sagte Bob, als sie wieder einmal im Schatten

eines kleinen Gumbaumdickichts ausruhten, »wir sind bis jetzt in gerader

Richtung vom Turon ab und mitten in den tollsten Wald hinein gerannt,

wir hätten ja sonst einzelne der dort in der Nachbarschaft zerstreuten

Goldsucher finden _müssen_. Hier die Gegend ist aber wie ausgestorben,

und die Spur des kleinen Känguruhs oder was es sonst für eine Bestie

gewesen ist, die ich am Schlammloch gesehen habe, ist das erste und

einzige Zeichen irgend eines lebenden Wesens, das wir heute den ganzen

Tag gefunden. Nicht einmal ein Vogel ist zu sehen. Mir graut's vor

solcher Einöde.«

»Wenn wir _der_ Richtung gefolgt wären, die ich einschlagen wollte,«

sagte Ned und suchte eins der ihm nächsten Gumblätter zu kauen, »so

wären wir jetzt an Wasser -- pfui Teufel, wie das Zeug schmeckt, bitter

und ölig wie Gift.«

»Ja, bei Wasser und Brod vielleicht«, brummte Jones.

Ned wollte etwas erwidern, verschluckte es aber und lehnte sich

erschöpft auf die neben ihm liegende Decke, dort besser auszuruhen.

»Wie schrecklich still das hier ist«, sagte Bob nach einer ziemlich

langen Pause, »nicht einmal ein Vogel zu hören oder zu sehen. Kein

Frosch quackt -- kein Schuß -- kein Peitschenknall, kein Vieh, selbst in

den Bergen -- nicht einmal Wild. Wenn man abergläubisch wäre, könnte man

wahrhaftig denken, man sei von irgend einem bösen Geiste über Nacht ein

paar hundert Meilen ins Land hinein versetzt worden. So viel weiß ich,

wenn ich den Turon oder einen andern Fluß erst einmal wieder zu sehen

bekomme, bringt mich kein Teufel weg davon, oder wenigstens aus Sicht.

Die Quälerei möcht' ich nicht zum zweiten Mal durchmachen.«

»Wenn wir ihn nur erst zu sehen bekommen«, brummte Ned.

»Da sitzen wir nun«, lachte Bob plötzlich, »drei steinreiche Burschen,

mit ihren Säcken voll Gold, und trocken wie ein Fisch am Land. Aber

zum Henker, das gehört mit dazu, und wenn's uns am Ende gar zu leicht

gemacht wäre, hätten wir vielleicht noch Gewissensbisse bekommen. So

müssen wir's uns aber sauer genug verdienen und nachher schmeckt's desto

besser. Uebrigens will ich an diese verzweifelten trocknen Gumwälder

mein Lebelang denken. Sieht nicht einer von den saftlosen, steingrauen

Bäumen gerade so aus, wie der andere, und werfen die Dinger überhaupt

einen Schatten? Der Stamm, ja, damit sind wir aber auch fertig, und das,

was man bei anderen Bäumen _Laub_ nennen würde, hängt hier wie lange

Stückchen Zink in Büscheln von den Zweigen nieder und _klappert_ --

und kein Grashalm dabei im ganzen Wald. -- Meine Mutter zu Hause klagte

immer über ihre _feuchte_ Wohnung; _hier_ sollte sie sich anbauen, hier

wär's trocken genug. -- Na -- Ihr Beiden sitzt ja da, als ob Euch alle

Masten über Bord geweht wären. _Hier_ können wir nicht bleiben, so viel

ist gewiß, und je eher wir aufbrechen, desto früher dürfen wir hoffen,

irgendwo in diesem verbrannten Lande Wasser oder wenigstens erst einmal

Menschen anzutreffen.«

Seine beiden Gefährten erwiderten Nichts darauf, standen aber doch auf.

Die Kehlen waren ihnen zu trocken, viel zu sprechen, und je eher sie

diesem Zustand ein Ende machen konnten, desto lieber war es ihnen.

Schweigend setzten die drei Männer ihren Marsch fort, und zwar der

Richtung zu, in der sie die verlassenen Minen vermutheten. Und wenn sie

selbst wieder zufällig zu der Stelle zurückgekehrt wären, von der sie

geflohen, hätten sie sich doch wenigstens nach Dunkelwerden satt trinken

und nachher dem Lauf des Flusses folgen, wenigstens in seiner Nähe

bleiben können. Vergebens aber legten sie Meile nach Meile zurück -- der

Schweiß lief ihnen in großen, schweren Tropfen an der Stirne nieder, und

die Glieder vermochten sie kaum weiter zu schleppen. So brach die Nacht

an, und noch immer hatten sie keinen Tropfen Wasser, keine Spur eines

menschlichen Wesens gefunden und mußten wieder lagern. Allerdings

machten sie einen Versuch im Dunkeln ihren Weg fortzusetzen, aber der

Himmel hatte sich umwölkt, es war so finster geworden, daß sie keine

Hand vor Augen sehen konnten, und in den rauhen Felsgesteinen kamen sie

nicht fort.

Die Wolken hatten in sofern ihr Gutes, als sie dadurch auf Regen hoffen

durften. Freilich verloren sie damit auch wieder die letzte Möglichkeit,

ihre Richtung nach der Sonne zu verfolgen. Der nächste Morgen brach

trübe an. Am Himmel ließ sich nicht einmal unterscheiden, wo die Sonne

eigentlich aufgegangen sei, und kein Tropfen Regen fiel. Schweigend und

finster nahmen die Leute ihre Packen wieder auf und wanderten weiter.

Wohin? -- sie wußten es selber nicht, und einer Schlucht jetzt aufwärts

folgend, erreichten sie endlich wieder eine kleine Stelle, in deren Nähe

ein paar Grashalme wuchsen und wo der Boden grün aussah -- wie bei dem

gestrigen Schlammloch.

»Dort ist Wasser!« rief Jones, und sprang darauf zu, aber -- umsonst.

Wasser hatte da jedenfalls einmal gestanden, aber der Grund war jetzt

trocken und aufgesprungen, und grüne, aber ebenfalls trockene und schon

halb vergilbte Flechten zogen sich darüber hin.

»Heiliger Gott!« rief da Bob plötzlich, als sie still und mürrisch

den Platz umstanden -- »das ist ja dieselbe Stelle, an der wir gestern

waren. Dort ist der Stein, auf den ich meinen Packen warf -- da ist der

Eindruck selbst von Jones Hand noch, als er sich hinüber bog den Schlamm

zu lecken.«

Die Anderen warfen rasch und erschreckt den Blick umher; die Thatsache

ließ sich nicht leugnen.

»Dann folgen wir aber jetzt auch der Schlucht _aufwärts_ und über den

Berg hinüber!« rief da Ned, von neuer Hoffnung belebt. »Das ist der

entgegengesetzte Weg von dem, den wir gestern einschlugen und wird uns

zurück zum Turon bringen. Ich hab' es ja gleich gesagt, daß wir irr

gingen.«

»Wie das in dem einen Tage ausgetrocknet ist,« seufzte Jones, der kein

Wort mehr gegen die unbestimmte Richtung erwiderte. »Gott gebe nur, daß

wir bald wieder zum Fluß zurückkommen. _Viel_ länger halt' ich's nicht

mehr aus.«

Ned führte jetzt den Zug an und kletterte, so rasch als es ihm seine

Kräfte erlaubten, den Hang hinan. Er sah sich auch gar nicht mehr nach

den Andern um, ob sie ihm folgten oder nicht; nur vorwärts -- vorwärts

drängte er unaufhaltsam fort, aus dem Wald, zu Menschen, nur zu einem

betretenen Pfad wenigstens zu gelangen. So kletterten sie keuchend den

Berg hinauf, und wollten eben, ohne nur einen Moment anzuhalten oder zu

rasten, über die Kuppe hinüber und an der andern Seite wieder hinunter

steigen, als sie Jones' Ruf an die Stelle bannte: »Land, bei Gott! --

dort liegt ein Haus!«

»Wo?« schrie Ned, und folgte rasch mit den Augen der angegebenen

Richtung. _War_ das ein Haus? In weiter Ferne an einem der

gegenüberliegenden Hügelhänge schien es fast, als ob eine Stelle vom

Wald gelichtet wäre, und mitten drin stand ein heller viereckiger Block.

Es war jedenfalls eine kleine Farm, dort vielleicht an der Grenze des

Waldes.

»Das ist ein Stein,« sagte Bob endlich, der den Platz ebenfalls mit

den Augen gesucht und gefunden -- »ein Stein und nackte Felswand drum

herum!«

»Ich kann die Fenster im Haus erkennen!« rief aber Jones; »und dort --

dort bewegt sich etwas -- das ist ein Mensch. Gott sei Lob und Dank, da

endlich ist ein Ende dieses Elends. Jungens, Jungens, jetzt kann ich es

Euch wohl sagen, mir fällt ein Stein vom Herzen, denn bei unserm Marsch

fing mir an, gar nicht wohl zu werden. Da drüben liegt unsere Hülfe!«

»Es ist wahrhaftig ein Stein,« sagte Bob; »weshalb sollte sich auch ein

Mensch da oben an den nackten Berg hinsetzen. Gehen wir dort hinüber, so

kommen wir ganz aus unserm Cours.«

»Das ist ein Haus,« betheuerte aber auch Ned -- »ich kann den blauen

Rauch aus dem Schornstein aufsteigen sehen. Cours oder nicht, ich gebe

überhaupt keinen Sixpence um unsern ganzen Cours, und das Beste ist,

wir steuern gerade auf die Farm da zu. Die Leute dort werden uns nachher

schon sagen, wo wir Weg und Steg aus dieser Wildniß finden.«

Bob schüttelte den Kopf, da die anderen Beiden aber so fest auf ihrer

Meinung beharrten, fügte er sich ihnen und wanderte mit, jetzt die

Schlucht und den Abhang nieder, um an der andern Seite wieder gerade

aufzuklettern. Der Berg lag auch viel weiter entfernt, als sie im Anfang

vermuthet hatten, und mehrere dazwischen eindrängende Hügelrücken mußten

sie vorher übersteigen.

Die Wolken brachen sich indessen wieder, die Sonne trat hell und klar

heraus und schien noch einmal so heiß als früher niederzubrennen,

als sie endlich den Hang, wo sie das Haus gesehen zu haben glaubten,

erreichten und hinan stiegen. Aber keine Spur eines lebenden Wesens war

zu finden, nicht einmal der Platz, den sie für die Farm gehalten, Wald

-- Wald -- rings um sie her; Nichts als öder, grauer, schattenloser

Wald und scharfer Quarzstein, der ihre Schuhe zerschnitt und ihre Füße

verwundete.

»Ich kann nicht mehr,« stöhnte Jones da, indem er sich, zum Tode matt,

unter einen Baum warf -- »meine Leber steht in Feuer, und vor den Augen

fliegt's mir wie dunkele, blutige Wolken herum.«

»Wir werden den ganzen Weg wieder zurück müssen, den wir nach Euerem

Haus heraufgestiegen sind,« sagte Bob endlich kleinlaut. »Nach _einer_

Richtung _müssen_ wir aber doch endlich einmal wieder zum Fluß kommen,

und ich denke, wenn wir hier jetzt weiter stiegen, wäre es gerade so

gut. Keiner von uns weiß doch mehr, wo er ist, und das dort kann gerade

so gut der _richtige_ Cours sein, wie der falsche.«

Damit waren die anderen Beiden aber nicht einverstanden. Da sie die

Sonne wieder sehen konnten, und wenigstens wußten, wo Norden und Süden

war, wollten sie von keinem Cours aufs Geradewohl mehr hören,

sondern Jones schlug jetzt vor, nach Süden zu gehen und die Richtung

beizubehalten, wo sie dann endlich wenigstens an das Ufer des Meeres,

und jedenfalls vorher an Straßen kommen mußten. Schweigend wandten sich

die Beiden und schritten und stiegen schweigend weiter, bis endlich,

als sich die Sonne schon dem Untergange wieder neigte, Bob plötzlich

ausrief:

»Aber um des Himmels willen, Menschen, wir wollen nach Süden hinunter

und laufen gerade nach Norden hinauf. Steht denn nicht in diesem

verzweifelten Lande die Sonne um Mittag im _Norden_?«

»Das hat noch gefehlt!« stöhnte Jones und sank neben seiner Ladung zu

Boden. »Jetzt sind wir, Gott weiß wie viel Meilen mitten in das wilde

Land hineingezogen, und _wenn_ wir hier Wasser träfen, könnten wir uns

auch darauf verlassen, daß Wilde dabei wären.«

»Ja, das kann nichts helfen,« sagte aber Bob entschlossen. »Wir haben

uns einmal verirrt und müssen jetzt sehen, wie wir wieder hinauskommen.

Noch sind wir im Stande, zu gehen, wer weiß, wie es morgen wird. Ich

denke deshalb, wir drehen hier, wo wir liegen, gerade um und gehen von

jetzt an den richtigen Südcours, und ich glaube, besser auch ein wenig

östlich hinunter. Gerade im Süden ist die See weiter, als wenn wir uns

mehr links der Küste zu halten.«

»See -- Hölle!« stöhnte aber Ned -- »ich bin nicht mehr im Stande,

mit _der_ Last hier die See zu erreichen. Wenn wir nicht früher Wasser

finden, bleib ich liegen.«

»Nur Muth, nur Muth!« suchte sie aber Bob aufzurichten, »hätten wir

gleich von Anfang an einen richtigen und festen Cours beibehalten,

wären wir lange heraus, so aber, da wir überall nur immer nach _Wasser_

suchten, sind wir hin- und hergeklettert, und wahrscheinlich weiter und

weiter von dem Orte abgekommen, den wir eigentlich erreichen wollten.«

»Du hast jetzt gut predigen,« brummte Jones mit einem Fluch in den Bart.

»Daß wir an keiner Chaussee sind, wissen wir selber. Und nun vorwärts;

in der Abendkühle können wir eher noch eine Strecke zurücklegen, als am

heißen Tag.«

Wieder hoben die Männer seufzend ihre Last auf und wanderten weiter, den

Weg gerade zurück, den sie die letzten Stunden gekommen, als plötzlich

Ned stehen blieb und mit leiser, heiserer Stimme sagte:

»Ich weiß nicht; wird _mir_ nur auf einmal so heiß und schwül; aber die

Luft hier kommt mir vor, als ob sie uns aus einem Backofen anwehte.

Ein paar Mal traf mich's jetzt in den Nacken, als ob mir Jemand seinen

heißen Hauch hineingeblasen.«

»Mir ist's auch schon so vorgekommen,« sagte Jones, indem er stehen

blieb und sich umdrehte, aber auch augenblicklich wieder den Kopf

abwandte -- »da hinter uns kommt's her« -- rief er dabei. »Das hat uns

noch gefehlt -- das ist der »heiße Wind« und nun sind wir verloren!«

Der »heiße Wind« war es allerdings, der in Australien wie der Samum der

Wüste aus den heißen Sand- und Salzebenen des Inneren herausstreicht,

und wohin er trifft, Schrecken und Verwüstung trägt. Die drei

Unglücklichen, schon außerdem zum Tode erschöpft und halb verschmachtet,

brachen fast unter der neuen Last zusammen, und wie sie sich auch mühten

vorwärts zu kommen, versagten ihnen zuletzt die erschöpften Glieder

den Dienst. Jones blieb zuerst liegen und rief den Anderen zu, sich zu

retten, er könne nicht weiter und wolle dort sterben, wo er liege. Ned

drang darauf, noch weiter zu gehen -- sie könnten nicht mehr so weit

von Hülfe entfernt sein, und wenn sie hier blieben, wäre ihr Verderben

gewiß.

Bob machte jetzt den Vorschlag, ihr Gold, eine kleine Quantität

abgerechnet, die sie recht gut mitnehmen könnten, hier zu verstecken,

die Bäume dann in der Nachbarschaft zu bezeichnen, und wie sie gingen,

dann und wann ein Stück Rinde von einem Baum abzuschälen. Er hatte

einmal gelesen, daß es amerikanische Jäger so gemacht hätten, ihre

vergrabenen Biberfelle wiederzufinden. Seine beiden Kameraden wollten

sich aber nicht dazu verstehen, ihren Schatz im Stich zu lassen. Das

Gold brachten sie schon noch fort, aber das andere Gepäck mit den

Decken mochten sie nicht länger schleppen. Die Hitze wurde dabei immer

drückender, und sie legten jetzt Alles unter einen der Bäume, legten

Steine darauf, daß es der Wind nicht fortwehen konnte, und bezeichneten

die benachbarten Bäume mit ihren Messern. Jones hatte sich indessen

durch die kurze Rast auch wieder so weit erholt, daß er wenigstens

vorwärts konnte, und an Gepäck leichter, glaubte er schon mit

fortzukommen. Aber immer glühender wurde die Hitze, immer steiler und

steiniger ihr Pfad, und der Steuermann, der die letzte halbe Stunde

kaum hatte mit den beiden anderen gleichen Schritt halten können, griff

plötzlich den bis jetzt sorgfältig im Arm gehaltenen Sack mit Gold auf,

hob ihn in die Höhe und schleuderte ihn von sich, so weit er konnte.

»Teufelsgold!« schrie er dabei mit heiserer, fast röchelnder Stimme, »da

lieg und faule, und möge der Erste, der dich findet und aufhebt, über

dir verderben und verrotten. Fort mit dem Gift -- es ist kein Segen

darin, und so lange wir es bei uns haben, kommen wir aus dieser Wildniß

nicht hinaus, in der uns ein böser Geist in der Irre umhergeführt.«

Der Mann war ganz rasend geworden; der Schaum stand ihm vor dem Mund,

die Augen glühten ihm im Kopf, und seine Glieder zitterten wie im

Fieberfrost.

»Nein,« sagte aber Bob, »das geht nicht, so gerade fort in den Busch

wollen wir das Gold, das wir so lange geschleppt haben, auch nicht

werfen. Komm, Ned, wir machen's, wie ich vorhin gesagt habe, und der

Platz hier eignet sich vortrefflich dazu. Der kleine spitze Hügel, auf

dem wir uns gerade befinden, ist leicht kenntlich, wenn man je wieder in

diese Nachbarschaft käme, und etwas behält jeder davon zurück.«

Er machte sich jetzt daran, seinen Vorschlag auszuführen. Während ihm

Ned aber das Gold willenlos überließ, hatte sich Jones auf die Erde

geworfen und heulte nach Wasser und nach Menschen wie ein wildes Thier,

ja schlug und trat um sich, als ihm Bob endlich ein klein Päckchen von

seinem Gold wieder einhändigen wollte. Der junge Bursche steckte es dann

selber für den Gefährten ein, verscharrte das Uebrige, so gut es gehen

wollte, merkte sich, wie er glaubte, die Gegend vollkommen, und schnitt

dann in die benachbarten Bäume quer über den Hügel hinüber Kerben. Das

beendet, wollten sie wieder aufbrechen, Jones war aber nicht von der

Stelle zu bringen. Er hob sich einmal auf die Füße, brach aber wieder

zusammen, stöhnte nach Wasser und barg dann das Gesicht am Boden, dem

heißen Luftzug, der immer drückender über die Berge strich, Linderung

abzugewinnen. Die beiden Matrosen mußten ihn endlich liegen lassen, wo

er lag. Bob schnitt aber vorher mit seinem Messer eine Anzahl Gumzweige

ab und deckte sie über den Unglücklichen, ihn wenigstens gegen die

Strahlen der niederbrennenden Sonne zu schützen. Sobald sie Hülfe

fanden, wollten sie mit Wasser hierher zurückkehren und ihn und das Gold

abholen.

Hülfe -- den ganzen Tag wanderten sie und keine Aussicht auf Rettung

zeigte sich. Die Sonne verdunkelte sich dabei mehr und mehr. Wie ein

Hehrrauch lag es über den Bergen, der heiße Staub zog in Wolken über

sie hin, und das Taggestirn stand wie eine glühende, mattrothe Kugel am

Firmament, bis es endlich ebenfalls verschwand -- die Nacht brach an und

keinen Bissen zu essen hatten sie mehr, keinen Tropfen Thau selbst,

ihre brennenden, aufgesprungenen Lippen zu kühlen. Anstatt daß ihnen die

Nacht dabei Kühlung brachte, wurde es eher noch heißer und drückender;

sie athmeten den glühenden feinen Staub, und selbst ihre Augen brannten

wie Feuer. Die Nacht lag auch Ned in einem wilden, hitzigen Fieber, und

schrie in seinem tollen Traum, daß sie verfolgt würden und daß der

ganze Wald in Brand stände. Sein Ruf: »Feuer! Hülfe! Rettung!« gellte in

markdurchschneidenden Tönen durch den Wald, und Bob saß dabei, den Kopf

an einen Baum gelehnt, das Gesicht mit den Händen bedeckt und betete,

daß ihn Gott nicht auch möchte wahnsinnig werden lassen.

So brach der Morgen an, aber keine Linderung mit ihm. Bob raffte sich

auf und schüttelte den Kameraden; der aber kannte ihn nicht mehr, stieß

ihn von sich und wühlte wie Jones sein Antlitz in den Boden. Bob selber

fühlte, wie ihn die Kräfte verließen, aber die Angst der Verzweiflung,

hier rettungslos verderben zu müssen, ließ ihn noch einmal seine

Mattigkeit überwinden. Es flirrte ihm, als er aufstand, Alles vor

den Augen -- er sah die Sonne nicht mehr, die, wie sie gestern

untergesunken, heute wieder matt und glühend emporstieg, und als sein

Blick endlich zufällig darauf fiel und er sich der Richtung bewußt

wurde, die er einschlug, wunderte er sich nur, daß sie heute, statt wie

immer im Osten, im Westen aufging. Er kannte keinen Cours mehr, und

als er fast unwillkürlich, wie er ging, die Bäume mit seinem Messer

bezeichnen wollte, fiel ihm das aus der Hand, ohne daß er es gewahr

wurde oder sich danach umgesehen hätte. Nur weiter, immer weiter

taumelte er, jetzt aber immer nur zu Thale, denn einen Berg war er nicht

mehr im Stande zu erklettern, bis er endlich ebenfalls, an Kraft und

Muth gebrochen, zu Boden sank und nicht mehr weiter konnte.

Mit dem letzten Bewußtsein, daß ihm geblieben, wollte er sich eine Ader

öffnen und das Blut trinken -- nur noch einmal _trinken_, ehe er starb,

aber er fand sein Messer nicht mehr. Er brachte den Arm an die Lippen,

ihn aufzubeißen, aber die Sinne schwanden ihm dabei, ein Schlaf kam

über ihn und der Arm sank matt an seinem Körper nieder, der Kopf auf die

Wurzel des Baumes, unter dem er lag.

* * * * *

Wie lange er in dem Zustand geblieben, wußte er nicht, aber ein Gefühl

der Kühle in seiner Kehle, über seinen Schläfen brachte ihn wieder zu

sich. Es war Nacht und ein Mann kniete neben ihm und goß ihm mit einem

Blechbecher Wasser in den Mund, während ein anderer ihm ein nasses,

kaltes Tuch über Stirn und Schläfe legte. Neben ihnen loderte ein hohes,

flackerndes Feuer.

Bob trank -- oh, wie ihm das so kühl und erfrischend durch Mark und

Adern strömte -- er trank und trank und würde sich zu Tode getrunken

haben, hätten ihn seine Retter nicht daran verhindert. Wohl einer Stunde

bedurfte es aber, ehe er seiner Sinne wieder soweit mächtig wurde, den

Leuten zu erzählen, wie er sich im Wald verirrt und wo er hergekommen,

und er erfuhr jetzt auch, wo er sei, und wie er gerettet worden.

Das Letzte war einfach genug, denn kaum fünf oder sechs englische Meilen

vom Turon, wo er niedergebrochen, hatten zwei Goldwäscher aus einem

entfernten Bach, die sich ebenfalls vor dem heißen Wind nach dem Turon

retten wollten, den leblosen, wenigstens bewußtlosen Körper des jungen

Mannes im Busch gefunden und mit der Gegend hier vollkommen gut bekannt,

ihn aufgepackt und bis zum nächsten Wasserloch, das dicht versteckt

unter einem Felsen lag, niedergetragen. Der Turon selber lag, wenn sie

dieser Schlucht folgten, keine zwei starke Stunden Wegs von da entfernt.

Bob erholte sich bald, und sein erster Gedanke war jetzt, die

zurückgelassenen Kameraden zu retten. Davon wollten nun die beiden

fremden Goldwäscher allerdings Nichts hören, denn sie meinten, sie

seien nicht hier heraufgekommen, halbtodte Menschen im Wald herum zu

schleppen. Als ihnen aber Bob von dem Golde sagte, und ihnen gleiche

Theile mit ihnen zusicherte, gewann die Sache ein anderes Licht, und

ihre Wasserflaschen gefüllt, machten sie sich jetzt auf den Weg, die

Verirrten aufzusuchen. Der heiße Wind hatte überdies nachgelassen und

ein frischer Südwind wehte kühl von der See herauf.

Vergebens brachten sie aber zwei Tage wieder in den Bergen zu. Von den

zurückgelassenen Kameraden sowohl, wie von dem Golde war keine Spur mehr

zu finden. Auch die Goldwäscher wollten keinen so spitzen Hügel in der

Nachbarschaft kennen, wie ihn Bob denselben beschrieb. Am zweiten

Tag war ihr Wasservorrath erschöpft, und nicht gesonnen, sich einer

ähnlichen Gefahr auszusetzen, kehrten sie trotz Bobs Bitten, nur noch

einen Tag daran zu wenden, zum Fluß zurück.

Vier Wochen später wurde von drei anderen Goldwäschern, die vom Turon

aus eine kleine Excursion machten, neue Minen aufzufinden, ganz in der

Nähe des Flusses, und kaum eine englische Meile davon entfernt, der

halbvertrocknete Leichnam eines Matrosen gefunden. In seiner Nähe, und

zwar vom Fluß fort, waren eine Anzahl Bäume eingekerbt. Sie untersuchten

den Leichnam, aber er hatte nicht das mindeste Gold bei sich, und um ihn

nicht an der freien Luft länger liegen zu lassen, gruben sie neben ihm

mit ihrem Handwerkszeug ein Grab und legten ihn hinein. Das dicht dabei

versteckte Gold hatten sie nicht gefunden. Ihrem Vermuthen nach mußte

der Mann dort an der Stelle krank geworden und ohne Hülfe gestorben

sein.

Bob kehrte in die Minen zurück und begann an einer anderen Stelle wieder

zu arbeiten. Das damals gefundene Gold war zu verführerisch gewesen, die

Hoffnung auf weiteres Glück so rasch und plötzlich aufzugeben; als er

aber zwei volle Monate fast nur gearbeitet, sich selber am Leben zu

erhalten, bekam er es satt, ging nach Sidney zurück und dort wieder an

Bord des ersten Schiffes, das den Hafen verließ.

Der Capitain der Jane Douglas blieb noch einige Wochen in den Minen,

bis seine Leute ebenfalls der Arbeit mit Spitzhacke und Schaufel

müde wurden, engagirte sich dann gleich an Ort und Stelle unter den

fortgelaufenen Leuten von anderen Schiffen eine volle Mannschaft, und

konnte, während andere Capitaine noch im Hafen lagen und mit Schmerzen

auf nur wenigstens halbzählige Bemannung harrten, seine Segel setzen und

die gefährliche Nachbarschaft des Goldes wieder verlassen.

Inselwelt. Zweiter Band. Australische Skizzen. Gesammelte Erzählungen. · 第 13 / 15 题